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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 6:37 pm
Die Geste brachte sie endgültig aus dem Konzept. Überrascht davon, dass er auf einmal den Mitfühlenden mimte, starrte Coreen Aristeas von der Seite her an, blinzelte ein paar Mal, weil sie sich nicht sicher war, worauf das hier nun gründete, aber statt ihn weg zu schieben, ließ sie ihn machen. Für den Moment ohne sich zu wehren, aber auch ohne die Geste zu erwidern oder all den Schutz auszunutzen, den er angeboten hätte. Sie war gewohnt, auf eigenen Beinen zu stehen und zurecht zu kommen und gab sich selten den Gedanken hin, was wäre, wenn es da jemanden bei ihr gäbe, ob Freund oder mehr ... seit Elaine gegangen war, hatte außer Rhiannon sich kaum einer all die Gedanken angehört, die in ihrem Kopf herumschwebten. Das hier war etwas anderes und merkwürdig neues.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 6:40 pm
Die andere war vollkommen kalt, was in einer Nacht wie diesen zwar nicht sonderlich angenehm war, doch spürte er das die Weiße das Gefühl der Nähe scheinbar genoss. Er sprach kein weiteres Wort, sondern legte sich einfach neben sie und zog eine weitere Decke um sich, um die Kälte des Eisdrachen ein wenig auszugleichen.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 6:41 pm
"Götter..." echote Thealon und nickte, ehe er sich auf dem Absatz umdrehte und mit wirbelndem Mantel hinaus marschierte, die Tür noch immer offen und dem Heiler eine einzige Chance lassend seine Tochter noch zu retten. Natürlich - der Alte hatte Recht. Es lag in der Macht der Götter. Er eilte die lange Treppe hinunter, die sich immerzu im Kreis drehte und nahm dabei immer zwei Stufen auf einmal. "Euer Hoheit!" rief der Stallbursche überrascht aus, als er den König sah, war bereits im Begriff sich hinzuknien, als ihn Thealon schon bei Seite stieß, dass der Junge im Stroh landete.
Mit einer geübten Bewegung schwang sich der Herrscher in den Sattel und gab dem Pferd die Sporen - das Gaul galoppierte los, dass Funken zwischen Hufeisen und Asphalt davonstoben, als er die Tore des Schlosses passierte.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 7:12 pm
Er zügelte sein Pferd am Fuße des Hügels und schwang sich behände von seinem Gaul, ehe seine Stiefel mit einem dumpfen Pochen auf den lehmigen Boden aufschlugen und er den halb zugewucherten Trampelpfad hinaufstieg. Der Hügel war nicht groß, keine zehn Meter hoch und am Scheitelpunkt stand ein einziger, von Wetter und Gezeiten rau geschlagener Stein, dessen anthrazitfarbene Oberfläche von einem rötlichbraunen Fleck entstellt wurde. Es hieß, hier habe der erste Mord Carias stattgefunden, als ein Bruder den anderen erschlagen hatte. Blut und Mord - für viele mochte diese Verbindung unheilvoll klingen, doch in Wahrheit lag ihr Macht inne - die Macht des Krieges. Er hatte den Krieg gelebt wie kaum ein zweiter lebender König - und es gab nur eine Göttin, die anzurufen er in diesem Moment bereit war. Er fuhr mit seiner Hand über eine scharfe Kante des Steins, spürte wie der spitze Stein ihm ins Fleisch stach und das Blut sich in der Wölbung der Steins sammelte. "RHIANNON!" rief er aus, breitete beide Hände aus. "RHIANNON!" er spürte, wie das Blut weiterhin im Takt seines Herzschlags aus seiner Hand floss, nur nach und nach weniger wurde. "Göttin des Krieges und des Feuers! Ich rufe dich als dein ergebener Diener! Bitte... höre mein Flehen!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 7:24 pm
