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 Bibliothek des Schlosses

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BeitragThema: Bibliothek des Schlosses    Di Mai 31, 2016 7:55 pm

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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Di Mai 31, 2016 10:51 pm

Karsh blickte von einem der Bücher auf, als er spürte wie sich die Gezeiten der Magie veränderten. Er schmeckte Blut auf seinen Lippen und roch den Tod. Ein Hauch des Schlachtenlärms schien zu ertönen, ein Flüstern aus alten Büchern die über noch ältere Kriege sprachen.
Nur langsam erhob sich der alte Magier und hob die Hand, griff in das Nichts hinein und spürte die Anwesenheit eines anderen Magiers. Dann wie ein Donnerschlag tat sich ein Riss vor ihm auf und Pfeile schwirrten um ihn, wurden abgelenkt und blieben zitternd im Boden hinter ihm stecken. Der blutrote Riss, einer klaffenden Wunde gleich flackerte noch kurz in der Luft ehe Karsh ihn mit purem Willen schloss und zu den vier Personen eilte, die es hierher verschlagen hatte. Er wollte den Mund öffnen, da erkannte er wer es war. Erkannte das Blut und den letzten Lebenshauch Gracianas der ihrem Körper entwich. "Ruft die Heiler!" rief er aus und seine Stimme dröhnte durch das ganze Schloß.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 3:58 pm

Zwei Stunden hatte es gedauert bis die Nachricht über die Ankunft der Flüchtlinge aus Loviel sich soweit ausgebreitet hatte, dass auch Kaitria davon informiert worden war. Es hatte sie nichts mehr bei den Gesprächen gehalten, die sie zuvor noch geführt hatte und hastig war sie durch die Gänge des großen Schlosses geeilt, die sie inzwischen schon viel zu gut kannte, Selbstvorwürfe begleiteten sie bei jedem einzelnen Schritt, den sie machte. Sie hätte Ben niemals allein in Loviel zurücklassen dürfen, sie hätte sich niemals so viel Zeit nehmen dürfen. Die Nachricht, an der bereits sie so knabbern hatte, würde wesentlich tiefere Wunden in ihn geschlagen haben und erst vor der Tür zur Bibliothek hielt sie inne, ihren eigenen Atem wieder beruhigend während ihre Hand bereits auf der Klinke lag. Sie ahnte, wie sie ihn dort vorfinden würde und welcher Sturm in ihm selbst toben würde - ahnte, dass er davon nur sehr wenig nach außen tragen würde, ganz so wie er es immer getan hatte.
Als sie die Klinke herunter und die Tür aufdrückte, glaubte sie für einen kurzen Moment, die Sonne habe sich vollständig hinter den Wolken zurückgezogen, denn das sonst so helle Tageslicht drang nur verhalten in den großen Raum hinein, in dem es nach alten Büchern und ledernden Einbänden roch. Für keines dieser Bücher hatte sie jetzt auch nur ein einziges Auge als sie nach vorn trat und sich zwang ihre Schritte ruhig bleiben zu lassen, weil sie nicht wusste, ob die Erleichterung über sein Überleben oder das Mitgefühl mit seinem Verlust in diesem Moment angebracht war. Stattdessen trat sie nur leise an ihn heran und schob sacht ihre Arme um ihn und auch, wenn es ihr schwer fiel - sie hielt den Mund, weil ein 'Es tut mir leid' weder angemessen war, noch etwas besser machen würde und sie nicht einmal wusste, ob er sie in diesem Moment eigentlich wahrnahm.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:05 pm

Still hatte Ben verharrt, weiter nach draußen gesehen in den wolkenverhangenen Tag, der seine Gedanken nicht weniger grau erscheinen ließ, weil exakt diese Farbe die einzig vorherrschende war. Sie strahlte sogar auf die spätsommerlichen, halb verdorrten Blätter hinunter, denen der Regen fehlte wie in allen Teilen Eilians, die noch Kontra boten.
Tristesse und Verzweiflung fochten ihren Kampf in seinem Inneren und ließen ihn abwechseln zwischen einem absoluten Fall in die tiefe der Emotion und der Leere, die sich seiner bemächtigt hatte. Karsh hatte ihn irgendwann von Graciana fortgezogen, die er immer noch umklammert gehalten hatte, als sie angekommen waren. Er hatte sich um Bedivere gekümmert, das Königspaar informiert und Burich jemandem in die Hände gedrückt, der ihn abzulenken wusste. Wäre der alte Magier nicht gewesen ...
Ben verbot sich, weiter darüber nachzudenken und sah auf den roten Schopf hinunter, der sich in seine Halsbeuge schmiegte. Kaitria roch nach Erdbeeren und Seeluft und alleine schon das holte ihn zurück in die Realität, heraus aus dem Gestank, den er immer noch an seinen Kleidern trug und die inzwischen getrocknet an ihm hingen. Blut, Dreck und Rauch hatten sie untragbar gemacht, dennoch stand er hier, unfähig, irgendetwas zu tun und es dauerte eine Weile, bis er die Arme der anderen wirklich registriert hatte und seine ebenfalls hob, als wären sie ein Fremdkörper und um sie legte.


