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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:04 am
"Er wird nicht daran sterben. Aber vielleicht erinnert es ihn daran nicht immer so unvorsichtig zu sein," erklärte Chadim mit wenig Mitleid in der Stimme. Das hatte er in der Bruderschaft schnell lernen müssen - wenn man begann die Assassinen zu sehr zu umsorgen wurden sie unvorsichtig und kamen das nächste Mal mit schlimmeren Verletzungen nach Hause. Und Emerson war Chadim zu wichtig um es soweit kommen zu lassen. Und Schmerz? Schmerz ging vorbei.
"Hier..." erklärte er schließlich und drückte Em einen kleinen, hölzernen Becher in die Hand. "Trink das - dann geht es dir besser."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:09 am
Nur langsam schlossen sich die Finger um den Becher, den Chadim ihm reichte und klackend fiel das Holzgefäß mitsamt Inhalt wieder auf den Boden, weil er nicht die Kraft aufbringen konnte, um es noch länger festzuhalten. Chadims Worte tönten in den Ohren nach, Fayes sorgenvoller Blick, auf den sein eigener gerichtet war - er würde nicht daran sterben, er würde nicht mehr so unvorsichtig sein dürfen. Trotzdem brannten die Wunden bei jeder Bewegung, die Müdigkeit kehrte zurück und ließ den Kopf schwer werden, während er dagegen anblinzelte und sich dann schließlich wieder zurück auf die Füße kämpfte, weil hier zu schlafen keine Option war und keine seiner Verletzungen schlimm genug war, um hier zu bleiben.
"Chadim hat Recht", presste er zwischen dem schweren Atmen hervor. "Ich werd nicht dran sterben."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:14 am
Möglicherweise - nur ganz ganz möglicherweise - war sie ein wenig zu beschützend, wenn es um Emerson ging, gestand sich Faye ein, als er sich auf die Füße kämpfte. Daran etwas ändern würde sie nicht, sie konnte seine Ratschläge, was härtere Handhabung anging, bei all den anderen Assasinen anwenden.
Etwas ungelenk ob der malträtierten Hüfte hob sie den Becher vom Boden auf und wischte mit einem Tuch über die entstandene Pfütze, bevor der nächste darin ausrutschte und sich den Hals brach oder schlimmeres. Gott bewahre, sie müsste Septim erklären, einer seiner Assasinen hatte sich ins Jenseits verabschiedet, weil sie den Boden nicht trocken gehalten hatte.
Unschlüssig, ob sie Emerson nun noch einen Trank geben sollte, ob Chadim es vielleicht doch auf die leichte Schulter nahm, dass seinem Patienten selbst der verdammte, federleichte Becher aus der Hand gefallen war oder ob sie den anderen einfach begleiten sollte, blieb sie stehen, Becher und Tuch in der Hand und wartete, ob der Heiler irgendein Wort sagte.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:20 am
"Wie fühlst du dich?" fragte Chadim und hob das Kinn des Anderen leicht an, betrachtete Emerson von allen Seiten als wäre er ein besonders seltenes Exemplar irgendeiner aussterbenden Gattung. "Ist dir schwindlig? Deine Sicht eingeschränkt? Tunnelblick? Wenn du mich anlügst nur um früher raus zu kommen finde ich es raus und du musst noch viel länger hier bleiben Em. Außerdem macht Faye sich bereits jetzt unglaubliche Sorgen und da ich die nächsten Wochen besonders intensiv mit ihr arbeiten muss - und das früh morgens - bitte ich dich mir die Wahrheit zu sagen."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:26 am
Grober als eigentlich beabsichtigt schob Emerson die Hand des anderen bei Seite und trat an ihm vorbei, selbst wenn die wackeligen Knie jeden halbwegs festen Schritt kaputt machten. Er glaubte sich nicht einmal selbst, dass alles in Ordnung war, aber hier jetzt zu stehen und zu jammern war keine Option - er würde daran nicht sterben, das hatte Chadim selbst gesagt und er wollte und konnte sich nicht über Wochen mit Schmerzmitteln über Wasser halten, weil der Rücken nur kleine Schritte zur Besserung machte.
