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 Edelsteinmine

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BeitragThema: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 1:39 pm

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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 2:26 pm

Die Luft war stickig hier unten, das Pech der paar wenigen Fackeln, die an den hölzernen Balken befestigt worden waren und die wohl nur vor lauter Glück noch nichts in Brand gesetzt hatten, brannte in den Augen. Staub wirbelte bei jedem einzelnen seiner Schritte auf, die Rüstung wog schwer und ungewohnt auf den Schultern. Vereinzelt hörte er, wie eine der Wachen einen der Sklaven, die hier unten als Arbeiter benutzt wurden, anschrie und wie danach gellende Schreie an seine Ohren drangen, bevor auch die verschwanden als das dumpfe Aufprallen eines leblosen Körpers das monotone Geräusch der Spitzhacken übertönte. Sirean war noch niemals ein Ort gewesen, an den es einen einzigen Menschen freiwillig gezogen hatte - die Kirche, die hier Königshaus und Adel abgesetzt und eingesperrt hatte, hatte das Land nur noch unwirtlicher gemacht.
Während draußen die Inquisitoren auf die Suche nach Magiern und all solchen gingen, die sich auf die Seite der Anderswesen stellten, beuteten in den Minen die Wachen die Sklaven aus, die sie aus den Dörfern gezerrt hatten, die sie übernommen hatten. Die Befehle der Männer waren auch ohne große Sprachkenntnis leicht zu verstehen - nicht sprechen, nicht innehalten und ausruhen, nur arbeiten und niemals rebellieren. Unbemerkt von den zusammengesunkenen Männern und Frauen, die hier arbeiteten, ballte er die Hände zu Fäusten und nahm den nächsten Gang zu seiner Rechten, der tiefer in die Miene hinein führte. Offiziell suchten die Sklaven hier nach Edelsteinen und anderen wertvollen Materialien, mit denen die Kirche ihren Kreuzzug finanzieren konnte, inoffiziell dienten die Gänge dazu das Reich ihres Gottes weiter auszubauen und Stillstar weiter zu vergrößern, Artefakte zu finden, die dem einen Gott geopfert werden konnten.
Er schüttelte den Kopf und wiegelte den Gedanken ab, der ihn für einen kurzen Moment lang gefangen gehalten hatte. Religion war nichts, worüber es nachzudenken galt - je nachdem, wer ihn fragte, für den glaubte er an den einen Gott der Kirche oder an die Alten der übrig gebliebenen Reiche. Die Riten und Floskeln kannte er alle. Als die Gänge enger wurden, duckte er sich soweit es die Rüstung zuließ und raunte einem der Wächter hier einen unwirschen Fluch zu, kehlig und rau, ganz so wie es von ihm erwartet wurde. Er war hier niemandem aufgefallen, niemand hatte geglaubt, dass er nicht bereits seit Jahren hier arbeitete und es waren zu viele Wächter hier, als dass sie jeden einzelnen hier kannten.
Die Fackeln wurden weniger, die Schatten erfüllten große Teile der Gänge und die Dunkelheit um ihn herum, ließ ihn für einen kurzen Moment aufatmen. Die Schatten fühlten sich heimischer an, als es das grelle Licht des Tages draußen tat. Seine Begleitung schob sich vor ihn und der kurze Anflug eines Lächeln schob sich über sein Gesicht, der verborgene Klinge blitzte nur ganz kurz auf, bevor sie in den weichen Stellen zwischen den Plattenteilen der Rüstung verschwand. Warmes, rotes Blut sickerte über seine Hand als der Mann röchelnd zusammenbrach, Luft- und Speiseröhre zu schnell durchschnitten, als dass er noch die Gelegenheit bekommen hätte, laut aufzuschreien und Alarm zu schlagen. Als er zu Boden sackte und er die Waffe wieder aus der tiefen Wunde zog, richtete sich sein Blick auf die gebeugte Gestalt eines jungen Mannes, der jünger als er selbst war.
"Schön dich wieder zu sehen, kleiner Bruder."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 2:43 pm

