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Re: Kapitel 3

am Fr Jun 16, 2017 10:22 pm
"Ich hab dich Eimer tragen sehen, du willst darauf keine wirkliche Antwort haben", folgte es zuerst noch bevor ihre Ernsthaftigkeit ihn beinahe dazu brachte, erneut leise zu seufzen als er ihr Gesicht noch einmal musterte und dann schließlich nickte.
"Also - worum geht es? Wobei brauchst du Hilfe?"
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Re: Kapitel 3

am Fr Jun 16, 2017 10:26 pm
"Nicht schlimmes!", wehrte sie ab und zuckte verlegen mit den Schultern. "Aber es könnte hier zum Problem werden, also ... abgesehen davon, dass ich angeblich aus dem ersten Stock gesprungen bin und dachte, ich könnte fliegen ..." sie atmete tief durch, bevor sie fortfuhr "Ich kann nicht höher gehen. Ich traue mich kaum die Treppe zu Chadim hinauf zu steigen, wenn ich nicht direkt an der Wand bin."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 3:45 pm
Es war dunkel kühl unter dem Boden des Gasthauses, während Sige sich durch den Schlamm robbte, der sich aus dem Sand des Bodens und den verschütteten Getränken der Taverne ergab. Das „Haus zur singenden Viper“ war eine der besseren Gaststätten im schlimmsten Teil der Stadt und nicht selten kehrten auch reichere Männer hier ein und aus, prahlten mit dem Geld das sie als Söldner verdient hatten und erzählten Geschichten über den Krieg. Sige interessierte sich nicht sonderlich dafür, was die großen Sprachen sondern suchte unter dem Gasthaus, dass als Maßnahme gegen Ungeziefer auf Stelzen gebaut war, nach Münzen die aus Taschen gekullert und dann durch die Schlitze des Bodens in den Schlamm gefallen waren. Er hatte bereits drei Kupferstücke gefunden – ein guter Fang für den heutigen Tag. Dennoch graute es ihm vor dem Tag an dem er zu groß werden würde um sich durch den engen Spalt zu quetschen. Er war bereits sieben Jahre alt und schon heute was es ihm schwer gefallen durch den Morast zu kriechen…
„DAS IST ALLES?“ schrie ihn Faust an und der große, beinahe fünfzehnjährige Junge hob drohend die Faust der er seinen Namen verdankte. Faust war der Anführer der Gossenhunde – einer kleinen Gruppe von halbwüchsigen, denen die Straßenkreuzung an der Maraldiecke gehörte und damit auch der Zugang zu der Kanalisation in diesem Stadtteil. Dem einzigen Ort an dem ein Straßenkind schlafen konnte, wenn er nicht nachts ausgeraubt, totgeprügelt oder von Häschern geschnappt werden und in eines der Freudenhäuser gebracht werden wollte. Sige hatte einst einen Freund gehabt, der die Aussteuer von Faust nicht hatte bezahlen können und deswegen eine Nacht auf der Straße hatte schlafen müssen. Sige hatte ihn erst Wochen später wieder gesehen – in einem Hinterhof, in einem grauen Mädchenkleid steckend, dass sich unter der Gürtellinie leicht rot verfärbt hatte. Sige hatte nie wieder mit ihm gesprochen. „Nein Faust.. ich…. Ich finde noch mehr es ist nur eine.. ich meine. Du kannst die drei Kupfer haben! Ich bringe dir die restlichen vier noch ehe die Sonne untergeht!“ Faust rümpfte die Nase, nickte aber und gab Sige noch einen Tritt, während er davon stürmte.
Vier Kupferstücke. Woher in aller Welt sollte er denn vier Kupferstücke bekommen? Fausts Preise waren Wucher, aber ihm gehörten die Gossenhunde und den Gossenhunden gehörte die Ecke am Maraldiplatz. Er musste sein Glück garnicht noch einmal an der Taverne versuchen, dort hatte er für den heutigen Tag alles abgegrast. Ihm blieb also nur eine einzige Möglichkeit: Er musste stehlen. Doch stehlen war gefährlich. Sige hatte bereits Jungen in seinem Alter gesehen, die einem Kauffmann seinen Beutel gestohlen hatten und dabei erwischt wurden. Nicht wenige waren tot geprügelt worden oder – was noch schlimmer war – der Stadtwache übergeben worden und sie hatte man nie wieder gesehen. Der Tod war nicht schlimm, dass wusste Sige. Dann war es vorbei. Doch das Leben hatte andere Grausamkeiten für einen parat und dennoch wollte Sige nicht sterben. Also musste er Geld besorgen – und das rasch.
