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 königliche Gemächer

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BeitragThema: königliche Gemächer   Di Mai 31, 2016 8:06 pm

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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 8:46 pm

Der Abschied war dieses Mal ungleich schlimmer als beim letzten Mal. Vor sechs Jahren war er in ein ungewisses Schicksal aufgebrochen mit nur einem einzigen Reich, das seinen Tod wollte - dieses Mal war die Bedrohung unmittelbar vor ihrer eigenen Tür. Überall um die Barriere herum waren bereits Cullems Soldaten gesehen worden und mit jedem voranschreitenden Tag fehlten ihnen mehr Vorräte, die die schlechte Ernte des Jahres nicht mehr eingebracht hatte - die Menschen in den Städten litten unter der Hitze, die überall im Reich herrschte und dem fehlenden Regen, der die Felder hatte austrocknen lassen. Überall herum drohte ihm Gefahr und es brach ihr das Herz auch nur darüber nachzudenken, was geschehen würde, wenn die Nachricht kam, dass er nicht wieder zurückkehren würde - wie sie ihren Töchtern erklären sollte, weshalb ihr Vater ihnen keine Geschichte mehr vorlesen konnte. Die beiden kleinen Mädchen standen auch jetzt vor ihr, die Puppen an sich gedrückt und Tränen in den großen Augen, als sie erfahren hatten, dass ihr Vater gehen würde. Zitternd strich sie ihren Töchtern über die Schultern und beugte sich dann zu ihnen herab.
"Na geht schon", forderte sie die beiden sacht auf, als die Mädchen zögerten und zwang sich dazu, ihre eigene Angst zu verdrängen, um weder Marian, noch Lilli zu beunruhigen. Sie waren zu klein, um alles vollkommen begreifen zu können und das Letzte, was Alianor jetzt noch wollte, war ihnen die Gefahr deutlicher zu machen, als sie bereits war. Noch hielt die Barriere die Feinde ab. "Verabschiedet euren Vater", schob sie nach und Lilli war die Erste, die nach vorn tapste und die kleinen Arme um ihn schob, die Puppe mit den Tränen im Stoffgesicht fest an sich gepresst.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 8:54 pm

"Mein kleiner Schatz", flüsterte Devastare, dem es irgendwie gelang, seine Stimme unter Kontrolle zu halten, obwohl ihm danach war, zu schreien. Er konnte nicht hier sitzen, während seine Nichte und Areds Tochter dort draußen auf sich gestellt waren, womöglich mit Mirar unterwegs oder von ihm entführt und Alianor wusste es. Sie hatten nicht lange diskutieren müssen und diesmal hätte es auch nichts gebracht. Sie hatten einen Fehler gemacht, den ehemaligen Kirchenmann in ihre Mitte zu lassen und sie mussten es gerade biegen, ehe es ihnen zum Verhängnis wurde. Elaine würde den Verlust nicht verkraften und auch Ared hing an seiner Hazel. Dass es bedeutete, dass er seine eigenen Töchter zurücklassen musste, lag schwer auf Devastares Schultern, als er die schmale Gestalt an sich zog und mit dem freien Arm Marian ebenfalls zu sich lockte.
"Ihr beiden seid das Wertvollste, was mir geschenkt wurde. Denkt immer daran, ich liebe euch, gleich, wo in unserer Welt ich mich befinde und ich verspreche euch, zurück zu kommen", sprach er zu den beiden und barg seinen Kopf zwischen ihren Wuschelköpfen. Sie kamen so nach Alianor, was es anging, ihre Haare machen zu lassen, dass es beinahe komisch war. Der Duft von warmer Sonne auf Gras stieg ihm in die Nase, gemeinsam mit frischer Wäsche und Seife. Es war wahr ... Gerüche waren mit der stärkste Auslöser für Emotionen jeglicher Art und er spürte eine Träne an seiner Wange, ehe er etwas dagegen tun konnte. "Macht eurer Mutter keinen Ärger - und haltet die Wachen nicht von ihrer Arbeit ab!", wies er sie dann noch an und strich ihnen über die Backen.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:03 pm

Ein bitteres, schmerzliches Lächeln huschte über Alianors Züge, als sie still beobachtete, wie heftig die Schultern der beiden Kleinen zuckten, wie herzerweichend ihr Schluchzen war, als sie sich an ihrem Vater festkrallten, als könnten sie so verhindern, dass er ging. Sie würden es nicht können und dieses eine Mal hatte auch sie nicht gewagt, dagegen zu sprechen, als es um den Aufbruch ging, denn letztlich war es ihre eigene Schuld, dass das geschehen war. Mirar hatte sich einst als vertrauenswürdig erwiesen und es traf noch immer tief, dass er nun jedes Vertrauen missbraucht und sie alle verraten hatte, als er die beiden Mädchen entführt hatte, die kaum alt genug waren, um ein eigenes Leben zu führen. Sie hatte dieses Mal Ared nicht davon abgehalten, seine Wut zum Ausdruck zu bringen und hatte es kaum gewagt, Elaine in die Augen zu blicken, als sie der Zauberin in der Halle begegnet war. Die Schuld wog noch schwerer auf ihren Schultern, als es gleichzeitig bedeutet hatte, ihren Töchtern nun auch den Vater für eine Weile nehmen zu müssen.
"Ich hab was für dich", hörte sie Lilli schluchzen, bevor die Kleine ihm ihre Puppe entgegen streckte. Die Puppe, die sie seit Jahren brauchte, um nachts ruhig einschlafen zu können und die beinahe mit zur Familie gehörte. "Sie ist eine große Kriegerin und passt auf dich auf. Dann kommst du bestimmt wieder ganz schnell zurück." Alianor presste die Lippen aufeinander, um ihre eigenen Gefühle im Zaum zu halten, die ihr jetzt die Tränen über die Wangen laufen ließen.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:14 pm