"Lass es gut sein, Chadim", wehrte er ab und war bereits an der Tür, eine Hand danach ausgestreckt, weil die Klinke daran ihm zumindest dabei half, die Welt in der Geraden zu halten und die Kälte des Eisen gegen das Brennen in Schultern und Rücken half. Die Haut juckte, dort, wo Chadim das Heu herausgezogen hatte, andere Stellen pochten immer noch und es mochte sein Glück gewesen sein, dass die Nähte gehalten hatten trotz all der Anstrengungen der letzten Tage. Schlafen, alles, was er gerade wollte, war schlafen, um den dröhnenden Schmerz in Hals und Kopf verschwinden zu lassen. "Ich werde daran nicht sterben. Ich komm auch ohne Schmerzmittel aus."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:33 am
Als Emerson die Tür hinter sich ins Schloss gezogen hatte, stellte Faye die Utensilien mit einem Ruck auf dem nächsten Tischchen ab und sah den Heiler grantig an. "Nenn es Humbug, wenn ich jemanden beschützen will, der ganz offensichtlich Schmerzen hat, Chadim", grollte sie und trat einen Schritt auf den anderen zu. "Nenn es albernes Betüddeln. Aber zweifle niemals wieder an meinem Instinkt." Sie schüttelte den Kopf und warf die Hände in die Luft. "Gib mir das Schmerzmittel, ich bring' es ihm vorbei. Der sture Esel ist laut dir ja genesen und nach einer Aussage zurückrudern nimmt er einem krumm."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:37 am
Chadim wirkte in einer seltsamen Zwischenwelt zwischen Genervt und peinlich Berührt gefangen, als er das Mittelchen in eine kleine Flasche füllte und diese dann verkorkte. "Faye..." meinte er leise, während er ihr das Fläschchen reichte. "Er heilt enorm gut - er kann sich wirklich glücklich schätzen. Ich hatte schon mehr als einen Fall von Auspeitschung auf meinem Tisch. Das eine von ihnen seine Mutter gewesen war verschwieg er. "Und die wenigen die das ganze überlebt haben waren danach noch Monate ans Bett gefesselt - und trugen nicht selten so schwere Narben davon, dass sie sich nie wieder richtig bewegen konnten. Ich weiß nicht warum Emerson so gut heilt, aber er sollte dankbar dafür sein. Ich verstehe wieso er so gereizt ist, aber er heilt verdammt gut."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:43 am
"Verklebungen, Chadim", erwiderte Faye jetzt leise. "Die Muskeln, die Sehnen, die Haut - oberflächlich heilt es rasch zusammen, aber durch die schnelle Heilung verbinden sich Stränge, die nicht zusammen gehören. Es verursacht Schmerzen, hindert die Bewegungsfreiheit. Vielleicht lag es an der Salbe. Wir hätten uns nicht nur darauf konzentrieren dürfen, oberflächliche Wunden zu schließen."
Sie las ihre verdammten Lehrbücher, aber diese Erkenntnis kam fast zu spät und bis gestern hatte sie es noch abgetan, weil sich Emerson einigermaßen normal bewegt hatte. Ob sein Kopf ebenfalls etwas davongetraten hatte oder irgendein anderes Körperteil schwerer verletzt war als ursprünglich angenommen konnte sie nicht sagen. Eine Sache konnten sie aber beheben.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:47 am
"Keine der Wunden war allzu tief gehend, auch wenn du natürlich recht hast..." erklärte Chadim leise. "Aber er kann sich gut bewegen, das wichtigste scheint wieder richtig zusammen gewachsen zu sein, oder willst du ihn etwa wieder aufschneiden?" fragte er leise nach und zwirbelte seinen Schnurrbart.