Er hatte den Mann recht bald ausgemacht – ein hagerer Kerl in schmutziger Kleidung mit einem kleinen Beutel an der Hüfte. Er hinkte ein wenig und würde daher ein leichtes Ziel sein. Wie eine Katze schlich sich Sige an den Mann heran, ehe er ein geschärftes Stück Metall hervor zog und den Beutel mit einem heftigen Ruck abtrennte. Er sah noch nicht einmal hinter sich als er losrannte – den Beutel in der Hand und wie ein Kaninchen haken schlagend durch die engen Gassen der Stadt. Er war hier aufgewachsen und er kannte in seinem Viertel jede Gasse und jede Spalte ganz genau. Er musste nur noch einmal nach links und dann – ihm wurde die Luft aus den Lungen gequetscht als ihn etwas hartes am Rücken traf und er der Länge nach auf dem Boden aufschlug. Er schmeckte Blut in seinem Mund, da er sich auf die Zunge gebissen hatte und der Geldbeutel flog ihm aus der Hand. Er wagte kaum aufzusehen, als der Mann sich von ihm erhob und nach der Geldbörse griff, ehe er ihn mit einem tritt in die Seite umdrehte. Sterne explodierten vor Sirges Augen und er blinzelte in die helle Nachmittagssonne. „Du bist mutig Junge,“ tönte die Stimme des Mannes schneidend wie ein eisiger Windhauch. „Und ziemlich schnell. Leider nicht schnell genug…“ der Mann betrachtete Sige und rümpfte dann die Nase. „Eine Gossenratte… sag Junge. Hast du Eltern?“ Sige schüttelte schmerzverzerrt den Kopf, ehe er auch nur auf die Idee kam das es vielleicht besser gewesen wäre zu lügen. Wenn er so getan hätte als gäbe es jemanden der sich um ihn sorgte, der nach ihm suchen würde wenn er nicht mehr wieder kam. Aber dafür war es zu spät und seine Lüge wäre wohl auch nicht gut gewesen. Niemand sorgte sich um Gossenratten. Sie hatten keine Eltern. Manchen in der Stadt behaupteten sogar, dass sie auch keine Mütter und Väter gehabt hätten. Das sie nur aus den Sünden und dem Dreck der Menschen in dieser Stadt entstanden wären. Eine Plage um gut arbeitende Bürger zu quälen. Sige glaubte es mittlerweile beinahe. „Komm mit Junge!“ es war ein Befehl, keine Bitte und selbst wenn Sige dagegen protestiert hätte, hätte es ihm doch nichts genützt als der Mann ihn sich über die Schulter warf wie einen nassen Sack.