Das dumpfe Aufprallen des Körpers direkt vor ihm ließ Elias einen Schritt zurücktreten. Er hatte zu viel Tod und Leid gesehen, um sonderlich überrascht davon zu sein, dass ein weiterer hier sein Ende fand, doch die Tatsache, dass es ein Wächter war, war zumindest kreativer als die Momente, in denen wieder ein Sklave vor Erschöpfung zusammenbrach und getötet wurde. Jeder, der nicht arbeiten konnte, war Ballast und die Wächter zögerten keine Sekunde, demjenigen ein Ende zu bereiten.
Im Lauf der Jahre, die er hier verbracht hatte, hatte er Menschen mit Fieber, gebrochenen Knochen und abgetrennten Gliedmaßen die Spitzhacken schwingen sehen, teils im Sitzen, blutüberströmt. Diejenigen, die noch am Leben hingen und irgendwo in ihrem Dasein noch einen Sinn fanden. Dann gab es noch die anderen ...
Ganz kurz sah er die kleine Gruppe von Kindern vor sich, derer sie sich angenommen hatten, als sie hier hereingebracht worden waren. Sie waren ausgehungert, teilweise misshandelt worden, doch nichts, was sie erlebt hatten, kam an die Gegebenheiten heran, die sie erwarteten. Als der Winter hereingebrochen war und sie weniger zu Essen bekommen hatten, waren sie gestorben. Alle fünf Kinder, eng aneinenandergeschmiegt. Mädchen oder Junge war kaum zu sagen, denn alle ihre Haare waren zottelig und so schmutzig gewesen, dass sie gleich aussahen, selbst im Tod. Sie waren nur ein Haufen aus Armen und Beinen gewesen, dicht aneinander gedrängt, reglos. Elias biss die Zähne zusammen, als er das Bild aus seinem Kopf drängte, stieß sich von dem Stein ab und musterte den Mann, der ihm gegenüber stand. Es dauerte, bis er in dem SChatten, der auf ihn fiel, die bekannten Gesichtszüge erkennen konnte, obwohl sie älter waren. Wie viele Jahre mochten vergangen sein? Elias hatte den Überblick verloren, denn unter Tage bekamen sie oft monatelang nichts davon mit, was um sie herum in der Welt vor sich ging.
"Du kommst spät", antwortete er also stattdessen, rührte sich aber nicht von seinem Platz, weil er das Gefühl der Hoffnung nicht zulassen wollte, das ganz zart in ihm keimte.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 2:55 pm

"Es hat eine Weile gedauert bis ich dich gefunden habe", antwortete er und warf einen kurzen Blick über die Schulter zurück, um nachzusehen, ob der Tod der Wache vor ihm nicht jemandem aufgefallen war. Sklaven konnten unberechenbar sein - die einen resigniert, weil sie ihr Schicksal akzeptiert hatten, die anderen widerspenstig, weil sie glaubten, sie könnten entkommen, dann war da noch die kleine Gruppe derer Menschen, die glaubten, wenn sie den Wächtern gefielen, erhielten sie eine bessere Behandlung. Jene kleine Gruppe war es, vor der sie sich hier in Acht nehmen mussten und die dazu führen konnte, dass die Flucht von diesem Ort in einem Blutbad enden konnte.
Als er den Blick zurück auf Elias richtete, überspielte er das Erschrecken mit dem kurzen Anflug eines Lächeln, das dieses Mal ehrlicher über sein Gesicht huschte. Der Jüngere sah erschöpft und müde aus, abgemagert und verhärmt von der Zeit in der Mine und der Arbeit, den Grauen, die er hatte ertragen müssen und für einen kurzen Moment lang keimte so etwas wie Mitleid in Emerson auf. Er hätte sich gewünscht, dass der kleine Bruder an einem anderen Ort aufgewachsen wäre und Familie kennen gelernt hätte, die sie beide niemals gehabt hatten. "Lass uns von hier verschwinden. Wir haben nur ein kurzes Zeitfenster bis jemand nach der Wache sucht", fügte er hinzu, weil das fröhliche Wiedersehen Zeit haben musste bis sie aus der Mine entkommen und in Sicherheit gekommen waren.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 2:59 pm

