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 Staßen

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BeitragThema: Staßen    So Jan 24, 2016 1:48 pm

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BeitragThema: Re: Staßen    So Feb 07, 2016 8:03 pm

Die Gischt des Meeres schlug ihm entgegen und er wusste dass es nur eine Frage der Zeit war, bis das Schiff hier nur noch einem einzigen Zweck dienen würde - dem beheizen der Räume die in der große Halle standen. Die „Jungfernbrust“, so hatte man die große Slupp vor gut sechzig Jahren benannt als sie zum ersten Mal aus der Werft gefahren war, hatte etliche Jahre lang gute Dienste geleistet. Sie hatte Kaperfahrten ebenso gut überstanden wie Transportaufträge und - in Zeiten einer Hungersnot sogar Fischereidienste verrichtet. Es war ein Schiff mit Geschichte, ein Schiff mit Charakter und am wichtigsten von alle dem, es war ein Schiff das eine Seele besaß. Wohin diese nun aber verschwand war fraglich. Viele behaupteten große Schiffe würden ihren Ahnen dienen, andere wiederum hielten all dies für vollkommenen Unsinn und gaben zu verstehen, dass Schiffe letztlich den gleichen Stellenwert wie Bäume hatten - sie sollten ihren Zweck erfüllen, keinen unnötigen Emotionalen Ballast bilden.
Ulfrick Vanjörson fühlte sich dennoch mit der „Jungfernbrust“ verbunden, hatte er doch an die zehn Jahre auf ihr als Kapitän unter dem Befehl der Königin höchstselbst gedient. Und die gute Dame hatte ihm in all diesen Jahren mehr als einmal das Leben gerettet, denn anders konnte er sich sein, das ein oder andere Mal beinahe schon unerhörtes Glück nicht erklären. „Komm schon Ulfrick, wir sollten los bevor das Bier warm und die Frauen kalt werden“, hörte er eine Stimme rufen, gut ein dutzend Meter hinter ihm. Es war sein erster Maat, ein Mann von eher gedrungener Natur und mit einem eher schmalen Körperbau versehen, was ihm vor allem in den ersten Jahren als Beutejäger einiges an Schwierigkeiten eingebracht hatte. Doch letztlich hatte der Mann eines bewiesen - Kraft allein war bei weitem nicht das einzige worum es in einem Kampf ging. Gerissenheit, Schnelligkeit und vor allem Wagemut waren mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger. „Ich komme gleich“, rief er seinem Maat hinterher, ehe er ein letzte Mal melancholisch zu seinem Schiff sah. Die Latten und Planken wurden mit einer derartigen Wucht von den Werftmitarbeitern auseinandergenommen, dass es schon beinahe erschreckend war und man sich fragen musste, ob diese Leute überhaupt Menschen und nicht etwa Eisriesen waren.
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BeitragThema: Re: Staßen    Mo März 28, 2016 5:46 pm

„Ich nehme an, du hast sie nach Hause gebracht?“, fragte Sotis in die Stille der Halle hinein, aus der sie alle Bediensteten hatte gehen lassen, nachdem Rhiannon wie ein Derwisch aus einem der Kaminfeuer gestiegen war - oder besser, das Kaminfeuer war verloschen und Rhiannon hatte einen Schritt aus der Asche heraus getan, die Säume ihrer Kleidung immer noch brennend und flackernd. Ihre langen, dunklen Haare waren wirr, der Blick fest, aber unglaublich aggressiv und Sotis erging es kaum besser. Die Kirche hatte ihre Tochter in die Finger bekommen und sie gefoltert - während Rhiannon aber losgezogen war, um ihr zu helfen, hatte sie hierbleiben und ihrer Aufgabe nachgehen müssen, das Portal zu schützen.
Es war ironisch, Ekynes als Coreens zu Hause zu bezeichnen, doch der kleine, weiße Drache wusste es nicht besser. Sie hatte keine Ahnung ihrer Herkunft, glaubte vielleicht allenfalls, aus Havia zu stammen. Sotis hob den Kopf und deutete Rhiannon an, mit ihr hinüber zu den hölzernen Stühlen zu treten, die in einer abgetrennten Ecke des Thronsaales standen. 



