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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:31 pm
„Mhm glaub mir, an diesem Abend wird dir und jedem anderen nichts mehr kalt vorkommen. Wir feiern die Wiederkehr der Sonne und der Wärme. Und die Götter schenken uns an diesem Abend nicht nur“, seine Hände betasteten die eingefärbte Haut, welche sich unter seinen seichten Berührungen wölbte. „Nicht nur Freude, Lust und Gleichheit, sondern auch Wärme. In uns. Du machst dir zu viele Gedanken Kira, hör einfach auf zu denken, lebe.“
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:31 pm

___________
"Was glaubst du, was du da eigentlich tust?" sirrte die feste und befehlende Stimme des Königs durch die kleine Scheune, ehe zwei große Hände den Sohn des Jägers packten und von Kira weg zerrten. "Du mieser kleiner Dreckskerl..." die behandschuhte Faust eines der Soldaten traf den Jungen am Kinn, während eine andere Wache Kira einen Umhang über die Schultern legte und sie mit einer weiteren Lage Stoff bedeckte. Der König starrte mit eisigem Blick auf den jungen Mann, ohne auch nur einen Moment zu Kira zu schauen. "Was glaubst du, wer du bist?" Thealon trat einige Schritte nach vorne, ehe er vor dem Jungen zum stehen kam und ging in die Knie, um sich den Jungen zu begutachten. "Der Sohn des Jägers..." stellte er leise fest und in seinen Augen glomm etwas dunkles. "Das ist Hochverrat..." flüsterte er leise, während er das blutige Kinn des Jungen zwischen zwei Finger nahm. "Was hast du ihr zu trinken gegeben? Sprich!"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:34 pm
Da waren mit einem Mal so abrupt Hände, die Ilian von ihr fortzogen und fordernd hatte Kira die Hände noch ausgestreckt, um ihn aufzuhalten, aber sie hatte nicht mehr als seine Finger greifen können. "Nein!", protestierte sie und stemmte sich aus ihrem Strohlager hoch, den Mantel gar nicht wirklich wahrnehmend, der sie bedeckte und den sie mit jeder ihrer Bewegungen mit Ruß, Asche und Kalk besudelte. "Das war meine Idee! Er kann gar nichts dafür!"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:36 pm
"Aber er hat mitgemacht," erwiderte der König nur kühl, während er Kira einen Blick über die Schulter zuwarf. "Und du bist die Kronprinzessin, du wirst für soetwas nicht bestraft - er hingegen ist ein bürgerlicher."
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:37 pm
"Ich bin nicht mehr deine Tochter, wenn du ihm etwas antust!"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:39 pm
"Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind - du wirst immer meine Tochter bleiben," erklärte Thealon leise und stand langsam auf, während er dem Jungen vor sich einen skeptischen Blick zuwarf. "Das ist der Preis, den wir alle zahlen Kira. Wir sind von königlichem Blut, aber es gibt Regeln nach denen wir zu spielen haben..." er betrachtete den jungen Mann, dann wieder Kira. "Du wolltest ihn?" hakte er noch einmal nach und massierte sich die Schläfen. Das Mädchen kam definitiv zu sehr nach ihm. "Antworte schnell - wolltest du ihn?"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:42 pm
Kira hatte Mühe damit ihren Vater über den Alkohol noch zu fixieren und blinzelte ein paar Mal häufiger als es unbedingt notwendig gewesen wäre, bevor sie den Blick rüber zu Ilian wandte. Wenn sie jetzt verneinte, würde ihr Vater behaupten, er hätte ihr Gewalt angetan und sein Leben wäre verwirkt. Es war ihre Schuld, dass er überhaupt in dieser Situation war, ihre Schuld, dass er geschlagen worden war. "Ja", entschied sie schließlich. "Du bist nicht der Einzige, der seinen Spaß haben darf und jetzt lass ihn los oder ich werde der ganzen Stadt von der Wahrheit erzählen."