Zuletzt von Ben am Mi Jun 01, 2016 4:11 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:11 pm

Es tat weh ihn so vor sich zu sehen, denn wenngleich Kaitria auch die Augen geschlossen hatte, weil sie vor den Tränen brannten, die ihr wie von selbst die Augen gefüllt hatten, konnte sie sich nicht vor dem Schmerz verschließen, der von dem anderen ausging und ihr eigenes Herz ins Holpern geraten ließ. Es war immer schon eine Gratwanderung gewesen, während der letzten Jahre und schon immer hatten sie in Loviel unsicher gelebt, selbst mit dem Schutz von Ekynes - die Grenzen waren zum ständigen Kampfgebiet gewesen und viele gute Männer hatten dort ihr Leben gelassen, um ihr Heim und ihre Familie zu verteidigen. Kaitria hatte bei jedem Einsatz auch um Bens Leben gebangt, aber sie hätte ihm den Aufbruch nur noch schwerer gemacht, wenn sie sich dagegen gestellt hatte - jetzt die Erleichterung zu spüren, ihn weitestgehend am Leben vor sich zu sehen, kam ihr unrecht und falsch vor, auch wenn sie es besser wusste.
Sie kümmerte sich nicht darum, dass der Dreck und die Unmengen an Blut, die er auf den Gewändern und am Körper trug, auch auf ihr verteilte, als sie den Griff um ihn ein Stück weit festigte, weil sie sich davor fürchtete, ihn vollkommen zu verlieren, wenn sie ihn jetzt nur eine Sekunde lang losließ. Es war nicht fair, was mit ihnen geschah und was Cullem und seine Männer ihnen antaten. Es war nicht fair, dass gute Menschen um sie herum, so leiden mussten, während der Tyrann aus dem Süden sich nach und nach alles nahm, was ihnen etwas bedeutete.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:27 pm

"Es ist gut, dass du in Sicherheit bist", murmelte Ben nach einer Ewigkeit, in der er einfach vor sich hin gestarrt hatte, ohne etwas zu sehen, den Kopf der Scheibe zugewandt und doch blind geworden für alles, was dort draußen vor sich ging. Was mochten sie wohl gerade mit Gracianas Körper anstellen? Wohin würden sie sie bringen? Sie hatten nie darüber gesprochen, welche Art von Begräbnis sie sich wünschte, aber ganz nach der Tradition der Magier würde es wohl eine Feuerbestattung werden. Wann sollten sie sie ansetzen? Und wer würde sich darum kümmern, dass ihr Körper wieder ordentlich hergerichtet wurde ...?
Es waren zu viele Fragen in seinem Kopf und mit einem Mal wünschte Ben sich das Nichts zurück, in dem er die letzten Stunden verbracht hatte. Darüber nachzudenken tat zu weh und schnürte ihm nur die Kehle zu. Fest drückte er Kaitria an sich, versuchte sich zu beruhigen, indem er auf ihren Herzschlag hörte.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:36 pm

"Ich bin so froh, dass du wieder zurück gekommen bist", platzte es aus Kaitria heraus, nachdem Ben das Wort ergriffen hatte und weil sie es nicht noch länger zurückhalten konnte, was sich über all die Zeit in ihren Gedanken festgeklammert hatte. Sie hatte sich Sorgen um den anderen gemacht seit die Nachricht über die neuen Angriffe in Loviel an sie herangetragen worden war und nicht zum ersten Mal hatte sie sich gewünscht, sie könne wieder dort oben am Himmel sein, um sich wenigstens zu vergewissern, dass es ihm gut ging, doch diese Möglichkeit würde ihr nie wieder gegeben sein. Sie hatte sich einst vor Jahren dafür entschieden bei ihm zu bleiben, auch wenn sie ihr Leuchten durch die Liebe zu Ben wieder gefunden hatte und nun wurde sie Tag um Tag mehr zu einem gewöhnlichen Menschen. Der Tod war niemals Bestand ihrer eigenen Gedanken gewesen - das war er erst durch die unzähligen Leiber geworden, die sie von den Schlachtfeldern an den Grenzen in die Hauptstadt gebracht hatten und Kaitria fürchtete den Tod jetzt mehr als alles andere zuvor, weil sie ahnte, welche Schmerzen er in denen zurückließ, die zurück blieben.
"Es tut mir so leid, Ben."
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:41 pm