Donnergrollen erklang in der Ferne und entpuppte sich nur wenig später als die mächtigen Flügelschläge eines großen, roten Drachen, dessen große Erscheinung sich aus dem wolkenverhangenen Himmel zu schälen begann. Die Erde bebte als sich die großen Klauen in den Boden vor dem Stein gruben und tiefe Furchen in der aufgeschwemmten Erde hinterließen. Sie nahm wahr, wie Blut den Stein benetzte, auf dem einst vor so vielen Jahrhunderten der erste der Könige gefallen war, um sein Land vor der Dürre zu retten - ermordet vom eigenen jüngeren Bruder, dessen Linie seit dieser Zeit noch immer auf dem Thron saß. Thealon war einer dieser Nachkommen und wie bereits seine Vorgänger war auch er bereit Opfer zu bringen. Sie wusste von dem Opfer, das man ihr und Oberon zu Ehren an Imbolc gemacht hatte, wusste von jenen dunklen Schwüren, die in dieser Nacht ausgesprochen worden waren und auch von jenen, die unausgesprochen in der Stille zurückgeblieben waren. Thealon rief selten einen der ihren direkt an, noch viel seltener allein und ohne den Schutz seiner eigenen Männer an den Feiertagen, an denen Opfer gefordert wurden, die es nur noch hier in diesem Land gab. Feuer zügelte um die großen Beine des Drachen, zog sich wie ein Kreis um Stein und König ehe sie den Kopf neigte, um ihn besser ansehen zu können.
'Weshalb rufst du mich?', hallte es in Thealons Kopf laut und grollend wider. Sie hatte geruht, hatte geschlafen und sich von jener Heimat abgewandt, die einst die ihre gewesen war, verborgen in ihrer Höhle und zusammengerollt auf dem geschmolzenen Gold, das auch jetzt noch an einigen der Schuppen klebte.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 7:35 pm
Thealon hob den Kopf, erwiderte den Blick ohne Zaudern, während ihm glühende Hitze entgegenschlug, so heiß das es schon schmerzte. Er schluckte, zwang sich jedoch aufrecht stehen zu bleiben und keine Schwäche zu zeigen. Vor ihm stand die Göttin des Krieges - die Inkarnation von Feuer. Dem sichtbaren und jenem, das nur in den Seelen der Menschen brannte. Er wusste, dass sie in Ekynes - dem einzigen Land, dass den Göttern auf ähnlich tiefe Weise verbunden war wie Caria - nicht auf die gleiche Art und Weise angesehen wurde. Das sie dort für Wärme und Leidenschaft stand. Doch das eine schloss das andere nicht aus und eine Gottheit war eine Reinkarnation vieler Dinge.
"Meine Tochter liegt womöglich im Sterben!" erklärte er Rhiannon, brüllte beinahe gegen den tosenden Wind ihres Atems an. "Sie ist Blut von meinem Blut - die wahre Erbin Carias! Ich war euch Göttern immer treu. Ich habe die alten Bräuche in Ehren gehalten. Habe mich an sie erinnert und sie gewürdigt! Nehmt mir nicht meine Tochter! Bitte - lasst sie wieder genesen! Wenn ihr mir diesen Wunsch erfüllt, große Rhiannon - dann weihe ich jeden Toten meines kommenden Krieges mit Sirean mit eurem Namen. Jede Klinge die ein Leben beendet, soll in eurem Namen geschwungen werden. Ein Opfer, wie es seit eintausend Jahren keines mehr für euch gab!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 7:41 pm
Der große Drache zeigte ein verzerrtes Lachen, das nur sich nur dadurch abzeichnete, dass die großen, rasiermesserscharfen Zähne sich unter den Lefzen zeigten und im Schein des Feuers gefährlich glänzten. Ein Leben, das ihm wichtig war für das Hunderter, die ihm nichts bedeuteten. Er bot ihr hier einen Handel an. 'Leg deine Hand auf den Stein', forderte sie ohne sich zuerst auf den Handel einzulassen. Flammen umschlossen die Gestalt des Drachen, hüllten sie vollständig ein und ließen ihre Gestalt kleiner werden bis ihr menschliches Antlitz vor ihm auf dem Stein stand, in ihrer Hand jenes teure Schwert, das einst dem Erben von Caria gegeben werden sollte. Jenes dunkle Schwert, das einst so viel Elend über diese Welt bringen sollte.