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:45 pm
Es waren nicht mehr viele Gespräche, die sie miteinander geführt hatten während sie Stunde um Stunde nebeneinander herliefen und Meter für Meter weiter hinter sich brachten. Caillean bemerkte, dass sie immer wieder hinter ihm zurückfiel und dass er sich darum bemühte, so viele Pausen wie nur irgendwie nötig zu machen, um es ihr nicht noch schwerer zu machen, aber diese kurzen Momente der Ruhe hatten alles nur noch schlimmer gemacht. Inzwischen war sie dankbar dafür den Mantel abgenommen zu haben und ein wenig der eisigen Luft an sich herankommen zu lassen, die zumindest dafür sorgte, dass sie nicht mehr das Gefühl hatte unter der dicken Kleidung vollkommen zu verglühen, aber das inzwischen wohl bekannte Gefühl des Frierens wollte nicht zurückkehren.
Nach Essen war ihr noch immer nicht zu Mute, auch wenn Foster es immer wieder versucht hatte, aber sie hatte jedes Mal seine Hand fortgeschoben, hatte abgewunken und sich auf irgendetwas konzentriert, was ihr dabei half, weiterhin Schritt um Schritt hinter sich zu bringen. Er war dazu übergegangen ihr zu erzählen, es seien jetzt nicht mehr viele Stunden, die sie noch unterwegs sein würden, aber seine Stimme verschwamm immer mehr unter dem Rauschen des Windes und des Knarzen des Schnees unter ihr. Immer wieder geriet ihre Sicht in Schieflage, immer wieder stolperte sie über Wurzeln, die sie über dem Schnee nicht gesehen hatte und landete deshalb nur nicht auf allen Vieren, weil Foster rechtzeitig an ihrer Seite gewesen war, um sie aufzufangen.
Blut rauschte in ihren Ohren, als er irgendetwas davon sprach, dass sie vielleicht noch eine Stunde von der Stadt und dem Hafen entfernt waren, als sie auf die Knie sank, die Hände in den Schnee gestützt und nach Atem ringend, weil es ihr die Krämpfe nicht mehr so leicht machten noch genug Luft zu bekommen. Irgendwo, schon halb im Delirium registrierte sie noch sein erschrockenes Umdrehen, dann verlor sie die Kraft in den Armen und sackte zusammen.
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:50 pm
"Dünnes Eis Kira," antwortete Thealon, ehe er seine beiden Männer betrachtete, die links und rechts neben ihm standen und Kira seltsam ansahen. "Du willst ihn also?" ein erneutes nicken und der König seufzte, ehe er seine Schwert mit einer einzigen geschickten Bewegung aus der Scheide zog, mit zwei fließenden Bewegungen stieß er die Klinge durch die beiden Soldaten. Den einen erwischte der tödliche Streich unter der Achsel, den zweitem wurde die Klinge durch den ungeschützten Hals gerammt. "Ich weihe diese Tode Rhiannon und Oberon," hauchte er leise, während das Blut auf den jungen Jäger spritzte. Keiner seiner Männer durfte weiter tragen, was hier gerade geschah. "Du!" er deutete auf den jungen Mann und riss ihm am Kragen hoch. "Schwöre! Schwöre, dass du Kira von Caria mit Leib, Leben und Seele verpflichtet bist! Das du niemals jemand anderen außer ihr haben wirst und das du ihr ergebenster Diener sein wirst! Schwöre, dass du ihr zu Willen bist! SCHWÖRE!"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 9:55 pm
Ilian keuchte und zitterte am ganzen Leib, unsicher wie viel Blut sich an seinem Körper befand und wie viel davon sein eigenes war. „Ich schwöre“, murmelte er, jedoch kam die plötzliche Angst in ihm auf, dass der König ihn möglicherweise nicht verstanden hatte. So etwas hatte Ilian noch nie erlebt. Natürlich hatte er bereits einige Raufereien überstanden und den ein oder anderen Übungskampf, der nicht offiziell auf dem Turnierplatz stattfand, doch das hier war blanke Todesangst, etwas, dass ihm gänzlich neu war. „Ich schwöre!“ Wiederholte er, diesmal wesentlich lauter und mit einem Herzschlag, der ihm vor Schmerz die Tränen in die Augen trieb.