„Natürlich habe ich sie nach Hause gebracht“, antwortete Rhiannon, die gar nicht daran dachte, jetzt hinüber zu den Stühlen zu treten und sich darauf sinken zu lassen. Sie war zu aufgewühlt, zu wütend über das, was geschehen war, als dass sie jetzt die Ruhe finden würde, um sich einem gewöhnlichen Gespräch zuzuwenden. Die Kirche würde büßen und der Eine würde büßen für das, was sie getan hatten, denn wenngleich auch Coreen Sotis’ leibliche Tochter war - der kleine Drache war ihre Tochter im Geiste. Hier war der Kampf persönlich geworden.

„Irgendjemand musste sie wieder zurückbringen, Sotis. Sie ist jetzt in Sicherheit und das wird sie auch bleiben“, begann sie erneut und lief um den Tisch herum, immer wieder von einer Seite zur anderen, nur um dann nochmal umzudrehen und den Weg zurück zu machen, die Arme vor ihrer Brust verschränkt. Sie mochte Havia als Land nicht - die Kälte schnitt ihr ins Fleisch und machte es ihr schwer, noch nach Atem zu ringen, selbst wenn sie die Luft nicht zum Überleben brauchte.
Sotis’ Gegenwart zügelte den Zorn in ihrem Inneren, der noch immer dort brannte und so sehr sie sich auch dagegen wehrte, sie spürte, wie das Feuer kleiner wurde während sich über Sotis’ Kopf bereits Dampf zu bilden begann. Freunde waren sie beide niemals gewesen - sie akzeptierten einander und sie wussten, dass sie voneinander abhängig waren, aber Rhiannon hatte Havia seit jeher gemieden, ebenso wie Sotis Ayantis mied. 
„Sirean muss dafür büßen. Der Eine muss gemeinsam mit seinen Gläubigen büßen, Sotis. Entweder tun wir es gemeinsam oder ich tue es allein.“

„Nicht nur Sirean“, erwiderte Sotis ruhig, die sich am Kopfende des Tisches niedergelassen hatte und sah auf ihre Hände hinunter, die sie flach auf die gläsernde Tischplatte gelegt hatte. Kleine Schwaden stiegen von dort auf und auch wenn Rhiannon sie nicht umbringen würde dadurch, es war nicht angenehm. Als Nebel war es immer etwas schwieriger, alle Gedanken zu sammeln. Sobald sie in etwas ätherischeres überging war auch ihr Wesen verstreut, so, wie sie auch jede Welle, jeden Regentropfen über Eilian spürte und lenkte. Ihr Geist war überall - wohnte in dem Boden, den Oberon pflegte und belebte, war unterwegs mit Saturas in den Winden und nahm die verdampften Partikel wieder auf, wenn Rhiannon mit ihren Feuern unterwegs war und das Wasser als Dampf aus dem Leben presste.
„Auch Caria. Die Kirche wird bereuen, sich an meiner Tochter vergriffen zu haben.“ Sie ging nicht auf den Vorwurf ein, den Rhiannon ihr entgegen geschmettert hatte. Sie hatte keine Lust und keine Zeit für all diesen Kinderkram, sich aufzuregen. Ihre Angst war groß genug gewesen, um sie in kalte Wut zu verwandeln, nachdem sie jetzt sicher war, dass ihre Tochter zurück in guten Händen war. Rhiannon war die bessere Mutter gewesen, das konnte und wollte Sotis nicht in Frage stellen, als sie den Kopf hob und die andere Göttin musterte. Der Funke, den Rhiannon ihrem kleinen Drachen mitgegeben hatte war an der richtigen Stelle zu einer Flamme geworden, wie sie von Visenya erfahren hatte.
„Erzähl mir, was passiert ist.“