Aus mehreren Gründen schüttelte Elias bei den Worten den Kopf und zog Emerson an einem Arm zur Seite, hinein in einen leeren Schacht, damit sie ungestört waren und man sie nicht sah, sobald der nächste Aufseher um die Ecke biegen würde, der unweigerlich bald auftauchen musste. Sie hatten ihren Rhythmus - es waren ungefähr 150 Spitzhackenschläge. Wie lange es in MInuten sein musste, konnte Elias längst nicht mehr sagen, denn obgleich er mit der Zeiteinteilung durchaus etwas anfangen konnte, es gab keine Kerzen, keine Glockenschläge - nichts. Nur die regelmäßigen Schläge, die er völlig ungewollt immer zählte, sagten ihm, welcher MOment des Tages ungefähr sein konnte.
"Ich kann nicht", erwiderte er und hob die Hand, noch ehe er die Ungeduld in Emersons Körpersprache deutlich wahrnahm. "Niemand kann von hier fliehen. Die, die es tun, sterben noch innerhalb einer Woche."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:12 pm

Es musste irgendeinen Haken haben. Dinge hatten meistens irgendeinen Haken, der alles noch schwieriger machte als bislang eingerechnet. Emerson stieß ein leises Fluchen aus und musterte erneut das Gesicht seines jüngeren Bruders ehe er ein knappes Nicken von sich gab. Sie hatten keine großen Alternativen - die Leiche des Wachmannes würde auffallen, wenn Elias hier bleiben würde, würden entweder die Wächter ihn ermorden oder aber die Gilde würde es, sobald der Meister der Gilde die Nase von seiner eigenen Rebellion voll hatte.
"Wie sterben sie?", hakte er trotzdem nach, auch wenn sich die Befürchtung, dass es sich um Magie oder irgendeine Art von Göttlichkeit, wie es die Kirche nannte, handelte, immer weiter verhärtete. Menschen starben nicht einfach innerhalb von einer Woche, nachdem sie von diesem Ort geflohen waren, nicht nachdem sie bereits Jahre in den Minen überlebt hatten. Wenn es danach ging, dann würden sie eben denjenigen finden, der ihnen dabei half, diesen verfluchten Zauber von Elias zu nehmen. Das Blutbad wurde immer wahrscheinlicher.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:17 pm

"Sie altern. Eine Woche ist alles, was sie haben - am siebten Tag sind sie Greise, alt und tatterig", erwiderte Elias und strich sich die verklebten und schmutzigen Strähnen seiner Haare hinter die Ohren. Blond waren sie schon lange nicht mehr - jedenfalls nicht mehr sichtbar. Emersons dunkelblonde Haare hingegen waren sauber, er sah abgesehen von gestresst jedenfalls nicht aus, als hätte er in der letzten Zeit auf irgendetwas verzichten müssen. Aber das waren Vorurteile. Selbst ein noch so schlanker Windhung wäre ihm wohlgenährt vorgekommen im Moment. Es mochte daran liegen, dass wieder einer dieser Monate war - die Kälte kroch die oberen Gänge entlang und wer keine Leichen fledderte, der überlebte nicht. Noch dazu waren die Essensrationen reduziert worden, angeblich, weil kein Nachschub kam, wahrscheinlich er war aber, dass die Wärter es satt hatten, ihr Essen noch mehr zu teilen. Es gab Stunden, in denen sah er Sterne vor Augen, so hungrig war er und das machte das klare Denken schwer.
Hart schluckend fuhr er fort: "Viele kamen zurück, aber es war nicht mehr rückgängig zu machen. Ohne das Artefakt des Grubenkommandanten kann man die Schwelle aus der Mine heraus nicht gefahrlos überschreiten."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:30 pm

