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 Vierter Akt - Formation

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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mi Jan 25, 2017 4:54 pm

"Burmingham," antwortete der andere und deutete mit dem Daumen auf seinen Wagen hinter sich. "Aber das alte Mädchen hier hat vor einer Meile schlapp gemacht. Ich hab sie bis hierher geschoben. Eine furchtbare Plackerei, das kann ich ihnen sagen. Aber ich kenn die Strecke, nutz sie immer wenn ich meine Schwester besuche. Naja, ich hab natürlich versucht sie anzurufen, aber es geht keiner ran. Vermutlich bringt sie die Kinder ins Bett oder isst noch was mit Michael - meinem Schwager," ergänzte er. "Nun, dann lassen wir uns doch mal sehen... ah ja.." er nahm das Starterkabel und öffnete die Motorhaube von Chris' Wagen. "Okay - ihr Wagen hat so ne Plastikabdeckung... haben sie das schon mal gemacht? Bei ihrem Wagen mein ich? Wenn nicht würde ich vorschlagen, dass sie die Kabel an meinem Wagen anschließen. Dort sehen sie direkt die Batterie, ist ein altes Mädchen, nicht schwer zu handhaben!"
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mi Jan 25, 2017 4:58 pm

"Ehrlich gesagt ... hab ich absolut keine Ahnung von dem Zeug. Der Wagen ist noch nicht besonders alt, nachdem mein Alter geklaut wurde und es musste schnell 'n Neuer her. Tun Sie sich also keinen Zwang an. Sie können auch nicht mehr falsch machen als ich."
Und damit hatte er noch nicht einmal gelogen. Mechanik, Technik - er konnte seinen Computer bedienen, sein Handy bedienen und ein Auto fahren - alles kompliziertere überließ er den Nerds in der IT seines älteren Bruders oder den Erstsemestern auf dem Campus, die beliebt werden wollten.
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mi Jan 25, 2017 5:03 pm

"Alles klar. Wie gesagt - super einfach. Das rote Kabel machen sie einfach an die rote Abdeckung, das schwarze Kabel an die schwarze Abdeckung. Es ist wichtig, dass wir es gleichzeitig machen," log er und trat schließlich einen Schritt auf Chris Auto zu, während dieser sich nach vorne beugte um an die Batterie zu kommen. "So, zuerst das rote Kabel! Ein, zwei - drei! Ja perfekt", langsam ließ Burke das Kabel los und trat einen Schritt zurück, leise um kein Geräusch zu machen, ehe er sich zu Chris umdrehte. "Und jetzt das schwarze Kabel..." sprach er weiter, während sich seine Schritte auf Chris zu bewegten. "Eins. Zwei...", Burke griff in einer schnellen Bewegung nach der Abdeckung der Motorhaube und stieß diese mit aller Kraft nach unten, wo sie Chris mit einem lauten Knall auf den Kopf krachte, ehe dessen Schädel mit einem weiteren klatschen gegen den Motor schlug. Burke zog den völlig perplexen Chris zwischen der Motorhaube hervor und schleifte diesen an seinen Füßen in Burkes Auto, warf ihn auf die Rückbank, ehe er das Starterkabel wieder an sich nahm, die Motorhaube von Chris Wagen schloss und in sein eigenes Auto stieg.
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Stimmi



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Do Jan 26, 2017 9:49 pm

Der Wunsch, bei vielen auch irgendwann zu einem Schrei herangewachsen oder mutiert, konnte sich in vielerlei Art ausdrücken. Es konnte das beleidigen einer Respektsperson und das kündigen einer Arbeitsstelle sein. Es konnte auch das spontane Auftauchen in der Fußgängerzone ohne jegliche Kleidung am Körper, oder körperliche Gewalt gegenüber Eigentum von Anderen sein. Im besten Fall mochte man sich auch blindlings und mit nicht mehr als einer Blume bewaffnet Kampffahrzeugen in den Weg stellen. Doch warum äußerte sich der Wunsch nach Freiheit fast immer darin, sich gegen etwas zu stellen? Warum ging man nicht einfach an den Strand und baute sich mit seiner selbst ernannten Freiheit eine kleine Hütte? Oder schlug alternativ Mitten im Wald sein Lager auf? Geht es letztlich nur darum Anderen zu präsentieren, dass man sie mit Freiheit profiliert und somit von der Masse abhebt? Im Falle von Liam war das Streben nach Freiheit jedoch relativ harmlos gewesen. Als Versehrter hatte er den Dienst am Schreibtisch verweigert, auf die möglichen Potenziale die sich ihm damit boten gespuckt und hatte sich einen langgehegten Traum erfüllt. Kein amerikanisches Motorwerk, sondern die Überbleibsel eines einst großen japanischen Herstellers, dessen Artikel auf dem amerikanischen Markt durch die politische Situation ohne stets skeptisch betrachtet wurden. Eine Honda VT Black Widow, Baujahr 2002. Unglaublich gut erhalten und dank der Instruktionen des Verkäufers auch derart verständlich aufgebaut, dass Liam die meisten Teile im Notfall selbst wechseln könnte. Und mit just dieser Maschine fuhr er gerade an die Tankstelle, hing sein Motorrad für gut eine Minute an den Zapfhahn und stapfte dann in den kleinen Laden. „Hey“, maulte er leise, als Grace fast mit ihm zusammenstieß, in ihrer Bewegung und der Wahrnehmung ihrer Umgebung unglaublich fahrig.
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   So Jan 29, 2017 7:34 pm

Es war später Nachmittag, als Elias zum letzten Mal auf den Pager sah. Chris hatte ihn betätigt, die einzige Möglichkeit, die sie hatten, um einander zu kontaktieren. Aber seitdem waren mehrere Tage vergangen, die sie hier in der Anlage verbrachten und alles, was nicht niet- und nagelfest war in die Ecken brachten, in denen sie es als strategisch sinnvoll erachteten. Was daraus bestand, erst einmal eine Zentrale rund um die Steuerungszentrale einzurichten. Sie mussten das Geschehen in der Welt überwachen, mussten herausfinden, was lief und was Adam und die Regierung planten.
Er hatte noch keinen blassen Schimmer, wie genau sie ihre Informationen zusammensetzen sollten, aber die Aufgabe, alles auf den Tisch zu bringen, nahm ihm eine riesige, weiße Wand ab, an der Landkarten, Ausdrucke, Fotos und Daten hingen, alles gespickt mit Pinnnadeln und Post-Its. Gerade, als er einen Schreibtisch mit einem lauten, ekligen Quietschen durch die Tür schob, fiel sein Blick wieder darauf.
32 Stunden Autofahrt. Chris hatte sie mit Sicherheit nicht am Stück bewältigt, aber selbst mit gut gemeinten Pausen hätte er längt hier sein müssen und langsam wurde er unruhig.



Die Stimmung im Krankenhaus wurde mit jedem Tag angespannter. Claras Auftauchen hatte alles nur noch schwieriger gemacht, als es ohnehin schon war und allmählich mussten sie eine Lösung dafür finden, was sie mit der Hackerin unten in den Zellen anstellen sollten, die eigentlich nur als Provisorium geplant gewesen waren. Der Zwischenfall im Gang lag Anthony noch immer schwer im Magen und sie ertappte ihn immer wieder dabei, wie er unsicher von einer Ecke in die andere sah, wenn sie sich den nächsten Raum vornahmen. 
Das Krankenhaus war nicht schlecht eingerichtet gewesen, die Krankenhausbetten hatten ihnen eine Menge erleichtert und inzwischen sandte ihr Rücken wenigstens nicht mehr das Gefühl aus, gleich in der Mitte durchbrechen zu müssen, aber sie waren ihrem richtigen Ziel noch keinen einzigen Schritt näher gekommen.
Die Sendemasten standen noch immer auf der Liste, dazu kamen die Dutzenden von Unterlagen, die Anthony aus den Servern geborgen hatte und die ominöse Anonymous 2.0 Geschichte, der sie auf den Grund gehen mussten. Dazu der kommende Angriff auf eine Anlage, in der ihre Freunde gefangen waren, deren Standort sie noch nicht einmal kannten. 
„Vielleicht hat er einen Umweg genommen“, bemerkte sie und seufzte tief, weil sie selbst nicht daran glaubte. Wenn irgendetwas auf dem Weg passiert war, dann würden sie nicht einfach wieder die gesamte Strecke abfahren können.



