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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:23 pm
Die Möglichkeit sich wieder waschen zu können und und frische Kleidung zu schlüpfen, auch wenn es nicht die eigene war, war trotz der Jahre in denen Aias nur dieses Leben gekannt hatte, durchaus angenehm gewesen. Er hatte sich im stillen mit Emerson darauf geeinigt, das meiste heiße Wasser dem jungen Feuermagier zu überlassen, der gleich auf zwei Arten begeistert schien. Die Hitze, die in direkter Verbindung mit seinem Element stand belebte Ari förmlich und für einen Augenblick schienen die letzten Tage, die Verfolgung, die Gefangennahme von Maia und ihre Übergabe, die Sorgen vor der Hauptstadt und einer erneuten Verfolgung wie weggeblasen. Zum anderen genoss der Junge es, sich nach so langer Zeit wieder gründlich reinigen zu können. Em und er hatten sich indes mit einem kleinen Bottich begnügt, der vielleicht nicht für das gleiche, freudige Planschen gesorgt hatte, aber doch ausreichend war, damit sie sich beide am ganzen Körper gründlich waschen konnten. Danach hatte man alle neu eingekleidet, wobei die Auswahl für alle drei gleich war. Ein schlichtes, schweres Leinenhemd, das Aias und Ari dankend entgegen genommen und direkt übergezogen hatten. Es passte ihnen recht gut, hing nirgendwo unnötig herunter und störte nicht in der Bewegung. Danach hatte man Aristeas noch eine neue Hose bereits gestellt, da man glaubte die, von ihm selbst zusammengenähte würde wohl keinen einzigen Tag länger halten und danach die, ebenfalls vom Lehrling geflickten Schuhe entsorgt und durch neue ersetzt, die anscheinend kaum gebraucht waren. Emerson hatte man ebenfalls neue Kleidung bereit gestellt, auch wenn dieser nach wie vor bei seinem Ledergeschirr und der Weste geblieben war, welche dank der zahlreichen Schlaufen und Taschen all seine Messer und andere Mordwerkzeuge beherbergte.

Und nach all dieser Erleichterung war es kein Wunder, das Ari schlief wie ein Stein. Glücklicherweise schnarchte der Andere nicht. Aias indes war in einen ebenfalls ruhigen, aber leichten Schlaf gedriftet, aus dem er jedoch gerissen wurde, als er leise, gedrückte Stimmen hörte. Instinktiv griff er nach dem langen Messer, das normalerweise neben seinem Schwert hing, hier jedoch unter seinem Kissen befindlich war. Recht schnell legte er dieses jedoch wieder an seine ursprüngliche Position, denn die Stimmen waren ihm, ebenso wie die Gesichter die ihn nun im fahlen Mondschein das durch die Zeltplane fiel, musterten. „Was machst du denn hier?“ Fragte Aias halb verwirrt, halb belustigt, zog sich über den nackten Oberkörper eines der neuen Hemden, verzichtete jedoch auf die Schuhe.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:30 pm
Die Belustigung, die sich auf Aias Gesicht abzeichnete, spiegelte sich auf Eleonoras, als sie die Augenbraue hochzog. "Spar dir die Mühe. Du hast ohne Decke geschlafen, da gibt es nichts, was ich nicht schon gesehen hätte", informierte sie den anderen über sein Unterfangen, sich halbwegs zu bedecken. Sie scherte sich genauso wenig darum, als hätte er sich gerade vor ihr ausgezogen um sich zu waschen und sich zu genieren war hier unnötig.
"Faye ist zu Lyra gegangen", gab sie die Kurzfassung, war einen raschen Blick auf Ari, der weiterhin unbeeindruckt schlief und sah zurück zu Emerson. "Ich glaube nicht, dass sie denkt, ich hätte das nicht mitbekommen, immerhin weiß sie genau, wie rasch Assassinen wach sind, aber ich dachte mir, ich lasse sie gehen. Geschlafen hat sie sowieso kaum."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:33 pm
Lyra blinzelte erst, als sie die Stimme des Soldaten vor ihrem eigenen Zelt wahrnehmen konnte und müde gestand sie sich selbst noch ein paar wenige Minuten der Ruhe, bevor sie die Füße aus dem Bett schob und sich aufrichtete. Der kurze Blick in einen der Spiegel teilte ihr mit, wie unsagbar müde und erschöpft sie gerade aussah - wie wenig von dem, was sie einst von sich selbst als Hofzauberin gekannt hatte, übrig geblieben war und wie furchtbar trocken und strohig die dunklen Haare wirkten, die sie vor dem Schlafengehen und nach dem Bad in einen simplen Zopf geflochten hatte. Unaufhörlich redete der Soldat auf den Neuankömmling ein und seine Stimme dröhnte irgendwann so sehr in Lyras Kopf, das sie ein entnervtes Seufzen ausstieß. Ruhe ... eine einzige Nacht in einem Bett, statt auf dem harten Waldboden, wieder sauber und weit entfernt von jedweden Krabbeltieren, die sie bislang immer gestört hatten.
