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Re: Kapitel 10

am Mo Jul 31, 2017 10:01 pm
"Ich verspreche es dir", antwortete sie und nahm die Hand der Jüngeren.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 6:49 pm
„Em?“, fragte Faye leise in den Raum hinein, an dessen Dunkelheit sich ihre Augen erst gewöhnen mussten. Es brachte nichts, das Gespräch aufzuschieben. Er würde ohnehin denken, das alles nahm nie ein Ende und würde nur im Chaos enden, aber sie hatte vorgesorgt. Sie würde nicht seinen Auftrag zunichte machen und ihm dabei auch nicht im Wege stehen, geschweige denn seine Seite verlassen. Alles, was sie tun musste, ließ sich auch daneben erledigen, ohne die Bruderschaft, sich selbst oder ihn in Gefahr zu bringen und das war das wichtigste.
Sie fand ihn im Schneidersitz auf dem Bett vor, versunken in sich, obwohl er mit Sicherheit schon lange vor ihrem Klopfen und Eintreten ihre Schritte bemerkt und zugeordnet hatte. Statt zu zögern ließ sie sich ihm gegenüber in der selben Position nieder, allen voran deswegen, weil sie ihn nicht aufscheuchen wollte und gerade sitzen angenehmer war, als irgendwo herum zu lümmeln.
„Hey“, begrüßte sie ihn noch einmal und griff sacht nach seinen Händen, federleicht mit den Daumen über seine Handrücken streichend, die kleinen Härchen darauf spürend, die Adern darunter, die Sehnen. Als sie seinen Blick gefunden hatte, begann sie zu erzählen.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 6:59 pm
Die Übung war altbekannt und trotzdem immer wieder mit Erinnerungen verbunden, die er am Liebsten wieder vergessen hätte. Ein Raum vollkommen dunkel - keine Ritzen mit Licht, keine Luft, die irgendwo zirkulierte und kaum etwas darin außer einem einzelnen Bett, um die nächsten Stunden zu verbringen. Septim hatte damit begonnen als er sieben Jahre alt gewesen war und er erinnerte sich noch gut darin, wie panisch er gewesen war als die Dunkelheit ihn verschlungen hatte, wie panisch er gegen die Holztür gehämmert hatte, um wieder rausgelassen zu werden. Zwei Jahre später war der dichte Rauch dazu gekommen, um eine einzige Lektion zu lernen - die Panik nicht von der Vernunft besiegen zu lassen. Heute, Jahre später, half es dabei die eigenen Gedanken zu sortieren und wieder zu sich selbst zu finden, sich nur auf das zu konzentrieren, was ihn selbst umgab und auf die wenigen leisen Geräusche draußen auf dem Gang. Faye hatte er bereits seit geraumer Zeit gehört und wortlos hatte er sie reden lassen, hatte sie von ihrem Plan erklären lassen und still in sich hinein gelächelt.
"Und was macht ihr mit den Magiern, die gar nicht wollen?"
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:01 pm
"Wir können nur denen helfen, die es auch wollen", erwiderte Faye ohne zu Zögern, weil zu viele Magier, die gegen die arbeiteten auch das Aus für die Aktion bedeuten konnten. "Ich werde lernen müssen, mich mit Magie mit ihnen zu verbinden und ... dafür brauche ich deine Hilfe."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:05 pm
"Du hast meine Frage nicht beantwortet. Was tust du mit den Magiern, die nicht in den Norden wollen und lieber bei den Templern bleiben? Willst du sie umbringen?", hakte er noch einmal nach und blinzelte in die völlige Dunkelheit hinein, einen kurzen Moment brauchend bis er die Umrisse von Fayes Gesicht klarer erkennen und fokussieren konnte.
"Du weißt, dass wir absolut nichts mit Magie zu tun haben. Wie soll ich dir helfen?"
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:09 pm
"Sie können selbst wählen, Em, das ist Ziel der Sache. Aber ich weiß, dass jeder Magier hier fehlen wird und damit eine Chance für eine andere Zukunft darstellt. Es gibt auch noch die Jüngeren ... wir werden sie vor den Zirkeln finden. Und ..." Diesmal war es an ihr zu lächeln und ihn kurz zu küssen, auch wenn sie ihn dabei eher zu sich zog als sich selbst zu bewegen "... da kommst du ins Spiel. Du kennst mich - manchmal besser als ich mich selbst. Du weißt, wie flatterhaft ich sein kann und um mich magisch auf die Suche zu machen, muss ich lernen, all mein Sein zu fokussieren. Glaube mir, ich habe es versucht. Ich brauche Hilfe dabei."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:15 pm
"Schließ die Augen", forderte er sie auf, statt erneut mit Erwiderungen zu beginnen. Wenn sie lernen wollte selbst zur Ruhe zu kommen und ihr eigenes Element zu zähmen, dann würde es sie beide nicht weiterbringen, wenn sie jetzt lange zu diskutieren begannen. Je weniger Dinge Faye in ihrem Kopf hatte, umso eher würde es sie aus diesem Raum rausbringen.
