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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 6:39 pm
Es waren viel zu viele Männer um sie herum, jeder einzelne davon bewaffnet und schwer genug gerüstet, um ihnen mit Magie entgegen zu kommen. Coreen hatte einen ihrer Dolche verloren, Devastare war zuvor schon beinahe in Gefangenschaft geraten und was Gawain anbelangte - selbst der alte Mann verfügte über keine Waffe mehr, mit der sie sich hätten zur Wehr setzen können. Das war es also ... sie standen hier, mitten im Wald und würden wieder zurück gebracht werden und das obwohl sie beinahe über die Grenze gekommen waren, die nach Evelon führte - die Grenze, die für sie Sicherheit versprochen hätte. Sacht schüttelte Elaine in Coreens Richtung den Kopf, deutete der anderen an, dass sie hier nicht den Helden spielen sollte, wenn sie ihr Leben behalten wollten. Vielleicht würde ihnen auf dem Weg etwas einfallen, wie sie sich befreien konnten.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 6:45 pm
~*~

Die Fesseln saßen eng und scheuerten ihnen die Handgelenke auf, doch sie waren so gründlich nach Waffen durchsucht worden, dass sie selber den Kleinsten Fitzel verloren hatten, der sich als Werkzeug eignete. Coreens Hemd hing schief, bedeckte nur noch das Nötigste, weil die offensichtliche Platzwahl eines Dolches ja wohl zwischen den Brüsten sein musste, Devastares Stiefel waren ihm falsch herum wieder an die Füße gestopft worden - ungeschnürt - und Elaine fehlte jeglicher Schmuck, den sie zuvor noch getragen hatte, einschließlich ihres Mantels, der so viele Taschen beherbergt hatte, dass die Soldaten sich gar nicht erst die Mühe gemacht und ihn geleert, sondern gleich ganz an sich genommen hatten. Coreen tat ihr Bestes, sie mit ihrem eigenen Umhang zu schützen, aber wie es so war mit ihr, trug sie nur einen dünnen, der absolut nicht für den Schnee gemacht war. 
Nur eines hielt sie am Glauben fest und das war, dass Caillean und Foster noch nicht gefunden schienen. Sie hatte die Soldaten darüber sprechen hören. Sie wagte es nicht, die anderen drei deswegen anzusprechen, baute einfach nur darauf, dass sie es ebenfalls gehört hatten. Ihr Blick wanderte zu Devastare hin, der in den Wald starrte, scheinbar unbeteiligt, aber das war ja seit jeher seine Aufgabe gewesen, gleich, was da vor ihm auf dem Thron passierte. Bis heute konnte sie ihn nicht durchschauen. Elaines Augenmerk ruhte auf ebenjenem jungen Gardisten, der in all das hineingezogen worden war und sich aufgemacht hatte, um das Land zu schützen, das er liebte und nicht das, welches er zu regieren geboren worden war.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 7:05 pm
Die Vorwürfe in ihrem Magen wogen schwer und ließen ihr jedes Mal aufs Neue übel werden, weil sie wusste, dass Morys über ihr Schweigen bald die Geduld mit ihnen verlieren würde und sie nichts gegen die Konsequenzen dieses Schweigens unternehmen konnten, während sie Meter um Meter hinter sich brachten. Die eisige Kälte stach ihr im Gesicht, ließ sie frösteln und schaudern angesichts des Schicksals, das ihnen bevorstand, während sie den Kopf an Coreens Schulter gelegt hatte - zum einen, um ein wenig Rückhalt der Freundin zu bekommen und zum anderen um den Rest der Wärme zu nutzen, von dem die andere viel zu wenig abstrahlte. Sie hatte die anderen erst in diese Situation gebracht, als sie darum gebeten hatte, Devastare einen kleinen Teil der Wahrheit zu sagen und dringend zurück nach Caria zu kehren und nun hockten sie hier, gefesselt - zum Glück mit Seilen, statt mit Eisen - und kamen keinen einzigen Zentimeter in die Richtung, in die sie eigentlich mussten. Elaine überlegte sich, wie Thealon reagieren würde, wenn er dort oben erfuhr, was hier in Ekynes vor sich ging - in welche Situation sie seinen Erben gebracht hatte und wie sie sie am Besten hier wieder herausbringen konnte.
