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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:28 pm
"Ich setze die Trainingsstunden auf die Mittagszeit und jetzt öffne die verdammte Tür!"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:30 pm
Zufrieden damit wenigstens etwas erreicht zu haben und Ferryn genügend Zeit eingeräumt zu haben, damit sie längst wieder in der Küche angekommen war, stand Kira von ihrem Stuhl vor der Tür auf und schob ihn bei Seite, nur um wenig später die Tür zu öffnen und ihrem Vater ins Gesicht zu blicken, ihre eigene Miene nicht begeisterter als seine. "War doch gar nicht so schwer", stellte sie dann fest als sie zur Seite trat, um ihm Einlass in ihre Zimmer zu gewähren. Sie hatte immerhin zwei Trainingsstunden in der Woche heraus geschlagen - für alles Weitere würde sie demnächst in den Kampf ziehen.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:38 pm
"Mhm..." erwiderte Thealon und trat in die gute Stube ein, schloss mit einem Fuß die Tür. Er ließ das Blick durch das Zimmer wandern und hob die Brauen. "Dafür, dass du hier den ganzen Tag eingesperrt bist, verbringst du offensichtlich sehr wenig Zeit damit aufzuräumen..." erklärte er und ließ sich auf einen der Stühle sinken, ehe er die Beine auf den kleinen Tisch voller Bücher legte. "Wie geht es dir Kleine?" fragte er leise und legte seufzend die schwere Krone vom Kopf ab, die dort rötliche Spuren hinterlassen hatte und drehte diese zwischen den Händen.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:51 pm
"Ich bin hier oben eingesperrt und bis auf langweilige Lehrer und Unterrichtsstunden habe ich hier nicht besonders viel zu tun. Für wen sollte ich denn aufräumen? Bei dem alten Gaius liegen die Bücher und Pergamente genauso rum wie hier", antwortete Kira lediglich schulterzuckend während sie sich einen neuen Platz suchte und sich darauf fallen ließ, seinem Blick durch ihr Zimmer folgend und sich dann dazu entscheidend, dass es sie gar nicht weiter kümmerte, wie es hier eigentlich aussah. Ferryn störte es nicht, sie selbst hatte kein Problem damit und ihr Vater hatte überall Bedienstete, die hinter ihm her räumten, damit seine Gemächer ständig sauber und ordentlich waren. Er hatte bestimmt niemals einen einzigen Finger krumm gemacht, um selbst aufzuräumen.
"Ich will hier raus - zu meinen Freunden unten. Ich versauer hier und ich hab keine Lust mehr ständig die Füße still halten zu müssen ...", teilte sie ihm mit und schlug die Beine übereinander. "Und ich hab eine Frage ... aber du darfst nicht böse sein."
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:57 pm
Thealon hob den Blick und warf mit einer geübten Handbewegung die Krone auf den kleinen Beistelltisch, wo sie klappernd landete, auf ihren Rändern eierte und schließlich zum stehen kam. Er verzog das Gesicht, nickte jedoch unmerklich, ehe er den Blick wieder auf seine jüngste Tochter richtete und sie aufmerksam musterte. "Frage besser um Verzeihung als um Erlaubnis," erklärte er und bedeutete ihr fortzufahren.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:57 pm
"Wer ist Devastare?"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 7:59 pm
"Du hast gelauscht" stellte er fest und hob die Brauen, während sein Blick kurz zu der Krone huschte. "Es kommt darauf an wen du fragst. Für mich ist er eine Gelegenheit."
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:01 pm
Streng genommen hatte sie nicht gelauscht, sondern es selbst in Erfahrung gebracht, aber sollte er ruhig weiterhin der Meinung sein. "Das verstehe ich nicht. Erklärs mir." Eine Gelegenheit ... einen Menschen als Gelegenheit zu bezeichnen, wollte ihr nicht so recht gefallen, aber einstweilen beließ sie es dabei - zumindest solange bis sie wusste, wie ihr Vater genau über ihren Bruder dachte.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:05 pm
"Mir wurde einst eine Prophezeihung über den Jungen ausgesprochen - eine falsche, wie sich vor kurzem heraus stellte. Ich hätten den Jungen gebrauchen können, damals vor so vielen Jahren...." erklärte er leise und hob langsam seine übereinander geschlagenen Beine vom Tisch, stand auf und trat zu einer der Amphoren mit dem verdünnten Wein, goss sich und auch Kira etwas davon ein und reichte der Tochter den Kelch. "Ob ich den Mann ebenfalls gebrauchen kann muss sich noch heraus stellen, aber ich habe Hoffnung, dass ich mit ihm Ekynes wie wir es alle kennen vernichten kann."
