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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:05 pm
Galahad tippte auf seine Brust. "Das hier," erklärte er und legte den Kopf schräg. "Und mein Kodex natürlich auch - es ist ein unzertrennlicher Bund!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:05 pm
"Und doch tun wir es damit doch schon." Oh bei den Göttern, sie fing an, wie Aristeas zu sprechen. Schluss damit!, befahl sie sich selbst und schüttelte den Kopf. "Wir sollten die restlichen Dinge einpacken. Der Tag ist nicht mehr allzu lang und wir sollten auf die Straße kommen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:08 pm
"Sollten wir", stimmte Finnja ihr zu und beschaffte sich mit nur einem kurzen Ruf wieder die Aufmerksamkeit ihrer Männer, nur um sie für das Einpacken einzusortieren und um sie damit zu beschäftigen, die Spuren eines größeren Lagers weitestgehend zu verwischen. "Ich erwarte dich dann bei Sonnenuntergang bei den Gefangenen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 10:11 pm
"Natürlich." Coreen sah Finnja nach, nur einen kurzen Moment, aber lange genug um ihren forschen Schritt zu sehen, mit dem sie bei ihren Männern ankam. Erst dann drehte sie sich zurück und verschwand in dem Zelt, in dem Devastare schlief.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 5:57 pm
Das Gespräch mit Galahad war recht schnell im Sande verlaufen und der Tag hatte schließlich recht bald sein Ende eingeläutet. Sie schlugen ihr Lager schon beinahe zu spät auf, sodass sie gerade noch die letzten, orangenen Lichtstreifen zum Aufbauen der Zelte benutzen konnten. Erneut wurden Wachen eingeteilt, für welche Aristeas sich freiwillig meldete, doch scheinbar vertraute man den Fremden hier nicht genug, als das man ihnen so eine Aufgabe anvertraut hätte. So hatte er lediglich ein paar der Hasen fachmännisch und mit gezielten Schnitten ausgenommen, welche zwei Jäger über den Tag hinweg erlegt hatten und dann das Zelt für sich und Coreen aufgebaut.

Schließlich fand er sich an einem der vielen Lagerfeuer wieder, über welchem ein kleiner, gusseiserner Topf hing, befestigt an einem etwas klapprigen Dreibein. Die Gesichter all jener die um das Feuer herum saßen, kündeten von einem langen, anstrengenden Tag und jeder schien im ersten Moment froh über die Stille zu sein. Gleichzeitig wirkte sie jedoch aufgesetzt, wie Kleidung die einfach nicht zu einer Person passen wollte.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:04 pm
Erschöpft von dem Marsch, den sie hinter sich gebracht hatten, ließ Coreen sich auf den Boden sinken, näher am Feuer als gut für sie war, aber ohne sich wirklich darum zu scheren. Auch Galahad und Finnja kamen heran und nicht ohne Grund vermutete Coreen die Freundin bei Devastare. Sie hatte wenig von den beiden gesehen, fast gar nichts, um genau zu sein und sie wollte sich nicht in das Drama einmischen, denn früher oder später würde es so oder so bis zu ihr gelangen. Noch war sie davon verschont und sie hatte genug eigene Probleme, die es zu lösen galt. Eines davon saß hier neben ihr und war in Form einer menschlichen Gestalt unterwegs, obwohl es ihm scheinbar wirklich zuwider war. 
"Gibt es noch irgendetwas zu tun?", fragte sie an die Neuankömmlinge gewandt und reichte Aristeas eine Schale voll mit Eintopf. 

---------

"Spuck es schon aus", seufzte Devastare irgendwann in die Stille hinein und wandte den Kopf zu Elaine hinüber. Sie war zu still, zu geheimniskrämerisch. Irgendetwas stand zwischen ihnen und er hatte es satt, wie ein Kranker behandelt zu werden. Die Wunde hatte seinen Verstand nicht getrübt und er brauchte keine Betreuung den ganzen Tag. Trotzdem saß Elaine hier. Wieder und wieder und Stunde um Stunde.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:09 pm
"Puh..." Galahad plusterte die Wangen auf und legte den Kopf schräg, während er den Blick über die kleine Gruppe wandern ließ und darüber nachdachte, was er einem von ihnen als Aufgabe geben konnte. Tatsächlich gab es nur noch wenig zu tun - das Feuer musste am Leben gehalten werden, einige Zelte waren noch nicht aufgestellt, aber sonst?
