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 Zellen

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BeitragThema: Zellen    Do Mai 26, 2016 4:23 pm

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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 8:11 pm

Schon vor Jahrzehnten hatte Hekate die junge Magierin, die sich einst unter ihren Schützlingen befunden hatte, in einen magischen Schlaf versetzt. Zu groß waren die Verletzungen gewesen, der Schaden am Körper mit ihren damaligen Mitteln nicht ausreichend wieder zu beheben gewesen. Die Kriege hatten ihr eine ihrer besten Schülerinnen genommen und sie hatte sich lediglich geweigert, sie in den ewigen Tod gehen zu lassen, was der Grund war, warum sie sich in diesem Turm befand. Die dunklen, kalten Katakomben unter dem hohen Felsmassiv, eingelassen als Labyrinth mit Sackgassen und Fallen, gepaart mit der ungewöhnlichsten Architektur, die man in Miris finden konnte, waren der perfekte Ort für Cassia gewesen, um zu ruhen.
Hekates Schritte in den Riemenschuhen, die sie trug, platschten leise durch das Wasser, das in dem Raum fast knöcheltief stand. Es war kühl, beinahe kalt und von den runden Öffnungen, die fast vier Meter über dem Boden in die Felsen eingelassen waren wehte ein Wind herein, der sie hätte schaudern lassen, wenn sie nicht ihren Umhang getragen hätte. Auch der schleifte hinter ihr durch das Wasser, sog sich voll und lag als angenehmes Gewicht auf ihren Schultern, gehalten nur von einer kleinen, silbernen Spange zwischen ihren Schlüsselbeinen.
"Cassia", grüßte sie lächelnd, als sie den steinernen Altar erreichte, der in einer Ecke in die Felsen gehauen worden war. Grobe Handwekskunst vermischte sich hier mit der urtümlichen Magie der Erde, die diesem Platz niemals geraubt worden war. Alle Elemente waren vertreten, was den Turm zu einem perfekten Ausgangspunkt machte für all die großen Werke, die sie noch zu tun vorhatte. Erde, die Beständigkeit der Felsen, ihr Ursprungszustand in geballter Kraft, geschliffen nur durch die Zeit und die Natur. Luft, der Geist, in rauen Mengen um sie her, so hoch oben waren sie. Wasser, der Fluss des Lebens ... es war eine Stelle, wie man sie niemals wieder fand. Durch den Felsen nach oben hatten sich Wasseradern geschlungen, unterirdische Flüsse, die sich durch den Druck nach oben wanden und von dort das Steinmassiv wieder hinunter strömten. Sie waren zugleich auch eine wunderbare Abwehr, denn glitschige Steine konnte und wollte kaum einer nach oben klettern. Und nicht zuletzt brannte in den Hallen Feuer der Göttin Rhiannon, genommen in einem Kampf vor Urzeiten und seitdem gehütet wie ein Augapfel.
Hekate hob die Hände über den leblos daliegenden Körper, löste magisch all die Verbände, die sie damals angelegt hatte, um die Jüngere zu retten und ein helles Licht floss aus ihren Fingerspitzen und hüllte die Feuermagierin ein, hob sie ein paar Zentimeter von ihrer Ruhestätte.
"Der Funke des Lebens soll zu dir zurückkehren", flüsterte Hekate und rief die Elemente, mit denen sie damals Cassia in den Schlaf versetzt hatte. Heulend schoss der Wind durch die Öffnungen, fegte Hekate die Haare ins Gesicht während sie ihre Beine hinauf das Wasser wand, in dem sie stand. Sie ließ eine Hand sinken um den Stein unter Cassia zu berühren und mit der anderen schließlich beschwor sie das Feuer einer der Fackeln herbei, entzündet im großen Saal am Drachenfeuer. "Die Jahre sollen vergangen sein, ohne dir Schaden zugefügt zu haben."
Sie hätte die Worte nicht gebraucht, aber es war wohl netter, Cassias Geist vorzuwarnen.
Mit einem Mal schloss Hekate die Augen und befehligte die Magie, in die andere zu fließen. Dünne Fäden umwebten die schmalen Glieder vor ihr, fädelten sich durch Haare und über Finger hinweg, bis Cassia aussah, als hinge sie an Seilen von der Decke. Eine hellrote Linie fraß sich über Hekates Hand hinweg zu der Brust der Jüngeren hin, zögerte, als suche sie das Herz und stieß dann hinunter, just in dem Moment, in dem Cassia aufschrie.
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 8:24 pm

Das Letzte, woran sich Cassia erinnerte waren wilde blonde Haare und stahlblaue Augen ehe die Dunkelheit sie umfangen hatte. Den Schmerz spürte sie jetzt zum ersten Mal wieder als ein neues Messer durch ihre Brust stieß und sie aus der Schwärze riss, Pein durch ihre Glieder sandte als ihre Fingernägel sich in den harten Stein bohrten, auf dem sie aufgebahrt worden war. Hekates Stimme - sie hörte sie, ihr eigenes Schreien hörte sie, das nur davon abgelöst wurde als ihre Lunge gierig die kalte, feuchte Luft einsog, die dieser Ort ihr preisgab. Nach dem Schmerz folgte die Kälte und ließ sie zittern während die milchig weißen Augen der Zauberin von einer Ecke des Raumes zur nächsten glitten und dennoch blieb die Schwärze vor ihnen bestehen. Nur die Magie glaubte sie erkennen zu können - als Wiederhall in der schwarzen Welt, in welcher sie nun gefangen war - es waren bunte Lichter, glänzende pulsierende Fäden um sie herum, gewoben aus der Magie der Elemente, doch als die Magie versiegte, blieb Cassia nichts mehr übrig außer die brennenden Lider zu schließen.
Fahrig, mit zitternden Fingern tastete sie über ihren eigenen Körper - über jene Stellen, an denen sich einst Wunden befunden hatte, die das ewige Eis geschlagen hatte und die schlimmer gebrannt hatten als jede Verbrennung, die sie sich in ihrer Lehre zugezogen hatte. Das aschefarbene Haar der Zauberin fühlte sich unter ihren eigenen Fingern lang und feucht an und tastend suchte Cassia sich weiter bis ihre Fingerkuppen sich um den Rand des Altars legen konnten, auf dem Hekate sie aufgebahrt hatte und mühsam zog sie sich empor. Wasser - sie hörte es in ihren Ohren tropfen, hörte das Heulen des Windes um sie herum und das Prasseln des ewigen Feuers, das Atmen der einstigen Lehrmeisterin, die vor ihr stand.
"Hekate", nannte sie den Namen der Älteren und ihre eigene Stimme war leise und heiser, kaum stark genug, um über das Tropfen des Wassers hinweg zu tönen. Dieses Element war einst ihr Tod gewesen und dennoch saß sie nun hier. Sie hatten die Ordnung besiegt, sie hatte den Angriff der Götter überlebt. "Wie lang ist es her?"
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 8:40 pm

