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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 2:42 pm
"Die kämpfen wie wild gewordene Wölfe sag ich dir!" brummte Haakon zu Jörmundur.
Sie beide saßen in einer abseitigen Kammer der großen Langhalle. Vor sich ein prasselndes Feuer, in ihren Händen ein starkes Gesöff dessen Namen nur jene richtig aussprechen konnten, die betrunken genug waren. Er war noch nicht betrunken genug - das war ja sein verdammtes Problem.
"Sieht nicht gut aus, hm Väterchen?" fragte er an den Mann gewandt, der seinen Fuß betrachtete und der aussah wie eine Borke, die sich entschieden hatte auf ihre alten Tage ein wenig Auslauf zu bekommen.
"Nein," bestätigte ihm der Alte und verzog das knorrige, wettergegerbe Gesicht mit den zu wenigen Haaren auf dem Kopf und den zu vielen Haaren aus Ohr und Nase. "Nein, wirklich nicht..."
Haakon fluchte. "Vor allem die eine - die rothaarige. Ein Deibel wie aus den Geschichten - sie hat das Blut einer Sirene in sich, das schwöre ich dir. Es ist ihr Zorn, der mir mein Bein bei lebendigem Leibe abfaulen lässt!"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 2:49 pm
„Das oder deine Dummheit, nicht auf dein Bein acht zu geben. Vermutlich wird sie sich irgendetwas auf die Klingen geschmiert haben, dass dein Bein nach und nach verfaulen lässt wie einen Apfel der zu lange im warmen lag. Vielleicht haben die Fremden auch nur irgendwelche Krankheiten und die bist der arme Tropf, der sich angesteckt hat.“
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 2:55 pm
"Für solche Gedanken habe ich noch nicht genug gesoffen," brummte Haakon und schüttelte den Kopf, nahm erneut einen starken Zug des noch stärkeren Gesöffs und kniff die Augen zusammen, als sich die Flüssigkeit brennend einen Weg durch seine Kehle bahnte.
"Ich muss mit dem verdammten Weib noch mal reden! Aber Henrik wird mich nicht zu ihr lassen und Hjalmar auch nicht. Ist vielleicht auch besser so.... aber das... wenn sie es wenigstens abgeschlagen hätte! Aber doch nicht sowas!"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:03 pm
„Scheinbar hast du schon zu viel getrunken, Junge“, schallte Jörmundur den Anderen und schüttelte nur erneut den Kopf. „Wie viele Leute hast du schon gesehen denen Gliedmaßen abgetrennt wurden? Den meisten passiert das durch das arbeiten in der Mühle, wenn man zwischen zwei Mühlsteine gerät. Oder wenn eine neuer Turm hochgezogen wird. Auf dem Schlachtfeld schafft man das nur selten. Und eine Frau die noch dazu mit ein paar Dolchen bewaffnet ist erst recht nicht. Selbst das Breitschwert meines Großvaters tut sich, Svarog hab ihn selig, manchmal schwer damit Köpfe oder Hände abzutrennen. Und das verdammte Schwert ist beinahe lang lang wie du und so breit wie mein Unterarm, noch dazu schärfer als jedes Messer zum rasieren.“
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:08 pm
"So breit wie mein Unterarm? DU scheinst zu viel gesoffen zu haben!" Haakon schnaubte laut auf. "Meine Arme sind Dick wie Baumstämme - angefüllt mit dem Schmiedefeuer und stark wie zehn Ambosse!" er schüttelte den Kopf.
"Dennoch - es ist nichts ehrenvolles daran, wenn das eigene Bein am Körper schneller altert als man selbst und vergeht. Verfluchte Schlampe! Die Südlinge haben keine Ehre! Und ihre.... ihre... ach ich weiß auch nicht Jörmundur! Ich brauche mehr von dem Alkohol und weniger von den Südlingen! Dabei ist sie noch nicht mal ein Südling! Hast du das mitbekommen? Ihr Blut ist Nord - das sieht man auch an ihrem Haar!"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:11 pm
„Du warst nur einfach dämlich genug dich von einem Südling verletzen zu lassen, denn das ist sie, Blut hin oder her. Sie wurde hier nicht großgezogen, sonst hätte sie dich nicht nur verletzt sondern getötet.“ Mit einem kräftigen Ruck stieß er Zeige und Mittelfinger gegen die Brust des betrunkenen Schmieds, welcher daraufhin zu Boden ging. „Siehst du? Selbst im Zechen hast du noch einiges zu lernen. Du überschätzt dich einfach nur, Haakon. Wild mit einem Hammer herumzuwedeln und dabei herumzuschreien macht noch keinen wahren Krieger aus dir.“
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:13 pm
"Ach ja?" er rappelte sich auf, schwankte und musste von dem alten Druiden gestützt werden.
