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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 9:44 pm
Warum nur gerieten sie immer und immer wieder an Punkte, die dummerweise sehr mit ihren eigenen Eckpunkten verknüddelt waren ...?
Faye hatte der Erzählung still zugehört, musste zugeben, dass Verrat im ersten Moment furchtbar klang, im zweiten jedoch kein großes Ding mehr war. Die Bestrafung, hierher verbannt zu sein, mehr aus Zufall, war das andere. Es musste furchtbar sein, nicht einmal mehr in der eigenen Welt leben zu können.
"Reinblütige Magier?", hakte sie dann schließlich nach, weil sie nicht auf all den andern Dingen herumreiten wollte, die Rivia offensichtlich weh taten.
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 9:49 pm
"Kinder von zwei Magiern", versuchte Rivia es genauer zu erklären. "Einstmals war das keine Einschränkung. Es gab viele Magier unter euch - viele, die es nicht einmal wussten, weil sie nur einen Funken davon in sich trugen. Menschen, die schneller heilten als andere, die stärker als andere waren, jene, die Dinge wussten bevor sie geschahen, aber mit den Jahren wurde es weniger. Heute spüre ich nicht einen einzigen reinblütigen Magier mehr - weder hier, noch in einem anderen Reich und die letzte Königin meines Volkes. Die letzte Tochter eures eigenen Volkes wird selbst in meiner Heimat alt."
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 9:56 pm
„Gibt es denn keine Möglichkeit, dass, was die Templer den Frauen antun“, er hielt kurz inne und sah für einen Augenblick zu Faye, als wolle er zuerst fragen, ob es in Ordnung sei wenn er dieses heikle Thema ansprach. „wieder rückgängig zu machen? Mit all diesem alten Wissen und dem Verständnis der Magie, welches sich jedem von uns entzieht, muss es doch irgendwie machbar sein, auch weiblichen Magiern wieder die Möglichkeit zurückzugeben, Kinder zu bekommen.“
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:02 pm
"Es gibt Magie dafür. Es gibt für alles Magie aber für alles gibt es Regeln und eine davon ist der Wille. In meiner Heimat - dort, wo die Magie ursprünglich ist und wo ihr sie her habt - entstehen Kinder, wenn sie gewollt werden und nur dann. Es gibt Dutzende von Reagenzien, die dabei helfen könnten, aber ich weiß nicht, was genau die Templer getan haben, noch habe ich genug Wissen über eure Welt und die Magie hier", antwortete Rivia mit einem nachsichtigen Lächeln und musterte Aristeas noch einmal. Es ehrte ihn, dass er versuchte zu helfen, so egoistisch sein Gedanke die Magie behalten zu wollen, auch sein mochte. Sie spürte, dass es ihm um mehr ging als nur um sich selbst.
"Das Herz eines Drachen würde vielleicht helfen, aber ich weiß nicht mehr. Dafür bräuchte ich Schriften, Pergamente aus der alten Zeit als die Magier noch freier waren oder Bücher der alten Geschichtsschreiber eurer Zeit. Alt genug, damit sie den Brauch kennen."
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:10 pm
Sofort schossen Faye Lyra und der Norden durch den Kopf, die einzigen beiden Möglichkeiten, bei denen Zugang zur Magie nicht reguliert oder verwehrt worden waren. Jedenfalls hoffte sie das vom Norden.
Sie versuchte nicht allzu sehr über die Möglichkeit nachzudenken, was wäre, wenn es wirklich eine Zauberei oder ein Ritual dagegen gab, was den Magierinnen angetan wurde, sobald sie auch nur alt genug waren, um ein Kind in die Welt zu setzen und gleichzeitig jung genug, um sang- und klanglos alles über sich ergehen zu lassen.
Würde sie Kinder wollen? Reinblütige Magier oder nicht, das war ihr herzlich egal, aber Kinder? Eine ganze Weile starrte sie auf ihre Finger hinunter, betrachtete all die Rillen und feinen Linien, die ihre Handfläche durchzogen und stellte sich eine schmale Kinderhand vor, die sich darum schloss, dann seufzte sie leise und lächelte schief, mehr zu sich selbst als an die anderen beiden gewandt, die ihren gedanklichen Ausflug einfach akzeptiert hatten. Erneut sah sie zu Emerson hin, der eingerollt in seine Decken schlief, die Finger um den Dolch geschlungen, jederzeit bereit, wieder aufzuspringen und sich zu verteidigen.