"Bei allem, was mir heilig ist, lass sie rein. Geweckt hast du mich doch ohnehin schon", raunte sie durch die geschlossenen Zeltwände nach draußen und schüttelte den Kopf, bevor sie rüber zu den Kerzen trat, um sie zu entzünden, damit sie den Raum erhellten, in dem sie die letzten Stunden verbracht hatte. Faye sollte sich zumindest hier ein wenig zurecht finden, wenn sie schon in den Genuss kam, die andere mitten in der Nacht in ihrem Zelt begrüßen zu können. Mit einer Hand zog sie den Morgenmantel über die Schultern und verknotete ihn vor sich, um nicht einem der Soldaten mehr Einblick zu geben, als sie gewillt war zu geben. Ihre eigenen Gewänder - der weiche, warme Stoff, den ihre Eskorte aus der Hauptstadt mitgebracht hatte. Keine kratzigen, dreckigen Leinensachen mehr, die sie getragen hatte, als sie hierher gekommen war, die bequemen, weichen Lederschuhe, die in einer der großen Kisten gewesen waren.
"Faye. Was kann ich für dich tun?"

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Bereits bei den leisen Schritten, die sich dem Zelteingang genähert hatten, war Emerson wach gewesen und ohne ein einziges Anzeichen von Müdigkeit hatte er sich aufgesetzt und Eleonoras Ankommen mit einem schiefen Lächeln bemerkt. Es war ihm ähnlich gegangen, zu viele Stimmen waren um ihn herum gewesen, bei jeder Stimme eines Soldaten in der Nähe, selbst wenn er nur auf dem Weg zum Austritt war, war er wach geworden und hatte in die Finsternis hinein gelauscht. Nichts. Es war absolut nichts passiert und trotzdem fühlte er sich, als müsse er jede Sekunde mit einem Angriff rechnen.
"Lassen wir sie gehen", sagte er nur leise, um Ari nicht zu wecken. "Lyra wird ihr nicht den Kopf abreißen und vielleicht findet sie abseits von unserer Bruderschaft doch noch irgendwann in ihr eine Freundin."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:38 pm
Die Diskussion hatte sie beinahe schon wieder zurück in ihr eigenes Zelt gehen lassen, umso erleichterter war Faye, dass Lyra zumindest nicht ganz abgeneigt war, sie zu sehen. Wahrlich, sie hatten keinen besonders guten Start hingelegt und wohin das alles führen würde war Faye absolut schleierhaft, aber im Moment war es ihre einzige Möglichkeit.
Leise trat sie ein, besah sich nur kurz das Zelt, das besser eingerichtet war wie all die Zimmer der Bruderschaft zusammen und strich sich die Haare zurück.
"Bevor wir die Stadt erreichen ...", fing sie an und nagte an ihrer Unterlippe "... brauche ich Hilfe bei meiner Magie. Ich will und kann mich nicht den Templern und Soldaten so vollkommen ausliefern und du bist die einzige Magierin, der ich zumindest genug traue, um mir dabei behilflich zu sein."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:40 pm
„Lyra ist nicht so bösartig wie sie im ersten Moment scheint“, mischte sich Aias nun ein, welcher Eleonora für ihren Einwurf zwecks des Verdeckens noch ein breites Lächeln geschenkt hatte. Die andere war hübsch, dass musste man unweigerlich gestehen. Und so leugnen das Aias dadurch nicht ein gewisses Interesse an der anderen gehabt hätte, wäre dementsprechend ebenso dumm gewesen. „Willst du damit irgendetwas vorschlagen? Jetzt wo du alles schon gesehen hast, meine ich?“ Er lachte erneut, wenn auch leise und stellte sich dann neben das Bett von Emerson. „Das einzige worüber ich mir Gedanken mache ist, wie es in der Hauptstadt ablaufen wird. Faye und Ari sind soweit ich weiß nicht begnadigt, oder? Müssen wir sie dann versteckt halten damit der König sich nicht erklären muss oder ist irgendetwas andere geplant, was ich vielleicht nicht mitbekommen habe?“
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:49 pm
Ehrliche Überraschung blitzte in Lyras Gesicht auf, als die zwei Becher zu sich zog und beide mit klarem Wasser füllte. Einen davon reichte sie an Faye weiter, bevor sie sie eine lange Zeit musterte und dann vernehmlich seufzte. Die Hauptstadt und Magier ... sie erinnerte sich dunkel an De Veres Drohung, sie würde sich vor der Kirche und deren Oberhaupt noch einmal rechtfertigen müssen und immer wieder schauderte sie bei allein dem Gedanken daran. Der König würde sie hier nicht beschützen können und wenn sie nun auch noch herausfanden, dass sie einer Maleficar dabei half, die Kontrolle über ihre Magie zurück zu erlangen, würde die Strafe noch schlimmer ausfallen.