Dieses Mal endete Emersons Fluchen in nicht viel mehr als einem leisen resignierten Seufzen. Also eben doch Magie. Noch einmal schüttelte er den Kopf, dann begann er die Schließen der Rüstung zu lösen, die er bislang getragen hatte, um sich als einer der Wächter hier auszugeben. Die Rüstung würde ihn langsamer machen, es würde ihn blockieren, wenn er an das Artefakt herankommen wollte und wenn alles gut ging, dann würde er es bekommen, noch bevor der Kommandant etwas davon mitbekommen würde, aber daran glaubte er nicht. Leise ließ er die Rüstungsteile zu Boden gleiten und platzierte sie in einer der Ecken, gut verborgen unter Ruß und einzelnen Steinbrocken, die hier herumlagen und im Halbschatten schwer genug sichtbar, um nicht sofort andere zu alarmieren.
"Draußen ist ein Lager in einiger Entfernung. Dort ist Essen und neue Kleider für dich, ein paar Pferde, auf denen du dich eine Weile ausruhen kannst", erhob er schließlich die Stimme noch einmal und zog eines der Messer raus, weil die Spitzhacke, die sein kleiner Bruder bislang geschwungen hatte, nicht stabil genug aussah, um damit gegen einen Grubenkommandanten anzugehen. "Ich hoffe, du kannst kämpfen. Ich werde deine Hilfe brauchen, wenn ich dich hier rausbekommen will."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:35 pm

Obwohl Elias ohne zu Zögern nach der ersten Waffe griff, die er seit Jahren angefasst hatte und sie rasch und geschickt in den Händen wog, zögerte er, sie direkt zu seinem Körper zu ziehen. Stattdessen musterte er die Klinge lange, dann schließlich hob er den Kop fund sah zu Emerson hin. Er fühlte die alte Unsicherheit in sich aufkeimen, warf sie aber über Bord, weil einfach keine Zeit dafür war. Er hatte genug erlebt, um keinen einzigen Zweifel an sich selbst aufkommen lassen zu müssen.
"Selbst, wenn wir es schaffen - ich werde nicht alleine gehen, Emerson", antwortete er schlicht.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:41 pm

Sie hatten einander seit Jahren nicht mehr gesehen, hatten kaum etwas von dem anderen gehört - zumindest nicht mehr als das, was ihm gegeben worden war und beinahe hätte er das gute Herz seines Bruders vergessen gehabt. Das Herz, das ihn jetzt in noch größere Bedrängnis bringen würde, als es ohnehin schon der Fall war, nach der Offenbarung, dass er sich um ein magisches Artefakt würde schlagen müssen. "Wir können hier nicht alle mitnehmen", teilte er ihm deswegen mit und verengte kurz die Augen. Die Wahrheit war, er war froh, wenn Elias das alles hier überstand ohne ihm vor Hunger oder Erschöpfung zusammen zu brechen, aber der Blick des Jüngeren ließ ihn wissen, dass er nicht mit sich reden lassen würde.
"Also schön. Wen und wo müssen wir hin?", resignierte er deswegen, um nicht noch mehr Zeit mit Diskussionen über richtig und falsch zu verschwenden, die er nicht gewinnen konnte. Was Moral anbelangte, hatte Elias ihm noch immer einiges voraus.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 3:47 pm

"Komm mit", forderte Elias statt einer Erklärung nur, hielt dann inne. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus, das altbekannte, als würden Augen auf ihm liegen. Er sah um die Ecke, prüfend, horchte in die Gänge hinein, ehe er das Heft des Dolches fester fasste, weil er genau wusste, dass er nur noch Sekunden Zeit hatte. Er vermied es, noch einen einzigen Ton von sich zu geben, sah Emerson nur scharf an, als er zu ihm aufschließen wollte und erwischte ihn mit der ausgestreckten Hand gerade noch an der Brust, um ihn hinter sich zu halten. Er kümmerte sich nicht weiter darum, ob sein Bruder blieb, wo er ihn hinbugsiert hatte, aber der nächste Schritt war kombiniert mit einem raschen Zug seines Messers über die Kehle des Aufsehers, der suchend die Ecken abgegangen war, um ihn zu finden. Er hatte gerade in just jenem Moment die Leiche seines Kollegen entdeckt, als er den Mund aufriss, um nach Verstärkung zu schreien, als Elias die schwarfe Klinge ansetzte.
Er fühlte weder Bestätigung noch Erleichterung, geschweige denn Trauer. Alles, was er tat, als der warme Schwall Blut ihm über die Finger lief, war, mit der freien Hand nach dem Mann zu greifen und ihn langsam zu Boden sinken zu lassen, damit der Lärm niemanden auf den Plan rief.
"Weiter."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:04 pm