Überrascht ließ Devastare sich die kleine Puppe in die Finger drücken, die Lilli immer mit sich herum schleppte und die bei Weitem bessere Tage gesehen hatte, weil sie kaum eine Sekunde unbenutzt war. Zärtlich umfasste er Lillis Gesicht und küsste sie auf die Stirn, die Puppe im Arm geborgen wie einst das Mädchen, das jetzt vor ihm stand. Er hatte schon die Schwangerschaft kaum miterlebt und würde auch auf einen Teil ihrer Kindheit verzichten müssen ... es fiel ihm schwer, unglaublich schwer, dieses Opfer zu bringen. "Ich werde auf Paria aufpassen wie auf euch. Gemeinsam mit dieser Kriegerin an meiner Seite kann mir gar nichts geschehen", bestätigte er mit einem Krächzen und schluckte vergeblich gegen den Kloß in seinem Hals an, ehe er sich Marian zuwandte, die vor lauter Schluchzen schon kein Wort mehr hervor brachte und deren Wangen inzwischen ganz nass waren. "Ich komme zurück", wisperte er und zog die beiden noch einmal in eine feste Umarmung. Es konnte die letzte sein, dessen war er sich bewusst und er legte so viel Liebe hinein, wie er konnte, als würde es ein ewiger Vorrat sein, von dem sie zehren konnten. Er wusste, so funktionierte es nicht, doch mehr konnte er kaum tun, um ihnen den Abschied zu erleichtern.
Erst als die kleinen Finger sich aus dem Stoff seines Umhanges lösten und er sie auf armeslänge von sich schieben konnte, war er wieder in der Lage zu sprechen. Er zog zwei kleine Bänder mit je einem Edelstein daran aus seiner Tasche, von denen er je eines um die Handgelenke der Mädchen legte. "Ich werde euch trotzdem noch Geschichten erzählen und mit euch sprechen. Wenn ihr mich braucht, dann haltet den Stein fest in eurer Hand und denkt an mich." Es hatte ihn einige Überzeugungsarbeit bei Oberon gekostet, doch schlussendlich hatte Thea den Gott dazu bewogen. Ein wenig Gnade in der Welt, ein wenig Mitgefühl ...
Mit dem Gewicht der ganzen Welt auf den Schultern stand er schließlich auf und sah zu Alianor hinüber.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:27 pm

Sie brachte es nicht mehr über sich auch nur ein einziges Wort zu formen, auch wenn es Dutzende gegeben hätte, die sie in diesem Augenblick gern ausgesprochen hätte. Sie wollte ihn darum bitten, nicht zu gehen oder wenn das nicht gehen würde, wenigstens darum, dass er wieder zu ihr zurückkehren würde, doch sie wusste, er würde es nicht versprechen können. Mit Cullems Erscheinen war diese Welt um so vieles gefährlicher geworden und es tat weh daran zu denken, dass sie dieses Mal nicht mit Sicherheit sagen konnte, dass alles gut werden würde. Trotzdem trat sie jetzt nach vorn und musste nicht in sein Gesicht sehen, um zu wissen, dass er dieselben Tränen wie sie vergoss, voll von dem Schmerz des Abschieds, von dem sie sich wünschte, dass er ihnen nicht aufgezwungen worden war. Sie wollte sich entschuldigen für den Leichtsinn, den sie begangen hatte, als sie Mirar in diese Mauern gelassen hatte oder dafür, dass sie ihn in diese Lage gezwungen hatte, doch wieder einmal blieben ihr die Worte im Hals stecken, als sie die Arme um ihn legte.
Die Umarmung trug Bitterkeit in sich, Schmerz über den nahenden Verlust und Furcht vor dem nächsten Morgen, den sie beide allein verbringen würden. Er war immer an ihrer Seite gewesen, seit sie Denken konnte hatte es dieses Gesicht gegeben, die warme Stimme, die sie immer begleitet hatte und die ihr über die dunkelsten Stunden ihres Lebens geholfen hatte. Als sie sich jetzt wieder von ihm löste, hob sie die Hände hinauf an sein Gesicht, strich über die Wangen und rang sich zu einem Lächeln durch, das auf ihren Wangen schmerzte.
"Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende."
Er hatte ihr diese Worte so häufig gesagt, dass sie zu ihrem Leben dazugehörten und immer waren sie tröstend gewesen. "Behalte das in deinen Gedanken", sagte sie und schluckte, weil es schwer war weitere Worte zu formen, während ihr das Herz schmerzte. "Ich liebe dich." So wie am ersten Tag und so wie sie es immer tun würde.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:34 pm