Elias schüttelte nur den Kopf, auf Annas Bemerkung hin. 
"Er wusste, diesen Pager sollte er nur betätigen, wenn es eng für ihn werden würde. Er hätte es nicht einfach so getan, wenn er nicht die Absicht gehabt hätte, sofort und direkt hierher zu kommen." 
So gut kannte er seinen kleinen Bruder, doch das half ihm bei der Ortung nicht gerade weiter. Wie sollte er herausfinden, was geschehen war? Jede Verbindung zu Chris' Handy würde überprüft werden und selbst mit Verschlüsselung irgendwann zu ihnen führen.



„Deine Familie würde sich nicht gegenseitig was antun.“ 
Wenigstens darauf konnten sie sich verlassen, selbst wenn das nur ein kleiner Trost angesichts der aktuellen Situation war - von der Verstrahlung einmal vollkommen abgesehen, setzte sie in Gedanken dazu und schüttelte noch einmal den Kopf.
„Wir kennen doch die Route. Er müsste dieselbe genommen haben wie wir. Vielleicht kann Anthony sich in ein paar der Kameras an Tankstellen einhacken und was rauskriegen.“



"Dann sollten wir es ihm sagen. Je enger das Zeitfenster ist, desto besser", stimmte Elias zu und setzte sich auf die Kante des Tisches, ehe er zu Anna hinüber blickte. Sie hätte aus dem Krieg nach Hause zurückkehren sollen und ein normales Leben führen. Das war es, was er sich gewünscht hatte für alle, die dort unten waren. Und ... jedenfalls so normal wie möglich, nach allem, was sie gesehen hatten. Nichts davon war eingetroffen. Sie saßen hier, auf der Flucht und machten sich Sorgen um alles und jeden, den sie zurückgelassen oder verloren hatten und die Schuld, Charles, Grace, Jonathan und Jesse nicht bei ihnen zu haben, wog schwer. Von Nohan ganz zu schweigen.
"Wie geht's deinem Rücken?"



„Wenn du so fragst - besser als deinen Nerven“, antwortete sie mit einem schiefen Lächeln, schon halb wieder an der Tür, weil sie zu Anthony hatte aufbrechen wollen. Die Hand bereits an der Klinke wandte sie sich jetzt noch einmal um und musterte ihn. Sie waren müde und erschöpft von der ständigen Hab-Acht-Stellung, die sie hier eingenommen hatten und allmählich wurde es Zeit, dass sie sich daran gewöhnten, dass nicht mit einem Mal der Nächste hier auftauchte, der sie gefangen nehmen oder ermorden wollte. Es war seit Tagen nichts passiert.
„Was hältst du davon, wenn ich schnell Anthony Bescheid geb und dann mit was zu essen wiederkomm? Währenddessen kannst du dir ja was suchen, was nicht von Post-It’s und Landkarten umgeben ist. Du machst dich gerade nur verrückt und hilfst am Ende keinem.“



"Ich bring noch ein paar Stühle hier rauf - glaub mir, hier zu schlafen stand nicht auf der Agenda", wiegelte er mit einem Lächeln ab und folgte ihr zur Tür hinüber, trotz allem noch einen letzten BLick auf ihr Sammelsurium werfend. Irgendwo gab es einen Hinweis, einen Zusammenhang und er würde ihn noch finden. Es würde ihn nicht loslassen.



Auch das schien frustrierenderweise irgendwo tief in der Fitzpatrick-Familie verwurzelt zu sein - sich so tief in ein Thema zu vergraben, dass an etwas anderes zu denken nicht einmal mehr in Frage kam. Anna nahm es schweigend hin und nickte nur knapp, auch wenn sie sich den finsteren, vorwurfsvollen Blick nicht komplett verkneifen konnte. „Ich geb dir zehn Minuten bevor ich dich an den Haaren hier raus schleife und dafür sorge, dass du so schnell nicht mehr hier reinkommst. Uhrmacher gibt mir mit Sicherheit noch ein paar der alten Medikamente hier“, drohte sie spielerisch und wandte sich dann in den Gang zu ihrer Rechten ab, der direkt zu den Serverräumen führte, in denen sich Anthony vergraben hatte.
„Zehn Minuten. Nicht vergessen.“

"Wer war hier der Boss von wem?", fragte Elias leise kopfschüttelnd in den Raum hinein. Anna war es durch ihre Dienstzeit gewohnt, Leute herumzukommandieren, er bildete da scheinbar keine Ausnahme. Tatsächlich hatte er vor, es darauf ankommen zu lassen, und wenn er nur so tat. Die Mittel und Wege, ihn mit wesentlich mehr Körpergewicht hier heraus zu bugsieren, die wollte er erst einmal sehen.



Sie rechnete gar nicht erst damit, dass ihrer Aufforderung auch nur im Geringsten Folge geleistet wurde und trotzdem war Anna im Schnelldurchlauf noch einmal mit Anthony die Route durchgegangen, die Chris genommen haben musste und hatte ihn darum gebeten, gründlich zu suchen und sofort Bescheid zu geben, wenn er irgendetwas fand. Uhrmacher hatte sie unten in der Küche noch kurz aufgehalten, als sie sich etwas Essbares geschnappt und zwei Wasserflaschen unter die Arme geklemmt hatte. Schon auf der Treppe hörte sie die Stühle, die über den Boden geschoben wurden und warf einen kurzen Blick auf die Uhr.
„Das machst du doch extra“, bemerkte sie trocken und mit hochgezogenen Augenbrauen, das Essen und die Flaschen neben sich auf einem der Tische platzierend und die Arme vor der Brust verschränkend. 



"Extra? Nein", wehrte Elias leise lachend ab und griff sich eine der Wasserflaschen, die er rasch aufschraubte, ehe er gierig ein paar Schlucke trank. Bis jetzt hatte er nicht gemerkt, wie durstig er war, aber das Krankenhaus tat sein Übriges. Es mochte nicht mehr nach Desinfektionsmittel riechen, aber es war auch weit davon entfernt, wie ein Wohnraum seine Düfte zu versprühen. Es war eine Mischung aus staubiger Lagerhalle und großem Saal mit mieser Belüftung.



„Ist so n Fitzpatrick-Ding, mh?“, hakte sie nach und schob die Tür hinter sich wieder ins Schloss, um wenig später ein paar Schritte in den Raum hinein zu machen und sich hier noch einmal umzusehen. Das hier würde also sowas wie die Kommandozentrale werden - für was eigentlich? Für die Rebellion? Für die Freiheitskämpfer für diejenigen, die genauso waren wie sie? Für den Widerstand?
Anna schauderte bei dem Gedanken und schob ihn wieder weit zurück in den Hinterkopf, weil sie sich in den letzten Tagen zu viele Gedanken darüber gemacht hatte, was jetzt werden würde, denn wenn sie hier eines hatten, dann war es Zeit. Eigentlich hatte sie hier raus wollen, aber andererseits … dieser Raum war genauso gut wie jeder andere. 
„Starrsinnig muss ich der Liste noch hinzufügen.“



"Das sagt mir genau die Richtige." Elias stellte die Flasche auf den Tisch hinter sich und legte die Hände auf die Knie, streckte zum ersten Mal seit Stunden seinen Körper und hörte mit Genugtuung das Knacken in seinem Hals. Es tat gut, für ein paar Momente davon abgelenkt zu sein, was sie vorhatten oder nicht vorhatten und ganz zu schweigen davon, dass er keinen Plan besaß, an den sie sich halten konnten.
Das Militär war einfach gewesen. Er war dafür ausgebildet, in schwierigen Situationen einzugreifen, zu agieren und zu intervenieren. Hier waren sie immer nur zur Reaktion gezwungen, so lange, bis sie herausgefunden hatten, gegen wen sie eigentlich kämpfen mussten, um zu überleben. Weil es um viele Zivilisten ging, fühlte er sich ein wenig wie der Fisch auf dem Land. Sie konnten nicht mit klaren, raschen Ansagen. Sie brauchten Bestätigung, Hoffnung, gutes Zureden und Überzeugung. Er war sich absolut nicht sicher, der richtige dafür zu sein.