"Neunhundert Jahre, meine Liebe", erwiderte Hekate, machte aber keine Anstalten, näher zu kommen. Cassia hatte mehr Zeit schlafend als lebendig auf dieser Erde verweilt und es würde eine Weile dauern, das zu akzeptieren. Für sie jedenfalls.
"Deine Augen werden wir nicht mehr herstellen können, sie wurden dir magisch genommen, du wirst dich also auf all deine anderen Sinne verlassen müssen und das schnell." Es würde nichts bringen, Cassia zu bemuttern und zu bemitleiden, die Situation war, wie sie nun einmal war und je schneller sie sich damit abfand, umso besser. "Ich hoffe, nach all der Zeit fühlst du dich ausgeruht genug, um in dein Königreich zurück zu kehren?"
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 8:47 pm

Cassia setzte ihre Füße nur langsam in dem kalten Wasser ab, das ihre Zehen jetzt umspülte und sie einmal näher an das verachtete Element brachte, das ihr einst diesen Zustand gebracht hatte. Die Magie, welche zuvor noch die Fäden um sie herum gehalten hatte, pulsierte jetzt in ihren eigenen Adern, als wäre sie damit verbunden worden und Cassia brachte nicht viel Mühe auf, um das Feuer daraus zu destillieren, das sie ihr ganzes Leben begleitet hatte. Es wärmte ihre aschfahlen Züge auf, kribbelte in ihren Fingerspitzen und bildete kleine Flammen, welche ihr als einziger Anhaltspunkt in der Dunkelheit vor ihren eigenen Augen dienten. Magie konnte sie also sehen. Das würde die Dinge einfacher machen.
"Ich war niemals ausgeruhter als in diesem Moment", antwortete Cassia und war der einstigen Lehrmeisterin dankbar dafür, dass sie sich nicht weiter mit ihrer eigenen Schwäche befasste. Neunhundert Jahre lang hatte sie geruht, dem Tod näher als dem Leben und nun war sie begierig darauf zu wissen, wem ihr Land nun gehörte. Welcher der Sterblichen es verwaltete und was aus der einstigen Magierhochburg mit all ihren Akademien geschehen war. "Du hättest mich viel früher wecken sollen."
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 8:55 pm

"Ich brauche dich dort - aber nicht um den Thron wieder einzuenehmen. Noch nicht." Das würde Graciana zu gegebener Zeit übernehmen, für Cassia hatte sie noch andere und größere Aufgaben. Hekate verschränkte die Arme vor sich und legte den Kopf in den Nacken, doch selbst sie konnte die hohe Decke in der Dunkelheit nicht erkennen. Dieser Dämmerzustand würde noch jeden verrückt machen, der hier über längere Zeit eingeschlossen war in ihrem perfekten Gefängnis.
"Es gab ein kleines Problem mit der Krone, bei dem eine weitere Schülerin vorschnell intervenierte. Es ist kein großer Schaden entstanden, dennoch musst du nach Loviel. Die ehemalige Königin wurde für tot erklärt, sie ist auf und davon mit ihrer Affäre und auf dem Wasser ist sie durch Sotis' Magie vor mir abgeschirmt. Ich kann nicht sehen, wo sie sich genau aufhält. Sie hat einen Gegenstand außer Landes gebracht ... deine Krone und wie du sicher weißt, schuf ich einen Fluch, der nur den zum rechtmäßigen Herrscher macht, der diese Krone besitzt. Leider leider wurde die Krone einst verzaubert" Hekate zog die Augenbrauen nach oben und schüttelte den Kopf, als sie an Cassias Ausbruch dachte, in dem sie diesen irrsinnig dummen Zauber wirkte "um sie unauffindbar zu machen. Linniana weiß, wo sie ist. Bedivere, ihr Angetrauter, kann nicht der offizielle König werden, solange er nur das Duplikat besitzt und niemand aus der Loge kann mit ihm den Thron besteigen. Du wirst ihnen mitteilen, dass die Regentschaft dieses Bastards keinen Bestand haben wird. Das Duplikat ist verflucht."
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 9:11 pm

Feuer war es jetzt, das ihre Arme überzog und darauf brannte und Cassia genoss das Gefühl des vertrauten Elements, das ihr noch niemals Schaden zugefügt hatte. Es war früher ein anderer Verbund zu den Elementen gewesen, als es wohl heute der Fall war, denn wenn sie jetzt das dritte Auge aussandte, spürte sie nicht mehr viel von der Macht, die einst diese Welt umgeben hatte. Sie waren also zivilisierter geworden, gewöhnlicher und die großen Gaben waren auf ewig verloren gegangen in all den Jahrhunderten, die vorüber gegangen waren. Cassia hatte es gehasst ein Spielball der Machenschaften anderer zu sein und so wandte sie auch jetzt den Kopf in Richtung der Stimme, weil ihr das Gesicht der anderen verborgen blieb, auch wenn sie ihre Energie darauf aufwandte. "Du weckst mich, um andere zu warnen, Hekate, und um mit mir anderen zu drohen", erhob sie selbst die Stimme und räusperte sich, um ihr einen festeren Ton zu verleihen. Sie wollte ihre eigene Krone zurück, ihr eigenes Reich zurück, aus dem sie einst vertrieben worden war und was sie vor allem anderen wollte war jenen weh zu tun, welche das Element des Wassers unterstützten.
"Diese Eigenart von dir habe ich schon immer verachtet", bemerkte sie und stieß ein Schnauben aus, beide Hände zur Seite hin ausstreckend, um nicht versehentlich gegen einen Stein zu stoßen und sich damit die Arme aufzureißen. Sie hatte genug von Wunden und Schmerz, den sie zu erleiden hatte. "Ich werde dennoch gehen. Es juckt mich in den Fingern diesen Bastard kennen zu lernen, welcher sich nun König schimpft."
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BeitragThema: Re: Zellen    Do Mai 26, 2016 9:18 pm

