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 Thronsaal

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BeitragThema: Thronsaal    Do März 17, 2016 9:22 pm

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BeitragThema: Re: Thronsaal    Fr März 18, 2016 10:13 pm

Die Wachen hatten schnell genug reagiert und die Tür zumindest zu Coreens Zelle geöffnet, um sie frei zu lassen und sie zu einem der Sklaven zu bringen, welcher dafür sorgen sollte, dass die Gewänder, die der Jungdrache bislang getragen hatte, in jene gewechselt wurden, die nicht länger vom Schweiß und dem Dreck der Zellen durchzogen worden waren. Als sich die großen Flügeltüren zum Thronsaal nun öffneten, kniete Jaeren bereits vor den langen Stufen, zwei große Wachen neben sich, von denen jede Einzelne einen Speer auf den Körper des anderen gerichtet hielt - dazu bereit bei nur einem einzigen Befehl zuzustechen. Visenyas Blick hatte bislang auf dem dreckigen Leib des einstigen Freundes geruht, während ihre kleinen Drachen ihn wütend angeknurrt hatten und bei jeder Bewegung, die er tat, missbilligend Rauchschwaden in den hohen Raum bliesen.
"Ihr hättet Euch früher zu Erkennen geben sollen", erhob sie die Stimme als sie Coreen ausmachte, mühelos hin zu der Sprache der anderen wechselnd, weil es ihr höflicher vorkam, sich mit ihr in ihrer Landessprache zu unterhalten und neigte sacht den Kopf ein Stück. "Verzeiht die Umstände, die Ihr seinetwegen hattet. Jaeren hatte seit jeher ein Talent für unglückselige Schicksale - seine einstige Bekanntschaft kann noch immer die gesamte Stadt überblicken", fuhr sie fort, mit einem Finger sacht über den kleinen Kopf des schwarzen Drachen auf ihrem Schoß streichelnd, der sich dort zur Ruhe begeben hatte und aus halb geschlossenen Lidern die Szenerie eher gelangweilt beobachtete.
"Was also bringt Euch nach Ayantis?"
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Fr März 18, 2016 10:20 pm

Jetzt vor Visenya zu knien, erneut ihre schneidende und doch durch und durch erotische Stimme zu hören, war ein wenig befremdlich. Nicht aufgrund der Tatsache, dass er zwei Speere an seinem Nacken hatte – er war Situationen in denen man Waffen auf ihn richtete durchaus gewöhnt, weswegen sich sein Stresspegel in Grenzen hielt. Nein, das seltsame daran war einzig und allein das er wusste, wie Visenya unter ihren feinen und teuren Kleidern aussah. Und wie sie war, wenn man allein mir ihr war. Beinahe hätte er gelächelt, doch er wusste das die Andere dies als tiefe Beleidigung auffassen würde. Deswegen wich er stattdessen zu einem, »Es … freut mich dich zu sehen Visenya. Ich hab‘ dich vermisst, wirklich. Und ich …«, doch zu mehr kam er nicht, denn also er weitersprechen wollte, trat Coreen ein – was, in der Retrospektive betrachte, vielleicht ganz gut war.
Folglich senkte Jaeren nur den Kopf und übte sich im Schweigen, in der Hoffnung Coreen würde als Drache bessere Chancen haben als er.
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Fr März 18, 2016 10:27 pm