"Der Finger macht dir also noch immer Probleme?", fragte sie, benötigte aber keine weitere Antwort auf ihre Frage. Das Letzte, was sie wollte, war Faye noch weiter in die Defensive drängen, als sie es ohnehin schon war. "Erst einmal nehme ich dir eines deiner Bedenken. Du wirst in der Hauptstadt nicht versteckt und verborgen leben müssen. Fordwin hat ein Dekret seitens des Königs bei sich, das uns freies Geleit in die Hauptstadt bestätigt und sowohl Aristeas, als auch dich vor dem direkten Zugriff der Templer beschützt. Tut mir nur den Gefallen und bleibt am Hof bis ihr in den Norden aufbrecht", sagte sie und ließ sich dann wieder auf die Bettkante sinken.
"Zeig mir mal deine Hand. Vielleicht kann ich helfen."

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Einmal mehr verdrehte Emerson die Augen über Aias Bemerkung, machte sich aber nicht die Mühe sie zu kommentieren. Eleonora wusste sich sehr gut selbst zu verteidigen, beinahe noch besser konnte sie jemanden nur mit Worten tiefe Schläge versetzen. Aias würde das früh genug bemerken, wenn er weitermachte.
"Er braucht uns und er ist informiert, wie wir an der Hundertschaft an Soldaten bemerkt haben, die uns hier umgeben. Er wird die Templer und die Kirche unter Kontrolle halten, damit nicht unsere Abmachung platzt - dahingehend mache ich mir also wenige Sorgen", antwortete er mit einem kurzen Blick hinauf zu dem anderen. "Wir betreten die Hauptstadt und hören uns an, was er zu sagen hat. Wir lassen uns ausrüsten und brechen so schnell wie möglich in den Norden auf. Ich werde nicht länger als unbedingt notwendig in der Stadt bleiben."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 8:57 pm
Weil sie nicht aufgefordert worden war, sich ebenfalls zu setzen, blieb Faye vor der anderen stehen und haderte einen Moment, ehe sie die linke Hand hob und sie Lyra reichte. Deren Finger waren so viel weicher als ihre eigenen, dass es erschreckend war. Erst bei diesem Vergleich fiel ihr auf, wie rau und rissig ihre Haut geworden war, verwunderlich war es aber nicht. Sie hatte einfach keine Zeit für kleine Tiegelchen oder Öle und die kurze Zwischenzeit bei Chadim hatte nicht gereicht, um irgendetwas besser zu machen.
Leider sah man das auch der Narbe an, die ihre Handkante umspannte. Sie war selbst nach den Wochen noch empfindlich und rot, wenn auch inzwischen mehr auf dem Weg zu Rosa denn sich scharf abhebend. Lyras Finger darauf fühlten sich merkwürdig an, fehl am Platze und Faye biss sich auf die Innenseite der Wange, um die Hand nicht ruckartig weg zu ziehen.
"Es ist mehr der Weg, den die Magie wählt. Sobald ich direkten Kontakt habe, wie bei Maias Geist, ist alles in Ordnung. Niedere Magie kann ich mit rechts wirken. Aber die kleinen Finessen, all die Zauber, die ich mit der Haupthand führen müsste ... sie ruckeln. Wie ein bockendes Pferd."

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"Jetzt, wo ich alles gesehen habe, bin ich immer noch ganz zufrieden mit meiner Entscheidung, Aias", erwiderte Eleonora grinsend und zuckte die Schultern. "Du hast schon eine gefährliche Frau in deinem Bett - du brauchst wirklich keine zweite. Das wäre zu viel des Guten, selbst für einen Krieger wie dich."
Dann wurde sie ernster und sah Emerson wieder an. "Denkst du, es wird gut gehen und das Dekret ist ausreichend, um uns zu schützen? Ari und Faye ... lass sie an die falschen geraten - oder auch dich, Aias und deine Herkunft - was machen wir dann? Wie sieht der Plan aus?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:09 pm
Ein wenig unwirscher, weil sie nicht damit gerechnet hatte, dass Faye wirklich einfach stehen blieb, zog Lyra die andere kurzerhand neben sich und schloss für einen Moment die Augen, um ihren eigenen Geist auszusenden und sich über die gekappten Windungen der Magie in Fayes abgeschnittenen Finger bis zu dem Kern nach vorn zu arbeiten. Sacht glitten ihre Finger über die Haut der Jüngeren und erst nach einer ganzen Weile öffnete sie die Augen wieder und musterte die andere erneut.