"Ihr könntet schon einmal einen Topf mit Wasser aufsetzen und einiges an Gemüse reinschneiden..." schlug er vor.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:10 pm
"Sollen wir nicht lieber ... die Zelte aufstellen?", hakte Coreen ein und besah sich die ebenso erschöpfte Truppe, die deutlich mehr zu tragen gehabt hatte, als Aristeas oder sie.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:11 pm
"Die meisten Zelte sind bereits aufgebaut und jeder Soldat ist letztlich dafür verantwortlich, dass er ein Dach über dem Kopf hat. Sollte jemand zu erschöpft sein könnt ihr ihm natürlich gerne helfen..." erklärte er leise.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:16 pm
Überrascht davon, dass er so plötzlich die Stille durchbrach hob Elaine den Kopf von den Kräutern, die sie fein säuberlich zerteilt hatte, um sie später zu einer Paste zu zermahlen, die sie auf die Wunden auftragen konnte, die sich wenigstens nicht entzündet hatten. Devastare war bei Weitem kein einfacher Patient, die Zeit im Zelt und die kurze Zeit draußen auf dem Karren hatte ihn gereizter werden lassen, als es für den Rest der Gruppe gut gewesen wäre und mehr als nur einmal war einer der Heilkundigen wütend aus dem Zelt gestürmt und hatte getönt, er würde erst wieder das Zelt betreten, wenn sich der Patient wieder beruhigt hatte. Das Ende vom Lied war es gewesen, dass Elaine es übernommen hatte, sich um ihn zu kümmern und stillschweigend seine Launen über sich hatte ergehen lassen. Bisher hatte er es noch nicht geschafft, sie zu vertreiben.
"Du weißt, dass du unfair zu den anderen warst", sagte sie jetzt und musterte das Gesicht des Jüngeren nur mit einem milden Lächeln. "Ich weiß, dass du lieber dort draußen wärst und dass Caria an den Nerven zieht. Das geht wahrscheinlich jedem außer den Gardisten draußen so."

_________________________________

Finnja hatte schweigend dem kurzen, schleppenden Gespräch zugehört und still in sich hinein gelächelt, bevor sie den Kopf geschüttelt hatte und Aristeas kurzerhand etwas von dem Gemüse in die Finger gedrückt hatte und ein Messer folgen ließ. "Schätz dich glücklich - ich vertrau dir inzwischen sogar schon wieder eine scharfe Waffe an", scherzte sie während sie an Galahad den Kochlöffel weiterreichte, weil sie gänzlich talentfrei im Punkt Kochen war. Es reichte, um sie überleben zu lassen, aber sie hatten hier Gäste. Gäste, die nicht versucht hatten zu fliehen und von denen sie inzwischen mehr und mehr verstand.
"Warum erzählt ihr beide nicht etwas über eure Heimat? Wir wissen reichlich wenig und ehrlich gesagt ist das Gespräch, was zu machen ist und wo andere schlafen reichlich müßig. Außerdem ... muss ich gestehen, bin ich neugierig."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:30 pm
"Elaine ... ich bin deiner Ausflüchte langsam wirklich müde", seufzte Devastare und beobachtete sie kritisch, wie sie da vor ihm saß. Er wusste nur zu gut, dass er als Hitzkopf sich nicht gerade gut benommen hatte - und in jedem anderen Falle hätte es ihn geschert. Heute nicht. "Wenn du mir Vorhaltungen machen willst, dann bist du an der falschen Adresse. Ich wurde gezwungen, mein Land zu verlassen um dem Ruf eines Vaters zu folgen, den ich nicht kenne. Meine Königin wurde von mir getrennt, obwohl ich schwor, sie mit meinem Leben zu verteidigen und ob sie noch lebt? Keine Ahnung. Nicht einmal den Hauch eines Schimmers habe ich, wo Caillean sich aufhält und vielleicht ist das besser so, um ihr einen hoffentlichen Vorsprung in Sicherheit zu geben, ehe ich irgendetwas verrate. Jemand hat mich mit zwei Pfeilen durchbohrt wie einen Hasen in freier Wildbahn und alles, was ich höre, ist 'Sorgt dafür, dass der Kronprinz überlebt'. Ich bin es leid zu hören und ebenso leid zu sehen, dass du nach fast drei Monaten immer noch Dinge vor mir geheim hältst, als wäre ich nichts weiter als eine Aufgabe für dich."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:35 pm
