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Kapitel 1

am Mo Dez 11, 2017 6:29 am
Die Morgenluft war geschwängert von Aggression, Verzweiflung, Hass, Trauer und unsagbarer Wut, was eigentlich recht passend war, denn vor ihm bot sich gerade einer der Konfliktreichsten Umstände in aller Menschen Leben an, eine Hochzeit. Gawain kam nicht umhin das junge Ding zu bedauern das man verschachert hatte wie eine junge Stute, von der man sich einiges in der Zucht erhoffte. Doch diese hatte zumindest das Glück, nicht genug Verstand zu haben um sich ihres Schicksals gewahr zu werden. Bei dem jungen Mädchen indes war dies eine gänzlich andere Geschichte. Der Waffenmeister des Schlosses schob mit einem langezogenem Schnauben die Hände hinter seinen Gürtel und sah kurz zu den Männern auf den Mauern und denen in den glänzenden Paraderüstungen. Nur das beste für den heutigen Tag …

Das Wetter indes schien das Unglück voll und ganz verschlafen zu haben, es hatte am frühen Morgen ein wenig vor sich her gedämmert um dann recht schnell beschlossen, die eisige Kälte des Winters ein wenig beiseite zu schieben, ebenso wie die Tristes durch das allgegenwärtige Grau. So kam es, dass an diesem verheißungsvollen Tag keinerlei Schnee den Boden zierte sondern und kleine, glänzende Stellen mit Raureif. Der Atem eines jeden war in der Luft zu sehen und jeder, der diesem Fest beiwohnte hoffte wohl alsbald gehen zu können, um den Tag in vollen Zügen genießen zu können und nicht diesem Trauerspiel beiwohnen zu müssen. Gawain seufzte erneut, dass Mädchen tat ihm leid.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 8:54 pm
"Sie sieht aus, als würde man sie zur Schlachtbank führen", kam es leise von der Seite, an die Devastare getreten war, die typische Kleidung der königlichen Garde in Paradeuniform angelegt, die Hand auf dem Schwert, das er selten genug trug, weil es ihn nur behinderte. Sein BLick folgte dem von Gawain, hinüber zu der jungen Königin, die schlussendlich den Kampf gegen ihre Gesetze verloren hatte und der Heirat zustimmen musste, ehe sie abgesetzt würde. Es war die einzige Möglichkeit, ihre Macht wenigstens im Ansatz zu wahren.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:01 pm
Morys Heaven schloss mit einer geübten Handbewegung die Schnalle seines Umhangs und warf sich den Halbmantel über die Schulter, bis der Stoff in der richtigen Länge und Breite fiel.
Sein Blick wanderte Gedankenverloren bis zum großen Fenster zu seiner Linken, glitt durch dieses hinaus über weite Felder und Wälder, während sich ein süffisantes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. Die diplomatischen Gespräche, welche die Königin vor einigen Wochen angesetzt hatte um über Belanglosigkeiten zu verhandeln hatte er mehr als klug genutzt. Bestechungen und seine eigene Armee, die in den Palast eingedrungen war hatten der Königin keine andere Möglichkeit gelassen als einer heirat zuzustimmen, wenn sie ihre Macht behalten wollte. Sie war eine Frau und zudem waren Heavens Leute in der Überzahl gewesen.
