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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:14 pm
Fast hatte Faye befürchtet, Ari würde ihr gleich noch eine riesige Hiobsbotschaft vorsetzen, doch das, was er da sagte, klang leider ganz nach Emerson. Immerhin hatte der Junge die Nachricht überbracht, mehr konnte sie nicht erwarten im Moment.
"Danke, Ari", erwiderte sie nur und lächelte kurz, weil es sie Überwindung kostete, ihre Gedanken hinten an zu stellen. "Ist schon in Ordnung, du hast deinen Auftrag erfüllt und dafür danke ich dir. Em ist nicht gerade ein Herzchen, wenn er grübelt, mach dir nichts draus."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:19 pm
„Ich denke er wird bald wiederkommen“, versuchte Ari sie noch zu beruhigen und versuchte den zertretenen Saum seiner Hose, welcher inzwischen etliche Fäden zog, so ineinanderzukrempeln, dass man die losen enden nicht mehr sah. „Vielleicht habe ich es mir auch eingebildet, aber ich glaube eine gewisse Sorge in seinem Blick gesehen zu haben. Ich meine ich kenne Em bei weitem nicht so lange wie du, aber“, Ari legte in die Arme ineinander und beugte sich ein Stück nach vorn. „Ich kann mir nicht vorstellen das er uns hier mit allem allein lässt.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:22 pm
"Das wird er nicht. Er kommt schon wieder", bestätigte Faye leise und sah an Ari hinunter, seinen Versuchen folgend. Es war ihm sichtlich unangenehm. "Frag Septim, ob er dir ein neues Hemd und eine passende Hose gibt, Ari. Und nimm den Beutel da drüben mit und kauf dir neue Schuhe, wenn er dich raus lässt. Du hast es dir verdient."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:23 pm
Ein erneuter Halt an einem der vielen gleich aussehenden Gasthäuser an der immer gleich aussehenden Straße. Sie hatten Morast und Schnaken mittlerweile hinter sich gelassen und waren zu verdorrten Steppengräsern übergegangen, die wie kleine Haarbüschel überall aus der Landschaft hervor ragten. Große, kräftige Bäume mit dicken Blättern waren verhuschten Olivenbäumen gewichen, die sich über weite Strecken zogen - einer verdorrter als der Andere. Es war nicht mehr allzu weit bis zu ihrem Zielpunkt und bereits jetzt begann die Hitze in der kleinen Kabine der Kutsche zu stehen und stickig zu werden.
Daher war Alisander mehr als froh, wenigstens für kurze Zeit aussteigen zu können, als ihn auch bereits ein Mann anrempelte und ihm einen kleinen Zettel in die Hand drückte. Einer seiner Informanten - und das schneller als erwartet. Gelassen entfaltete Alisander den Zettel und stockte ganz kurz, ehe er sich zu der Magierin umwandte, die gerade aus der Kutsche stieg. "Lady Lyra - wie es scheint können wir uns gleichen wieder auf den Rückweg machen. Euer Mädchen ist tot."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:27 pm
„Alles gut Faye, das wird schon“, versuchte Ari die Ältere zu beschwichtigen. „Ich kann die Schuhe wieder zusammenschustern, ein paar kurze Nägel und sie dürften noch ein paar Wochen halten. Und für den Rest frage ich einfach nach ein paar Flicken. Nein“, intervenierte er als er sah das Faye bereits widersprechen wollte. „Ich krieg das schon hin. Es ist dein Geld Faye. Nicht meines. Und mit etwas Glück treffe ich morgen Abend jemanden, der mit vielleicht ein oder zwei Silbertalente leihen könnte. Vielleicht auch nur drei oder vier Jods, viel brauche ich ja nicht.“ Allein der Gedanke an Maia ließ ihn erneut schmunzeln, woraufhin ihm erneut eine leichte röte ins Gesicht stieg. „Wie geht es dir eigentlich? Nach dem was gestern Abend passiert ist meine ich.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:30 pm
"Frag mich das nochmal, wenn ich zurechnungsfähig bin", erwiderte Faye mit einem schiefen Lächeln und versuchte nicht weiter darüber nachzudenken, was Ari da noch von sich gab. Er war ihr Lehrling, aber sie musste nicht über den kleinsten Schritt informiert sein, er brauchte Privatsphäre, vor allem in diesem vertrackten Alter. Solange er dabei kein weiteres Chaos anrichtete, sollte es ihr Recht sein. "Und dir?"