"Und ich liebe dich", erwiderte er und lehnte seine Stirn gegen die ihre, einfach nur in ihre braunen Augen blickend, um sich jeden dunkleren Sprenkel darin einzuprägen, den er ohnehin kannte. Er fuhr die Konturen ihrer Augenbraue nach, ihren Wangenknochen, hinunter zu ihren Lippen, bevor er sich nach vorne lehnte und sie küsste.
Er konnte nicht sagen, wie lange der Kuss dauerte, aber was ihm immer im Kopf bleiben würde war die Verzweiflung, die von ihren beiden Seiten darin gelegen hatte, während sie sich aneinander klammerten wie Ertrinkende. Ihre bebenden Schultern konnte er genauso wenig ertragen wie die der beiden Mädchen, die sich dank Gwen jetzt im Nebenzimmer befanden. Dankbarkeit für die blonde Zofe durchflutete ihn ein weiteres Mal. Er wusste nicht, was sie in den letzten Jahren ohne sie getan hätten.
"Verlier nicht die Hoffnung, so dunkle Tage auch kommen mögen", bat er Alianor schließlich, löste sich aber nicht von ihr. Er spürte ihren schlanken Körper, der sich an seinen drückte und wünschte einmal mehr, er müsse nie wieder das Schloss verlassen ... oder das Land. Er wünschte wieder einmal, sie müssten die Last der Krone nicht tragen und schon gar nicht an die beiden Mädchen weitergeben ... und er hatte keinen blassen Schimmer, wie er die Reise diesmal überstehen sollte - die letzte war ihm noch zu deutlich vor Augen.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:47 pm

Wie sehr wünschte sie sich in diesem Moment, sie könne den Moment einfach in der Zeit einfrieren, damit er nie wieder verging. Wünschte sich, dass diese Gefahr niemals nach dieser Welt gegriffen hätte oder sie selbst klug genug gewesen wäre, die Bedrohung zeitig zu erkennen, die sich ihnen in den Weg gestellt hatte. Sie hatte gewusst, dass es der Funken von Abenteuerlust war, der ihn auch jetzt wieder aus dem Schloss hinaus trieb und der selbst nach all den langen und glücklichen Jahren geblieben war und hatte nicht ein einziges Wort darüber verlauten lassen, weil auch wenn die Angst ihr ständiger Begleiter in den nächsten Wochen und Monaten sein würde, sie ihm nicht auch noch Vorwürfe machen wollte. Behutsam tastete sie nach seiner Hand und sacht streiften ihre Fingerspitzen den Ring an seinem Finger, der sie einst vor beinahe sieben Jahren auch vor den Göttern miteinander verbunden hatte und einen roten Faden in ihrem Leben erschaffen hatte. Einen Faden, dem sie auf ewig folgen würden und der Licht spenden würde in den Zeiten, in denen jedes andere Licht ausging.
"Ich verspreche es", flüsterte sie heiser und schloss die Augen, weil sein Gesicht vor ihren Augen verschwamm, als erneut die Tränen ihr die Sicht nahmen. "Lass dich nicht wieder in eine Zelle werfen", bat sie ihn ihrerseits nur leise als sie es wieder wagte den Blick zu heben und noch einmal in das Gesicht zu sehen, dessen Antlitz ihr jetzt beinahe weh tat. "Versprich mir, dass du zurück zu uns kommst." Das, was sie wollte, war gemeinsam mit ihm alt werden, selbst wenn er sich nicht verändern würde, während sie älter werden würde und eines Tages, lange Jahre vor ihm sterben würde. Es war irgendwann gleichgültig geworden, dass sie die Lebensspanne trennte, war doch das, was sie miteinander verband, um so vieles mächtiger. Solange er nur da sein würde, würde ihr Leben ein erfülltes gewesen sein.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:51 pm

"Ich verspreche es", gab er ihr ihrerseits das Wort, das ihn band und von nun an seine Wache sein würde, damit er auf sich acht gab. Er hatte eine Aufgabe und bestand sie auch nur darin, für die drei Frauen zurück zu kommen, die ihn am meisten brauchten - denn wenn er ehrlich war: das Regieren schaffte Alianor schon. Er machte sich mehr Sorgen um sie, sollte ihm etwas geschehen und ... nein. Ihm würde nichts geschehen. Wie auch immer er es verhindern wollte, er würde es tun und zurückkehren an ihre Seite. Schmerzlich zurück in die Realität gerissen sah er hinüber zum Fenster, bemerkte, wie hoch die Sonne bereits stand und zog seine Frau für einen letzten Kuss an sich. "Ich muss gehen."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   So Jun 12, 2016 9:59 pm