"Konzentrier dich nur auf dein eigenes Atmen. Versuch es ruhiger werden zu lassen - gleichmäßiger", folgte es wenig später und mit einem schiefen Grinsen schob er noch ein spitzes "Damit solltest du einstweilen erst einmal genug beschäftigt sein" hinterher.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:20 pm
Das war etwas, woran sie bereits gescheitert war, aber ihm zuliebe und weil sie nicht ohne Grund Emerson als Lehrmeister aufgesucht hatte, versuchte sie es.
Nicht zu blinzeln war schon einmal die erste Herausforderung, die es Faye schwer machte, sich überhaupt zu konzentrieren. Sie war so darauf getrimmt, die Umgebung wahr zu nehmen, sich zu orientieren, dass es beinahe eine zweite Natur geworden war. Sicherlich wusste sie, dass ihr Gehör viel genauere Details wahrnehmen konnte als ihre Sicht, aber ständige Dunkelheit um einen bewog Menschen nun mal dazu, immer nach dem Lichtschimmer Ausschau zu halten.
Als sie zum dritten Mal die Augen zusammenkniff, tat sie selbiges auch gleich noch mit den Zähnen. Schaden konnte das ja nicht. Dann erst konzentrierte sie sich auf ihren Atem. Gleichmäßiger war machbar, aber ruhiger ...
"Au", murmelte sie mehr zu sich selbst und grummelte ein paar unwirsche Worte hintendrein, ehe sie einen Arm um die lädierten Rippen legte, als würde es helfen, bevor sie erneut testete, wie viel da möglich war. Ruhiger. Langsamer.
Der Luftstrom floss tatsächlich wie gewünscht, füllte ihre Lungen und entwich wieder daraus, aber sie war sich viel zu sehr ihrer Umgebung bewusst. Der harten Matratze, der Wärme im Zimmer.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:23 pm
Emerson verharrte schweigend und bewegungslos ihr gegenüber in altbekannter Position, passte seinen eigenen Atem dem ihren an, damit sie nicht erneut ein weiteres Geräusch wahrnehmen konnte, an dem sie sich orientieren konnte und an dem sie den nächsten Fixpunkt fand, der ihr eine neue Beschäftigung gab. Die Lehrstunden im Haus der Bruderschaft - vielleicht hätten sie mit diesen einfachen banalen Dingen beginnen sollen, Ari und Faye beibringen müssen, dass sie sich erst selbst kennen mussten, bevor sie überhaupt eine Waffe in die Hand nahmen. Es war zu spät um sich jetzt noch über falsche Entscheidungen zu ärgern - Livios Haus gab ihm die Gelegenheit es jetzt nachzuholen - oder zumindest damit anzufangen.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:30 pm
Ihre ganze Natur bäumte sich plötzlich auf und Faye holte erschrocken Luft, ehe sie das Chaos in sich zuzuordnen wusste. All die Jahre im Zirkel war sie darauf trainiert worden, die Magie im Zaum zu halten, sie nur nie loszulassen, um ungewollte Entladungen zu vermeiden - und, wie sie von Lyra inzwischen wusste, um das volle Potenzial niemals zu erreichen. Doch die Wochen hierher hatten sie etwas anderes gelehrt und der Instinkt, den sie sich abgewöhnt zu haben glaubte, kehrte zurück an die Oberseite. Pochend, drängelnd und schiebend wand sich die Magie in ihrem Inneren, bevor sie sich zwang, die Zähne zu entspannen und dann ihre Finger folgen ließ. Die Knöchel knackten leise bei der Bewegung, dann drehte sie die Hände um und legte sie flach auf ihre Knie, spürte den rauen Stoff der Hose. Eine kleine Brise wehte für ein paar Sekunden über sie hinweg als sie losließ und der Magie erlaubte, sich zu bewegen und sie zu umschwirren, bevor wieder Ruhe im Raum einkehrte, nur unterbrochen von den Atemgeräuschen.