"Ich weiß", kam es erstickt von Ben, während der sich zwang, seinen Atem ruhig ein- und ausfließen zu lassen, ganz wie die Wellen am Strand bei ruhiger See. Ruhe bewahren, nicht den Kopf verlieren, das musste er sich immer wieder in den Kopf rufen, um nicht vollends durchzudrehen. Es war nicht der erste Tod, den er miterleben musste und es würde nicht der letzte sein; doch Graciana hatte er immer irgendwie für unverwundbar gehalten. Sie schien so gefestigt in ihrer Magie und so präsent zu sein, dass ihm niemals in den Sinn gekommen war, sie könnte es sein, die zu den Göttern zurückkehrte und ihren Körper wieder der Natur übergab. Doch sie war es gewesen, die als erste gegangen war aus dem Kreis der Magier, der ihnen noch verblieben war. Alle anderen Tode waren um sie herum gewesen, mal schlimmer mal waren sie gerade noch zu ertragen.
Jemand schien sein Herz auseinander reißen zu wollen und er presste die Augen und Lippen zusammen, um keinen Laut von sich zu geben. Bedivere würde es ebenfalls treffen ... all die Dinge, die er über den jungen König sagen konnte, waren das eine, doch er hatte Graciana geliebt.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:45 pm

Wie würde es ihr gehen, wenn er der Nächste sein würde, der gehen musste, weil Cullem und seine Soldaten vor niemandem mehr zögerten? Kaitria verbot sich darüber nachzudenken und schüttelte den Kopf, um die tristen Gedanken abzuschütteln während sie ihren Griff um ihn noch einmal festigte. Sie wollte ihn fragen, was sie jetzt tun sollten, denn weglaufen war auf Dauer keine Alternative mehr und jeder, der magisches Blut in sich trug, war gefährdet. Jene, die es nicht hatten, blieben meist am Leben und wurden nur dann ermordet, wenn sie sich weiterhin weigerten oder um ein Exempel zu statuieren. Die Grausamkeit der Menschen hatte sie inzwischen kennen gelernt und dennoch erschütterte es sie jedes Mal aufs Neue, wenn sie mit ihr konfrontiert worden war. "Komm", sagte sie leise und tastete hinüber zu Bens Hand, sich erst dann von ihm lösend als sie ihre Finger um die seinen geschoben hatten.
"Du brauchst ein Bad und neue Sachen." Normalität, raus aus den Kleidern, die er am Leib trug und auf denen noch immer das Blut seiner einstigen Meisterin klebte. Vielleicht würde es helfen, seine eigenen Gedanken wieder ein wenig zu klären, auch wenn sie den Schmerz nicht mehr besser machen konnten. Sie wollte fragen, wie es geschehen war, aber sie brachte die Frage angesichts des Blickes des anderen nicht über ihre Lippen.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Jun 01, 2016 4:50 pm

Seine Schritte waren schwer wie Blei, als er Kaitria durch die Gänge hindurch in die Gemächer folgte, die sie beide seit Jahren bewohnten, wenn sie hier waren. Oft waren es Monate gewesen, in denen sie Ekynes als ihre Heimat betrachtet hatten, dann wieder waren sie zurück nach Loviel gegangen. Auch ein halbes Jahr in Havia reihte sich mit ein, doch all das war hinfällig. Sie mussten jetzt lernen, Ekynes als endgültigen Heimathafen zu sehen, denn Loviel war gefallen und sie würden das Schloss in seinem Zustand niemals wiedersehen. Sobald die Armee dort war, würde sie alles niederbrennen und denselben SChrecken verbreiten, den sie auf ihren Feldzügen immer mit sich brachten. Angst und Hunger, Erniedrigung und Tod. Sie schreckten nicht zurück, egal, ob es Alte, Frauen oder Kinder waren ... sie hatten kein Erbarmen.
An der Tür hielt er die andere schließlich auf und fasste sacht mit seiner Hand um ihre Wange, strich über die Ränder ihres Ohres. "Du lebst", wiederholte er, als wäre es ihm jetzt erst wirklich bewusst geworden bei dieser völlig alltäglichen Handlung: Hand in Hand durch einen Raum zu laufen.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Di Sep 13, 2016 8:50 pm