Hekate begann leise zu lachen und es hallte erschreckend gespenstisch von den Felswänden wider. "Bedenke, Cassia ... der Lebenshauch in dir ist nur eine kleine Flamme, geschaffen von mir. Das Band zu mir ist nicht getrennt und wenn du meinen solltest, mich zu hintergehen, kann ich dich ebenso zurück in das Eis schicken, aus dem ich dich eben erweckte. Versuche nicht, meine Magie gegen mich zu wenden."
Sie nahm nicht an, dass es weitere Diskussionen geben würde und wenn, würde sie sich zu gegebener Zeit darum kümmern. "Außerdem werde ich mit dir kommen. Purbell Castle ist nur unser erster Halt auf einer aufregenden Reise. Ekynes ist der zweite ... und dort werde ich dich brauchen. Das Schloss wird brennen, alle, die es beschützen könnten, sind außer Landes. Sie werden Hilfe schicken ... Ben - ein junger Wassermagier. Ich brauche ihn und seine Wassermagie, um anschließend Linniana auf See zu finden und aus ihr heraus zu pressen, wo sie die Krone versteckt hat."
Dass sie Ben auch wegen seiner Seherfähigkeit wollte, verschwieg sie ebenso wie die magischen Wurzeln des Kindes, das Linniana in sich trug und wie die Gefangene, die sie seit wenigen Tagen in einem Verließ, identisch zu diesem hier verwahrte. Sie schien ebenfalls Fähigkeiten zu haben und sie waren von einem ganz anderen Schlag als die ihrer kleinen Kinderarmee.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 3:43 pm