Irgendwo in sich konnte sie auf einmal ihr Herz schlagen hören, so deutlich, als würde sie mit dem Ohr auf jemandes Brust liegen. Irritiert runzelte sie die Stirn.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:36 pm
Er hatte damit gerechnet, dass die Magie ihr zuerst einen Strich durch die Rechnung machen würde - dass er den Wind spüren würde, der durch das Zimmer zog und an den verschlossenen Fensterläden zerren würde, an der Tür und auch an ihnen selbst. Faye musste lernen, ihre eigenen ständigen Gedanken abzuschalten, nur für einen kurzen Moment - sie musste erkennen, woher ihre eigene Unruhe stammte und lernen, wie sie damit zurecht kam. Wie sie in Situationen ruhig blieb, in denen andere in pure Panik verfielen und vor allem auch, wie sie erkannte, wann eine Situation aus dem Ruder zu laufen schien - auf die ganzen kleinen Dinge, die sie bislang vollkommen außer Acht gelassen hatte, weil es ständig wichtigere Dinge gab, denen sie sich widmen musste.
Gelassen straffte auch Emerson seine Haltung wieder und schloss die Augen, weil die Dunkelheit um sie beide herum ihn nur mehr anstrengte, als ihm wirklich zu helfen. Wie lange sie hier sitzen würden, stand noch in den Sternen, aber solange es ihr half, war es das wert.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:46 pm
Sie verlor jegliches Zeitgefühl durch die Dunkelheit, die schon beim Betreten in den Raum geherrscht hatte und irgendwann wollte sie es auch gar nicht mehr wissen. Es machte keinen Unterschied, ob es Abend, Morgen oder Mittag war. Die Gedanken, die ihr immer wieder durch den Kopf gekreist waren, wurden weniger. Sie schienen sich von ihr zu entfernen. Na meistens jedenfalls. Es gab Momente, in denen sie ganz bewusst und mit schierer Gewalt einen neckenden GEdanken aus ihrem Kopf schieben musste.
Die Magie hingegen war kooperativer, sie hatte sich zu einem Netz verwoben, gesponnen aus dem, was von ihr kam und dem, was die Natur ihr hier bot. Es lag wie ein Fischernetz im Wasser um sie herum, trieb mit ihren Atemzügen, dehnte sich ein wenig und zog sich wieder zusammen. Es war ein Sicherheitsnetz. Eines, das ihr - ohne, dass sie sich bewusst dort hinwenden musste - jederzeit den nötigen Alarm geben würde, wenn sich etwas änderte.
Das große Weltgeschehen, die Politik und der König verschwanden aus ihrem Kopf, dicht gefolgt von Lyra. Sie streifte über die Reisegruppe, verlor Aias und Elli in der Dunkelheit ihres Geistes, dann Willem und zuletzt verbannte sie auch Ari für einige Zeit hinaus aus ihrem Sorgenkreis. Er war in Sicherheit. Sie alle waren das, zum ersten Mal seit Langem.
Merkbar sanken ihre Schultern ein paar Zentimeter herunter und ihr Kopf neigte sich nach vorne zur Brust, gerade so weit, dass ihr die Strähnen ins Gesicht fielen, sie aber nirgendwo kitzelten. Nur Emerson auszublenden war schwierig. Ihr Netz streifte ihn hin und wieder und obwohl er sich so lautlos verhielt und seinen Atem dem ihren angepasst hatte (der arme Kerl), spürte sie ihn deutlich vor sich.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:54 pm
Scarpi sang das Lied, das er jedes Mal sang wenn er in einen neuen Hafen einlief. Und wie üblich fand seine Stimme einen weg in die Herzen die Anwesenden, sodass bald alle denn Refrain mitsangen und laut mit den Humpen polterten, sodass der Schaum der Biere ein wenig nach links und rechts kippte. „Also Livio“, fing er an, nachdem sich die rege Stimmung langsam gesetzt hatte und die meisten vernünftigen Leute schon das Gasthaus am Hafen verlassen hatten. „Erst einmal freut es mich dich wieder zu sehen. Ist jetzt wie lange her? Drei Jahre? Vier? Verzeih mir, auf See vergisst man schnell dass es noch Zeitrechnungen neben Anlegen und Ablegen gibt. Jedenfalls“, er schob dem Anderen einen Humpen zu. „Trink.“ Die Aufforderung war freundlich, gleichzeitig jedoch bestimmt. Ebenso wie die Bitte um ein Treffen, welches er dem Anführer der hier beheimateten Assassinen zugeschickt hatte, kaum das er einen Fuß auf das Festland gesetzt hatte. „Wie geht es dir so?“
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 7:58 pm
"Ich werde alt, Scarpi", erwiderte Livio mit einem Lächeln und griff nach dem Bier, ehe er es an den Mund führte und ein paar kräftige Schlucke trank. Er kam selten hier heraus in die Wirtshäuser, hatte jüngere, agilere Assassinen, die inzwischen überwachten, was in der Stadt und darum herum vor sich ging, doch er war der Aufforderung gerne nachgekommen. Bislang hatte sich kaum eine Möglichkeit ergeben, mit Eleonora oder Emerson zu sprechen und der Rest der Gruppe schien erst einmal deren Aufmerksamkeit zu brauchen, bis sie sich eingelebt hatten. Livio konnte warten. Er hatte schließlich sieben Jahre darauf gewartet, dass Eleonora Alisander beseitigte. Nun, das war anders gelaufen als geplant, aber nicht ihre Schuld. Sie würden sehen, wohin das alles führte.