„Hey“

Anna ließ sich in die Hocke vor dem Stuhl sinken und entschied sich dann doch dazu, einfach den Boden zu nehmen und sich einfach nach hinten fallen zu lassen, weil das bedeutend angenehmer war als die vorherige Position. Sie hingen in alledem gemeinsam drin - so hatte es begonnen und wahrscheinlich würde es auch genau so enden. Immer wieder ertappte sie sich, wie ihre Gedanken zurück nach Deutschland glitten und was dort geschehen war - immer wieder dieselbe Frage, ob sie Nohan vielleicht hätte retten können, wenn sie aufgepasst hätte, dass er wirklich mit der ersten Welle rausgekommen wäre.
„Red mit mir. Was geht dir durch den Kopf?“



Erst eine ganze Weile nach ihrer Aufforderung ließ er sich von der Tischkante hinunter auf den Boden sinken und blieb dann dort im Schneidersitz hocken. "Es ist schwer, herauszufinden, gegen wen oder was wir antreten müssen. Das macht die Schlacht unberechenbar. Wir wissen zu wenig und unsere Möglichkeiten sowie Kapazitäten sind erschöpft. Wir müssen schnell und effektiv Leute finden, denen wir vertrauen können und die uns helfen." Er unterbrach sich schließlich selbst. "Das wolltest du nicht hören, ich weiß. Was mir durch den Kopf geht ist mein kleiner Bruder. Alles andere dient gerade eher der Ablenkung. Wenn er meinetwegen dort hineingezogen wurde, weiß ich nicht, ob ich mir das verzeihen kann."



„Er ist ein Fitzpatrick, Elias. Ich hab feststellen müssen, dass die cleverer sind als ihnen manchmal gut tut. Dein kleiner Bruder wird sich nicht verraten, selbst wenn er wieder nach Hause gebracht wurde“, antwortete Anna, ohne auf die allgemeine Situation einzugehen und streckte jetzt ihre Hand aus, um seine sacht zu drücken. 
„Wir finden raus, was passiert ist und dann holen wir ihn hierher. Ihm wird nichts passieren. Versprochen.“



"Versprich nichts, was du nicht halten kannst."
Das hatte er im Krieg gelernt, wohin auch immer er gegangen war. Hoffnung war gut, aber falsche Versprechungen, die sich als diese herausstellten konnten ganz schnell den Untergang der ganzen Kompanie bedeuten. Die Angst, die eintrat, wenn sich etwas als Lüge herausstellte, der Hass und die Verzweiflung keimten so tief, dass keine milden Worte, keine Aussichten auf Besserung auch nur das Geringste ändern konnten. Zerfall war nur der Anfang. Das Vertrauen schwand. Die Leute begannen, dünnhäutiger zu werden als ohnehin schon.
"Chris ist kein Soldat. Er kann vielleicht rudimentäre Kampftechniken, aber selbst die sind ihm nie in Fleisch und Blut übergegangen."



„Gegen wen soll er denn kämpfen, Elias? Er ist keiner von uns - er wird nicht in eine dieser Anlagen gesteckt und ich glaube nicht, dass dein Vater es zulässt, dass der Abschussbefehl für ihn erteilt wird. Wir holen ihn hierher. Sobald Anthony was gefunden hat.“
Außerdem war es ja nicht so, als würden sie hier eine große Organisation zurücklassen, die unbedingt einer Führung bedurfte. Anthony und Shane würden eine Weile zurechtkommen, Clara war sicher verwahrt und sie beide hatten inzwischen mehr als genug Erfahrung damit wegzulaufen.



"Du machst dir keine Vorstellung davon, was es heißt, ein Fitzpatrick zu sein."



„Nein. Stimmt - ich hab keine Ahnung, was es heißt aber ich weiß, dass jeder von euch aus mehr als seinem Familiennamen besteht und ich weiß, dass ihr immer einen Weg findet. Ich weiß, dass wir nicht ermordet wurden, obwohl die uns hatten und auch, wenn ich nicht weiß und erst recht nicht verstehe, wieso, glaube ich zumindest, dass auch das damit zu tun hat, was es heißt ein Fitzpatrick zu sein“, erwiderte sie und schüttelte den Kopf. 

„Du machst dich verrückt, Elias, und wenn du neben der emotionalen Geschichte eine rein pragmatische Erklärung hören möchtest. Ihr seid zu bekannt, als dass einer von euch ganz plötzlich verschwinden kann - nicht nachdem sie eine Entführung für dich in den Medien abgespielt und groß aufgesetzt haben.“



Wenn sie damit nur Recht hätte. Er wusste es besser, aber es würde nichts bringen, sie darauf festzunageln und zu hoffen, die Sache würde niemals eintreten, nur, weil sie es ihm ausgeredet hatte. Es würde kommen und es würde eine Katastrophe werden. Adam war nur der Anfang. Er hatte bereits Presseberichte von seinem Vater vernommen und die waren alles andere als rosig.
"Lass uns etwas essen."



„Verrate mir etwas“, warf sie ein und verzog das Gesicht. „Wieso nagelt ihr euch eigentlich allesamt auf diesem verfluchten Familiennamen so sehr fest? Ein Fitzpatrick zu sein - das klingt, als wäre es eine Religion und nicht nur ein Nachname“, fuhr sie fort und stand umständlich wieder auf, um das Essen vom Tisch zu greifen und es wieder zwischen ihnen beiden auf dem Boden zu platzieren.
„Und was deine Zweifel angeht, was das alles hier betrifft … wenn du mich fragst, wäre es ab und an besser, wenn du aufhörst ein Fitzpatrick zu sein und ein bisschen mehr Elias bist.“



"Kannst du deine Wurzeln auch so leicht ablegen? Ich weiß nicht viel über die Familie Crowley, Anna - aber ich weiß, dass du ihnen ähnlicher bist, als du es vielleicht zugeben willst", gab Elias zurück und entschied, dass dieses Gespräch absolut nicht dahin führte, wo er es haben wollte. Etwas mehr Elias zu sein war so einfach gesagt, wenn man im Kopf immer hatte, wie man sich sein Lebtag hatte geben müssen. Wer war er? Wer war er wirklich hinter all dem Militär und der Sturköpfigkeit? "Nur 'Elias' zu sein kann euch alle in den Ruin treiben."



„Warum glaubst du so wenig an dich selbst, Elias?“, hinterfragte sie, sein Gesicht nicht aus den Augen lassend und den Hinweis auf ihre eigene Familie schlichtweg übergehend. Für sie würde sie eines Tages tot sein - ihre Mutter machte sie für den Tod ihres Stiefvaters verantwortlich, ihr Vater lag seit Jahren unter der Erde und was ihre Schwestern anging … sie wusste nicht, wie es mit ihnen stand und es war besser so, wenn sie in Sicherheit blieben, weil sie sie nicht kontaktierte.
„Diese Leute hier und wen auch immer wir hier noch aufgabeln werden, tun das nicht blind, weil sie einem Befehl folgen. Wir sind nicht mehr im Militär - wir sind Deserteure und wir sind verstrahlt. Wir haben irgendwelche besonderen Fähigkeiten entwickelt, die wir nicht haben sollten, aber unter alledem sind wir immer noch Menschen.
Menschen mit Schwächen und Zweifeln. Wir müssen nicht immer stark sein, wir dürfen verzweifeln. Du bist so viel mehr als nur ein Fitzpatrick, Elias, und ob es dir gefällt oder nicht - ich lass dich nicht im Stich und willst du wissen, wieso? Weil ich an dich glaube. Nicht an den Fitzpatrick und nicht an den Soldaten. Ich glaube an Elias.“