Der helle Schein aus dem Kamin war das einzige, was den hohen, endlos langen Raum noch erhellte, in dem Ben jetzt saß, umgeben von dem vertrauten Geruch von Büchern aller Altersstufen. Manche waren vergilbt, andere neu, einige rochen noch nach der Tinte, andere nach Kräutern, neben denen sie gestanden hatten und das Buch vor ihm, das auf seinem Schoß lag und in dem er angestrengt las, duftete nach altem Pergament. Vorsichtig nur konnte Ben die Seiten umblättern und die alte Schrift entziffern, die in diesen Ländern niemand mehr sprach.
Er wusste, er hätte längst in seinen Gemächern sein sollen, aber er fand ohnehin keinen Schlaf und die wenigen, wachen Momente musste er nutzen. Cheddar schlief auf seiner achtlos zusammengeknüllten Tasche und Ben fragte sich nicht zum ersten Mal, ob Kaitria die kleine Maus als seine Wache abgestempelt hatte, jedenfalls so lange, bis er wieder merkte, wie er abdriftete und im Delirium versank. Die Zeit, in der er beisammen war, hatte er zum Denken genutzt, denn an das, was er von sich gab, sobald er weggetreten war, konnte er sich nicht erinnern. Morgan war irgendwo im Dorf untergebracht und noch hatte er nicht die Zeit gefunden, sich mit ihr auszutauschen. Wer wusste, ob sie überhaupt jemanden sehen wollte und ob sie noch etwas in der Zukunft sehen konnte? Ihre Gabe war auch ihr eine Bürde, ebenso wie ihm und Ben seufzte leise, als er daran dachte, wie viel Ärger und Kummer er Kaitria deswegen machte.
Er verzog das Gesicht, als er das Buch zurück auf den Tisch legte, die Seite aufgeschlagen und dann unter Cheddar in der Tasche seiner Jacke nach etwas suchte. Seine Finger stießen auf einen Stein, auf Krümel, ein paar Papierfetzen und schließlich auf etwas metallenes. Graciana hatte ihm ihre Kette gegeben, eigentlich für den Fall, dass die Magie um ihn her zu viel wurde - würde sie auch funktionieren, wenn die Magie langsam verschwand?
Behutsam zog er die Kette mit dem Anhänger hervor und wog sie in den Händen. Er hatte Angst, es zu versuchen und Angst, es nicht zu tun.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 8:31 pm

"Die Felsengründe waren sein, mit Gold verziert und Edelstein und silbern köstlich ausgelegt, das Tor von Runenkraft geprägt. Und tausend Lampen aus Kristall verströmten Licht allüberall..." summte Leander leise vor sich hin, während er das halbe Dutzend Bücher über Kräuter- und Heilkunde auf wackeligen Armen balancierte um eines nach dem anderen wieder an seinen angestammten Platz zurück zu legen. Er verstummte erst, als ihm auffiel, dass er entgegen seiner Annahme nicht allein in dem großen Saal war und ihm das Blut in die Wangen schoss. "Verzeiht," seine Stimme war nun weitaus leiser geworden, er selbst unangenehm berührt. Langsam ließ er die restlichen Bücher auf den Tisch gleiten und betrachtete Ben, der die Kette aus der Tasche geholt hatte. "Ich wollte euch nicht stören," erklärte er leise. "Ich habe euch nicht gesehen."
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 8:54 pm

Überrascht von den Worten hob Ben den Kopf und lächelte schmal. "Das ist schon in Ordnung, so etwas geschieht in letzter Zeit häufig", gestand er und schob die Kette zurück in seine Tasche, damit sie nicht so viele Fragen aufwarf, auf die er keine Antwort hatte.
"Leander, richtig?", hakte er nach, nachdem er den Neuankömmling einen Moment lang gemustert hatte. Er glaubte zumindest, dass er der Schützling von Nuar war, der Heilerin, aber ganz sicher war er sich nicht mehr, dazu war er einfach zu lange bei Hekate gewesen.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 8:59 pm