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:37 pm
„Es geht“, meinte Ari relativ frei heraus. „Nach dem was gestern alles passiert ist, habe ich die Befürchtung das es früher oder später einen wirklich großen Konflikt mit den Templern und den Assassinen geben wird, aber ich denke das war ohnehin unvermeidbar.“ Als Faye ihn fragend ansah, begann der junge Zauberweber zu erklären. „Die junge Frau die gestern geschrien hat, Maia – ich weiß nicht, vielleicht hast du es auch gehört. Sie wohnt nur ein paar Häuser neben uns und konnte von einem Ast aus in den Hof schauen. Deswegen ist sie mir überhaupt aufgefallen. Als ich dann die Hand hob um zu grüßen muss sie sich erschreckt haben und ist gefallen. Lorenzo hatte sich glücklicherweise bereit erklärt mir damit zu helfen und zusammen sind wir auf das Anwesen, welches allerdings einem Templer gehört. Und nicht irgend einem, sondern De Vere“. Ari ging fest davon aus das auch Faye den Namen bereits das eine oder andere Mal gehört hatte. „Seine Tochter scheint allerdings wirklich nett zu sein, auch wenn selbst sie eine anfängliche Skepsis gegenüber – den Leuten mit den Kapuzen – hatte, so hat sie die Männer der Bruderschaft genannt. Anscheinend gibt es schon länger Spannungen zwischen den beiden Lagern.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:41 pm
"Maia de Vere", murmelte Faye, denn sie kannte die die Tochter des Templers nur zu gut. Sie war ein junges Ding in Aris Altern und das erklärte natürlich seine rasche und aufopferungsvolle Hingabe bei ihrer Rettung. "Oh Gott, Ari, bei den Engeln, in welche Sachen bringst du dich nur?", hakte sie nach und rieb sich erschöpft mit den Händen über das Gesicht, zuckte zurück, weil sie die Beule berührte, die inzwischen mehr einem ausgewachsenen Horn ähnelte und setzte sich dann doch auf, ganz langsam. Der Würgereflex kam in Kombination mit einer Schwindelattacke, die den Raum auf den Kopf stellte, bevor alles viel zu schnell wieder in die Gerade kippte.
"Halt dich von den Templern fern, Ari. Du bist ein Magier - sie haben mehr Macht, als man ihnen ansieht und einem De Vere sieht man sie an. Du willst nicht wissen, wozu sie fähig sind. Ich weiß, du bist nicht direkt im Zirkel aufgewachsen, deshalb nimm mein Wort dafür, dass du sie nicht aufstacheln willst. Nicht, solange wir keine Möglichkeit haben, uns zu verteidigen."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 12:59 pm
„Ich war mehrere Jahre im Zirkel“, erklärte er den Anderen und rieb sich noch einmal die Hände, da es an diesem Morgen erstaunlich kühl war. Vermutlich würde die Regenphase nicht mehr lange auf sich warten lassen, vielleicht noch drei oder vier Tage, mehr jedoch nicht. „Ich weiß also was Templer anrichten können wenn man ihnen den Befehl dazu gibt. Und ich habe gestern mit De Vere persönlich zu Abend gegessen, weil er meinte mich für die Rettung seiner Tochter zum Essen einladen zu müssen. Ich bin mir der Gefahr also durchaus bewusst“, kurz darauf folgte, ein wenig kleinlauter. „Ich hätte mir währenddessen fast ins Hemd gemacht verdammt. Ich hab ihm eine Lüge nach der anderen aufgetischt damit er nicht bemerkt das ich ein Zauberweber bin. Allerdings hat er die meisten Sachen mit ein wenig Glück schon wieder vergessen, zumindest nach dem, was gestern Abend geschehen ist. Maia allerdings“, er schnalzte mit der Zunge. „Maia ist anders. Sie scheint weder einen Hass gegen die Assassinen, noch gegen Magier zu hegen.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:00 pm
"Und wenn sie dafür bestraft wird, weil sie sich mit dir einlässt?", hakte Faye sichtlich entnervt nach, wusste aber, dass sie im Endeffekt nichts dagegen machen konnte. "Hast du daran schon mal gedacht?"
