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 Thompson Falls

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BeitragThema: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 8:26 pm

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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 8:26 pm

Der dunkle PKW rollte mit einer beständigen Geschwindigkeit über die Landstraße, welche seit gut zwanzig Meilen nur eine leblose, karge Landschaft zeigte. Meist waren es einfache, weite Flächen ohne großartigen Bewuchs gewesen, welche innerhalb der letzten zehn Minuten dichten Nadelwäldern gewichen waren, die wie eine perfekte Kulisse für einen Teen – Splatter anmuteten. Die dunklen Augen des ehemaligen Söldners waren, wie schon die gesamte Fahrt über Konzentriert auf die Straße vor ihm gerichtet. Er hatte Malia gesagt sie solle noch ein wenig schlafen, denn wenn sie erstmal das Kind eingeladen hatten, würde es mit der Ruhe sicherlich vorbei sein. Im Nachhinein hatte er es bereut, sich für diesen Teil der Mission eingeplant zu haben. Nicht nur das er anderen das größere Risiko überlassen hatte, was ihm jede Minute mehr Magenkrämpfe bereitete, nein zudem war er die wohl denkbar ungeeignetste Personalie, wenn es darum ging, sich um Kinder zu kümmern. Er hatte noch nie viel von Bälgern gehalten, hatte sie zumeist weitergereicht, wenn man ihm ein Neugeborenes in die Hand gedrückt hatte – denn allein schon die nicht absehbaren Bewegungen der Kinder hatten garantiert bereits mehrfach dazu geführt, dass das Kind aus den Händen der jeweiligen Person fiel. Und da sah er sich bereits dem nächsten Problem gegenüber – Kinder, vor allem sehr junge Kinder waren so unglaublich zerbrechlich, dass man sie gar nicht erst antippen und am liebsten einfach irgendwo absetzen wollte. Auch war fraglich wie man sich mit ihnen beschäftigen sollte, denn das einfache Ballspiel, Bilderbuchlesen und basteln schien ihm weder sonderlich interessant, noch erstrebenswert.
„Wir sind bald da, circa zwanzig Minuten noch.“ Weckte er die Urindianerin, welche bis dato friedlich und mit halb geöffnetem Mund auf dem Beifahrersitz geschlafen hatte. „Ausrüstung soweit bereit? Ich will nicht, dass irgendwas schiefgeht, wenn wir das Kind erstmal im Auto haben.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 9:06 pm

Gähnend richtete sich Malia auf ihrem Platz auf, streckte sich wie eine Katze und blinzelte ein paar Mal. "Klar. Der Kindersitz ist da, wir sind bis zum Dach mit Bilderbüchern eingedeckt und für den letzten Notfall haben wir hier ein paar Kindersendungen als Datei, abspielbar jederzeit in jeder nur erdenklichen Lautstärke."
Ihr Blick glitt über die weite Landschaft, in der es keinen Punkt gab, an dem ihre Augen wirklich hängen blieben und wenn sie sah, was die Menschen aus der Natur gemacht hatten, dann blutete ihr oft das Herz. Menschen an sich waren schon schlimm genug, wenn sie die Umwelt, in der sie lebten, gedankenlos zerstörten, wurden sie ihr nur umsympathischer. Einer der Gründe, warum sie lieber alleine war. Wenn sie mit all dem da draußen schon so umgingen zeigte das nur ansatzweise, was sie im Stande wären, mit Mitmenschen anzustellen.
"Wie sieht der Plan aus? Du nimmst dir das Bündel, wir erklären es den beiden und hauen ab?"
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 9:19 pm

„Vielleicht sollten wir die Reihenfolge ändern und den Zieheltern erst erklären warum wir das Kind mitnehmen ehe ich es mir unter den Arm klemme – aber ansonsten, ja.“ Natürlich hatte er sich einige Szenarien zurechtgelegt, welche jedoch nur Situationen wie die plötzliche Panik der Zieheltern beinhalteten, die plötzlich zum Telefon hechteten oder das Smartphone zückten, um die Polizei zu verständigen. Die eigentliche Herausforderung hatte Shahin allerdings, wie er im Nachhinein feststellen musste vollkommen unterschätzt.
Der Land Rover bog in eine schmale Seitenstraße ab, die nicht einmal zwei Spuren besaß und die einen möglicherweise aufkommenden Gegenverkehrt zur wahren Herausforderung machte – doch glücklicherweise tauchte dieser nicht auf. Sie kamen ohne weitere Schwierigkeiten an einem Haus an, dass in einem erstaunlich modernen Stil gebaut worden war. Es hatte eine leicht asymmetrische Form, was aber, dass konnte man bereits auf den ersten Blick erkennen, kein Baufehler war, sondern eine direkte Entscheidung des Architekten. Und tatsächlich wirkte das Haus, nicht nur durch den asymmetrischen Bau, sondern auch durch die Art und Weise wie Stein und Holz verbaut worden waren, leicht futuristisch. Eines stand in jedem Fall fest, die Familie hatte Geld. „Gut, halt dich bereit. Ich muss mich darauf verlassen können das du jeden der beiden im Notfall beeinflusst, bevor sie irgendetwas von sich geben was die Kleine vollkommen verschrecken könnte.“ Die Pistole, wie auch der Halfter selbst hatte er von der Halterung an seinem Gürtel genommen und diese im hinteren Hosenbund verstaut, über dem nun ein langer, grauer Wintermantel hing. Die Klingel wiederum entsprach voll und ganz dem typischen Vorstadtklischee, denn der Ton war, selbst von außen gefühlte drei Oktaven zu laut und ließ eine unangenehm schrille und nervtötende Melodie erklingen.
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 9:41 pm