Der Wind trug seit jeher Gedanken, Lieder, Wünsche und noch ganz andere Dinge mit sich - so erzählt es sich zumindest der Volksmund. Und Saturas hatte diese Geschichten und Gerüchte seit jeher begrüßt und sie dann und wann sogar ein wenig bestärkt - schließlich brauchten diese armen Geschöpfe, die sie einst selbst in die Welt gesetzt hatten, ein wenig Hoffnung. Hoffnung und Freude im Leben und auch im Angesichts des Todes, denn was brachte es eben diesem mit Trauer  entgegen zu treten? „Rachegedanken und der Wunsch unsere eigenen Kreationen umzubringen? Verdammt, man könnte meinen wir haben uns wieder in die Zeit zurückversetzt, bevor wie dieses verdammte Tor gebaut haben“, die Stimme wurde mit einer kleinen Windhose in den Raum getragen, welche einige Dokumente durcheinander brachte und die Kerzen flackern ließ.
„Whoa, Whoa verdammt Rhiannon“, Saturas, der nun in seiner menschlichen Gestalt vor den beiden Frauen stand, strich sich durch die blonden Haare und kratzte sich dann den stoppeligen Bart. „Ich“, er hustete lautstark und streckte sich dann. „Ich hab ganz vergessen wie - atemberaubend du bist - wobei, eher atemraubend, ja das passt besser. Aber - freut mich euch mal wieder zu sehen. Hat lang genug gedauert, nicht? Aber eine Postkarte hätte gereicht Rhiannon, weißt du? Die Menschen nutzen das geschriebene Wort inzwischen recht oft und die Postzustellung - nun meist dauert sie nur zwei Wochen, viel besser als noch vor fünfzig Jahren - da hat es meist zwei Monate gedauert. Aber ein Leuchtfeuer Rhiannon?“ Er lächelte matt und setzte sich dann auf einen der Stühle. „Wobei ich deine Beweggründe verstehen kann - wäre es meiner Tochter gewesen, dann“, er schnalzte mit der Zunge und gestikulierte kurz mit seiner linken Hand, ehe er mit dieser auf den gläsernen Tisch schlug. „Doch sei’s drum - es waren … vierhundert Menschen. Das ist nicht sonderlich ausschlaggebend für den Lauf der Welt.“

„Ich würde meinen, dass du weitblickender bist Satura“ hallte eine Stimme aus den tiefen der Erde und rollte wie ein Erdbeben durch den Raum, vibrierte in den Lungen der Anwesenden nach, ehe sich die Steine des Bodens erhoben, zu einer Statue zu formen schienen welche starr und steif in der Mitte des Raumes stand, ehe sich die Figur bewegte und die Illusion zerstörte, es würde sich nur um ein Stück totem Steins handeln.
„Jedes Leben auf dieser Welt verändert den Lauf des Schicksals - jede Entscheidung kann einen Sturm von Ereignissen auslösen, den keiner von uns zu überblicken vermag“ erklärte Oberon und trat langsam einen Schritt nach vorne. Sein Äußeres glich einer perfekt behauenen Marmorstatue, den toten Augen wohnte ein lebendiges Glimmen Inne, während die kleinen Ansätze eines Geweihs, welche aus seiner Stirn sprossen mit ein wenig Moos bedeckt waren, welche ihnen das Aussehen von echten Hörnern verlieh.
„Das Ende jeden Lebens ist ein Ereignis, welches zu betrauern ist“, er schüttelte den Kopf und blickte von Einem zum anderen, ehe sich ein trauriges Lächeln auf die feinen Züge stahl. „Verzeiht, dass ich mich derart einmische doch der Schmerz und das Leid auf meinem Leib konnte ich ebenso wenig ignorieren, wie das plötzliche Verlöschen hunderter Seelen“. Er blickte zu Rhiannon und sein durchdringender Blick nahm etwas vorwurfsvolles an. „Ich habe gespürt wie ihre Seelen - ihre Persönlichkeit verlosch. Du hast ihre Existenz aus dieser Welt verbannt meine Liebe - ich verstehe deinen Zorn, aber das Verbrechen der meisten armen Seelen bestand nur darin an etwas zu glauben und zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein“.



Rhiannon stieß ein unwirsches Fauchen aus, kaum dass Oberon seine Worte beendet hatte und fuhr zu dem anderen herum, während das Feuer auf ihrem Körper heller loderte. „Sie hatten meine Ziehtochter, Oberon“, grollte sie düster und löste die Arme aus der Verschränkung, ein paar schnelle Schritte auf den anderen zumachend und Saturas Seitenhieb schlichtweg ignorierend. Der andere bereitete ihr an diesem Tag nur noch mehr Kopfschmerzen als die Ereignisse im Spirit Harbor und es trug nicht unbedingt zu ihrer Stimmung bei.
„Sie haben sie verletzt und sie hätte tot sein können. Ich weiß, dass die Liebe zu deinem Kind und deinem Schützling nicht so tief rührt wie die meine. Sirean und Caria werden für das bezahlen, was sie getan haben und ich habe nicht genügend Zeit, um weiter mit euch darüber zu debattieren. Coreen braucht meine Anwesenheit in Ekynes.“