"Majestät." Coreen neigte den Kopf, machte jedoch keinen Knicks. Ihre eigene Königin war eine andere und vor ihr würde sie jederzeit knien. Visenya würde sie mit tiefem Respekt begegnen, aber damit hatte es sich. Die Vorsicht konnte sie trotz all der Güte nicht fallen lassen. Sie steckte in einem langen, weißen Kleid, das sie in jeder Bewegung einschränkte und ließ es sich nur gefallen, um jetzt keinen Streit zu provozieren. Mit gemäßigten Schritten kam sie näher, würdigte Jaeren keines Blickes, sondern sah nur auf die Königin dieses Landes und die Drachen, die sich an ihr entlang hangelten. Bald schon würde auch der kleine Drache aus Rhiannons Ei schlüpfen - sie hatte es fühlen können, den stetigen Herzschlag, die Aufregung des kleinen Lebewesens. Ein schmales Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als ein kleiner blauer Drache hinter Visenyas Kleid hervor sah, die Krallen darin vergraben und halb über den Boden schleifend. Es nahm ihr interessanter weise nichts von ihrem königlichen Auftreten.
"Es tut mir Leid, dass wir uns auf diese Weise zum ersten Mal begegnen. Rhiannon hat mir einiges von Euch erzählt" - nicht alles davon gut - "Was Eure Frage angeht ... wir sind auf der Durchreise. Wir brauchten jemanden, der uns mit der Sprache helfen kann, denn wie Ihr wisst hat die Kirche inzwischen überall Augen, Ohren und Macht. Sich zu offenbaren wäre nicht immer geschickt."
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Fr März 18, 2016 10:39 pm

"Auf der Durchreise?", hakte Visenya nach und überging Jaerens Einwand damit einfach, während sie die andere betrachtete, die sich hier eingefunden hatte und der die kühle Luft im Thronsaal bei Weitem besser zu bekommen schien als die Hitze in den unteren Bereichen, wo sich die Luft anstaute. Sie selbst hatte ebenso viel von den wenigen Drachen gehört, die es noch auf dieser Welt gab und die nicht der Kirche oder anderen Institutionen zum Opfer gefallen waren, nachdem selbst die wenigen überlebenden Magier begonnen hatten, sie zu jagen, weil ihr Blut und ihre Organe für mächtige Zauber genutzt wurden. Coreen war eines der seltenen Wesen, die nicht mit dem Feuer so unmittelbar verbunden waren wie alle der Drachen, die hier in Ayantis lebten und über die sie wachte und die sie selbst ebenso beschützten. Sotis hatte zuletzt vor knapp dreihundert Jahren eines der Eier verschenkt und sie wurde die Befürchtung nicht los, dass dieses Ei inzwischen geschlüpft war und der Drache daraus nun vor ihr stand.
"Wohin soll Euch Euer Weg führen, wenn Ihr verzweifelt genug wart, um ihn nach seiner Hilfe zu fragen und er sich bereit erklärt hat, Euch durch Ayantis zu begleiten?", schob sie noch hinterher und beugte sich ein Stück nach vorn, den Kopf des müden Drachen auf ihrem Schoß ein Stück zur Seite schiebend und dafür ein leises Schnauben erntend ehe sich der kleine Körper zu einer Kugel zusammenrollte und gemächlich weiter döste. "Die Kirche hat in Ayantis keine Macht. Ihre Gläubigen sind ausgelöscht und unsere Grenzen gut genug bewacht, damit Ihr Euch sicher fühlen könnt. Ich hege keinen Groll gegen Euch oder Eure Begleiter, die sich noch unten in den Zellen befinden."
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Fr März 18, 2016 10:49 pm

"Ich danke Euch dafür", erwiderte Coreen und sah sich in dem riesigen Thronsaal um. Selbst Rhiannon hätte hier Platz um problemlos in ihrer Drachengestalt zu landen. Die andere war seit Ewigkeiten nicht mehr in Ayantis gewesen, nicht, solange der weiße Drache zurückdenken konnte und das waren einige Jahre. Sie hatte nie gefragt, was hier vorgefallen war und sie würde es nicht bei Visenya tun, denn das war etwas, was sie lieber bei ihrer Ziemutter in Erfahrung bringen wollte.
All die Gedanken wurden jäh unterbrochen, als einer der kleinen Drachen zu ihr herüber tappste und sich um ihre Fußgelenke wickelte. Überrascht und vorsichtig beugte sich Coreen hinunter zu dem Wesen und hielt ihm die Hand hin. Jetzt oder nie ... sie würde die Wahrheit sagen müssen. Eine Lüge mehr und ihre Köpfe würden ebenso rollen wie vielleicht der von Jaeren. Mit viel Glück bekamen sie den hier auch noch raus.
"Unser Weg führt uns nach Caria", antwortete sie vage und verschwieg damit sowohl, woher sie kamen als auch den Sinn und Zweck ihrer Reise, auch wenn sie bezweifelte, dass es viel bringen würde.
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Mo März 21, 2016 4:24 pm