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:00 pm
"Eure Hoheit?" hakte er leise nach, während er sich umwandte - sein Gesicht wurde bleich, als er sah wie sich der Schnee um sie herum rot färbte, ihre ganzen Röcke sich vor Blut vollsogen. "Scheiße!" fluchte er und stürzte zu der jungen Frau, rüttelte an ihr, ohne Erfolg. Sie war blass, ihr Herz schlug unregelmäßig. "Scheiße!" fest umklammerte er das kleine geschnitzte Holz um seinen Hals. "Bitte hilf mir..." flüsterte er leise zu dem Talisman, der aus dem selben Holz geschnitzt war wie die Galleonsfigur seines Schiffes. "Bitte... sag mir was ich tun soll, bewahre sie vor dem Tod, egal was es kostet!" er hatte es geschworen.
Die leise Stimme flüsterte und Foster nickte, stand schwankend auf und legte seine Hände auf ihren Bauch, er hatte es geahnt. Beinahe schon gewusst. Doch all das half nichts. Er klaubte sie auf und beeilte sich, während der Talisman um seinen Hals immer wärme wurde, langsam pulsierte. Er musste sie an den Ort bringen, die der Baumgeist ihm genannt hatte. Schnell.
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:04 pm
"Nein!", hatte Kira protestieren wollen und starrte ihren Vater wütend an, weil das nicht das war, was sie gewollt hatte. Sie hatte niemanden gewollt, der ihr einfach so nach dem Mund redete, weil er nicht anders konnte, sie hatte Ilian nicht verändern wollen, weil sie ihn genau so gemocht hatte, wie er eben war. "Das will ich nicht!", fauchte sie ihren Vater an. Er hatte alles zerstört, worauf sie gehofft hatte - etwas Echtes, jemanden, der sie wirklich mochte und nicht nur, weil es irgendein dummer Schwur nun einmal so wollte. Er machte sich all das so furchtbar einfach, glaubte, wenn er einfach so Menschen kontrollierte, dann würde es zeitgleich auch bedeuten, dass sie ihn alle mochten. Sie hatte die Angst in Ilians Augen gesehen, die Angst vor ihrem Vater und was er mit ihm tun würde, wenn er nicht einfach so schwören würde - die Angst, die ihr gezeigt hatte, dass er alles kaputt gemacht hatte. Dass von jetzt an nichts mehr so einfach werden würde, wie es zuvor gewesen war - so angenehm leicht.
"Ich hasse dich!", fuhr sie erneut auf, dieses Mal wesentlich lauter während Alkohol und Zorn in ihr die Oberhand gewann während sirrend jene Dinge um sie herum in Bewegung gerieten, getrieben vom Zorn und der Magie zu jenem alten Fest, auf dem sie sich gerade befanden.
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:11 pm
"Genau!" antwortete er ihr und wandte sich zu Kira um. "Genau das ist es - diese Machtlosigkeit. Das Gefühl, dass dir jemand die Kontrolle genommen hat!" er machte einen Schritt auf sie zu, wich einem Bierkrug aus, der auf ihn zuzischte und sah ihr tief in die Augen. "Das ist es, was wieder und wieder geschehen wird - wenn du dich nicht wehrst! Wenn du es geschehen lässt! Es wird immer jemanden geben, der versuchen wird dich zu belügen. Dir etwas weg zu nehmen!" er trat noch einen Schritt auf sie zu, spürte wie es an ihm Riss, wie kleine Fetzen Haut einfach abgerissen wurden, so als stünde er in einem Sturm aus Diamanten. "Das ist es, worauf ich dich vorbereiten will Kira! Du bist es, die diese Welt von mir Erben wird! Wenn du es zulässt, dass so etwas geschieht..." er machte erneut einen Schritt auf sie zu. "Es liegt in deiner Macht es zu ändern - oder zu nutzen. Lass es das letzte Mal gewesen sein, dass dir jemand eine Entscheidung abnimmt! Sei Klüger - wenn du etwas haben willst, dann nimm es dir!" sie würde aufhören. Er wusste, dass sie aufhören und ihm kein echtes Leiden zufügen würde. Sie benötigte nur noch einen letzten... Stoß....