"Sire, es ist alles bereit - die Königin wartet auf euch am Altar," informierte ihn einer der Diener und Morys nickte. Bevor die Sonne unterging würde er König sein.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:15 pm
„Nicht nur sie“, erwiderte Gawain mit einem verzogenen Mund und betrachtete weiter die Prozedur vor sich. Die fremden Soldaten hatten sich in das Schloss eingenistet wie ein Geschwür, nur dass dieses für gewöhnlich langsam wuchs und sich nicht mit einem Mal einnistete wie eine fette Wespe, die jede Sekunde ihrer Anwesenheit durch ein bedrohliches Surren begleitete. „Gewissermaßen hängt die Klinge über uns allen, Devi“, korrigierte er den Jüngeren weiter und schnalzte leise mit der Zunge, als er durch die halboffenen Gänge die Gesichtszüge des eingebildeten Aristokraten sah.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:25 pm
Morys schritt langsam durch den langen Gang, während das Licht der Mittagssonne durch die schießschartenartigen Fenster fiel. Er setzte den Fuß auf die erste Stufe, folgte dann der Treppe immer weiter hinab bis hinunter zum Vorplatz des Schlosses. Dort wartete bereits der alte Karsh - das Gesicht wie eine überreife Zitrone. Er hatte den Magier von zwei Wachen flankieren lassen, damit dieser nicht auf komische Gedanken kam und alles letztlich so ablief wie geplant. Der alte Mann würde sie trauen und diese Heirat würde das Schicksal des Reiches besiegeln. Ein Pakt aus Blut und Knochen.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:35 pm
Caillean wünschte sich, er würde die Treppe herunterstürzen und sich dabei den Hals brechen, bewusstlos auf den Stufen liegen bleiben und jemand würde ihr den Gefallen tun und ihm den Gnadenstoß verpassen, aber mit jedem weiteren Schritt, den er setzte, schwand ihre Hoffnung darauf weiterhin. Sie hatte keine Wahl mehr gehabt, die Bewohner dieses Schlosses bedroht von Schwertern, Bögen und Armbrüsten, hatte sich unter der angedrohten Gewalt beugen müssen und hasste sich seither jede einzelne Sekunde selbst dafür. Niemand hatte erwartet, dass Heaven zu diesen Mitteln greifen würde - niemand hatte erwartet, er würde das Schloss kurzerhand besetzen und trotzdem stand sie jetzt hier, Wachen um sie herum, die nicht ihre eigenen waren und die jederzeit bereit waren, hier ein Blutbad zu veranstalten, sobald Heaven ihnen nur den Befehl dafür gab. Sie schauderte bei dem Gedanken daran, ihr künftiges Leben mit diesem Widerling verbringen zu müssen und ekelte sich vor dem Gedanken ihm näher kommen zu müssen.
Für einen kurzen Moment glitt ihr Blick hinüber zu ihren eigenen Leuten. Den Männern und Frauen, die dort standen und in deren Augen sie Mitleid entdecken konnte, Wut darüber, was geschehen war und Sorge um das Morgen, das für sie alle so unklar geworden war. Sie hatte darüber nachgedacht, fort zu laufen, weg von diesem Ort, aber das hätte bedeutet, ihr Reich gänzlich einem Tyrannen zu überlassen und ihr Volk im Stich zu lassen - sie hatte darüber nachgedacht, selbst das Messer zu führen, das ihn das Leben kosten würde, aber bislang hatte es keine Gelegenheit dafür gegeben und sie hatte darüber nachgedacht, den Freitod zu wählen, aber es wäre feige gewesen. Ungerecht gegenüber jenen, die dann ebenfalls mit ihm leben mussten. Das war letztlich der Grund, weshalb sie geblieben war - weshalb sie zugestimmt hatte und jetzt hier in der eisigen Kälte auf dem Vorhof des Schlosses fror.
