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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 11:06 pm
"Zauberweber ist nicht der richtige Ausdruck für uns, Aristeas. Wir sind, was wir sind. Grenzen wir uns ab, laufen wir Gefahr die Vergangenheit zu wiederholen. Du bist nichts weiter als Aristeas. Faye ist nur Faye. Wir dürfen nicht unsere Gabe alles sein lassen, was uns darstellt. Wir sind mehr als das. Halte dir das immer im Hinterkopf", schallt Lyra den Jüngeren, weil er in eine gefährliche Richtung abdriftete ohne es wirklich zu merken. Sie hatte über all die Zeiten genügend Schriften gelesen über Magie, die verboten worden war und über Männer und Frauen, die geglaubt hatten, ihre Magie würde sie über all diese Dinge erheben. Magie war ein Teil von ihnen, sie bestanden daraus und sie atmeten einzig und allein mit ihr, aber sie beherrschten sie niemals vollständig.
"Gut gemacht, Faye. Nimm jetzt einen zweiten Becher. Verschütte nichts von dem Wasser", forderte sie die Blonde an ihrer Seite auf und blies eine der Kerzen aus. "Entzünde die Kerze, Aristeas. Ohne Geste, ohne Wort. Kontrolliertes, ruhiges Feuer."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 11:14 pm
Immer noch zögernd gehorchte Faye, war aber so abgelenkt von Ari, dass der Becher schon in den ersten Sekunden bedenklich zu wackeln anfing und nur deswegen kein Wasserspritzer auf dem Teppich landete, der im Zelt ausgelegt war, weil Faye den Becher mit den Händen auffing und Lyra das Wasser im Gegenzug wieder hineinfüllte. Es war ein merkwürdiges Bild, wie es so gekonnt aus der Luft floss, als würde es aus einer Kanne gegossen.
Innerlich schalt Faye sich, mahnte sich zur Ruhe. Lyra war eine Wassermagierin, sollte das hier schief gehen, würde sie ja wohl in der Lage sein, den Brand zu löschen, ehe sie alle in Flammen aufgingen.
Behutsam stellte sie den Becher zu Boden und blendete Ari und seine Arbeit neben ihr aus.
Die Müdigkeit, die sich einstellte half ihrer Konzentration nicht gerade, doch sie ahnte, dass es besser war, nun am Ball zu bleiben, bevor sie in der Hauptstadt ankämen und sie vollends verwirrt war, wie sie was einsetzen musste.
Ein tiefer Atemzug verließ Fayes Lungen, dann ließ sie den Becher erneut in die Höhe steigen.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jul 05, 2017 11:17 pm
„Seid ihr euch sicher das ich“, doch noch bevor Ari die Frage wiederholen konnte, nickte Lyra, diesmal wesentlich strenger. „In Ordnung“, er versuchte sich bequem auf den Stuhl zu setzen auf dem er Platz genommen hatte, legte dann den Rücken vollständig gegen die hölzerne Lehne und atmete zwei, dreimal tief ein und aus. Mit jedem neuen Atemzug fühlte er, wie das Feuer in ihm hervor kroch und sich dazu bereit machte, in seiner Hand zu bündeln. Dieser Prozess war bereits derart gewohnt für Asristeas, dass er erst im letzten Moment bemerkte, dass etwas vollkommen anderes von ihm gefordert wurde. Keine Gesten, keine vorherige Projektion des Elements. Das Feuer sollte direkt die Kerze erfassen. Für eine kurze Zeit fühlte sich Ari reichlich dämlich wie er da saß und das Feuer förmlich dazu anhielt sich doch bitte endlich zu bewegen. Er sah konzentriert auf die Flamme, rief in Gedanken immer wieder: Feuer, Flamme und dergleichen, doch nichts davon brachte etwas. Er war bereits dabei aufzugeben, als er leise schnaufte und mit einem Mal ein Teil des Feuers förmlich aus ihm floh, mit einem derart schrillen Lachen, dass es ihn in den Ohren klingelte. Er versuchte noch das Feuer irgendwie zu beschwichtigen, zu vermitteln dass es nur dann am Leben bleiben konnte wenn auch Ari den Kontakt aufrecht hielt, doch das Resultat eben dessen war vielleicht kein in Flammen stehendes Zelt, dafür jedoch eine vollständig geschmolzene Kerze. „Verzeihung“, murmelte er kleinlaut und brütete fieberhaft darüber, wie man denn das Feuer selbst dazu bringen sollte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Es war, als wollte man mit einem Geisteskranken ein Geschäft abschließen. Immer dann wenn man glaubte einen guten Handel für beide herausgeschlagen zu haben, warf das Gegenüber mit einem Mal sämtliche Münzen in die Luft und tat lachend dann das, worauf es gerade Lust hatte.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:04 pm
Schweigend hatte Lyra den beiden zugesehen und lediglich die Hand ausgestreckt, bevor die Wachsflecken auf den teuren Teppich getropft wären, nachdem Aristeas die Kerze zum Schmelzen gebracht hatte. Sie hatte noch einen Haufen von Arbeit vor sich - Fayes Konzentration brach immer dann ab, wenn mehr um sie herum war als sie selbst und was Aristeas anging - er versuchte sein Element zu beherrschen. Das hier würde nicht in einer einzigen Nacht erledigt sein und sie wusste jetzt schon, was die nächsten Wochen füllen würde bis sie in der Hauptstadt angekommen waren.