Der Tag neigte sich inzwischen dem Ende, die untergehende Sonne spiegelte sich auf dem Meer, das sich ruhig bis zum Horizont erstreckte. Nichts deutete mehr auf dem Sturm hin, der das Schiff zum Kentern gebracht hatte und Hekate damit genau in die Finger gespielt hatte. Das Wasser und Sotis hatten dieses verdammte Schiff geschützt, die Piraten noch dazu und Hekate wusste warum: Die Göttin war einfach zu begierig darauf, ab und an etwas Unterhaltung in ihrem eisigen Land zu bekommen. Sie beobachtete die Welt durch ihre Wasserfälle und die Spiegel, die sich in ihrem Palast befanden, während sie über die Menschen klammheimlich lachte, die sich mit ihrem kurzen Leben beschäftigten. Manchmal hatte sie ein Auge länger auf jemanden geworfen, viele Magier und Anderswesen fielen darunter, auch die Drachen hatte sie im Blick. Man könnte meinen, sie hätte nichts Besseres und Wichtigeres zu tun.
Die Sonne brach sich auf den winzigen Wellen, die an Land spülten und ihre Füße benetzten, doch Hekate hatte keine Augen für die Schönheit der Natur, die sich hier von Oberon und Sotis vermischte. Mochten sie nur ihr kleines Techtelmechtel am Strand abhalten, wie sie es an jedem Ufer taten, es konnte ihr nicht unwichtiger sein.
Langsam schritt sie zu den beiden Gestalten, die eine davon vornübergebeugt, die langen, blonden Locken lagen in wirren, halb getrockneten und verdrehten Strähnen auf ihrem Rücken, fielen über die Schultern und streiften das Gesicht des Mannes, den sie in Armen hielt. Es war ein guter Einstieg. Sie fühlte die Verzweiflung, sog sie auf wie ein Lebenselixier, ehe sie ihre Schritte neben den beiden stoppte.
„Ich kann ihm helfen“, sprach sie die ehemalige Königin ruhig an und ging in die Hocke, das weite, leichte Kleid, das sie trug, bauschte sich um sie und landete dann in sachten Wellen auf dem Sand ohne einen Laut zu machen. Sie blickte in die hellen Augen, rot gerändert vom Weinen und die rissigen Lippen, das Gesicht voller Sand, der sich in den Wimpern verfangen hatte. Linniana war schön gewesen, aber jetzt wirkte sie nur erschöpft und ausgezehrt. Hekate hatte lange warten müssen und die beiden magisch von allen Menschen abgeschirmt, die vielleicht an diesem Ufer entlang gekommen wären. Nicht unweit von ihnen fand sich ein Dörfchen und in der Nacht hätten sie die Lichter sehen können, wenn die Schwarzhaarige nicht interveniert hätte. Seit fast drei Tagen waren sie hier und sie mussten mürbe genug sein, um endlich bei dem Spiel mitzuspielen, das sie plante.
Graciana hatte einen Fehler gemacht, glücklicherweise war es noch nicht gravierend genug gewesen, um es nicht mehr umkehren zu können. Erstaunlicherweise war die Verbindung von Killian und Linniana besser und mächtiger gewesen als es die errechnete von Henfrey und seiner Frau gewesen wäre. In gewisser Weise hatte ihre Schülerin ihr damit einen Gefallen getan. Die Magie des Kindes hatte die beiden sicher an den Strand befördert, doch das wussten sie nicht und wenn es nach ihr ginge, würden sie es nie erfahren. Sie würde Linniana nicht mehr brauchen, sobald sie das Kind geboren hatte und was Killian anging … er war nur der Lockvogel. Er war keine Gefahr.
Ein sanftes Lächeln malte sich auf Hekates Lippen, als sie Linniana die Hand auf die Schulter legte und sacht Magie in die fließen ließ, damit sie sah, dass sie die Wahrheit sprach. Die Schultern der Jüngeren entspannten sich sichtlich, die Abschürfungen an ihren Armen verschwanden, die sie sich bei dem Schiffsunglück zugezogen hatte.
„Wer seid Ihr?“, verlangte die Blonde zu wissen und Hekate hatte Mühe, ihr Lachen zurück zu halten. Das Mädchen war als Königin erzogen worden und das Verhalten ließ sich nicht so einfach ablegen, selbst jetzt, wo sie der Krone entsagt hatte, benahm sie sich, als würde sie sie noch auf dem Scheitel tragen. Dass es nun Bedivere war, der sich um seinen Fluch kümmern musste machte die Sache nur noch amüsanter. Sie tanzten wie die Puppen genau so, wie sie es sich wünschte. Karsh war der Einzige, der ihr dazwischen gefunkt hatte und sie verfluchte den alten Narr dafür, seine Kraft noch immer nutzen zu können. Es wurde Zeit, dass er seinen Posten abtrat und er wusste selbst, dass er sich bald darum kümmern musste, bevor die Magie mit ihm starb.
„Mein Name tut nichts zur Sache, Linniana. Ich kann helfen und das ist es doch, was du willst, nicht wahr?“ Hekate ließ die Hand über Killians Brust gleiten, hielt über dem Herzen inne. Es schlug ungleichmäßig und er schien schon länger in einem schlechten Zustand zu sein, der sich ihrem Auge entzogen hatte auf der See. „Ich kann ihm helfen, ihn gesunden lassen, als wäre nichts gewesen.“
Trotz der Demonstration standen Zweifel in Linnians Augen und sie wischte sich fahrig mit den Fingern über die Augen. Der getrocknete Sand rieselte über ihre Handfläche hinweg nach unten.
„Er wurde verletzt und dein Herz begehrt nichts mehr, als ihm das Leben zu schenken, meine Liebe. Ich kann es sehen.“
„Was verlangt Ihr dafür?“ Natürlich, diese Frage hatte kommen müssen. Es verwunderte Hekate nicht, dass nach wenigen Tagen ohne Essen und Trinken die Hemmschwelle weit heruntergesunken war. Die Sorge und die Schwangerschaft tat ihr Übriges. Linniana reagierte emotional und durchschaubar, jetzt musste sie nur noch ein wenig nachhelfen. Killian bäumte sich unter ihren Fingern auf, hustend und Blut spuckend, wie auch schon Stunden zuvor, doch jetzt wurden die Anfälle schlimmer, dauerten länger. Hekate genoss, wie die beiden sich wanden, der eine aus Schmerz und Pein, die andere, weil sie wusste, dass keine Magie ohne einen Preis kam und sie dennoch tun würde, was sie tun musste, um das Leben des einzigen Menschen zu retten, der ihr noch geblieben war.
„Ich verlange nicht viel, Linniana. Komm mit mir in den weißen Turm, ich benötige deine Fertigkeiten. Lass den Piraten ziehen und er wird leben“, lockte sie und strich Killian eine dunkle Strähne aus der Stirn. „Er wird unversehrt sein und kann seiner Wege gehen.“
Doch noch war Linniana wohl nicht überzeugt, sie hatte den Blick wieder direkt auf Killians Gesicht geheftet und Hekate beschloss, noch ein Stück weiter zu gehen. Ohne mit der Wimper zu zucken ließ sie die Luft aus Killians Lungen entweichen, bis nichts mehr übrig war und verbot seiner Luftröhre, weiteren lebenswichtigen Sauerstoff einzulassen. Stöhnend und keuchend wand sich der junge Pirat, ehe er sich mit den Händen an seinem Hals zur Seite rollte und begann, mit den Fingernägeln die Haut aufzukratzen, als könne er damit seinen Körper zur Kooperation bringen.
„Nein!“, hörte sie es leise von der gefallenen Königin, ehe die sich zu dem Piraten hinunter beugte. Wie rührend sie doch beide waren, während sie hilflos um sein Leben flehte, das völlig in den Händen der Magierin lag. „Killian! Nein – nein, nein, nein!“
„Komm mit mir“, bot Hekate ein letztes Mal an und diesmal wusste sie, hatte sie gewonnen.
„Es wird ihm nichts fehlen? Keine Verletzungen?“
„Nicht ein Haar wird noch gekrümmt sein“, bestätigte Hekate.
„Du lässt ihn gehen? Wohin er will, ohne Fragen zu stellen oder ihn aufzuhalten? Er wird nicht einer deiner Sklaven werden?“
„Er ist frei.“
Noch ein letzter Blick, ein letztes Zögern. Als Linniana diesmal aufsah, waren keine Tränen mehr in ihren Augen, nur eiserne Entschlossenheit und Hekate frohlockte innerlich, als sie endlich die Worte hörte, die Linniana an sie banden, frei gesprochen und ohne Magie waren sie ein bindender Vertrag. „Ich komme mit dir.“
~*~
Die Zelle, in die sie gestoßen wurde, war dunkel und riesengroß. Die Mittagssonne reichte kaum aus, um überhaupt etwas deutlich erkennbar werden zu lassen, während Lin stolpernd nach Halt suchte und ihn an einer nassen Steinwand fand. Wo bei den Göttern war sie hier? Im weißen Turm? Weiß war er bei Leibe nicht, alles, was sie bisher davon gesehen hatte, als sie im Inneren herausgekommen waren, war Schwarz und Grau gewesen, doch sie hatte sich kaum damit befassen können, all ihre Gedanken waren beschäftigt mit Killian, den sie noch hatte aufstehen sehen, während Hekate einen ihrer Arme ergriffen hatte, um sie bei sich zu halten. Die Verletzungen waren verschwunden, die meisten der Narben ebenso und zurück war nur der Pirat geblieben, in den sie sich vor Jahren heillos verliebt hatte. Es tat gut, ihn in einem Stück zu sehen, obwohl es ihr fast das Herz zerriss, ihn zurück zu lassen. Wieder einmal.
Aber jetzt musste sie sich darauf konzentrieren, einen Weg hier heraus zu finden und hatte keine Zeit für Selbstmitleid. Es würde sie vielleicht in den frühen Morgenstunden einholen, wenn sie in diesem Loch keinen Schlaf fand, doch fürs Erste riss sie sich am Riemen. Behutsam schob sie die Hand über ihren Bauch, dann begann sie, die Wände der Zelle entlang zu tasten und ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:17 pm