Jaeren war nie ein Freund großer Worte gewesen, nicht nur weil er meist keine brauchbaren fand und sich bei Möglichkeiten derartige verlauten zu lassen, beinahe immer anstellte wie ein Kind, dem man gerade zum ersten Mal eine Hose in die Hand drückte. Er zog und zerrte daran, hüpfte auf einem Bein um irgendwie die Position zu finden, in der alles passte - doch leider war das Resultat letztlich mehr als unbefriedigend. „Es tut mir Leid Visenya … ich, ich wollte die Grenze nicht überschreiten, nun zumindest am Anfang unserer Reise nicht. Erst nach einer Weile wurde mir mitgeteilt das wir durch Ayantis reisen - Anfangs dachte ich wir würden nur bis Evelon gehen und … Vielleicht sollte das passieren, weißt du? Ich meine, wir beide … wir könnten es doch noch ein versuchen, oder? Ich war ein undankbarer Idiot, ich weiß … aber, da war doch etwas zwischen uns.“ Er hatte diese Worte verlauten lassen, noch bevor Coreen den Raum betreten hatte - und inzwischen war sich Jaeren nicht mehr wirklich sicher wie klug eben diese gewesen war.
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BeitragThema: Re: Thronsaal    Mo März 28, 2016 5:11 pm

Visenya musterte Coreen noch einmal, kaum dass die Jüngere ihre Worte ausgesprochen hatte und legte dann den Kopf schief, um zu ergründen, weshalb die kleine Gruppe auf dem Weg nach Caria sein könnte, Jaerens Einwurf schlichtweg ignorierend. Es war ihr nicht entgangen, dass der junge Mann, den sie bei sich gehabt hatten, dem Herrscher von Caria nicht unähnlich sah und sie erinnerte sich nur allzu gut an die Prophezeiung der beiden Brüder. Wie es schien war ihr hier ein weit größerer Fisch hier in die Finger gelangt, als sie bislang gedacht hatte. 
„Caria also“, echote sie und betrachtete den kleinen Drachen, der sich um Coreens Gelenke gewunden hatte und sichtlich zufrieden über die Kühle des Eisdrachens war. Sie ließ ihn gewähren, wusste sie doch, dass sie ihm nichts antun würde, denn dazu war ihr ihr eigenes Volk zu lieb. „Aufgrund Eurer Begleitung nehme ich an“, schlussfolgerte sie weiterhin und erhob sich dann schließlich von ihrem Platz, den kleinen schwarzen Drachen auf ihren Schultern ablegend, wo er sich mit dem Schwanz um ihren Hals schlang, den Kopf halb müde von einer Schulter hängen lassend, während sich der Rote mit dem langen Schwanz um ihre Taille schlang und dort festhielt, die Krallen in dem blauen Stoff ihres Kleides verhakt, um nicht zu fallen. 
„Ich kenne … oder kannte den König von Caria und ich weiß, wie er aussah. Glücklicherweise hat er inzwischen das Zeitliche gesegnet. Es ist ein überraschender Zufall, dass der Mann, der bei Euch ist, ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist.“