Alianor nickte langsam und löste sich wehmütig von ihm, um einen Schritt zurück zu machen. Einen kurzen Moment lang rang sie um ihre eigene Fassung, kämpfte mit den Worten, die ihr jetzt über die Lippen glitten und sie sie bereits kurz nach dem Aussprechen wieder bereute. "Geh", sagte sie leise und schluckte schwer. "Sieh nicht zurück, wenn ihr reitet - ich weiß, dass du sonst wieder umkehren würdest. Wir werden hier sein, wenn du heimkehrst und wir werden auf dich warten", versprach sie noch und erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, erlaubte sie es sich den Kampf gegen die Tränen aufzugeben, die ihr jetzt unkontrolliert über die Wangen liefen.
Sie hörte das Getrappel kleiner Füße, noch bevor sie ihre beiden Töchter sehen konnte und ließ sich zu ihnen auf den Boden sinken, die Arme um die beiden Jüngeren legend und sie an sich ziehend. Die Tränen durchnässten feinen Stoff und gleich, wohin sie sah, sah sie die roten, verquollenen Augen der beiden Mädchen. "Er kommt zurück", hörte sie sich selbst versprechen, während ihre zitternden Finger durch das dunkle Haar ihrer Töchter glitten. "Das ist er immer und er hat Freunde, die auf ihn aufpassen. Er kommt zu uns zurück."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 2:01 pm

Die Sterne erhellten den Nachthimmel, auf den die großen Augen gerichtet waren und wann immer eine Sternschnuppe hinab fiel, presste Marian die Hände zusammen, die sie auf dem Fensterbrett abgestützt hatte und schloss fest die Augen. Sie hatte keine Geschenke zu ihrem Geburtstag haben wollen, hatte sowohl die Kleider, als auch alle anderen Spielsachen von sich weggeschoben und abgelehnt und schließlich in die Gemächer ihrer Eltern geflüchtet, als man sie für ihr Verhalten rügen wollte.
Sie wollte keinen Geburtstag haben, wenn ihr einziger Wunsch doch nicht erfüllt werden konnte und nachdem die Tränen in ihren Augen versiegt waren und nur noch ihre Wangen brannten, hatte sie sich dazu entschieden zu den Göttern zu beten, weil das die einfachen Menschen taten, wenn sie verzweifelt genug waren. Und verzweifelt war sie inzwischen wirklich. Alle waren vom Hof weggegangen, niemand war mehr hier, mit dem sie sich noch beschäftigen konnte. Karsh war seit Ewigkeiten in seinem Turm, Ared war immer bei den Wachen und alle anderen waren weg. Es waren nur noch Gwen und ihre Mutter geblieben, mit denen sie sich beschäftigen konnte - ihr Onkel Bedivere hatte wohl genug von Lilli und ihr gehabt und war deswegen gegangen, ohne sich zu verabschieden.
Sie hörte das leise Öffnen der Tür, das Klimpern der Rüstungen der Wachen draußen, als die zur Seite traten und geräuschvoll zog die Prinzessin die Nase hoch, ohne sich herum zu drehen. Das Schluchzen kehrte dann wieder zurück, als sie die Arme ihrer Mutter spürte, die sich um sie herum schoben und langsam löste Marian ihre Finger wieder, nur um sie wenig später in den Gewändern ihrer Mutter zu verkrampfen.
"Ich will keine Geschenke ...", nuschelte sie leise und schloss die Augen, spürend, wie die Finger ihrer Mutter sacht durch ihre dunklen Haare strichen und mit den dünnen Strähnen spielten. "Ich will nur, dass Papa wieder zurückkommt ...", gestand sie und spürte das Nicken, das bittere Lächeln, das wie ein eisiger Regenschauer auch ihren eigenen Rücken hinab lief und sie sich enger an die Ältere pressen ließ.
"Ich weiß ... das will ich auch, meine Kleine, und ich wünschte, ich könnte ihn dir so einfach herholen ...", flüsterte Alianor die Antwort und Marian presste die Lippen aufeinander, den Griff ihrer Finger noch einmal verstärkend, als auch ihre Mutter die Umarmung festigte. "... hat Papa jemand anderen gefunden, den er mehr lieb hat, als uns ...?", fragte sie nach einer Weile leise und Alianor löste sich langsam von ihrer Tochter, deren Gesicht mit beiden Händen sacht umfassend ehe sie den Kopf schüttelte.
"Wie kommst du denn darauf?", fragte sie leise und Marian zuckte mit den Schultern. "Er ist ganz lang weg ...", versuchte sie zu erklären und erneut schüttelte Alianor den Kopf. "Nein, mein Schatz. Er hat niemanden, den er mehr lieb hat als uns. Er kommt zu uns zurück - ich weiß es einfach. Wir müssen nur solange stark sein."
Es brach Alianor das Herz, dass ihre kleine Tochter hier saß und zu den Göttern für die Rückkehr ihres Vaters betete, dass sie fragen musste, ob es jemanden gab, den er mehr liebte und es tat weh das kleine Mädchen in ihren Armen darüber anlügen zu müssen, dass es niemanden gab. Sieben lange Monate ... inzwischen war der Sommer längst vorüber und die Bäume in den Wäldern hatten einen großen Teil ihrer Blätterpracht verloren.
Es war kälter geworden, die Tage kürzer und bald schon würde der Regen beginnen, bevor er vom Schnee abgelöst wurde. Das Jahr war bald wieder vorüber und nichts hatte sich geändert. Es war keine Nachricht der Reisegruppe an sie herangetragen worden, kein Hinweis darauf, wo sich die verschwundenen Magier aufhielten und damit zeitgleich auch keinerlei Hoffnung, die sie an ihre Töchter weitergeben konnte. Mehr als nur einmal hatten die beiden aufbrechen wollen, um ihren Vater zu suchen und mehr als nur einmal waren sie nachts nur mit Nachthemden bekleidet und barfuss wieder zurück zu ihr gebracht worden. Es waren diese Nächte gewesen, in denen sie Devastare dafür gehasst hatte, dass er nicht geblieben war - dass er die Mädchen und sie im Stich gelassen hatte.
"Mama ...", hörte sie das leise Nuscheln von unten herauf und überrascht lenkte sie den Blick hinunter auf ihre Tochter, die inzwischen mit großen Augen hinauf zu ihr blinzelte. "... du darfst nicht weinen." Alianor brauchte alle Kraft, die sie noch aufbringen konnte, um dem Wunsch ihrer Tochter zu entsprechen, auch wenn der Kloß in ihrem Hals mit jeder Sekunde größer wurde. "Ich weiß ...", räumte sie leise ein und beugte sich herab, um Marian sacht auf die Stirn zu küssen. "Aber weißt du, ich vermisse ihn auch ..."
"... dann müssen wir zusammen beten ... vielleicht hören uns die Götter ja so eher ..."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 5:33 pm

