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Kapitel 4.

am Mi Jan 10, 2018 10:00 pm
"Position halten!"
Finnjas Worte tönten zu dem Rest ihrer Männer, während die Soldatin mit erhobener rechter Hand verharrte, die Augen fest auf die kleine Lichtung gerichtet, auf der ein paar Bauern auf eine kleine Gruppe losgingen. Sie hatte beobachtet, wie einer der Männer durchlöchert wurde, hatte gesehen, wie ein anderer jetzt empor gerissen wurde und eine der Frauen wütend schrie, während die andere regungslos an ihr lehnte. Die Einzige, deren Gesicht ihr durchaus bekannt war und sie wusste, was das bedeutete - einer der beiden Männer dort vorn musste der Thronerbe Carias sein - starb er würde der König sie dafür verantwortlich machen und ihre Tage würden gezählt sein. Sie wartete noch bis der Hauptmann auf die Lichtung trat und sich siegesgewiss den Gefangenen zuwandte, dann erst ließ sie die Hand sinken und zog das Schwert aus der Lederscheide an ihrem Gürtel, das Visier des Helms herunterklappend, bevor sie ihrem Pferd die Fersen in die Seite stieß.
"Angriff!"
Es waren Bauern, sie würden in heilloser Panik zu fliehen versuchen und sie würde nicht zögern jeden Einzelnen von ihnen für die Untaten zur Verantwortung zu ziehen - ob sie nun durch das Schwert fielen oder später durch das Henkerbeil. Dies hier waren die Grenzen von Caria, sie hatten einen Auftrag und hier galten die Regeln ihres Königs. Den Thronerben anzugreifen bedeutete hier unmittelbar Hochverrat. Die Rüstung klapperte als ihr Hengst durch das Gebüsch preschte und der erste Bauer, zu leichtsinnig als er nahe dem Waldrand stehen geblieben war, zum Opfer ihres Schwertes wurde.
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Re: Kapitel 4.

am Mi Jan 10, 2018 10:05 pm
Der ausgefranste Hauptmann, denn das mochte er laut seinen Abzeichen einst gewesen sein, wirbelte herum als er das Geschrei und die Kampfgeräusche vernahm und seine Augen wurden groß. Ohne lange darüber nachzudenken riss er sein Schwert aus der Scheide, nutzte dabei den Schwung und donnerte mit dem Knauf zwischen Coreens Augen, ehe er die halb bewusstlose Elaine auffing und ihr nun das scharfe Metall an den Hals hielt. "Keinen Schritt Näher!" polterte er, versuchte trotz seines verletzten Beines einen sicheren Stand zu bekommen. "Oder die Geisel stirbt!"
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Re: Kapitel 4.

am Mi Jan 10, 2018 10:10 pm
Verborgen unter dem Helm geriet Finnja für einen kurzen Moment ins Stocken und riss das Schwert aus dem Rücken eines Bauern, ließ es blutig ein Stück sinken. "Das ist eine sehr dumme Idee", warnte sie den Mann mit verzerrter Stimme und gebot ihren eigenen Männern innezuhalten. Es dauerte nicht lang als ein verdächtiges Sirren durch die Büsche erklang, dann steckte ein Armbrustbolzen im Hals des Anführers der Gruppe. Die Klinge am Hals der Hofzauberin schabte über die Haut, als der Mann nach hinten taumelte und zu Boden sackte, gab ihr jedoch die Gelegenheit aus der unmittelbaren Reichweite des Mannes zu krabbeln.