"Lasse dich von niemandem aufhalten - und wenn du etwas haben willst, dann werde ich dafür sorgen, dass du es bekommst. Und eines Tages - wirst du dir alles nehmen können!"
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:20 pm
Jedes seiner Worte machte den Zorn in ihr nicht weniger, fachte nur immer wieder das Feuer in ihrem eigenen Herzen an, das sie zu verbrennen drohte. Sie wollte diejenigen, die ihr am Herzen lagen beschützt und sicher wissen, nicht ihren Geist zerrissen und von Schwüren gebeutelt, die sie an das Falsche banden, an Menschen banden, bei denen sie nicht sein wollte und sie wollte nichts lieber tun als Ilian hier und jetzt einfach diesen ganzen Abend vergessen lassen. Morgen dort weitermachen, wo sie heute aufgehört hatten. "Du bist hierher gekommen und hast alles kaputt gemacht", grollte sie und stieß ihn von sich fort, weil sie gerade jetzt seine Nähe nicht gebrauchen konnte, nicht darauf achtend, dass die Magie sie begleitete und ihn durch die halbe Scheune fegte, bevor sein Flug von einem der Holzbalken beendet wurde. "Ich brauche niemanden, der etwas für mich erledigt. Ich brauche dich nicht, um das zu bekommen, was ich will", erinnerte sie ihn und setzte einen halben Schritt nach vorn, während aus dem Stroh um sie herum wieder Ähren wurden.
"Ich will diesen Schwur nicht. Ich entbinde Ilian von allen Schwüren, die er mir gegenüber geleistet hat. Weil ich anders bin als du, Vater. Weil ich einem Menschen seine Freiheit zu entscheiden lasse."
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:25 pm
Der König keuchte, während der Schmerz durch seinen ganzen Körper schoss. Er spürte seine Beine noch, das war ein Anfang - aber sein Rücken pochte. "Ich habe auch mal so gedacht wie du... dachte, dass es das 'richtige' wäre. Aber glaube mir Kira, du wirst nur benutzt. Ich will nur dein Bestes!" erklärte er, ehe ihn ein erneuter Windstoß ergriff und er krachend gegen eine der Wände flog. "Kira... hör auf!" keuchte er, während ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde. "Du hast ihn doch befreit... Kira! Hör auf.."
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Re: Kapitel 3

am So Jan 07, 2018 10:32 pm
Den Atem angehalten presste Ferryn sich hinter den Heuhaufen, den nur sie sich als Deckung direkt neben der Tür gesucht hatte - unweit von ihr lagen die beiden Wachen in ihrem eigenen Blut und Ilian stand benommen ein paar Meter von ihr entfernt. Sie konnte ihn schwanken sehen, der Blick glasig, panisch und immer noch in Todesangst. 