"Hör mir zu", raunte sie Devastare leise zu, weil es jetzt kein Stück Eisen mehr gab, das ihn noch blockieren würde und warf einen kurzen Blick rüber zu den Soldaten, die den Karren flankierten. Sie würden bedeutend langsamer sein, wenn sie ihn behielten, aber was sie dringend brauchten waren die Pferde. Bislang schien es keinem der anderen aufgefallen zu sein, dass sie miteinander sprachen - oder es scherte sie nur nicht, was die Todgeweihten miteinander beredeten. "Du bist ein Magier und es gibt hier nichts, was dich noch blockiert. Nutze es."
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 7:08 pm
Eine ganze Weile schon hatte er darüber nachgedacht - aber noch immer fühlte er sich mit dem Schwert sicherer als mit der Magie. Warum auch immer sie davon anfing, ihn würde hier nichts blockieren, wusste er nicht zuzuordnen, deshalb sah er fragend zu ihr hin. Nur Feen hatten ein Problem, wenn es Eisen um sie herum war, das sie einsperrte und sie saßen in einem Holzkäfig auf einem hölzernen Wagen. 
"Was soll ich machen, sie rösten wie Wildschweine ...?", fragte er nur trocken.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 7:09 pm
"Wenn es hilft, wieso nicht?", stellte sie die schlichte Gegenfrage. "Keiner von uns hängt an ihnen."
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 7:11 pm
Wo sie Recht hatte ... es gefiel ihm nicht, schon wieder töten zu müssen, aber vielleicht reichte es, wenn er sie ausschaltete. Sie würden brennen und nach einem Fluss suchen, dem sie schon geraumer Zeit in einigem Abstand folgten. 
Devastare schloss die Augen, um seinen Kopf zur Mitarbeit zu zwingen. Seit dem Schlag darauf dröhnte sein Schädel bei jedem Gedanken und vor allem jeder Bewegung. Die Anstrengung, die die Magie fordern würde, gar nicht erst mit eingerechnet. 
Er schob sich ein wenig herum, bis er die Soldaten ins Auge fassen konnte, dann hob er die Hände, froh darum, dass sie vor ihm gefesselt waren und ließ das Feuer seine Adern durchströmen, bis es sich zischelnd seinen Weg suchte.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:12 pm
Gerade noch rechtzeitig brachte Elaine Coreen außerhalb der Reichweite von dem brennenden Feuer, das sich über den Karren fraß und sowohl das Holz, aus dem er bestand, als auch die Mähne der Pferde versengte, auf denen die Soldaten saßen. Sie sah, wie die Rüstungen der Männer zu glühen begannen, wie sie ineinander schmolzen während die Männer schrieen, wie es knackte, wenn sich das Feuer weiter vorfraß und wie ihr von dem Geruch von verbrannten Haaren und brennendem Fleisch übel wurde. So furchtsam sie auch zuvor gewesen war, so sehr kam es ihr jetzt vor als hätten sie eine furchtbar falsche Entscheidung getroffen als sie sich wie automatisch hochstützte und rüber zu den beiden Männern auf dem Karren hastete, die gefesselten Arme kurzerhand um den Hals von einem von ihnen schlingend und zudrückend. Jetzt kamen sie nicht mehr aus der Sache heraus ... hingerichtet werden oder fliehen. Das war alles, was ihnen noch übrig blieb, denn Morys würde nach diesem Angriff nicht mehr warten bis sie zurück in Summerhold angekommen waren.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:17 pm
Erschrocken war Devastare zurückgezuckt von der Menge an Magie, die ihn da auf nur halbwegs geordneten Bahnen verließ. Er hatte den Pferden nichts tun wollen - im Gegenteil, sie würden sie brauchen - aber die Männer machten mit ihrer Panik und ihren brennenden Leibern alles nur schlimmer. Rasch hielt er seine eigenen Handgelenke über die Flammen, damit er sich von den Seilen befreien konnte, die ihn hielten, dann kämpfte er sich etwas unsicher auf die Füße. 