"Nehmt die übrigen gefangen und sendet Nachricht", wies Finnja an. "Und holt den Heiler. Kümmert euch zuerst um die beiden Männer. Sie müssen überleben. Zwei durchkämmen die Umgebung - der Rest schlägt Lager auf."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:57 am
Mehr schlecht als Recht hatte Coreen sich bereits wieder zurück auf die Füße gekämpft, spuckte Blut und konnte fast nichts mehr sehen, aber sie umklammerte ihren Dolch, als wäre er ihre letzte Rettung, obwohl sie ihn nicht einmal mehr schwingen konnte, geschweige denn dass sie einen Angriff blocken würde, wenn er käme. Er kam nicht. Stattdessen waren die Soldaten, die sie innerhalb von Sekunden umringten fast schon sanft für ... na ja, Soldaten. Sie griffen ihre Arme und fesselten sie - so, dass sie sich nicht würde befreien können, doch die Seile schnitten ihr nicht brutal in die Handgelenke und rissen ihr die Haut auf. Alleine dafür war sie schon einigermaßen dankbar, auch wenn ihre Wut nicht gänzlich verraucht war. Für den Moment jedoch war ihr klar, wie wenig sie ausrichten konnte und es war besser, zu kooperieren. Zwei verletzte und Elaine, die kaum geradeaus laufen konnte, ganz so wie sie auch, konnte sie nicht in Sicherheit bringen, so realistisch war sie dann doch. Sie mussten dieses Spiel mitspielen. 
Ihr Magen rumorte unwillig und sie hob den pochenden Kopf, als sie vorwärts gezogen wurde. 
"Wer seid Ihr?", wollte sie wissen, als der Soldat sie dicht an Finnja vorbei führte und Coreen stemmte die Füße in den Boden. Der Zufall, einen Überfall und dann gleich noch von Soldaten aufgegriffen zu werden, wollte ihr nicht ganz eingehen.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:14 am
"Wir wurden ausgeschickt als bekannt wurde, dass der Erbe die Grenzen des Landes übertreten hat. Wir sollen ihn nach Winterbroke bringen", teilte Finnja der anderen mit und bedachte sie mit einem kurzen Blick, weil sie noch nicht sicher war, ob sie nun zu den Feinden gehörte oder nicht. Für Geheimnisse war hier eindeutig der falsche Platz, denn sie würden eine ganze Weile miteinander unterwegs sein. Es gab Dinge miteinander zu besprechen, die nicht bis in die Hauptstadt würden warten können, Dinge, die unmittelbar auch an die Ohren der anderen dringen würden - der König würde entscheiden, ob die Gefangenen überleben würden oder nicht. Das lag nun nicht mehr in ihren eigenen Händen. "Weitestgehend heil", fügte sie anbei und lächelte unter der Rüstung schief, beinahe ein Seufzen folgen lassend - so erfolgreich war sie dabei nicht gewesen.
"Ich muss gestehen, dass unsere Hilfe leider ein wenig zu spät kam. Das tut mir leid ...", räumte sie deshalb ein. "Entschuldigt die Behandlung, aber einstweilen müssen wir sicher gehen, dass Ihr nicht mit den Feinden zu tun habt. Sobald die Angelegenheit geklärt ist, werden wir Euch sofort die Fesseln abnehmen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:23 am
"Also wenn Ihr glaubt, wir hätten uns hier die Köpfe aus Spaß eingeschlagen ... ich weiß nicht, wie die Sitten in Caria sind, in Ekynes tun wir das jedenfalls nicht mit jedem, dem wir auf dem Weg begegnen", erwiderte Coreen mit gerunzelter Stirn und sah zu den anderen hinüber. Elaine wurde umschwärmt und versuchte all das im Rahmen zu halten, scheinbar kannten die Leute sie, Aristeas saß mehr schlecht als recht in die Ecke gedrängt und wurde behandelt, obwohl die Wunden für einen Drachen wirklich  noch im Rahmen waren - aber sie würden lieber durch das Oldgate gehen, als davon etwas zu sagen oder sich selbst zu verraten. Erst nach einer Weile sah sie Devastare, den es wirklich erwischt hatte. Der herbeigerufene Heiler, der wohl im Hinterhalt gewartet hatte, bis er gebraucht wurde, machte sich an ihm zu schaffen und sie konnte auf die Entfernung das Blut sehen, das ihm über die Schulter lief. Den Pfeil im Oberschenkel hatten sie einstweilen nur verbunden und stecken lassen, wohl bis der näher am Herzen in Ordnung gebracht war. Selbst von ihrem Platz aus konnte sie sehen, wie er immer wieder zwischen Wachen und Bewusstlosigkeit hin und her schwankte. Wenn er das hier überlebte, dann würde es eine halbe Ewigkeit dauern, bis er wieder so beweglich und agil war, wie vorher. 