Er verstand nicht wo er war, während er sich in dem großen Innenhof umsah in welchem einige andere Jungen in seinem Alter gerade dabei waren zu laufen. „Das hier ist deine neue Heimat“, erklärte der drahtige Mann und betrachtete den Jungen. „Du bist der siebte Junge den wir diesen Monat aufgelesen haben. Sieben heißt Septim in dem Dialekt der alten Ostländer. So wirst du ab heute heißen!“ Sirge runzelte die Stirn. „Aber ich habe bereits einen Namen – ich heiße Sirge!“ der Mann schlug ihn. Schlug ihn hart und schlug ihn heftig. „Sirge die Gossenrate ist tot. Sie ist draußen in den Straßen verreckt als sie glaubte einen Hashashin bestehlen zu können. Du bist Septim – das ist alles was du bist. Eine Nummer. Ich glaube nicht, dass du das nächste Jahr überleben wirst. Aber einen Versuch ist es wert. Du bist schnell, vielleicht überraschst du mich ja.“

Septim schreckte aus dem Schlaf als es an der Tür klopfte. Aus dem Schlaf? Der alte Assassine rieb sich die Augen. Verdammt – er war über seinen Schriften eingeschlafen. Das war ihm ja noch nie passiert. Sowas durfte nicht geschehen. Erneutes Klopfen und Septim zupfte sich an der Hakennase, versuchte sich in das hier und jetzt zurück zu bringen. „Herein!“ antwortete er schließlich nach dem dritten Klopfen, als er wieder richtig wach war und erblickte Ari, der die Tür öffnete. „Hallo Ari. Was kann ich für dich tun?“
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 4:50 pm
Der Anführer der Assassinen hatte eben noch geschlafen und dass direkt über seinem Buch. Das erkennen eben dieser Tatsache war für den Lehrling recht einfach, da ihm selbst dies mehrmals passiert war, wie auch jedem seiner Freunde an der Universität. Und der leicht irritierte Blick den man hatte, wenn man mit geschwungenen Buchstaben vor den Augen aufwachte, war einzigartig und wenn man ihn kannte unverkennbar. Selbst Assassinen schienen dies nicht verdecken zu können. „Hallo Meister Septim“, grüßte er den ihn und nickte kurz, hielt den Kopf der Höflichkeit halber ein paar Sekunden unten. „Ich komme wegen dem, was heute morgen geschehen ist.“ Er machte ein paar Schritte auf den anderen zu, wagte es jedoch nicht sich ohne Einladung dazu zu setzen. „Ich konnte den Mann mit den Narben ihm Gesicht leider nicht finden, sonst wäre er der Erste gewesen bei dem ich mich entschuldigt hätte. So aber seid ihr jetzt der, der es als Erster von mir hört. Mein Betragen war dumm und rebellisch. Und nicht die gute Art von rebellisch“, er schmunzelte kurz, sah dann aber wieder ernst drein. „Wobei, mehr bockend, trotzig. Jedenfalls habe ich verstanden, dass ihr mich nur schützend wolltet und nicht gängeln, wie ich es zuerst auffasste. Es tut mir leid das ich falsch von euch dachte. Und es tut mir leid dass ich eure Gastfreundschaft nicht gewürdigt habe. Und die Hilfe, die ihr mir hier zuteil werden lasst.“
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:26 pm
"Du konntest den Mann mit den Narben nicht finden weil er tot ist Ari," erklärte Septim leise und mit einer Stimme bar jeder Emotionen. "Du hast seinen Fuß verletzt - er wird nie wieder gehen können. Nie wieder auf Dächer steigen und seine Aufgaben erfüllen können. Er war für die Bruderschaft nicht mehr von nutzen und wäre sein Leben lang ein Krüppel geblieben. Es war eine Gnade ihn vor solch einem Leben zu bewahren, zu dem du ihn verdammt hättest." Septim beobachtete das Gesicht des Jungen, das von Entsetzen zu Bestürzung wanderte und beugte sich dann nach vorne. "Ich habe gelogen. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut und er wird im Haus der Heilung versorgt wo sie mehr Möglichkeiten haben als wir hier - aber es hätte geschehen können. Hättest du ihn im Sprunggelenk getroffen oder dort wo Fuß und Bein ineinander übergehen wäre es zu diesem Szenario gekommen. Das ist es nicht - und ein hätte, wäre, könnte wird in dieser Bruderschaft nicht erlaubt. Was ich dir sagen will ist, dass du mit den Konsequenzen deines Handelns leben musst. Genauso wie ich mit meiner - ich habe dich dazu getrieben. Also ist es genauso meine Schuld wie deine. Ich habe dir nicht verständlich machen können wie dieser Orden funktioniert. Und ich war..." er dachte für einen kurzen Augenblick an seine eigene Lehrzeit zurück, "ungeduldig mit dir. Das will ich wieder gut machen."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:35 pm
Emerson brauchte einen kurzen Moment bis ihm bewusst wurde, was Faye ihm da gerade sagen wollte und eine Sekunde lang wusste er nicht, ob er darüber lachen sollte oder nicht. Die Luftmagierin hatte Angst vor der Höhe, weil sie sich plötzlich nicht mehr mit Magie davor bewahren konnte zu fallen - es war beinahe ironisch, dass sie jetzt das kennenlernte, was gewöhnliche Menschen ihr ganzes Leben schon kannten.