"Richtig," bestätigte Leander und nickte, ehe er sich gegenüber von Ben auf eine der Bänke gleiten ließ und den anderen betrachtete. Er hatte ihn schon einmal gesehen, das freundliche, wenn auch abgespannte, Gesicht kam ihm bekannt vor. "Benjamin?" versuchte er sein Glück, verzog dabei jedoch den Mund. Das fühlte sich nicht richtig an. "Oh verdammt, tut mir leid - ich weiß du warst der Hofmagier aus Loviel. Ich habs nicht immer so mit Namen, vor allem nicht wenn ich nicht täglich mit Leuten zu tun habe. Ist eine furchtbare Eigenschaft"
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:01 pm

"Ben", korrigierte selbennamiger sanft und zog die Jacke mit Cheddar ein wenig zu sich herüber, damit sich niemand versehentlich auf die kleine Maus fallen ließ, die er schon geglaubt hatte, niemals wieder zu sehen. "Und meine Zeit als Hofmagier ist lange vorbei, mach dir darum keine Gedanken. Ich erwarte nicht, dass mich hier jeder kennt oder mit irgendwelchen Titeln anspricht."
Ben fühlte die alte Schwammigkeit in seinen Kopf zurückkehren und schluckte hart, damit er nicht noch seufzte und sich damit verriet. Vielleicht hatte er noch ein wenig Schonfrist.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:04 pm

"Ben, stimmt! Genau!" Leanders Gesicht hellte sich auf, als Erkennen in seine Miene trat. "Und danke, dass ihr mir meine Unwissenheit nicht allzu übel nehmt", er schob den leicht schiefen Bücherstapel neben sich noch einmal zurecht und ließ Ben einen genaueren Blick zukommen.
"Ihr schwitzt ein wenig Herr," stellte er schließlich fest. "Und eure linke Pupille ist ein Stück mehr geweitet als eure Rechte... fühlt ihr euch nicht wohl?"
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:07 pm

Ben runzelte kurz die Stirn, prüfte nach, ob es seine Sicht irgendwie beeinträchtigte, vor allem mit dem, was Leander da sagte, konnte jedoch kaum einen Unterschied feststellen. Vielleicht war es auch nur die Furcht davor, dass wieder etwas passieren würde oder aber er hatte sich so an diesen Zustand gewöhnt, dass es ihm gar nicht mehr auffiel. Beides war nicht das, was er wollte.
"Mir geht es gut", antwortete er deshalb und es war nicht gänzlich gelogen. Noch fühlte er nur die trübe Leichtigkeit im Kopf, keine hämmernden Schmerzen. "Aber vielleicht werde ich mich doch zurückziehen."
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:07 pm

Zitternd begann sich das kleine Amulett in Bens Fingern zu bewegen und glitt einige Zentimeter nach oben ehe es unmittelbar zwischen den beiden Männern verharrte, ohne dass es einer von ihnen berührt hatte. Sacht glitten gestaltlose Finger über Bens Schulter, strichen tröstlich darüber während der Atem der beiden Männer kleine Wölkchen vor ihren Lippen bildete, als die Kälte trotz des warmen Kaminfeuers durch den großen Raum zog und die Vorhänge vor den großen Fenstern gefrieren ließ. Die Kette in der Luft raschelte leise, die Glieder klirrten kurz ehe sie sich behutsam um Bens Hals schob und dort geschlossen wurde.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:12 pm

Mit äußerstem Erstaunen betrachtete Leander die Kette, welche sich wie von Geisterhand erhoben und um den Hals des Magiers geschlossen hatte. Eine höchst interessante Erfahrung, welche im Verbund mit der eisigen Kälte im Raum zu einem großen Ganzen verschmolz. Der Stein in der Mitte des Amuletts leuchtete rötlich im Licht der Kerzen. Leander räusperte sich vernehmlich und beugte sich vor, sichtlich darum bemüht sich nichts anmerken zu lassen.
"Kreuzdorn und Thymian," meinte er leise. "In einem Räucherwerk vermischen und dann mit Kohle auf einem Bett aus lehmiger Erde abbrennen lassen. Es fokussiert den Geist auf das hier und jetzt. Es wird von den Schamanen des Ostens genommen, wenn sie sich von den Einflüssen einer Geisterreise erholen wollen."
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:17 pm