"Vergiss es. Hier gibt es keine Möglichkeit zur Flucht", tönte eine leise Stimme aus einer der Ecken des großen Zellentraktes, in dem eine weitere zusammen gesunkene Gestalt nahe der nassen Felsen inmitten des dreckigen Bodens saß. Die langen, dunklen Haare waren von dem Wasser, das während der Regenfälle durch die Öffnungen in der Decke tropfte noch immer feucht und hingen ihr in Strähnen in das schmale Gesicht. Auf ihren Wangen hatten sich die Spuren der Tränen mit dem Dreck des aufgeschwemmten Boden vermischt, der sowohl auf dem Shirt, als auch auf der Jeans zu finden war, die sie am Leib trug und die sie inzwischen während der Nacht nicht einmal mehr warm hielten. Selbst durch die Turnschuhe, die sie an den Füßen trug, war die kalte Brühe gesickert und obwohl es einfacher wäre, sie einfach davon abzustreifen, hatte sie sich selbst noch nicht die Blöße geben wollen. Mit nackten Füßen hier zu sitzen, während das Quieken der Ratten und ihr Scharren am Stein zu hören, würde ihr auch noch die letzten Stunden des unruhigen Schlafes nehmen, die ihr übrig blieben.
Wie sie hierher gekommen war, konnte sie nicht sagen und jede Erklärung, die sie versucht hatte zu finden, kollidierte wieder mit der Wirklichkeit, in der sie nun bereits seit Tagen gefangen war. Die Frau, die sie gesehen hatte, als sie aufgewacht war, wirkte nicht wie jemand, der für Adam arbeitete, obwohl ihr Blick durchaus dazu passen konnte - der Ort, an dem sie hier war, wirkte nicht einmal wie eines der großen Gebäuden, das sie aus den Städten wie Washington oder den anderen Megatowns kannte. Vielleicht träumte sie einen der wirren Träume, die sie so häufig begleitet hatten oder aber Adam hatte sie erneut in die Finger bekommen und in eine Hypnose gezwungen, um sie erneut zu brechen. Zutrauen würde sie es ihm und alles, was in ihren Gedanken geblieben war, war die Erinnerung an Elias und Finn und die Frage danach, wo sie sein würden.
Sorge hatte sie in den ersten Tagen hier beinahe um den Verstand gebracht, hatte ihr die Kraft gegeben jeden Tag aufs Neue ein Stück der Zelle abzulaufen, um eine Fluchtmöglichkeit zu finden, doch bis auf bloßen, kalten und nassen Stein hatte sie nichts gefunden. Ab und an hatte ihr jemand Essen hinunter geworfen, altes Brot, das sie kaum essen konnte und von dem sie einen Teil mit den Ratten geteilt hatte, um sie davon abzuhalten, sie während der Nacht anzugreifen. Mühsam stemmte Anna sich jetzt ein wenig nach oben, eine klamme Hand noch immer vor ihren Bauch gepresst, um wenigstens das ungeborene Leben zu beschützen, für das sie verantwortlich war. Sie hatte Grace beneidet, als sie Zeit gehabt hatte, denn während Hazel sicher bei ihren Eltern war, musste Finn ein Leben in Angst und Schrecken führen und hatte zu viel erlebt für seine zwei Jahre. Sie war eine so furchtbare Mutter.
Die junge Frau, die ihr jetzt entgegen stakste, wirkte genauso desillusioniert, wie sie sich fühlte. Am Ende schienen sie beide zu sein und Anna erstarrte erst, als ihr auffiel, dass auch ihr Gegenüber schwanger war. Was zur Hölle hatte diese Wahnsinnige dort oben denn mit all den Kindern vor, um die es ihr ganz offensichtlich ging?
"Was ist dir passiert?"
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:40 pm

Es war zu dunkel, als dass sie die Frau vor sich gut genug sehen konnte, doch die Umrisse sahen bis auf den kleinen Bauch eher nach einem Mann aus. Sie steckte in Hosen und einem Oberteil, dass Linniana noch nie in irgendeiner Art und Weise gesehen hatte - und sie hatte in ihrer Zeit als Königin viele Dinge gesehen. Was ging hier vor sich? Wer war diese Frau und was hatte die Hexe mit ihnen beiden vor?
Langsam kam sie näher, bis sie direkt vor der anderen stand. Warum sie hier war, war eigentlich so einfach zu erklären und dann wieder auch nicht, weil so vieles damit zusammenhing ...
"Sie heilte einen Menschen, den ich liebe, damit ich mit hierher komme", antwortete sie dann nur vage und neigte sacht den Kopf. "Ich bin Lin."
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:46 pm

"Klingt zumindest wie etwas, wofür es sich lohnt, hierher zu kommen", bemerkte Anna in einem kurzen Anflug von Galgenhumor schmallippig lächelnd und wank dann schließlich doch ab. Wer immer die andere auch sein mochte - die Art, wie sie redete und wie sie sich gab, wie sie den Kopf neigte, als wären sie nicht im Jahr 2087 sondern in einem dieser verqueren Fantasy-Filmen, die Rebecca als Kind so gern gesehen hatte und die sie selbst zum Kotzen gefunden hatte. Hätte sie damals wohl besser aufgepasst ... "Ich bin Anna", entschied sie sich schließlich das Kennenlernen abzuschließen und hob die Hände, um sich damit durch die dunklen Strähnen zu fahren und das Gesicht zu verziehen, als sie an ein paar Kletten hängen blieb, die sich inzwischen darin gebildet hatten. War ja nicht so, dass sie diesen Zustand nicht schon gewöhnt war.
"Hey, wo wir gerade dabei sind - hast du irgendeine Ahnung, wo wir eigentlich gerade sind? Also außer in einem nassen, kalten Kellerloch mit einer Wahnsinnigen als Torwächterin?", hakte sie dann schließlich nach, als sie zurück zu dem einzigen Platz trat, an dem sie nicht knöchelhoch im Wasser stand und gleichzeitig nicht wie auf dem Präsentierteller, wenn jemand einen Blick von oben in das Loch hinein warf. "Komm her. Hier ziehts dir nicht die ganzen Kleider voller Wasser und die Ratten kommen nicht her."
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:50 pm