Nur eine Sekunde lang schloss sie die Augen, wünschte sich selbst, sie wäre mutiger und tapferer und rang sich dann den kurzen Anflug eines Lächeln ab, als ihr Blick über Devastare streifte, bevor Heaven an ihre Seite trat und ihre Miene sich wieder anspannte und das Lächeln verschwand. Sie würde nicht ihr eigenes Schicksal belächeln und sie würde es ihm nicht so einfach machen, wie er jetzt glaubte.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:45 pm
"Wir hätten es verhindern müssen", gab der andere zurück und betrachtete Karsh, der nun zu Caillean trat, dicht gefolgt von den Wachen, als würde der alte Zauberer gleich explodieren, sobald er alleine ein Wort mit der Königin wechselte. Er erwiderte den Blick, den sie ihm zuwarf, hervor unter den Haaren, die in aller Eile zu einer hochzeitsmäßigen Frisur zusammengefasst worden waren. Doch alles schrie nach Improvisation, was es ja auch war. "Oder sollten es noch tun." Er biss die Zähne aufeinander, wütend auf sich selbst. Sie hatten sie überrannt - sie alle und alles, was er selbst hatte tun können, war Caillean vor körperlichem Schaden zu bewahren. Er sah hinüber zu Coreen, die einen ähnlichen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte und dann zu Rhiannon. Sie alle hatten nichts tun können.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 9:54 pm
„ Und wie stellt du dir das vor, Junge?“ Hakte Gawain mit gepresster Stimme nach und bemühte sich nach wie vor um einen neutralen Gesichtsausdruck. Er atmete tief ein und aus, konzentrierte sich in erster Linie auf die einzelnen Flocken die dann und wann durch die Luft tanzten, ehe er sie von der schwachen Sonne erfasst wurden und somit in einem winzigen Tropfen vergingen. Er konzentrierte sich auf das entfernte Schnattern einiger Zugvögel, die für diese Jahreszeit ungewöhnlich spät ihre Reise antraten. Er konzentrierte sich im Grunde auf alles, nur nicht auf das, was direkt vor ihm lag. „Er hatte eine Mannstärke von 350 Leuten, wie bitte hätten wir das abwehren sollen?“ Es war erstaunlich einfach gewesen die Burg zu besetzten, wie sie alle schmerzlich hatten feststellen müssen. Vermutlich waren sie nach dem langen Frieden alle ein wenig blauäugig geworden, denn zwei eingeschleuste Leute hatten genügt um das Falltor so zu manipulieren, dass alle Männer Morys ohne Probleme hatten eintreten können.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 10:02 pm
"Volk von Eilian!" rief Karsh und hob die Hände gen Himmel. "Wir haben uns hier versammelt um die Ehe zwischen unserer Königin und dem Ehrenwerten Morys Heaven zu schließen. Eine Verbundenheit, die dem Land Ehre und Einheit bringen soll. Eine Ehe der Königsfamilie bedeutet Frieden für die Bürger. Es heißt, dass der Charakter eine Ehe auch den Charakter des Landes-" Karsh wurde jäh unterbrochen, als Morys ein Stück nach vorne trat. "Geht das nicht auch ein wenig schneller alter Mann? Komm endlich zum Punkt!"
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 10:09 pm
Rhiannon presste die Zähne aufeinander, leise klapperten die Handschuhe als sie die Hände zu Fäusten ballte und nur mit Mühe unterdrückte sie das finstere Grollen, das sich beinahe aus ihrer Kehle empor gebahnt hätte. Das Feuer brannte heiß wie selten zuvor während sie in der Reihe der Soldaten stand, die Augen fest auf den Mann dort vorn gerichtet und sich fragend, wann sie aufgehalten werden würde, wenn sie jetzt den Vorstoß wagte. Sie hatte es dulden müssen, hatte dulden müssen, dass er das Schloss übernommen hatte, weil sie Verräter in den eigenen Reihen gehabt hatte - die Schuldigen dafür waren jetzt in ihrer Höhle, aufgespießt und noch sehr lebendig für das, was sie getan hatten. Sie hatte bis zum Ende dieses Dramas warten wollen bis sie sie dafür bestrafen würde und ihre Schmerzen würden qualvoll, ihr Tod nur sehr langsam sein.
Als sie jetzt Morys jähe Unterbrechung hörte, schnaubte Rhiannon lediglich und verengte die Augen. Wenn sie sich hier verwanden würde, würde sie damit Dutzende ihrer eigenen Soldaten zerquetschen, ihr Feuer würde jeden dort vorn umbringen und nicht nur den Despoten. Es war zum verrückt werden hier hilflos zu stehen und am Liebsten so viel tun zu wollen. "Er wird dafür früher bluten, als ihm lieb ist."