Coreen war dabei, Gawain die Fesseln zu lösen, als Devastare sich bereits mit seinem Feuer an den Stäben zu schaffen machte, damit sie den brennenden Käfig gefahrlos verlassen konnten. Hitze schlug ihm ins Gesicht, ließ ihn kaum atmen. Was würden Morys Leute tun? Was würde er tun, wenn er feststellte, dass er keine Gefangenen mehr hatte und die Königin ebenfalls weiterhin fort war? Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel, Caillean möge weit, weit fort sein und wünschte sich genau dorthin - ebenfalls weit weg. Das hier war alles so absurd. 
"Raus mit euch!"
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:20 pm
Elaine hatte nicht vor hier zu bleiben, während der Mann vor ihr zusammensackte und nach einem kurzen Blick nach hinten, entschied sie sich, dass es sinnvoller war auch noch den zweiten Soldaten auszuschalten, bevor sie Karren und Pferde verlieren würden. Hinter sich spürte sie die Hitze sich zusammenziehen, wie Feuer an den hölzernen Balken des provisorischen Gefängnisses leckten - es würde nicht mehr lang dauern bis sie auch nach ihr greifen würden und sie kannte den brennenden Schmerz, den sie hinterlassen würden. Die tiefen, eitrigen Wunden, die daraus entstanden und die sich auf ewig auf der Haut abzeichnen würden. "Geh!", rief sie Devastare über die Schulter zu. "Schnapp dir ein Pferd und flieh!"
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:23 pm
Sie hatten noch zwei weitere Pferde - wenn er Coreen mitnahm, dann hatten sie gute Chancen auf den anderen beiden Pferden ebenfalls zu entkommen. Devastare nickte nur kurz, zum Zeichen, verstanden zu haben, dann griff er die Soldation an ihrem Hemd und zog sie mit sich. Erst als sie beide auf dem Pferd saßen - Coreen vor ihm, fluchend und schimpfend - wandte er sich um, zog die Zügel des Pferdes fester, das unruhig tänzelte. "Elaine! Hinten!"
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:28 pm
Was bei allen Göttern taten sie eigentlich hier? Es tat ihr nicht leid um die Menschen, die sie hier ermordeten, geschweige denn um die Tiere, die dem Feuer zum Opfer gefallen waren, aber sie begann sich zu fragen, wie all das hatte so schnell aus dem Ruder geraten können. Vor ein paar Stunden noch hatten sie ruhig unter einem Felsen gesessen und miteinander gesprochen und jetzt brannte ein Stück des Waldes und tote Soldaten lagen um sie herum verteilt, während sie sich beeilte zu einem der beiden Tiere zu kommen, die hier noch unruhig umher tänzelten. Sie mussten dringend nach Caria, sie durften nicht noch mehr Zeit verschwenden als sie es ohnehin schon hatten - Thealons Geduldsfaden würde nicht auf ewig halten. Der Gedanke daran, was er tun würde, trieb sie weiter nach vorn, ließ sie sich im Vorbeigehen noch zumindest ihren Mantel und einen von Coreens Dolchen greifen, selbst wenn sie sich an dem Griff die Finger verbrannte und die Haut zischend nachgab.
"Co!", rief sie die Freundin und warf ihr die Waffe zu, die Finger in dem rauen Stoff ihres Mantels vergrabend und mit der anderen Hand die Zügel packend. "Weg hier!"
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:32 pm
Mehr aus Reflex fing Coreen die Waffe, denn weil sie damit gerechnet hatte. Tief schnitt ihr die Klinge in die Hand und nur Devastares beherztes Eingreifen, indem er nach dem Griff fingerte, war es zu verdanken, dass die Waffe bei ihnen blieb. Wenigstens eine. Sie brauchten dringend, verdammt dringend neue. 