"Ich würde sagen, dann lernen wir jetzt erst einmal klettern", teilte er amüsiert mit und musterte Fayes blasses Gesicht. "Ich könnte ja sagen, ich schubs dich einfach und schau mal, ob deine Magie dann wieder funktioniert, aber ehrlich gesagt, möchte ich es nicht ausprobieren."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:37 pm
"Klettern? Hast du mir eben nicht noch gesagt, du hast mich Eimer schleppen sehen? Glaubst du ernsthaft, ich käme mehr als einen Meter vom Boden weg ...?", hakte sie etwas vorsichtig geworden nach, weil Emerson ansonsten wohl doch die zweite Idee nehmen würde, die sie eher als nicht so optimal empfand.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:38 pm
"Punkt Eins ist, du willst etwas gegen deine Höhenangst unternehmen und um in die Höhe zu kommen müssen wir leider erst einmal klettern und Punkt zwei ist, dass du die Kraft in den Armen ohnehin zur Verteidigung brauchst, also gehen wir jetzt runter in den Hof und du wirst klettern lernen. Wir arbeiten uns einfach von kleinen Höhen zu größeren vor."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:41 pm
"Treppen?", schlug sie vor und bereute, ihm davon erzählt zu haben, wusste aber im gleichen Moment, dass Septim nicht so zimperlich mit ihr sein würde, sie dort geschweige denn auf groß Verständnis hoffen konnte. Aber obwohl sie nicht begeistert war, folgte sie Emerson durch die Gänge und zwischen den Säulen des Innenhofes entlang zu den großen, alten Balken, an denen die Novizen das klettern übten. Normalerweise sah sie hier die Jüngsten, alles was ab vierzehn aufwärts war. Manchmal waren kleinere Gruppen aus den Nebenhäusern gekommen, die siebenjährigen, die das hier erkraxelten, als wäre es nichts. Kleine eingelassen Haken und Vorsprünge erleichterten das Vorankommen, aber für Faye sah es wie ein Labyrinth aus.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:47 pm
Noch immer amüsiert von der Panik, die ihr ins Gesicht geschrieben stand, schob er sie mit einer Hand nach vorn und deutete auf einen der eingelassenen Haken. Das letzte Mal, als er selbst hier geklettert hatte, war bereits Jahre her - er selbst war damals nicht älter als neun gewesen, ganz kurz bevor Septim ihn mit ins Haus der Heilung genommen hatte, um den ersten Todkranken zu ermorden. "Die Höhe ist gar nicht so sehr das Problem", begann er zu erklären und griff nach Fayes Hand, um sie an einen der Haken zu legen. "Halt dich fest", forderte er sie auf.
"Sondern die Angst davor zu fallen und das Problem, dass du deinen eigenen Fähigkeiten nicht vertraust. Du hast das hier unter Kontrolle - dein Körper bewegt sich nicht außer du willst es. Zieh dich hoch", fügte er hinzu und schmunzelte. "Wenn du da oben auf den Dächern stehst, ist das ein Gefühl von Freiheit. Etwas, das nur dir gehört."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:49 pm
Er wollte bereits widersprechen und sagen, dass es nichts gutzumachen gab. Doch vielleicht sollte er schon da ansetzen: er hatte inzwischen gesehen wie wichtig der Bruderschaft bestimmte Verhaltensweisen und ihr Leben nach dem Kodex waren. Wenn diese Wiedergutmachung ein Teil davon war, würde er mit dem absprechen wieder nur eine erneute Beleidigung aussprechen. „Ich danke euch“, meinte Ari daher nur, nickte erneut und faltete dann die Hände. „Und ich werde meine Strafe ohne Widerrede antreten, dass verspreche ich. Ebenso wie den Respekt euren Bräuchen und eurem Kodex gegenüber. Zumindest soweit ich ihn auslegen und verstehen kann.“
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:49 pm
"Wenn ich da oben stehe und schwanke, falle ich runter und bin platt - der Schrei und die Sauerei ziehen vermutlich noch mehr Aufmerksamkeit auf sich, als die Rauchschwaden", gab sie zurück und griff nach dem Haken. Noch stand sie sicher auf dem Boden, das war nicht das Thema. Und ihr Körper bewegte sich nicht? Hatte Emerson eigentlich schon mal was von der Erdanziehungskraft gehört? Sie würde runterfallen, unweigerlich, ob sie wollte oder nicht, weil sie sich nicht ewig an der Wand festkrallen konnte wie eine Fliege.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:51 pm
"Du wirst nur fallen, wenn du dich selbst überschätzt, Faye, und jetzt zieh dich hoch und halte dich."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:52 pm
"Setz dich," erklärte Septim und deutete auf den Stuhl vor sich. "Der Rat hat beschlossen, dass Faye hier bleiben und eine Schwester des Geistes sein wird. Du bist ihr Schüler, das bedeutet dass auch du hier bleiben wirst. Und wenn du hier bleibst, bedeutet das, dass du auf die eine oder andere Weise ein Teil des Ordens wirst - wenn auch kein Assassine. Aber das bedeutet auch, dass du uns verstehen musst."