„Klar, wenn du das nicht schon genügend tust“, murrte Malia und folgte dem Größeren hinüber zur Tür. Sie ließ sich Zeit damit, betrachtete eingehend den gepflegten Vorgarten, konnte hinter der bereits halb blätterlosen Hecke eine Schaukel erkennen, die sacht im milden Oktoberwind schwang, direkt neben einem abgedeckten Sandkasten.
Wie konnte es besser sein, das Kind hier heraus zu reißen, wo es eine normale Kindheit haben konnte? Was konnten sie ihm denn bieten? Ein abgefucktes Fake-Hotel, im dem Menschen herumliefen, die jeden Tag weg vom Fenster sein konnten. Stress und Nahrungsengpässe. Kälte im Winter. Die Angst, jeden Tag als Waise aufzuwachen.
Bitter presste sie die Lippen aufeinander und trat neben Shahin an die Tür, schob ihn dann eine Sekunde später energisch bei Seite und setzte ein freundliches und vertrauenserweckendes Lächeln auf. Hazels Zieheltern mussten ja nicht unbedingt gleich diesem riesigen Schwarzen in die Augen blicken, der jeden einschüchterte mit seiner Art.
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 9:55 pm

Es dauerte noch gut zehn, fünfzehn Sekunden, auch wenn sich diese paar Sekunden wie Stunden für Shahin anfühlten, bis ein Elternpaar, die Mutter um genau zu sein, die Tür öffnete. Sie gliederte sich von der Art her eindeutig in die Kategorie Mensch, du schon am frühen Morgen unanständig gute Laune hatte, jedes Wort beinahe trällerte und im allgemeinen ein derart herzensguter und netter Mensch war, dass dem Söldner beinahe die Galle hochkam. „Was … kann ich für sie beide tun?“ Fragte sie, wie vermutet leicht trällernd, auch wenn man die Verwunderung in ihrer Stimme, wie auch in ihrem Gesicht deutlich erkennen konnte. „Grace. Grace O‘ Conner.“ Sagte Shahin im ersten Moment nur, ließ den Namen einen Augenblick lang seine Wirkung entfalten. Und tatsächlich war die Wirkung nicht enttäuschend. „Sie hat uns hierhergeschickt. Sie ist in Schwierigkeiten, in ziemlich großen sogar. Die Regierung wird bald aktiv hinter ihr her sein, wenn sie es nicht schon ist. Und unter den gegebenen Umständen kann Hazel hier nicht weiter in Sicherheit leben. Hier …“ Er reichte der jungen Frau, die von Sekunde zu Sekunde mehr die Fassung verlor den handschriftlich verfassten Brief. „Sie wollte das ich ihnen das hier überreiche. Aber am wichtigsten ist das sie sich jetzt konzentrieren. Egal wie hektisch das hier für sie wirken mag, es geht um die Sicherheit des Kindes. Packen sie die wichtigsten Sachen in eine Tasche und holen sie das Kind zur Tür. Sie wird bei uns in Sicherheit sein.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 10:20 pm

"Okay, lass das mich mal machen", murmelte Malia genervt und streckte sacht ihre Gedanken in die Richtung der Ziehmutter aus. Sie war besorgt, fast panisch. Ganz behutsam sandte Malia ein paar ruhige Gedanken zu der Mutter. 'Es ist in Ordnung. Er spricht die Wahrheit. Hazel wird es an nichts fehlen. Grace möchte ihre Tochter wieder zu sich nehmen.'
Aber im Gegenzug erhielt sie all die Momente, die der jungen Frau mit Hazel im Kopf herumschwebten. Die Kleine, lachend und singend, wie sie durch die Küche tanzte. Hazels erster Zahn. Der Moment, als Mary sie das erste Mal in den Arm genommen hatte, Graces Gesichtsausdruck dabei, der pure Horror. Das war der Nachteil, wenn man nicht offen über seine eigenen Fähigkeiten sprechen konnte, Malia hatte keine Chance, all diese Dinge abzuwehren, ohne es offensichtlich werden zu lassen.
Sie schloss kurz die Augen. 'Mary. Vertrau uns.'
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 10:41 pm