Mit einer Hand klammerte sie sich an den anderen, spürte, wie seine erhitzte Haut in der Kälte des Tages langsam abkühlte, während ihr eigener Atem laut und keuchend war. Wo sollten sie hin? Sie hatten kein Geld, keine Ausrüstung - nichts mehr und Evelon war so weit entfernt wie nie, gefühlt zumindest. Die Leute dort waren eigen und nicht sehr gastfreundlich, vor allem bei Fremden, die so heruntergekommen aussahen wie sie und nichts vorzuweisen hatten außer ... nichts ...? Sie hatten wirklich nichts. Elaine und Gawain schlossen auf zu ihnen und Devastare ließ dem sich windenden Tier endlich die Zügel lang, damit es voranpreschen konnte. Hauptsache die grobe Richtung stimmte jetzt.
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Re: Kapitel 2

am Do Jan 04, 2018 9:36 pm
Caria. Jetzt blieb ihnen nichts mehr anderes übrig als diesen einen Weg einzuschlagen, der sie zurück in eine Heimat bringen würde, die sie sich vor dreißig Jahren selbst gewählt hatte und von der sie noch heute nicht wusste, ob sie sie hassen oder lieben sollte. Die Aussicht darauf bald wieder Thealons Gesicht vor sich zu sehen hätte sie zaudern lassen sollen, aber stattdessen freute sie sich darauf, Kira wieder sehen zu können, zu wissen, dass sie wieder hinausgehen dürfte, wenn sie erst gemeinsam mit Devastare zurück in Winterbroke war.
Elaine trieb ihr Pferd an, sich nicht dieses Mal darauf verlassend, es würde die Richtung schon kennen. Sie mussten so schnell wie möglich so viel Strecke wie möglich zwischen Morys' Männer und sich bringen. Schlafen würden sie im Sattel müssen, zumindest bis sie die Grenze hinter sich gebracht hatten. Ausruhen würde erst möglich sein, wenn sie in ein anderes Land gekommen waren und dort niemand mehr nach ihnen suchen würde - erst dort würde sie Nachricht nach Winterbroke senden, sie sei auf dem Weg und hätte Ekynes verlassen.
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 8:42 pm
Behutsam nahm Kira die Krone an, die ihr Vater ihr hinhielt, ließ die Finger darüber wandern und überlegte hin und her, während ihr Blick auf den funkelnden Edelsteinen ruhte. Im Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel, wirkte die Krone gar nicht so bedrückend, wie sie es ab und an gefunden hatte, als sie im Thronsaal während der Hofhaltung ihres Vaters gewesen war. Sie wirkte hier in ihren Fingern beinahe hübsch, umso frustrierender war der Gedanke daran, dass es ihr älterer Bruder sein würde, der sie eines Tages einmal tragen würde. Derjenige, der in Ekynes aufgewachsen war und rein gar nichts von diesem Reich wusste und trotzdem eines Tages auf dem Thron sitzen würde, weil er nun einmal ein Junge war. Es war unfair und sie verfluchte die alten Regeln dafür, dass ihr Vater sie niemals geändert hatte, obwohl er so mächtig war und jederzeit die Gelegenheit gehabt hatte.
"Ich glaube nicht", antwortete sie nach einer schieren Ewigkeit und bedachte ihren Vater mit einem kurzen prüfenden Blick, beinahe noch hinterhersetzend, dass er ja schließlich noch eine weitere Tochter hatte, die er umbringen konnte, wenn ihm danach der Sinn stand. Sie behielt die Worte für sich, weil es weder klug war, Ferryn ans Messer zu liefern, noch ihren Vater damit zu reizen. "Wird er dir wichtiger sein als ich, wenn er wieder hier ist?"
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 8:52 pm
"Nein," seine Antwort hatte keinen halben Herzschlag auf sich warten lassen und betrachtete Kira eine ganze Weile. "Er ist mein Sohn, aber du Kira - du bist mein einziges Kind."