"Ein Leben", sagte sie als sie die Waffe hob "für andere" und die Klinge hinunter schnellen ließ, seine Hand durchstieß bevor die Waffe singend im Stein stecken blieb. "Befreie dich selbst, wenn du ein wahrer Diener der Götter bist. Deine Tochter wird leben und Tausende für sie sterben. Dieses Schwert zieht nur der aus dem Stein, der würdig ist, die Krone zu tragen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:03 pm
Thealon schrie, als das Schwert seine Hand durchstieß und an den Stein pinnte. Er keuchte, während das Blut über seine Hand floss das Blut rauschte in seinen Ohren und er wäre zurückgetaumelt, wäre er nicht an Ort und Stelle gehalten worden. Sein Blickfeld schien ebenfalls zu pulsieren, während er seinen Atem kontrollierte. Den Schmerz wegatmen - eine Technik, die er als junger Soldat gelernt hatte. "Danke..." keuchte er, während Tränen in seine Augen stiegen und sein Blickfeld trübten. "Habt Dank..." er atmete aus, versuchte seine Hand durch einfaches Ziehen loszureißen, indem er die einfach durchtrennte. Doch dafür fehlte ihm die Kraft und er ahnte, dass das zu einfach wahr. Er tastete nach seinem Schwert, doch dieses hatte er in seinem übereilten Aufbruch nicht mitgenommen. Sein Herzschlag beschleunigte sich, während Rhiannon neben ihn trat und interessiert beobachtete. Er würde diese Prüfung bestehen - würde keine Hilfe erbitten. Würde... ihm wurde kurz Schwarz vor Augen, ehe er sich wieder in die Wirklichkeit rettete. "Sie ist es..." flüsterte er leise, während seine Finger im Dreck um ihn nach einem Stück Stein suchten und es schließlich fanden. Ein scharfer Keil, der abgebrochen sein musste, als sie das Schwert in den Stein gestoßen hatte. Er betrachtete noch einmal seine Hand, ehe er den Blick hob. "Sie wird mein Erbe weitertragen. Das Schwöre ich bei Göttern und bei Menschen...." und dann ließ er den ersten Schlag niedersausen. Der Schmerz explodierte in seinem Schädel, schien sich von dort rückwärts bis in seine Hand. Ein brennender Schmerz, der beinahe all seine Sinne betäubte. Er starrte auf seine Hand - dort, wo der Stein tief im Fleisch steckte und dunkles, arterielles Blut über sein Handgelenk floss, den Stein ganz glitschig machte. Er versuchte ihn zu greifen, doch der Stein rutschte ihm aus der Hand, fiel erneut auf dem Boden und beinahe Blind vor Schmerz tastete Thealon nach dem Stein, bekam diesen wieder zu greifen und richtete sich wieder halb auf. Er festigte den Griff und schlug erneut zu - ihm wurde schlecht und er musste sich zusammenreißen um sich nicht zu übergeben. Er wankte, griff den Stein fester und hieb noch einmal zu. Er hörte Knacken von Knochen und das Reißen von Sehnen und noch einen anderen - tiefergehenden Schmerz, irgendwo zwischen Knorpeln und Gelenken, der sich anfühlte als rammte er sich einen Messer längs durch den Arm. Er rutschte aus und knallte mit der Stirn gegen den Stein. Für einen kurzen Moment explodierten Sterne vor seinen Augen, ehe er wieder gänzlich zu sich kam. Noch immer hing seine Hand an dem Arm - er sah einige Muskeln und Sehnen, die beides miteinander verbanden, wenngleich er auch mittlerweile im Dreck lag und seine Hand, leicht abgeklappt von ihm weg am Stein. Er versuchte erneut den Stein zu greifen, doch dieser schien ihm aus der Hand gerutscht - irgendwo verloren und er konnte ihn nirgends mehr finden. Sein Atem ging stoßweise, als er mit der