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 10:16 pm
„Ruhig Blut Rhiannon, andernfalls hört man dich noch“, murmelte Gawain um auch die Wachmeisterin etwas zu beruhigen, auch wenn ihm dies angesichts seiner eigenen Gefühle mehr als schwer fiel. „Wenn wir uns jetzt verdächtig machen wird man uns als erste austauschen und im Zweifelsfall gefährden wir damit nur die Königin und alle anderen an diesem Hof. Zu aller erst müssen wir diese Hunde wieder von hier fort bekommen, bevor wir auch nur daran denken können uns um ihn zu kümmern“, und wir aufs Stichwort hin, kam erneut eines Beschwerde des frisch gekrönten Königs.
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Re: Kapitel 1

am Di Dez 12, 2017 10:24 pm
Karsh wirkte etwas perplex, dass es der Emporkömmling tatsächlich wagte einen solch heiligen und traditionellen Moment zu unterbrechen. "Mein Herr - ich habe bereits den Vater der Königin getraut und seinen Vater davor und sogar den Vater seines Großvaters..." erklärte Karsh und wirkte ernsthaft gekränkt. "Und wenn du auch noch unser Kind trauen willst, dann tust du gefälligst was ich dir sage alter Mann!" zischte Morys und verengte die Augen zu schlitzen. "Sire, was ihr da verlangt...." eine der Wachen hinter Karsh gab diesem mit dem stumpfen Schaft seiner Hellebarde einen Stoß in die Seite, dass der Magier sich nach Luft schnappend zusammenkrümmte. "Ja... ja natürlich..." japste er und nickte. "Sir Morys Heaven, wollt ihr die hier ..." - "Ja!" - "Gut.... euer Hoheit Caillean wollt ihr den hier anwesenden Morys Heaven zu eurem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben und ihn ehren..."- "Natürlich will sie das!"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 8:46 pm
Nein, sie wollte nicht. Sie wollte überhaupt nicht und es grenzte an blanke Ironie, dass Karsh überhaupt die Frage an sie selbst richtete, wo er die Antwort doch mehr als gut kannte. Sie ersparte sich ihre eigene Antwort, weil Morys es ihr abgenommen hatte und spannte sich lediglich an, wissend, dass es gleich vorbei mit ihrer eigenen Freiheit sein würde - vorüber mit den Momenten, in denen sie selbst bestimmen durfte, wann sie wohin ging. Noch immer war sie wütend darauf, was seine Männer Karsh antaten, noch immer wütend darüber, zu was er sie hier zwang und darüber, dass er jeden aus diesem Schloss zusehen ließ, wie sie ihre eigene Kapitulation unterzeichnete. Sich selbst entmachtete. Sie würde nicht vor ihm stehen und ihm Treue schwören, denn Schwüre hatten in diesem Land Gewicht - die Götter hielten sie fest, kehrten zu jenen wenigen Eidbrechern, die es gab und bestraften sie. Sie würde nicht zu ihnen gehören und so trat sie nur einen halben Schritt nach hinten, um Distanz zwischen sich und den anderen zu bringen.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 8:55 pm
Ein breites, kaum zurückhaltendes Grinsen zog sich über Morys Gesicht, während die bezaubernde Königin vor dem halben Hofstaat bekunden musste, dass sie ihn heiraten wollte. Die kleine Schnepfe wusste, dass er ansonsten die Daumenschrauben bei ihrem gesamten Volk anziehen würde und die kleine Herrscherin hatte ein zu weiches Herz um das geschehen zu lassen. Der alte Magier verband ihre Hände mit einem bestickten Stoff, sprach noch einige Worte, wenngleich er auch alles wegließ, was nicht unbedingt vonnöten war und schließlich setzte sich die ganze Hochzeitsgesellschaft in Bewegung.
Ihr Ziel war die große Halle des Schlosses, in welche sie mit viel Tamtam einzogen und sich dort zum Essen trafen. Morys ließ ihnen allen den Spaß der Vorspeise, ehe er sich erneut erhob.