Er nahm einen tiefen Schluck aus dem Kelch, deutete dann mit diesem auf Kira. "Und nun du. Wie viel hast du herausgefunden?"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:07 pm
Devastare fuhr herum, spürte die Klinge mit dem kalten Metall nur seinen Arm streifen - gerade hart genug durch die Drehung, um nur Kleidung anzuritzen. Mit einem lauten Klirren prallte sein eigenes Schwert gegen das des Soldaten, die Vibration erschütterte seine Arme so stark, dass er Mühe hatte, gegen zu halten. Über die Schulter des Mannes hinweg konnte er fünf weitere zählen, die herannahten. Und er sah zwei Schatten im Wald verschwinden, von denen er einen als Caillean erkannte. Aber wer war der zweite?
Der Soldat war gut ausgebildet und setzte schon wieder neu an, ließ seine Klinge nach unten wegkreisen, machte einen Schritt zurück und nutzte den kurzen Moment der Verwirrung in Devastares Augen, um erneut zuzuschlagen. Gerade noch im letzten Moment konterte Devastare, seine Füße fest verankert auf dem eisigen Untergrund, die Sohlen wühlten sich knirschend in überfrorenen Schnee, seine Knie beugten sich, um die Last ein wenig zu mildern, dann strafften sich die Muskeln und er wirbelte herum, nahm das Schwert dabei über den Kopf, um das Kreuz nicht abzubekommen, erwartete bereits die Gegenwehr und spürte erneut das Zusammentreffen des Stahls bis in seine Zehen hinunter. Aber er hatte die Oberhand - seine Schwertspitze zeigte genau auf die Kehle des Mannes. 
"Morys schickt euch?", fragte er kalt, machte drohend noch einen Schritt nach vorne, den Atem gerade so unter Kontrolle haltend. Er bekam keine Antwort, aber der kurze Moment hatte ihm gereicht, um Gawain, Coreen und Elaine zu erkennen, die an anderer Stelle noch ihre eigenen Kämpfe ausfochten. Mehr Soldaten strömten aus dem Wald, das Geschrei wurde lauter, die Pferde wieherten angespannt. Sie hätten niemals anhalten dürfen, um Foster zu helfen, wenn sie ihre reale Chance zu entkommen wirklich hätten ausnutzen wollen - andererseits war er es, der Caillean nun fort brachte und Devastare vertraute darauf, dass er sich um sie kümmern würde, sollte das hier schief gehen. Er hatte es geschworen und die Götter würden über das Versprechen wachen.
Kurz schoss ihm durch den Kopf, was nun aus Caria und auch Kira werden würde, was Karsh tun wollte, was Ekynes blühte - doch dann riss er sich zurück in die Gegenwart und stieß die Klinge nach vorne, ekelhaft matschend durch die weiche Haut am Hals des Soldaten, bevor er es zurückzog. Der Soldat griff sich an den Hals, würgend, lautlos die Lippen bewegend, dann landete er dumpf im Schnee und besudelte das friedliche Weiß mit rotem Blut. Eine Kriegserklärung. 