Der Blutdruck der Frau sank beinahe sichtbar und nach und nach wurde ihre Atmung wieder langsamer, während aus dem hinteren Teil des Hauses bereits laute Rufe drangen. „Mama … Mama … MAAMMAA!“ Die ersten beiden Male war es noch eine normale, annehmbare Tonlage, ab dem dritten Mal jedoch wurde die grelle Kinderstimme einer Sirene gleich und fast Augenblicklich durchkam Shahin ein Kopfschmerz, beißender als jeder Sonnenstich den er in Afrika erlebt hatte. Doch das schlimmste daran war nicht etwa die Tonhöhe, vielmehr lag das Problem darin, dass diese nicht nur einmal, sondern regelmäßig alle fünf Sekunden fast haargenau so getroffen wurde. Beim zwanzigsten Rufen hatte Shahin aufgehört zu zählen und hatte innerlich bereits jetzt bereut, sich hierfür auch noch freiwillig gemeldet zu haben. „Einen Augenblick Schatz!“ Bat die junge Mutter, während sie den Brief überflog, scheinbar mehr auf die Handschrift und einzelne Schlüsselworte bedacht, als den ganzen Umfang.
„Wie ich bereits sagte, sie können uns vertrauen. Dass muss für sie alles sehr plötzlich kommen und das tut mir ehrlich leid, doch wir sind nur um die Sicherheit ihres Kindes bedacht. Und in Anbetracht dessen wäre es das Beste, wenn wie Hazel so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 10:47 pm

Mann, der Typ hatte das Feingefühl echt nicht mit Löffeln gefressen. Er musste doch merken, dass seine militärische Art hier absolut fehl am Platz war! Aber durch Hazels durchdringendes Meckern, Brabbeln und Rufen schien er ziemlich aus dem Konzept. Und auch Mary wurde wieder unruhiger, was Malia dazu zwang, ihren Einsatz im Kopf zu verstärken. Über Hazel würde sie sich später Gedanken machen, der Wagen war zumindest so isoliert und die Scheiben getönt, niemand würde sie bocken und heulen sehen oder hören.
"Shahin, halt die Klappe. Mary. Sehen Sie mich an."
Malia hielt dem Blick der anderen stand. Die grünen Augen waren weit aufgerissen und voller Angst, aber der jungen Indianerin blieb kaum mehr eine andere Wahl. Es drohte zu eskalieren und das Letzte, was sie gebrauchen konnten, war Aufmerksamkeit. Sie erregten vermutlich ohnehin schon genug davon.
Mit voller Konzentration brach sie mit den Gedanken in Marys Kopf, pflanzte sie in jede Ecke, die sie finden konnte und begann dann mit Worten, die jungen Pflänzchen zum Wachsen zu bringen.
"Hazel ist in Sicherheit. Sie hatten eine wundervolle Zeit mit ihr, aber jetzt muss sie zurück zu ihrer Mutter. Grace wird ihr ein wunderbares, gesichertes Leben ermöglichen, gemeinsam mit einem Vater für die Kleine. Es wird ihr an nichts fehlen. Sie selbst werden bald Ihr eigenes Kind haben. Kümmern Sie sich darum. Lieben Sie es, wie Sie Hazel geliebt haben."
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 11:07 pm