"Bevor wir zum nächsten Gang kommen, erwarte ich, dass sämtliche Wachen, Vasallen, Diener, Höflinge, Angestellte und wer auch immer hier kreucht und fleucht mir einen Treueschwur leisten. Ein jeder soll einzeln vortreten und mir auf den Knien folgendes Schwören: Das er weder mir noch meinem Weibe ein Leid tut, das er mich und mein Weibe mit dem Leben beschützt und das er niemals etwas tut, was gegen meinen Willen oder meine Interessen geht!"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:04 pm
Mann um Mann trat vor - darunter einige Frauen. Sie alle sagten genau die Worte, die ihnen aufgetragen worden waren, doch je näher Devastare in der Reihe rückte, umso mehr reifte sein Entschluss, kein großes Theater vor Caillean zu machen, um ihr Schicksal nicht noch mehr herauszufordern. Es war schlimm genug und er verspürte Übelkeit in sich, wenn er auch nur daran dachte, was so eine Hochzeit noch mit sich brachte. 
Aber als er schließlich vor ihnen beiden stand und sein Knie beugte, knirschend und er war sich nicht sicher ob mit den Zähnen oder dem Körper - da streifte sein Blick die junge, dunkelhaarige Frau, die seine Königin war. 
"Ich schwöre Treue", sagte er an sie gerichtet, keinen Wimpernschlag an Morys verschwendend "Treue und die Wahrung der Interessen dem wahren Herrscher dieses Landes." Oh hätte er nur geahnt, wie schnell sich die Bedeutung dieser Aussage in etwas ganz anderes verkehren würde.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:08 pm
„Und dem damit einhergehendem und von den Göttern gesalbtem Ehepaar, welchem wir dienen wollen, bis unser Leben uns verlässt“, mischte sich Gawain ein, trat vor und beugte ebenfalls das Knie. „Verzeiht mir mein König, aber die alte Sitte fordert es das Schüler und Meister stets gemeinsam einen Schwur ablegen und diesen Gardisten hier habe ich seit seiner frühester Laufbahn begleitet.“ Er neigte den Kopf und für einen Augenblick hätte er schwören können, dass ihm die Galle hochkam. Der neue Herrscher sah nicht nur aus wie ein Frettchen, dass man in zu viel Pomade getunkt hatte, er roch auch so. „Moschus“, schlussfolgerte in Gedanken hatte Mühe damit, nicht den Mund zu verziehen oder die Nase kraus zu ziehen.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:11 pm
Der König hob die Augenbrauen, glitt mit seinem Blick vom Herr zum Gescherr und wieder zurück, ehe er langsam nickte. "Devastare nicht wahr? Ich habe gehört, ihr seid ein Freund der Königin, bereits aus Jugendtagen. Ich ehre eine solche Verbindung und daher kommt auch euch die Ehre zu Teil Zeuge beim Vollzug der Ehe zu sein!"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:18 pm
Caillean ballte die Hände zu Fäusten und hatte Mühe damit ihr Erschrecken über diese Forderung für sich selbst zu behalten. Wie sie es auch drehte und wendete, es gelang ihr einfach nicht und wütend darüber, was er dem anderen antun wollte - ihr selbst antun wollte, erhob sie sich von ihrem Platz. Morys war widerlich, er schien sich einen Spaß daraus zu machen, sie beständig vorzuführen und sie hatte allmählich genug davon - schon jetzt. Wie die Zeit nach diesem Tag werden würde, wollte sie gar nicht erst wissen. Wütend und sprachlos über diese Dreistigkeit holte sie aus und ohrfeigte ihn. "Wie könnt Ihr es wagen?!"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:20 pm
Morys Blick flammte auf vor Zorn, ehe sich ein breites Grinsen über sein Gesicht zog. "Schon jetzt so heißblütig?" hakte er nach und stand auf, trat einen Schritt vor die Königin und betrachtete sie eingehend. "Es ist Brauch, dass es Zeugen beim Vollzug der Ehe gibt - wollt ihr euch etwa gegen die Brauchtüme der Götter stellen?" er schnaubte verächtlich. "Noch ein Wort und ich nehme euch hier und jetzt vor den Augen aller auf dem Tisch wie eine Hengst seine Stute!"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:25 pm