Sie war zu spät gekommen, um all das aufzuhalten, hatte sich gerade noch völlig sprachlos und geschockt hier hin retten können, ehe Thealon sie entdeckt hatte und alles aufgeflogen und noch schlimmer für sie alle geworden wäre. Ein dumpfes Gefühl sammelte sich in ihr, etwas, was sie kaum einordnen konnte und nervös drehte sie den Anhänger ihrer Kette, ein Geschenk ihres Ziehvaters, zwischen den Fingern. Sie würde mit Kira sprechen müssen, aber das hier - Kira - geriet so sehr außer Kontrolle, dass sie fürchtete, sie brauchten Elaine so bald wie möglich wieder hier. Aber wer konnte sie finden? Konnte sie es irgendwie selbst schaffen? Es musste doch jemanden geben, der helfen konnte bei all dem ... 
Erneut zuckte sie zusammen, weil Thealon mit dem Rücken wieder gegen die Bretter der Scheune prallte, dann duckte sie sich noch weiter, bis das Heu ihr über den Kopf fiel, in ihren Kragen rieselte und sie vollständig bedeckte. Sie musste ruhig bleiben. Das alles würde schon wieder werden. Bestimmt.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:05 pm
Kira fand keinen anderen Weg als zu schreien, einen wütenden, lauten Schrei von sich zu geben und die Hände zu Fäusten zu ballen. Für etwas, das sie nicht gewollt hatte, waren zwei Männer gestorben, ihr Tod den Göttern geweiht, die so ohne Weiteres erlaubt hatten, dass sich ausgerechnet der Junge an sie band, für den sie wirklich etwas empfunden hatte und das nur, weil er in Todesangst keine andere Möglichkeit gehabt hatte. Sie sah das Blut auf der Stirn ihres Vaters, wie er darum bettelte, sie möge aufhören - ihr sagte, er wolle nur ihr Bestes und hätte sie ihm auch sonst geglaubt, hier vertraute sie nicht eine einzige Sekunde auf seine Worte. Ihr Geist glitt über die Scheune, Magie tastete sich durch Stroh und Heu und sie geriet erst wieder ins Stocken, als sie über Ferryns Anwesenheit stolperte - woher sie genau wusste, dass es die ältere Schwester war, konnte sie nicht einmal sagen, aber die Furcht, die von ihr ausging, ließ sie bremsen, ließ die Energie in ihr selbst wieder versiegen und in die Knie sinken, weil sie sich nicht mehr aufrecht halten konnte. Ihr hatte sie nicht weh tun wollen, sie hatte sie immerhin nie angelogen, hatte niemals etwas so Fürchterliches getan, dass es ihr den Atem verschlug.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:20 pm
„Dir scheint es nicht sonderlich gut zu gehen, Weiße“, kommentierte Aristeas, der als erster der Gruppe voran lief um mögliche Insekten oder Schlangen aufzuscheuchen. Ihm würde ihr Gift nichts anhaben, ihm höchst wahrscheinlich nur ein Lächeln entlocken, vielleicht sogar einen angenehmen Schauder. Für den Rest der Reisegesellschaft sah dies jedoch anders aus. „Fee, Mensch, ihr beide ebenso wenig. Wäre es vielleicht besser gewesen durch das Gebirge von Sirean zu wandern? Noch haben wir die Möglichkeit umzukehren, mitten auf dem großen See wird es weitaus schwieriger.“
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:24 pm
"Warm", murmelte Coreen und wischte sich zum wiederholten Male den Schweiß von der Stirn, obwohl es ein absolut unnützes Unterfangen war, denn ihre gesamte Kleidung triefter vor Schweiß, ihre langen, dichten Haare hatte sie liderlich hochgebunden und die, die wieder herausgerutscht waren aus der Behelfslösung lockten und wellten sich in wirren Kreisen und es ging ihr damit nicht besser, als Elaine oder Devastare. Das hier waren keine Wohlfühltemperaturen mehr, sondern reine Folter und nur Aristeas schien sich einen Spaß daraus zu machen, sie immer wieder darauf anzusprechen, diese Route gewählt zu haben, obwohl das Gebirge von Sirean ihrem natürlichen Habitat weit mehr entsprochen hätte. Sie zupfte an ihrem Hemdkragen und lupfte ihn immer wieder in kurzen Abständen in dem hoffnungslosen Versuch, sich etwas kühlere Luft zuzufächern, aber nun gut. Dumme Entscheidung. Nun musste sie damit leben. Sie würde niemals vor diesem verdammten Drachen zugeben, den falschen Weg gewählt zu haben.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:35 pm