„Rhiannon“, hielt Sotis die andere auf, nur mit diesem einen Wort und indem sie dabei aufstand, sich hart auf ihre hellen Hände stützte und der anderen dabei in die Augen sah. Oberon und Saturas würden die Verbindung nicht verstehen. Sie waren zu ruhig, zu vorsichtig, zu sehr gebeutelt vom letzten Krieg und würden die Wunden niemals vergessen, die damals geschlagen worden waren.
Rhiannon und sie hingegen waren diejenigen, die um die ersten Momente dieser Welt gekämpft hatten, sie hatten mit Feuer und Wasser den Grundstein für die Erde und die Luft gelegt, aus ihnen war all das hier entstanden. Im Vergleich zu ihnen waren sie - obwohl so unendlich alt - so jung und das war der Grund, warum sie ihnen rascher verzieh, was in ihren Köpfen vor sich gehen mochte. Nicht, dass sie sich die Mühe gemacht hätte, es zu sagen. Aber hier war sie auf Rhiannons Seite und davon würde sie kein Stück weichen, wenn es bedeutete, dass ihre Tochter und der Rest der Anderswelt am Leben blieb.
Coreen war hier nur ein kleines Zahnrad im großen Ganzen, sie würde nur der Anfang sein. Wenn sie begannen, Drachen zu foltern, zu töten? Dann gab es kein Halten mehr. Da war kaum etwas größeres über ihnen. Sie würden sich siegreich fühlen und immer weiter machen. Die Angst würde aus der Welt verschwinden und so ungerne sie es zugab, diese Gottheit war eine, die die Welt in ihren Angeln hielt. So lange hatten sie ohne sie gelebt und sich ins Chaos gestürzt. Die Angst war eine weise Ratgeberin auf dieser Erde und wenn sie verschwand, weil die Kirche sich über sie hinweg setzte würde die Anderswelt allmählich zerbrechen wie einst. Unberechenbarkeit und Chaos würden zurückkehren. Sotis hatte mit ihrem Leben geschworen, sich für die Welt einzusetzen und das gedachte sie zu tun, egal, ob den anderen gefiel, wie sie es tat, oder nicht. Die Welt - nicht die Menschen.
Noch einmal sah sie kurz hinunter auf den schmalen Eisring, der sich um ihren Mittelfinger wie ein gefrorener Fluss in seinem Bett. Dutzende von blauen Steinen befanden sich darin, spiegelten das Licht im Raum wider, das durch die hohen Fenster fiel. Wenn die Zeit gekommen war, würden sie alle ihre Ringe weitergeben und damit die Aufgaben und Bürden ihrer Welt. Diese Zeit war noch lange nicht angebrochen. Noch lagen die Geschicke Eilians in ihren Händen. Als sie diesmal den Blick hob, war tiefe Entschlossenheit darin zu finden.
„Sie darf nichts davon erfahren. Vor ihr liegen noch andere Aufgaben.“

Oberon griff sich an die Nasenflügel, blinzelte mit seinen blinden Augen und der Marmor, aus welchem seine Gestalt geformt war, schien Falten zu werfen. „Ich verstehe euren Zorn, aber du hättest Coreen auch retten können, ohne dass du hunderte von Menschen vernichtest und ihre Seelen dem Schlund preisgibst“. Oberon glitt mehr über den Boden, als dass er wirklich ging. Die Steine um ihn herum verformten sich, sogen ihn weiter voran, ehe er vor Sotis zum stehen kam.
„Sotis, meine Liebe - du kannst das nicht ernst meinen. Ich verstehe Zorn und Sorge um deine Tochter, doch wir können nicht die Menschen schlachten als wären sie Vieh. Sie sind unsere Kindern, Geschöpfe die nur in dieser Welt existieren können - sie haben so viel in diese Welt gebracht. Ihr Glaube ist es, der Geister zu Göttern macht. Doch es ist keine Lösung Gläubige zu töten. Es sind nicht die Menschen, die deine Tochter entführen wollten. Es war der Gott des Glaubens. Azmjir - wir haben unseren Sohn viel zu lange unbeaufsichtigt gelassen“ erklärte er leise, diesmal schuldbewusst. „Wir hätten niemals zulassen dürfen, dass es soweit kommt. Aber wir müssen vorsichtig sein. Weder dürfen wir die Menschen auslöschen, noch einen erneuten Götterkrieg riskieren“.