"Aber ich halte meine alten Knochen fit. Nun komm zum Punkt, alter Freund."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:05 pm
„Keine ausschweifenden Gespräche mehr darüber, was die in letzter Zeit alles unternommen hast? Du wirst wirklich alt“, antwortete Scarpi mit einem lachen, schüttelte den Kopf und leerte dann seinen kompletten Krug in einem Zug, so als müsse er nicht einmal schlucken. „So schmeckt es am besten“, erklärte er sein Handeln, wischte sich dann den Schaum vom Bart und faltete daraufhin die Hände auf dem Tisch, welcher bei Gott schon bessere Tage gesehen hatte. „Also. Du hast ein paar neue Gäste. Denen, denen ich bereits in Kaladir geholfen habe als es schlecht aussah. Du erinnerst dich? Nun, da sie in deiner Obhut sind, solltest du dich beeilen sie wieder fortzuschicken. Die Kirche lässt inzwischen ganze Delegationen durchs Land reisen. Hexenjäger die eigens darauf getrimmt wurden wie die junge Faye und der noch viel jüngere Aristeas aussehen. Den normalen Pöbel wollen sie diese Aufgabe nicht mehr geben, weil sie mit einer öffentlichen Fahndung befürchten müssten, sie würden sich so bedeckt halten, dass auch die Jäger sie nicht finden. So jedoch“, er wischte sich erneut über den langen Bart. „Du solltest du hier wegschaffen. Schick sie in den Norden, dort wollen sie doch eh hin. Und dort wären sie, zumindest erst einmal sicher.“
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:18 pm
"Wie viele sind auf dem Weg hierher, von denen du weißt?", hakte Livio nach und faltete die Hände nun vor sich auf dem Tisch. Die Nachrichten waren nicht neu, aber Scarpis Dringlichkeit beunruhigte ihn ein wenig. Dennoch würde er keinen von ihnen vorzeitig wegschicken, nicht, solange sie nicht alle wieder völlig gesund waren. Und auch Emerson hatte einiges nachzuholen, wie er bemerkt hatte. Er hatte nie erwartet, die Bestrafung würde spurlos an ihm vorbei gehen, aber die Aufruhr und die Kämpfe und Flucht in den letzten Wochen hatten sich bemerkbar gemacht. Er wünschte, er hätte damals mehr tun können, doch zu sehen, dass die Magierin, für die er es getan hatte, immer noch bei ihm war, hatte seiner Seele etwas Frieden gegeben.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:36 pm
Faye war so weggetreten, dass irgendwann Rufe auf dem Innenhof es waren, die sie zurück in die Realität holten. Sie waren nicht alarmierend, nur lautes Lachen und ein paar Anweisungen. Und erst dann begann ihr Brustkorb unangenehm zu schmerzen und gegen die schieren Stunden zu protestieren, die sie nun schon unveränderlich hier saß.
Mit verzogenem Gesicht rieb sie sich über die Oberschenkel, dann über ihre Arme, die empfindlich kalt geworden waren, trotz des geschlossenen Raumes. Scheinbar hatte sie sich doch in einen halbwegs passablen Zustand gebracht, so ausgekühlt war ihr Körper selten wenn sie drinnen waren.
Ein wenig Licht fiel von draußen zu ihnen herein, geradewegs auf Emersons Gesicht. Er wirkte ruhiger als sie es war und deutlich entspannter als noch vorhin und gerade das war es, was sie lächeln und die Finger zu ihm ausstrecken ließ um mit den Spitzen über seine zu streichen.
"Ich liebe dich", flüsterte sie kaum hörbar, dem warmen Gefühl in ihrem Inneren folgend, wissend, dass es das erste Mal war, dass sie es von sich aus sagte und nicht nur erwiderte.