Flirrend kühlte das Wachs wieder ab und fiel dann in einem großen Klumpen nach unten, bevor sich die ältere Magierin leise seufzte. "Wo warst du mit deinen Gedanken, Faye?", schallt sie die Jüngere und schüttelte den Kopf. "Glaub nicht, es wäre mir entgangen. Deine Gedanken sind bei den Bechern, nicht bei Aristeas und nicht bei mir. Nur bei den beiden Bechern und was dich angeht, Aristeas", begann sie zu erklären und wandte sich dann rüber zu dem Jüngsten ihrer kleinen Runde.
"Was hatten wir über das Element beherrschen gesagt? Du hast das Feuer nicht an einer Leine, du führst keine Kette. Es ist frei - du musst eine andere, eigene Möglichkeit finden, wie es dir gelingt. Aber immerhin hast du nicht mein Zelt abgefackelt."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:08 pm
"Ein ganz schöner Krach, hm?" Fordwin war im Zelteingang des Männerzeltes erschienen und betrachtete die übrig gebliebene Gruppe, zu der zu seiner Verwunderung auch Eleonora zählte. Die andere sah im Moment kein Stück wie die Hofdame aus, die er ab und zu in den Gärten des Schlosses gesehen hatte, doch er verbot sich sämtliche Fragen diesbezüglich und warf stattdessen nur einen knappen Blick zu Lyras Zelt.
"In zwei Stunden geht die Sonne auf und ich konnte sowieso nicht mehr schlafen. Meine Männer sind noch im Bett und selbst wenn sie demnächst aufwachen sollten, werden sie damit beschäftigt sein die Pferde zu versorgen. Es ist also niemand hier, der ein zu großes Ohr haben könnte."
Er zupfte sich an der Nase und seufzte schwer. "Ich kann euch nun also einige Fragen ein wenig ehrlicher beantworten als zuletzt."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:10 pm
Wo sie mit ihren Gedanken war? Oh, Faye hätte zu gerne geantwortet, aber es hätte bedeutet, mehr zu sagen, als sie wollte und der Ärger über sich selbst brachte sie nur dazu, Lyra einen kurzen Blick zuzuwerfen, ohne einen Ton, ehe sie sich wieder den Bechern zuwandte. Nur die Becher.
Na das konnte ja heiter werden, wenn das ihre neuen Reisegefährten wurden.
Ärgerlich zerrte ein Windhauch an ihrem Ärmel wie ein kleines Kind und Faye wand sich aus dem Griff, um sich zu sammeln. Sie war wirklich überall. Bei Emerson, bei Eleonora, bei Ari vor allem, wie denn auch nicht? Immer wieder drängte die Stadt in ihre Gedanken und mischte sich mit dem, warum sie geflüchtet waren und vor allem: wie.
Und so dumm es auch war, sie wusste genau, dass Lyra Recht hatte. Sie würde lernen müssen, sich zu fokussieren. Nicht, dass das das erste Mal in ihrem Leben war.