"Wenn Ihr es mir erlaubt, Majestät und Prinzessin Marian, dann würde ich Euren Gebeten gerne unterstützend helfen. Vielleicht hören uns die Götter dann noch deutlicher", kam es leise aus dem Halbdunkel des Raumes, in dem sie standen. Hazel hatte schon eine ganze Weile still an ihrer Position an der Tür verharrt. Sie war jetzt so viele Wochen schon im Dienst der Wache, hatte still den elenden Hofhaltungen beigewohnt, Alianor auf kurzen Reisen begleitet oder aber die Kinder betreut, wenn die Wachen genügend Personal zur Verfügung hatten. Sie sah, wie erschöpft die Königin oft war, sah die Verzweiflung in ihren Augen und war sich nie der Wichtigkeit ihrer eigenen Aufgabe bewusst gewesen bis zu diesem Abend. Sie mussten funktionieren. Die Soldaten, die Wachen, sie alle mussten ihre Aufgabe erfüllen, nicht nur, um das Land zu schützen, sondern um ihre Königin zu schützen. NAtürlich war ihre Person unter ständiger Überwachung, aber ihr Geist war etwas anderes ... Hazel hatte selten jemanden stiller leiden sehen als Alianor von Ekynes. Jeden Morgen stand sie auf und setzte eine Maske der Stärke auf für alle um sich her. Ihre Kinder, ihre Zofen, ihr Volk und nur Hazel hörte sie nachts weinen, wenn sie sich alleine wähnte. Aber die leisen Schluchzer drangen selbst durch die geschlossenen Türen hindurch, vor denen sie Wache hielt und sich fragte, wie sie helfen konnte.
Als die Stille sich länger und länger zog, trat Hazel vorsichtig einen Schritt zurück. "Ich kann ... ich kann bei der Tür warten, wenn Ihr das wünscht."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 5:42 pm

Sie brauchte einen Moment, um ihre Stimme wieder zu kontrollieren, um den Kloß in ihrem Hals herunter zu schlucken und die Contenance zurück zu gewinnen, über die sie sonst verfügte. In Momenten wie diesen fühlte sie sich hilflos - wie ein Hamster in einem Rad, der immer weiter rannte, ohne auch nur einen einzigen Schritt voranzukommen. Tränen waren nicht in der Öffentlichkeit erlaubt gewesen und je mehr Menschen den Hof verlassen hatten, umso mehr war der schwarze Fleck in ihrem eigenen Herzen gewachsen, weil es am Ende niemanden mehr gegeben hatte, zu dem sie selbst hatte gehen können. Freunde waren aufgebrochen um die Magier zu retten, Vertraute gegangen, weil sie helfen wollten und andere wie ihr Bruder nur um sich selbst zu bereichern. Es hatte weh getan, dass er sich nicht einmal verabschiedet hatte und als Burich schließlich eine Woche später ebenfalls aufgebrochen war, hatte sie die endgültige Entscheidung getroffen, dass Bedivere dort bleiben sollte. Dort konnte er wenigstens ihrer Familie nicht noch mehr Schmerzen zufügen.
"Nein", antwortete sie nach einigen Sekunden schließlich und atmete noch einmal tief durch, weil die erste Antwort viel zu leise und schwach gekommen war. So würde sie sich nicht einmal selbst das abnehmen, was sie anderen vorgab. Noch einmal glitt ihr Blick hinüber zu Marian, aber das Mädchen hatte noch immer die Hände fest gefaltet und die Augen geschlossen. "Es ist in Ordnung, Hazel." Über die Monate hinweg war Hazel ruhiger geworden, hatte sich in ihre Rolle eingefügt und beinahe hatte es etwas Vertrautes jemanden an ihrer Seite zu haben, der sich eines genervten Blickes oder eines schweren Seufzen nicht erwehren konnte - so schmerzhaft dieses Gefühl in dieser Zeit auch sein mochte.
"Komm ruhig zu uns."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 5:48 pm