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:03 pm
„Zum einen wird sie sich weder mit mir einlassen, noch“, er rang ein wenig mit den Händen. „Weiß sie das ich Magier bin. Sie glaubt einfach das ich einer der Leute bin, die Kapuzen tragen und Leute umbringen. Wir haben gestern nur kurz miteinander gesprochen und ich fand sie nett. Ich meine hier trifft man selten jemand gleichaltrigen und Lorenzo ist nicht wirklich für Gespräche zu haben. Inzwischen hab ich das Gefühl das jedes weitere Wort von mir ihn mehr bestraft als ein Peitschenhieb.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:07 pm
"Ganz so schlimm ist es auch wieder nicht", beschwichtigte Faye und schlang die Arme um ihre Knie, das Kinn darauf stützend. Ganz klar, hier konnte sie nur den Schaden eindämmen und hoffen, Septim würde darüber hinwegsehen, dass ihr Schützling wohl so etwas wie ein Leben brauchte, das außerhalb dieser Mauern lag. Sie spürte seinen Drang, die Regeln in Frage zu stellen mit jedem Tag mehr. "Lorenzo ist ... auch anders. Anders jedenfalls als du, vermutlich benimmt er sich deswegen so. Wenn du schon mit der Kleinen unterwegs sein musst, dann halt dich von ihrem Vater fern. Keine Alleingänge - du haust hier nicht ab, ohne Bescheid zu geben. Die Zeiten für deinen Unterricht bleiben unverändert. Und um Gottes Willen, gib auf dich acht."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:14 pm
„Mir wird nichts passieren“, meinte er, noch immer mit einem Lächeln an Faye gewandt. „Maia ist nett – sie wirkt nicht wie jemand der andere einfach so verrät. Dagegen spricht allein schon, dass sie sich jeden Abend auf den Ast gestohlen hat um mich und Lorenzo zu beobachten. Vermutlich würde ihr Vater toben wenn er davon Wind bekäme. Aber wenn es dich beruhigt – ich verspreche dir, keine Alleingänge zu machen und dir zu sagen wohin ich gehe und wann man wieder mit mir rechnen kann, in Ordnung?“ Das dass tägliche Training und die Übungen davon unberührt blieben, stand außer Frage. Schließlich wollte Ari nach wie vor etwas von dem zurückgeben, was er hier bekam. „Wenn ich fragen darf – wie ist das eigentlich zwischen dir und Emerson?“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:15 pm
"Wie soll es sein?", hakte Faye nach, ein wenig zurückgeschreckt von der Frage und erst Grenzen ausloten, bevor sie irgendetwas sagte, was sie nachher bereute, mochte vielleicht helfen.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:18 pm
„Naja ich meine die Lehrlinge sprechen genauso darüber wie auch Chadim und … ach es ist hier doch nicht anders wie irgendwo sonst auch, machen wir uns doch nichts vor. Es wird genauso getratscht und gelästert. Erzählt und gemutmaßt. Und du und Em, ihr kennt euch bereits etliche Jahre, verschwindet immer mal wieder in einer Kammer und“, der Blick den Faye ihm daraufhin zuwarf, ließ Ari unmittelbar erröten. „Ich will nicht dreist erscheinen Faye, ich dachte nur da wir uns ohnehin unterhalten, frage ich ob es wirklich stimmt. Das ihr beide ein Paar seid. Liebende. Wenn ja freut es mich für euch und wenn du nicht darüber reden willst, begraben wir das Thema.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:34 pm
"... wie Chadim auch?" Oh das würde ein Nachspiel haben, das schwor sie sich innerlich gerade, während Röte ihr in die Wangen stieg. Es war nie auch nur der kleinste Hauch passiert - nichts, was über eine Umarmung hinaus gegangen wäre und selbst die waren selten geworden in den letzten beiden Wochen. Emerson ging ihr aus dem Weg, sie wusste es, konnte aber wenig daran ändern. "Wir sind ...", fing sie an, stockte dann aber und musste zugeben, dass sie wirklich nicht wusste, was sagen sollte. Sie waren nicht dumm, jeder von ihnen wusste, was sie eigentlich wollten, aber keiner tat diesen einen, entscheidenden Schritt über die Linie, weil es für jeden von ihnen die Dinge unglaublich kompliziert gemacht hätte. Es betraf nicht nur sie beide, wie Ari hier so treffend feststellte und ihr vor Augen führte, ohne es überhaupt zu bemerken.