Ben hatte nicht genug Zeit gehabt, um zu reagieren und um ehrlich zu sein wusste er nicht, ob er das Amulett gefahrlos berühren konnte ohne sich damit entweder zu verletzen oder den Ärger eines Geistes auf sich zu ziehen. Doch die Aura, die er fühlte, war die seiner Mutter. Sie wirkte immer noch ... kalt. So kalt, wie der Raum um sie her und Ben ahnte, dass sie keine Ruhe gefunden hatte. Immer noch nicht.
Bitter sah er auf seine Jacke hinunter, pickte die Maus auf seine Handfläche, wo sie regungslos weiterschlief und warf sich das gestrickte KLeidungsstück über, ehe er zu Leander sah, der all das mit großen Augen beobachtet hatte und ihm auch noch einen Tipp gegeben hatte.
"Kreuzkümmel und Thymian", wiederholte er zerstreut und runzelte die Stirn, weil das Amulett an seiner Haut so warm brannte, als hätte es jemand in heißes Wasser getaucht.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:22 pm

"Kreuzdorn," verbesserte ihn Leander freundlich, beinahe väterlich während er den vollkommen gestressten Ben von oben bis unten musterte. "Meine Güte Junge - du siehst wirklich schrecklich aus. Deine Hautfarbe, dieser Blick in den Augen und dazu auch noch die Sache mit dem Amulett. Das warst nicht du, nehme ich an?" er stand langsam auf und trat zu Ben, setzte sich neben ihm auf die Bank und streckte die Hand aus. "Darf ich deinen Arm haben?" fragte er leise und nahm eine kleine Schatulle aus seiner Jackentasche. "Ich beiße nicht", schob er hinterher, als hätte diese Angst Ben ernsthaft davon abgehalten ihm den Arm zu geben.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:27 pm

Völlig in sich gefangen starrte Ben auf seine Hände hinunter, konnte die Gedanken nicht mehr greifen, die sich eben noch direkt vor ihm befunden hatte, direkt in seinem Kopf. Sie waren verborgen wie hinter einer Mauer und er war sich nicht ganz sicher, ob das nun besser oder schlechter war. Er entschied, dass es nicht schaden konnte, Leander den Gefallen zu tun und schob ihm den Arm zu, die Augen kurz schließend und tief durchatmend.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:35 pm

"Du bist verspannt," stellte Leander nüchtern fest. "Auf mehr als nur eine Art und Weise. Tiefergehend als nur Muskeln...", seine Hand wanderte gewissenhaft über den Arm des Magiers, spürte den Puls und schenkte der Handinnenfläche des Anderen eine lange Zeit Beachtung.
"Oh," er hielt inne, als ihm eine lange und breite Narbe auffiel, deren wulstige Ausbuchtungen vom Oberarm bis kurz über die Innenseite des Ellenbogens auffiel.
"Trauma?" fragte er leise und vorsichtig, versuchte dabei so einfühlend wie möglich zu sein. Es schien als habe er die Ursache von Bens seltsamen Anzeichen gefunden.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:41 pm

"Eher eine ... schmerzhafte Warnung ohne Erinnerung", antwortete Ben und folgte dem Blick des anderen, bemühte sich, Cheddar in der freien Hand ruhig zu halten, damit er nicht hinunter fiel und sich verletzte. Er konnte sich noch immer nicht an all das erinnern, was bei Hekate geschehen war und es machte ihn einerseits ganz verrückt, andererseits wusste er nicht, ob es nicht noch schlimmer würde, wenn er es wüsste. Er erinnerte sich noch an das Magiertreffen, an Hekates Auftauchen und dann war da eine undurchdringliche Schwärze in seinem Kopf, eine Barriere, die er nicht überwinden konnte und vielleicht tief in sich drin auch nicht überwinden wollte.
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BeitragThema: Re: Bibliothek des Schlosses    Mi Sep 14, 2016 9:45 pm

"Eine Blockade also. Ein nicht aufgearbeitetes Trauma..." Leander sog zischend die Luft zwischen den Zähnen ein, ließ dann seinen Arm jedoch los und rollte den Ärmel wieder hinab. "Ich mag kein Experte für Magie sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass es das ist, was euch derart aus der Bahn wirft. Der Grund dafür, dass ihr unruhig seid, nur schlecht schlaft und eure Fähigkeiten schwerlich kontrollieren könnt. Dieses Trauma aufzuarbeiten könnte helfen, würde aber zwangsläufig alte Wunden aufreißen, damit sie unter kontrollierter und vertrauter Führung wieder besser zusammenwachsen," Leander lehnte sich gegen den Tisch und der Blick seiner hellen Augen begegnete den mindestens genauso hellen Seelenspiegeln Bens.
"Ich will euch nicht anlügen. Es würde schlimmer werden. Furchtbar vielleicht - wenngleich wohl auch wahrscheinlich nur temporär. Ich wage es nicht euch zu irgend etwas zu raten, aber. Nun, so sieht meine Diagnose aus."
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