Sie meinte es gut, das wusste Elias. Aber ihre Worte wühlten ihn viel mehr auf, als er zugeben wollte. Sie machte sich keine Vorstellung davon, wie viel Last sie alleine damit auf seine Schulter gelegt hatte. Die Leute hier mochten nicht seinem Befehl unterstehen, aber er fühlte sich dennoch verantwortlich. Sie fragten ihn, was sie tun sollten. Er traf irgendwie immer die abschließenden Entscheidungen und er hatte Angst, die falsche zu treffen. Vielleicht auch Angst vor der Einsamkeit, wenn er sie alle in den Tod geführt hatte und es war eine reale Angst.
Wortlos stand er auf und kehrte zurück zu der Wand, die er hier mit den anderen aufgebaut hatte. Sie vertrauten ihm, glaubten an ihn und er schuldete es ihnen, mit dem Kopf vollständig hier zu sein; stattdessen driftete er immer wieder ab. An die Fähigkeit, andere Leute Wunden zu übernehmen und viel schneller zu heilen als sie, daran wollte er gar nicht erst denken. Es war ein merkwürdiger Beigeschmack und etwas, was er nicht einmal steuern konnte.
Der Glaube an seinen Weg hatte in der Familie nicht vorgeherrscht. Das Militär war die Ausweichlösung, die einfachste Möglichkeit, doch noch etwas Ansehen in der Familie zu halten, als Elias sich gegen die Politik gestellt hatte und er erinnerte sich nur zu deutlich an die zwei Jahre, die er dafür gekämpft hatte, fern von zu Hause, weil sein Vater ihn weggeschickt hatte. Das Militär hatte ihm Halt gegeben, klare Regeln, die man nicht so einfach missachtete und plötzlich stand seine Welt Kopf und das, was er geglaubt hatte zu wissen, war einfach wie weggeblasen.
Langsam und mit verschränkten Armen blieb er vor der Landkarte stehen und starrte auf Washington.



Das Schweigen machte sie wahnsinnig, obwohl sie es hätte aushalten sollen, aber hier und jetzt reizte es sie und brachte sie dazu mit einem einzigen Satz wieder zurück auf den Füßen zu sein. Mit festen Schritten trat sie auf ihn zu und drehte ihn wieder zu sich herum, die Hände fest an seinen Armen und ihren Blick fest auf seine Augen gerichtet.
„Hör auf damit, Elias. Schließ nicht jeden hier aus, weil du glaubst allein mit allem fertig zu werden. Wir hängen da gemeinsam drin und wir werden das gemeinsam hinkriegen. Du bist in alledem nicht allein - nur bitte, bitte hör auf damit alles allein mit dir ausmachen zu wollen. Du machst dich kaputt damit.“



Sein erster Impuls war, sich von ihr los zu machen und etwas Abstand zwischen sich zu bringen, doch dann erwiderte er nur ihren Blick. "Du verstehst nicht", sagte er schließlich nur. "Und ich kann es dir nicht erklären."



„Versuch es doch einfach. Ist doch egal, wie es sich anhört und was immer du sagst - ich gehe nicht weg.“



Elias musste sich selbst am Riemen reißen, damit er sich nicht unsanft aus ihrem Griff befreite sondern vorsichtig. "Wir alle haben Dinge, die wir nicht sofort preis geben." Sacht küsste er sie auf die Schläfe. "Gib mir Zeit."
Damit wich er ihr aus und ging zur Tür hinüber. Er wusste nicht einmal, was er denken sollte, aber er hoffte, ein wenig kalte Winterluft würde das Problem lösen. Sortieren. Analysieren. Planen. Agieren. Das würde auch hier funktionieren.



Frustriert blieb Anna zurück und starrte rüber zur Tür. Sie wusste nicht, ob sie wütend sein sollte oder nicht - ob Resignation oder Wut jetzt der richtige Kanal sein würde, für das, was gerade durch ihren Kopf ging, aber schlussendlich traf ihr Mund die Entscheidung, bevor die überhaupt an ihr Hirn weitergeleitet wurde. 

„Wir haben alle Dinge, die wir nicht sofort preis geben?“, echote sie und schüttelte den Kopf, ein beißendes Lachen ausstoßend. „Wir sind mitten in einem verfluchten geschlossenen Krankenhaus irgendwo im Nirgendwo, Elias. Unsere Freunde sind irgendwo in einer Anlage und es werden irgendwelche medizinischen Tests an ihnen durchgeführt und weshalb wir davon nicht betroffen sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Geheimnisse haben uns doch überhaupt erst in diese beschissene Situation gebracht! Wegen Geheimnissen sind wir verstrahlt worden und wegen denen sitzen unsere Leute da jetzt fest. Denkst du nicht, es wär jetzt die richtige Zeit um das alles hinter uns zu lassen und einfach mal ehrlich zu sein?“

Diesmal hielt er inne ohne sich umzuwenden. "So ehrlich, wie du gewesen warst, als du mir gesagt hast, dass du diese Fähigkeit schon seit deiner Geburt hast?", fragte er leise aber mit einem bitteren Unterton.



Dieses Mal war sie es, die erschrocken einen Schritt nach hinten stolperte und den Atem anhielt. Niemals hätte sie mit jemandem darüber sprechen dürfen, niemals durfte jemand etwas darüber herausfinden - das war ihnen allen eingeimpft worden, jeden Tag aufs Neue und sie hatten es allesamt beherzigt. Jetzt damit konfrontiert zu werden, dass ihre Fähigkeiten kein so großes Geheimnis waren, wie sie stets gedacht hatte, löste eine Mischung aus Schreck und Furcht aus. Anna schluckte und leckte sich dann über die Lippen. Sie hatte Ehrlichkeit gefordert - es wäre unfair sie jetzt nicht auch zu geben. 

„Nur so war ein normales Leben möglich. Mein Vater hatte auch Fähigkeiten, genau wie meine Schwestern, es zieht sich seit Generationen durch und er war derjenige, der uns gesagt hat, dass niemand etwas davon wissen darf. Nach all den Akten, die Anthony uns gezeigt hat, hab ich erst begriffen, wieso niemand etwas wissen durfte. 
Ich hab keine Ahnung, wie das alles überhaupt möglich ist oder wie es entsteht. Ich weiß, dass ich sie habe und dass ich damit zurechtkommen muss und dass niemand in Washington etwas davon erfahren darf, wenn meine Schwestern nicht auch in einer dieser Anlagen landen sollen“, antwortete sie und schluckte noch einmal schwer ehe sie sich abwandte und ein paar Schritte zum Fenster rüber trat, um ihren Blick schweifen zu lassen. Sie wollte nicht wissen, woher er es wusste und erst recht nicht, was das bedeuten würde.
„Das war die Wahrheit. Willst du noch mehr wissen? Ich hab gelernt sie zu kontrollieren, weil es für mich als Kind ein Spiel war und weil es leicht war damit etwas zu kriegen. Heute würd ich das nicht mehr tun - es fühlt sich nicht gut an, das zu nutzen. Es fühlt sich nicht richtig an Menschen zu beeinflussen und zu kontrollieren und ich weiß nie wirklich, ob etwas, das ich bekomme - materiell oder nicht - nicht einfach ist, weil ich das kann. Ich tue es trotzdem - bei York, bei Adam, bei Anthony, bei Shane. Weil es notwendig ist und weil wir sicher sein müssen. Weil ich das Ganze beenden will - weil ich leben will. So wie vorher. Als normaler Mensch, unabhängig von Fähigkeiten und weil ich meine Freunde da rausholen will. Weil sie das alles nicht verdient haben.“



Immer noch kehrte Elias ihr den Rücken zu, ließ ihre Worte Revue passieren. Sie sagte die Wahrheit, irgendwo spürte er das und es war unfair gewesen, es ihr so um die Ohren zu knallen. Aber wenn sie Ehrlichkeit wollte, dann musste sie sie auch geben und tatsächlich war das ein Punkt, der ihn hatte zurückschrecken lassen. Er hatte es von Anthony erfahren, der bei seinen Recherchen darauf gestoßen war, vor wenigen Stunden erst und eigentlich hatte er nicht vorgehabt, es ihr auf diese Art und Weise zu sagen. Aber wie es so war im Leben - Gefühle kochten über, Worte wurden gesagt, ohne Rücksicht auf Verlust.
"Ich verstehe", sagte er also schließlich nach einer Weile und legte die Hand auf die Klinke. "Trotzdem wäre es schön gewesen, es irgendwann von dir zu hören, während wir unterwegs waren und du mich hast glauben lassen, das alles wäre genauso Neuland für dich wie für mich."