"Es sind meine Klingen, die die wahren Krieger dieser Stadt ausrüsten! Ich bin es, der Waffen und Rüstungen schmiedet! Und wenn ich erst einmal etwas von dem Sternenmetall gefunden habe werde ich daraus eine Waffe schmieden, die dem Jarl der Jarls würdig ist... was sage ich! Eine Waffe, die selbst der Gottvater mit Vergnügen schwingen würde!"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:21 pm
Als Antwort schnippte Jörmundur dem anderen auf die schmale Stelle zwischen den beiden Augen, was den Anderen derart aus dem Konzept brachte, dass dieser hin und her taumelte. „Seid ihr fertig?“ Fragte er den Druiden, welcher mit einem erleichterten Schnaufen nickte, dankbar darum, dass jemand Haakon davon abhielt noch mehr Unsinn von sich zu geben. Geschweige denn welchen zu veranstalten. „Ich bring ihn dann mal Heim. Muss er auf irgendetwas achten? Irgend eine Salbe die er sich aufs Bein schmieren muss oder irgendetwas, dass er trinken sollte?“ Der Druide schüttelte erneut den Kopf, woraufhin der lange, graue Bart zu tanzen begann. „Na dann“, ohne weiteres federlesen warf er sich den Schmied über die Schulter und begann, diesen zu seiner Hütte zurück zu bringen.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:29 pm
Mit bangem Herzen hatte Gyda das Ankommen der Fremden in der Stadt aus sicherer Entfernung heraus betrachtet, ihre kleine Tochter noch fest im Arm und mit der anderen Hand die beiden Zwillinge davon abhaltend verschimmeltes Gemüse auf die anderen zu werfen, um mitzuteilen, was sie von ihnen hielten. Hedi war erneut irgendwo zwischen Stroh und Büchern verschwunden, aber Gyda glaubte gar nicht, dass ihre Tochter diese Neuerung nicht mitbekommen würde, sie war neugierig genug um wahrscheinlich mehr in Erfahrung gebracht zu haben als sie selbst. Die Träume der letzten Nächte waren unruhig gewesen, die Bilder daraus verworren und dennoch hatten sie ihr nur eines gesagt - dass es eine Gefahr aus dem Süden gab, die ihnen mit jedem einzelnen Schritt, den sie machten, jeder Stunde, die vorüber ging, näher kam und auf die sie nicht vorbereitet waren. Eine Gefahr, die insbesondere ihrem Vater zusetzen würde.
Jörmundur war auf dem Weg, seinen Freund bei einem der Druiden versorgen zu lassen, Hjalmar hatte den Auftrag die neuen 'Gäste', wie man sie nannte, in der Unterkunft abzuliefern und als Gyda jetzt das Wasser für das Essen über dem Feuer aufsetzte, fühlte sie einen eisigen Hauch in ihrem Nacken. Niemand war bisher hierher gekommen, ohne etwas von ihnen zu verlangen, niemals waren die Träume so drängend wie jetzt geworden. Irgendetwas würde sich verändern und sie betete zu den Göttern, es möge nicht ihrer aller Leben zerstören.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:33 pm
"Ich bin zu Hause!", verkündete Hedi lautstark polternd und schaffte es irgendwie, ihre matschigen Schuhe abzustreifen, bevor sie das Haus betrat und in die Holzpantoffeln schlüpfte, die dort standen. Es war ein Luxus, den nicht viele Familien hatten, aber sie als direkte Verwandte des Oberjarls - sie würde das niemals laut aussprechen dürfen - hatten doch einige Annehmlichkeiten. Das Leben hier war anders, aufregender. Sie vermisste die Heimat kaum, hatte sich rasch mit den vollen Straßen und den Streitereien der Menschen draußen arrangiert und genoss es, endlich etwas mehr von der Welt zu sehen als das winzige Dörfchen zuvor.