Er trat an das Fenster und ließ seinen Blick einmal durch das große Fenster hinaus ins Land gleiten. "Ich habe vor dir ein wesentlich größeres Reich zu geben als es Devastare erben wird," erklärte er zu seiner Tochter und fuhr sich über die unrasierte Wange. "Sein Schicksal ist unwiderruflich mit Caria und Ekynes verbunden - du jedoch bist solchen Beschränkungen nicht unterworfen..." er wandte sich wieder zu Kira um. "Lass dich niemals täuschen Kira - ich lasse dich nicht im Stich, mag ich auch den ewigen Tugenden Carias folgen. Dir wird es an nichts fehlen - und mit Sirean und Miris über mehr Macht verfügen als sich Devastare jemals vorstellen kann."
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 8:56 pm
"Das hier ist meine Heimat! Ich gehöre nicht nach Sirean oder nach Miris!", protestierte sie prompt, ruckartig von ihrem Platz aufstehend und die Arme trotzig vor der Brust verschränkend. Sie würde sich nicht einfach verschachern lassen als wäre sie nichts weiter als eine Stute, die er auf dem Markt zum höchstmöglichen Preis feilbot. "Zum Oldgate mit seinem Schicksal! Er kennt dieses Land nicht - die Leute kennen ihn nicht und sie werden ihn auch nicht wollen. Er kommt aus Ekynes!"
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:00 pm
"Bedanke dich bei deiner Mutter dafür - sie war es, die ihn damals fort schaffte und mich über all das anlog!" erwiderte er streng während er sich umwandte. Noch immer hatte Kira die Krone in der Hand, was Thealon nicht entgangen war. "Dann beweise dich - beweise dich und Devastare wird in Ekynes als König bleiben und das Reich für Caria verwalten, während du das Großreich Carias beherrschst. Bestehend aus Sirean, Miris und unserer heimatlichen Erde. Aber wenn du das willst Kira - wenn du das wirklich willst, dann musst du es dir nehmen. Dann wirst du die Barone zum schweigen bringen müssen, die sich dir entgegen stellen. Aber es reicht nicht wenn du hart bist - du wirst klüger sein müssen als sie. Gerissener als jeder, der sich dir in den Weg stellen könnte. Wenn du dazu bereit bist dann - und nur dann - wirst du dir all das nehmen können."
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:04 pm
"Dann lass mich endlich hier raus, denn hier drin werde ich wohl kaum irgendetwas ändern können", forderte Kira, die Krone noch immer in ihren Fingern und fest umschlossen, den Blick eisern auf den Älteren gerichtet. Sie wollte ihre Heimat nicht einem Fremden geben, ihre Heimat sich nicht so sehr verändern lassen, weil ein Fremder mit dem Denken eines verfeindeten Landes kam. Sie hätte sich mit Ferryn anfreunden können, die das Land und seine Leute kannte, die ihre Regeln und Gesetze kannte und hätte die große Schwester nach Kräften unterstützt. Mit ihrem Bruder ... war das eine andere Sache.
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:05 pm
"Zwing mich dazu."
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:07 pm
Es war ein nebelverhangener Morgen, einer an dem man ohne weiteres jeglichen Vogel am Himmel übersehen hätte. An solchen Tagen fühlte Aristeas eine Freiheit, die ihm nur selten Zuteil wurde, denn in den Wäldern von Evelon, besonders in dem östlichen Teil des Waldes, dem an ir coil, hatte er die Chance auf einen freien Flug meist nur in bewölkten, dunklen Nächten, wenn der Mond fast vollständig verhangen war. Eine recht aufmerksame Grenzgarnision auf beiden Seiten der Länder sorgte wegen der, früher öfter vorgefallenen Überfälle von Ayantis dafür, dass im Zweifelsfall jeder lieber schoss statt zu fragen oder auch nur einen Moment inne zu halten, um zu schauen von welcher Seite des Landes aus etwas am Himmel vorbeizog. Jetzt jedoch konnte er die frische Luft genießen, während um ihn herum Tag herrschte. Ein düsterer, beinahe dämmriger Tag, doch dies allein reichte aus, um ihn in eine Hochstimmung zu versetzen. Er landete erst nach etlichen Stunden in seinem gewohnten Waldgebiet und erst als er auf dem Waldboden stand, am gesamten Körper nackt, spürte er wie stark seine Arme schmerzten. Im ersten Moment konnte er sich kaum heben, doch die Freude über das eben getane half ihm schnell über eben jenes lähmende Gefühl hinweg. Er brauchte gut zehn, zwanzig Minuten bis er den kleinen Haufen von Kleidern fand, den er zuvor neben der kleinen Hütte drapiert hatte. Er besaß nicht viel an Stoffen und einmal bei einer Verwandlung zerissen, waren diese in der Regel nicht wieder herzustellen. Er zog sich gerade seine Hose an und band einen einfachen Knoten in die Kordel, als er aus weiter Ferne ein Geräusch hörte. Keines das in diesen Wald passte, nichts das von irgend einem Tier ausging. Und auch keines von einem Holzfäller oder Förster, die einzigen Menschen die sich hier in der Regel aufhielten und die so behutsam durch das Dickicht traten, dass man auch sie beinahe für Tiere halten konnte. Aristeas schluckte kurz, machte ein paar Schritte zurück und griff nach einem langem Messer, welches er in der Regel dafür nutzte um Tierhäute zu entfernen und diese auszunehmen.