Was immer sie sagte, wie auch immer sie jetzt zu erklären versuchte, dass es genauso Neuland für sie war wie für ihn - es würde nichts besser machen, noch würde es etwas ändern. Sie spürte, wie ihr all das hier entglitt und wie sie den Boden unter den Füßen verlor, während sie hier stand und es tat weh zu spüren, wie er sich immer weiter von ihr entfernte.
„Es tut mir leid“, war schließlich alles, was sie dazu sagte und schloss die Augen, weil es leichter war als gegen das Brennen darin anzublinzeln, um nicht die Fassung zu verlieren. 



"Ich weiß", beschwichtigte er, obwohl er sich nicht danach fühlte, einzulenken. Er konnte sich vorstellen, dass es schwer war, bei einer Lüge ertappt zu werden, kannte das Gefühl, nicht nur anderen, sondern auch sich selbst enttäuscht zu haben nur zu gut. "Ich weiß es ..."


Wortlos blieb sie an Ort und Stelle stehen, die Hände ineinander verschränkt, weil es leichter war als sich mit den Nägeln über die Haut zu kratzen, weil sie die Finger vor lauter Nervosität irgendwie beschäftigen musste. Sie hatte es versaut und das noch bevor dieser ganze Widerstand überhaupt begonnen hatte. Hatte Vertrauen verspielt, um das sie gebeten hatte und der Stein in ihrem Magen wuchs mit jeder einzelnen Sekunde, die sie weiter darüber nachdachte.
„Ich …“, begann sie nach einer Weile und schluckte erneut ehe sie sich umdrehte und zur Tür hinüber trat, seinem Blick ausweichend, weil sie es nicht ertrug, die Enttäuschung darin zu sehen. „… sollte nachsehen, ob Anthony schon was rausgefunden hat.“
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:01 pm

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Die eisige Kälte des Januars hatte sich verflüchtigt und aus Schnee war Regen geworden, welcher in einem unablässigen Stakkato gegen die hohe Fensterfront prasselte. Die dicken, feuchten Tropfen bildeten einen wohligen Kontrast zu der Sicherheit und Wärme, welche das warme Zimmer versprach. Die weiche Wolldecke, die bequeme Matratze, auf der Chris gebettet war.
Der große Fernseher, welcher an der Wand gegenüber von seinem Bett angebracht worden war lief, wobei sich der jüngste Fitzpatrick wohl nicht entsinnen konnte ihn angeschaltet zu haben. Er wusste ja noch nicht einmal wie er hierher gekommen war, oder wo hier überhaupt sein mochte.
Durch den diffusen Nebel seines bandagierten Kopfes drangen erst nach und nach Worte wie "Leak", "Crowley" und etwas, dass nach "Fitzpatrick" klang.
"Du bist wach..." stellte Adam fest, welcher neben Chris auf einem Sessel saß, den düsteren Blick starr auf den Fernseher gerichtet. Er sagte nichts weiter, sondern stellte den Fernseher nur noch ein Stück lauter.
"Uns erreicht gerade die Nachricht, dass dreiundisebzig amerikanische Spione aufgrund des Datenlecks enttarnt und im Großchinesischen Reich aufgegriffen wurden. Die folgenden Bilder der Exekutionen können verstörend wirken und wir empfehlen Eltern ihre Kinder nun, sollten sie vor dem Fernseher sitzen aus dem Raum zu bringen," nun war auf dem Bild ein großer Platz zu sehen. Männer und Frauen, mit Säcken über dem Kopf und Chinesen mit langen Gewehren. Kaum das der erste Schuss ertönt war, schaltete Adam um. "Wie Verteidigungsminister Fitzpatrick mitteilen ließ, wurden sämtliche Daten aus dem Verkehr gezogen. Serverfarmen wurden im Zuge der Staatssicherheit vom Netz genommen und ihre Betreiber müssen sich auf eine Anklage gefasst machen. Zwar seien keine sensiblen Daten an die Öffentlichkeit gelangt, so Fitzpatrick, dies sei jedoch ein schwacher Trost und nur dem schnellen Eingreifen von Spezialkräften zu verdanken. Während dessen steht zu vermuten, dass die Chinesen die erste Gelegenheit genutzt und so viele Daten wie möglich heruntergeladen haben, ehe sie nicht mehr zur Verfügung standen. Wie viele Datensätze genau in ihre Hände gelangen konnten, dazu gab Fitzpatrick keinen Kommentar ab. Ebenso wenig zu den Fragen bezüglich der chinesischen Kapitulation, welche am heutigen Nachmittag hätte unterschrieben werden sollen. Sicher ist mittlerweile nur der Ursache des Leaks - Rebecca Crowley, eine führende Persönlichkeit in der Homeland war es, welche die Daten offen legte. Crowley wird seitdem vermisst. Welche Konsequenzen dies für die Homeland haben wird ist noch nicht abzuschätzen. Eins ist jedoch sicher: Es wird Untersuchungen geben und die Verantwortlichen werden sich die Frage gefallen lassen müssen, wie so etwas überhaupt geschehen konnte," Adam drückte die Stummtaste und warf Chris nun einen weiteren Blick zu. "Das System, auf dem all das basierte gehörte Daniel..." meinte er leise, seine Stimme war rau - seine Augen verrieten den Schlafmangel. "Ich sagte dir doch Chris, dass unsere Familie zusammenhalten muss..."
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:15 pm

Die prasselnden Regentropfen dröhnten in Chris' wattiertem Schädel und einem ersten Impuls folgend zog er den Arm über den schmerzenden Kopf, der unablässig Schmerzintervalle durch seine Stirn sandte und einen neuen Platz fand, um ihm auf die Nerven zu gehen, als er begann zu blinzeln, weil er den Nachrichtensprecher nicht einfach ignorieren konnte, dessen Stimme den Raum flutete. Er hörte neben sich das Rascheln von Kleidung und gab nur einen unwilligen Laut von sich, als die kühle Feststellung an seine Ohren drang. Adam. War ja klar - es musste ja immer Adam sein. Als Chris Luft holen wollte, spürte er erst, dass seine Nase brannte, dass das Atmen nicht einfacher wurde, je länger er so zusammengerollt auf dem Bett lag und als er mit den Fingern darüber streifte, wurde ihm erst die Schwellung daran bewusst.
Seine Erinnerungen zogen sich nur langsam wieder zusammen und bildeten ein gesamtes Bild und je intensiver Chris versuchte die letzten Stunden zu rekonstruieren, je mehr hämmerte sein Kopf. Er war im Wagen unterwegs gewesen und irgendwo hatte er die Frau aufgesammelt. Sie war verletzt gewesen. Er erinnerte sich nicht mehr an ihren Namen, ihr Gesicht lag irgendwo im Schatten tief hinter seinem benebelten Verstand. Grummelnd drehte Chris sich auf den Rücken und verfluchte sich gleich wieder, weil das Licht in seinen Augen stach und ihn dazu zwang sich doch wieder zur Seite zu drehen und den Arm höher über die Augen zu schieben.
"... Was zur ...?"
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:29 pm

"Was zur... genau?" hakte Adam nach und warf seinem Bruder einen kurzen Blick zu.
"Meinst du die Tatsache, dass wir kurz davor sind den Krieg endgültig zu verlieren, weil beinahe jedes geheime Projekt Amerikas in die Hände der Chinesen gefallen ist und diese uns nun ausbluten lassen, oder die Tatsache, dass scheinbar Daniel irgendwie in die Sache verstrickt ist und unsere Familie damit ruinieren könnte?" er legte den Kopf schräg.
"Oder meinst du, die Hölle die losgebrochen wäre, wenn du auf das Ding hier reingefallen und nicht von uns aufgehalten worden wärst?" er hob den kleinen Pager in die Luft, welcher zuvor neben Chris auf dem Nachttisch gelegen hatte.
"Du hättest sterben können, wenn Dad nicht einen seiner Gorillas nach dir geschickt hätte."
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:38 pm