Die Frau schien noch eine Weile zu brauchen um die Gedanken die Malia ihr eingepflanzt hatte zu verarbeiten, nach gut zwei oder drei Minuten schien sie jedoch klar genug im Kopf zu sein, um begriffen zu haben was genau sie nun zu tun hatten. „W… Warten sie einen Augenblick, bitte. Ich muss ihre Sachen einpacken, ihr Spielzeug, ihre Kuscheltiere …“ „Die wichtigsten Kleidungsstücke in eine Tasche. Kein feines Zusammenlegen, einfach hineinwerfen. Es muss schnell gehen, nicht schön aussehen Ma’am.“ Die Frau schien erneut einen Moment zu brauchen, dann nickte sie schließlich und ging die Treppen hinauf. Kurze Zeit später erstarb das wilde Rufen des Kindes nach der Mutter. „Ich war so feinfühlig wie es die Umstände zulassen…“ Meine Shahin leise und drehte sich ein Stück zu seiner Kameradin um. „Was hätte ich machen sollen? Smalltalk führen? Das Kind ist in Gefahr und wir auch, hier unnötig die Emotionen zu zelebrieren bringt keinen von uns weiter, es füllt höchstens ein paar Särge.“ Doch er wurde leise als er wieder Schritte auf der Treppe hörte, die anscheinend nur unweit der Haustür gebaut worden war. Die Mutter tauchte wieder in der Tür auf, in der einen Hand die größte Tasche die sie auf die Schnelle hatte finden können, welche eine Himmelblaue Färbung und ein grellpinkes Pony mit Regenbogenmähne als Logo hatte. Der Reißverschluss war nicht ganz zugezogen worden und aus der Tasche ragte, den kleinen Kopf fast spielerisch herausstreckend, eine kleine Stoffkatze. „Hazel …“ Fing die Frau an, kniete sich zu ihrem Kind herunter, welches schnell in einen Anorak gesteckt worden war und nicht so recht zu begreifen schien was gerade geschah.
Shahin besaß genug Anstand um nicht mitanzuhören was Mary sagte, doch einzelne Wortfetzen wie „diese Leute dort kümmern sich jetzt um dich“ oder „keine Angst, wir sehen uns bald wieder“ konnte er dennoch nicht ausblenden. Zwar bezweifelte er dass es ein baldiges Wiedersehen zwischen den beiden gab, doch weder war er befugt so eine Einschätzung von sich zu geben, noch kannte er einen der beiden gut genug um einen solchen Kommentar abzugeben. „Wir müssen jetzt los.“ Er nickte der jungen Frau noch einmal zu, ehe er dem Mädchen die Hand hinhielt und sich ein Stück nach unten beugte. „Mein Name ist Shahin. Und das dort ist Malia.“ Er deutete auf seine Gefährtin, welche ebenfalls langsam nervös wurde. „Wir drei müssen jetzt eine kleine Fahrt unternehmen, in Ordnung?“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Mi Okt 21, 2015 11:22 pm

Kopfschüttelnd wich die Kleine zurück, bis sie mit dem Rücken gegen Malias Beine stieß, die just in dem Moment in die Knie ging, um sie abzufangen. Egal was sie taten, das hier würde jetzt nicht gut enden. Sie mussten weg, irgendein Gefühl sagte ihr, sie mussten sich jetzt beeilen. Und Hazel schien nicht kooperieren zu wollen. Wer wollte es ihr verdenken? Sie zwar zweieinhalb Jahre alt, ihr Verständnis der Welt beschränkte sich auf ein Minimum. Was wollte sie denn schon von Sicherheit wissen? Ihr war ihre Bezugsperson wichtig ... und die stand vor ihr und war drauf und dran, sie Fremden mitzugeben. "Hazel", murmelte Malia. "Komm schon."
"Mom!", rief die schmale Gestalt verzweifelt, als Malia sie vorsichtig auf den Arm nahm und von Mary wegdrehte. "Shahin, öffne den Wagen!"
Es kostete sie einen ziemlichen Kraftakt, ohne Mary anzusehen alle deren Gedanken zu stoppen und sie zurück ins Haus gehen zu lassen. Es war, als hätte sie eine riesige Mauer um den eigenen Schutz von Marys Gedanken hin aufgebaut. Alles, was nach draußen wollte, mit der Umwelt zu tun hatte, würde wieder abprallen. Es würde halten, bis sie weg waren, aber nicht viel länger. Was es schwierig machte, die Verbindung aufrecht zu halten, war das schreiende Kind in Malias Armen, das sich steif machte, strampelte, zappelte und erstaunliche Kräfte entwickelte. Ganz zu schweigen von der Stimme, die sich in immer höhere Tonlagen schraubte, direkt neben Malias Ohr. Aber sie konnte nun einmal nur eine Person gleichzeitig beeinflussen. "Hazel, es ist alles in Ordnung", sprach sie so ruhig sie konnte über das Gebrüll hinweg.
"MOMMY!", kreischte Hazel jetzt aus vollen Lungen, die Tränen liefen ihr über die pausbäckigen Wangen, was da aus Nase und Mund lief, wollte Malia gar nicht weiter definieren und um ehrlich zu sein: es war einfach kein schöner Anblick. "NEIN! NEIIIIIIN!"
Mit ihren Fäusten begann Hazel jetzt Malias Hals zu bearbeiten, verlegte sich dann aber darauf, ihre Fingerchen in deren Haare zu krallen und zu ziehen so fest sie konnte, während sie sich mit den Beinen aus Malias Griff zu pressen versuchte. "NEI-HEEEEEIIIIIIN! MOM! MOMMY!"
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 7:04 pm