"Bisher sind bei ihm alle Wunden gut und schnell verheilt - ich habe dem keine große Aufmerksamkeit zugewandt. Aber du hast recht, wir sollten etwas dagegen tun - wenngleich er sich auch selbst ein wenig mehr schonen muss als er es bisher getan hat. Das harte Training, der Mord an dem Magierzirkel - das war alles nicht ohne."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:52 am
Mit einem halbherzigen Schmunzeln bemerkte Faye, dass Chadim ganz offensichtlich von Verklebungen nichts gehört hatte und es nun zu überspielen versuchte. Sie hatte diesen Band aus der Bibliothek mitgenommen und es war reiner Zufall gewesen.
"Man schneidet das nicht wieder auf, das ist Quatsch. Man löst die Verklebungen von außen, indem man die Hautschichten gegeneinander schiebt. Sie ... massiert. Keine angenehme Sache - wenn ich es richtig verstanden habe, tut es höllisch weh." Sie zuckte die Schultern und wendete das Fläschchen in ihren Händen. "Schiefgehen kann dabei nicht sonderlich viel. Wenn ich falsch liege, hat er vielleicht ein paar entspannte Muskeln mehr. Wenn ich richtig liege, kann es - rechtzeitig angewendet - seine Beweglichkeit massiv verbessern. Es macht keinen Unterschied, ob so etwas schon einmal aufgetreten ist oder nicht. Es könnte auch das Gefühl in seinen Händen zurück bringen."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 12:55 am
"Er hat kein Gefühl in seinen Händen?" halte Chadim nach und fluchte leise. "Davon hat er mir nichts gesagt! Wieso hat er mir... ach ist ja auch egal! Los, geh zu ihm und mach deinen Magierkram mit ihm!" es war ihm peinlich, dass Faye hier mit neuartigem Wissen ankam, während er noch immer mit den Fähigkeiten hantieren musste, die damals in der Schule der Heilung gelehrt wurden - und auch damals schon nicht aktuell gewesen waren. Alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt waren verarmt, weil das Geld in die Magierakademie geflossen war und sie hatten sich nur auf alte Bücher berufen können.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 1:00 am
"Ich bring dir das Buch vorbei", meinte sie noch leise. "Sei mir nicht böse, Chadim. Ich wollte dich nicht beleidigen oder vorführen." Was auch der Grund für ihr Zögern gewesen war, es vor Emerson zu sagen. Eine Antwort wartete sie nicht mehr ab, sondern verschwand mit dem Fläschchen zur Tür hinaus und folgte den Wegen, die zu Emersons Zimmer führten. Immer noch fühlte sich sich beklommen, wenn sie die Treppen sah, die nur mit einem schmalen Geländer gesichert waren und in deren Mitte es tief hinunter ging, wenn man aus dem Heilerbereich kam, aber sie musste sich immerhin nicht mehr direkt an die Wand drücken.
Sie sparte es sich, anzuklopfen, auch wenn die Höflichkeit es vielleicht geboten hätte, stattdessen vertraute sie darauf, dass Emerson sie hatte kommen hören. Leise schob sie die Tür wieder ins Schloss und suchte den abgedunkelten Raum nach dem anderen ab. Es dauerte erschreckend lange, bis sich ihre Augen daran gewöhnten.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 9:16 am
______________
Alisander nahm einen tiefen Atemzug und füllte seinen Lungen für einen kurzen Moment mit dem Rauch der brennenden Kräuter, ehe er die Schale wieder abdeckte. Die Wirkung des Krautes zeigte bereits nach drei weiteren Atemzügen Wirkung und die Schmerzen in seiner linken Hand verschwanden - auch lockerten sich seine verkrampften Muskeln, welche seit dem furchtbaren Brand vor so vielen Jahren nicht selten verspannt waren. Alisander wusste, dass sein Körper schon einmal in besserer Verfassung gewesen war. Aber er hatte sich beholfen - die Hakenklinge ersetzte seine linke Hand während des Kletterns und der Brand und die jahrelange Behandlung mit Kräutern hatten seinen Körper unempfindlich für Schmerz gemacht der nicht von innen kam. Er mochte ja an manchen Abenden Phantomschmerzen leiden und glauben sich kaum mehr bewegen zu können - aber in einem Kampf stand er länger als jeder andere Mann auf den Beinen.