Chris hätte in diesem Moment alles dafür gegeben, dass er die Klappe hielt und die Kopfschmerzen damit nicht noch weiter verstärkte, aber wie üblich tat sein großer Bruder ihm diesen Gefallen nicht. Die ständigen Fragen und die spürbare Erwartung einer Antwort, die er ihm nicht geben wollte, reizten ihn nur noch weiter und trotzdem versuchte sich Chris an einem mürrischen
"Halt die Klappe ..." Er rechnete nicht damit, dass er Erfolg damit haben würde, aber sich aufzusetzen kam gerade überhaupt nicht in Frage. Er war ja schon damit überfordert sich an etwas in den letzten Tagen - Tagen? - zu erinnern, für Schlussfolgerungen und Reue war es eindeutig noch zu früh.
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:40 pm

"Hier," meinte Adam und hielt Chris ein Glas mit einer sprudelnden, durchsichtigen Flüssigkeit darin vor die Nase. "Trink das, hilft gegen die Kopfschmerzen. Ruh dich ein wenig aus - drück da auf den Knopf wenn du was brauchst und meine Haushälterin bringt dir alles. Ich muss jetzt los, zu einer Senatsanhörung..."
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 8:51 pm

Er wollte nicht darüber nachdenken, was hier gelaufen war und wo er sich einmal mehr hinein manövriert hatte - alles, was er wollte, war wieder einzuschlafen und diesen Tag irgendwo wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen, aus der er gekrochen war. Trotzdem richtete er sich jetzt langsam auf und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Lehne des Bettes, in dem er aufgewacht war. Fahrig tastete er nach dem Glas, das sein älterer Bruder ihm gegeben hatte und bereits bei einem kurzen Blick auf die Flüssigkeit darin wurde ihm wieder schlecht.
"Welche Anhörung ...?", fühlte er sich geneigt zu fragen, um Adam nicht ganz allein stehen zu lassen und schloss die brennenden Augenlider wieder, ein paar Mal tief durchatmend, um das Gefühl der Übelkeit wieder verschwinden zu lassen.
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 9:05 pm

"Cassandra Crowley, Rebeccas Schwester - sie arbeitet ebenfalls bei der Homeland und ist die einzige Crowley, die wir noch zu fassen bekommen...", erklärte Adam und fuhr sich noch einmal über die Haare, ehe er sich umwandte und das Zimmer verließ.

"Fürs Protokoll - ihr Name lautet Cassandra Crowley, sie sind 26 Jahre alt und haben in der Profiling-Abteilung der Homeland gearbeitet", hakte Adam noch einmal nach und betrachtete die junge Frau, welche ihm gegenüber an einem Tisch saß. Links und rechts neben Adam saßen noch jeweils zwei andere ältere Herren, ebenfalls Senatoren.
"Bevor wir mit der Befragung beginnen, möchte ich ihnen nahe legen mit uns zusammen zu arbeiten. Der Verrat von Rebecca Crowley hat nicht nur den Staaten enormen Schaden zugefügt, sondern auch das Verschwinden ihrer jüngsten Schwester in ein neues Licht gestellt...", Adam seufzte lange. "Wir sollten alle an einem Strang ziehen, damit das hier nicht in einem Desaster für alle Seiten endet."
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 9:24 pm

Cassies Blick ruhte starr auf den älteren Männern, die sich vor ihr aufgebaut hatten und sie mit kritischem Blick musterten. Die letzten Stunden waren bereits von Befragungen durchzogen gewesen, eine davon unangenehmer als die andere und sie wusste nicht mehr, wie viele Menschen sie angeschrieen hatten, damit gedroht hatten, sie zu schlagen oder ihr Schlimmeres anzutun - getan hatten sie alle nichts. Becca hatte sie hier in Teufels Küche gebracht, indem sie einfach Hals über Kopf abgehauen war ohne ihr rechtzeitig Bescheid zu geben, um noch ebenfalls verschwinden zu können - jetzt saß sie hier, vor dem Senat und musste sich für Dinge rechtfertigen, die sie nicht getan hatte.
"Ich habe nicht vor, ihnen etwas vorzuenthalten", antwortete Cassie dann mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme, auch wenn ihr Herz heftig gegen ihre eigenen Rippen hämmerte und sie sich selbst dabei ertappte, wie sie jener Nervosität beinahe Ausdruck verliehen hätte. Was hätte sie auch anderes tun sollen? Ihre beiden kleinen Schwestern waren weit weg und in größerer Gefahr, als sie es wahrscheinlich selbst annahmen. Becca hätte das alles nicht tun dürfen - sie hätte niemals so viel öffentlich machen dürfen, niemals riskieren dürfen, dass so viele Spione in China deswegen hingerichtet worden waren. Cassie sah die Bilder immer wieder vor ihren Augen, wenn sie sie schloss.
"Sie können sich meiner uneingeschränkten Mitarbeit sicher sein."
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 9:31 pm

"Das wissen wir zu schätzen Miss Crowley," Adam beugte sich ein wenig vor, stütze sich dabei mit den Unterarmen auf den Tisch. "Also Miss Crowley - hat sich ihre Schwester in den letzten Tagen merkwürdig verhalten? Gab es einen Anlass, Anzeichen, dass sie einen Verrat in solch einem Ausmaß geplant hätte?" der Blick seiner blauen Augen taktierte die Jüngere.
Natürlich hatte es sowas nicht gegeben und wenn würde die andere es wohl kaum gemerkt und dann nichts gesagt haben, aber er musste die Frage stellen und möglicherweise - nur vielleicht - etwas brauchbares zu Tage fördern. Außerdem war es nur von Vorteil sie weiter unter Druck zu setzen.
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 9:44 pm

"Sie wirkte während der letzten Tage nervös und fahrig. Es gab in der letzten Woche einen Streit mit einem ihrer Vorgesetzten, von dem sie erzählte - sie hatte einen Fehler gemacht, für den sie zur Verantwortung gezogen werden sollte. Rebecca erwähnte nicht genau, worum es sich handelte", antwortete Cassandra und lehnte sich ein Stück zurück, um wieder ein wenig Entspannung in ihre eigene Haltung zu bringen, dem Blick des anderen nicht ausweichend. Becca führte ihr eigenes Leben, unabhängig von ihrer Familie - genauso wie es der Rest ihrer Familie es nach dem Tod ihres Vaters getan hatte. Anna war ins Militär gegangen, Becca und sie hatten sich in ihre Arbeit vergraben und ihre Mutter hatte einen neuen Mann gefunden, der ebenfalls ermordet worden war.
"Nichts, was Misstrauen erregt hätte. Sie äußerte sich nicht negativ über die Regierung, noch erzählte sie etwas von neuen Freunden oder verschwand für einige Zeit. Das Profil eines typischen Terroristen passt nicht zu meiner jüngeren Schwester."
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 10:02 pm

"Verstehe," antwortete Adam und machte sich einige Notizen. "Wir werden jede Hilfe brauchen die wir bekommen können. Wenn sie weiterhin für uns arbeiten wollen, werden sie umziehen müssen. Eine neue Identität annehmen. Ihr jetziges Leben ist verbrannt - ihr Name und ihr Gesicht den Feinden bekannt. Wir müssen einen Großteil der ehemaligen Arbeiter entlassen. Nur die wenigsten können wir mitnehmen. Im Moment werden mehrere liquidierungen an beobachteten Zielen durchgeführt - wir können ihre Beobachtung nicht mehr abschließen, wenn sie wissen, dass unser Blick auf ihnen liegt..." Adam tippte nervös mit dem Kugelschreiber auf den Tisch.
"Außerdem würde ich ihnen raten den Leichnam ihres Vaters in ein namenloses Grab umziehen zu lassen. Der Name ihrer Schwester wird durch die Medien posaunt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis es zu Grabschändungen kommt. Der Hass wird tief sitzen. Ihre Schwester ist momentan der meist gehasste Mensch Amerikas..."
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 10:12 pm