Linken seinen rechten Arm umschloss und zog. Der Schmerz war betäubend, schoss ihm durch den Rücken bis in die Füße, die Taub zu werden drohten. Keuchend sank er gegen den Stein, sah hoch zu Rhiannon, deren glühenden Augen ihn weiter betrachteten, ehe er sich noch einmal gegen den Stein stemmte. Er spürte diesen tiefen Ruck - das Geräusch von zerreißendem Fleisch und einen dumpfen Aufprall, als er Rückwärts einen halben Meter hinter dem Stein auf den Boden fiel. Er betrachtete seinen Stumpf - ehe ein erneuter Schmerz ihm fast alle Lichter auspustete: Sein Stumpf fing Feuer, ebenso wie seine Hand Feuer fing und in einer Stichflamme verglühte. Die Blutung hatte aufgehört und um das Schwert war nichts geblieben bis auf geschmolzener Stein, in Form einer menschlichen Hand. "Ist... Kira wohlauf?" keuchte er, während der Schmerz nur langsam abklang.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:03 pm
Fast eine halbe Woche waren sie festgesessen, hatten weder vor noch zurück gekonnt, weil Devastares Wunden es nicht zuließen, ihn zu transportieren. Da mochte auch noch so viel Pflege der Wunden nicht helfen, schlussendlich hatten sie der Wahrheit ins Auge blicken und warten müssen. Als schließlich Elaine endlich befand, es sei an der Zeit, dass sie los konnten, waren die Gardisten längst unruhig und genervt von der allzu langen Pause. Coreen war gerade dabei, mit den anderen das Zelt zusammen zu packen, als ebenjene Halbfee aus dem Schatten des einzigen Zeltes trat, das noch stand. "Na, wie sieht es aus?", fragte sie hinüber und erntete ein verzogenes Gesicht dafür. Devastare war bei den Göttern kein einfacher Patient. Selbstüberschätzung gehörte normalerweise nicht zum Standard, mit dem er ausgestattet war, aber bei Wunden, die wirklich noch gefährlich werden konnten? Er wollte absolut nichts von der Sorge und all dem Brimborium wissen, das um ihn gemacht wurde und trieb Elaine damit immer wieder zur Verzweiflung.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:16 pm
"Sie wird es sein", antwortete Rhiannon lediglich mit einem knappen Nicken, jene Hand um das Schwert noch einmal musternd, die inzwischen zu Stein geworden war und von der noch immer Blut hinab auf den Stein tropfte, der dort mitten auf der Lichtung stand. Er hatte bewiesen, wie wichtig ihm dieses Unterfangen war - hatte seine eigene Entschlossenheit bewiesen und etwas aufgegeben, das ihm wichtig war. Seine Schwerthand, die rechte mit all den Siegelringen, die ihn als König auszeichneten. Ein Flirren, dann wieder Flammen um jenen Stumpf, der einst seine Hand war bevor die Hand verkohlt und gänzlich schwarz, die Haut abgeblättert und das Fleisch beinahe zu Asche geworden wieder an seinem Arm erschien.
"Ich brauche Eure Schwerthand noch", folgte es als einzige Erklärung bevor sie an ihm vorübertrat und ihre Gestalt sich wieder zu jenem großen Drachen wandelte, der sie sonst war. "Solange Ihr mir dient", hallte ihre Stimme wieder in seinem Kopf nach. "Behaltet Ihr die Hand." Sie erwartete keinen Dank, kein in den Staub Gewerfe des alten Königs mehr als sie sich vom Boden abstieß und in die Lüfte empor stieg. Sie brauchte seine Hand für die Opfer, die er ihr versprochen hatte - dafür, dass er eines der Schwerter führen würde, das Dutzenden den Tod bringen würde und an denen sie wieder an Kraft gewinnen würde. Kraft, die sie nach Ekynes' Fall dringend benötigte.