Das Lächeln wurde bitter und verschwand schließlich, als sie den Kopf zurück an den Baumstamm lehnte und die Augen schloss. Em war ein Assassine, sie eine ausgestoßene, flüchtige Magierin. Welche Zukunft konnten sie einem Kind bieten? Vielleicht war es gut so, wie es war. Sie hatte ja schon Mühe einen Heranwachsenden irgendwie zu beschützen, geschweige denn ein kleines Wesen, das völlig von ihr abhängig war und Drachen töten klang ... nicht unbedingt einladend.
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:19 pm
Das Herz eines Drachen? Nun wenn es nichts weiter war als das. „Ich habe in meinem Leben vielleicht drei oder vier Geschichten über Drachen sammeln können. Und das auch nur, weil ich als kleiner Junge immer wieder darauf bestanden habe etwas darüber zu hören. Die meisten Leute halten Drachen für alberne und noch dazu abgedroschene Sagengestalten von Fantasielosen Großeltern und ihre Enkel irgendwie bespaßen wollen. Gibt es in eurer Welt Drachen?“
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:22 pm
"Es gibt nur noch ein paar von ihnen. Die Meisten von ihnen sind vernunftbegabt und älter als eure Welt. Ihre Körper groß wie die Berge, die ihr im Norden kennt und die Zähne größer als die Dächer eurer Schlösser. Wir würden niemals auf den Gedanken kommen einem von ihnen ein Leid zuzufügen, weil wir wissen, dass sie rachsüchtig sind und Vergeltung dafür verlangen würden. Ich weiß, dass ein paar von ihnen in eurer Welt leben, aber weder wo, noch wie groß sie sind oder ob sie über das Fehlen der Magie in eurer Welt inzwischen den Verstand verloren haben."
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:24 pm
"Und sie wären mit Sicherheit nicht angetan davon, wenn jemand sie umbringen wollte, um am ihr Herz zu kommen", schloss Faye nach einer ganzen Weile. "Wir kommen kaum mit einem Schrat zu Rande, er hätte uns einfach platt gewalzt und aufgespießt, wärt ihr nicht gekommen. Ich glaube wirklich, ein Drache liegt außerhalb unserer Reichweite."
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:29 pm
„Naja Drachen speien ja bekanntlich Feuer. Und wenn sie das Feuer in sich tragen könnte ich“, er machte eine schiefe Mundbewegung, woraufhin er unweigerlich lachen musste. „Entschuldigung“, setzte er daraufhin hastig nach und versuchte sich möglichst leise zu verhalten, um keinen der Anderen zu stören. „Es ist nur, Drachen, das Erlenvolk, es lässt einen skeptisch werden wenn so wichtige Teile der Welt einfach so verschwinden und irgendwann zu Legenden werden die keiner glaubt. Zweifelsohne glaubt man an die meisten mit gutem Grund nicht mehr.“ Seine Zehn spreizten sich ein wenig um auch den letzten Rest des langsam eingehenden Feuers zu erhaschen. „Wenn es neben unserer Welt noch eine gibt. Dann ist es doch auch möglich, dass es zwischen dieser und eurer Welt noch andere gibt, oder?“
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Re: Kapitel 9

am Mi Jul 26, 2017 10:33 pm
"Vielleicht", sagte Rivia mit einem milden Lächeln. "Vielleicht gibt es sie. Vielleicht gab es sie und sowohl ihr, als auch wir haben sie bereits vergessen. Vielleicht hat sie bislang noch niemand entdeckt. Wer kann das sagen, junger Magier? Bis heute glaubtest du nicht einmal an uns", fuhr sie fort und richtete noch einmal die Decke um die Schultern des Jüngeren.
"Aber in jedem Fall bringt dich dein Grübeln über andere Welt nicht weiter. Nicht hier und nicht in einem anderen Leben. Du weißt jetzt von dieser einen - verbringe deine Zeit nicht in Welten, die du niemals sehen wirst. Dies hier ist jetzt dein Zuhause und es ist deine Realität. Mach diese Welt besser, nicht eine andere. Du hast nur diese eine."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 6:46 pm
Die Nacht war erstaunlich lang gewesen, mehr dem Blätterdickicht zuzuschreiben, das die aufgehende, kalte Sonne davon abhielt, sie frühzeitig zu wecken und Elli gähne herzhaft, als sie sich herumrollte und dabei gegen Emerson stieß. Der andere gab ein undeutliches Murren von sich und sie entschied, ihm gleich die volle Ladung zu geben, indem sie ihn mit dem Zeigefinger so heftig in die Seite stach, dass er zusammenzuckte.