Ihrer Mutter gefiel es hier nicht wirklich, das war ihr schon am ersten Tag aufgefallen, aber Hedi war klug genug, sie nicht direkt darauf anzusprechen, um ihr ein schlechtes Gewissen zu machen oder anderes.
"Mama?", hakte sie nach, als keine Antwort kam.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:37 pm
Aus ihren eigenen Gedanken hochgeschreckt, hob Gyda den Kopf und brauchte eine Weile bis ihre Augen sich wieder aufgeklärt hatten und das Gesicht ihrer Tochter vor ihr schärfer wurde. Ihr war nicht danach und trotzdem rang sie sich zu einem weichen Lächeln durch, bevor sie die Hand ausstreckte und Hedi sacht über die blonden Haare strich. "Du verteilst schon wieder Matsch im Haus", schallt sie sie sacht, weil es inzwischen nichts Neues mehr war. Die Jüngere war ein Unruheherd, der niemals still sitzen konnte und der ein Talent dafür hatte, sich in Schwierigkeiten zu bringen - mehr als nur ein einziges Mal hatten junge Männer ihretwegen gestritten, mehr als nur einmal hatte Jörmundur dazwischen gehen müssen, bevor der Streit sich in das Haus verlagert hatte.
"Sei vorsichtig dort draußen, Hedi", warnte sie dann die Jüngere doch. "Mir sind die Fremden nicht geheuer. Halte dich bitte von ihnen fern."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:40 pm
Stirnrunzelnd ließ Hedi sich am Feuer auf einen kleinen Schemel fallen und streckte die Hände nach den Flammen aus, um sich zu wärmen. Ihre Nase war bereits rot und ihre Zehen kleine Eisklumpen. Der auffrischende Wind hatte ganze Arbeit geleistet.
"Es kommt ein Sturm", informierte sie ihre Mutter. "Großvater sagt, es könnte der schlimmste seit dreißig Jahren sein, die Luft wäre so ruhig."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:44 pm
"Deshalb sollten wir im Haus bleiben. Du musst mir nachher dabei helfen, das Haus vorzubereiten und die Fenster abzusichern und das Feuerholz hier zwischen zu lagern, bevor wir raus auf die Straßen müssen", stimmte Gyda ihr mit einem kurzen Nicken zu und nahm eine der Decken von einem Stuhl, um sie ihrer Tochter um die Schultern zu hängen, weil die den angewärmten Stoff gerade dringend gebrauchen konnte, so wie sie aussah.
"Wo hast du dich wieder herum getrieben, Hedi?"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:45 pm
"Ich war draußen, Mama", erwiderte Hedi, als wäre es absolut offensichtlich. War es vermutlich auch, so ausgekühlt wie sie war. Dankbar kuschelte sie sich in den Stoff. "Diese Stadt ist so voller Leben! Ganz anders. Ich will das alles kennen lernen!"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:48 pm
"Oh Schatz", seufzte Gyda schwer, als hätte ihre Tochter ihr damit alle notwendigen Antworten gegeben, während sie den dampfenden Tee in einen der Tonbecher füllte, um ihn ebenfalls an ihre Tochter zu reichen. "Du hast wirklich das Talent deines Vaters geerbt, deine Neugier ständig über den eigenen Verstand siegen zu lassen"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:50 pm
"Ach Blödsinn. Ich stamme ja auch von dir ab", erwiderte Hedi, wank ab und griff so gierig nach dem Tonbecher, dass ihr heißer Tee über die Finger schwappte. Grummelnd leckte sie darüber, damit nicht noch mehr auf den Fußboden troff, ehe sie zu ihrer Mutter hinauf sah. "Soll ich dir beim Kochen helfen?"