Eine ganze Weile starrte sie in die Leere vor sich, spielte mit den Fingern an einem losen Faden in der Wolldecke herum, gedankenverloren.
"Emerson ist ... mein Vertrauter. Er ist der Mensch, zu dem ich kommen würde, wenn die Welt in Flammen stünde und uns nur noch ein paar wenige Stunden bleiben, weil ich wüsste, alles wäre leichter zu ertragen, wenn ich bei ihm bin. Ich weiß nicht, ob das einfache Wort 'Liebe' alleine das beschreiben kann, was ich für ihn fühle, Ari, weil es so viel mehr Dinge sind als die, die man sich auf den ersten Blick sehen kann oder sich vorstellt. Er ist so sehr Teil meiner Seele, dass es weh tut, wenn er fort ist, auch, wenn es hin und wieder nötig ist. Das Leben sucht sich oft merkwürdige Wege aus, um zwei Menschen aneinander zu binden, die nichts gemeinsam haben. Nicht ihre Religion, nicht ihre Weltanschauung, nicht die Art, wie sie aufwachsen. Wir teilen manchmal das Bett miteinander, das ist das, was die ganzen Novizen und auch du sehen - schlafen wir miteinander, ist vielleicht eher das, was du wirklich fragen willst und darauf ist die Antwort eine, die du vielleicht nicht erwartet hast: nein. Ich habe zu viel Respekt, um ihn noch mehr in das Chaos meines Lebens zu ziehen, ihm seines noch schwerer zu machen, als es durch uns ohnehin schon geworden ist, nicht, wenn er das nicht will und um ehrlich zu dir zu sein: wir hatten seit unsere Ankunft hier keinen Tag, an dem wir einfach nur über uns reden konnten. Über unsere Freundschaft oder unsere Zukunft."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:44 pm
Die Aussage überforderte den jungen Mann im ersten Augenblick, sodass er die andere einfach nur ansah, beinahe hilfesuchend, da er nicht wusste wie er darauf reagieren sollte. Er hatte mit einem schlichten ja oder nein gerechnet, dass Faye sich jedoch derart erklärte und ihn somit gewissermaßen in den Kreis ihrer Vertrauten zog, ehrte ihn. Es ehrte ihn, obwohl er das nach der stumpfen Frage danach ob die beiden miteinander verkehrten, eigentlich gar nicht verdient hatte. „Tut mir Leid das ich so gefragt habe Faye. Ich wollte dir damit nicht auf die Füße treten“, entschuldigte sich Ari zu aller erst, ehe er auf die eigentliche Antwort einging. „Aber … wenn du und Em euch seit ihr hier seid nicht über eure Zukunft unterhalten habt, wäre es dann noch allerhöchste Zeit das endlich nachzuholen? Ich meine das was ihr füreinander empfindet entspricht vermutlich am ehesten dem, was die meisten Leute als Liebe bezeichnen. Ihr seid eigenste Vertraute und ich glaube ihr hängt beide schon viel zu sehr an dem jeweils anderen, als das ihr ihn noch weiter in irgendetwas hineinziehen könntet. Ihr teilt eure Sorgen, Nöte und Ängste doch bereits mit dem Gegenüber. Würdet ich euch eure Gefühle zugestehen wäre es vielleicht … einfacher? Angenehmer? Vielleicht findet ihr so beide wieder ein wenig Ruhe. Irgendwann vielleicht sogar Frieden.“
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:48 pm
"Wir werden sehen", antwortete sie vage und drückte ihm dann den Beutel doch in die Hand, weil sie ihn im Sitzen erreichen konnte. "Wenn du schon keine Schuhe willst, dann nutz es zumindest sinnvoller als ich, indem ich es hier liegen lasse. Am Hafen soll es Waffeln geben - keine Ahnung, was es ist, aber es klang nach etwas Süßem, das sich gut machen würde. Und um Himmels Willen, hol dir ordentliche Sachen bevor du gehst."