"Ich bin die falsche zum Kuscheln", sagte sie ihm und rieb sich über die Augen, ohne weiter darauf einzugehen, dass sie in seine Schlafstätte gekullert war und nicht anders herum.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 6:53 pm
Die Bewegung der anderen, der nur äußerst unsanfte Stoß in die Seite genügte, um ihn wieder zu wecken und den Kopf heben zu lassen. Er spürte den blauen Fleck in der Seite, dort, wo Elli zielsicher getroffen hatte und ihn der Schrat in der vergangenen Nacht erwischt hatte, spürte noch immer die dröhnenden Kopfschmerzen, die selbst während der vergangenen Stunden nicht verschwunden waren. Mit dem Aufsetzen schienen sie nur schlimmer zu werden und sie trieben ihm für einen kurzen Moment die Tränen in die Augen, bevor er sich all jener erinnerte, die hier waren und von denen er längst nicht allen vertrauen konnte.
Die Ereignisse des letzten Tages hingen ihm noch immer nach. Willems wahre Identität und die Flucht aus der Hauptstadt, die Verfolger, die hinter ihnen her sein würden und die jetzt aufholen würden, weil kaum einer von ihnen wirklich reisefähig war. Der Schrat und Fayes Verletzung. Diese seltsame Ansammlung an spitzohrigen Riese, die aus einer anderen Welt kamen und von denen er ohnehin nicht wusste, was er davon halten sollte. Mochten sie auch nett und zuvorkommend sein - es war ihm lieber wieder allein mit der kleinen Gruppe unterwegs zu sein, als sich mit Wesen zu umgeben, die lediglich von Thauril wirklich verletzt werden konnten.
"Morgen", wünschte er Elli jetzt nur zerknittert und schob sich mühselig nach oben, weil die Kälte trotz der Decken ihm in die Glieder gekrochen war und sie sich jetzt steif anfühlten.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 6:57 pm
Eleonora öffnete die Augen, runzelte die Stirn, sprach ihre Sorge aber nicht aus, während sie sich aufsetzte, wesentlich fließender in der Bewegung. Jedenfalls sprach sie nicht die offensichtliche Vermutung aus. Emerson schien schon einmal besser beieinander gewesen zu sein, tatsächlich aber musste sie gestehen, dass seine Bestform schon mehrere Monate zurück lag.
"Guten Morgen", erwiderte sie deshalb leiser und hängte ihm die Decke kurzerhand um die Schultern, aus der sie sich selbst befreit hatte und die noch warm von ihrem Schlaf darin war. Erst dann streckte sie sich hinüber zu der Feldflasche, die sie gestern noch neben sich gelegt hatte und reichte sie Emerson. "Trink was. Dann klingst du auch nicht mehr wie ein Reibeisen."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:04 pm
Zuerst noch vollkommen wortlos nahm er die Flasche von der anderen an und unterzog sie einer kurzen Musterung. Sie war das blühende Leben, schien sich all diesen neuen Einflüssen weit besser anzupassen als er selbst. Es war eine Schnapsidee in den Norden aufzubrechen und zu glauben, sie würden dort irgendetwas verändern können, eine Schnapsidee überhaupt erst von Kaladir aufzubrechen und sich unter den Befehl des Königs stellen zu lassen, weil die Bruderschaft das Geld benötigte. Es fühlte sich nicht danach an, als würde er etwas wirklich gut machen - die weiten Ebenen waren nichts gewohntes, die Masse an Reisegefährten und ihre ganz eigenen Geheimnisse machten es schwer noch den Überblick zu halten und er musste gestehen, dass ihm die Zeit allein fehlte. Nur ein paar Stunden allein irgendwo, das Gefühl irgendetwas im Griff zu haben und eine vertraute Stimme, die anderes zustande brachte als weitere Entscheidungen von ihm zu verlangen.
"Danke", ließ er nach einer Weile verlauten und schloss für einen Moment die Augen, weil das innere Jammern ihnen nichts brachte. Ihm am Allerwenigsten. Heimweh ... das war es wohl, was es am Ehesten traf.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:06 pm
"Die anderen scheinen noch tief und fest zu schlafen", gab Eleonora Auskunft, nachdem sie sich umgesehen hatte und lehnte sich mit der Schulter gegen den anderen. "Und jetzt mal ehrlich ... dir geht's beschissen. Was kann ich tun?"