"Du hast Glück gehabt", teilte sie ihr zuerst mit. "Glück im Unglück, wenn du es ganz genau wissen möchtest. Die Templer nehmen in der Regel dieses Eisen, um unsere Magie nicht zu versiegeln sondern sie frei zu geben und niemand von uns lernt, wie sie sich kontrollieren lässt ohne eine Hand, die wir wir einen Zauberstab schwenken. Deshalb haben wir Angst davor, wenn sie uns verstümmeln", erklärte sie ruhig. "Ich habe in der Hauptstadt einige Bücher - uralt und ich weiß nicht, woher sie genau stammen - die davon sprechen, dass wahrhaft alte Magie auch ohne Gesten gewährt werden kann, ohne Gedanken, weil wir eins mit dem Element werden, das wir vertreten ohne uns darin zu verlieren. Die Kanten deiner Magie in der Hand sind ausgefranst - du kannst deshalb keinen klaren Zauber wirken. Ich kann also entweder diese zerfaserten Fäden abschneiden und dein Körper sucht sich einen neuen Weg, über den die Magie wandern kann oder aber du lernst gleich, wie Worte wirken und dein Element sich selbst entscheidet, wie es dich verteidigt oder deine Feinde zerschlägt."

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"Das Dekret wird so lange ausreichen bis wir seinen unmittelbaren Herrschaftsbereich verlassen. Ich verlasse mich nicht darauf und wenn ich ehrlich bin, dann vertraue ich nicht einem einzigen hier. Was der Grund dafür sein wird, dass wir uns diese Stadt ansehen, sobald wir sie betreten. Wir finden die Wege, die unsere Bruderschaft nutzt und wie sie uns aus der Stadt herausbringen."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:16 pm
Glück im Unglück? Womöglich hatte sie damit recht. Es grenzte ohnehin schon an ein Wunder, dass sie wieder Zugang zu ihrer Magie gefunden hatte. Doch was das Abschneiden der Fransen betraf ... Faye erinnerte sich im Nachhinein deutlich an die Schmerzen, die keineswegs den körperlichen Verlust des Fingers betroffen hatten. Sie konnte und wollte das kein zweites Mal erleben, solange es andere Möglichkeiten gab und für den Fall der Fälle würde ein gut gezielter Wirbelsturm sie wohl verteidigen können.
Was das Zauberweben ohne Gesten anging ... na vielleicht sparte sie sich dann elendes, peinliches Gefuchtel, das sie verriet. Auf den ersten Weg zurückgreifen konnte sie im Nachhinein noch immer. Beinahe sanft strich ihr ein Windhauch über den Nacken und die Haare, dankbar. Faye nahm es kaum wahr.
"Kannst du mir etwas darüber erzählen?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:16 pm
„Klingt gut“, antwortete Aias an Emersons Stelle, auch wenn er über einen Teil der Planung recht besorgt schien. „Aber im Zweifelsfall kann uns kein Geheimgang schnell genug fortschaffen. Wir haben alle gesehen wie schnell die Templer Beschlüsse fassen. Ich glaube nicht das es in der Hauptstadt länger dauern wird, sobald man Faye und Ari erkannt hat. Mein Vorschlag wäre sie, soweit es möglich ist, hineinzuschleusen. Es ist vielleicht nicht die schönste Art und Weise die anderen zu behandeln, aber wir wollen dort ohnehin nicht lange bleiben. Und so könnten wir sicherstellen dass ihnen nichts zustößt.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:27 pm
"Vor Jahrhunderten gehörten den Magiern einmal diese Welt. Sie waren die unumstößlichen Herrscher dieser Welt und aller anderen Menschen, die hier lebten, solange bis die Menschen aufstanden, um sich zu wehren. Gegen diese Herrschaft zu protestieren - ihnen allen voran ein Mann, an dessen Namen sich niemand mehr erinnert. Die Magier haben Krieger für sich erschaffen - genauso wie die anderen. Wie dieser Krieg ausgegangen ist, kannst du dir denken. Sie haben uns seit dem in Zirkel eingesperrt, um uns zu kontrollieren während die Templer geblieben sind, um uns zu überwachen. Kaum jemand weiß mehr von dieser alten Geschichte - es gibt ein paar staubige Pergamentrollen, die noch davon berichten, aber die Kirche hält sie zurück, damit niemand sie mehr sieht. Es ist vielleicht wichtig für dich zu wissen, wie die Zirkel und die Templer entstanden sind, bevor wir damit anfangen dich von dem abzuspalten, was du früher in den Zirkeln gelernt hast", erzählte Lyra freimütig und lächelte sacht, weil sie das Unbehagen in dem Gesicht der Jüngeren wahrnehmen konnte und sacht drückte sie ihre Hand, darauf achtend nicht an die alte Verletzung zu geraten.