Seufzend wandte sie sich der Soldatin zu. "Elaine kann bestätigen, dass ich nichts Böses will."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:31 am
Ekynes. Sie waren also auf dem richtigen Pfad und hatten zumindest die richtige kleine Gruppe aufgegriffen. Für einen Moment hatte Finnja befürchtet, sie hätte nur eine Gruppe von Flüchtigen aus Miris vor Häschern aus dem Land gerettet, denn von ihnen gab es mehr als genug in dieser Zeit und mehr als nur einmal innerhalb der letzten Wochen hatte sie Bauern angehalten und sie ausgequetscht. Erfolg hatten sie dabei nie gehabt. Sie hatten viele Ressourcen für Nahrung und Heilung verbraucht bis sie in Erfahrung gebracht hatten, dass der Thronerbe des Reiches nicht unter einem der jungen Männer gewesen war - es war erleichternd jetzt zu erfahren, dass sie dieses Mal die richtige Gruppe angehalten hatten und es würde ihren Männern die notwendige Motivation verschaffen, dass sie nun endlich wieder zurück in die Hauptstadt konnten.
"Ich kenne die Gebräuche aus Ekynes nicht", erwiderte Finnja lediglich abwinkend und folgte dem Blick der anderen rüber zu den Heilern, die die anderen versorgten. Götter, sie hoffte darauf, dass sie jeden dieser Gruppe lebendig wieder zurück nach Winterbroke bringen konnten. "Was ist mit dem Feuer?", herrschte sie einen ihrer Männer an und scheuchte den Mann, der Coreen festhielt, rüber zu den anderen ihrer Einheit. "Sie brauchen dringend Wärme und beschafft etwas Essbares. So wie sie aussehen, werden sie Hunger haben!", gab sie ihm mit auf den Weg und zückte einen kleinen Dolch, um die Fesseln der anderen zu durchtrennen. "Lasst mich das nicht bereuen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:34 am
Coreen fielen tausend Gründe ein, sie es bereuen zu lassen - und nur die Treue zu Elaine und Devastare war es, die sie davon abhielt. Sie nickte und rieb sich die Handgelenke, damit der Blutfluss wieder in Gang kam, dann sah sie sich um und trat hinüber zu Elaine, neben ihr Position beziehend, weil sie sich noch nicht sicher und ruhig genug fühlte, um sich auf den Boden zu setzen und auszuruhen, obwohl ihr Kopf genau das verlangte. 
"Erklär mir das."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:44 am
Ihr Kopf hämmerte, die Wange, an der sie der Gürtel getroffen hatte, sandte permanent Schmerzintervalle aus und eigentlich war Elaine dankbar dafür gewesen nicht sprechen zu müssen, weil sich die verflixte Verbrennung vom Eisen quer über ihre Wange zog und der Hals sich nur allzu gern anschloss. Dort, wo das Messer sie die erste Hautschicht gekostet hatte, hatte sie ein Tuch hingedrückt, um wenigstens zu verhindern, dass sie auch noch den Rest ihrer Kleidung vollblutete. "Das Begrüßungskomitee", begann sie zu erklären und lenkte einen Blick rüber zu Coreen, weil sie sich selbst hier ebenso unwohl fühlte wie die Freundin. In dieser Gesellschaft zu reisen würde bedeuten, dass sie schneller zurück nach Winterbroke kamen - schneller zurück zu Thealon.