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:51 pm
Er hatte gewartet bis sie von sich selbst aus wieder aus der Trance zurückgekehrt war und lächelte darüber, wie sie blinzelte, wie sie Mühe damit hatte sich mit dem Licht anzufreunden, das durch die Fensterläden fiel und das ihr wohl offensichtlich genauso sehr in den Augen stach, wie ihm in den ersten Monaten. Zuerst noch vollkommen schweigend schob er sich von der Position nach oben und streckte die Glieder aus, einen kurzen Moment lang verharrend bis wieder Blut in die Finger floss und das unangenehme Kribbeln aufhörte, das ihn zuvor innehalten hatte lassen. Monate waren vergangen seit den Ereignissen in Kaladir, sie hatten sich alle verändert und jetzt fiel ihm genau das mehr denn je auf. Aus diesem verfluchten Auftrag war irgendwann eine Mission geworden und wenn er ehrlich war, dann scherte es ihn wenig, ob der Norden von dem König überrannt werden würde oder nicht, solange es bedeutete, dass sie in Ruhe gelassen werden würden.
Ohne Worte beugte er sich kurz zu ihr herab, um sie zu küssen und erst dann wieder die Stimme zu erheben. "Und? Zur Ruhe gekommen?"
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:54 pm
„Mindestens ein Dutzend. Aber alle aufgeteilt und mit verschiedenen Begleitern. Soweit ich weiß zieht einer mit einer Horde Weiber herum die allesamt wie Furien kämpfen sollen. Ein anderer führt einen lebenden Berg als Begleiter und Gefährten spazieren“, Scarpi schnaubte leise. „Ich denke nicht dass sie innerhalb der nächsten ein oder zwei Tage hier sein werden, aber spätestens in einer Woche werden sie deine Stadt erreichen.“
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:55 pm
"Irgendwann zum Ende hin, ja", erwiderte Faye und streckte ihre Beine aus, die so gar nicht die Position wechseln wollten, als der sie aber unbedingt heraus wollte, weil es unangenehm wurde. Sie fühlte sich in einem merkwürdigen Zwischenzustand gefangen, gerädert und erholt und es war nicht klar zu umreißen, wohin sie mehr tendierte. Ihre Gedanken waren ruhig und klar - sie wusste gar nicht, dass so etwas bei ihr überhaupt möglich war! - aber ihr Körper ... na der war sowieso seit einiger Zeit eine andere Geschichte.
Langsam ließ sie sich zur Seite und dann auf den Rücken sinken, um all die Muskeln zu entspannen, die ihr weh taten.
"Ich muss aufhören, ständig gegen Dinge geschleudert zu werden oder auf andere dämliche Art und Weise Verletzungen zu bekommen. Achtzigjährige sind schneller auf den Füßen als ich, das ist eine Beleidigung ..."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:56 pm
"Dann werden wir sie erwarten", erwiderte Livio ruhig und sah Scarpi lange nachdenklich an. "Wir werden auf deine Hilfe zählen können, nehme ich an?"
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 8:58 pm
"Du möchtest also aufhören ständig auf die Nase zu fallen oder von anderen als Ball benutzt zu werden, weil du dich unglaublich gut dabei machst?", fragte er lediglich grinsend und schüttelte dann den Kopf, bevor er die Arme verschränkte. "Und ich dachte schon, das hier wäre meine tägliche unlösbare Aufgabe, aber du erreichst immer wieder ganz neue Höhen, Faye. Jetzt auch noch nicht mehr fallen zu wollen."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 9:00 pm
"Macht es dir Spaß, mich immer vom Boden aufzukratzen? Ich kann mich nicht erinnern, dass du der beste Krankenpfleger wärst, dem ich jemals begegnet bin", neckte sie ihn, weil es eindeutig der Wahrheit entsprach: Die meiste Zeit hatte er sich dann zurückgezogen und vor sich hin gemodert, wo auch immer er gerade dann war. "Wir hatten solche Stunden an der Akademie ... aber ich war nie gut darin. Luftmagiern wird nicht gerade zugeschrieben, dass sie ... in sich ruhen."
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 9:04 pm
„Ich weiß nicht, auch wenn ich dir gern zur Seite stehen würde alter Freund. Es gibt noch ein paar Dinge zu erledigen und ich habe das Gefühl, dass diese Gruppe mich früher oder später noch brauchen wird.“
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Re: Kapitel 10

am Mi Aug 02, 2017 9:05 pm
"Dann solltest du die Stadt verlassen, Scarpi, und wenigstens dich in Sicherheit bringen. Ich werde sie schützen und garantiert nicht auf eine Reise in den ewigen Winter hinein schicken, der dort oben bis zum Sommer herrscht, während sie nicht alle gesund und munter sind. Es wäre Selbstmord. Wir haben genug Söldner und Assassinen hier, um es zu regeln."
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Re: Kapitel 10

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