Septim wartete, bis sich der Jüngere gesetzt hatte und betrachtete ihn. "Du bist ein kluger Kopf - du hast die drei Regeln mit Sicherheit bereits aufgeschnappt, die hier gelten. Zähle sie mir auf."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 5:53 pm
Sie wollte zetern, sie wollte davonlaufen, aber die Varianten hatte sie durch und Emerson schien nicht gerade angetan davon zu sein, also biss sie die Zähne zusammen und hangelte sich hoch. Erstaunlicherweise ging das viel leichter, als nur verdammte Eimer zehn Minuten mit ausgestreckten Armen oben zu halten. Es war vielleicht ein halber Meter, den sie nun über dem Boden war - absolut in Ordnung. Sie konnte den Boden sehen, er war in sprungweite. Das konnte sie. Eine ganze Weile klebte sie da so an ihrer Stelle, besah sich den Boden, sah nach, wo ihre Hände als nächstes landen konnten.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 6:01 pm
Ari verzog den Mund und kaute auf der Unterlippe, während er sich verbissen versuchte an die drei Gebote zu erinnern, die er zum ersten Mal in dem kleinen Raum gehört hatte – ebenfalls von Septim. „Der erste Grundsatz – oder besser das erste Gebot besagt das man denen nichts tun soll, die unschuldig sind. Oder nein, besser gesagt die nicht involvierten zu achten. Der zweite sagt aus das man im Schatten agieren soll. Wobei nein, Schatten sagt nur eine bestimmte Verhaltensart aus die nicht immer zutrifft oder?“ Ohne das Septim antwortete, grübelte Ari weiter. „Nein, es geht mehr um allgemeine Diskretion. Genau. Und das dritte Gebot gilt der Bruderschaft. Sie ist zu schützen und nicht in Gefahr zu bringen, egal auf welche Art und Weise.“ Tatsächlich fiel es ihm erstaunlich schwer dies wiederzugeben, was vermutlich daran lag, dass er fast nie aufmerksam zugehört hatte wenn er an ein paar Novizen vorbei gelaufen war. Etwas das ihn jetzt wo er es feststellte erschreckte und was er definitiv ändern musste und würde.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 6:05 pm
"Genau. Das sind die drei Regeln, die besagen wie wir Assassinen handeln sollen, die eine Richtlinie sein sollen. Doch wenngleich sie auch zu achten sind, so gibt es noch etwas wichtigeres als die drei Regeln - und das ist das Kredo." Er betrachtete Ari eine ganze Weile, so als wollte er abschätzen ob der andere es Wert war dieses ebenfalls anvertraut zu bekommen.
"Das Kredo ist der Ursprung der Assassinen - unsere Lebensader. Es lautet:
Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt." er hielt inne, auf eine seltsame Art und Weise feierlich. "Was glaubst du, bedeutet es?"