"Er wusste stets, wo wir uns befanden und hat Leute geschickt, um uns abzuholen ... und zu verhindern, dass Devastare etwas anderes sieht als das, was er sehen soll. Die Truppe hier gehört zu Thealons Gardisten ... für gewöhnlich sind sie in der Hauptstadt stationiert und kümmern sich als eine der Truppen um die Sicherheit im Schloss. Es müssten jetzt noch etwa 200 Männer sein, die das Schloss schützen ... Thealon ist misstrauisch. Wunder dich nicht über die Menge an Soldaten ..."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:48 am
"So, wie er gerade aussieht, glaube ich nicht, dass er irgendetwas mitbekommt, was auf dieser Reise geschieht", gab Coreen zu bedenken und sah zu Devastare hinüber, dessen Blick glasig in die Ferne ging, die Zähne zusammengebissen, die Muskeln allesamt angespannt, so dass man sie deutlich an seinem Hals sehen konnte und auch die Hand hatte er zur Faust geballt. sSie wusste, er kämpfte gegen die Schwärze, die vom Rand seines Bewusstseins her auf ihn eindrängte und es war ein Wunder, dass er gerade wach war. Es musste das Adrenalin sein, dass ihn im Hier und Jetzt hielt, aber lange würde es nicht anhalten.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 11:01 am
Aristeas Puls hatte sich inzwischen wieder beruhigt, auch wenn er den Heiler nach wie vor auf Abstand hielt, nachdem sich dieser an einer seiner Wunden zu schaffen gemacht hatte. All diese Menschen waren ihm nicht geheuer, wusste er doch nicht ob sie mit den Bauern zusammenhingen die sie gerade angegriffen hatten und ob sie sich nicht lediglich als die noblen Retter aufspielen wollten. „Ihr seid die Stärkste aus dieser Gruppe?“ Hakte er an Finnja gewandt nach und ignorierte die Rufe des heilkundigen Mannes, der mit wachsender Furcht auf den offenen Rücken des Drachen sah. Der Schmerz war beißend und ließ ihn dann und wann zucken, doch glaubte er nicht dass ihn diese Verletzungen innerhalb der nächsten Minuten umbringen würden.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 11:22 am
Finnja wandte sich dem Mann zu und musterte sein Gesicht, unsicher darüber, wen genau sie jetzt vor sich hatte. Er könnte genauso gut der Erbe sein, wie der andere schwer verletzte Mann und trotzdem fühlte sich das hier so grundlegend falsch an, als würde sie nicht vor einem Menschen sondern einem wütenden, in die Ecke gedrängten Tier stehen, das mit den Zähnen fletschte und ihr stellten sich die Nackenhaare auf, als ihr sein Blick auffiel. Für einen kurzen Moment lang betete sie zu den Göttern, er möge nicht derjenige sein, der eines Tages die Krone tragen würde. "Offensichtlich und Ihr seid verletzt. Setzt Euch hin und lasst Euch versorgen. Ich würde Euch ungern zwingen müssen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 11:28 am
"Meine Dame," erklang von rechter Seite die melodiöse Stimme eines jungen Mannes, der in voller und verzierter Rüstung einige Mulbinden heran trug und diese auf eine Decke in der Nähe niederlegte. Er betrachtete die Aufgegabelten und schenkte jedem von ihnen ein Lächeln, ehe er sich schließlich Coreen zuwandte. "Wie übel haben euch diese gesetzlosen Strolche mitgespielt?" fragte er leise und legte den Kopf schräg, sowohl sie als auch Elaine betrachtetend, vor welcher er den Kopf ein wenig mehr neigte. "Es ist mir eine Ehre euch kennen zu lernen eure Durchlaucht!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 11:37 am
Gerade noch rechtzeitig hatte Elaine den Mund wieder zugeklappt, als der fremde Soldat an sie herantrat und musterte ihn jetzt von unten herauf. Eure Durchlaucht ... beinahe hätte sie darüber angefangen zu lachen, bedachte man die Situation, in der sie sich am Hof befand - mehr eine Gefangene, als wirklich bereitwillig dort angestellt und glücklich über die Position, die sie als Hofmagierin und Hure des Königs einnahm. "Es ist in Ordnung", wiegelte sie lediglich ab, die Hand noch an ihrem Hals, weil sie sich weder mit dem Fremden befassen wollte, noch mehr Zeit als unbedingt notwendig mit hochgestochenen Reden verbringen wollte. Sie brachten ihr rein gar nichts und sie halfen jetzt auch nicht in der Situation. Noch einmal glitt ihr Blick rüber zu Devastare, den es weit schlimmer erwischt hatte als die anderen hier. "Tut mir den Gefallen und kümmert Euch um die, die es schlimmer erwischt hat als mich. Ich komme zurecht."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:03 pm