_______________________________

"Frag besser nicht", seufzte Elaine nur und rieb sich müde die Augen, weil sie während der letzten Nächte kaum Schlaf gefunden hatte. Devastare hatte sie auf Trab gehalten, entweder dadurch, dass sein Fieber wieder gestiegen war oder dadurch, dass er eben nicht wollte, dass jemand sich um ihn kümmerte. Inzwischen fühlte sie sich wie durch den Fleischwolf gedreht als sie raus in die eisig kalte Luft trat, die in ihrer Lunge nach all den Nächten am warmen Feuer fast schon schmerzte. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass er reisefähig ist. Auf einem Karren. Unter Beobachtung", ließ sie die Freundin wissen und hätte sich nur zu gern einen Platz irgendwo auf dem kalten Boden gesucht, auf dem sie sich zusammenrollen und schlafen konnte, weil der Drang beinahe unwiderstehlich wurde.
"Wir können also aufbrechen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:18 pm
"Scheint, als solltest du den Karren mit ihm teilen", kommentierte Coreen, der die dunklen Augenringe nicht entgingen, die Elaines Gesicht zierten. Die sonst makellose Schönheit wirkte mitgenommen und erschöpft und es war ihr nicht zu verübeln. Die Zeit saß ihnen zusätzlich im Nacken.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:23 pm
Er wusste wie bleich er aussah, als er den Hof wieder erreichte, die Rechte unter seinem langen Mantel verborgen, das teure Wams über und über mit Blut besudelt. Er hatte sich vom Pferd geschwungen, hatte sich einen der ledernen Handschuhe aus dem Stall mitgenommen und über die verkohlte und entstellte Hand gezogen, welche er zu seinem eigenen Erstaunen gänzlich normal benutzen konnte.
Er stürmte in die Krankenstation, nur um Kira mit einem Buch in der Hand vorzufinden, welche ihn verwirrt ansah, als er sie in die Arme schloss.
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"Guten Morgen werte Damen," drang die Stimme von Galahad von Links, als der Ritter auf einem Pferd ankam und ein breites, freundliches Lächeln zeigte. "Ich bin für den heutigen Tag euer Reisebegleiter und Leibwächter. Nicht dass ihr einen in diesem Land bräuchtet, aber nach eurem Aufeinandertreffen schien es uns allen angebracht ein klein wenig vorsichtiger zu sein. Selbstverständlich werde ich euch so gut es geht unterhalten und auch versorgen lassen!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:32 pm
Das Allerletzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war diese freundliche Stimme des Ritters, die durch den Morgen schallte und in ihrem Kopf dröhnte, mehr noch als das Geklapper der anderen Soldaten, als die die Pferde beluden. Der Gedanke daran den Karren nutzen zu können, klang verlockend und im Vorbeigehen schnappte sie sich einen der dicken Winterumhänge, zum ersten Mal nicht gegen Coreens Vorschlag protestierend. "Pass bitte auf ihn auf und weck mich sofort, sobald etwas mit ihm ist", bat sie die Freundin, Galahad kurzerhand einfach ignorierend. "Ich will nur ein paar Stunden - nur ein wenig Schlaf."

______________________

Kira blinzelte vollkommen irritiert, die energische Umarmung nicht gewohnt seiend, mit der ihr Vater sie gerade bedachte und in der sie Mühe hatte überhaupt zu Luft zu kommen. Er drückte das Buch auf ihrem Schoß, knickte ein paar der Seiten um und erst als er sich wieder von ihr löste, nahm sie das Blut wahr, das überall an ihm klebte. Ihre Erinnerungen an das, was geschehen war, waren ausradiert - sie erinnerte sich noch an das Gespräch, das sie beide über Miris geführt hatten und daran, dass der Heiler am Morgen irritiert vor ihr gestanden hatte und nicht gewusst hatte, was geschehen war. Alles dazwischen war einfach weg gewesen.