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:22 pm
„Das“, Ari zog die zusammengepressten Lippen ein Stück weit nach oben, trommelte mit beiden Händen auf seinen Oberschenkeln und besah kurz die wenigen Einrichtungsgegenstände. Ein paar Regale, vermutlich Buche, vielleicht auch Olivenholz. Nein, eher Olivenholz, die Maserung war für alles andere zu ausgeprägt. In diesen stapelten sich vornehmlichen zusammengerollte Schriftrollen, die meist in einfache Umschläge aus Leder gewickelt waren. Dann und wann tauchten auch alte Bücher auf, deren Blätter vereinzelt schon herausgerissen waren, aber in sich scheinbar noch immer eine gewisse Ordnung bildeten. „Das der Mensch, egal in welcher Situation er ist, stets eine freien Willen hat? Trotz aller Kreden? Kredos? Ich … ich kenne den Plural von Kredo nicht. Trotz aller Rechte, Pflichten und Anweisungen immer noch selbst in der Schuld steht, nachzudenken, da es vor allem anderen sein Denken ist und nicht das eines anderes Menschen?“
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:26 pm
Ein halber Meter über dem Boden würde ihr nicht weiterhelfen. Er würde weder ihre Angst lindern, noch dafür sorgen, dass sie darüber hinweg kam und dieser kleine Absatz, den die Kinder absolvierten führte sie nur auf eines von vielen verschiedenen Dächern. Eines der kleinsten Dächer und bislang hatte er ihr noch nicht gesagt, dass sie nicht denselben Weg wieder zurücknehmen konnte, den sie hier rauf gemacht hatte. In sich hinein schmunzelnd beobachtete er, wie ihre Hände sich an den Haken festgekrallt hatten, wie die Knöchel weiß hervortraten und wie sie an Ort und Stelle klebte, als wäre sie eine Fliege in einem Spinnennetz.
"Höher, Faye bis nach oben", teilte er ihr ruhig mit und betrachtete ihre Entgeisterung über die Aufforderung bevor er leise zu lachen begann und nach vorn trat, um sich an einen der Haken zu hängen und nach oben zu ziehen, erst einige Zentimeter über ihr einen Arm von den Haken lösend und die Hand ausstreckend. "Greif meine Hand. Vertrau mir, Faye." Wenn sie schon ihrem Element nicht vertraute und an sich selbst zweifelte, vor lauter Angst, sie würde einfach wieder runterfallen, vielleicht würde es helfen, wenn sie das hier gemeinsam hinter sich brachten, bevor sie ihn verfluchen würde, weil sie runterspringen musste.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:31 pm
Bis nach oben? Hatte er nicht gerade noch etwas von "nach und nach" gesagt? Sollte das heute sein? War der Kerl völlig verrückt geworden? Sie sah noch einmal prüfend den sicheren Boden an, beschloss dann, dass der eine, kleine Schritt keine große Gefahr bedeuten würde. Ein Meter über dem Boden. Das konnte sie springen - immer noch.
Trotzdem war ihre Bewegung langsam und eher in der Kategorie "Angst" einzuordnen, als sie Emersons warme Hand griff und die Schwielen fühlte, die das jahrelange Klettern und Kämpfen daran hinterlassen hatten.
Einen Schritt nur. Ihr Fuß bekam Halt auf dem winzigen Vorsprung und sie stemmte sich nach oben, wollte Emersons Rücken nicht zu sehr mit ihrem Gewicht belasten.
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:31 pm
"Das stimmt durchaus," erklärte Septim leise. "Die Stärke unseres Kredos besteht darin, dass es weit interpretierbar ist. Das es wandelbar und anpassungsfähig ist. Wir sind Messer Ari - wir haben keine Zeit darüber nachzudenken ob ein Opfer den Tod verdient hat, wenn wir ihn erst einmal beschlossen haben. Wenn ein Auftrag erteilt wurde wird er abgeschlossen. Dennoch ist es wichtig, dass wir uns nicht in selbstgerechtigkeit ergeben."
Er faltete die Hände auf dem Schreibtisch und betrachtete den Jungen. "Du hast mir vorgeworfen, dass ich in meiner Argumentation nicht logisch war. Das ich nicht darüber nachgedacht habe."