Dankbar nickend nahm Hazel die Einladung an, während sie wieder näher kam und sich neben Marian auf den Boden sinken ließ, bevor sie die Hände faltete. Sie hatte die Qual der Wahl, zu welcher der Gottheiten sie nun beten würde, doch stattdessen entschied sie sich für alle vier, denn wer wusste schon, wer in welcher Ecke des Kontinents saß und wo ihre Worte Gehör finden würden? Vielleicht gab es auch die eine, einzige Macht, die ihnen helfen konnte.
Mit geschlossenen Augen atmete sie tief durch, ehe sie ihre leisen Worte aussprach. "Wir bitten Euch, Ihr Götter; das Feuer, das Wasser, die Erde und den Wind. Nehmt unsere Worte und tragt sie in die Welt, auf dass wir Hilfe erfahren für unsere Freunde und Familie, die in allen Himmelsrichtungen verstreut sind. Wir vermissen die unseren in unserer Mitte und bitten um Euren Beistand - für sie und für uns. Ich bete zu der Einigkeit, die euch zu einem großen Ganzen macht und danken Euch für jeden Tag, an dem wir weiter hoffen dürfen." Es war bestimmt nicht gut, mit einer schlichten Bitte zu enden statt einem Dank ... auch wenn die HOffnung immer weniger wurde, sie war da.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 5:59 pm

Ihr ganzes Leben hatte sie auf die Götter gehofft und sich darauf verlassen, dass alles gut werden würde. Es hatte immer ein gutes Ende gefunden, so widrig die Umstände auch gewesen waren - es war immer irgendwie weitergegangen und sie hatten weitergelebt, die Wunden waren durch die Zeit und durch Vertrauen und Liebe geschlossen worden, aber hier und jetzt zweifelte sie zum ersten Mal daran, dass auch diese Finsternis eines Tages ein Ende haben würde. Sieben Monate und sie hatten nicht einmal einen Anhaltspunkt, wo sie sich befanden oder ... ob sie überhaupt noch am Leben waren.
So unliebsam der Gedanke auch war, so sehr er ihr wieder das Herz zusammenpresste - über die langen Tage und Wochen hatte er sich festgesetzt und war geblieben und sie hatte sich zu fragen begonnen, was sein würde, wenn die Freunde nur noch die Leichen der Vermissten zurückbringen würden. Wieder und wieder hatte sie über ihren Ehering gestrichen und dafür gebetet, dass die Götter ihn beschützen würden. Dass sie ihn wieder sicher zu ihnen zurückbringen würden und dass alles, was sie gesehen hatte, nicht mehr als ein einziger böser Traum war, den sie seitdem immer wieder sah, wenn sie die Augen schloss.
Auch jetzt brachte sie das Gebet nur still zu Ende, weil sie ihrer Stimme nicht soweit vertraute, um auch nur noch ein weiteres Wort laut auszusprechen. Stattdessen war es Marian, die neben ihr die Stimme erhob und die Augen hinauf zum Himmel richtete.
"Ihr wisst ganz bestimmt, dass ich Geburtstag hab ... aber ich will eigentlich gar nichts wirklich haben. Ich wünsch mir nur, dass mein Papa wieder bei uns ist. Bitte bitte, macht, dass er bald wieder heim zu uns kommt und dass wir nicht mehr weinen müssen, weil wir ihn so sehr vermissen. Ich verspreche auch, dass ich immer brav sein werde und niemanden mehr ärgere ... und dass ich besser im Unterricht aufpasse, damit ich gut regiere, wenn ich groß bin. Bitte bitte, bringt uns meinen Papa wieder zurück ..."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 6:06 pm

Der Kloß in ihrem Hals wurde größer, als Hazel hinüber zu Marian blickte, bevor sie der Kleinen sanft über die Haare strich. Es war eine Überschreitung des vorgesehenen Protokolls, aber die Kleine war so tapfer, dass es ihr in der Seele weh tat, sie so leiden zu sehen. Das Gelächter der beiden Mädchen war seltener geworden und Hazel versuchte sich an all die Monate zu erinnern, die ihr Vater selbst nicht zu Hause verbracht hatte, weil er im Namen der Krone unterwegs war ... oft hatten sie nicht gewusst, wo er war oder wann er wiederkehren würde, doch sie war damit aufgewachsen. Es war ihr Leben gewesen. Marian und Lilli oder auch Alianor hatten nie darum gebeten, einen Vater oder Mann zu haben, der auf Nimmerwiedersehen verschwunden war, um irgendetwas in der Welt zu verändern. Es musste hart sein.
"Wenn ich Euch irgendwie helfen kann, Majestät ..."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 8:22 pm

Ein leises Flüstern füllte die Stille und formte sie zu etwas körperlichen. Die Bilder an den Wänden schienen sich zu bewegen und die Szenen längst vergangener Tage wieder mit Leben zu füllen, ehe die Zeichnung des Mittagskönigs sich langsam von seinem gezeichneten Thron erhob und die langen dünnen Glieder wie Äste im Wind schüttelte. Dann, mit einem gemächlichen Schritt ließ er sein Gefängnis aus Farbe und Pinselstrichen hinter sich und trat über in die Welt der Sterblichen.
Er sah Stolz aus, mit seiner Krone aus Johannisbeere und seinem Zepter aus Weidenholz. Das Moos auf seinem Gesicht, welches den Bart bildete rundete das Bild ab und glich bis aufs Haar der Zeichnung auf dem Bild, welche sich dort nun nicht mehr finden ließ.
"Eure Gebete sollen nicht unerhört bleiben", versprach er leise, ehe er in die Knie ging um mit Marian auf Augenhöhe zu sein. "Du hast heute Geburtstag Marian", meinte er leise und hielt dem Mädchen seine lange, dünne Hand hin die so zerbrechlich wirkte. "Und du hast einen Wunsch an mich geäußert. Und wenn ein Mensch mit reinem Herzen einen Wunsch an mich stellt, dann werde ich ihn erfüllen"
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 8:32 pm