Sie stieß den angehaltenen Atem aus und befahl ihrem Geist, sich zu beruhigen. Zu sich zu kommen. Zurück zu dem, wo sie war, was sie war und wer sie sein konnte.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:21 pm
„Und genau davor habe ich ein wenig Angst“, erwiderte Ari und verzog den Mund ein wenig. „Lasse ich das Feuer einfach los, dann wird es wild um sich greifen. Es ist wilder als alles was ich je erlebt habe und folgt, soweit ich es beurteilen kann keinem sinnvollen Muster. Es tut einfach was es will, wann es will. Zerstört, wärmt und zersetzt nach Befinden, nicht nach Logik.“ Kurz nestelte er an seinem Hemdärmel und wartete auf eine weitere Anweisung, doch es folgte keine. Lyra saß still da und untermalte damit nur ihre vorherige Aussage, er würde selbst einen Weg finden müssen. Nur wie? Er konnte das Feuer nicht einfach wild um sich greifen lassen denn einmal entfesselt würde er es nie wieder einfangen können. Doch nein, darin lag ja der Fehler. Er sollte es auch noch der Anwendung nicht einsperren, einfangen oder irgendetwas gegen seinen Willen tun. Aber wie sollte er dann irgendetwas hervorbringen? Sein Element mit netten Worten beschwatzen? Dann jedoch kam ihm ein Gedanke. Lag es in der tiefgreifenden Furcht vor dem Feuer? Musste er es deswegen beherrschen, statt einfach mit ihm zu arbeiten? Lachte die Flamme vor seinen Augen deswegen immer und immer wieder auf bevor er Zauber wirken konnte? Schließlich ließ sich der junge Lehrling auf dem Stuhl nach hinten sinken, holte tief Luft und schloss die Augen, die Hände aneinander gelegt. Er versuchte alles von sich abfallen zu lassen. Jegliche Angst die er jemals vor dem Feuer gehabt hatte und die, da ihm selbst dieses Element doch nichts anhaben konnte, so unfassbar dumm war, versuchte er beiseite zu schieben. War dies überhaupt der Grund dafür, das Magier vor ihrem eigenen Element geschützt waren? Eine Verbindung die wesentlich tiefer wurzelte als das einfache beherrschen? Mit einem Mal fühlte er das Feuer, doch nicht lachend, kokettierend und tanzend wie sonst. Eher neugierig und beinahe vorsichtig, da dieser Zustand für beide Seiten neu war. Als würde ihn ein wildes Tier beschnuppern, hielt Aristeas Geist inne, ließ das Feuer langsam an sich heran kommen. Beide schienen den Anderen erst einschätzen zu wollen, jetzt da er so anders wirkte als sonst. Dann folgte nur ein einziger Gedanke. Kein Befehl, keine Bitte – nur der Gedanke daran, dass die Kerze entzündet wurde. Und keinen Herzschlag später und ohne eine einzige Bewegung, entzündete sich eine kleine, regelmäßige Flamme.

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„Ist das so?“ Aias klang im ersten Moment skeptischer als er es eigentlich geplant hatte. Der Ältere war ihm noch immer nicht ganz geheuer, doch hatte er für sich selbst festgelegt, dem anderen zumindest ein gewisses Grundmaß an Vertrauen entgegenkommen zu lassen. Andernfalls wäre jedes Gespräch wohl mit einem Besuch beim örtlichen Bader für das Ziehen mehrerer Zähne gleichzusetzen gewesen. „Wie steht es mit dem Krieg gegen den Norden?“ Kam es unvermittelt, ehe sich Aias mit dem Rücken gegen eine Pritschte setzte und Fordwin fragend ansah. „Soweit ich weiß hatte Licentia in den letzten Jahren arge Probleme damit, neue Rekruten zu gewinnen.“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:25 pm
Lyra nickte für sich selbst während die beiden Jüngeren damit beschäftigt waren, ihre eigenen Elemente unter Kontrolle zu bringen und sie wollte sehen, wie weit sie schon waren. Ein Blinzeln von ihrer Seite genügte, dann spritzte zuerst Faye und dann Ari Wasser ins Gesicht. Sie wollte sehen, wie konzentriert die beiden waren - wie fest sie an ihrem eigenen Element hingen und wie leicht sie sich aus der Fassung bringen lassen würden.
"Weiter."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:28 pm
Fordwin verzog das Gesicht, als habe Aias einen faulen Zahn berührt.