"Diese Menschen kennen dich nicht, was erwartest du von ihnen? Du gibst ihnen nicht gerade den besten ersten Eindruck von einem Königssohn und wenn ich ehrlich zu dir sein soll, dann schlägst du mit deinem Verhalten gerade in genau dieselbe Kerbe wie dein Vater", schoss sie zurück, weil es Dinge gab, die sie so nicht einfach stehen lassen konnte. Sollte er wütend auf sie sein, sollte er schlecht gelaunt sein und ihretwegen konnte er sich ruhig sie selbst als Prellbock ausgesucht haben, aber das bedeutete noch lange nicht, dass sie akzeptieren würde, dass er diese schlechte Laune an denen ausließ, die ihn nur zu schützen versuchten. "Für sie bist du gerade nichts anderes als der Kronprinz. Die Heiler weigern sich inzwischen zu dir zu kommen, weil du sie verscheucht hast. Wenn du Antworten haben willst, dann stell mir die Fragen, die dir die ganze Zeit auf der Seele brennen, aber benimm dich nicht, als wärst du genau das, was dein Vater von dir erwartet. Du bist bei Weitem besser als das."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:42 pm
Ursprünglich? Aus Saterra“, begann Aristeas recht bereitwillig zu erzählen, nachdem er ein paar Löffel Eintopf gegessen hatte, welcher erstaunlich ansprechend roch. Er sah kein großes Geheimnis in seiner Herkunft und den Drang, Dinge verstehen zu wollen, kannte er nur allzu gut. „Danach und die meiste Zeit meines Lebens? Evelon. Mir gefiel die Ruhe und die Natürlichkeit, die sich dieser Ort bewahrt hat.“
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:44 pm
Ein schmales, trockenes Lächeln umspielte Devastares Lippen, als er ihren Bewegungen folgte. So, wie sein Vater? Na dann brauchten sie sich ja nicht fragen, ob er der richtige war - eigentlich sollten sie dankbar dafür sein. Er wusste, er war unfair, selbst innerlich, aber die Enge und der Zwang brachten nicht gerade seine nettesten Seiten zum Vorschein. "Ich erwarte gar nichts mehr, Elaine. Auch nicht, dass irgendeiner dieser Heiler weiterhin zu mir kommt oder sonst jemand." Nein, er wusste, Coreen konnte er weder mit Launen noch Widrigkeiten scheuchen und dafür war er der Freundin dankbar genug. Sie würde ihm beistehen, wenn alles schief lief. 
"Aber lass mich dir etwas sagen. Du kennst mich nicht. Zwölf Wochen sind bei Weitem nicht genug, um zu wissen, was einen anderen Menschen bewegt und um ehrlich zu sein, mein Wille, all das weiter hin zu nehmen, wie es ist und brav meine Rolle zu spielen sinkt gewaltig bei all den Dingen, die nicht ausgesprochen werden. Du denkst, mein Verhalten ist so, wie das meines Vaters? Ich kenne ihn nicht und du weichst sehr gekonnt meinen sehr wohl gestellten Fragen dazu aus."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 6:57 pm
"Wie zum Geier kommt man denn bitte von Saterra ausgerechnet rüber nach Evelon? Saterra liegt am sprichwörtlichen Arsch der Welt - da gibts doch nicht viel außer ein paar Wilde, die der Meinung sind, es wäre noch immer richtig Leute an Halsbändern zu halten und sie vorzuführen als wären sie Vieh", ließ Finnja verlauten und ignorierte ganz bewusst die lauter werdenden Stimmen aus dem Zelt ein Stück abseits. Wenn sie das hörte, dann wusste sie schon, weshalb sie sich einstweilen davon fern gehalten hatte, die Beschwerden ihrer Männer hatten ihr Übriges dafür getan, sie zur Vorsicht zu mahnen. Thealon war bereits unberechenbar, von seinem Sohn wollte sie lieber gar nicht erst anfangen.

____________________________

Ihm würde jedes einzelne seiner Worte wahrscheinlich in ein paar Wochen leid tun, wenn er wieder zur Besinnung gekommen war und trotzdem tat das weh, was er ihr da gerade an den Kopf warf. "Es tut mir unsäglich leid, Devastare, aber ich werde ebenso wenig einfach wieder gehen. So sehr du es auch möchtest", setzte sie ihm entgegen und schüttelte den Kopf, bevor sie die Kräuter einstweilen Kräuter sein ließ und zu ihm rüber trat, sich auf die Kante des provisorischen Bettes sinken ließ und den Jüngeren noch einmal musterte. Sie erkannte den Zorn in seinen Augen, die Verzweiflung über das, was hier vor sich ging und worauf er überhaupt keinen Einfluss mehr hatte und sie konnte es ihm noch nicht einmal übelnehmen. Wahrscheinlich wäre es ihr ebenso gegangen.