Coreen blickte überrascht von unten herauf zu der Herrscherin von Ayantis, die jetzt näher kam. Sie verkniff sich, aufzustehen und einen Schritt zurück zu machen, weil alleine die Anwesenheit der anderen eine Macht ausstrahlte, in der sie sich unwohl fühlte. Visenya von Ayantis … eine gefürchtete, direkte Königin, die mit sehr viel eisernerer Hand regierte als Sotis. Beide waren schon lange an der Macht, länger als sie auf dieser Erde wandelte.
Trotzdem ließ sie ihre Hand am Körper des kleinen Drachen. Er war kühl, wie sie selbst und blinzelte neugierig zu ihr auf. Sie schaffte ein sachtes Lächeln auf ihr Gesicht zu bringen, dann wandte sie sich doch wieder Visenya zu.
Was sollte und konnte sie sagen, was der anderen nicht alles verriet? Schweigen war keine Option - die ganze Wahrheit war zu gefährlich.
„Ich möchte im Augenblick nicht ins Detail gehen, Majestät“, erwiderte sie deshalb und hob den kleinen Drachen in ihre Arme, damit sie ihn nicht versehentlich trat, wenn sie sich bewegte und sie hatte das dringende Bedürfnis, ihre Füße frei zu haben. „Aber … Ihr sagtet, der König von Caria sei tot?“ So viel hatte sie zwar auch vorher schon heraus gehört, aber es hätte durchaus sein können, dass es das übliche Geschwätz eines Hofes war. Es von der Königin zu hören würde der ganzen Sache mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit geben … und es würde alles verändern.

„Er ist tot“, bestätigte Visenya und nickte knapp, um ihren Worten noch einmal mehr Gewicht zu geben, selbst wenn sie das nicht benötigte. Ein paar der silberblonden Haare strichen über den Kopf ihres schwarzen Drachen und argwöhnisch schielte der nach oben bis sie sie zurückstrich, um zu verhindern, dass er ihr wieder eine der Strähnen ansengte. Es war nicht das erste Mal. „Es gab einen überaus fähigen Attentäter vor einer knappen Woche. Die Schausteller berichten über das armselige Schicksal des Königs“, berichtete sie dann schließlich und trat auf die letzte Stufe der hohen Treppe, die hinauf zu ihrem Thron führte. 
„Der Rest seiner Familie wurde von einer überaus motivierten Meute von wütenden Bürgern und Bediensteten des Schlosses hingerichtet. Es heißt, ihre Köpfe würden jetzt auf den Zinnen stecken, um sich das Land anzusehen, das sie beinahe in den Ruin getrieben haben. Inzwischen regiert der Leiter seines Spionagenetzwerks“, führte sie fort. Es war interessant zu sehen, dass sich der Drache aus Ekynes so sehr um das Schicksal des Königs von Caria scherte, ebenso interessant wie es war, dass sie nicht weiter über den jungen Mann sprechen wollte. Es bedeutete, dass sie zumindest nicht so falsch mit ihrer Befürchtung lag.

Coreens Gedanken begannen zu rasen. Salvatore war tatsächlich tot, der Thron ungeschützt und unter Leitung eines seiner … Spione. Das wurde immer schlimmer. Sie mussten handeln und Elaine musste mit der Sprache heraus rücken, wer Kira tatsächlich war, denn sonst würde Devastare die Dringlichkeit vielleicht nicht verstehen, warum sie so rasch dort ankommen mussten.  Was, wenn Kira etwas geschehen war? Ihr drehte sich der Magen um, wenn sie auch nur daran dachte, was das mit Elaine anstellen würde. „Alle Mitglieder seiner Familie? Dann muss ich Euch darum ersuchen, mich und meine Begleiter frei zu lassen, Majestät. Ich bitte Euch, mir die Gegenstände auszuhändigen, die uns abgenommen wurden und uns wieder gehen zu lassen. Ich …“ Ihr Blick ging hinüber zu Jaeren, doch sie konnte ihm jetzt nicht mehr helfen - sie musste Prioritäten setzen „… bürge mit meinem Leben, dass wir Eurer Land rasch verlassen werden und keinerlei weitere Probleme machen.“