Devastares Sicht hatte sich zu einem kleinen Kegel verengt, nur noch ein kleiner Teil war deutlich zu sehen und der lief wie in Zeitlupe ab. Drei Soldaten, die mit Coreen kämpften und er sah den dritten ausweichen und hinter sie gelangen. "Coreen!", rief er der jungen Soldatin warnend zu und war auf dem Weg zu ihr, lange, große Schritte machend, die Waffe bereit und weit in sich Magie spürend, die mitmischen wollte, doch dann wurde sein Lauf abrupt gebremst und alles, was eben noch eine Szenerie des Schreckens abgegeben hatte, wurde schwarz.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:12 pm
"Dass er gar nicht der Sohn von dir und deiner Frau ist und er weggebracht wurde und Mama jetzt unterwegs ist, um ihn zurück zu holen", begann Kira zu erklären und nahm den Kelch vom Älteren an, einen Schluck daraus nehmend und das Gesicht verziehend, weil sie sich nie so recht mit dem Geschmack von verdünntem Wein hatte abfinden können, wo es doch noch andere Dinge wie die Säfte aus den Küchen gab, die Ferryn ab und an hierher schmuggelte. "Offiziell sollte er der legitime Sohn sein, ist es aber gar nicht. Du hast nur den ganzen Hof an der Nase rumgeführt", fuhr sie fort und rümpfte die Nase.
"Warum willst du unbedingt Ekynes vernichten? Das Land ist am anderen Ende der Landkarte! Selbst, wenn du es eroberst, stehen dazwischen noch viele andere Länder - die Verwaltung ist damit nicht einfach und ich weiß nicht, ob du dich darauf verlassen könntest, dass Devastare mitspielt ... so nur als Gelegenheit."
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:21 pm
Thealon rümpfte die Nase. "Du bist genauso vorwitzig und unverschämt wie deine Mutter", erklärte er leise und nahm einen zweiten tiefen Zug des Kelchs, den er damit leerte. "Unfassbar... ich will gar nicht wissen woher du all das weißt und wen ich nun umbringen muss, weil er ganz offensichtlich sein Maul nicht halten konnte...." er schüttelte den Kopf, während er seinen Blick auf seine Tochter richtete. "Verflucht noch eins - du bist gefährlich Kira. Vielleicht sollte ich dich meine Armeen anführen lassen und auf die verdammten Erbregeln einen Scheiß geben, hm wie würde dir das gefallen?"
Der König betrachtete sie noch kurz. "Wieso ich Ekynes vernichten will ist eine kompliziertere Geschichte, aber die findest du wohl auch noch raus. Und Devastare wird mitspielen wenn ich ihm gar keine andere Wahl lasse."
__________
"Runter!" fluchte Foster und riss die Königin am Arm, zog sie damit eine Böschung hinab, während sie beide übereinander kullerten. Foster hielt die Prinzessin fest, während sie durch Sträucher und Hecken taumelten und schließlich mit einem lauten Platschen in einen nahe gelegenen Fluss stürzten. Das Wasser war kalt wie die Hölle selbst und Foster musste die Königin mit aller Gewalt festhalten, die wieder nach oben an die Luft schwimmen wollte. Er hielt sie fest, stemmte sich gegen ihr Strampeln und spürte wie die eisige Kälte sein Herz und seine Lungen umschloss, zwang sich solange unten zu bleiben, wie seine Lungen es ihm gerade noch durchgehen ließen und zog dann sich und die Königin aus dem Fluss an das Ufer. Der Wind umschloss sie eisig kalt, aber von ihren Verfolgern war keine Spur mehr zu sehen - sie mussten weiter die Straße auf dem Hügel gestürmt sein.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 8:53 pm
"Ich bin immerhin deine und ihre Tochter und hast mal gesagt, ich soll einen wachen Verstand haben", erwiderte Kira lediglich schulterzuckend und stand dann wieder von ihrem Platz auf, um vor dem Älteren Position zu beziehen. Armeen anführen klang bei Weitem nach mehr, was sie machen wollte als dieser ganze höfische Tand, der ihr so rein gar nichts gab. Die Kleider störten sie bei den Bewegungen, schnürten sie viel zu sehr ein und das Allerletzte, was sie wollte, war irgendwelche Bediensteten hinter sich, die ihr die Haare richten wollten und sich darüber echauffierten, dass ein Mädchen - vor allem keinem Mädchen aus der königlichen Familie - ein Schwert in die Hand gegeben gehörte. "Ich darf doch ohnehin nichts erben, das Reich geht irgendwann an Devastare, weil du ihm - wie du sagst - ja keine Wahl lässt und ich hab nichts dagegen in der Armee zu kämpfen. Ich bin inzwischen wirklich gut, wenn du mich nicht durch das Eingesperrtsein boykottieren würdest!", versuchte sie an ihn zu appellieren, weil das nach allem klang, was sie gerade wirklich wollte, dann besann sie sich eines Besseren und schwenkte zurück zu dem zuvor angesprochenen Thema.