"Ich wünschte, ich hätte die Gelegenheit gehabt mehr Zeit mit dir zu verbringen, aber das hatte ich nicht und ich weiß auch jetzt noch nicht, ob ich nicht einen riesigen Fehler gemacht habe, dich aus Ekynes heraus zu reißen und zurück in deine Heimat zu bringen. Es ist nicht angenehm hier zu sitzen und zu wissen, dass es, egal wie ich es drehe und wende, bedeutet, dass ich zwei Kinder verliere, denn dein Vater wird mir keine Wahl lassen", begann sie dann schließlich zu erklären. Sie waren in Caria, früher oder später würde er es ohnehin erfahren und vielleicht war es besser, wenn sie jetzt mit offenen Karten spielte, bevor Thealon ihr auch noch den Hauch der Chance zerstören würde, Zugang zu ihm zu finden. Sie war gerade sowieso ganz gut dabei, ihre eigenen Hoffnungen mit ihrem eigenen Verhalten zu zerstören. "Ich habe nicht das Recht, dich um etwas zu bitten, hör mir nur noch einen einzigen Moment lang zu." Danach würde es sich entscheiden, ob er hinaus humpeln und nichts mehr mit ihr zu tun haben würde wollen oder nicht.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:07 pm
Ihn überkam ein bitteres Lächeln als er seinen Kopf ein wenig nach hinten lehnte und auf die wulstige Narbe an seinem Hals deutete. „Wilde sind sie nicht, zumindest nicht wenn man die gemeinhin gültige Definition verwendet. Ihr handelt floriert und jede ihrer Hafenstädte kann sich vor Reichtum kaum noch halten. Aber ja, ein Großteil dieses Reichtums liegt im Sklavengeschäft. Und im sammeln und zur Schau stellen von Raritäten jeglicher Art. Und wie ich nach Evelon gekommen bin?“ Sein Blick fiel für einen Moment auf seine Füße, die inzwischen von den Schuhen befreit worden waren, damit das durchnässte Leder nahe des Feuers ein wenig trocknen konnte. „Nun, eben mit dem was mir zur Fortbewegung bereit stand.“ Er führte den hölzernen Löffel sacht erneut an seine Lippen und aß weiter, konzentrierte sich für einen Moment nur auf den Geschmack in seinem Mund und schluckte dann. „Ich glaube der Kohl den ihr hineingeschnitten habt, Ritter, war schlecht“, kommentierte er knapp und nahm einen weiteren Löffel, um sich zu vergewissern dass er die Wahrheit gesagt hatte. „Was ist mit euch, Hauptmann? Hauptfrau? Ich weiß nicht wie ich euch nennen kann. Woher kommt ihr?“
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:09 pm
"Wie wäre es einfach mit Finnja?", schlug Selbennamige vor. "Ich bin mehr als meine Position und wir sind noch eine Weile unterwegs. Hauptmann oder Hauptfrau klingt unglaublich unpersönlich. Ich bin in Caria geboren - nahe der Hauptstadt in einem kleinen Dorf. Seitdem habe ich nicht besonders viel außer diesem Land gesehen, deshalb unterhalte ich mich eigentlich auch recht gern mit Neuankömmlingen. Ich kann zwar Landkarten und Reiseberichte studieren, aber das bedeutet noch nicht, dass ich ein anderes Land aus der Sicht eines Einheimischen kennen lerne."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:13 pm
„Und was hindert euch daran eure Arbeit niederzulegen und die Welt einfach selbst zu sehen, statt Berichte zu lesen oder Fremden dabei zuzuhören, wie sie in Erinnerungen schwelgen? Seien es nun gute oder schlechte.“
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:16 pm
"Ich mag meine Heimat und ich habe einen Treueid geleistet, der mir wichtig ist. Die Arbeit ist nicht die Schlechteste und ich habe lang dafür gekämpft, so weit zu kommen - jetzt alles einfach hinzuwerfen, nur um die Welt zu sehen und am Ende enttäuscht zu werden, käme mir ziemlich verkehrt vor", erklärte Finnja ihm, überrascht von den Fragen, die er stellte und die für ihn so vollkommen selbstverständlich, wie für sie befremdlich schienen. "Habt ihr denn nichts, was es euch wert ist, an einem Ort zu bleiben?"