Blinzelnd hatte sich Marian umgewandt und war ein Stück weiter zurück gerutscht, mit einer Hand nach der von Hazel hangelnd, während die andere die Finger ihrer Mutter fest umschlossen hielt. Ihre Brust hob und senkte sich schnell, die großen Augen waren geweitet und die Lippen waren bleich geworden. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass etwas geschehen würde, weil sie betete und sie hatte erst Recht nicht damit gerechnet, dass ein Bild zum Leben erwachen würde und der Mann darauf jetzt vor ihr stand und ihr die Hand hinhielt. Den Gott des Waldes hatte sie bislang nur selten gesehen, ab und an auf den Festen, auf denen sie länger aufbleiben durfte, weil es wichtig war, dass sie daran teilnahm, aber er hatte nie so deutlich vor ihr gestanden. Ihre Mutter und Gwen hatten ihr gesagt, dass sie nicht mit Fremden mitgehen durfte und sie hatten ihr gesagt, dass sie niemandem die Hand geben durfte, den sie nicht genau kannte - mit dem Gott des Waldes war das jetzt so eine Sache ...
Auf der einen Seite wusste sie, dass er das Land beschützte, aber er war noch immer ein Fremder. Zögerlich löste sie ihre kleinen Finger von Hazel und streckte sie dann langsam nach vorn aus, den Blick starr auf das hölzerne Gesicht gerichtet. "Aber er ist nicht da ...", wagte sie zu protestieren und schluckte, weil ihr der Mund trocken geworden war. "Ich wünsch mir, dass er wieder hier ist."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 8:46 pm

"Und das wird er sein", versprach er ihr leise, während seine strahlend grünen Augen weiterhin auf das Mädchen gerichtet blieben. "Es sind bereits viele Menschen dort draußen, die deinen Vater befreien wollen. Doch noch immer verzerrt der Zauber der bösen Hexe ihre Sicht - ich muss hier bleiben um dieses Land und deine Mutter, deine Schwester und alle anderen zu beschützen!"
Langsam umgriffen seine weichen Hände nach der kleinen Hand von Marian, umschlossen diese. "Doch ich werde den Freunden deines Vaters die Augen öffnen und ihnen helfen zu erkennen, wo sich die böse Hexe befindet - und sie werden deinen Vater zurück bringen", versprach er ihr leise und sein Blick bohrte sich noch weiter in die Augen des kleinen Mädchens.
"Die Götter greifen nicht direkt in die Geschehnisse der Welt ein meine Kleine - denn diese Welt gehört euch Menschen. Aber ich halte mein Versprechen," eine Blume wuchs aus seinem Handrücken und er zupfte sie ab, gab diese Blume an das Mädchen. "Diese Blume wird blühen, bis du deinen Vater wieder in die Arme schließen kannst"
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 8:57 pm

Noch immer war Marian nicht restlos davon überzeugt, was ihr der Herr des Waldes da versprach und argwöhnisch rümpfte sie die Nase, den Blick ab und an abwendend, wenn ihr die Augen des anderen zu stechend geworden waren und stattdessen hinunter auf die Äste lenkend, aus denen er seine Hände geformt hatte. Sie piksten sie in die Finger und ab und an glaubte Marian sie würde einen Käfer in dem Moosbart des Waldgottes erkennen und nur mit aller Mühe schluckte sie den Ekel herunter. Käfer ... sie hasste Käfer und Spinnen und Ratten und alles andere, was gruselig war und lange Beine oder Schwänze hatte.
Als schließlich eine Blume aus seinem Handrücken heraus wuchs, hielt Marian erschrocken die Luft an und blinzelte dann doch wieder zu Oberon hinauf, die Finger so vorsichtig wie nur irgendwie um den Stiel der Blume schließend, weil sie Angst hatte, dass wenn sie die Blume knickte, sie auch ihrem Vater weh tun würde. "Aber ... tut dir das nicht weh ...?", fragte sie dann leise, die Augen auf den Handrücken gerichtet und mit der zweiten Hand sacht darüber streichend. "... ich will nicht, dass es dir weh tut ... und was ist, wenn die Blume verblüht? Ist Papa dann ... dann ... auch ... verblüht ...?"
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 9:03 pm

"Es tut weh kleine Prinzessin, aber so ist das Leben. Manchmal schmerzt es uns. Und manchmal muss man Schmerzen ertragen für jemanden den man liebt. Also ja meine Kleine, es hat weh getan. Aber ich habe dich lieb. Und deshalb ist es nicht schlimm" er strich ihr sanft über die Wange.
"Und sie wird nicht verblühen Marian. Das erlaube ich nicht - ich bin der König des Waldes. Der Gott der Erde und die Kraft des Lebens. Er wird zu dir zurückkehren Marian und wenn ich dafür den Lauf der Welt anhalten muss", er begegnete ihrem Blick. "Hast du das verstanden Marian?"
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 9:14 pm