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:12 pm
"Ich habe deine Krone", erklärte Kira und hob selbige ein Stück empor, nicht bereit ihre Freiheit so einfach wieder gehen zu lassen, nachdem sie jetzt die Chance darauf sah, sie wieder zu bekommen. Dort draußen gab es jede Menge Dinge, die sie inzwischen schmerzhaft vermisste - sie vermisste ihre Trainingsstunden, die frische Luft um sie herum und vor allem vermisste sie die gemeinsame Zeit mit Ilian. "Lass mich hier raus, sonst sorge ich dafür, dass mein großer Bruder von deinem Handel mit dem Tyrannen erfährt, den du nach Ekynes geschickt hast, um seine Heimat zu schwächen. Ein einziger Bote reicht aus."
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:14 pm
"Du wirst aber keinen Boten schicken können, solange du hier oben eingesperrt bist. Und das Stück Eisen in deiner Hand bedeutet mir nichts," erklärte Thealon und ging einen Schritt auf Kira zu. "Aber guter Versuch - noch etwas?"
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:16 pm
"Kann ich vielleicht nicht, aber ich habe andere Möglichkeiten, um ihm eine Nachricht zukommen zu lassen und das weißt du. Soll ich es dir beweisen?" Beinahe hätte sie einen Schritt zurück gemacht, als ihr Vater den nach vorn gesetzt hatte - im letzten Moment entschied sie sich um und blieb standhaft stehen.
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:19 pm
Ein Lächeln zog sich über sein Gesicht. "Das ist meine Tochter!" erklärte er und griff in seine Hosentasche und zog einen schweren, eisernen Schlüssel aus eben dieser und legte diesen auf den Tisch.
"Den hast du dir verdient!"
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Re: Kapitel 2

am Fr Jan 05, 2018 9:24 pm
Alles in ihr schrie danach die Krone abrupt fallen zu lassen und zu dem Schlüssel zu hasten, den er auf den Tisch gelegt hatte, aber stattdessen blieb sie skeptisch und behielt ihren Vater weiterhin im Auge. Er war ein guter Schachspieler, ein guter Politiker und ein noch besserer Anführer, er würde nicht den Leichtsinnsfehler machen und ihr jetzt so offenkundig den Schlüssel übergeben, wenn er nicht etwas im Hinterkopf hatte. Gezwungenermaßen geduldig setzte sie einen Schritt nach dem anderen nach vorn und legte die Krone ebenfalls auf dem Tisch ab, bevor sie nach dem Schlüssel schnappte und ihn in den Händen wog. Ihre Freiheit ... sie hielt gerade ihre Freiheit in den Händen. Nach Wochen des Eingesperrtsein, nach Verzicht und endloser Langeweile war sie mit diesem kurzen Gespräch endlich aus diesem verfluchten Raum raus.
Einen kurzen Moment lang nur blickte sie noch einmal auf den Schlüssel hinab, dann hopste sie ihrem Vater an den Hals und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich beeilte den Raum zu verlassen, um runter zum Trainingsplatz zu kommen.
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Re: Kapitel 2

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