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:17 pm
Bis zu ihren letzten Worten hatten ungefähr zwanzig Erwiderungen darauf gewartet, gesagt zu werden, doch nach ihrem Geständnis legte sich eine schwere, ohrenbetäubende Stille über das Zelt. Selbst die Gespräche draußen schienen nur wie durch einen Nebel zu ihm durch zu dringen, wirkten nicht mehr von dem Gelächter durchzogen, das die Gardisten ab und an von sich gaben, sondern war trist und monoton. Das Knacken des Feuers war das einzige, was zu ihm durchdrang, während sein Magen sich schmerzhaft zusammenknotete und er versuchte, einen Anfang von all dem zu finden. All die losen Fäden zu verbinden. 
Elaine war seine Mutter. Ausgerechnet. Es erklärte vieles - das Schwert, das Karsh ihm ausreden wollte, seine Zauberkraft, die nur so halbherzig genutzt werden konnte bislang und erst mächtiger geworden war, seit er keine Waffe mehr trug. Ihr Verhalten, ihre Worte, die sie die ganze Zeit gewählt hatte. 
Und dann schlug die Breitseite all dessen mit voller Kraft in seine Gedankenwelt und er fokussierte seinen Blick auf die Halbfee. Sie hatte ihn fortgebracht, um Ekynes zu schützen - damit er niemals auf den Thron in Caria steigen würde, das Land zu vernichten, in dem er schlussendlich aufgewachsen war. Sie hatte ihr eigenes Kind fort geschafft, nur Tage nachdem es geboren worden war, ans andere Ende des Kontinents und holte es nun scheinbar nur wieder, weil sein Vater danach verlangte, nicht aber, weil sie es wollte. Nein - oh nein - ganz im Gegenteil. Seine innere Stimme verhöhnte ihn nun unverhohlen. Sie holte ihn nur zurück, um Kira zu retten. Das, was er ihr noch gesagt hatte - er hätte genauso gehandelt an ihrer Stelle, kam ihm mit einem Mal in den Sinn.
Sie tat genau das, was er ihr niemals zugetraut hätte. Sie tauschte eines ihrer Kinder gegen das andere und daran gemessen konnte er ja herrlich ablesen, wie wichtig er ihr war. Sie kannte ihn nicht ... wie wahr. Deshalb konnte sie die Entscheidung ja überhaupt fällen. Die Enttäuschung, sie so falsch eingeschätzt zu haben, fraß sich wie Gift durch seine Adern. Wie konnte er ihr mit diesem Wissen noch trauen, was ihre wahren Absichten anging?
"Wer weiß davon?", fragte er schließlich nur heiser vor unterdrückter Wut und Verwirrung, wusste nicht, wohin mit seinen Händen, so dass er sie schließlich beide auf den Knien ablegte und sich so schwer darauf stützte, wie seine Schulter es zuließ, hinunter auf den Boden starrend, der eisig und fest unter ihren Füßen war, froh um die langen Haare, die sein Gesicht verbargen.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:22 pm
"Coreen und Thealon. Niemand sonst", lautete ihre Antwort und hatte auf eine andere Reaktion gehofft - auf Wut, Geschrei - etwas anderes als diese ohrenbetäubende Stille, die sie zuerst umfangen hatte und in der sie förmlich die Dutzenden von Vorwürfe hören konnte, die er ihr machte und von denen jeder einzelne berechtigt war. "Selbst Coreen hätte es nicht wissen dürfen. Ich habe sie darum gebeten niemandem ein einziges Wort davon zu verraten, mache sie bitte nicht dafür verantwortlich, dass sie geschwiegen hat. Es war meine Schuld."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:25 pm
Etwas überrollt von der Frage aß er vorerst still seine Schale Eintopf und sah dann und wann in die fragenden Gesichter der Anwesenden. Er wusste dass jeder nun irgendeine Antwort erwartete, die Kinder, Frauen, Vaterlandsliebe oder etwas dergleichen beinhaltete. Aber er hatte nichts davon, weder Kinder auf die man Acht nehmen musste, noch eine Gefährtin die an einen Ort gebunden war oder das Gefühl sich mit ein paar Landesgrenzen und einem Namen verbunden zu fühlen. „Ich mag die Wälder Evelons, sie bieten mir, sagen wir Ruhe vor der restlichen Welt. Aber daneben, nein.“
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:29 pm
"Das ist schade", äußerte Finnja mit ehrlichem Bedauern und musterte das überraschte Gesicht des anderen von der Seite her noch einmal. Sie hatte nicht geglaubt, sie würde einmal jemanden treffen, der keinen Ort hatte, den er wirklich als Zuhause bezeichnete. "Es ist ein seltsames Gefühl zwischen Wehmut und Glück wieder an einen Ort zu kommen, den man Zuhause nennt. Dort, wo man sich sicher und wohl fühlt und an dem die Menschen sind, die man schätzt. Auf der einen Seite ist man froh darüber wieder Zuhause zu sein, die andere Seite sehnt sich ein wenig nach der Fremde. Vielleicht findet Ihr ja auch so einen Ort in Caria - oder in irgendeinem anderen Land Eurer Wahl."