Marian nickte zuerst nur langsam, dann ein ganzes Stück schneller und heftiger. Wenn ihr ein Gott versprach, dass er die Welt anhalten würde, damit ihr Vater wieder zurück zu ihr kam, dann musste sie darauf vertrauen - die Götter hatten sie schließlich noch nie enttäuscht. "Aber er muss lebendig sein", nahm sie ihm noch das Versprechen ab und quietschte erschrocken auf als von der anderen Seite des Raumes ein helles Kichern her erklang und sich ein kleines, blondes Mädchen aus dem Schatten schälte, das nur wenig älter als sie selbst zu sein schien.
Verschreckt schob sie sich wieder näher zu ihrer Mutter hin und flüchtete sich in deren Arme, beobachtend, wie das andere kleine Mädchen leise lachend den Kopf schüttelte. "Hochtrabendes Versprechen, Oberon", amüsierte sie sich und neigte den Kopf. "Aber du hast es versprochen und an Versprechen muss man sich halten, weißt du?" Die kleine Puppe in ihren Fingern tanzte wie von unsichtbaren Fäden geführt durch den Raum ehe sie sie wieder aufnahm und in den Armen wog. "Die Welt anhalten also ... mh ... sieht so aus, als müsste ich also etwas tun ..."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 9:19 pm

"Nein", antwortete Oberon der offenbar jüngeren Mädchen. Langsam wandte er sich zu ihr um und und der Blick seiner grünen Augen straften die Andere. "Nicht hier. Nicht vor dem Mädchen - es gibt Regeln Eilian. Deine selbst aufgestellten Regeln und an die musst auch du dich halten - ein Kind hat einen Wunsch an die Götter geäußert und es war deine Regel, dass diese Wünsche erfüllt werden!" er wollte nicht das nun etwas geschah, dass Eilian vor dem Kind etwas grausames tat, weil es ihr in ihrem Spiel gefiel.
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Di Aug 02, 2016 9:30 pm

Eilian scherte sich nicht darum, dass es Oberon nicht gefiel, dass sie sich hier aufhielt, ebenso wenig wie sie sich darum kümmerte, dass sich hier noch gewöhnliche Menschen aufhielten. "Ich weiß, Oberon", schallte sie den Jüngeren und neigte den Kopf von einer Seite zur anderen. "Ich weiß, ich weiß. Ich mag die Wünsche von Kindern und ich halte mich an meine Regeln, das weißt du doch", erklärte sie, die Puppe fester in ihrem Arm haltend. Sie wirkte mitgenommen, überall hing Schmutz an ihrer Kleidung, die Haare waren länger und strähnig und selbst die kleinen Knopfaugen schienen traurig und gebrochen durch den Raum zu blicken.
"Weißt du ... ich mag diese Puppe und ich will sie nicht wegwerfen. Sie ist mir sehr sehr lieb. Weißt du, ich habe viele schöne Zeiten mit ihr durchgestanden aber leider ist meine Schöpfung gerade ein wenig ... unabkömmlich. Bei einer habe ich leider ... naja ... ein wenig zu viel Magie zugelassen und die andere brauche ich noch ... aber da gibt es noch jemand anderen, den ich nutzen kann, um zu helfen ...", überlegte sie weiterhin und grinste kindlich. "Ich verspreche, dass ich den Wunsch eines kleinen Mädchens erfüllen werde und ihr ihren Vater lebend und so weit es geht unversehrt zurückbringe, noch vor dem Ende dieses Jahres."
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BeitragThema: Re: königliche Gemächer   Mi Aug 03, 2016 10:25 pm

Die sanfte Stimme Rhiannons, die sonst befehlsgewohnt über ganze Schlachtfelder dröhnte, schmerzte ihn fast noch mehr als ihr vorsichtiger Griff um ihre Hände. Sie schützte ihn mit ihrer Magie, aber es war dennoch unangenehm durch das Feuer zu reisen. Hätte er nicht gewusst, dass Rhiannon ihn nach Hause bringen würde, er hätte sie einfach losgelassen und das Risiko in Kauf genommen, nicht zu wissen, wo er landete.
Als er schließlich den ersten Fuß auf den heimatlichen Boden setzte und den typischen Geruch des Schlosses einatmete, vor allem den seines eigenen Schlafgemaches, gaben seine Knie beinahe erneut nach. Es roch so vertraut nach Alianor und den Kindern, dass ihm die Stimme den Dienst versagte, ehe er sie nutzen konnte. Er würde Rhiannons Rat folgen, ganz im Gegensatz zu dem, was er sonst getan hatte und sich ausruhen, erholen ... ankommen. Es war so lange her und die paar Worte, die er an Alianor gerichtet hatte, waren bei Weitem nicht genug.
Die Mädchen schienen in ihrem eigenen Zimmer zu sein, nur Alianors Gestalt konnte er am Fenster erkennen, zu der Rhiannon gerade getreten war, während er sich noch orientierte und seine Glieder zwang, ihm zu gehorchen.
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