"Diese ganze Familie hasst Ekynes und das schon seit Jahrhunderten. Wahrscheinlich hat jeder inzwischen vergessen, warum sich die beiden Länder eigentlich gar nicht mögen und warum sollte er mitspielen? Was hast du gegen ihn in der Hand?"
___________________

Elaine sah, wie Devastare zu Boden sackte, sah, wie sich das Blut auf dem weißen Schnee ausbreitete und für einen kurzen Moment setzte ihr Herz aus. Magie flammte in ihren Fingern auf, Wind schob sich durch den weißen Schnee und riss den Soldaten von den Füßen, der zuvor noch das Schwert gehoben hatte, um ihm den Garaus zu machen. Aus den Augenwinkeln heraus hatte sie wahrgenommen, wie Foster gemeinsam mit der Königin geflohen war, wie Coreen und Gawain sich nach Kräften darum bemühten, die Soldaten zu bekämpften, von denen immer mehr zwischen dem Gebüsch hervorkamen. Elaine hörte sie schreien, während sie nach vorn hastete, auf dem Eis unter ihren Füßen schlitterte und schließlich mit den Knien zuerst neben Devastare ankam.
Fahrig tasteten ihre Hände nach dem Jüngeren, zog ihn zu sich, um sich zu vergewissern, dass er noch immer am Leben war. Sein Atem ging flach, Schnee und Blut bedeckte eine seiner Gesichtshälften, die Lider flatterten. Schmerzhaft heftig zog sich ihr Magen zusammen, der Kloß in ihrem Hals wuchs, weil die Sorge sich nicht so einfach herunter kämpfen ließ, wie sie es zuvor noch gehofft hatte. Morys' Leute ... die Reise nach Caria, sein Leben, das in dieser Sekunde noch viel mehr in Gefahr geriet als ohnehin schon.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:07 pm
"Elaine!", schrie Coreen über den Lärm der Schwerter, ängstlichen Pferde und das Geschrei der Soldaten hinweg, froh darum, dass ihre Stimme durch jahrelange Übung so laut und durchschneidend werden konnte. "Hilf uns, verdammt noch mal!" Sie brauchten die Zauberin, hier, direkt an der Seite, um den Ansturm zurück zu schlagen, aber stattdessen waren sie es, die immer mehr in Bedrängnis gerieten. Ein neuerlicher Hieb, der sie streifte und ins Straucheln brachte. Sie durfte sich nicht verwandeln, musste all das hier als Mensch ausfechten - Rhiannon hatte es ihr Jahr um Jahr eingebläut, sie schwören lassen, es nicht zu tun. Der Drang war groß, aber die Disziplin größer. 
Das Schwert prallte mit der Breitseite gegen ihren Arm, glücklicherweise nicht mit voller Wucht, aber dennoch so hart, dass alles Gefühl ihre Finger verließ und sie den Dolch verlor. Sie konnte sich nicht danach bücken, wich den Angriffen aus, indem sie einhändig weitermachte, nutzlos den Arm an der Seite. Ein paar Strähnen klebten ihr im schweißnassen Gesicht, eine davon pustete sie immer wieder hoch bei jedem Atemzug, den sie gierig nahm. Der Soldat ihr gegenüber gab nicht nach und drängte sie weiter und weiter zurück. 
"Elaine!", wiederholte sie drängender und der eine, dämliche Blick zur Seite und zu der Freundin hin, lotste ihre Aufmerksamkeit von ihren Schritten weg und ließ sie über eine Baumwurzel stolpern. Schmerzhaft landete sie in den Überresten von Ästen und Baumrindenstücken, den Dolch erhoben, doch sie ahnte, dass diese Position ihr nicht mehr helfen würde. 