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:51 pm
"Trink erstmal deinen Tee und wärm dich am Feuer auf. Danach kümmern wir uns um alles, was wir brauchen, um den Sturm hier drin zu überstehen."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:52 pm
"Soll ich nochmal los? Ich glaube, wir haben nicht mehr genügend Bretter. Jedenfalls lag hier kaum was rum, als wir ankamen."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:53 pm
"Erst einmal bleibst du hier am Feuer, bevor du krank wirst und dann genauso leidend klingst, wie deine kleinen Geschwister", amüsierte sich Gyda kopfschüttelnd und strich der Jüngeren noch einmal durchs blonde Haar, einen kurzen Blick rüber zur Tür werfend in der Hoffnung, ihr Mann würde vor dem Abend noch einmal seinen Weg zurück hierher finden, um ihnen bei den Vorbereitungen zur Hand zu gehen.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:55 pm
"Mama", stöhnte Hedi und trank den Tee dann in großen Schlucken leer, als er erträglich abgekühlt war. Schmecken war etwas anderes. Sie hielt sich lieber an das Bier, das sie ihrem Vater immer mal wieder abschwatzen konnte.
"Später könnte der Sturm schon hier sein. Dann wirst du froh sein, dass ich die Bretter geholt hab."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 3:56 pm
"Keine Umwege, mein Schatz. Wenn du gehst, dann holst du ohne weitere Abenteuer ein paar Bretter und kommst auf direktem Weg wieder zurück."
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 4:01 pm
Keine Umwege war so lange machbar, bis ein Karren sich im Matsch festgefahren hatte und umgekippt war. Hedi seufzte vernehmlich und entschuldigte sich im Geiste bei ihrer Mutter, ehe sie in eine Seitenstraße abbog.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 4:24 pm
Wahrlich, es bahnte sich ein Sturm an wie ihn der Norden seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Der Wind war in der letzten Stunde mehr und mehr abgeflaut, bis schließlich, was für diese Region äußerst seltsam war, eine vollkommene Windstille herrschte. Kein einziges Geräusch war zu hören, wenn man sich ein paar hundert Schritt von der Hauptstadt entfernte. Nicht einmal das Rauschen der Bäume, denn eben diese lagen genauso still da wie der Schnee auf dem Boden. Haakon hatte er in seine Hütte gebracht und die wenigen Fenster, die das kleine Haus besaß, dicht gemacht, sodass er beim aufwachen nicht knietief im Schnee stand. Dazu hatte er seinen Kamin befeuert und dem anderen bereits einen Laib Brot, dazu einen Bottich Schmalz und einen harten Käse bereitgestellt. Bier hatte der andere indes noch im Überfluss, sodass sich Jörmundur zumindest darum keine Sorgen machen musste.

Als er nun mit dem, danach erstandenen Feuer und Bauholz heimwärts laufen wollte, erregte eine kleine Gruppe von älteren Männern seine Aufmerksamkeit. Sie standen alle um einen Wagen herum und beschimpften sich gegenseitig wahlweise als Ochsen, Rindvieh und andere Arten von Nutztieren. Jörmundur kannte sie, wobei es schwer war, sie nach einigen Wochen in denen man in der Hauptstadt lebte, nicht zu kennen. Es waren erwählten Alten. Männer die Jahrzehnte lang einer bestimmten Tätigkeit nachgegangen waren und in dieser irgendwann den Rang eines Meister erhalten hatten. So gab es beispielsweise einen Ältesten für das Maurerhandwerk, für das Dachdecken, für das Kochen, für das Schmieden, das Heilen und so weiter. Eben diese hatten sich wohl ebenfalls auf den Sturm vorbereiten wollen und dafür einen langezogenen Karren samt Esel zum ziehen von eben diesem benutzt. Der Esel jedoch war über alle Berge und nur noch ein entferntes „I“ und „Ahhh“ war zu hören. Der Karren indes war zur Seite gefallen und hatte die Güter, Holz, eingelegtes Fleisch, Fisch und dergleichen, über den gesamten Boden verteilt. „Kann man euch helfen?“
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 4:35 pm
Einige der Alten wandten sich um und musterten den Neuankömmling kritisch.
"Natürlich Bursche! Wenn du dich vor den verdammten Karren spannen lässt und das Zentner bewegt kriegst kannst du uns natürlich helfen!" fluchte einer der Alten und schüttelte enttäuscht den Kopf.
"Der Sturm naht und das verdammte Maultier ist fort gelaufen! Nichts von ihm zu sehen. Weit und breit nicht!" er schnaubte.
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Re: Kapitel 11

am So Aug 27, 2017 4:36 pm
"Wir haben hier doch bestimmt mehr als ein Maultier?", hakte Hedi nach, den Umhang fest um sich gewickelt.
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Re: Kapitel 11

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