Das Blut auf seinem Wams war für gewöhnlich nicht da, seine Hand für gewöhnlich nicht von einem Handschuh bedeckt. "Was ... ist ...passiert?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:41 pm
Galahad runzelte die Stirn, betrachtete die anderen Mitglieder der Reisegruppe geradezu skeptisch, während er noch einmal die Reihen mitsamt seinem Pferd im Trab abging um sicherzugehen, dass alles an seinem Platz war, ehe er wieder zurück kehrte und Coreen zunickte. "Kann ich für euch etwas tun?" fragte er freundlich.
_________
Thealon winkte nur knapp ab. "Der Arzt sagte, dass du vielleicht sterben würdest - das er nicht wüsste wie viel er für dich tun kann. Ich habe nur alles in meiner Macht stehende getan um das zu verhindern. Zerbrich dir darüber nicht den Kopf, in Ordnung? Ich bin dein Vater. Dafür bin ich da."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:43 pm
"Nein - gar nichts", seufzte Coreen kopfschüttelnd und wünschte sich - nicht zum ersten Mal übrigens - ganz weit weg von diesem Unterfangen.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:53 pm
"Galahad", tönte Finnjas Stimme aus einer kleinen Entfernung rüber zu der Gruppe und die rothaarige Anführerin der Gardisten trat mit festen Schritten rüber zu der kleinen Gruppe, den Karren noch einmal kurz musternd, um sich zu vergewissern, dass alles an Ort und Stelle war. "Sie werden zurechtkommen. Sie haben es bis zu den Grenzen von Caria geschafft - ich gehe nicht davon aus, dass sie jemanden brauchen, der ihnen die Hand hält und ihnen sagt, dass alles wieder gut wird", schallt sie den anderen nur und hob die Augenbrauen, als der bereits zu einer Erwiderung ansetzen wollte. Er war ein herzensguter und aufrechter Mann, aber seine Ritterlichkeit ging selbst ihr ab und an auf die Nerven. "Wir reihen uns am Nachmittag in einen Flüchtlingstross ein, der nach Winterbroke ziehen soll. Es ist sicherer so zu reisen." Dazu kam, dass sie damit verhinderten, dass der Erbe noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog als ohnehin schon. Noch vor Sonnenaufgang hatte sie ihre Männer zusammengerufen und ihnen klar gemacht, dass nicht ein einziger darüber auch nur ein Wort verlieren solle, solange er seine Eier behalten wolle und jeder von ihnen hatte schweigend genickt und sich bereit erklärt.
"Nehmt es ihm nicht übel", wandte sie sich an Coreen, deren Missgunst ihr nur zu deutlich ins Gesicht geschrieben stand. "Er ist ein guter Mann - nur ein wenig überschwänglich."

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"Du hast ... was?", hakte Kira nach, die diese kurze Erklärung noch nicht so ganz greifen konnte, weil die Nachricht, dass sie vielleicht gestorben wäre, gerade ein wenig plötzlich über ihr hereinbrach. Es ging ihr gut, sie fühlte sich nicht schlecht oder schlapp, geschweige denn, dass sie nachvollziehen konnte, was hier überhaupt geschehen war. Was ihr Vater damit meinte, er habe alles getan, was in seiner Macht stand, um sie zu retten. Schwindelig von all den fehlenden Erklärungen und den Dutzenden von Fragen, die sich aufgetan hatten, schüttelte sie langsam den Kopf und klappte das Buch wieder zu, es neben sich auf das Bett legend und sich mit den Handrücken über die müden Augen fahrend.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:56 pm
Mit Finnja hatte Coreen bislang noch gar nicht sprechen können und sie konnte die andere nur anhand dessen einschätzen, was sie bisher von ihr gesehen hatte. Sie war eine gute Anführerin der Gardisten, strukturiert, besonnen - aber eisern, wenn sie es musste. 
"Ich zweifle nicht an seinen guten Absichten", erwiderte der junge Drache ein wenig zu spät und zuckte die Schultern, ehe sie zu dem Zelt sah, in dem Devastare war. Es war ein auf und ab gewesen die letzten Tage und noch war er nicht gänzlich über dem Berg. Sie betete, es möge keine Infektion dazu kommen, die ihn schlussendlich tötete. Elaine würde es nicht verkraften und was dann mit Kira geschah, stand in den Sternen. Es hing viel zu viel von einem einzelnen Menschen ab. 