--------------

Die Schwärze waberte am Rande seines Bewusstseins herum, sein Kopf dröhnte und hören war schlicht unmöglich. Für ein paar Sekunden starrte Devastare in die Dunkelheit, bis er begriff, dass seine Lider geschlossen waren. Mit zusammengebissenen Zähnen zwang er sich, die Augen zu öffnen - eines, dann das andere. Der Schnee blendete ihn und er kniff die Lider wieder zusammen, dann rollte er sich mühselig herum, bis alle Viere festen Boden unter sich hatten und der Schwindel langsam verebbte. Als er diesmal um sich sah, hörte er nur noch ein hohes Piepen in den Ohren, sah Elaines Knie, dann ihre Hände, die sich nach ihm ausstreckten. Zu gerne hätte er sie gepackt und ihr einen Stoß gegeben, damit sie endlich lief, aber dazu hätte er aufstehen müssen. 
"Bring dich in Sicherheit!", fuhr er sie an, weil schon das Aufrichten aus seiner Position ihn mehr kostete als alles zuvor. Die Welt drehte sich, kippte immer wieder zur Seite und Elaines Gesicht verschwamm. "Geh!"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:16 pm
"Vielleicht lasse ich dich wirklich meine Armee anführen," sinnierte Thealon und fuhr sich über das Kinn. "Und ich wäre mir was die Erbfolge angeht nicht ganz so sicher wie du - ja Devastare hat einen Anspruch, aber wenn alles nach Plan verläuft, dann ist Caria noch vor meinem letzten Atemzug zu groß, als das ein König es alleine regieren könnte..." er ließ ein schmales Lächeln aufblitzen. "Ich kenne den Mann, zu dem Devastare geworden ist nicht so gut wie ich gerne würde, aber eines ist klar - er hat etwas für Ekynes übrig und ich habe dafür gesorgt, dass dieses Land bedroht ist - und ich werde ihm die Lösung für dieses Dilemma anbieten."

_______

"Das ist genug", hallte eine all zu bekannte Stimme hinter den Soldaten hervor und diese positionierten sich über den mittlerweile entwaffneten, blutenden und auf dem Boden liegenden Gefährten. "Ich hatte ja mit viel gerechnet, aber mit solch einer unverfrorenheit..." Morys schnalzte mit der Zunge und trat zwischen den Soldaten hervor, blickte voller Abscheu auf die Männer und Frauen vor ihm und spuckte aus. "Wo ist die Königin?" fragte er leise und zischend, während hinter ihm zwei Diener ächzend einen Karren anhielten, auf dessen Auslage ein gewaltiger weißer Hirsch lag, dessen Geweih kleine Knospen schmückten.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:25 pm
"Wie hast du dafür gesorgt?", hakte Kira unbarmherzig nach, weil sie sich nicht einfach so damit abfinden wollte, dass er ihr schon wieder nur die Hälfte von alledem erzählte, was eigentlich vor sich ging. Ferryn und sie brauchten dringend jede noch so kleine Information, die sie bekommen konnten, vor allem wenn es darum ging, dass ihrer beider Bruder dafür vor den Karren eines Reiches gespannt werden würde und es eigentlich gar nicht so sehr um ihn selbst ging. "Empfindest du überhaupt irgendetwas für Devastare?", fragte sie stirnrunzelnd. "Er ist dein Sohn ... und alles, was du sagst, klingt so als wär er nur eine Schachfigur, die du verschiebst und er wäre dir als Mensch vollkommen egal."
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"Vergiss es", wehrte Elaine lediglich ab, die eine schützende Position vor dem anderen eingenommen hatte, Magie noch immer in den Fingern und bereit sie in jeder Sekunde loszulassen. Sie hatte einmal zugelassen, dass sie ihren Sohn verlor - dass jemand ihn ihr weggenommen hatte, sie würde diesen Fehler nicht über zwanzig Jahre später wiederholen und so hatte sie ihn hinter sich geschoben, darauf achtend, dass nicht zu viel Distanz zwischen sie geriet, die einem der feindlichen Söldner genug Raum gegeben hätte, doch spätestens als Morys' Stimme erklang und sie den Karren mit dem großen, weißen Hirsch darauf erkannte, wurde sie bleich. "Oberon ...", flüsterte sie heiser, Erschrecken im eigenen Gesicht, doch noch bevor sie auf die Frage antworten konnte, hörte sie dunkles Grollen in der Ferne.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:33 pm
"Ich habe einen aufsässigen Baron mit genug Geld ausgestattet um eine kleine Armee anzuwerben - mit welcher er sich das Schloss von Ekynes unter den Nagel gerissen hat. Und ich und meine Armee sind die einzige Möglichkeit für Devastare Ekynes von diesem Scheusal zu befreien," erklärte er leise und ließ sich auf eine der mit Lammfell bedeckten Eckbanken sinken. "Und ja Devastare ist mein Sohn - mein Erstgeborener sogar. Doch wenn du in der Nacht dabei gewesen wärst, als all das geschah..." er schüttelte den Kopf um die düsteren Gedanken los zu werden, welche begannen sich in seinem Kopf fest zu setzen.