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 1:56 pm
Er nahm den kleinen Beutel entgegen, in welchem ein paar Kupfergroschen hin und her klimperten. „Ruh dich aus, in Ordnung? Ich bring dir Waffeln“, der Name klang reichlich seltsam, weshalb er ihn im Geiste noch ein paar Mal wiederholte. „Waffln; Waf-feln, Waffe-len, Waffwel“, doch egal wie betont, es wirkte einfach seltsam. Auf die Aussage mit der Kleidung ging er indes nicht weiter ein, er würde weder die Bruderschaft darum bitten ihm erneut ein neues Hemd und eine Hose zur Verfügung zu stellen, noch würde er sich derartiges von Fayes Geld kaufen. Stattdessen würde er nach etwas ausschau halten, dass die Ältere vielleicht ein wenig aufmuntern würde. „Versuch du solange noch etwas zu schlafen, in Ordnung?“ Er würde nicht gleich losgehen können, denn sei tägliches Training wartete noch auf ihn. Doch mit etwas Glück würde er beider täglichen Kartenrunde heute einen Abstecher zum Hafen machen können.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:23 pm
Es dämmerte bereits wieder als Emerson das Gelände des Hauptquartiers passierte und sich seinen Weg an den letzten übenden Novizen vorbei suchte, dieses Mal darauf achtend, dass niemand der Jüngeren ihn zu Gesicht bekam. Das Letzte, was er wollte, war jetzt vor Septim zu stehen und sich vor ihm für das Fernbleiben rechtfertigen zu müssen. Zwei Tage waren es gewesen, während denen er an nichts teilgenommen hatte und den Informanten der Bruderschaft peinlich genau aus den Weg gegangen war, weil er nicht noch einmal Ari vor sich stehen haben wollte, der ihm erklärte, er solle sich glücklich schätzen über das, was er hatte. Zwei Tage, die er genutzt hatte, um zu schlafen und durch die Stadt zu streifen, die Ausrüstung überprüfen und reparieren zu lassen und seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Die letzten Wochen waren bestimmt von Chaos und einem Schlag nach dem anderen und obgleich er sich jetzt wenigstens wieder dazu in der Lage sah, eine Situation einzuordnen und richtig zu bewerten, wollte er noch immer jeden Kontakt mit einem anderen Mitglied der Bruderschaft vermeiden.
Zurückgekehrt war er wegen Faye und weil er Verantwortung für sie und Aristeas übernommen hatte. Nicht, weil es ihn zurück zu Septim gezogen hatte, dessen strenge Stimme und mahnende Worte er ohnehin bei jedem einzelnen Schritt in der Stadt im Kopf gehabt hatte. Leise schob er jetzt die Tür auf, die in Fayes Zimmer führte und schloss sie wieder hinter sich, einer losen Bodendiele ausweichend, bevor er ein Knarzen verursacht hätte und kurz inne haltend, weil ihm der Geruch von Gebäck in die Nase drang. Irritiert runzelte er die Stirn und richtete den Blick auf den kleinen Nachttisch neben dem Bett - Waffeln. Chadim oder Ari mussten sie ihr gebracht haben.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:36 pm
Mochte Emerson sich ja leise bewegt haben, aber als er mit dem Fuß gegen den kleinen Hocker kam riss das winzige Geräusch Faye aus dem Schlaf, in dem sie sich nach dem - wenn auch kurzen Tag - wiedergefunden hatte. Es war erstaunlich schwierig für sie, Ruhe zu finden, wenn sie Emerson mit seinen Gedanken alleine dort draußen in der Welt wusste und nach einem kurzen Nickerchen, nachdem Ari am Vortag davongetrappst war, hatte sie sich bei Chadim nützlich machen wollen, war aber nur bis zur Tür gekommen, bevor der Raum sich rundherum zu drehen begann. Sie hatte den Rückzug angetreten und sich auf dem Hocker sitzend gewaschen, weil Chadim dankbarerweise eine neue Waschschüssel hereingestellt hatte.