"Naja - wir haben was die Gesamtzahl an Soldaten angeht noch nicht viele verloren - es kam nie zu mehr als Geplänkel zwischen kleinen Grüppchen. Aber die Nordlinge sind verdammt harte Brocken. Es kommt einem fast so vor, als wüsste jeder ihrer Bauern wie man ein Schwert schwingt. Sie ziehen sich nicht zurück sondern kämpfen wie die Wahnsinnigen bis zum Tod. Und wenn man in einen Hinterhalt gerät hat man keine Chance mehr - wir haben kaum eines der Scharmützel gewonnen und das ist schlecht für die Moral. Wir könnten wohl gewinnen, wenn wir mit unserer gesamten Streitmacht angreifen. Aber die Verluste... nein, der König hat befohlen die Grenzen zu halten."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:31 pm
Es war vielleicht nur ein Reflex, aber die Schwingungen in der Luft erreichten Faye noch ehe es die Wassertropfen taten. Sie sah sie nicht, hörte sie nicht, sie fühlte sie einfach nur mit ihrem Wesen, das ihr suggerierte, da käme etwas. Faye öffnete die Augen, sah auf das fremde Element und nur dieser eine, winzige Sekundenbruchteil genügte, um die Wassertropfen zum Erstarren zu bringen. Sie blinzelte nicht, doch mit dem nächsten ihrer Herzschläge zerstoben die kleinen Tropfen in tausende kleine. Ein feiner Sprühnebel, der auf den Teppich hinabregnete, während der Becher vor ihr zwar ein wenig schaukelte, aber seinen Inhalt nicht hergab.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:37 pm
Das Wasser das in Aris Gesicht geschüttet wurde, verdampfte zum erstaunen aller einfach. In diesem Moment war er in einem solchen Einklang mit dem Feuer, dass er sich davon durchströmen ließ. Es glitt in jede einzelne Pore seines Körper, kitzelte ihn an den Fingerspitzen und an den Zehen, strich ihm zart über die Wange und küsste ihn schließlich sogar. Er bemerkte den Zwischenfall nicht einmal wirklich. Die Erfahrung war zu einzigartig, zu intensiv. Er war das Feuer und das Feuer war er. In diesem Moment gab es keine Befehle, denn einem Teil seiner selbst befahl man nichts. Kurz darauf gingen alle restlichen Kerzen im Zelt auf einmal an, ebenso die Feuerschale, welche unweit des Bettes stand.

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„Dass beantwortet nicht meine Frage nach den Rekruten“, erwiderte Aias mit einem schmalen Lächeln, ehe dieser Aufstand und aus einer Ecke des Zeltes noch den restlichen Gewürzwein des Abends hervorholte. Er war stark verdünnt und eher dafür gedacht, dass wenige saubere Wasser der Magierin vorzubehalten, den Soldaten jedoch trotzdem etwas vorzusetzen, was im zweifelsfall keine Krankheiten übertrug. Er nahm einen Schluck und reichte die Flasche dann in die Runde. „Ich weiß wie lange Länder Soldaten in der Regel halten können. Und mir ist nicht entgangen, dass in ganz Licentia das Durchschnittsalter für einen Soldat vom König bei fast dreißig Jahren liegt. Das ist enorm hoch. Vor allem wenn man bedenkt das es danach vielleicht noch zehn Jahre sind, in denen man mit all seiner Kraft in den Krieg ziehen kann. Vorausgesetzt natürlich man bleibt bis dahin unversehrt. Und dazu zählen wir noch die weg, die höhere Dienstränge bekleiden. Ich stelle die Frage also noch einmal, da du sagtest“, er entschied schließlich auch hier einfach auf die formelle Anrede zu verzichten. „Wir könnten hier vertraulicher reden. Wir steht es um die militärische Zukunft?“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:42 pm
"Momentan setzt der König noch auf Freiwillige, das stimmt," erklärte Fordwin und ließ den Blick über den anderen wanderte. "Aber lasst es mich so sagen - bevor es zu einem Engpass kommt wird der König einfach eine Wehrpflicht ansetzen und jeden Zweit- oder Drittgeborenen einziehen. Wenn es sein muss auch jeden Jungen der ein Schwert gerade halten kann. Dazu kommt, dass wir in der Lage sind die Magier ebenfalls in die Schlacht zu schicken und wenngleich der König auch nicht viel davon halten wird, gibt es auch noch die Templer. Wir stehen also noch lange nicht vor dem Ende unseres Militärs. Aber ihr habt natürlich recht, wenn es weiterhin modern wird lieber Kaufmann als Soldat zu werden wird die bisher recht laxe Militärpflicht geändert werden müssen."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:45 pm
Es gab Dutzende von Möglichkeiten, wie sie die beiden hätte aus der Fassung bringen können - allen voran damit, dass sie einen der anderen hier hinein geholt hätte, aber stattdessen beließ Lyra es dabei und ließ den beiden eine ganze Weile lang mit ihrem eigenen Element während sie sich selbst zurücklehnte und die beiden dabei beobachtete. Sie würden Zeit brauchen, um sich dieser Gaben aufs Neue bewusst zu werden und sie wusste noch nicht, ob die Zeit bis zur Hauptstadt ausreichen würde. Das Feuer in der Schale nahe ihres eigenen Bettes ging zischend wieder aus und Dampfschwaden zogen hinauf bis zur Decke des Zeltes, in dem sie zu dritt saßen.