„Und Nass, Luftarm und voller Stechmücken, die mit etwas Pech Krankheiten mit sich führen.“ Er stapfte weiter voraus und schnalzte immer wieder mit der Zunge, hörte auf die Geräusche dieses dicht bewachsenen Waldes, der ihm so fremd und irgendwie doch vertraut vorkam. „Was wollt ihr eigentlich wegen dem See machen? Ich kann fliegen, der Rest von euch besitzt diese Möglichkeit entweder nicht, oder kann aktuell nicht auf sie zurückgreifen. Und das schwimmen durch das Wasser würde ich nicht empfehlen.“
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:37 pm
Thealon rappelte sich langsam auf, spuckte etwas Blut aus und richtete sich schließlich ganz auf. "Kira..." flüsterte er leise und trat näher, stieg dabei über die beiden Leichen, ehe er neben ihr auf die Knie ging. "Soll ich dich... nach Hause bringen oder willst du später selbst gehen?" fragte er leise und war selbst erschrocken über seine heisere Stimme. Die kleinen Schnittwunden im Gesicht schmerzten, doch das war ein Schmerz, den auszuhalten er bereit war.

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"Caillean?" fragte Foster leise und strich sanft eine Locke aus dem Gesicht der Königin. Ihr Atem ging wieder ruhig, die Blutung hatte aufgehört und die Sonne schien ungewöhnlich warm für die Jahreszeit auf die Lichtung, auf welcher sie sich befanden. Ein einzelner, weißer und knorriger Baum stand mitten auf der Lichtung, seiner Blätter beraubt und doch der ungekrönte König dieses Waldes. Der Boden der Lichtung war voller weichem, trockenen Moos das kein Schnee berührt hatte. "Bitte wacht auf..." flüsterte er leise und schloss die Augen. "Bitte..." es durfte nicht alles umsonst gewesen sein.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:46 pm
Elaine war bislang schweigend den anderen gefolgt und hatte sich nur innerlich über das viel zu heiße, schwüle Klima beschwert, weil Coreens Gejammer schon für sie beide ausreichte. Sie war das ständig kalte Klima Carias gewohnt - das hier, begleitet von ihren dunklen Kleidern machte alles nur noch viel schlimmer. Ächzend unter der Hitze und dem Gedanken, sie würden um diesen verfluchten riesigen See herum müssen ließ sie nur ein leises "Besser außen herum" verlauten. "Hier ist es nicht besonders clever, unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Selbst mit zwei Drachen an unserer Seite nicht."

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Gehen war gerade so eine Sache. Ihre Knie waren wie Pudding und hatte sie zuvor noch der Zorn warm gehalten, so spürte sie jetzt wieder den eisigen Winterwind, der sie umschloss und an ihr zerrte, durch die abgebrochenen Holzbretter pfiff. Sie brauchte eine Weile bis sie das Gesicht ihres Vaters wieder genauer fixieren konnte, die Dutzenden von kleinen Wunden darin begutachtend, die sie auf seinem Gesicht hinterlassen hatte und die sie noch immer nicht bereute. "Du musst die Leichen entsorgen", sagte sie statt einer Antwort, weil es aktuell leichter war sich darauf zu konzentrieren, statt eine Antwort darauf zu finden, ob sie gemeinsam mit ihm zurück zum Schloss gehen wollte. Sie hatte noch nicht vergessen, was er getan hatte, aber ganz allein den Weg zurück zu gehen, so wie sie gerade aussah, hatte sie auch nicht wollen.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:47 pm
"Captain?" Der Hilferuf des Schiffes hatte Cair erreicht und er hatte sich unverzüglich aufgemacht, bepackt in dem, was ihm zur Verteidigung immer zur Verfügung stand: Heilmittel und Verbände. Foster nutzte diese Art der Kommunikation normalerweise nicht. Eigentlich nie - gut, einmal und da war er beinahe gestorben. 