Dem Kind einfach ein Beruhigungsmittel zu spitzen kam leider nicht in Frage, auch wenn Shahin dies in jenem Moment gern getan hätte. Das Schreien des Kindes war, auch als die drei in das gestiegen waren, noch unanständig laut. „Hazel, Hazel.“ Das Kind reagierte nicht einmal ansatzweise, strampelte nur weiter hin und her, während Malia, die inzwischen verzweifelt versuchte den Gurt im Kindersitz fest zu machen, immer wieder Schläge und Tritte des jungen Mädchens erdulden musste. „Setz dich neben sie, ich übernehm das.“ Gab er ihr bloß zu verstehen, als er ihr kurz auf die Schulter geklopft hatte. „Hazel!“ Rief er, diesmal deutlich lauter und strenger. Und tatsächlich schien das Kind aufgeschreckt genug, als dass es für einen Augenblick nicht wusste, ob es wirklich weitermachen konnte. Genau diesen Moment nutze Shahin, um die beiden Gurtenden einfach ineinander zu verknoten, genau so weit, dass die Sicherheit des Kindes, doch auch eine ausreichende Freiheit für den kleinen Körper gegeben war. Andernfalls hätte Hazel den Mechanismus des Gurtes binnen weniger Minuten überlistet und ihnen erneut Probleme bereitet. So allerdings konnte sie recht wenig gegen die Knoten ausrichten.
Er sprach nicht weiter mit dem Kind, glaubte er doch damit gegen eine Wand zu reden, die nicht mehr als flehende Laute von sich geben würde. Nicht dass er diese Reaktion nicht verstand – er hatte sie sich nur nicht derart … martialisch vorgestellt.
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 7:52 pm

"Wie taktisch", seufzte Malia und schüttelte gequältden Kopf, andererseits war sie einigermaßen froh, von den kleinen Folterwerkzeugen etwas befreit worden zu sein. Man mochte es ja kaum glauben, aber kleine Kinder hatten enorme Kräfte und wenn die mit etwas kollidierten, dann tat. es. weh.
Sich selbst den Sicherheitsgurt umlegend blieb Malia auf der Rückbank. Es wäre ihr falsch vorgekommen, sich jetzt in den vorderen Teil des Wagens zu setzen und den kleinen Ziegenbock hier einfach alleine zu lassen.
Statt weiter mit der Kleinen zu sprechen, lehnte sie den Kopf nach hinten gegen die Nackenstütze und schloss die Augen. Das ohrenbetäubende Gerbüll nahm kein Ende. Malia war noch nie in den Geist eines Kindes vorgedrungen und eigentlich hatte sie dazu auch keine große Lust, zu sehr mitgenommen von den Erinnerungen Adriannas ... aber was konnte so ein kleiner Mensch schon in sich gespeichert haben, das in ihr solche Gefühle auslöste?
Wie sehr sie sich doch täuschte.
Das Gedankengeflecht war kleiner, engmaschiger. An jedem Fitzelchen war eine Abzweigung, eine Schlaufe, als hätte jemand das Ganze noch nicht an den Enden befestigt. Manche Stränge lagen noch zusammengeknüllt herum, andere hatten Knoten gebildet. Natürlich. Irgendwie war es logisch. Die Grundpfeilger der Gesellschaft fehlten. Der Kompass zu einem funktionierenden Menschen war noch nicht fertig ausgebildet und das hier waren die ... was? Die Grundanlagen eines Menschen?
Als könnte sie Hazel damit zerbrechen, tastete sich Malia in den verworrenen Teil, den sie als aktiv ausmachte hinein - und schrak zurück. Purer, reiner Schmerz schlug ihr entgegen. Da waren keine Worte, keine Erinnerungen wie bei Adrianna oder Mary. Hier ging es einzig und alleine um das Gefühl. Und so grausam und unreflektiert davon getroffen zu werden, raubte Malia die Luft zum Atmen.
Behutsam schob sie sich weiter vor, in das Dickicht hinein, sah sich hier ein Gefühl der Überraschung an, dort eines der Zurückhaltung. Sie war wie in einem Zauberwald, umgeben von mit Tau überzogenen Spinnennetzen, die im fahlen Mondlicht funkelten. So etwas wunderbares und zugleich erschreckendes hatte sie noch nie gesehen. Nicht mehr lange und auch Hazel würde die gewisse Grundordnung einer Heranwachsenden besitzen. Die Feste, von der aus sie alle Gedanken aussenden konnte. Bis es so weit war, würden noch einige Jahre ins Land gehen.
Malia konnte nicht anders, als Hazel einige beruhigende Empfindungen zu senden. Es war schwierig, weil sie es gewohnt war, mit Bildern und Worten zu arbeiten. Ein Gefühl zu senden musste man fühlen - und das mit jeder Faser des eigenen Körpers, wenn es nachhaltig sein sollte. Es war weniger schlimm, jemandem nur kurz etwas vorzugaukeln. Der erwachsene Geist ließ sich nicht mehr so leicht in Sicherheit wiegen aufgrund all der Erfahrungen, die er gesammelt hatte. Aber Kinder ...
Das Weinen wurde leiser, verebbte aber nicht ganz und Malia zog sich allmählich zurück. Das musste genügen, mehr wollte sie dem kleinen lebendigen Pulsieren vor sich nicht zumuten.
"Shahin, beeil dich einfach, okay? Ich weiß nicht, wie lange das hier gut geht."
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 8:19 pm