Das sein eigener Körper ihn so sehr im Stich gelassen hatte hatte dazu geführt, dass er versuchte ihn zu verstehen und Medizin zu finden - er wusste mittlerweile so einiges darüber wie man einen Körper am Leben erhielt. Und die Schwester dieses Wissens war die Erkenntnis wie schnell ein Leben durch gewisse Mixturen beendet werden konnte. Er hatte schon immer ein Faible für derlei gehabt: Giftattentate, große Wirkungen - die Bruderschaft des Ostens mochte darüber die Nase rümpfen aber diese Fähigkeiten waren es erst, die ihn aus dem Nichts wieder ins Tageslicht befördert hatten. Der König hatte mehr übrig für abschreckende Wirkungen. Für die Fähigkeit Leute aus dem Nichts zu töten, oder ihre Leichen so zu drappieren wie auf dem einen berühmten Gemälde, dass sie bei der Schlacht zeigte bei der sie ihn verraten hatten. Der Tod war Kunst - und er war der beste Künstler im Land.

Alisander nahm einen weiteren kurzen Zug von dem Rauschkraut - tiefer dieses Mal - und trat dann zurück zu seinem Arbeitstisch, wo er einige neue Gifte anmischte. Er hatte während der Versammlung gesehen wie sich Septim bewegte – er war langsamer, ein wenig ungelenker und sein Knie schien ihm Probleme zu machen. Er würde es nicht mehr lange durchhalten und sollte der Alte doch nicht so schnell abkratzen wie erwartet würde er zur Not eben ein wenig nachhelfen. Mittlerweile war der Großteil der anderen Meister davon überzeugt, dass Alisander eine gute Wahl für den nächsten Anführer war. Alisander stand für Evolution. Er hatte Kontakte zum König und genug Geld um die Bruderschaft weiter nach vorne zu bringen. Sie mussten nur aus den Schatten operieren, nicht in ihnen leben.

Alisander hatte Pläne – große Pläne. Er würde die Bruderschaft zu neuer Blüte führen und sich selbst nicht in sinnlose Armut begeben wie Septim es getan hatte. Die Bruderschaft würde für etwas neues stehen. Mit großer Fingerfertigkeit verkorkte Alisander den Tod in der Flasche und stellte sie auf eines der vielen Regale, ehe einer der Diener an die Tür klopfte. Seufzend erhob sich Alisander und trat aus seinem Arbeitszimmer heraus, ehe er die Tür schloss und den Schlüssel umdrehte, ehe er ihn an ein Kettchen um seinen Hals hing. Mit großen Schritten folgte er dem Diener in die Eingangshalle.

Dort erwartete ihn – er hätte es sich denken können – Lyra. Die verfluchte Hofzauberin hatte die unangenehme Angewohnheit immer dann aufzutauchen, wenn man sie nicht gebrauchen konnte. Alisander zwickte sich, während er vorgab seine Manschettenknöpfe zu richten. Es war wichtig, dass er keinen zugedröhnten Eindruck vor der Magierin machte und er war ganz froh, dass er nur wenige Züge genommen hatte. Gerade genug um die vor kurzem wieder aufbrandende Welle von Schmerz zu beseitigen.