Ratten waren nichts, was neu für Lin war, doch sie hatte kein gesteigertes Verlangen danach, von ihnen angeknabbert zu werden und an irgendwelchen Krankheiten zu sterben, die die Biester übertrugen also folgte sie Anna hinüber in die einzige Ecke, die sichtbar trockener war als die anderen. Sie raffte ihren Umhang um sich und hoffte, er würde hier endlich die Nässe verlieren, mit der er vollgesogen war, damit er wieder seinem ursprünglichen Zweck diente. Die Salzkrusten, die sich über den Rest ihrer Kleidung zogen waren steif und unangenehm.
"Wir sind in Miris, im weißen Turm", erwiderte Lin schließlich, als sie erschöpft auf dem Stein platz genommen hatte, der etwas aus der Wand heraus ragte und gerade so ein wenig Halt bot. Zum Schlafen würde sie sich auf den Boden legen müssen, denn an Mobiliar hatte hier niemand gedacht. Was hatte Hekate davon, wenn sie sie hier unten verrotten ließ? Denn niemand anders konnte es sein, auch wenn die Magierin ihren Namen nicht genannt hatte. Was wollte sie genau von ihnen?
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:56 pm

Miris. Miris war definitiv kein Land, von dem sie bislang gehört hatte, geschweige denn eine Stadt und einen weißen Turm gab es mit Sicherheit nicht mehr, seit die großen Bomben gefallen waren. "Äh ...", machte sie, weil sie glaubte, die andere würde eine Antwort hören wollen, die ihr doch nicht einfiel. Umhang ... die andere trug einen verfluchten Umhang und keine Jacke, wie es gewöhnlich sein sollte während der Temperaturen, die sie hier unten doch nur erahnen konnte. "Warte mal, warte mal - welches Jahr haben wir?", hakte sie dann doch noch einmal nach, weil das, was sich in ihren Gedanken da gerade hervorbahnte viel zu verrückt klang, um wirklich der Wahrheit zu entsprechen.
Nein, sie hatte definitiv nicht zugestimmt an irgendeinem dieser seltsamen Filme mitzuspielen, insbesondere wo sie weit größere Probleme hatten. Zuletzt war sie in einem U-Boot auf dem Weg nach England gewesen, nachdem die alte Basis von den Soldaten der Regierung in die Luft gejagt worden war. Jetzt saß sie inmitten einer Zelle mit einer Verrückten und einer weiteren Wahnsinnigen, die irgendetwas mit ihnen vor hatte. Viel besser konnte es ja gar nicht mehr werden und vom Regen in die Traufe bekam hier angesichts ihres nassen Gefängnisses eine ganz neue Bedeutung.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 4:59 pm

In Ordnung, irgendwie klang das nicht sehr aufbauend, was sie da gerade hörte und sah. Anna schien entweder verwirrt zu sein oder nicht ganz zurechnungsfähig. Vielleicht war sie schon zu lange hier und hatte den Verstand verloren? Welches Jahr sie hatten?
"Wir schreiben das Jahr 3279 seit Beginn Eilians", antwortete Lin und runzelte die Stirn, bevor sie sich Anna direkt zuwandte und sie besorgt musterte. Sie schien bleicher geworden zu sein als sie es noch vor wenigen Sekunden gewesen war. "Bist du in Ordnung? Kann ich dir helfen ...?"
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:19 pm

"3279?", echote Anna und glaubte die Wahrheit nicht, die nur allzu deutlich aus dem ausgemergelten Gesicht der anderen sprach. 3279 konnte gar nicht sein, es gab niemanden, der Zeitreisen konnte und sie davon am Allerwenigsten. Sprachlos und fertig mit der Welt und ihren eigenen Nerven lehnte Anna den Kopf zurück und schloss die brennenden Augen, die sich einfach nicht an das Halbdunkel gewöhnen wollten, obwohl in dem U-Boot keine anderen Bedingungen geherrscht hatten. Das hier war noch einmal etwas vollkommen anderes, denn auch die Beschreibung seit Beginn Eilians war nichts, was ihr etwas sagte. "Du willst mich verarschen, oder?", fragte sie in ihre eigenen Hände hinein, die sie vor das Gesicht geschlagen hatte, um den Schock leichter zu verdauen, den Lin ihr gerade verpasst hatte. "Das ist doch irgendeiner von Jesses schrecklichen Scherzen, oder? Wenn ja, dann sag ihm bitte, dass ich das nicht lustig finde!"
Es war kein schlechter Scherz, das zumindest erkannte sie, als sie Lin noch einmal ins Gesicht blickte und die Betroffenheit darin erkannte. Gott, es war wirklich kein Scherz, aber wie sollte sie das der anderen erklären. Es klang ja bereits für sie unglaubwürdig genug. "Scheiße ...", war schließlich das Einzige, was sie von sich gab ehe sie die Hände zu Fäusten ballte, um gegen den Stein zu schlagen. "Wir müssen hier raus. Beide."
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:23 pm

Lin hatte sich gefragt, ob sie darauf noch irgendwie reagieren sollte, aber Anna schien sich selbst bereits zu fangen - ein dankbarer Charakterzug, wie sie fand. Gerade noch hielt sie Anna davon ab, gegen den Stein zu schlagen und statt ihre Hände zu umfassen und bestätigend zu drücken, ließ sie sie langsam wieder los.
"Du hast völlig Recht", stimmte sie zu. "Es gibt nichts, was uns hier hält und dort draußen wartet jemand auf mich, nach dem ich suchen muss." Jedenfalls hoffte sie, dass Killian wartete und dass Hekate ihm nicht die Erinnerungen an sie genommen hatte. "Du wirkst, als wärst du nicht von hier. Woher kommst du, Anna?"
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:32 pm