"Ein Flüchtlingstross also."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 8:57 pm
"Natürlich," erwiderte Galahad nur, wenngleich es ihm auch schwer zu fallen schien Finnjas Kritik gänzlich nachzuvollziehen, aber wenn er letztlich einen Befehl bekam führte er diesen auch aus. "Ich werde die Männer vorne im Tross dann noch einmal Anweisen," erklärte er und machte mitsamt Wallach wieder kehrt.
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"Es ist alles in Ordnung," erklärte Thealon und fuhr mit seiner linken Hand sacht über Kiras Wange. "Deine Mutter ist bald wieder hier, dir geht es gut und auch mir ist nichts schlimmes geschehen. Mach dir keine Sorgen, in Ordnung? Du darfst den Krankenflügel wann immer du willst wieder verlassen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:05 pm
"Wir erregen als einzelner Tross viel zu viel Aufmerksamkeit und wie wir bereits festgestellt haben, werdet ihr ja von einigen Leuten gesucht, die sich eine goldene Nase an euch verdienen wollen", erklärte Finnja lediglich schulterzuckend, weil sie sich nicht die Mühe machen wollte, um die andere anzulügen. Sie war selbst Soldatin, zumindest schätzte sie das aus der Art und Weise, wie sie stets und ständig ihre Umgebung im Auge behielt und sich zwischen den Zelten hin und her bewegte - selbst, wenn sie zum Feind gehörte, so gehörte doch ebenso ein gewisser Grundanstand für die Berufung dazu und Finnja war nicht zu stolz, die andere für das, was sie tat, zu respektieren.
"Es war knapp vor einer Woche. Wir haben ein paar derjenigen gefangen, die euch ans Leben wollten - ich bin ohnehin auf dem Weg sie vor der Abreise zu verhören. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mich gern begleiten - Euch haben sie immerhin ebenfalls angegriffen."

____________________________

"Der Heiler sagte etwas davon, ich solle noch ein wenig hier bleiben ... nur um sicher zu gehen", widersprach Kira, weil sie sich nicht so sicher war, dass alles wirklich in Ordnung war. Ihre Mutter war bald wieder hier ... sie hoffte inständig darauf, dass das wirklich der Wahrheit entsprach und sie die Ältere bald wieder in die Arme schließen konnte, aber ihre Rückkehr war auch damit überschattet, dass sie ihren Bruder mitbrachte. Den Thronerben. Das prophezeite Kind. Schicksalsträger. Sie fragte sich, wie er sein würde - ob er Ferryn und ihr ähnlich sehen würde oder gar nicht. Ob sie dieselben Dinge mögen würden und ob er ihnen beiden im Charakter ähnlich sein würde. Es war so vieles möglich. "Ich weiß nicht ...", überlegte sie dann und schluckte, bevor sie sich daran erinnerte, dass sie gerade nicht viel mehr am Leib trug als ein einfaches Untergewand, mit dem sie nun wirklich nicht durch die Gänge schleichen wollte, ohne dabei für den nächsten Herzinfarkt der Hofdamen zu sorgen. "Außerdem hab ich nichts zum Anziehen hier ..."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:10 pm
"Bleibe solange hier wie du willst. Ich lasse einen Diener schicken, der dir etwas zum Anziehen besorgt," erklärte er, ehe ihm etwas einfiel - wenn Kira jetzt zurück in ihr Zimmer ging....
"Hör mir zu Kira - das Schwert ist fort. Das... Schwert des wahren Erben, es..." wie sollte er all das erklären? "Es war an den Preis gebunden, den ich für deine Sicherheit zahlen musste. Die Götter selbst haben das Schwert gebunden und nur der wahre Thronerbe Carias kann es zurück erobern. Wenn ich tot bin und du bereit bist die Krone für dich zu beanspruchen kannst du es dir zurück holen..." erklärte er leise und hoffte inständig, dass Kira nicht glaubte er würde sie belügen.