Das Lächeln, das Emerson jetzt zeigte, war bedeutend ehrlicher als all jene anderen, die er während der letzten paar Minuten zu Stande gebracht hatte und knapp nickte er dem Jüngeren zu, den Dolch wieder in der Hand, den er noch bei sich trug, die Klinge hinter den Lagen von Stoff verborgen, die verhinderte, dass der Stahl im spärlichen Licht der Fackeln schimmerte. Elias war noch immer gut und er hätte es weit gebracht, wenn er nicht geschnappt worden und hier gelandet wäre.
Wortlos bahnten sie sich beide ihren Weg durch die engen Gänge, tiefer und tiefer hinein ins Innere der Mine, wo die Gesichter der Sklaven immer härter und immer eingefallener wurden. Jene, die nahe des Eingangs ab und an noch Tageslicht bekamen, hatten gesünder ausgesehen und vor ihnen war Emerson bereits zurück gezuckt. Die Aufseher wurden hier mehr, die Wachen waren mehr geworden, sie patrouillierten kleinere Routen und die kleinen Ecken waren jetzt gut ausgeleuchtet - zu gut, als dass sie die Leichen noch verschwinden lassen konnten.
Blut floss jetzt zu ihren Füßen als dünnes Rinnsal aus den Kehlen derer Aufseher, die sie zuvor ermordet hatten und deren Körper verdreht auf der Erde lagen, unweit entfernt von jenen anderen, die ihren Weg gekreuzt hatten. "Wohin?"
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:08 pm

"Nach rechts", gab Elias zur Antwort, mühte sich um einen ruhigen Tonfall, um keine Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Er konnte sich relativ frei bewegen, aber das hatte seinen Preis gehabt - einen, über den er nicht weiter nachdenken wollte.
Kurz sah er nach, ob Emerson ihm folgte, dann bog er in die besagte Richtung ab und zog den Kopf ein, weil dieser Durchgang wirklich nur für Kinder angelegt worden war. Ab und an schickten sie ein paar der zierlicheren Frauen hier hinein. Männer musste sich seitlich und geduckt hindurch schieben - es war ein Nadelöhr des Todes. Der Geruch, der ihm in die Nase stieg und der Emerson sichtlich zu schaffen machte, wurde ihm erst bewusst, als er sich darauf konzentrierte. Gestank gehörte zu seinem Leben ebenso wie die muffige, stickige Luft und die Dunkelheit.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:17 pm

Fäulnis, Blut und Exkremente waren eine widerwärtige Mischung, die ihm jetzt den Atem nahm als sie sich beide durch den schmalen Spalt schoben und seine Augen tränen ließen. Atmete er durch die Nase brannte der Gestank hinter seiner Stirn und meldete sich als pochende Kopfschmerzen, versuchte er durch den Mund zu atmen drehte ihm der süßliche Geruch den Magen herum und ließ ihn schlucken. Kurze, schnelle Atemzüge halfen - Atemzüge, die ihn aus der Konzentration brachten und sich fremd in dem Tritt anfühlten, der sonst in Fleisch und Blut übergangen war. Der Moment, in dem er danach fragen wollte, was diesen Gestank verursachte, glitt vorüber als sich sein Verstand meldete und ihn darauf vorbereitete, dass er die Antwort darauf lieber nicht wissen wollte und dass es sinnvoller war sich um das Ziel Gedanken zu machen statt sich mit den armen Wesen hier näher zu befassen.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:25 pm