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:11 pm
"Mich von der dämlichen Idee abhalten in den Norden aufzubrechen und ein paar Fürsten zu ermorden, die - nebenbei bemerkt - genau das wollen, wovon Faye die ganze Zeit spricht. Die Freiheit der Magier." Es war ja nicht so, als hätten sie eine große Wahl gehabt. Der König würde die Bruderschaft in Ruhe lassen, wenn er den Auftrag erfüllte, aber dafür wären die Magier dort fortan verdammt in Zirkeln eingesperrt zu werden. Wenn er sich weigerte, würden die Bruderschaften leiden, selbst wenn er selbst im Norden blieb. "Aber ich schätze dafür ist es zu spät und du hast noch keine Möglichkeit gefunden, die Zeit zurück zu drehen", führte er lediglich kopfschüttelnd fort und hob eine Hand, um sich damit durch die dunklen Haare zu fahren und vernehmlich zu seufzen.
"Einmal abgesehen davon, dass wir mit ... magischen Wesen an einem Tisch sitzen, die es nicht geben sollte und wir einen Prinzen im Gepäck haben, wegen dem uns wahrscheinlich schon Leute verfolgen. Elli, ich weiß selbst nicht, was du tun könntest. Ich weiß nicht mal, was ich tun könnte, um etwas zu verbessern."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:15 pm
"Ich könnte Willem zurück bringen", erwiderte Elli, genau wissend, dass es nicht das war, was er wollen würde. Willem war kein schlechter Junge, er war klug und er tat Ari gut. "Oder wir könnten einfach die Route ändern und nach Esnea gehen." Sie lehnte sich nach hinten, zurück auf ihre Handballen und starrte auf das raschelnde Blätterdickicht. "Jeder würde verstehen, wenn dieser Auftrag zu groß ist. Uns in zu viel hinein zieht."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:25 pm
„Wenn ich mich mit einmischen darf“, fing Aias an und rieb sich die verschlafen dreinblickenden Augen. Er erhob sich langsam von seinem Schlafplatz, der direkt neben dem des griesgrämigen Erlenmannes gewesen war, doch erstaunlicherweise hatte er dort so gut geschlafen wie seit Tagen nicht mehr. Gleichermaßen schien ein Teil seiner Anspannung von ihm abgefallen zu sein, was gleichwohl daran liegen mochte, dass sie in ihrer jetzigen Situation ohnehin nicht viel ändern konnten, denn die Erlenwesen waren ihnen in jedem Belang überlegen. Folglich gab es keine andere Option, als sich diesem Umstand einfach hinzugeben, was erstaunlicherweise eine gewisse Erleichterung für den Mann aus Shoaks war. Zumindest für einen Augenblick schien er befreit von all dem Zaudern das sie mit sich trugen. Und eben deswegen schmerzte es ihn umso mehr, als er dieses nun wieder in dem Gesicht von Em sah. Zum anderen wurde es nun Tag für Tag kälter und auch wenn er jahrelang der Heimat ferngeblieben war, so spürte er doch, dass sein Körper die schneidende Kälte als durchaus angenehm empfand. Und jeden Morgen, wenn er die Kälte und die Nässe in den Lungen spürte, durchfuhr ihn ein leichter Schub Nostalgie. „Du könntest dir alternativ anhören was die Könige“, er spuckte das Wort förmlich aus. „Im Norden dir anzubieten haben. Nicht das ich davon überzeugt bin das sie sich lange halten. Aber möglicherweise könntest du deine Chancen durch eine Allianz mit ihnen vergrößern. Sie geben dir und der Bruderschaft Geld, unterstützen dich dabei Fayes Phi“, er suchte nach dem Wort, fand es jedoch nicht. „Na du weißt schon, ihr Glas mit Blut eben. Sie helfen dir dabei es zu zerstören und du bietest ihnen dafür an mhhm“, er zuckte mit den Schultern. „Gegen den König zu agieren. Eigentlich würde ich so etwas keinem Nordmann zutrauen. Aber seit der Einigung ist dort oben alles recht politisch und fadenscheinig geworden, jetzt würde man einem solchen Angebot vermutlich durchaus zustimmen.“
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:42 pm
"Und mich damit noch tiefer in die Politik einmischen und am Ende eine zweite Seite haben, die gegen die Bruderschaft vorgeht? Nein, Aias. Ich bin nicht Alisander und ehrlich gesagt interessiert mich weder die Politik, noch wie lange sich welche Macht im Norden hält", erwiderte Emerson lediglich harsch und schüttelte erneut den Kopf, so unlieb es ihm auch war, dass der andere sich in dieses Gespräch eingemischt und seine Meinung kund getan hatte. Was Fayes Phylakterium angeht ... das war der zweite Grund, aus dem er sich dem König eher verpflichtet fühlte als dem Norden. Mochte der König auch nicht so sehr auf die Templer hören, wie die Kirche es sich wünschte - er hatte mit Lyra eine Magierin an der Hand und Emerson wollte nicht wissen, was die mit Fayes Blut anstellen konnte, wenn sie nicht spurten.