„Was kann ich für euch tun?“ fragte er gestelzt und mit einer Mischung aus Abscheu und abgerungenen Respekt. Die Magierin war, das wusste jeder, der verlängerte Arm des Königs Jemand  hatte mal behauptet, sie wäre der einzige Arm des Königs und würde ihm einen runterholen, füttern und den Kopf tätscheln wenn er etwas gut gemacht hatte. Dieser Jemand hing seit bereits fünf Monaten in einem kleinen Käfig vor den Toren der Stadt und die Raben hatten ihm die Augen ausgepickt. Das jedoch war schon passiert, bevor er gestorben war. Niemand legte sich mit dem König an und niemand der bei Verstand war mit dessen Hofzauberin. Zwar gab es auch einen Hoftempler, der ebenfalls als Berater galt aber jeder wusste, dass Lyra diesen bereits vor Jahren ausgebootet hatte. Der König hörte oft auf sie, war jedoch leider dennoch kein Narr. Er hatte seinen eigenen Kopf und in dem war mehr als nur heiße Luft. Er musste vorsichtig sein wenn er mit Lyra sprach.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:31 am
Lyra hatte geduldig in der Eingangshalle gewartet und ihren Blick schweifen lassen. Über den Prunk, den der andere zur Schau gestellt hatte, Malereien und Skulpturen, die ihr nicht mehr als ein müdes Lächeln abrangen, weil sie dafür kaum etwas übrig hatte - es gab Wichtigeres als den zur Schau gestellten Reichtum eines in die Jahre gekommenen Assassinen und in Gedanken war sie froh darüber, dass der König diese Leichtsinnigkeit nicht an den Tag legte. Sich nicht blenden ließ von all den Dingen, mit denen Menschen versuchten sich interessanter zu gestalten als sie es in Wahrheit waren - Alisander gehörte zu dieser Kategorie und es ermüdete sie jedes Mal aufs Neue ein Gespräch mit dem Meuchelmörder führen zu müssen, das aus mehr als aus einem knappen Nicken bestand, das sie zur Begrüßung von sich gab, weil er derjenige war, der unter ihr stand und der den Mund öffnen musste.
Als seine Stimme hinter ihr erklang, wartete Lyra noch einen kurzen Moment bevor sie sich umdrehte und ein schmales Lächeln auf ihre Züge brachte. "Ich wünsche dir auch einen wunderschönen Tag, Alisander", begrüßte sie ihn und trat ein paar Schritt in seine Richtung, die Nase rümpfend als ihr der Geruch von Kräutern entgegen drang. "Ah. Verzeih, dass ich dich gestört habe - deine Dienerschaft sagte bereits, dass ihr Herr im Arbeitszimmer beschäftigt sei. Aber leider habe ich ein dringliches Anliegen, das ich mit dir besprechen muss und ich bin nur äußerst ungern länger als unbedingt notwendig vom Hof fort."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:40 am
"Fort?" echote Alisander und fuhr sich mit der behandschuhten Linken über das Gesicht während er die Andere musterte. Sie ging fort? Fort wohin? Alisander hatte noch nie davon gehört, dass Lyra jemals ohne den König die Stadt verlassen hätte. Das weckte nun mit einem Mal sein Interesse; gesteigertes Interesse.
"Wohin wollt ihr denn reisen und wie kann ich bescheidener Diener des Königshauses euch in dieser Angelegenheit weiterhelfen?" er legte den Kopf schräg. Sie plante etwas - das spürte er und es gefiel ihm ganz und garnicht, dass er nicht wusste was.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:43 am
"Sei so gut und sag deinen Dienern, sie sollen einen Salon vorbereiten. Ich bespreche diese Angelegenheit nicht zwischen Tür und Angel mit dir und ich bin nicht als Bittsteller bei dir", wiegelte Lyra seine ersten Fragen mit einem kurzen Handwink ab und trat bereits an ihm vorbei, um zur Treppe rüber zu kommen, die in seine eigenen Wohngemächer führte.
"Der König erwähnte bereits, dass dir die Hand wieder Schmerzen bereitet, aber leider fanden wir bislang keinen kundigen Heiler, der genug Fähigkeiten aufweist, um gegen deine Schmerzen in den fehlenden Fingern vorzugehen. Ich hoffe trotzdem, du kannst deine Aggressionen im Zaum halten, während wir unser Gespräch führen. Ich versuche mich kurz zu fassen."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:47 am
Eleonora war nur kurzfristig unterrichtet worden, dass sie Besuch erwarteten und hatte sich sobald sie es wuste, rasch von den Dienern ankleiden lassen. Noch immer hatte sie sich nicht endgültig daran gewöhnt, die Kleider, die sie nun trug, über sich streifen zu lassen, aber ein paar Versuche hatte ihr gezeigt, dass es eine andere Möglichkeit gar nicht gab. Sie erreichte die Verschlüsse in Form von Haken und Knöpfen ihren Rücken hinunter einfach nicht, um repräsentabel aus dem Zimmer zu kommen. Die Haare in sanften Wellen über ihre Schultern fließen lassend öffnete sie just in dem Moment die Salontür, als die beiden eintreten wollten.