Die Nacht war schneller gekommen als gewollt und Faye lag - wie sollte es anders sein - immer noch wach. Immer noch mit Kopfschmerzen. Immer noch frustriert. Sie verfluchte Septim dafür, sie losgelassen zu haben und sich selbst, keinen Halt gefunden zu haben und einfach wie ein nasser Sack Kartoffeln den Boden zu küssen. Sie hatte nicht einmal den Hauch eines Kratzers an den Handflächen, weil ihr in der Sekunde nicht einmal der Reflex gekommen war, sie hätte sich damit abfangen können. Ein paar Stunden hatte sie am Morgen hinaus in die Welt gestarrt, sitzend am Fenster, den Unterarm auf dem Sims und das Kinn darauf gestützt, doch da war nicht der Hauch einer Beschäftigung. Die Leute auf den STraßen taten das Gleiche wie immer - sie redeten, sie lachten, sie eilten Dienstbotengänge machen. Doch die Monotonie lullte sie ein. Am späten Nachmittag war sie in ihr Bett gekrochen, das Kissen über den Kopf gezogen und eingeschlafen.
Das Geräusch nun war anders. Chadim und Ari klopften, wenn sie eintraten und ließen sie mit leisen Worten wissen, sie wären hier. Das hier war nur ein Schatten im Halbdunkel des Raumes, mehr aus den Augenwinkeln sichtbar als wirklich deutlich vor ihr. Vielleicht die Leinenvorhänge, die ihre Schattenwarfen. Aber sie spürte, da war mehr. Irritiert öffnete sie die Augen vollständig und genau da bewegte sich der Schatten anders, als es ein Vorhang tat.
Faye fuhr hoch.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:41 pm
Der halbe Ausfallschritt rettete seine Stiefel vor Fayes dürftigem Mageninhalt und irritiert runzelte er die Stirn, stillschweigend verharrend bis er sicher war, dass sie über ihrem eigenen Würgen wieder etwas hören konnte. Er hatte mit Vielem gerechnet, hatte schnell genug sein wollen, um sie vom Schreien abzuhalten und die Hand bereits gehoben, aber er hatte nicht damit gerechnet, was sich platschend auf dem Holzboden verteilt hatte und als beißender Geruch jetzt durch das Zimmer zog.
"Ich ...", begann er leise, als die erste Verwirrung abebbte. "... freu mich auch dich wieder zu sehen ...?"
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:47 pm
Es war ein halbes Maunzen, das Faye entkam, als sie die Hand vor den Mund schlug und dahinter zu Emerson hochsah. Sie wollte sich entschuldigen, irgendetwas sagen, was die Situation rettete, doch da gab es rein gar nichts. Und der Geruch machte es nicht besser. Es war ihr so peinlich, dass sie - immer noch mit der Hand vor dem Mund - die Beine aus dem Bett schob um nach der Waschschüssel zu angeln, die noch neben dem Bett gestanden hatte. Schnelle Bewegungen unterlassen, hatte Chadim noch gesagt, das wäre in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung und die Welt würde schon aufhören, sich zu drehen, wenn sie seinem Rat folgte.