„Was soll ich denn machen? Mit 150 Sachen über die verdammte Landstraße brettern und uns drei damit in irgendeine Böschung zu befördern? Wir sind mehrere Stunden unterwegs und es ist doch alles da – Filme, Spielzeug, ich glaub wir haben sogar irgendwas zum Ausmalen mitgebracht.“ Die schärfe seiner Worte fiel ihm nicht einmal auf, er glaubte sich voll und ganz im Recht und sah seine Aussage als mehr als verständlich an – sicherlich war das Kind gerade von seinen Zieheltern getrennt worden – doch musste die Panik bei einem so einfachen und kleinen Geist wie dem eines Kindes schnell nachlassen? Genau an dieser Stelle bewies sich zum ersten Mal stichhaltig, dass er keinerlei Erfahrung mit Kindern hatte. Er selbst hatte kaum Kind sein können und konnte sich an die wenigen ruhigen Jahre nur sehr schwach erinnern. Und vermutlich würde das gleiche bei Hazel entreffen. Die ersten Jahre würden an ihr vorbeiziehen und irgendwann vollständig aus der Erinnerungen verschwinden, was dann blieb war meist die Erinnerung ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr. „Hat sich eigentlich schon irgendjemand überlegt wer die gesamte Zeit über auf das Kind aufpasst? Grace ist kompetent genug als dass man sie nach einem Rundum Check in den Einsatz schicken kann, und um ehrlich zu sein würde ich nur ungern auf Jemanden verzichten, der scheinbar schon länger im Personenschutzsektor gearbeitet hat.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 8:44 pm

Angewidert richtete sich Malia ein Stück weiter in ihrem Sitz auf, krallte die Finger um die Rückenlehne des Fahrersitzes und brachte sich so nah es ging neben Shahins Ohr. "Ist das eigentlich alles, woran du denkst? Militär und Einsätze? Bist du überhaupt ein Mensch?"
Sie hätte genauso gut mit sich selbst reden können - der Typ war doch einfach nur ... ihr fehlte das richtige Wort dafür. Fokussiert wäre zu nett. Krank wäre zu hart. Er war merkwürdig, als würde ein Teil von ihm fehlen. Sie warf gefrustet die Hände in die Luft und ließ sich schlagartig wieder zurückfallen. Hazel neben ihr weinte immer noch, leise und anhaltend inzwischen, was noch viel schlimmer klang als das Geschrei zuvor. Malias Kopf tat weh davon und sie wollte sich bereits jetzt alle Haare einzeln ausreißen. "Alles, was ich von dir höre, ist taktisches Gelaber. Du hast Menschen vor dir! Menschen bilden deine sogenannten Teams! Begreifst du nicht, dass du keine Maschinen vor dir hast, die reagieren, wie du es willst, wenn du den richtigen Knopf drückst? Es ist so viel mehr als das, es gibt unzählige Schichten, die alle zu einer Reaktion beitragen. Du bist der einzige, der sich mit aller Macht wehrt, auch nur einen Funken Menschlichkeit zuzulassen."
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 9:13 pm

„Und jede einzelne Schicht stirbt, wenn Leute ihr rationelles Denken durch Gefühle beeinflussen lassen.“ Gab Shahin ruhig zurück, setzte den Blinker und bog kurz darauf nach links ab, beide Hände im zehn und zwei Uhr Winkel am Lenkrad. „Was bringt es dir wenn ich jetzt mit mehr Menschlichkeit agiere? Glaubst du das macht irgendetwas besser? Glaubst es hilft irgendjemandem? Es ist eine verdammte Lüge, mehr nicht. Alles was du oder irgendjemand anders als menschlich bezeichnet ist nicht mehr als das schönreden von verdammt beschissenen Situationen. Was soll ich denn deiner Meinung nach tun? Sagen wie leid mir das alles tut? Lügen, dass alles bald besser wird? Du kennst die Wahrheit Malia. Diese Welt ist schenkt dir nichts und sie ist dir nichts schuldig. Man verdient nichts, dass verdienen durch irgendwelche guten Tagen ist einfach nur ein Irrglaube mit dem man sich vergebene Mühen schmackhaft macht. Gut, denken wir den Gedanken weiter. Sagen wir, ich werde nett und freundlich, nenne jeden beim Vornamen und zeige natürlich Rücksicht, wenn sie irgendwelche Probleme haben, beispielweise beim Training. Denn später im Einsatz wird auch jeder auf ihre Absichten, auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen, genauso wie jeder Unbekannte, jeder Fremde Rücksicht nimmt?“
Der Motor erhöhte die Drehzahl nach und nach wurde das leise Brummen des Dieselmotors lauter. „Es ist besser diese Seite abzulegen Malia, vor allem für dein Umfeld. Beziehungen, enge Freundschaften, es ist alles derart … wankelmütig. Letztlich unbedeutend, schlichtweg unnütz.“ Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann blickte der ehemalige Söldner durch den Rückspiegel auf die junge Frau. „Beschäftige dich lieber mit dem Kind.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 9:46 pm