„Ich bin geneigt Euch gehen zu lassen, Coreen, aufgrund meiner tiefen Verbundenheit zu Havia“, sagte Visenya und schrägte erneut den Kopf ein Stück an bis sie die warmen Schuppen an ihrer Wange spüren konnte. Sie roch wie üblich den Schwefelgeruch, der ihr in die Nase stieg und der sie nun bereits begleitete seit sie die Krone vor hunderten von Jahren übernommen hatte. „Allerdings stelle ich dafür eine Forderung …“, fügte sie noch hinzu und ließ ihren Blick hinüber zu Jaeren wandern, der noch immer am Boden vor ihnen beiden kniete und bedächtig schritt sie um ihn herum, betrachtete noch einmal die zusammengesunkene Gestalt, für die sie einmal etwas empfunden hatte. Jetzt war da nicht mehr als Verachtung für den anderen.
„Ich will die Wahrheit über Euer Vorhaben wissen. Einen Grund, weshalb ich Euch gehen lassen sollte außer dem puren guten Willen von meiner Seite.“ Was Jaeren anbelangte … sie würde ihn mit Sicherheit nicht einfach wieder gehen lassen, nachdem er bereits einmal gegen ihre Regeln verstoßen hatte. Es war sein Glück gewesen, dass sie ihn nur verbannt und nicht gleich getötet hatte - sie hatte nicht damit gerechnet, dass er wahnsinnig genug sein würde, um wieder zurück zu kommen. „Und Jaeren wird hier bleiben. Ihr werdet bis zu seiner Hinrichtung bleiben - danach habt ihr freies Geleit.“

Die Aussage traf Jaeren wie ein Hammerschlag, denn trotz des offensichtlichen Hasses den Visenya ihm gegenüber empfand, hatte er auf seinen Charme gebaut. Hatte auf die Wirkung gehofft, die sein Lächeln einmal bei ihr gehabt hatte - doch diese Hoffnung stellte sich nun als große Torheit heraus. Und mit einem bitteren Lächeln, ja - einem Lächeln, denn was blieb ihm anderes übrig? Dachte er an Elaines Worte. Sie hatte Recht behalten und das Visenya ihn damals hatte gehen lasse, war wohl viel eher der Tatsache geschuldet gewesen, dass sie zu verletzt war um großartig über ihre Handlungen nachzudenken. „Verzeih mir … Visenya“, murmelte Jaeren noch, auch wenn er wusste das es nichts bringen würde. Sein Kopf wanderte langsam gen Boden, während er weiter versuchte sein schiefes Lächeln aufrecht zu erhalten. Seine Hinrichtung - es war seltsam darüber nachzudenken, hatte er sich doch bisher immer auf sein Glück verlassen können. Nun jedoch schien es, als hätte er die Obergrenze eben dessen erreicht.

Seine Hinrichtung? Coreen hatte mit einigem gerechnet - lebenslanger Haft, einen oder mehrere Tage zur Schau gestellt, öffentlich beleidigt, aus dem Land verbannt, Arbeit bei den Sklaven - aber nicht damit. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Wenn sie jetzt  für seine Freilassung plädierte würde Visenya vielleicht nicht geneigt sein, sie gehen zu lassen. Wenn sie die Wahrheit sagte, konnte sie sie alle in Gefahr bringen und nicht nur Jaerens Leben riskieren. Sie wusste, bei wem ihre Loyalität lag und wenn es hart auf hart kommen würde, wäre sie an Elaines Seite noch vor Devastares.
Langsam verstand sie Rhiannons Abneigung gegen Visenya. Sie war manipulativ und herrisch. Keine guten Zeichen bei einer Königin. Es wurde Zeit, Land zu gewinnen.
„Wir möchten nach Caria, um dem Land zu helfen. Die Magie beginnt zu verschwinden, es ist kein lebenswerter Ort mehr für Anderswesen, auch nicht für uns Drachen. Das Land wird ins Chaos fallen und wir möchten die Thronfolge wieder herstellen, bevor das geschieht. Ich bitte Euch - gebt mir unsere Sachen und wir werden gehen.“