".. 'schuldige", murmelte sie undeutlich hinter ihren Fingern und griff sich eines der kleinen Tücher, um die Sache zu bereinigen, froh, dass sie noch nichts gegessen hatte, was den Mageninhalt vermehrt hätte.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:47 pm
Ari hatte, wie er es versprochen hatte Bescheid gegeben, bevor er den Hof der Bruderschaft verlassen hatte und Faye zudem gesagt, wo er sich mit Maia treffen würde. An feiner Kleidung hatte er leider nichts auftreiben können. Und auch an Blumen war nicht zu denken gewesen, denn die wenigen Floristen die es in der Stadt gab, hüteten ihre Schmuckstücke besser als manch anderer sein ganzes Haus. Doch zumindest Essbares hatte er auftreiben können. Eine Flasche einfachen Rotwein, dazu ein Fladenbrot das man mit verschiedenen Kräutern versetzt hatte, ein Viertel Wurst und dazu einen großen Laib Käse. Alles in allem vermutlich viel zu viel, da Maia als recht zierliche Person vermutlich ohnehin nicht viel essen würde, wenn sie denn überhaupt auftauchte. Mit dem kleinen Sack bewaffnet, in dem all das Essen verstaut war, schritt Ari durch die, im Dämmerlicht der Sonne bestrahlten Straßen, besah sich die Schilder der verschiedenen Händler und Gildenzentren. Er als die Sonne fast im Meer untergegangen war erreichte er die Stelle, die er Maia vor zwei Tagen geschildert hatte. Ein Stück abseits des Hafens, direkt am Meer und mit einer unvergleichlichen Aussicht. Allerdings musste mit zuerst einen Hügel erklimmen, welcher, wenn man ihn erst einmal erreicht hatte, steil berab ging und mit etlichen kleinen und großen Steinen bestückt war. Diese boten einem jedoch, so man denn erst einmal oben angekommen war, einen guten Sichtschutz.
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Re: Kapitel 4

am Mo Jun 19, 2017 2:58 pm
Er wank lediglich mit einer kurzen Geste ab und schüttelte den Kopf. Es war seine eigene Schuld gewesen, dass er sie so erschreckt hatte und pures Glück, das er sich hatte vor der Magensäure in Sicherheit bringen können. Der Sturz musste übler ausgegangen sein, als im ersten Moment angenommen und unweigerlich schob sich zwischen all die Klarheit, die er während der letzten zwei Tage gefunden hatte, wieder Zorn auf Septim und sein überstürztes Handeln hoch. "Sag niemandem, dass ich hier bin", teilte er ihr nur leise mit, einen kurzen Blick rüber zur Tür werfend, als befürchte er, dass sein Ziehvater nicht lange auf sich warten lassen würde, bis er hier auftauchte. "Ich geh momentan dem Gespräch mit Septim aus dem Weg und eigentlich bin ich nur hier, um nach dir zu sehen. Auch, wenn du mich gerade ziemlich zum Speien findest."

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Maia hatte das Geschrei nebenan auch zwei Tage danach nicht vergessen und schaudernd erinnerte sie sich an die Masse der Templer, das wütende Schreien ihres Vaters und daran, dass dutzende von Leuten von da an in ihrem Haus ein und ausgegangen waren. Ihr Vater hatte die Türen immer abgeschlossen, hatte immer höchst offiziell gewirkt und mehr als nur einmal war sie von einem der Hausdiener dabei erwischt worden, wie sie vor der Tür gekniet hatte, um in den Salon hinein zu sehen und an den Lippen der Templer abzulesen, worum es sich handelte. Informationen über die Assassinen - soviel wusste sie immerhin inzwischen und mit bangem Herzen dachte sie an Ari zurück, der sie in der Nacht gerettet und ins Haus gebracht hatte. Seine hastige Entschuldigung bevor er verschwunden war und das Versprechen, sie würden einander in zwei Tagen am Hafen sehen.
Den ganzen Tag über war sie nervös gewesen, hatte weder den Lehrern richtig folgen können, noch ihre Konzentration auf etwas anderes richten können. Ari hatte versprochen, er würde ihr alles erklären und als die letzte Stunde beendet worden war, hatte sie sich nur kurz bei ihrem Vater entschuldigt, hatte ihm mitgeteilt, sie wolle auf dem Markt noch etwas kaufen und allen Begleitschutz in den Wind geschlagen, den er ihr hatte mitgeben wollen. Das Kleid eignete sich furchtbar schlecht für das Klettern über die Steine, die die Stelle am Hafen verdeckten, zu der Ari sie gerufen hatte und mit einer Hand ihr Kleid hochhaltend, während der andere Arm noch immer geschient war, fehlte ihr eindeutig eine Hand, um ihr Gleichgewicht zu finden. Wenn sie jetzt umknickte und der Länge nach ins Wasser fiel, würde ihr Vater sie nie wieder aus dem Haus lassen.
"Ari", rief sie leise als sie den letzten Stein hinter sich gebracht hatte und auf dem Kies zum Stehen kam. "Ari?"
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Re: Kapitel 4

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