"Aus dem Jahr 2087. Aus Amerika - aber das wird wohl beides nichts sein, was dir irgendetwas sagen dürfte und dass ich nicht von hier komme ist wohl echt die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich hab keine Ahnung, ob meine Familie ebenfalls hier ist - mein Mann und mein kleiner Sohn, aber wenn sie es sind, dann muss ich sie ebenfalls finden und diese verdammte Hexe da oben kann was erleben, wenn sie ihnen auch nur ein einziges Haar gekrümmt hat."
Kriege. Sie war in Europa gewesen, sie hatte eine Überhitzung in einem Kraftwerk überlebt und seltsame Fähigkeiten dadurch erhalten. Sie war gezwungen worden einen Psychopathen zu heiraten, weil der sie umgedreht hatte, sie waren durch halb Amerika geflohen mit einer Ansammlung von Rebellen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Regierung zu stürzen. Es hätte schlimmer sein können, auch wenn die Gefangenschaft immer wieder an ihren eigenen Nerven zerrte - jetzt wenigstens mit jemandem sprechen zu können machte alles wesentlich einfacher und die Grauen des Dunkeln nicht mehr ganz so greifbar wie in den Tagen zuvor. "Lin?", fragte sie leise ehe sie sich zurück auf die Füße kämpfte und die Hände nach dem Fels ausstreckte. Ihre Kräfte ... wenn sie eines konnte, dann war es Dinge damit kaputt zu machen.
"Denkst du, du bist kräftig genug für eine Flucht?"
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:37 pm

"Natürlich", erwiderte Lin und hinterfragte nicht eine Sekunde den plötzlichen Aktionismus, ignorierte auch, dass die andere ihr Daten und Ländern nannte, die sie niemals im Geschichtsunterricht gehört hatte. Eilian war ein Kontinent voller Wunder und jemanden aus einem anderen Eck der Welt hier zu haben, vielleicht auch unbekannt oder aus der Vergangenheit ... sie seufzte leise. Sie war Königin von Loviel gewesen, einem der Länder, die mit der Magie so eng verwurzelt waren wie eine Mutter mit ihrem Kind und genau das trieb auch Anna an. Ihr Mann und ihr Sohn. "Wenn die beiden sich in diesen Ländern aufhalten, Anna, dann werden wir sie finden. Ich kenne Menschen, an die wir uns wenden können und die uns helfen werden."
Sie stellte sich neben die andere, betrachtete ebenfalls die dicke Steinmauer und für ein paar Augenblicke begann sie zu zweifeln. "Wie wollen wir hier raus? Der weiße Turm ist gesichert mit Zaubern und von Wachen umgeben."
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:42 pm

Zauber ...? Damit war dann wohl der nächste Punkt getroffen, der Anna drohte aus der Bahn zu werfen und den sie schnell genug zur Seite schaffen musste, um sich nicht weiterhin damit befassen zu müssen. Dafür würden sie Zeit haben, sobald sie diesem eisigen Gefängnis entronnen waren, in dem man sie beide gefangen hielt und in dem auf keinen Fall ihre kleine Tochter geboren werden sollte. Wenn es hier Zauber gab, dann hatten die Wachen von denen Lin sprach, wohl keine Schusswaffen und zumindest das beruhigte sie enorm. "Vertrau mir einfach. An den Wachen kommen wir vorbei, ohne von ihnen behelligt zu werden und selbst wenn nicht, dann verteidige ich dich schon. Wäre nicht der erste Mann, den ich in meinem Leben umbringen muss und die meisten haben nur Muskeln und kein Hirn", versprach sie der anderen und tastete kurz nach der anderen bis sie ihre Hand sacht drücken konnte.
Charles hatte ihr viele Dinge beigebracht, während den wenigen Jahren der Ausbildung, die sie bei ihm gehabt hatte und Anna hatte sich jedes Detail davon gut eingeprägt. Die Bilder des Krieges nicht an sich heranlassen, den Schock dann verarbeiten, wenn eine Situation nicht mehr lebensbedrohlich war. Sobald sie ein warmes Bett, ein Feuer, etwas zu essen und ihre Familie bei sich hatte, würde auch sie das tun. "Und was die dicken Steinwände angeht - gib mir einen Moment."
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 5:47 pm

Überrumpelt nickte Lin, dann sammelte sie sich und straffte die Schultern, bevor sie aus der Reichweite der Felsenmauern trat und somit auch aus der Annas, weil sie das Gefühl hatte, sie würde den Platz brauchen. Einmal in ihrem Leben wünschte sie sich, magisch zu sein, damit sie erkennen konnte, was hier vor sich ging oder sich anders verteidigen konnte als mit den Fingernägeln, wenn es sein musste. Nicht, dass die nicht effektiv gewesen wären, an den richtigen Stellen eingesetzt ... aber es war ein Unterschied, ob man eine Wand um sich her schaffen oder zerstören konnte oder den Gegner an sich heranlassen musste.
"Natürlich", bestätigte sie mit ruhiger Stimme und besah sich die Ausmaße des Gefängnisses erneut. Anna schien hier alle möglichen Ecken schon untersucht und abgetastet zu haben, sie brauchten einen anderen Weg - wenn Anna nur wusste, was sie da tat. Sie schien ziemlich in Gedanken zu sein und LIn wusste nicht, ob sie dabei war, sich zu konzentrieren oder in ihrer Vergangenheit stöberte.
"Du schaffst das", sagte sie und meinte es genau so. Nur keinen Zweifel zulassen. Sie hatte dort draußen noch ein Leben und ein Land, auch wenn Bedivere es sein Eigen nannte und sie niemals auf den Thron zurückkehren konnte. Sie musste die Gelder wieder zurückbringen, damit Loviel wieder vollständig hergestellt werden konnte und sie musste mit Sotis reden - Alianor war eine Option, die sie sich noch offen lassen würde. Was Killian anging ... sie würde ihn finden.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 6:07 pm