"Versucht noch zwei Stunden Schlaf zu finden und denkt darüber nach, was ihr hier gelernt habt. Wir haben von jetzt an bis zur Hauptstadt etwa zwei Wochen Zeit, um all das hier noch einmal zu vertiefen und euch vielleicht den Zugang zur Magie zu erleichtern", teilte sie nach einer Weile mit als die beiden wieder bei sich waren und weil sie selbst noch ein paar Stunden schlafen wollte, bevor sie sich wieder dazu genötigt fühlte, sich auf ein Pferd zu setzen und gemeinsam mit einhundert Soldaten zu reiten.
"Morgen Abend beantworte ich die Fragen, die euch im Laufe des Tages einfallen. Wenn euch während der Reise langweilig wird ... Faye, ohne abzusteigen oder die Hände auszustrecken. Alle paar Meilen nimmst du etwas Kleines mit und erzählst mir Abends, woher du es hast. Ari, von dir erwarte ich eine Möglichkeit dich selbst warm zu halten, während wir unterwegs sind - mit nur dünnen Kleidern am Leib. Lass Magie den Rest erledigen. Du wirst mir erzählen, wie du es geschafft hast, wenn wir uns morgen wiedersehen."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:46 pm
Zufrieden mit der offenbar ehrlichen Antwort, nickte Aias kurz und nahm dann, als die Flasche erneut zu ihm gereicht wurde, einen weiteren Schluck. „Ihr hinkt“, bemerkte er dann, als das Gespräch bereits beinahe eingeschlafen war. „Ihr verbergt es gut aber ihr zieht euren rechten Fuß nach. Woher kommt das?“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:49 pm
"Ich habe doch erzählt, dass ich mal bei der Reiterei war," erklärte Fordwin und nahm den Schlauch als er nun an der Reihe war und nahm einen tiefen Schluck. "Während eines Scharmützels bekam mein Gaul einen Pfeil ins Auge und strauchelte, kippte mitsamt mit auf seinem verdammten Rücken um. Den Rest der Geschichte könnt ihr euch wohl denken - es war ein Magier, der mein Bein rettete. Hat den Templern nicht gepasst und ich werde nur selten freundlich in der Kirche empfangen, weil sie befürchten, dass sich meine Ansicht über Magier in die falsche Richtung entwickelt haben könnte."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:57 pm
Wann Eleonora zurückgekommen war, konnte Faye nicht sagen - oder ob sie es überhaupt war. Tatsächlich schlief sie in einem leeren Zelt ein und erwachte in ebenjenem. Die Bettstätte neben ihr schien zwar aufgewühlt zu sein, aber von der Assassinin fehlte jede Spur, genauso wie von jedem Teil der Ausrüstung, die sie getragen hatte.
Der wenige Schlaf machte sich endgültig bemerkbar, als Faye sich auf den Rücken rollte und gen Zeltdach starrte. Ein Tag im Sattel, gefolgt von noch so vielen, bis sie die Stadt erreichten und was dann kommen würde, stand in den Sternen.
Erst eine ganze Weile später konnte sie sich schließlich überwinden, sich nach draußen zu begeben, direkt zu der Wasserschale, die man für die Frauen aufgestellt hatte. Das Wasser war kalt und Faye wünschte, sie hätte Ari vorher Bescheid gegeben, es aufzuwärmen, aber es erfüllte seinen Zweck, als sie es sich mit beiden Händen in das Gesicht schaufelte. Prustend und halb blind wischte sie sich schließlich mit dem Ärmel die Feuchtigkeit aus dem Gesicht und spürte, wie ihre Wangen brannten, weil es noch so kalt war. Nebel waberte zwischen den Zelten umher und geschäftiges Treiben war am anderen Ende des Lagers zu hören.