"Er ist ein Sohn Carias - doch ich weiß, dass ich sein Herz an Ekynes verloren habe. Es ist... er wird dieses Land niemals so verstehen können wie du Kira - und das nur, weil ich betrogen wurde. Er kann nichts dafür und deswegen werde ich tun was nötig ist um ihn auf das vorzubereiten, was notwendig ist!"

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"Eine Hexe..." zischte Morys und sein Lächeln wurde schneidender. "Wenn sie sich rührt tötet sie...." erklärte er eisig, hob dann jedoch die Hand, als ihm der Blick auffiel, den Elaine zu Devastare warf und den er nicht ganz einschätzen konnte. "Nein, vergesst das - wenn sie sich rührt tötet den Gardisten!"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:40 pm
Tötet den Gardisten? Oh bei den Göttern, wie oft hatte er das nun schon gehört? Die Angst half ihm zurück auf die Füße und es war keine Angst um ihn selbst, sondern die, die ihn einholte, als er Magie durch den Boden vibrieren spürte, viel stärker als alles, was er bisher jemals gespürt hatte. Er hatte Elaines Schulter greifen wollen, doch das Schwert, das sofort hochschoss und an seine Kehle gelegt wurde, hielt ihn davon ab. Er war nur froh darum, dass Caillean fort war, hoffentlich beschützt von Foster. Coreen inzwischen stand zwischen drei Wachen eingekeilt, völlig ohne Waffen und sichtlich verärgert, während Blut von ihrer Stirn troff.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:49 pm
"Ich verstehe das nicht. Du könntest Dutzende von Söhnen haben und ihn einfach gewähren lassen. Wenn sein Herz an Ekynes hängt, dann wirst du ihn nicht mehr auf die Seite Carias bringen können, zumindest nicht mehr aufrichtig und ehrlich. Du hast Ekynes doch schon besiegt mit diesem Baron. Lass ihn doch einfach sein. Lass ihn da, wo er sein will", überlegte Kira nur, weil sie nicht begriff, warum ihr Vater so erpicht darauf war, ihren großen Bruder herzubekommen und ihn auf den Thron eines Landes zu bringen, das er nicht wollte und das er nicht einmal kannte. "Er ist - wie alt? Über Zwanzig? Wahrscheinlich ist er ziemlich glücklich da, wo er ist und will uns gar nicht und ich würde auch nicht nach Ekynes wollen, wenn ich erfahren würde, dass mein Vater meine Heimat dem Untergang geweiht hat."