"Es ist alles fertig, Alisander", informierte sie den Mann, an dessen Seite sie die letzten Jahre zugebracht hatte und neigte den Kopf vor Lyra. "Lady Lyra. Ich hoffe, wir können Euch den Aufenthalt hier einigermaßen angenehm machen. Ich hörte, Ihr reist unter Zeitdruck."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:55 am
Alisander warf einen kurzen Blick zu seiner Geliebten. Sie hatte bereits davon gehört? Wieso hatte er nichts davon gehört? Er schüttelte den Kopf. Die verdammten Kräuter - er musste wirklich etwas schwächeres finden, wenn er nicht wollte, dass Leute ihn öfters derart überraschten. "Keine Sorge M'lady Lyra - ich neige nicht zu Aggressionen, selbst nicht unter dem Einfluss meiner Medikamente..." knurrte er, halb freundlich, halb bedrohlich zwischen seinen Zähnen hervor. Woher wusste die verdammte Magierin davon? Andererseits, sie wusste ja immer alles. Von allen - hatte sie ihn vielleicht ausspioniert? Nein, er wurde langsam paranoid. Das musste an dem verdammten Kraut liegen. Sie kam zu einem denkbar ungünstigem Zeitpunkt. "Kommt, folgt uns doch bitte..."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 10:58 am
Statt einem Diener zu überlassen, das Tablett herein zu tragen, übernahm Eleonora diese Aufgabe. Sie wusste nur zu gut, wie schnell und intensiv die Dienerschaft tratschte und es wäre nicht auszudenken, wenn etwas von diesen Gesprächen hier in die falschen Hände gelänge. Sie wartete, bis die Türen geschlossen waren, stellte das Tablett auf dem kleinen Tisch ab und drehte die Gläser richtig herum.
"Lady Lyra - einen Wein, ein Wasser vielleicht?"
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:03 am
"Wasser. Vielen Dank, Eleonora", bedankte sich Lyra und nickte knapp, sehr wohl bemerkt habend, dass die andere alles dafür tat, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen von diesem Gespräch Wind bekamen als unbedingt notwendig. Gelassen lehnte sie sich in dem Sessel zurück, auf dem sie Platz genommen hatte und legte die Arme auf den Lehnen ab, ihren Blick über Alisander und seine Geliebte wandern lassend. Noch heute verstand sie nicht, was Eleonora ausgerechnet an dem alten, verstümmelten Mann fand außer seinem Geld, vor allem nicht weil es von dieser Sorte Mensch jede Menge anderer angenehmerer Männer in der Hauptstadt gab, aber sie ließ Eleonora ihren Fehlgeschmack.
"Nun, jetzt, wo wir hier zusammen sitzen. Alisander, du warst in Kaladir, wie uns berichtet wurde und genau dorthin führt mich mein Weg jetzt. Der Magistrat des Zirkels wurde ermordet und uns ist bekannt, aus welchen Gründen. Nun möchte der König, dass ich mit der Bruderschaft dort in Kontakt trete - was mich unweigerlich in deine Gesellschaft bringt."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:05 am
Es war später Abend, als Lorenzo über den Innenhof schritt, weil Septim nach ihm verlangt hatte. Sein Abendessen in der Hand - ein Brot und Wurst - machte er sich auf den Weg, die Treppen hinauf bis in den zweiten Stock. Das Arbeitszimmer war ein warmer Raum, die Luft stand stickig darin und Lorenzo betete, es möge nicht ewig dauern, was sein Meister ihm zu sagen hatte. Vielleicht erließ er ihm ja die elende Strafe, draußen mit Ari Karten zeichnen zu müssen, oder eher Kindermädchen zu spielen, wenn etwas schief ging?