"Natürlich, wie ihr befehlt," erwiderte Galahad und nickte knapp, während er sich umwandte und seinen Blick nun über Devastare und Ari wandern ließ. "Meine Herren?" fragte er leise und wandte sich den beiden Verletzten zu, während er eine Mulbinde in der Hand wog, als schätze er ab wer von beiden am ehesten versorgt werden musste - seine Entscheidung fiel relativ schnell auf Devastare. Mochte der andere zwar einige böse blutenden Wunden haben, so verarztete einer der Heiler bereits die Pfeile, die im Fleisch steckten - dieses zum Glück jedoch nirgends bis auf die andere Seite durchdrungen hatten.
"Was für schändliche Gestalten - eine Gruppe kaum bewaffneter Reisender in solch einer Überzahl im Hinterhalt zu überraschen!" spie er aus und ging neben Devastare in die Knie, nahm die Flasche mit dem Schmerzmittel vom Heiler entgegen und hielt diese Devi hin, damit dieser trinken konnte.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:13 pm
Mehr durch den Nebel hindurch hörte Devastare die Worte, konnte sich aber weder darüber ärgern noch zustimmen, während er den Kopf wandte und den Mann eine Weile lang ansah. Es war ein junger Kerl, kaum älter als er selbst und seine Augen blickten tatsächlich so, als würde er sich Sorgen um den Menschen machen, den er vor sich sah. Das alles würde ihm gleich nichts mehr nutzen. Er wusste nur zu gut, wie man Pfeilwunden behandelte und heilte und ohne Hilfe würde er vermutlich einfach sterben. Er hatte keine Wahl, als ihm zu vertrauen, so wenig es ihm behagte. Er schluckte den bitteren Trank, der ihm unter die Nase gehalten wurde und ließ den Kopf zurück sinken, um die Schulter weiter zu entspannen, jedenfalls so weit es ihm möglich war. Kein Trank würde alles ausblenden können, das wusste er selbst. 
"Wie heißt Ihr ...?", fragte er leise, die Stimme heiser von dem Gesöff.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:19 pm
"Galahad," erwiderte der Angesprochene und schenkte dem Fremden ein zuversichtliches Lächeln. "Sir Galahad of Iron Coast", er drückte Devastares Hand ein klein wenig fester. "Sobald ihr all das hier überstanden habt, können wir uns noch einmal richtig vorstellen mein Freund. Ich will euch nicht anlügen, es wird sehr weh tun, trotz des Saftes den ich euch gegeben habe..." er zog seinen Panzerhandschuh aus und reichte Devastare seine Hand. "Drückt meine, so fest ihr müsst, wenn es euch hilft."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:22 pm
"Um Sie Euch zu brechen?" Trotz der erwartenden Schmerzen brachte er ein halbherziges Lächeln auf sein Gesicht, doch dann schüttelte er den Kopf und schloss die Augen, die Finger fest in den Erdboden gekrallt, sandige Krumen unter seinen Nägeln spürend. "Tut, was Ihr tun müsst."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:26 pm
"Hoffnungsvoll wie üblich", kommentierte Finnja lediglich Galahads Eifer mit einem schiefen Lächeln und griff nach der Schulter des anderen. "He du", winkte sie Aristeas heran. "Du siehst kräftig genug aus. Komm her. Wir brauchen dich hier." Und das würde bei Weitem keine besonders angenehme Aufgabe werden, aber es würde leichter werden die Wunde zu versorgen, wenn der Pfeil durch das Fleisch durch war und sie den Schaft einfach abbrechen konnten, statt die Wunde lange ausschneiden zu müssen. Dunkel erinnerte sie sich an ihre erste Pfeilwunde und den Schmerz, der sie für eine lange Zeit im Delirium gehalten hatte.