"Die Templer haben uns beigebracht, dass die Magie gefährlich ist. Dass sie unter Kontrolle gehalten werden muss und dass wir damit leicht Tausende umbringen können. Dass wir die Monster sind, vor denen die Menschen ihre Kinder warnen. Das Erste, was du begreifen lernen musst, ist, dass jedes einzelne Wort gelogen ist. Wir sind mit dieser Magie geboren, wir sind ihr nicht Untertan und wir haben weit mehr Einfluss darauf, was wir tun als sie uns glauben lassen wollen. Wir müssen nur unsere eigenen Blockaden niederreißen, wenn wir glauben, es sei zu viel, das uns durchströmt."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:39 pm
Es war nicht so, als würde Faye ungerne hören, die Zirkel und Templer wären ein veraltetes Konstrukt, geschaffen aus der Angst heraus vor dem, was sie alle waren, doch es machte unweigerlich Sinn. Viel sogar. Sie erinnerte sich nur zu gut an all die Momente, in denen sie Angst in den Augen der Templer gesehen hatte, die noch keine neue Magie für ihre Taten erhalten hatten. Die Angst vor ihnen. Gerade vor den Frauen und es war bei Weitem kein Zufall, dass sie alle eins Prozedur durchlaufen hatten, die sie daran hinderte, Nachkommen in die Welt zu setzen. Weibliche Magier hätten unkontrollierbare Kinder hervorgebracht, viel mächtiger als alles bisher dagewesene, so munkelte man.
Mit Lyras Worten machte all das viel mehr Sinn als es sollte und ihr reines Gefühl sagte ihr, die andere sprach die Wahrheit.
"Ist es das, was du getan hast?", hakte sie leise nach und zog mit der freien Hand ihren Mantel enger um sich. Die Nächte hier im Norden waren bitterkalt und sie waren noch nicht einmal ansatzweise dort, wo sie hinwollten.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:41 pm
Ari hatte sich still und heimlich aus dem Zelt geschlichen. Zwar hoffte er das ihn Emerson, Aias und Eleonora nicht hörten, doch zwei davon waren Attentäter und einer ein erfahrener Krieger, dementsprechend war diese Hoffnung im Grunde hinfällig. Doch so oder so war er aus dem Zelt gekommen und darauf kam es an. Er wollte selbst mit Faye darüber sprechen wie sie nun vorgehen würden, schließlich hatten sie als eigentlich Betroffene ein zumindest gleichrangiges Mitspracherecht wenn es um die Entscheidung ging, ob man die in die Hauptstadt schleusen würde oder ob man sich der Gefahr stellte und ihre Identität offen kund tat. Doch bevor er auch nur ein einziges Wort hatte sagen können, hörte er die gedämpften Stimmen aus dem Zelt. An eben dieses hatte er sich von der falschen Seite aus genährt, weswegen es ihm nicht möglich war, einzutreten. Doch das war in diesem Moment auch gar nicht notwendig. Denn Ari stand wie gebannt da und lauschte den Worten von Lyra über längst vergangene Tage. Der Gedanke daran mit den Menschen gleichgestellt zu sein ließ sein Herz einen schnelleren Takt schlagen. Er wollte sich nicht als irgendjemand emporheben oder auf irgend ein Podest schwingen. Doch wenn die Magier einmal die Welt beherrscht hatten, war die Chance darauf, dass man sie in der Gesellschaft als gleichwertige Mitglieder ansah, die man nicht skeptisch beäugen und kontrollieren musste, nicht so gering wie er vermutet hatte. Sicherlich würde diese Vergangenheit auch für einige Ressentiments sorgen, schließlich könnte sich eben diese ja wiederholen. Doch so weit dachte Ari im ersten Moment nicht. Stattdessen blieb er vor der Wache die den Zelteingang bewachte stehen und erhob, ehe der Fremde die Stimme erheben konnte, selbige. „Ich muss mit Lady Lyra sprechen, es ist dringend, wirklich.“
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:53 pm
"Mich in Einklang mit meiner Magie bringen? Mir nicht mehr von einem Templer sagen lassen, was ich essen oder trinken, was ich tragen oder wohin ich gehen soll? Ja und es ist befreiend, die Magie einfach fließen lassen zu können. Sich nicht mehr vor sich selbst fürchten zu müssen, weil du dir selbst und deiner Magie vertrauen lernst und bislang hat sie mich niemals im Stich gelassen", antwortete Lyra mit einem kurzen Nicken und stand dann auf, um zu einer ihrer Kisten rüber zu treten und einen weiteren dicken Mantel hervor zu ziehen. Wortlos legte sie ihn der Jüngeren über die Schultern, schob den dicken Pelzkragen um ihren Hals und lächelte dann sacht.