"Wir haben keine Wahl. Der Norden sollte dir doch ohnehin gleichgültig sein, dich verbindet, wie du es immer wieder betonst, ja nur wenig mit deiner alten Heimat", wandte er sich noch einmal an Aias, bevor er sich zu Elli zurückwandte. "Wir sind aus Kaladir geflohen, wir sind aus der Hauptstadt geflohen - ich habe genug davon weiter wegzulaufen. Unsere Bruderschaft rennt nicht weg und sucht Schutz in einem ganz anderen Land, während unsere Brüder und Schwestern wegen unserer Dummheit sterben. Du hast mich um etwas gebeten, Livio hat mich für etwas gerettet - ich werde beides nicht mit Füßen treten, weil ich mich gerade überfordert fühle."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 7:48 pm
"Aber so hilfst du weder dir noch jemandem sonst", erwiderte Eleonora ruhig und ging nicht darauf ein, dass Emerson Aias anfuhr. Das war ihre Sache und das sollten sie untereinander klären. Was sie nicht hinnehmen konnte war die Grummeligkeit, die er in die Gruppe mitbrachte. Er war nun einmal dummerweise der Anführer geworden, ohne es zu wollen. Er konnte die Sache jetzt nicht abgeben, nicht mittendrin. Vor allem würde er das ohnehin niemals zugeben, stur, wie er war. Sie setzte gerade dazu an, etwas zu sagen, als ihr Blick hinter Emersons Rücken auf Faye fiel, die scheinbar schon eine Weile zuhörte, still und regungslos, wie sie in den Deckenhaufen gekuschelt lag. Ihre Augen waren klar, kein Zeichen mehr von Schlaf und Eleonora konnte die Hilflosigkeit in Bezug auf Emerson sehen, ohne, dass die Magierin etwas davon sagen musste.
Sie warf Aias rasch einen BLick zu, damit er sich nicht weiter in Schwierigkeiten redete, dann schüttelte sie den Kopf. "Wir brauchen jede Hand, jeden Verbündeten, Emerson. Das hier ist nicht die Bruderschaft, bei der du noch jemanden dazuholen kannst, wenn es brenzlig wird. Wir sind alles, was uns da oben bleibt."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 8:02 pm
"Denkst du, das weiß ich nicht?", fragte er lediglich und erhob sich umständlich von seinem Platz, eine Hand auf die Seite gepresst, weil sie mit der energischen Bewegung nicht so gut zurecht kommen wollte, wie er bisweilen gedacht hatte. Es ging nicht darum jemanden dazu zu holen, sondern darum Leute loszuwerden, die er da oben mit seinem Tun nur weiter in Gefahr brachte. Zu sitzen und zu grinsen, dumme Scherze zu machen - nach nichts von alledem war ihm, nicht einmal danach sich Gedanken über das zu machen, was die Erlen in der vergangenen Nacht erzählt hatten und wovon jedes einzelne Wort noch immer in seinem Kopf war.