"Drück den Pfeil durch bis er auf der anderen Seite wieder rauskommt", forderte sie den Fremden auf und warf einen kurzen Blick rüber zu dem Heiler, welcher zuvor händeringend nach einer anderen Möglichkeit gesucht hatte und inzwischen damit beschäftigt war alles zusammen zu suchen, um schnellstmöglich die Blutung zu stillen. Dutzende von verschiedenen Kräutern und Tinkturen, Tüchern und Verbänden lagen inzwischen ausgebreitet um den Verletzten. Es würde nicht angenehm werden und dafür, dass er sich hatte von ein paar Banditen schnappen lassen, hielt sich der Fremde jetzt recht tapfer aufrecht. "Los jetzt. Wir werden dasselbe im Bein machen müssen", scheuchte sie Aristeas an und warf einen kurzen Blick hinunter in das schmerzverzerrte Gesicht.
"Kämpft nicht gegen die Bewusstlosigkeit. Es ist besser, wenn Ihr nur die Hälfte von alledem mitbekommt."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:40 pm
Aristeas hatte den Heiler nach wie vor von sich ferngehalten und ihm angedroht was er mit den Werkzeugen des Arztes tun würde, sollte dieser seine Finger nicht bei sich behalten können. „In Ordnung“, stimmte dieser der Aufforderung knapp zu, besah sich für einen Augenblick lang Devastare und hörte auf den Atem des Anderen. Zwar war er gehetzt und dann und wann stockend vor lauter Angst und Schmerz, doch hörte er weder ein Rasseln noch etwas anderes, dass auf einen baldigen Tod hindeuten würde. Mit zwei geschickten Messerschnitten teilte Aristeas das restlichen Hemd von Devastare, warf die blutigen Fetzen achtlos zur Seite und betastete mit beiden Zeige und Mittelfingern kurz die Haut, die direkt um die Wunde herum lag. Innerhalb kürzester Zeit war er darin so vertieft, dass er erschrak als eine Stimme ihn von hinten zur Eile ermahnte.
Er wollte dem Menschen keinen unnötigen Schmerz bereiten, wusste jedoch auch, dass dieser sich winden würde, egal wie viel er bereit war zu ertragen. Folglich legte er ebenfalls eine Hand an die Schulter des Anderen und die andere flach auf das Ende des Pfeils. Er verzichtete darauf herunterzuzählen oder irgendwelche tröstenden Worte zu sprechen, wartete lediglich ab bis der Andere gerade ausgeatmet hatte und stemmte sich dann gegen den hölzernen Schafft. Das Geräusch war dem eines Messerschnitts in frisches Fleisch nicht fern, auch wenn es so oder so über dem lauten Aufschrei von Devastare kaum zu hören war. Er bäumte sie wie zu erwarten war auf, wand sich und nur mit vereinigter Kraft konnten sie ihn ruhig halten. Jetzt weiterhin zu warten wäre Aristeas unnötig grausam vorgekommen, weswegen er sich unverzüglich an das Bein stellte. Dieses war wesentlich einfacher zu fixieren. Er stemmte einfach sein eigenes Knie dagegen und drückte erneut. Erneut war da dieses Geräusch und der Geruch von frisch geschnittenem Fleisch aus dem Blut strömte, welches ihm Speichel in den Mund trieb und das plötzliche Gefühl von Hunger aufkommen ließ.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:47 pm