Anna hielt ihre Gedanken nah bei jenen Menschen, zu denen sie wieder zurückkehren wollte, während sie in sich selbst Kraft sammelte und dennoch rutschte ihre Konzentration immer wieder ab. Die Entbehrungen der letzten Tage, die Dunkelheit und die Stille um sie herum forderten ihren Tribut und beständig neu damit beginnend, sich wieder an das zu erinnern, was sie eigentlich zu Stande bringen konnte, begannen die Steine um sie herum zu zittern ehe sie sich in die Luft hoben. Sie war untrainiert und spürte die Erschöpfung bereits jetzt tief in ihrem eigenen Körper, als die Felsen zu knarzen begannen und der erste Riss sich durch das Gestein zu ziehen begann. Jetzt oder nie - das Knirschen würde die Hexe ohnehin schon gehört haben - wenn Lin und sie jetzt nicht flohen, dann würden sie es wahrscheinlich niemals tun. Elias und Finn. Wenn sie dort draußen waren, dann musste sie zurück zu ihnen, um sie vor dem zu bewahren, was diese Hexe auch ihnen noch würde antun können.
Sie dachte zurück an das Gesicht ihres kleinen Sohnes und wie ängstlich er in einer Welt wie dieser sein würde, ganz ohne jemanden an seiner Seite, der ihn beschützte und ihn in den Arm nahm. Er kannte hier niemanden und während sie sich mit alten Militärgrundsätzen über Wasser halten konnte, sah es bei Finn ganz anders aus. Er war ein Kind, er sollte nicht einmal mehr in Gefahr sein. Der kleine Garten, der vor ihrem Haus stehen würde, wenn sie zurück waren, der weiße Zaun, der das Gelände umgab, auf dem ihre Kinder sorgenlos groß werden konnten. Sie musste nur diesen Wunsch nah bei sich halten.
Felsen trieb von Felsen auseinander als der Riss sich weiter durch das dicke Gestein zog und Anna sog noch einmal Kraft in sich auf, atmete noch einmal tief durch ehe sie die Hand nach vorn stieß bis ihre Finger den Stein spüren konnten. Dann ging der ohrenbetäubende Knall durch die nasse Zelle und Wasser stürzte meterweit hinunter in die Tiefe. "Lin!", schrie Anna und streckte die Hand nach der anderen aus. "Komm schon! Spring!"
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 6:32 pm

Springen schien nicht gerade die Option zu sein, die am vernünftigsten klang oder am vertrauenswürdigsten aussah, doch was war die nächste? Bleiben und sich ausnehmen lassen wie eine Festgans? Sie hatten nur diese eine Chance, bevor Hekate sie einsammeln und in ein anderes Verlies bringen würde, nur diese eine Chance auf Freiheit und Selbstbestimmung. Alle weiteren Fluchtversuche würden schwerer werden, wenn nicht gar unmöglich. Lin erlaubte sich nicht wirklich, darüber nachzudenken, wie tief hinunter es an dem Felsen ging, den die Natur geschliffen hatte und die Frage danach, ob sie den Sturz überleben würden, stellte sie sich gar nicht erst. Sie griff nach den schwieligen Fingern der anderen, die eindeutig härtere Arbeit gewohnt waren als sie selbst, denn auch die Monate auf dem Schiff hatten daran noch nichts geändert. Jetzt schlang sie ihre Hand so fest sie konnte um den einzigen Halt, der ihr blieb und sprang hinab in die Tiefe.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 7:48 pm

Das Adrenalin rauschte durch ihre Venen, wie die Luft um sie beide herum, während der Boden mit jeder Sekunde ein Stück näher kam und Anna bereits damit begann, Kraft in ihr eigenes Ich zu ziehen, um den Sturz abzufangen und zu verhindern, dass sie beide dort unten am Boden zerschellten. Das Gefühl keinen Boden unter den Füßen zu haben war befreiend, den Wind zu spüren und das helle Tageslicht sehen zu können, nach all der Zeit in dem Halbdunkel und ihr eigenes Herz pochte wild gegen ihre Brust und gab ihr zum ersten Mal seit langem wieder das Gefühl wirklich lebendig zu sein. Sie hörte neben sich, wie Lin heftig die Luft eingesogen hatte und sah, wie die andere jetzt mit den Beinen und der freien Hand ruderte, die nicht ihre eigene fest umklammert hatte und Anna festigte den Griff um die Mitleidende noch einmal, weil ihre schwitzigen, von der Kälte noch leicht nassen Finger abzurutschen drohten.
Nur noch ein paar kleine Meter, dann würden sie es geschafft haben - frei sein und sich auf die Suche nach jenen machen können, die sie verloren hatten. Die Bäume, die weit unter ihnen gewesen waren, wurden allmählich wieder größer und Anna nutzte jetzt ihre Kräfte, um ihrer beider Sturz zu bremsen und die Geschwindigkeit zu drosseln, mit der sie bislang auf den Boden zugeschossen waren. Etwas heftiger als eigentlich beabsichtigt kamen sie beide auf der aufgeschwemmten Erde an und Anna sog die frische Luft gierig in ihre eigenen Lungen ehe sie hinüber zu Lin sah. Des Lächeln konnte sie sich nicht erwehren, als sie das blasse Gesicht der anderen sah, doch in dem Moment, in dem sie sich zurück auf die Füße rappeln wollte, spürte sie etwas anderes, das sie dort am Boden festhielt.
Aus der Wärme der Sonne wurde wieder der eisige Hauch, der sie überkam als sie sich mit aller Macht gegen die unsichtbaren Fesseln zu wehren begann, sich darum bemühte, sich aufzubäumen, um weiter zu fliehen, nur um dann doch wieder zu scheitern. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Die leisen Schritte hörte sie lange bevor sie die dazu passende Gestalt sah.
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BeitragThema: Re: Zellen    So Mai 29, 2016 7:58 pm

Hekate seufzte leise, als sie die beiden Flüchtigen Frauen - beinahe beide noch Mädchen - vor sich sah, die sie nun mit ihrer Magie am Boden festhielt. Es war zu schade, dass sie nicht kooperierten und sie jetzt zu härteren Mitteln würde greifen müssen. Ein wenig härteren zumindest.
"Warum konntet ihr denn nicht noch ein paar Stunden warten? Ich hätte noch Zimmer für euch vorbereitet, in denen es euch besser ergangen wäre", spöttelte sie leise und ging neben Adrianna in die Hocke. "Willst du, dass es deinem Kind an etwas mangelt?" Sie schüttelte den Kopf und sah zu Linniana hinüber. "Und du, Königin? Wie sieht es mit dir aus? Dein Vertrag ist keine fünf Stunden alt und schon versuchst du, zu fliehen? Ist dir das Leben deines Piraten nichts wert? Ich kann gehen und ihn töten, wenn es das ist, was du hiermit bezwecken willst."
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