___________
"Hey ihr," Galahad kam mit seinem Wallach neben Aristeas an, hielt das Pferd dazu an im selben Tempo voran zu schreiten wie der Fremde, während sich ein Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete. "Habt ihr euch gut von den Verletzungen erholt, die euch dieses ehrlose Pack beigefügt hat? Ich hoffe doch, dass die Ruhe und das Essen, das wir euch anbieten konnte zumindest ein wenig Linderung verschaffen konnte?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:15 pm
"Natürlich komme ich mit", erwiderte Coreen und nickte kurz angebunden. "Aber erst, wenn Elaine sich erholt hat. Solange wache ich über Devastare."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:20 pm
"Ist nicht so, als würden uns die Gefangenen weglaufen", lachte Finnja nur leise und zeigte sich mit einem knappen Nicken der Bedingungen einverstanden, die die andere stellte. "Wisst Ihr, wer die Männer geschickt haben könnte? Von den Worten, die gefallen sind, haben wir nicht viel mithören können, bevor wir uns entschieden haben einzugreifen und alles, was wir jetzt wissen, erleichtert es euch nachher im weiteren Verlauf der Reise besser schützen zu können."

______________________________

Das Schwert des wahren Erben. Beinahe hätte Kira darüber gelacht, dass es jetzt verschwunden war und das sie sich irgendwann einmal wiederholen könnte - vorausgesetzt, sie war der wahre Thronerbe Carias. Vielleicht war es wirklich besser, wenn es weg war - es hätte nur Zwietracht gesät, hätte sie nur mit ihrem älteren Bruder darüber streiten lassen und das Letzte, was sie wollte, war jemanden aus der eigenen Familie zu verdammen. "Ist schon gut", wehrte sie ab, selbst wenn ein Teil von ihr der Klinge nachtrauerte, die sie binnen einiger weniger Tage so lieb gewonnen hatte. "Ist vielleicht gar nicht schlecht so. Deine Berater können dir deshalb jetzt wenigstens nicht mehr in den Ohren liegen und vielleicht vertrage ich mich sogar mit meinem Bruder."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:21 pm
Der fremde Mensch in seiner bunten Aufmachung und blumigen Ausdrucksweise, die ihn eindeutig als Ritter kennzeichnete, war während der letzten Tagen des öfteren redseelig gewesen und das meist ohne ein klares Ziel oder einen triftigen Grund zu verfolgen. Ihm gefiel es scheinbar schlicht und einfach zu reden. „Es geht“, antwortete er knapp, wissend das der eigentlich Heilungsprozess, wie auch der von Coreens Wunden Verdacht erregt hätte. Er hatte einfach barsch jeden Menschen fortgeschickt der nach ihm hatte sehen wollen und inzwischen schienen sich alle im Stillen darauf geeinigt zu haben, dass der seltsame Fremde scheinbar auch ohne medizinisches Zutun heilen würde.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:22 pm
"Sie wollten wohl Geld mit uns machen - fragt mich nicht, wie", antwortete Coreen. "Ich war damit beschäftigt, mich einigermaßen zu verteidigen, aber wer rechnet schon mit einer kleinen Armee von Bauern, die ihr Glück als Kopfgeldjäger machen wollen?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 9:24 pm
"Der Bürgerkrieg in Miris und die Thronstreitigkeiten der verschiedenen - allesamt natürlich legitimen - Nachfolger des alten Königs machen uns an den Grenzen das Leben schwer. Ich würde dir gern sagen, wir hätten es vollkommen im Griff, aber dafür kommen zu viele auf der Flucht nach Caria. Einige von ihnen mittellos und verzweifelt - sie würden alles für genug Gold in den Taschen tun, es wundert mich nicht, dass sie sich haben anheuern lassen", antwortete Finnja mit einem mitleidigen Lächeln. "Es tut mir leid, dass ihr das jetzt habt ausbaden müssen."
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Re: Kapitel 4.

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