Als er das Ende des Durchganges erreicht hatte, blieb Elias stehen und verschloss nicht nur sein Herz vor dem, was ihn erwartete. Suchend glitt sein Blick über dreckige Schöpfe hinweg, hungrige Gesichter, weinende Kinder. Selbst, wenn sie einen Weg fanden, von hier zu flüchten - und bei den Göttern, er würde ihn gehen, jeden einzelnen Schritt - er würde zurückkehren müssen und zwar schnell. Hier gab es zu viele Seelen, die es nicht verdient hatten, dieses Schicksal zu erleiden.
"Eli!", hörte er es aus einer der Ecken und ein Junge, vielleicht fünfzehn, eilte zu ihm herüber und griff nach seinen Händen. "Hast du was für die Kleinen dabei?" Dass er verneinen musste schnürte ihm die Kehle zusammen. Sacht strich er dem anderen über die Haare, ließ die Hand an seiner Wange ruhen und sah ihn eindringlich an. Wer würde die Rationen teilen, so dass auch die Schwachen etwas abbekamen? Die, nach denen kein Hahn krähte, weil man sie mit der Leichtigkeit eines Lufthauches aus dem Weg haben konnte. Verbissen besann er sich zurück auf das, was vor ihm lag. Wie lange würde er noch helfen können, wenn er hier drinnen vor die Hunde ging? "Pass auf deine Gruppe auf, Toumo. Egal, was passiert, hörst du?"
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:32 pm

Er war geneigt ihm zu sagen, dass er sie nicht würde retten können, denn selbst wenn sie hierher zurückkehren würden, würden Dutzende seiner Freunde, seiner Schützlinge längst tot sein. Die Aufseher würden sie dafür verantwortlich machen, dass der Grubenkommandant tot war und sie würden dafür bluten müssen, die Wächter würden sie allein deswegen ermorden, weil sie wussten, dass sie Elias wichtig gewesen waren. Jene, die überlebten würden von der Kälte und den Entbehrungen der Flucht dahin gerafft werden - eine Handvoll Kinder würden es überstehen und dann vor dem Nichts stehen, ohne Heim und ohne einen Ort, an den sie gehen konnten, schwer angeschlagen und nie wirklich in der Lage an einem gewöhnlichen Leben teilzunehmen. Sie würden sie nicht retten können.
Emerson hielt dennoch den Mund und beobachtete die Szenerie mit Argusaugen, den Dolch langsam wieder sinken lassend, den er zuvor hervorgezogen hatte als der Junge nach vorn gespurtet war und seine Hände nach seinem kleinen Bruder ausgestreckt hatte. Elias jetzt mit der Wahrheit zu konfrontieren würde seine Hoffnung auf eine Flucht und seinen Willen hier herauszukommen nur dämpfen.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:35 pm

Die Geräusche aus einem der Seitentunnel wurden lauter, schnelle Schritte welcher von irgendwo tief in der Höhle zu stammen schienen. Stimmen, die nur jener seltsame Singsang waren, den Gemurmel hervorrief wenn man sich zu weit entfernt befand um einzelne Wörter ausmachen zu können.
Dann, für einen kurzen Moment herrschte eine tiefe und schwere Stille, welche alle anderen Geräusche zu verschlucken drohte. Die Stille bauschte sich auf und schwoll zu einem ohrenbetäubenden Dickicht aus fehlenden Geräuschen an, ehe sie durchbrochen wurde. Von einem hellen, schrillen Klang einer Glocke.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:39 pm

Er hatte es befürchtet, seit der Sekunde, in der er Emerson vor sich gesehen hatte. Das hier lief zu glatt. Doch statt in Panik zu geraten hieß Elias das Adrenalin willkommen, dass ihn durchfuhr. Er hörte die Glocke nicht zum ersten Mal und es würde einen MOment dauern, bis sie hier in diese abgelegene Ecke kamen, das hieß, ihm blieb noch Zeit.
"Lauf", raunte er Tuomo zu und drückte seine Schulter. "Hol die Kleinen. Bring sie zum Ausgang - nimm so viele von ihnen mit, wie du kannst. Bleibt nicht stehen."
Dann fuhr er herum, den Dolch wieder sichtbar in der Hand. "ANNA!"
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 4:50 pm