„Ich werde meine Tochter verteidigen, ebenso wie Rhiannon.“ Es war ein größeres Zugeständnis, dass sie den Kopf in deren Richtung neigte, als hätte sie mit Worten ausgedrückt, was sie fühlte. Sie fühlte ihren Geist sich weiten, ehe er begann, in sanften Wellen die Anwesenden zu umspülen. „Du wirst mich nicht daran hindern, Oberon. Ich liebe die Menschen und all ihre Fehler, aber im Gegensatz zu dir werde ich nicht einfach inne halten und warten, bis sie mir das Liebste entreißen. Denk an Amalthea und wie sie dir genommen wurde - durch die Menschen, weil du sagtest, wir dürften uns nicht einmischen. Erinnere dich an ihre letzten Tage, in denen du bei ihr standest und sie hast dahinschwinden lassen. Ich werde nicht warten, bis das Gleiche mit unseren Kindern geschieht. Denk an Juran und Elaine“ sie wandte sich um, zu Saturas „und du behalte Aella im Kopf, wenn du Dinge wie diese sagst.“

„Bei allem was ich tue, habe ich das Wohl meiner Tochter im Sinn, Sotis“, erwiderte Saturas, dessen Stimme für einen Augenblick deutlich ernster wurde, während ein starker Windstoß jeden Anwesenden kurz taumeln lies. „Aber … ich bin nicht hergekommen um zu streiten. Wir sind Götter, allesamt. Lasst und doch also bitte so tun, als wüssten wir, wie sich solche in der Regel verhalten. Wir“, er tippelte mit den Fingerspitzen über den gläsernen Tisch.
„Wir können eingreifen wenn unsere Kinder in Gefahr sind - dass verstehe ich vollkommen. Wir können nicht so tun als würden wir nicht existieren. Doch hat einmal jemand darüber nachgedacht was passiert, wenn wir den Menschen, den Wesen die wir erschaffen haben, die Möglichkeit nehmen etwas selbstständig zu bewältigen? Wir waren uns einmal alle einig, dass sich diese Wesen selbst entwickeln sollen, dass sie aus ihren Fehlern lernen sollen. Und was wollt ihr jetzt tun? Ihnen Fehler wie den falschen Glauben einfach einfach wegnehmen, damit sie rein gar nichts daraus lernen?“



„Dann machen Sotis und ich es eben allein“, grollte Rhiannon lediglich, der Diskussion inzwischen viel zu müde geworden, die sich ihr hier bot. Saturas und Oberon verstanden nicht, worum es ging und sie begriffen nicht die Notwendigkeit dieser Aktionen, die sie im Begriff waren zu unternehmen. Saturas hatte seit jeher kein Verständnis dafür gehabt, was sie wollte und er hatte niemals ein engeres Band zu den Menschen geknüpft - von seinem Voodoopriester einmal abgesehen, den er nun bereits seit Jahren begleitete. Oberon war derjenige, der ihre Fehler beging und dem die Menschen wichtig waren, doch er hielt sich raus.
Er ließ seine Kinder leiden, jene, die ihm wichtig waren, ohne einzugreifen und er hatte auch seine Frau sterben lassen, ohne etwas dagegen zu unternehmen.
Sotis und sie waren die Einzigen, die begriffen, worum es ging. Ihre Kinder waren in Gefahr, die Kirche bedrohte ihrer beider Tochter und die Kirche bedrohte ihrer beider Reiche - sie würde nicht erneut zulassen, dass sich die Geschichte wiederholte.
„Ich werde tun, was ich für richtig halte und es ist mir gleichgültig, was ihr davon haltet. Steht an meiner Seite oder gegen mich. Eine Alternative gibt es nicht. Ich habe eine Tochter um die ich mich jetzt kümmern muss“, grollte Rhiannon schließlich abschließend ehe ihre eigene Gestalt wieder in einer Flammensäule aufging.

Oberon seufzte und schüttelte den Kopf, während er auf die Rauchsäule sah welche einst Rhiannon gewesen war. Sein Herz schmerzte ob der Vorwürfe den sie beide ihm gemacht hatten und ob des Verlustes, den er selbst erlitten hatte. „Ist es wahrlich wieder so weit gekommen? Seid für mich oder ihr seid gegen mich?“ er schloss zaghaft die Augen. „Dies ist der Zorn der Menschen, welchen Rhiannon sich zu eigen macht. Es ist die Dunkelheit, welche uns alle zu verderben droht.“ er wirkte müde und voller Trauer, während er Sotis einen letzten Blick zuwarf.
„Du weißt, dass ich euch niemals im Stich lassen werde. Wir haben gemeinsam diese Welt erschaffen und ich werde sämtliche Konsequenzen mit euch tragen. Doch wisset, dass ich meine Stimme gegen diesen Wahnsinn erhoben habe“. Er straffte seine Gestalt, ehe sich der Marmor wieder in den Boden ergoss und langsam in diesen überging, ehe Oberon verschwand.