Was ihn erwartete, davon hatte er keine Ahnung, aber er kämpfte sich weiter durch das Dickicht, das sich vor ihm auftat, riss sich die Kleidung an den Dornen auf, die den Weg säumten und folgte mehr dem Gefühl als einer klaren Linie, bis er schließlich die Lichtung erreichte; keuchend stützte er sich an einem Baumstamm ab, krallte die Finger in die Rinde, bis sie abbrach und betrachtete das Bild, das sich ihm bot. Er brauchte keine Minute, um es einzuordnen und doch tauchten bei jeder Kleinigkeit, die er registrierte, dutzende von neuen Fragen auf. 
"Captain?", hakte er nach, diesmal leiser und trat aus dem Schatten heraus auf die Lichtung. Vertraute Wärme empfing ihn, ganz anders als der Rest des Waldes. Seine Schritte machten keinen Laut, als er die blutbesudelte Frau betrachtete, die in Fosters Armen ruhte und neben der er auf die Knie ging. Jahrelang antrainierte Mechanismen ließen ihn zwei Finger auf ihren Hals legen und kurz aufatmen. "Was ist hier passisert?" Es sah verdächtig nach einer Sache aus, aber er musste Gewissheit haben, ehe er irgendetwas anfing, was nichts brachte.
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:53 pm
Thealon warf einen kurzen Blick zu den beiden Leichen und nickte knapp, während er sich wieder aufrichtete. "Wir geben sie dem großen Feuer anheim," erklärte er leise und griff einen der Männer beim Stiefel, ehe er sich halb zu Kira umwandte. "Willst du mir helfen?" hakte er leise aber bestimmt nach. Sie war seine Tochter - sie waren eine Familie. "Die Männer sind schwer."
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Foster blickte erleichtert auf, als er Cair sah und sein Lächeln ehrlicher wurde und fast seine Augen erreichte. "Ihr war schon den ganzen Morgen schlecht", erklärte er leise aber schnell. "Sie... wollte nichts essen, ihr war heiß und sie kam kaum voran. Seit Tagen ist sie großem Stress ausgesetzt. Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass es eine Schwangerschaft ist..." erklärte er leise, während sich seine Hände in das weiche Moos verkrallten. "Ich habe sie hierher gebracht und der Ort hält sie am Leben - wäre es Frühling oder Sommer wäre ihr Schicksal weniger ungewiss, aber der Winter hat selbst diesen Teil des Waldes fest im Griff und ich weiß nicht, wie lange die alte Magie ihr Lebenslicht noch aufrecht erhält."
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Re: Kapitel 3

am Mo Jan 08, 2018 8:55 pm
„Wenn wir außen herum laufen, können wir auch gleich am Pfad des Gebirge bleiben. Damit vermeiden wir die Orientierung zu verlieren und ihr verschwendet keine Zeit um das Kind der Fee vor ihrem Vertrauten zu retten und die Armee, die alles niederreißen wird, kann rechtzeitig aufgehalten werden.“ Es irritierte ihn nach wie vor das er sich überhaupt auf diese Unternehmung eingelassen hatte, doch irgendetwas tief in ihm hatte förmlich danach geschrien, diese Chance zu ergreifen. Vielleicht war es die Angst davor, irgendwann von einer Übermacht überrascht zu werden und erneut in Ketten zu liegen, oder einfach der Wunsch, die Welt wieder für sich zu entdecken. „Habt ihr genug Essen dabei? So wie es hier riecht wird fast alles pflanzliche schädlich oder direkt tödlich sein.“
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Re: Kapitel 3

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