Cassandra sog scharf die Luft ein und biss sich hart auf die Unterlippe, um jeden weiteren Laut für sich selbst zu behalten und den anderen nicht noch mehr Angriffsfläche zu geben. In ein namenloses Grab ... alles, wofür ihr Vater gestanden hatte, all seine Vorschläge - der Resurrection Act, mit dem er die Soldaten hatte wieder heimholen wollen, die dort unten an der Front ihr Leben riskierten. Alles würde umsonst sein. Das, wofür er gestorben war und wofür er seinen Namen gegeben hatte - alles nichts mehr wert, weil ihre kleine Schwester eine Sekunde zu wenig über all das nachgedacht hatte. Cassie ballte eine Hand zur Faust unter dem Tisch und zwang ihren Atem wieder zur Ruhe, auch wenn sie am Liebsten losgeschrieen hätte. Das alles war nicht richtig - ihr Vater hatte das nicht verdient und sie wollte sich gar nicht erst ausmalen, was ihre Schwestern davon halten würden, wenn sie erfuhren, dass sie dem zugestimmt hatte.
"Gut", stimmte sie nach einer ganzen Weile tonlos zu und schlug die Augen nieder. Ihr blieb nicht mehr viel übrig, außer den Versuch zu starten ihren Familiennamen wieder reinzuwaschen und dafür würde sie mitspielen müssen. All die Dinge fallen lassen, an denen sie bislang gearbeitet hatte und mit derer Hilfe sie gehofft hatte, herauszufinden, was in Deutschland passiert war. "Ich werde alles in Auftrag geben." Es fühlte sich nicht richtig an, was sie hier tat. Die Last auf ihren Schultern wog schwer und Cassie wusste, dass sie ein Stück in sich zusammen gesunken war.
"Ich will weiterhin arbeiten." Was auch immer das noch für sie bedeuten würde.
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Mo Jan 30, 2017 10:20 pm

"Gut... gut," antwortete Adam, dessen gequälte Gesichtsausdruck eher schlimmer als besser geworden zu sein schien. "Dann wäre da noch etwas Miss Crowley... Cassandra", seine Stimme nahm einen anderen Ton an, als er unter den Blicken seiner beiden Kollegen aufstand und den Tisch umrundete, ehe er sich gegen den ihren lehnte.
Als gerade einer der Senatoren etwas sagen wollte, warf ihm Adam einen Blick zu, der den anderen sofort zum Schweigen brachte.
"Ihre Mutter wurde heute morgen in eine Nervenheilanstalt gebracht. Sie hatte einen Zusammenbruch - der Tod ihres zweiten Ehemanns, Rebeccas Verrat. Sie schien das alles nicht verkraftet zu haben. Ich will ehrlich zu dir sein Cassandra. Das Geld deiner Familie reicht kaum mehr für ein halbes Jahr Behandlung und du wirst mit der neuen Identität kein Geld zur Verfügung stellen können. Nach einer längeren Diskussionen habe ich schließlich beschlossen, dass ich persönlich für die Pflege deiner Mutter aufkommen werde. Das ist das mindeste, was ich für deine Familie tun kann. Nach, nun... alledem", er nickte knapp und machte eine fahrige Handbewegung.
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Cat



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 8:51 pm

Cassie hatte immer erwartet, dass sie in einer Situation wie dieser am Boden zerstört sein würde. Dass sie weinen würde, schlucken müsste und aufspringen würde, um fluchtartig den Raum zu verlassen, aber sie fühlte nicht mehr das Ziehen in ihrem Magen. Nichts mehr von dem Kloß in ihrem Hals war übrig geblieben außer dem dumpfen Rauschen ihres Blutes in ihren Ohren, das sie gerade jetzt erschreckend laut darin hörte und unter das sich nur leise noch Adams Stimme mischte. Sie nickte geistesabwesend und formte ein knappes "Danke", zu dem sie sich genötigt fühlte, weil sie die Blicke der anderen Senatoren auf sich ruhen spürte. Eine Gänsehaut zog sich über ihre Arme, ließ sie frösteln und die Ärmel ihres Pullovers weiter über die schmalen Handgelenke ziehen, als ihr Verstand auf Autopilot umschaltete, um sich nicht weiter mit dem beschäftigen zu müssen, was hier gerade vor ihren eigenen Augen zerbrach.
Aus ihrer Familie war nicht mehr als ein Scherbenhaufen geworden. Ihr Vater in ein namenloses Grab umgebettet, ihre Mutter mit einem Nervenzusammenbruch in einer Psychiatrie, ihr Stiefvater ermordet von einem nicht gefassten Mann, ihre kleinste Schwester entführt von ein paar Rebellen und die andere Schwester auf der Flucht als meist gehasster Mensch Amerikas. Sie selbst saß hier vor einem Senatsausschuss und würde ihren Namen ablegen müssen, ihre Freunde hinter sich lassen müssen und alles, woran sie noch hätte sonst festhalten können. Sie verbarg die zitternden Hände, indem sie sie einfach im Schoß unter der Tischplatte ruhen ließ.
"Gibt es noch weitere Fragen?"
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Yannic



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 9:04 pm

"Allerdings, da wäre zum Einen," mischte sich einer der Senatoren ein, welcher zuvor die meiste Zeit still gewesen war, doch Adam brachte ihn mit einem kurzen Handwink zum Schweigen. "Es gibt noch Fragen, allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Gehen sie nach Hause, aklimatisieren sie sich und bleiben sie jederzeit für uns erreichbar. Ich muss sie allerdings darauf hinweisen, dass sie die Stadtgrenzen nicht verlassen dürfen, bis wir uns wieder bei ihnen melden..." erklärte Adam und stieß sich von dem Tisch ab, zog noch einmal seine Weste zurecht.

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Anthonys Hände zitterten noch immer, während er versuchte irgendwie an die Funkfrequenz zu kommen, auf welche der Wagen eingstellt gewesen sein musste, welcher heute morgen nicht mehr neben den anderen gestanden hatte. Statt dem weißen SUV hatte nur eine große Lücke zwischen den anderen beiden Wagen geprangt und Anthony hatte nicht lange raten müssen wer den Wagen genommen hatte.
Der Streit zwischen Anna und Elias war im halben Gebäudetrakt hörbar gewesen und so wie es schien war Anna nun aufgebrochen um nach Chris zu suchen, welcher noch immer nicht bei ihnen angekommen war. Anthony hatte sich auf die Suche konzentriert, hatte gehofft er würde Anna so bald wie möglich anfunken und neue Informationen durchgeben können, ehe... dieses ganze Chaos geschehen war. Als er schließlich den kurzen Signalton hörte, der seinen Erfolg beschied griff Anthony zitternd nach dem Funk. "Anna! Anthony hier! Hör mal, ich weiß nicht was du dir dabei gedacht hast. Aber du musst sofort zurück! Anna! Du musst SOFORT zurück kommen! Hier ist die richtig große Scheiße am Dampfen! Anna.. nein, nein du hörst mir zu... was? Nein. Anna, ich... ich habe hier Akten über den Mord an deinem Vater! Komm sofort zurück!"
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Jul