„Gut“, stimmte sie schließlich zu und nickte abermals ehe sie sich herum drehte und sich endgültig abwandte. Sie hatte genug von Jaeren und ignorierte seine Entschuldigung, denn die hatte sie bei Leibe oft genug vernommen, bevor sie ihn verbannt hatte. Er hatte ihr in den Ohren gelegen, als sie die Blumenhändlerin hatte festnehmen lassen und er hatte ihr in den Ohren gelegen, als sie ihn dazu gezwungen hatte, ihrer Hinrichtung beizuwohnen, bevor sie ihn aus der Stadt und aus ihrem eigenen Reich gejagt hatte. „Dann sind wir uns zumindest in dieser Angelegenheit einig“, beendete sie das Wortgefecht, weil sie bereits wusste, dass Coreen ebenso wie ihre Ziehmutter nicht viel für das Reich Ayantis übrig hatten und sich diese Angelegenheit wohl auch nicht so rasch verändern würde. 
„Wachen! Bereitet den Scheiterhaufen für Jaeren vor. Wenn er aufgeschichtet ist, dann holt den Rest der Reisegefährten aus den Zellen und lasst sie zusehen. Danach stattet ihr sie aus und lasst sie gehen.“



Das verkomplizierte den ganzen Bockmist, vor dem sie standen. Doch Coreen nickte schlicht und trat mit hoch erhobenem Kopf vor Visenya, um ihr vorsichtig den kleinen blauen Drachen wieder zurück in die Hände zu geben. Sie konnte für diese Ungerechtigkeit keinen Dank aussprechen, wollte es auch gar nicht. Jaeren war ein Teil ihrer Reisegruppe und somit hatte er vielleicht nicht den Stand eines Freundes, aber er war auch kein Fremder mehr. Er hatte sich ihnen gegenüber nicht schlecht benommen und abgesehen von der Tatsache, dass er sie in den Schlamassel gebracht hatte mit seinem Schweigen hatte er ihnen nur geholfen. Es war nicht fair, dass er vor ihren Augen umgebracht werden sollte, sowohl für sie als auch für ihn - vermutlich war es auch nicht fair, dass er überhaupt umgebracht werden sollte, aber sie wusste nicht, wie weit die Geschichte zwischen ihm und Visenya gegangen war, darüber konnte sie nicht urteilen.
Mit einem Nicken trat sie zurück und ging auf die Türen zu. „Ich würde gerne mit meinen Reisegefährten sprechen, um sie darauf vorzubereiten.“
Und um ihnen irgendwie klar zu machen, wie sie hier heraus kamen. Die Sachen waren hier im Thronsaal gelagert, sie hatte Areds Schwert - ihr durch die Jahre im Dienst allzu bekannt - in einem der hohen, ausladenden Regale liegen sehen und das musste bedeuten, auch der Rest der Sachen war hier. Es würde eine knappe Sache werden, zu entkommen, wenn sie Jaeren wirklich retten wollten … oder auch nicht. Sie würde diese Entscheidung nicht alleine treffen. Die Hauptsache war, sie konnten gehen und Visenya würde niemals von der Bedeutung des Dolches oder des Ringes erfahren, die Devastare beide bei sich getragen hatte. Elaine hatte Schwierigkeiten mit ihrer Magie durch all das Eisen in der Stadt, doch Devastare könnte es schaffen.
Um keine weitere Aufmerksamkeit auf Jaeren zu lenken, ging sie wortlos an ihm vorbei. Er durfte von nichts wissen, denn wenn alles schief ging, wollte sie nicht diejenige gewesen sein, die ihm Hoffnungen gemacht hatte.
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