„Saturas - ich bin nicht in der Stimmung für weitere Diskussionen“, gab Sotis dem anderen Gott zu verstehen, bevor sie sich vom Tisch abwandte und ihn stehen ließ. Sie würde sich der Länder annehmen, in denen die Kirche begonnen hatte, Fuß zu fassen und sie musste die Truppen entsenden, die Loviel verteidigen würden nach Linnianas ‚Tod’. Es war ihr nicht entgangen, dass die blonde Frau sich auf einem Piratenschiff auf ihrem Element befand, doch sie wusste um das Vorhaben Edans von Sirean, der sich momentan in Miris aufhielt. Es würde einen weiteren Disput, vielleicht sogar Krieg um die Krone geben und wenn sie es auch verurteilte - versuchte nicht jeder ein Leben zu retten und wenn es das eigene war?
Es würde einiges an Geschick erfordern, all dies zeitgleich und für ihre Armee ungefährlich zu gestalten und die Kraft, die sie damit verbinden musste, würde ihre ganze Konzentration erfordern. Sie hatte einst der jungen Königin vertraglich geschworen, ihr Land zu beschützen als wäre es ihr eigenes, wenn etwas mit ihr geschah … der Vorfall mit ihrer Tochter machte es ihr einfach, dieses Versprechen einzulösen. Bedivere konnte jede Unterstützung gebrauchen und sie würde sie ihm gewähren. Die Zeiten, in denen sie das nicht mehr konnte würden so oder so kommen.
Als sie den Thronsaal durchquert hatte, hob sie die Arme über den Kopf, sammelte ihre Magie und ließ sie sich über den kleinen, runden Kuppelsaal ergießen, in dem sie stand. Die blauen Eismauern schmolzen und landeten plätschernd auf der steinernen Umrandung des Raumes, ehe sie hinab in die Tiefe stürzten, die sich um die Feste, hoch auf einem Felsen im Wasser, herum auftat.
Ihr Blick glitt in die Leere, doch vor ihrem inneren Auge begann sich ganz Eilian und die Emerald Tides zu erstrecken. So klein wie eine Spielzeugwelt nur. Nachdenklich legte sie den Kopf schief, fuhr mit dem Zeigefinger imaginäre Linien und Ländergrenzen nach. Sirean und Caria … ein schmales Lächeln malte sich auf ihr blasses Gesicht während der kalte Wind ihr die Haarsträhnen aus der Hochsteckfrisur löste und den Fellkragen auf ihren Schultern erzittern ließ. Die tausend winzigen, weißen Haare des ehemaligen Tieres kitzelten sie am Hals, als sie die Augen öffnete und deutlich vor sich die Küste von Sirean sah. Es war nur ein winziges Stück Land, wenn man es im Ganzen betrachtete und sie ließ die riesige Welle sich nach dem kreuzenden Weg ihrer eigenen Truppe aufbauen, bevor sie die Energie in Bahnen lenkte, direkt auf die Küste zu. Das Rauschen des Meeres, das Tosen der sich höher und höher aufbäumenden Welle füllte ihr Denken, ihre Ohren, ihr Ich.
Die Welle würde an das erste Gebirge prallen und wenn es in ihrem Wesen gelegen hätte, wäre wohl eine Entschuldigung bei Oberon fällig gewesen, doch mehr als ein paar Gesteinsbrocken würde er nicht lassen, bevor sich das Wasser zurückziehen und wieder im Meer verschwinden würde - mit all den Männern und Frauen, deren Herz wirklich der Kirche gehörte. Sie würden ertrinken, aber sie gab ihnen die Chance, sich zu retten. Zurück zu ihnen zu finden. Wer reinen Herzens war würde Geleit erhalten und von ihren Männern aufgesammelt. Sie würde sie an Land spülen - in Sicherheit.
Was die Kirchenmänner anging … Sotis straffte die Schultern, stieß die Handflächen ruckartig nach vorne und die Welle traf auf Land.
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