Brauchtüme der Götter - er war derjenige, der auf alles pfiff, was in ihrem Reich Bedeutung hatte. Er war derjenige, der das Schloss gestürmt und sie alle zu Geiseln gemacht hatte und das Letzte, was sie wollte, war ihm in dieser Nacht näher zu kommen. Inständig hoffte sie darauf, er würde genug Alkohol trinken, um einfach zu versagen - er würde betrunken an seinem Tisch einschlafen und sie hätte ein wenig Schonfrist vor ihm, denn jede seiner Drohungen machte seine Gegenwart nur noch viel schlimmer. Ein Hengst ... beinahe hätte sie darüber geschnaubt und ihn stattdessen lieber Wallach genannt, aber angesichts seiner Drohung war sie dieses Mal schneller dabei die Zähne aufeinander zu beißen und stattdessen zu schweigen.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:29 pm
"Sehr gut," er tätschelte Caillean die Wange und ließ sich dann wieder auf seinen Sitz sinken. "Macht weiter," rief er aus und die nächsten kamen um dem König ihre Treue zu schwören. "Im Laufe des nächsten Monats werden im übrigen auch die Gebeine meiner Familie ankommen," erklärte Morys und fuhr sich über die Wange.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:35 pm
Gawain erhob sich im ersten Moment, hielt dann jedoch inne und sah einen Augenblick lang zu Morys. Er wusste dass noch etwas folgen musste. In einem Fall wie diesem, in dem der König nicht aus dem Haus stammte sondern von einer gänzlich fremden Blutlinie, war es ihm nicht nur gestattet, sondern eigentlich eine ungeschriebene Pflicht die Ränge der Leute neu zu verteilen. Entweder durch Männer und Frauen die er kannte, oder nach vollkommener Willkür, ein wirkliches festes Muster gab es für diesen Vorgang nicht. „Mein König“, meinte er still, machte einen Schritt zur Seite und hielt Devastare am Arm fest, während sich Morys langsam zu besinnen schien, dass er etwas voll und ganz vergessen hatte.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:38 pm
"Hm?" er blinzelte, nickt dann jedoch. "Natürlich - es kommen natürlich auch noch einige Bekannte und Familienmitglieder von mir. Mein Protegé wird natürlich die Kontrolle der Garde übernehmen und auch ansonsten kommen hier fähige Leute an die Macht. Ein wenig mehr Ordnung und Aufmerksamkeit kann dieser Burg nur gut tun - wir wollen ja nicht von einem Feind überrascht werden, weil unsere Leute nicht wissen was ihr Job ist, nicht wahr meine Liebste?"
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:42 pm
Caillean sah Rhiannons Schnauben am Ende eines der Tische, wo die andere hockte, der ganze Körper bis aufs Äußerste gespannt und sie betete zu den alten Göttern, sie möge aus diesem Alptraum aufwachen. Eine Sekunde lang glitt ihr Blick über den Tisch - über das Messer, das dort lag und das mit Sicherheit mit genügend Druck durch Morys Halsschlagader gehen würde, wenn niemand sie aufhalten würde - dummerweise waren hier nur zu viele Wachen, um sie diesen Versuch überhaupt starten zu lassen. Genug von seinen eigenen Wachen und zu wenig ihrer eigenen. "Fähig ist hier reine Definitionssache", raunte sie lediglich, zu leise, als dass es jemand anderes hätte hören können und versuchte sich stattdessen an einem gequälten Lächeln. "Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn jemand mit einer Armee hier ankommen würde und versuchen würde, Euch ein Leid zuzufügen." Sie würde ihn dafür hundertfach belohnen.
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Re: Kapitel 1

am Mi Dez 13, 2017 9:45 pm
"Nicht auszudenken, in der Tat..." er nippte an seinem Wein, ehe er die Dienerschaft herbei winkte und ihr bedeutete, dass diese das Essen nun bringen sollten. Er beugte sich vor, flüsterte mit einem seiner Leute und nickte dann knapp. Karsh war nirgends zu sehen, seitdem er von einem von Morys Männern hinauf in den Turm begleitet worden war. "Nun meine Liebe, ich glaube es brechen bald goldene Zeiten für unser Königreich an!"
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Re: Kapitel 1

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