Er klopfte leise und wartete.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:15 am
"Ihr wollt mit der Bruderschaft in Kontakt treten?" hakte Alisander nach und verengte die Augen ein wenig. Was bei Gott wollte sie da? Ihn ersetzen? Nein, das war Schwachsinn. Etwas über ihn in Erfahrung bringen? Oh ja. Diese Möglichkeit bestand und sie gefiel ihm ganz und gar nicht. Andererseits... wenn der König es befohlen hatte.
"Es wundert mich nicht, dass der Magistrat ermordet wurde..." erklärte Alisander schließlich und legte beide Hände flach auf den Tisch. "Nicht nachdem, was dort passiert ist - und über was ich kein Wort verlauten lassen darf..." er lächelte schief. Wissen war Macht und es vorenthalten zu können ebenfalls.
"Also, was kann ich für dich tun?"
___________________________________
Septim antwortete zum er wusste nicht wie vielten Male am heutigen Tag mit einem: "Herein!"
Als Lorenzo schließlich die Tür öffnete und in den kleinen, spartanischen Raum trat zeichnete sich ein Lächeln auf den Zügen des Alten ab. "Ah Lorenzo, sehr schön. Setz dich bitte ich habe einige neue Aufgaben für dich. Und einige Informationen. Wie kommt deine Ausbildung voran? Deine Lehrer sind sehr zufrieden mit dir, auch wenn ich gehört habe, dass du noch Schwierigkeiten dabei hast die Klinge auf die perfekte Weise mit Gift zu bestreichen. Willst du einige Extraübungen dafür haben? Deine Abschlussprüfung ist nicht mehr lange hin."
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:17 am
"Natürlich", antwortete Lorenzo schlicht, weil es die einzige Antwort war, die Septim ihm durchgehen lassen würde. "Ich werde mich gleich morgen um Hilfe bemühen." Er ließ sich auf den Stuhl sinken und wusste instinktiv, dass das hier nicht sofort gegessen sein würde. Sonst bat Septim ihn nie darum, sich zu setzen. Ein ungutes Gefühl im Magen - trotz des Lobes - wartete er auf das, was nun kommen würde.
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:20 am
"Bemüh dich nicht, Alisander. Ich weiß von dem Mädchen, das dem Magistrat das alles eingebrockt hat und das von deinem Orden in Schutz genommen wurde und genau an diesem Mädchen bin ich interessiert", fuhr Lyra fort, mit den Fingern über den Rand ihres Glases streichend und Magie in jene Geste einfüllend. Es war eine reine Banalität, ein Tick, wie es die anderen bezeichneten und für sie zeitgleich die Möglichkeit jedwedes Gift aus dem Getränk zu bannen, selbst wenn sie nicht erwartet hatte, dass Alisander dumm genug sein würde, um sie in seinem eigenen Haus zu vergiften.
"Du wirst mich wieder nach Kaladir begleiten und den Kontakt herstellen. Nimm Eleonora mit - sie ist sonst allein hier und ich bin mir sicher, ihr würde es gefallen auch eine andere Umgebung zu sehen als dieses einfache Haus. Nicht wahr, meine Liebe?"
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Re: Kapitel 3

am So Jun 18, 2017 11:22 am
Eine andere Umgebung als dieses einfache Haus? Der Spott und Hohn, der in der Aussage lag, war Eleonora beinahe zu viel, doch sie zwang sich, weiterhin zu lächeln. Ja, es war viel Luxus hier, doch das war nicht ihr Wunsch gewesen.
"Ich gehe, wohin mich mein Liebster schickt", antwortete Eleonora leise und legte Alisander sacht die Hand auf die Schulter. "Wenn er mich bei sich haben möchte, dann komme ich gerne mit ihm. Wenn er hier Aufgaben für mich hat, bleibe ich natürlich und erfülle sie."
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Re: Kapitel 3

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