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:30 pm
"Drei Menschen ...", wiederholte Devastare beinahe ungläubig und schüttelte den Kopf. Nur drei Menschen wussten, wer er war - er nun nach Jahren eingeschlossen. Warum es nicht dabei belassen und zurück zu dem kehren, was er vorher gehabt ... - da dämmerte es ihm. Er konnte auch nicht zurück. Die einzige Möglichkeit, die er hatte, wäre, zu fliehen und bei allem Ärger, all der Verzweiflung, die er gerade empfand, er war verletzt und würde nicht weit kommen, wenn er rund vierzig Gardisten, zwei Drachen und eine Zauberin ausschalten wollte, die jahrzehntelange Erfahrung mehr hatte als er. Er konnte nicht zurück, denn Caillean war nicht mehr dort, wohin sie gehörte. Sie war irgendwo und das hoffentlich wohlauf. Stattdessen saß dort Zuhause Morys auf dem Thron und ruinierte Menschen, Hof und Land mit seiner Anwesenheit. 
Die Erkenntnis war hart und bitter. Er würde nach Winterbroke gehen müssen, um dort Unterstützung zu finden, ob er es wollte oder nicht. Mit einer Flucht war nicht nur sein Leben verwirkt, sondern auch das von Elaine und Kira und trotz der Lügen ... sie waren Familie. Aber eine Flucht würde auch Ekynes nicht retten und Caillean nicht zurückbringen. Er war gefangen in dem Schicksalspfad, den andere für ihn ersonnen hatten, ohne Ausweg und er musste mitspielen.
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Re: Kapitel 4.

am Mo Jan 15, 2018 7:38 pm
Elaine gab keine Antwort mehr darauf, weil sie damit nichts besser gemacht hätte. Nichts würde noch irgendetwas verändern und so gern sie auch würde, es gab nichts, was sie noch sagen konnte. Sie hatte erklären wollen, dass es nicht nur gewesen war, um ihre eigene Heimat zu schützen sondern auch um ihn zu schützen. Davor zu bewahren genauso zu werden wie sein Vater, davor ihn endgültig zu verlieren wie seine Zwillingsschwester, deren Tod noch immer schmerzhaft brannte, auch nach all den Jahren noch. Sie hatte nicht einmal das Gesicht des kleinen Mädchens gesehen, bevor sie es ihr weggenommen hatten, sie nicht einmal halten dürfen bevor man sie in ein namenloses Grab geworfen hatte, damit über all die Jahre hinweg die Lüge aufrecht erhalten werden konnte, Devastare sei der Sohn von Thealons Frau. Jener Frau, die in derselben Nacht gestorben war. Beinah hätte sie über das Schicksal bitter aufgelacht, das ihr kaum ein einziges Kind gelassen hatte, von denen sie nicht ein einziges jemals gewollt hatte und die sie trotzdem nicht in ihrem Leben missen wollte. Vielleicht waren es ihre Versuche gewesen, die Schwangerschaften abzubrechen, die die Götter dazu gebracht hatten, sie so sehr zu verachten, dass sie ihr nun auf die eine oder andere Art jedes ihrer Kinder nahmen.
'Achte auf das, was du dir wünscht', hallte Karshs Stimme wieder durch ihren Kopf und sie hasste den alten Magier dafür, dass er einmal mehr Recht behalten sollte. Wortlos erhob sie sich von ihrem Platz wieder und blieb für einen kurzen Moment unschlüssig in dem Raum stehen, unsicher darüber, ob sie gehen sollte oder nicht.
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Re: Kapitel 4.

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