Mit dem zweiten Mantel um ihre Schultern, ihn vorne zuhaltend, damit nichts von der kostbaren Wärme verloren ging, suchte sie sich ihren Weg durch das Lager hinüber zu dem Zelt, an dem sie Ari gestern abgesetzt hatte.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 9:58 pm
„Und? Tut sie das?“ Hakte Aias nun interessiert nach. Von Verletzungen wie diesen hatte er schon mehrfach gehört und der Andere musste sich, wie er selbst bereits erwähnt hatte, wirklich glücklich schätzen. Meist wurden die meisten der Knochen zertrümmert und das mit einer derartigen Wucht, dass niemand danach mehr in der Lage war, diese wieder zu richten. „Ich habe schon in Licentia bemerkt, dass sich das allgemeine Bild immer mehr gegen die Magier richtet. Ist das eigentlich auch von eurem König gewünscht oder kann er nur nichts dagegen unternehmen?“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:02 pm
"Das sind gefährliche Fragen und ich rate euch dringend keine davon am Hof zu stellen," erklärte Fordwin mit einem düsteren Gesichtsausdruck. "Aber ich habe euch versprochen ehrlich zu sein und ich halte meine Versprechen. Also nein - es ist nicht vom König gewünscht und ehrlich gesagt ist es eher eine Reaktion auf seine Taten. Seine Majestät hat mit der Unterstützung der Magier die Templer verärgert, die den Hass gegen diese Magier nur noch weiter stärken. Und auch der König kann nicht kontrollieren was bei der Messe in jedem Gotteshaus gesprochen wird. Wenn man den einfachen Leuten Angst macht, dann steigert sich der Hass. Aber nein es war nicht vom König gewünscht, eher im Gegenteil."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:10 pm
„Und warum beschneidet euer Herrscher dann nicht einfach die Rechte und Möglichkeiten der Kirche? Wenn ich mich recht erinnere steht der König doch über allem, auch über dem Glauben.“ Das er sich überhaupt auf dieses Gespräch einließ ärgerte Aias. Er wollte eigentlich nichts von irgendwelchen Plänen und Ränken hören. Von Machtverhältnissen und Dingen, die vor den Augen der gemeinen Welt geheim blieben. Doch zumindest die wichtigsten Dinge mussten sie in Erfahrung bringen, andernfalls wäre das arbeiten für den König schlichtweg auf blindem Vertrauen aufgebaut, welches am Hofe schneller töten konnte als Pest, Cholera, Syphilis und Dummheit zusammen. „Warum lässt er die Zirkel nicht einfach auflösen und lässt lediglich die Akademien als freiwilligen Zugang für die Magier bestehen? Der Norden ist doch das ideale Beispiel dafür, wie er das umsetzen könnte was er scheinbar anstrebt.“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:15 pm
Nun wurde Fordwin stutzig und beugte sich ein wenig nach vorne.
"Ihr klingt nicht wie jemand der aus diesen Ländereien stammt, ansonsten könntet ihr euch diese Frage selbst beantworten," erklärte der alte Ritter und stützte eine Hand auf dem kaputten Knie ab. "Auch kann ich euren Akzent nicht ganz einordnen - sagt, woher kommt ihr eigentlich?"
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:25 pm
„Wart ihr schon einmal in Esnea?“ Stellte Aias die schlichte Gegenfrage und richtete sich ein Stück weit auf, straffte den Rücken und nahm dann erneut die Flasche entgegen, welche sich inzwischen gut zur Hälfte geleert hatte. „Es gibt dort neben der Hauptstadt Damerel ein Gebirge. Die Himmelsspitzen. Davor gibt es ein recht großes Tal in dem seit Jahrhunderten die Pferdezucht die größte und auch beinahe einzige Einnahmequelle ist. Hollows nennt es sich. Deswegen kenne ich mich selbst aus was die Reiterei betrifft, allerdings nicht, was euer Land angeht. Ich musste von dort vor einiger Zeit fliehen. Warum ist indes nicht wichtig. Ich bin mir sicher ihr habt auch Dinge getan, auf die ihr nicht stolz seid. Aber die Frage bleibt bestehen – warum ändert der König nicht einfach die Gesetze, wenn das derzeitige Handeln gar nicht in seinem Sinne ist?“
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:28 pm
"Weil das Königreich ein vertracktes, in sich verstricktes Ding ist - natürlich könnte der König einfach etwas ändern, dass nicht nach seinem Geschmack ist aber wer weiß welche Folgen das haben könnte? Würdet ihr aus einem großen Holzstapel einfach auf gut Glück einen ziehen? Ihr tätet gut daran zu fürchten von dem sich in Bewegung setzenden Stapel erschlagen zu werden."