"Es geht auch nicht darum, noch jemanden hierher zu holen, der uns hilft, Elli. Das Letzte, was ich gerade brauche, ist noch jemand hier. Ich werde sehen, was der Norden bringt, ich kann nicht sagen, was uns da erwartet - was ich aber sagen kann, ist dass ich diesen Auftrag zu Ende bringen werde und dann wieder nach Hause gehen werde" Und er wusste nicht einmal, ob er sich verabschieden müsste oder nicht. Dort oben war alles, was sie jemals gewollt hatte - Freiheit, ein gewöhnliches Leben an einem Ort, an dem sie Mensch statt Magier sein konnte und er würde es ihr nicht verübeln können, wenn sie dort bleiben wollte. Dieses dämliche Gedankenspiel war einer der Punkte, an dem sich seine Gedanken aufhingen.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 8:11 pm
Eleonora verkniff sich einen weiteren Kommentar über seinen Tonfall oder seine Belehrungen, was er wollte und was nicht, aber sie vergaß auch nicht, was er sagte. Mehr aus dem Gefühl heraus, dass das Gespräch gerade nicht das war, was man hören wollte, wenn man gerade aufgewacht war, sah sie zu Faye zurück, doch die war in ihrer eigenen kleinen Welt verschwunden. Elli hatte dieses Verhalten schon öfter an ihr beobachtet, meistens dann, wenn sie sich an irgendetwas in den Diskussionen aufgehangen hatte, dann schien sie nur noch zu treiben, agierte, tat, was erwartet wurde, aber sie war innerlich nicht mehr da, den Blick ins Leere gerichtet. Vielleicht hatte sie so ihre Gefangenschaft überlebt, vielleicht war es auch schon vorher da gewesen.
"Du wirst - ob du es willst oder nicht - diese Gruppe nur schwer verändern, Em. Wir können nicht den ganzen Tag nur grübeln und Trübsal blasen, das täte niemandem gut, dir übrigens auch nicht. Ich weiß um die Gefahren, ich weiß um die unliebsamen Entscheidungen, die anstehen und glaube mir, ich bin die letzte, die Leute in unnötige Gefahr bringen will. Aber jeder Moment, in dem wir die Gelegenheit haben, ein normales Leben zu führen, den sollten wir nutzen. Jeder Augenblick in dem wir lachen ist es wert, gelebt zu werden. Du willst den Auftrag ausführen und dann zurück? Dann sorg dafür, dass du - wenn es so weit ist - keinen verpassten Momenten nachtrauerst."
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 8:26 pm
Wortlos den Kopf schüttelnd, wandte er sich ab und setzte den ersten Schritt rüber zu der Ausrüstung, die er in der vergangenen Nacht abgelegt hatte. Willem nach Hause zu schicken war eine Option, Aias wieder wegzuschicken, weil er Eleonora hatte, die sich dort oben besser auskannte, eine Zweite. Ari und Faye wieder zurück zu Septim, alternativ zu Livio zu senden, war eine Weitere. Nichts von alledem konnte er wirklich tun. Was er in erster Linie tun musste, war weg - sich wenigstens für ein paar Stunden Zeit zu nehmen, die er allein verbringen konnte, um Gedanken zu klären und denjenigen innerlich zu verprügeln, der ihn zum Anführer dieser verfluchten Gruppe gemacht hatte.
Verpasste Momente. Wie viele davon hatten sie schon und wie viele Weitere würden wohl kommen bis sie etwas erreichen würden, das sich auch nur ansatzweise wie Sicherheit anfühlte. Schweigend schob er sich zwischen den Schlafenden hindurch, ignorierte die Blicke, die ihm zugeworfen wurden, als er die sichere Unterkunft verließ, die sie während der letzten Nacht gehabt hatten.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 8:31 pm
Leise stöhnend ließ sich Elli nach hinten fallen, dann raufte sie sich die Haare. "Mein kleiner Schwarzseher", murmelte sie Emerson hinterher, wohl wissend, dass er sie nicht hören würde. In manchen Momenten wusste sie nicht, ob es besser war, bei der Bruderschaft von Livio zu bleiben und dort zu tun, was möglich war und Emerson so etwas Ruhe gebend, was eine weitere Sorge anging, oder ihn lieber nicht zu sehr aus den Augen zu lassen, weil er momentan trieb wie ein Schiff im Sturm und sie Angst davor hatte, wenn eine zu große Welle ihn erfassen sollte.
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Re: Kapitel 9

am Do Jul 27, 2017 8:55 pm
"Eleonora", wandte Emerson sich an die andere als er nach Stunden wieder den kleinen Raum betrat und seinen Blick über die kleine Gruppe wandern ließ, die sich hier versammelt hatte. Es hatte geholfen ein paar Stunden Zeit für sich allein zu haben, statt ständig einen der anderen reden zu hören. "Bring Willem wieder zurück nach Hause. Wir können uns nicht noch mehr Verfolger erlauben, weil wir einen Prinzen bei uns haben. Wir treffen uns in Nykara bei Livio in ein paar Tagen. Ari, du wirst die beiden begleiten. Aias und Faye kommen mit mir - wir reisen weiter. Wir sind langsamer als ihr drei und ihr dürftet wahrscheinlich sogar noch vor uns ankommen."
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Re: Kapitel 9

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