"Es wird dort draußen ständig hunderte von Stimmen geben, die dir die Schuld für alles geben werden. Dafür, dass ihre Ernte verdorrt ist, dafür, dass Menschen gestorben sind. Sie werden dir vorwerfen, du würdest alles durcheinander bringen. Du gehörst nicht dorthin, wo du bist und du solltest lieber sterben. Sie hätten dich lieber der Kirche und den Templern ausliefern sollen. Ich habe jede einzelne von ihnen am Hof während all der Jahre dort gehört und ich höre sie auch heute noch. Die schwerste Lektion ist die, sie nicht mehr für bare Münze zu nehmen, selbst wenn sie Recht haben."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 9:59 pm
Faye wollte etwas erwidern, hielt dann aber inne, weil sie Aris Aura spürte, die vor dem Zelt stand. Erst am hinteren Ende, ganz verwirrt, dann wanderte er zum Eingang hin.
"Ich glaube, da kommen zwei Ohren mehr, die dir zuhören möchten", sagte sie leise und nur für Lyra hörbar, sie fragend ansehend, ob es in Ordnung war.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:06 pm
„Jetzt geh schon rein“, brummte der bärbeißige Mann, dessen dunkles Haar unter dem Helm hervorqoull wie überkochendes Wasser einen Topf langsam überschwemmte. „Vielen Dank“, beeilte Ari sich zu sagen und ging dann durch die schweren Bahnen von Stoff, die scheinbar Regen und auch einen Teil der Kälte draußen halten sollten. Das Erste konnte er nicht beurteilen, denn es hatte bereits seit mehreren Tagen nicht mehr geregnet, zum Glück aller Beteiligter ihrer Reisegruppe, denn andernfalls wären es nicht nur kalte, sondern auch nasse Nächte geworfen. Letzteres jedoch schien gut zu funktionieren, denn im direkten Vergleich beim eintreten konnte Ari einen deutlichen Temperaturunterschied bemerken. „Entschuldigt ich wollte nicht lauschen“, begann der junge Zauberweber sich schnell zu entschuldigen. „Ich bin von der flaschen Seite aus ans Zelt gekommen und habe dann durch die Stoffbahnen hindurch gehört, was ihr gesagt habt.“ Er neigte kurz den Kopf um seiner Bestürzung darüber das er das Gespräch der beiden mitangehört hatte, Ausdruck zu verleihen. Doch lange konnte er dieses nicht aufrecht halten, denn schließlich ging ein kurzer, fragender Blick zu Faye. Wenn es diese Methode wirklich gab und sie von jedem Zauberweber erlernt werden konnte, dann wollte er es aus lernen. Das Feuer ganz und gar um sich herum spüren. Das kecke, süffisante Lächeln des kleinen Feuerdämons nicht nur akzeptieren, sondern es teilen. Es ebenfalls auf seinem Gesicht zeigen.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:11 pm
Belustigung stand in Lyras Blick als sie sich wieder erhob und einen dritten Becher mit Wasser füllte, um ihn an Aristeas rüber zu reichen und dann resigniert zu seufzen. "Ich habe mich schon gefragt, wann der neugierige Geist deines jungen Lehrlings uns hier beehren will. Allmählich habe ich das Gefühl, dass dein junger Schüler immer dort ist, wo Halbwissen am gefährlichsten ist - umso dankbarer bin ich jetzt, dass er sich dazu entschieden hat uns mitten in der Nacht Gesellschaft zu leisten, obwohl er eigentlich tief und fest schlafen sollte", bemerkte sie belustigt und deutete dann zu einer der Kisten, in Ermangelung einer anderen Sitzmöglichkeit.
"Setz dich und höre zu. Denkt über eure Fragen immer noch einmal nach, bevor ihr sie stellt. Manchmal könnt ihr sie bereits selbst beantworten."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:15 pm
Faye konnte nicht umhin, Ari einen Blick zuzuwerfen, begleitet von einem Seufzen, ehe sie ihm sacht die Schulter drückte.