Fordwin schüttelte abfällig den Kopf. "Nein - ihr würdet zuerst den Stapel abtragen bis zu dem Scheit den ihr entfernen wollt und diesen dann fort werfen - und so ist es auch in der Politik. Zudem ist der Glaube ein tief verwurzeltes Ding" und nicht zuletzt half es die Leute gegen die Heiden im Norden zu einen.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:33 pm
„Eines das den König, sollte es zu weiteren Ausschreitungen kommen vor eine Wahl stellen wird, seine Überzeugung oder der Glaube? Magier oder Templer?“ Langsam verstand er was das hier für ein Land war, wie tief die menschlichen Abgründe hier gingen und was hinter all der Fassade steckte. Ehrlichkeit war auch im Norden die der Standard gewesen, nein. Doch auf ihre Weise waren die Dingen einfach gewesen, nun zumindest einfacher als das hier. Sie wählten ihre Herrscher und damit auch ihre Gesetze selbst, regelten ihre Streitigkeiten entweder beim jeweiligen Fürsten oder untereinander und kannten, gegenüber allem Fremden das ihnen keinen Schaden zufügen wollte, eigentlich nur Akzeptanz. Licentia jedoch war anders. Aufgebaut auf einen riesigen Haufen von Arroganz und geheucheltem Selbstbewusstsein, dass man aus teuren Stoffen, feinem Essen und gezwirbelten Bärten zog.
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:38 pm
"Wie schon gesagt - ich an eurer Stelle würde diese Themen weder gegenüber seine Majestät noch gegenüber Lady Lyra erwähnen. Die beiden sind bereits tief in dieses Spiel verstrickt und ich fürchte auch davor mich nicht mehr aus den Fäden befreien zu können, wenn ich weiter darüber rede..." er schüttelte den Kopf und stand langsam auf, warf einen Blick über die Schulter hinaus in das Licht einer aufgehenden Sonne.
"Wir sollten bald aufbrechen - es sind noch zwei Wochen bis zur Hauptstadt und der König erwartet euch alle schon ungeduldig."
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Re: Kapitel 7

am Do Jul 06, 2017 10:48 pm
Das Gespräch verrannte sich alsbald aufgrund unterschiedlicher Meinungen und einem angeborenen Standpunkt den beide Männer vertraten und von dem sie nur bedingt abweichen konnte. Das an sich konnte man keinem der beiden zum Vorwurf machen, schließlich hatten sie lange Zeit nur diese eine Welt mit eben diesen Werten kennen gelernt, welche sie in dem Gespräch vertraten. Und so wurde, nachdem alles für die weitere Reise besprochen war, auch kein Wort mehr gewechselt. Fordwin verschwand aus dem Zelt und alle begaben sich für die verbliebenen Stunden zu Bett. Kurz hatte er darüber nachgedacht Lyra noch einen Besuch abzustatten, doch laut Fordwin würde in gut zwei Stunden die Sonne aufgehen. Danach wären ihm mit etwas Glück noch zwei zusätzlich Stunden vergönnt bis er aufstehen und sein Pferd satteln musste. Zu wenig Zeit um die Gesellschaft der anderen eingehend und gänzlich zu genießen.

Am nächsten Morgen waren vor allem zwei Dinge auffällig – den Wandel den die Reisegesellschaft vollzogen hatte, denn jeder sah nun ordentlich gekleidet und frisch gewachsen aus, wobei man den deutlichsten Unterschied natürlich an Lyras hochgesteckter, aufwendiger Frisur und den feinen Kleidern erkannte. Und einem Zauberlehrling, welcher durch das Lager lief und sich nach einer Metallstange erkundigte, welche er wohl für sein Projekt, welches er während der Reise in Angriff nehmen würde, brauchte. Schlussendlich hatte ihm der Hufschmied mit einem leisen Murren eine solche zur Verfügung gestellt, fast so lang wie der junge selbst und vielleicht einen halben Daumenbreit dick.
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Re: Kapitel 7

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