Die schweren Stiefel knirschten auf dem Unebenen Boden, während sie über die abgeschlagenen Steine liefen und all jene zerbröselten, welche aus einem weniger beständigen Material als purem, harten Fels bestanden.
Sie liefen gerade in dem Moment um die Ecke, als sich die junge Frau erhob, welche zuvor auf dem Boden gesessen und all dies beobachtet hatte. Arme und Beine der nun Stehenden waren mit dicken, eisernen Ketten verbunden. "Die Hexe!" rief einer der Wachmänner und zog sein Schwert ohne auf Elias zu achten, der in der Dunkelheit lauerte. "Tötet sie!"
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 5:08 pm

Die Hexe.
Wie oft schon hatten sie die Wachen deshalb so genannt, weil in ihrer Umgebung ein einziges Mal seltsame Dinge vorgegangen waren? Sie war in einem Kloster der Kirche gewesen, eingesperrt zu ihrer eigenen Sicherheit, wie sie es damals genannt hatten und Anna hatte ihnen geglaubt, jung und naiv wie sie gewesen war. Ein Adliger, der sich auf die Seite der Kirche geschlagen hatte, hatte sie des Diebstahls bezichtigt und sie war hier in den Minen gelandet, tief genug im Inneren, als dass jeder vergessen hatte, dass sie hier noch existierte. Die Ketten, die ihre vermeidlichen Kräfte zurückhalten sollten, löste immer dann ein Wächter, der Mitleid mit ihr gehabt hatte, wenn seine Schicht begann und gestattete es ihr damit sich durch die Mine zu bewegen, um sich mit jenen zu unterhalten, die in ihrem eigenen Alter waren und mit den Kindern die Vorräte zu teilen, die sie von den anderen wieder mit zurück brachte. Wenn der Wächter ging, schloss er die Ketten um Hände und Füße wieder und zwang sie dazu am Boden sitzen zu bleiben, weil sie kaum genug Bewegungsfreiheit hatte, um überhaupt die Beine auszustrecken.
Einer der Wächter fiel einer Klinge zum Opfer, noch bevor er sein eigenes Schwert hatte ziehen können, den Zweiten hatte Anna sich gegriffen und die Kette um seinen Hals geschlungen, die man um ihre eigenen Handgelenke geschmiedet hatte. Er zappelte in ihren Armen, schlug und trat nach ihr, bäumte sich auf und zerrte an der Kette, aber sie war zu massiv und Anna hatte ihr gesamtes übrig gebliebenes Körpergewicht genutzt um sich gegen ihn zu stemmen. Die Gegenwehr wurde weniger, sein Gesicht blauer und die Kette hatte längst dunkle Druckmale an seinem Hals gebildet, als Anna langsam wieder losließ und der Mann zu Boden sackte.
"Wurde auch Zeit für eine Flucht, wenn du mich fragst."
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 5:25 pm

"Verfluchte Scheiße!" eine der Wachen, welche gerade um die Ecke bog und die riesige Sauerei sah war noch Geistesgegenwärtig genug die Glocke zu läuten, welche alle anderen Wachen den genauen Ort angeben würde, an welchem er gerade so hoch her ging. Dann erst zog er die eigene Waffe aus der Scheide. Beinahe zu langsam, denn es war pures Glück, dass Elias erster Streich das singende Schwert statt den weichen Hals der Wache traf.
"Mörder!" schrie ihm die Wache entgegen und trat dem geschwächtne Sklaven mit aller Macht in den Unterleib, ehe er sich mit gezückter Klinge auf ihn stürzte.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 7:03 pm