Damit war also dann alles gesagt? Malia sah das ganz anders. Wutentbrannt schnallte sie sich los, ignorierte Hazel, die auf einmal ganz ruhig wurde - und kletterte stattdessen über die Mittelkonsole nach vorne, bis sie im Beifahrersitz saß.
"Erstens: Du bist der Letzte, von dem ich auch nur einen Befehl entgegen nehmen. Und klar, schick mich zur Strafe Karotten schälen oder Klos putzen, wenn wir wieder zurück sind - wenn du glaubst, das stärkt in irgendeiner Art und Weise den Respekt vor dir, schürt ein ähnliches Feuer, das die Leute fühlen, wenn sie Elias oder Adrianna folgen ... blind in den Tod, wenn man so will ... dann hast du dich geschnitten."
Sie holte tief Luft und schnippste mit den Zeigefingern gegen ihre Daumen, immer wieder, um nicht vollends auszurasten. "Zweitens: Willst du mir sagen, die ganze Welt ist schlecht? Klar, ein Teil davon ist es. Ist dir schon mal aufgefallen, dass das genau der Teil ist, gegen den wir kämpfen? Und die meisten von uns, tun das nur, weil sie mit dem Herzen dabei sind. Weil wir die Menschen lieben, für die wir kämpfen! Wir leiden manchmal - wir leiden mit anderen - aber WIR. LEBEN! Unser Mitgefühl ist es, was uns antreibt, für eine bessere Zukunft zu kämpfen, auch wenn der eine oder andere es nicht so zeigen kann." Yue. Oh Gott, Yue ...
Ihre Sinne weiteten sich und sie rannte erst einmal Kopf voraus gegen die Mauern, die Shahin um sich herum aufgebaut hatte. Sternförmige Schmerzen explodierten in ihrem Kopf, trugen aber nicht dazu bei, dass sie von ihrem Unterfangen abließ. Gegen das hier waren die Mauern, die Adrianna gezogen hatte ein Klacks. Mit aller Gewalt zwang sie sich weiter, zwängte sich in eine Lücke, in der sie Elias Gesicht als dumpfen Wiederhall einer Erinnerung sehen konnte und von dort aus marschierte sie ohne Rücksicht auf Verluste vorwärts, entlang an Folter und Tod, vorbei an militärischem Drill, spazierte an einem bodenlosen Abgrund entlang, den sie noch in keinem Menschen vorgefunden hatte. Sie spürte den Widerstand, den ihr Shahin entgegen setzte, aber selten war der Drang zu erfahren, was ihn so ticken ließ, so groß gewesen wie jetzt. Sie wollte ihn verstehen, verdammt! Er konnte doch nicht nur eine Marionette seiner eingebläuten Dogmen sein! Wie konnte so ein Mensch existieren?
Die Erinnerungen bildeten einen soliden Vorhang, aber im Gegensatz zu Adriannas waren sie nicht mit Gefühlen gespickt. Sie liefen vor Malia ab, emotionsloser als jede Kriegsdoku im Fernsehen. Es waren gespeicherte Situationen voller Wahnsinn und Folter. Es machte ihr Angst.
Sie trat näher an den Abgrund, sah hinunter, ging schließlich in die Knie und krallte ihre imaginären Finger an den bröckelnden Rand, weil sie glaubte, dass dort unten etwas aufleuchtete. Es war kaum zu erkennen in all der Dunkelheit, beinahe verschüttet.
Aber so sehr sie auch suchte, sie konnte es nicht mehr entdecken.
Kälte erfasste ihr Herz, als sie aufstand und die Arme ausbreitete, kurz bevor sie die Augen schloss und sich fallen ließ. Die Härte um sie her war ... fühlbar, obwohl sie sich im freien Fall befand. Malia hatte sich daran gewöhnt, Dinge anders wahr zu nehmen. Sie konnte Härte sehen, Weichheit hören, Worte fühlen, ganz ähnlich einem Synästhesisten. Und im allerletzten Moment, ehe sie wieder in die Realität katapultiert wurde, fühlte sie diesen kleinen Funken, von dem sie nie erwartet hätte, ihn zu finden.
Mit einem leisen Aufschrei riss sie die Augen auf, die Hände nach vorne gegen das Innere des Cockpits gepresst. Sie war völlig durch. Mit den Nerven, mit allem. Aber das hinderte sie nicht daran, Shahin von der Seite her anzusehen. "Du mimst den tollen, harten Krieger, aber in Wahrheit, hast du Angst vor dir selbst. Angst vor dem, was da noch in dir schlummert. Warum kämpfst du, Shahin? Wofür kämpfst du?!"
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 10:14 pm