"Mein junger Schüler", wiederholte sie mit einem schiefen, aber warmen Lächeln "besitzt die Gabe, sich unglaublich weit in Schwierigkeiten zu verstricken. Schlimmer als ein junges Kätzchen in ein Wollknäul. Aber er ist ein guter Schüler - talentierter als viele andere, die ich kenne. Und er hat nicht gerade ein leuchtendes Vorbild als Meisterin gefunden, ich glaube, das sollte zu seiner Verteidigung genügen."
Dankbar für den zweiten Mantel verbarg sie ihre Arme und Hände nun in dem warmen Kokon, der sich um sie gelegt hatte und sah zu Lyra auf. Sie hatten vielleicht nicht viel Zeit, also mussten sie rasch arbeiten.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:20 pm
Ari indes fror kein bisschen, was unzweifelhaft an der Begeisterung und dem inneren Feuer lag das beim ihm, als Zauberweber eben jenes Elements, nicht nur metaphorisch aufflammte. Er spürte wie eine innere Stärke in ihm erwachte die ihm inzwischen keineswegs mehr fremd war. Es war seine arkane Natur, deren lachen er für einen Augenblick in den Ohren hören konnte. „Kein leuchtendes, dafür aber ein beispielloses und geniales Beispiel“, korrigierte er seine Meisterin und lächelte sie an, ehe seine Augen wieder gespannt zu Lyra wanderten, fest entschlossen sich an die Anweisungen der Älteren zu halten und jede einzige Frage erst abzuwägen, bevor er sie stellte.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:25 pm
"Ein beispielloses Beispiel", echote Lyra amüsiert und schüttelte den Kopf. Die beiden waren gemeinsam sehr süß, zwangen ihr unweigerlich immer wieder ein Lächeln auf die Lippen, wenn sie die Begeisterung und die Liebe beobachtete, mit der Aristeas von seiner Meisterin sprach und mit wie viel Wärme Faye diese Worte erwiderte. Es tat der Jüngeren gut eine Aufgabe zu haben, die sie erfüllte und eines Tages würden auch ihre Zweifel darüber schwinden, ob sie gut oder schlecht für den jungen Lehrling sein würde.
"Faye", wandte sie sich zuerst an die Ältere von beiden und schob ihren inzwischen leeren Becher von sich. "Heb den Becher. Lass ihn fliegen - kein Wort, keine Geste. Konzentriere dich einfach darauf."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:35 pm
Kein Wort und keine Geste? Das konnte ja lustig werden. Faye streckte ihren Geist aus, tastete sich über die kleinen Unebenheiten der Raumluft hinweg und hin zu dem Gefäß, das Lyra losgelassen hatte, damit es zwischen ihnen stehen konnte. Sie spürte, wie wackelig der Becher stand, weil der Untergrund die Matratze war, die Feuchtigkeit im Inneren mischte sich in winzigen Stückchen mit der Luft darumherum und sie schmeckte das etwas salzige Wasser, ohne es wirklich an ihren Lippen zu haben.
Ihr Kopf wollte ihr sagen, sie solle die Hände ausstrecken, die Hand gebogen über dem Becher, bevor sie ihn anhob, dann würde sie die Hand drehen und ihm so einen Untergrund schaffen, auf dem er stehen - oder für andere schweben - konnte. Doch sie krampfte die Finger kurz in die Stoffhose, die sie trug, ehe sie sie entspannte und die Augen schloss.
Ihre Hände waren kein Tablett. Ihr Gefühl musste diese Aufgabe lösen, nicht ihr Verstand. Selbst ohne den Becher zu sehen konnte sie seine exakte Position im Raum bestimmen. Konzentriert sammelte Faye den Wind, schob ihn unter das Tongefäß und hob es wackelnd an - doch in genau dem Moment, in dem sie die Augen öffnete, fiel er polternd auf den Boden hinunter.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:40 pm
Der junge Lehrling spürte das etwas größeres als sonst seine Fühler in die Welt hinaus streckte. Erkannte die Präsenz die Faye normalerweise umgab wenn sie einen Zauber wirkte. Doch diese hier fühlte sich nicht einmal ansatzweise so an. Sie wirkte viel älter, tiefer und auch stärker. Als würde man in ein Loch schauen und schon vom Gefühl her wissen, dass man wohl ewig fallen würde, ehe man den Boden erreichte. Erstaunt lehnte Aristeas sich ein Stück weit zurück und überlegte, wo er eine ähnliche Präsenz schon einmal gespürt hatte. Dann wurde es ihm jedoch klar. Natürlich, es lag auf der Hand. Als Lyra das Wasser in der Kanalisation herbeigerufen hatte, war ihm dies wie der Ruf einer alten Gottheit vorgekommen. Als hätte irgend ein Monster, das seit Jahrhunderten in den Rohren geschlafen hatte, einen lauten Schrei, nur für Arkanisten hörbar, von sich gegeben. Doch nein, es war nur die innere Stimme der eigenen Magiepräsenz. „Es fühlt sich anders an“, stellte Ari fest und blinzelte dann irritiert. „Wie kommt das?“
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:45 pm
"Das liegt daran, dass sie jetzt nicht mehr die Gesten und Sprüche eines alten Mannes nachplappert, sondern sich auf das verlässt, was ihr Element bedeutet. Bewegung, Freiheit, Leben", antwortete Lyra, die seelenruhig sitzen geblieben war und den Becher fixiert hielt, den Faye zuvor fallen gelassen hatte. Nur ein einziger Blick war nötig, um zu verhindern, dass das restliche Wasser sich aus dem Gefäß auf den Teppich verteilte, der den Boden des Zeltes bedeckte.