Sollten sie ihn nennen, wie sie wollten. Worte hatten in dieser Welt keine Bedeutung, vor allem dann nicht, wenn man es gewohnt war, wie Abschaum behandelt zu werden. Der letzte Rest an Menschlichkeit, den sie ihm nicht hatten nehmen können war der, wenn er mit den anderen zusammen war.
Ohne nachzudenken ließ Elias den einen Tritt über sich ergehen, entspannte die Muskeln, ehe er dann herumrollte und mit einer fließenden Bewegung zurück auf die Füße kam. Das Luftholen fiel ihm schwer, aber er war auch nicht gerade in der Übung, die er gebraucht hätte, um diesen Angriff abzuwehren, aber sie Chance war zum Greifen nah und er würde sie nutzen. Er kassierte noch mehr Schläge und Tritte, doch schließlich gelang es ihm, keuchend und mit einer blutenden Augenbraue den Aufseher nieder zu ringen, der die Schlüssel zu Annas Fesseln um den Hals trug.
Er warf ihn Emerson zu, ehe er sich kurz auf alle Viere sinken ließ und versuchte, seinen Magen davon zu überzeugen, den spärlichen Getreidebrei, der hier als Essen angepriesen wurde, nicht wieder von sich zu geben.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 7:11 pm

Als die Ketten sich um ihre Gelenke lösten kam Anna nicht umhin erleichtert aufzuatmen und die dreckigen Finger über die geschwollenen Handgelenke wandern zu lassen, um wieder ein Gefühl in den Fingern zu haben. Die stickige Luft würde sich seltsam auf der feuchten Haut an und ganz gleich, wie oft sie darüber strich, das unangenehme Gefühl blieb. Als einer der Aufseher sich wieder Elias zuwandte, griff sie nach der Kette, mit der sie zuvor gefesselt gewesen war und schob ihre Finger zwischen die schmalen Glieder, in jenem Augenblick beinahe dankbar dafür, dass sie ihr hier nicht viel zu essen gegeben hatten. Die Übelkeit vor Hunger und die Furcht davor wieder hier festgesetzt zu werden und auch noch den Rest ihres Lebens hier in dieser Mine verbringen zu müssen, überzeugte sie davon, dass es besser war jetzt nicht inne zu halten und Anna schluckte noch einmal, als neben ihr ein weiterer Wächter zu Boden ging. Sie hatte nicht einmal gehört, dass der andere überhaupt in einen Kampf verwickelt gewesen war.
Als der Aufseher sein Schwert zog holte sie mit der langen Kette aus und traf den Mann am Kopf. Taumelnd versuchte er wieder Sicherheit zu gewinnen und sank dann doch zu Boden und Anna nutzte die Gelegenheit, die sich ihr hier bot, indem sie mit dem Eisen einfach weiter auf den Mann einschlug. Blindlings und wahllos, solange bis der andere sich nicht mehr regte.
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 7:21 pm

Das lange Schwert glitt ohne weiteren Widerstand durch den Körper des kleinen Jungen, welcher zusammen mit so vielen anderen versucht hatte auf Elias Wink hin zu fliehen. "Also - ich frage noch einmal: Wer hat diesen Aufstand angestachelt?" die dunkle Stimme des Grubenaufsehers hallte in einem crescendo durch die große Höhle, während der Hüne von einem Mann auf die in die Ecke gedrängten Sklaven zutrat, das blutige Schwert wie ein verlängerte Zeigefinger erhoben.
"Antwortet ihr mir jetzt oder muss ich den nächsten töten?"
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BeitragThema: Re: Edelsteinmine   Do Nov 10, 2016 7:36 pm

Emerson hob die Augenbrauen und bedeutete den beiden Jüngeren einen Schritt zurück zu bleiben, während er das Messer zog und seinen Blick über den Hünen wandern ließ. Er war riesig und wenn das Schwert ihn erwischen würde, war sein Plan seinen kleinen Bruder zu befreien die längste Zeit aktuell gewesen - sein einziger Vorteil war es, dass er schneller war als der andere. Er musste nur an das verfluchte Artefakt kommen, das demonstrativ um den Hals des Hünen hing.
Sie hatten nicht mehr viel Zeit, bevor die Kirche Nachschub in die Mine schicken würde, weil einer der Wachmänner klug genug gewesen war, um Verstärkung zu holen und er wollte von hier fort sein, wenn sie mit ihren Priestern und Göttergläubigen hier ankommen und ihnen das Leben schwer machen würden. "Ich", sagte er deswegen und machte sich erst gar keine Hoffnung darauf, dass der Sklave an der Wand all das hier überstehen würde. "Und eigentlich bin ich nur wegen dem Artefakt hier."
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