____________________________

Das Grollen wurde lauter während Elaine sich still verhielt und sich einmal mehr so fühlte, als wäre sie geradewegs wieder zurück nach Caria gekommen. Befehle befolgen, blindlings gehorchen, um ihr Kind nicht zu gefährden - Morys machte hier keine weitere Unterscheidung und sie fühlte die Übelkeit in sich selbst aufsteigen, während sie die Arme langsam wieder sinken ließ. Wie einfach wäre es ihn zu töten, ihre Magie zu benutzen und es ein für allemal zu beenden, aber das hätte bedeutet, sie würde Devastare verlieren. Damit würde sie auch zeitgleich Kira verlieren, weil Thealon ihr Versagen nicht akzeptieren würde. Wortlos richtete sie den Blick hinauf in den Himmel, wo sich düster eine große Gestalt vor den dichten Wolken abzuzeichnen begann und nur kurz, nur für Coreen sichtbar, deutete sie mit einem Finger nach oben in den Himmel.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 9:57 pm
"Ich habe aber keinen Sohn mehr bekommen. Keinen einzigen," erinnerte Thealon sie und schüttelte den Kopf. "Und so einfach ist das nicht - Devastare ist ein Kind der Prophezeihung und das bedeutet, dass er Teil eines großen Planes ist. Ein wichtiges Puzzleteil im Kampf gegen Ekynes - ich kann es mir nicht erlauben ihn durch meine Hände gleiten zu lassen, wenn ich nicht riskieren will, dass die falsche Prophezeihung sich erfüllt statt jener, die in Wahrheit ausgesprochen wurde!" er ließ Kira eine ganze Weile nicht aus den Augen. "Abgesehen davon habe ich nicht vor in hier in Caria zu halten - oder glaubst du etwa, ich würde Ekynes von einem Tyrannen den ich selbst auf den Thron gebracht habe befreien, wenn ich daraus nicht einen noch viel größeren Nutzen ziehen würde?"

_________
Morys' Lächeln fror ein und zerbrach in tausend Scherben, als er das Rauschen der Schwingen vernahm und sich umdrehte - er riss die Augen auf, taumelte einige Schritte zurück und blinzelte. "Ein..." der Drache riss das Maul auf, in dessen Innerem es bedrohlich glühte. "Feuert alles was ihr habt!" schrie der Baron und flüchtete sich zu dem Wagen, auf welchem Oberons Inkarnation lag.
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 10:07 pm
Kira hielt es für vollkommen unsinnig, dass ihr Vater so sehr darauf pochte, dass Prophezeiungen wichtiger sein sollten als das Wohl des eigenen Kindes und stieß nur ein missgünstiges Schnauben aus, weil sie eigentlich gar nicht wissen wollte, was er für Pläne für den älteren Bruder ersonnen hatte, wenn der erst hierher gekommen war. "Und was ist, wenn er stirbt?", fragte sie stattdessen und verschränkte die Arme vor der Brust. "Wenn dein teures Prophezeiungskind tot ist, weil dein Baron seine Befehle nicht befolgt? Wie endet es dann? Bestrafst du Mama dann damit, dass du mich auch umbringst?"
__________________________

Oberons verlöschendes Licht, die Schwäche, die mit einem Mal durch die Erde drang und die in dem Berg widergehallt war, den Rhiannon ihr Eigen nannte, hatte sie aufgerüttelt. Seit Morys' Männer ihr einen großen Teil ihrer eigenen Befugnisse genommen hatte, weil sie zu stolz gewesen war, einen Schwur zu schwören, der ihm die Treue gab und sie von allem anderen abschirmen würde, was es innerhalb dieser Welt noch gab. Sie hatte verharrt, gewartet und es den Sterblichen überlassen, sich um den Tyrannen zu kümmern, doch spätestens mit dem Beben der Erde hatte sie sich genötigt gefühlt, ihre eigene Gestalt wieder zu wechseln und sich von den hohen Steinen abzustoßen. Die Kälte des Winters war seit jeher Coreens Zeit des Jahres gewesen, Rhiannon selbst mochte die eisige Kälte nicht, die ihr jetzt in den Augen brannte und die an ihren Schuppen vorüberglitt, während sie das Feuer in sich gebunden hatte - zum einen, um sich selbst zu wärmen und zum anderen, weil sich dort vorn in einiger Entfernung das schwache Licht Oberons ihren Augen offenbarte.
Grollend gruben sich ihre Klauen in den Stein, Pfeile prallten von den großen Schuppen ab bevor sie sich ein Stück hinab beugte und das große Maul öffnete, mannshohe scharfe Zähne offenbarte und Schwefel sich über die Lichtung ausbreitete. Rauch quoll aus den großen Nüstern hervor bevor sich dröhnend in Morys' Kopf nur eine einzige Forderung meldete. "Lass den Hirsch hier."
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 10:12 pm
Für einen kurzen Moment huschte ein seltsamer Ausdruck über das Gesicht des Königs, während er wieder die Krone in die Hände nahm, sie langsam drehte und dann Kira entgegen hielt. "Was glaubst du?" fragte er leise, ohne jeder Drohung sondern mit ehrlicher Neugier in der Stimme.