Devastare schrie und erzitterte unter Galahads Griff. Er spürte, wie das warme Blut des anderen über Arm und Bein lief, sich auf dem trockenen, noch halb gefrorenen Boden während Devastare weiterhin erbebte und sein Körper versuchte sich gegen die Ohnmacht zu stellen. "Verzeiht...." flüsterte Galahad und drückte den anderen weiterhin herab, überlegte für einen kurzen Moment, ob er Devastare nicht einfach K.O. schlagen sollte. Allerdings war das ein gefährliches Spiel - er könnte sehr schnell mehr Schaden als nutzen anrichten und so blieb ihm nichts weiter übrig als Devi festzuhalten, während der Heiler die Wunden verband und zu hoffen, dass die Ohnmacht den anderen bald in ihre betäubende Umarmung aufnehmen würde.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 12:50 pm
"Bringt ihn in ein Zelt, sobald er verbunden wurde. Auf einer Trage, nicht auf der Schulter von einem von euch!", fuhr Finnja auf, die schmerzerfüllt das Gesicht verzogen hatte als wären es ihre eigenen Wunden gewesen, die da soeben versorgt worden waren. "Facht da drin Feuer an und macht es warm und denkt dieses Mal an den verflixten Rauchabzug!! Wenn er uns erfriert, sorge ich dafür, dass jeder von euch im Meer schwimmen gehen darf bis er da drin erfriert!" Götter, wenn der König erfuhr, was geschehen war, würden sie allesamt einen Kopf kürzer gemacht werden.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:37 pm
Galahad nickte knapp und winkte einen nahen Soldaten heran, welcher nach einer knappen Unterredung mit einem großen Karren zur Stelle war, auf welchen er Devastare gemeinsam mit Galahad unter Zuhilfenahme eines großen Tuches hieven konnte. "Wir haben in jedem Zelt zwei Plätze frei," erklärte Galahad und ließ seinen Blick über die versammelten schweifen. "Wer von euch will eurem Freund Gesellschaft leisten?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:41 pm
"Ich bleibe bei ihm", entschied Elaine und kämpfte sich umständlich zurück auf die Füße, obwohl sich die Welt vor ihren Augen noch immer drehte. "Ich kenne mich damit aus Verletzte zu versorgen. Es ist wohl sinnvoller, wenn ich bei ihm bleibe und Aristeas bei Coreen bleibt." Die beiden Drachen kamen besser miteinander aus. Ihr ersparte es Dutzende von Erklärungen, die Coreen von ihr fordern würde, ebenso sehr wie Aristeas seltsame Aussagen, die sie nicht recht einsortieren konnte, dazu kam, dass es ihr bedeutend lieber war, wenn sie selbst die Obhut über ihren Sohn hatte, statt ihn ein paar Wildfremden auszuliefern. Vielleicht, wenn ihre Magie wieder mitspielen würde, würde sie die Heilung unterstützen können, in einem ruhigen Moment, in dem niemand sie mehr störte.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:48 pm
Aristeas sah sich all die Gesichter noch einen Moment lang an, vor allem das der hochrangigen Menschenfrau, welche irgendwo zwischen Zuversicht, Sorge und Zorn ihre Gedanken ordnete. „Coreen?“ Hakte er nach, noch ehe er sie in dem Zelt angekommen waren, welches sich in eine fein säuberlich aufgestellte Linie reihte. Der militärische Charme des Lagers war nicht zu übersehen, auch wenn sie gut daran getan hatten nahe eines kleinen Flusses zu Halt zu machen. Mehrere kleine Feuerstellen brodelten vor sich hin, in einigen davon erkannte er viel zu lang gekochtes Fleisch, Grünzeug und diese Erdäpfel, die scheinbar jeder Mensch gern aß. „Sind das hier Leute die zu der Armee gehören, von der du mir damals erzählt hast?“
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Re: Kapitel 4.

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