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 9:26 pm

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Mit einem Glas voll Whisky stand er in seinem Büro vor dem Panoramafenster und blickte hinab auf die durch die vielen Lichter erhellte Stadt, die vor ihm lag. Der Regen prasselte auf der Scheibe ab und hinterließ Tropfen auf dieser, in welchem sich sein Abbild spiegelte. Es war leer und leise. Kein einziges Gerät war an diesem Tag im gesamten Gebäude an. Die PC's in seinen Büros wurden beschlagnahmt und wurden erst einmal untersucht. Daniel hatte niemals damit gerechnet, dass sein System mal gehackt wird. Dennoch geschah es vor ein paar Wochen. Ihm war klar, dass er nun Vorsichtig seien musste, mit dem was er tat. Wenigstens konnte er schon einmal dafür sorgen, dass die Prototypen, die er Elias gab aus allen Listen verschwanden. Mit einem seufzen ließ er sich auf seinem Bürostuhl fallen und blickte in das leere und dunkle Großraumbüro. Er war allein. Ihm war nicht klar, was er jetzt noch tun konnte. Daniel hoffte wirklich, dass bald alles wieder so war wie früher. Auch wenn er wusste, dass es nicht mehr so seien würde. Alle großen Leute, mit denen er im Vertrag stand, würden diese zerreißen. Der Programmierer musste wieder bei Null anfangen. Seine Arbeit war nun zerstört. Zweifel kamen in ihm auf. Seine beste Programmiererin meldete sich nicht mehr. Vielleicht war es momentan auch besser so. Denn so wie es momentan um ihn stand, konnte er mit seinen Plänen nicht fortschreiten. In den letzten Tagen, während er mit seinem Zweithandy abgehört wurde und bevor all seine Systeme beschlagnahmt wurden, telefonierte er mit weiteren Mitstreitern, die er kennen lernte. Darunter waren nicht nur Programmierer, sondern auch Ex-Soldaten oder andere, die einmal für Regierung arbeiteten, ihr jedoch den Rücken zu drehten. Jedoch musste er die Anrufe abbrechen und nannte ihnen nur ein Code Wort, ‚Amo‘. Nicht mehr nicht weniger.
Er blickte hinab, auf das, was ihm noch geblieben war. Sein Laptop aus Collegezeiten. Langsam betätigte Daniel den Einschalter und der Alienkopf vorne, fing an zu leuchten und vor ihm auf dem Bildschirm, startete Windows. Wenigstens hatten sie ihm seinen Schatz nicht genommen. Schließlich war er auch irgendwo in seiner Wohnung. Mit einem Kabel verband er das Handy mit dem Laptop und spielte wichtige Daten, auf das Zweithandy über. Es waren Daten über wichtige Serverknoten, Informationen, über die anderen Anonymous. Um sicher zu gehen, dass er wirklich sicher war, sorgte er dafür, dass er Informationen über die anderen hatte, damit er auch ja die richtigen Leute hatte und keine schwarzen Schafe dabei waren, die alles verraten könnten. Nachdem er das ganze erledigt hatte, zog er das Handy heraus und schloss einen USB-Stick an. Nach wenigen Sekunden, war der Laptop zerstört und die Festplatte vollkommen leer. Müde klappte er diesen zu, stand auf, schnappte sich seine Autoschlüssel und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten in die Garage mit seinen vier Autos. Er musste hier weg. Nur für ein paar Stunden, frische Luft genießen und nachdenken. Nach einer langen Fahrt stieg er aus seinem Wagen aus und setzte sich auf die Zuschauerbänke, des Baseballstadions, in welchem er früher einmal spielte. Wobei Stadion vielleicht doch etwas übertrieben war. Schließlich war es die Arena von seiner alten High School. Immer wenn er über etwas nachdenken musste oder nicht zu erreichen war, befand er sich hier. Oft genug, entfloh er dem Chaos im Hause der Fitzpatricks.
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 9:45 pm

"Danke Stuart, von hier an komme ich alleine klar..." Adam wandte sich von dem großen schwarzen SUV ab, welcher ihn zu der Highschool-Arena gebracht hatte und trat durch den großen Eingang. Das Licht auf den Fluren war kaum mehr als ein diffuses Glimmen alter Leuchtstoffröhren, die ihre besten Tage schon hinter sich hatten.
Als Adam schließlich den alten Block betrat und Daniel hoch oben in der Mitte der Tribüne sah spielte sich ein knappes Lächeln um seine Lippen, während er langsam die Treppe nach oben stieg.
"Ich dachte mir schon, dass du hier bist Bruderherz..." rief Adam ihm zu und erklomm langsam die Treppen. "Es hat dich immer hierhin gezogen wenn du Mist gebaut hast. Und Hallelujah, diesmal du sitzt bis zum Hals in der Scheiße."
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Jul



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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 9:52 pm

Daniel hatte für seinen älteren Bruder nur ein müdes Lächeln übrig. Dennoch musste er bei seinen Worten bitter anfangen zu Lachen, "Natürlich sitze ich in der Scheiße Adams..." Der Programmierer blickte hinauf in den Nachthimmel und seufzte, "Weißt du... ich glaube, dass ist wirklich das aller erste Mal in meinem Leben, wo ich nicht weiß, wie es weiter geht."
Wohl wirklich zum ersten Mal, schaute er hilfesuchend zu seinem Bruder, "Was soll ich deiner Meinung nach tun?"
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Di Jan 31, 2017 9:59 pm

"Du solltest der Regierung alles offen legen was du hast," antwortete Adam und blieb eine Reihe unter Daniel stehen, betrachtete den anderen eine ganze Weile. "Damit könntest du wohl den größten Schaden abfedern. Nichts desto trotz wird dich das natürlich die Firma kosten und all jene, die mit in der Sache stecken ebenfalls..." Adam klopfte seine Taschen ab, nahm eine Zigarette daraus hervor und drehte diese. Er rauchte normalerweise nicht, aber dieses mal schien ihm das vertretbar.
Mit einem kurzen Klappen seines Zippos zündete er den Tabak an, nahm einen tiefen Atemzug und reichte die Zigarette dann zu Daniel.
"Unsere Leute haben herausgefunden, dass einer deiner Angestellten den ersten Hack gestartet hat. Und auch der Leak war nur aufgrund eines Fehlers in deinem System möglich, welches alle Sicherheitsmaßnahmen umgehen konnte", Adam schüttelte den Kopf.
"Die werden dich dafür verantwortlich machen kleiner Bruder... ich weiß nicht was du dir dabei gedacht hast, aber das Ansehen der ganzen Familie wird darunter leiden..." Adam schloss für einen Moment die Augen. "Wenn du also wissen willst, was du meiner Meinung nach tun sollst? Spring vor einen Zug - vermach dein Geld irgend einem wohltätigen Zweck und die Sache wird zumindest für die Familie ein kurzes Ende haben."


Zuletzt von Yannic am Fr Feb 03, 2017 8:16 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Vierter Akt - Formation   Do Feb 02, 2017 6:42 pm

Mit flauem Gefühl im Magen und den Vorwürfen im Kopf, die sie sich selbst machte, weil sie so Hals über Kopf aufgebrochen war, hatte Anna den Wagen gewendet und war wieder zurück zum Krankenhaus gefahren, in dem sie vor einigen Tagen Unterschlupf gefunden hatten. Anthony hatte sie noch rechtzeitig wieder kontaktiert, bevor sie rüber auf den Highway abgebogen war und hätte seine Stimme nicht so unglaublich panisch geklungen, war sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt umgedreht hätte. Jetzt hatte sie die dicke Jacke unten im Wagen gelassen und hatte die Sicherheitsschleusen hinter sich gebracht, die Anthony gemeinsam mit Shane errichtet hatte, um ihnen wenigstens das Gefühl von Sicherheit vorzutäuschen. Jeder von ihnen wusste, dass es die Regierung nicht aufhalten würde, wenn sie sie hier fänden.
Der Weg in den Serverraum, den Anthony zu seinem eigenen Quartier auserkoren hatte, war ihr niemals so lang vorgekommen, wie in diesem Moment, in dem sie Gang um Gang hinter sich brachte. Der Mord an ihrem Vater ... der Gedanke an ihn schmerzte, als hätte sie erst gestern an seinem Grab gestanden und weiße Blumen hinein fallen lassen. Es war etwas mehr als fünf Jahre her, dass er jetzt tot war und gerade in Momenten, wie diesen hier, wünschte sie sich seinen Rat. Das warme Lächeln und die Versicherung, das alles wieder gut werden würde - Worte, denen sie blind geglaubt hatte.
Genau das war es auch, was diese kleine Gruppe hier brauchte. Jemanden, an den sie glauben konnten und Anna verfluchte Elias in Gedanken dafür, dass er alles so einfach abgewiegelt hatte. Sie waren keine Soldaten mehr, sie würden nur wenige Angehörige des Militärs wieder finden, die sich ihnen anschließen würden und es war besser, sie begannen sich früher als nötig daran zu gewöhnen.
Kopfschüttelnd schob sie die Gedanken wieder bei Seite und schob die Ärmel ihres Shirts bis zum Ellenbogen nach oben, weil der durch die Reise malträtierte Stoff an ihren Handgelenken kratzte und pustete sich eine dunkle Strähne aus dem Gesicht. Anthony. Er hatte neue Informationen und sie waren wichtig genug, um ihm ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Als sie die Tür zum Serverraum öffnete, brauchten ihre Augen eine Weile bis sie sich an das Halbdunkel hier gewöhnt hatten. "Na Fledermaus?", begrüßte sie ihn mit einem schiefen Lächeln, das wieder verschwand als sie die Sorgen auf seinem Gesicht ausmachen konnte. "Doch so schlimm also", stellte Anna fest und auch ihre Züge verhärteten sich wieder. "Was hast du rausgefunden?"
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