Nietzsche hatte einmal behauptet, dass der vorsichtig sein solle, der mit Monstern kämpfe, denn er konnte schnell selbst zum Monster werden. Und wenn man zu lang in den Abgrund blickte, so blickte der Abgrund auch in einen selbst hinein. Shahin kannte dieses, doch recht bekannte Zitat nicht, er hatte sie nie wirklich mit Literatur auseinandergesetzt, hatte er doch weder die Zeit, noch die Lust dazu gefunden, auch wenn in den letzten Jahren durchaus öfters die Gelegenheit dazu bestanden hätte, schließlich hatte er Levin oft genug dabei gesehen, wie er die mehrere Kisten alter Bücher in oder aus seinem Quartier schleppte. „Wofür ich kämpfe?“ Wiederholte er leise, während er noch immer auf die Straße blickte, wobei das fahren in diesem Moment mehr zu einem Automatismus geworden war, was angesichts des leeren Highways in den sie gerade abgebogen waren jedoch kaum bedenklich schien.
Er hatte gespürt das Malia in seinen Gedanken gestochert hatte, hatte sie versucht wieder zu verdrängen, doch letztlich war sie durchgebrochen, hatte Bilder gesehen, an die er sich selbst nicht erinnern wollte. Wofür er kämpfte? Lange Zeit hatte er es für Lügen getan, Lügen die ihm Gefallen hatten. Die erste Lüge war das Versprechen gewesen, seine Eltern rächen zu können, und er konnte sich noch genau an die großen Augen des jungen Warlords erinnern, der dem gerade einmal achtjährigem eine Kalaschnikow in die Hände gedrückt hatte, nur um ihm kurz darauf zu Befehlen einen Mann umzubringen, der gerade gefesselt vor ihm kniete. Seine Augen waren leicht aufgedunsen gewesen, offensichtlich hatte er schon eine längere Zeit in Gefangenschaft verbracht, doch dies hielt ihn nicht davon ab den kleinen Jungen anzuflehen, er solle es nicht tun. Doch man hatte ihm gesagt dieser Mann, auch wenn er nur Brücken baue, sei mit Schuld an dem Tod seiner Eltern. Und hatte er diese nicht rächen wollen? Es war wie bereits erwähnt die erste von endlosen Lügen gewesen. Lügen die jedes Mal so gut, so vielversprechend klangen, dass er nicht hatte widerstehen können. Ein freies Afrika, ein eigenes Grundstück, genug Geld um ein gemachter Mann zu sein – ein friedliches Leben. Er hatte kein einziges Mal das bekommen was man ihm versprochen hatte, was, wie er letztlich verstand an einem einfachen Grund lag: Kriege konnten keine Versprechen erfüllen, niemals. Und eben deswegen hatte er aufgehört an sie zu glauben und hatte schlichtweg das getan, was er bisher in seinem Leben ausgeübt hatte.
„Ich kenne nichts Anderes. Krieg ist mein Leben, war es und wird es immer sein. Keine Ideale – töten um etwas Schönes, etwas Besseres aufzubauen? Ich habe vor langer Zeit begriffen das so etwas nicht funktioniert, und jedes Kind, selbst die Kleine dort hinten kann verstehen wieso. Wir bringen andere um, erheben uns aber gleichzeitig über sie und denken wir tun etwas Gutes. Doch es ist nichts dergleichen, wir lösen einen Machthaber durch einen anderen ab, mehr ist es nicht und wird es, solange es durch Krieg erreicht wird nicht sein.“ Eine seltsame Regung, eine Art Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht, während er tief ein und ausatmete. „Ich kenne nichts Anderes, deswegen bin ich hier. Ich bin gut darin zu töten, ansonsten? Nichts.“
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BeitragThema: Re: Thompson Falls   Do Okt 22, 2015 10:37 pm

Still wandte Malia sich ab. Die Worte, die Shahin ausgesprochen hatte ... sie durften diesen Wagen nicht verlassen. Sie war mit niemandem befreundet in der ganzen Rebellion. Sie hatte Kontakte hier und da, aber keine Freunde. Trotzdem hatten sie ihren Stolz, ihre Loyalität, auch wenn sie es oft durch eigene Forderungen tarnte, die sie selbst weiter brachten und wieder näher zu ihrer Schwester.
Ein wenig Missstimmung kam von Yues Seite zu ihr herüber gewabert, was Malia mit einem schiefen Lächeln quittierte.
Aber es gab keinen Grund, Elias jetzt dieses Messer in den Rücken zu rammen, das ganz offensichtlich nur wenige Millimeter von seinem Rückenmark entfernt war. Dazu war selbst sie nicht tough und bösartig genug.
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