Septims Augen blitzten seltsam im Kerzenschein. "Du hattest nicht ganz unrecht - doch auch das ist den Assassinen bewusst. Niedergeschrieben in den drei Ironien:
Ersten: Die Assassinen streben nach Frieden, doch ihr Mittel ist der Mord.
Zweitens: Die Assassinen streben nach Öffnung des Geisters, doch sie fordern Befolgung von Regeln.
Drittens: Die Assassinen warnen vor blindem Glauben, doch sie praktizieren ihn selbst."
Langsam erhob sich Septim, umrundete den Schreibtisch und setzte sich auf das dunkle Holz, schräg neben Ari. "Ich bin kein Heuchler, so wie du mir vorgeworfen hast Ari - denn wir Assassinen sind bereit die Gegensätze und Paradoxien des Daseins zu akzeptieren. Menschen neigen oft zu paradoxen und unlogischen Handlungen. Das habe ich im Laufe der Jahre lernen dürfen."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:38 pm
„Das ist mir neu“, meinte Ari der erkennbar überrascht war die die Augenbrauen nach oben zog. Das offenlegen der eigenen Ironie im Handeln wirkte erschreckend Weise: nicht das er den Assassinen nicht eine gewisse Weisheit in ihren Handlungen zugetraut hätte, doch dieses denken und reflektieren über das was sie selbst taten, war „beeindruckend, wirklich. Ich hab mit viel gerechnet aber nicht damit, dass ihr … oder wir?“ Er lachte kurz. „Eigene Ironien haben die in der Bruderschaft verankert sind. Und es tut mir Leid, dass ich euch der heuchelei bezichtigte. Selbst wenn ich damit zum Teil richtig lag wie ihr sagtet, war es dennoch weder meine Pflicht, noch war es mir gestattet solche Bemerkungen zu machen. Oder …“ Er lächelte erneut. „Gilt auch hier das alles erlaubt ist?“
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:40 pm
"Sieh nicht nach unten", warnte er sie, weil er wusste, dass sie ab einer gewissen Höhe erstarren würde und dann weder vor- noch zurück noch möglich sein würde. "Wir machen das hier gemeinsam." Sein Rücken würde das aushalten, denn bis auf ein dumpfes Ziepen und die allabendliche Kontrolle bei Chadim mit den üblichen schmerzstillenden Mitteln und neuen Verbänden war es inzwischen weit weniger schlimm als zuerst noch angenommen. Das Kraut hatte Wunder gewirkt und noch jetzt erinnerte er sich an den irritierten Blick des Heilers als der die Wunden versorgt hatte - Emerson hatte nicht weiter nachgefragt, es schlichtweg hingenommen und sich im Stillen dafür bedankt, dass er nicht am Stock und gebückt gehen musste, weil Alisander die Muskeln in den Schultern zu sehr in Mitleidenschaft gezogen hatte. Auf dem Rücken zu schlafen, vermied er trotzdem noch immer.
"Den Fuß nach Rechts. Der Haken ist leichter für dich zu erreichen und ich kann dich besser festhalten."
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:41 pm
"Gilt es", erklärte Septim leise und legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter. "Doch 'Alles ist erlaubt' bedeutet nicht, das man straffrei alles tun und lassen kann was man möchte. Es bedeutet durchaus, dass es erlaubt ist alles zu tun - doch man muss auch mit den Konsequenzen des eigenen Handelns leben. Wenn du im Kampf eine raffinierte Parade versuchst, kannst du den Gegner töten oder selbst getroffen werden. Wenn du einen gewissen Weg beim Klettern versuchst, kannst du schneller hinauf gelangen oder abrutschen und sterben. Und wenn du einen Assassinen in den Fuß schießt... dann wirst du für seine Genesung verantwortlich sein und ihn pflegen!"
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Re: Kapitel 3

am Sa Jun 17, 2017 9:42 pm
Rechts. Rechts. Sie sah sich suchend um, aber der Haken, den er meinte, war so unglaublich weit weg. "Das geht nicht", erwiderte sie nur und war sich nicht ganz sicher, wie sie überhaupt eine Hand lösen sollte, ohne nach unten zu fallen.
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Re: Kapitel 3

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