"Es gibt eine Theorie, die besagt, dass jeder Mensch magisch begabt ist. Zu gewissen Teilen jedenfalls - viele entdecken ihre Fähigkeiten niemals, weil sie unwesentlich sind und sie verkümmern. Vorahnungen, seltsame Träume oder das hellsichtige Kartenlegen von alten Weibern sind solche Dinge - das und vieles andere, was jeder gewöhnliche Mensch kennt. Dann wiederum gibt es andere Menschen, in denen diese Gaben mächtiger vertreten sind und nur sie nennt man Magier", führte sie fort und wandte sich dann an Faye zurück.
"Noch einmal, Faye."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 10:54 pm
Es frustrierte und erstaunte Faye gleichermaßen, wie wenig Mühe es Lyra kostete, den Becher still zu halten - ein Blick. Ein simpler Seitenblick. Wie lange wusste die andere Magierin bereits von diesen alten Schriften? Wie viele Jahre hatte sie damit zugebracht, mit der kleinsten Anstrengung Flutwellen herbei zu rufen?
Statt all das zu fragen ließ Faye sich nicht noch einmal bitten, richtete rasch den Becher, weil es einfacher war, wenn sie ihn zuletzt berührt hatte, bevor sie erneut ihre Hände auf ihren Knien fixierte, damit sie gar nicht erst in Versuchung geriet.
Der Wind, der diesmal aufkam, umwirbelte nur Faye, ließ Lyra und Ari außen vor und zupfte an den blonden Locken, die sie so erfolgreich vor Septim und seiner Schere verteidigt hatte. Mehr aus einem Reflex heraus lenkte sie die Magie, umschloss die Luft und schob sie wieder unter den Becher. Diesmal hielt sie ihre Augen darauf gerichtet.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, keine Gesten oder Worte dafür zu nutzen und dennoch zu fühlen, wohin die Magie trieb. Und etwas anderes kam ihr in den Sinn: Den Becher hatte sie zwar fallen lassen und auch diesmal stand er wackelig auf seinem transparenten Podest, doch die ruckelige Magiewirkung war nicht auffindbar. Kein plötzlicher Stolperer in der Ausführung, kein Zauber, der abbrach.
Diesmal fing sie den Becher auf, ehe er auf dem Boden landen konnte, weil der Wind weiterzog, noch nicht ganz bereit, ihr all seine Dienste zur Verfügung zu stellen oder zu verweilen. Das, was die hohen Magier ihr gepredigt hatten - den Wind zu kontrollieren, ihn zu zwingen, ihn festzuhalten. Das alles ergab keinen Sinn mehr, obwohl die Regeln ihr klar vor Augen standen, die sie all die Jahre befolgt hatte. Der Wind war nicht dafür gedacht, eingesperrt zu werden. Nicht in ihr, überhaupt nicht.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 11:01 pm
„Es ist eine Wechselwirkung“, Murmelte Ari leise und erinnerte sich dann an die schier endlosen Runenformeln, die er in den Handwerkszentren der Universität auswendig gelernt und später auch angewandt hatte. Wenn man Magie in etwas bannen oder mit etwas verbinden wollte, dann zwängte man einen kleinen Teil der arkanen Macht in diese Worte, wobei man seine Aussage meist so kurz und präzise wie möglich formulierte, da so die gewünschte Wirkung am ehesten und intensivsten eintrat. Doch diese Variante war eben nur dafür gedacht. Für das Bannen der Magie in Worte. Auf Tafeln, Schriftrollen, Torbögen, Stäben, was auch immer. Doch man hatte ihnen eine Abwandlung davon auch für die restliche Nutzung der Magie beigebracht. „Zauberweber das … damit ist nicht gemeint das wir ein Netz weben das die Magie einhüllt, sie fesselt und sich unserem Willen beugt, richtig? Man webt eine tiefe Verbindung zwischen sich und seinem Element.“
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Re: Kapitel 7

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