________________
Morys' Augen weiteten sich, während er beinahe halb auf dem Karren saß, seine Hand in das weiße Fell verkrallte, das von dunklem Blut durchzogen war. "Was für eine Teufelei ist das?" zischte er zu seinen Männern, während er ihnen bedeutete den Hirsch vom Wagen zu ziehen. "Hier nimm ihn, nimm ihn wenn es das ist, was deinen Hunger befriedigt elender Lindwurm!"
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Re: Kapitel 2

am Mi Jan 03, 2018 10:18 pm
Hunger? Lindwurm? Beinahe hätte Coreen bitter aufgelacht. Oberon in einer seiner reinsten Formen zu töten war schon ein Kapitalverbrechen an sich, nun auch noch eine weitere Göttin zu beleidigen ... sie konnte sich die Wut vorstellen, die das Feuer in und die Kälte um Rhiannon herum verursachten und das gepaart mit der Freundschaft, die die beiden Götter verband ... sie schüttelte sacht den Kopf, sah hinüber zu Morys und beobachtete, wie er sich immer tiefer in die Scheiße ritt. 
Devastare unterdessen nutzte den Moment und schaffte es, seine Finger unter das Schwert zu bringen und mit einer fließenden Bewegung aus der Gefahr zu tauchen. Noch immer war er unbewaffnet, aber immerhin spürte er nun kein eisiges Metall mehr an seinem Hals. Rücken an Rücken stand er da mit Elaine, während Gawain näher an Coreen war. Er war in Ekynes aufgewachsen, er wusste um die Drachengestalt, die immer einmal wieder am Himmel kreiste und unter deren Schutz sie lebten - sie von nahem zu sehen war beeindruckend und unbewusst hielt er den Atem an.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 6:06 pm
Lindwurm? Rhiannon blinzelte, die großen Lider des Drachen öffneten und schlossen sich ein Stück schneller und für einen kurzen Moment lang glaubte sie wirklich, sich verhört zu haben. Lindwurm. Er hatte sie gerade wirklich Lindwurm genannt. Die Klauen gruben sich tiefer in den Stein, auf dem sie saß, hinterließen tiefe Furchen darin und Geröll bröckelte davon ab, als sie sich hinab beugte und den Kopf schützend vor Oberons toten Leib schob, das Maul öffnend, um noch einmal einen warnenden, dröhnenden Ton verlauten zu lassen, bevor auch nur einer der Soldaten auf den Gedanken kam, ihr zu nahe zu kommen. Behutsam hob sie eine der Klauen, schloss sie um den Leib des weißen Hirschs. Lindwurm ... er glaubte nicht an die Götter dieses Landes, wenngleich er doch ein Teil dieser Welt war - er wusste zu wenig von ihnen allen. 'Dein Leben wird ein unerwartetes Ende finden. Dann, wenn du dich schon siegreich wähnst', prophezeite sie ihm bevor sie sich in die Lüfte erhob.
Der Druck der Flügelschläge trieb den Rest von ihnen in die Knie während sie den Bewegungen des großen Drachen folgten und innerlich begann Elaine sich zu fragen, weshalb sie nicht die Männer ermordet hatte, die hier um sie herum standen und sie in Schach hielten. Dann fiel ihr auf, dass sie noch immer im Wald standen - dass es noch immer Oberons Gebiet war und das Feuer ihn weiter geschwächt hätte. Sie waren allein, umgeben von Dutzenden von Soldaten und einem wütenden Morys vor ihnen, den sie nicht so einfach würden ermorden können.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 6:27 pm
"Sieht so aus, als wären wir alleine", murmelte Coreen mehr zu sich selbst, dann suchte sie Elaines Blick. Ihr Herz schlug zu schnell, sie war nervös, weil zu viele Soldaten um sie alle herum standen. Es würde eine Katastrophe mit vielen Verlusten werden, sich daraus zu befreien und Rhiannon flog fort, ihr Schatten war schon kaum mehr zu erahnen, der Oberon in den Klauen hielt.
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Re: Kapitel 2

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