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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:51 pm
"Nein. Sie dienen dem König direkt - unterstehen nur seinem Befehl, nicht dem eines Heerführers", erwiderte Coreen leise und zog Aristeas hinter die Zeltplanen, bevor sie die Stimme noch weiter senkte. "Die Armee würde nicht nach uns suchen. Das ist ... nennen wir es, das Begrüßungskommando. Wären sie weiter gekommen, hätte es wohl in den Ländern auch noch kriegerische Auseinandersetzungen gegeben, weil man sie - wie du - für die Armee hält oder wenigstens einen Teil davon." Kopfschüttelnd ließ sie sich auf ein Fell am Boden fallen und sah auf den kargen Boden, dann zu dem anderen Drachen hinüber. "Die Armee, ist auf dem Weg nach Miris. Wo sie aber genau ist, kann ich dir nicht sagen. Wir haben den unwegsamen Gebirgsrandpfad genommen. Er hat uns zwar die Orientierung erleichtert, aber er ist zu unwegsam für große Geschütze und viele Menschen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:55 pm
"Bei meiner Treu..." murrte Galahad, als er wieder neben Finnja Stellung bezog und sich mit dem Daumen über die alte Narbe über der Lippe strich. "Das hätte böse Enden können, wenn ihr nicht so geistesgegenwärtig reagiert hättet," stellte er nüchtern fest und festigte seinen Stand noch einmal in der halb gefrorenen Erde, während er seinen Blick über das Heerlager wandern ließ. "Wir sollten schnellstens herausfinden, wer von ihnen der Erbe ist - sollten wir weiterhin keine Neuigkeiten für seine Majestät haben, wird er ohne jeden Zweifel ungehalten."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:57 pm
„Verstehe ich das richtig“, fing Aristeas erneut an, nachdem er sich ebenfalls auf die Felle gesetzt hatte. Um sie herum zog der Wind an der, aus schweren Stoffen bestehenden Zeltwand, was eine recht eigenwillige Geräuschkulisse bot. „Nur die Armee ist das, was gefährlich werden kann? Weder der König der sie leitet noch all die anderen Menschen, die ebenfalls für ihn kämpfen?“
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:58 pm
Finnja deutete zu einem der Zelte rüber. "Der Verletzte", schlussfolgerte sie aus dem vorherigen Gespräch und hoffte darauf, dass eben jener die Nacht überstehen würde, trotz der Verletzungen und des Blutverlusts durch die Pfeilwunden. "Wir kennen den Namen unseres Erben und Aristeas ist es nicht. Davon einmal abgesehen ist die Hofzauberin um ihn besorgter als um den anderen. Befassen wir uns damit, dass wir den Verletzten durchbekommen, denn, wenn ich recht habe, ist das der Thronerbe Carias."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 1:58 pm
"Doch, sie können das ebenfalls. Aber sie bewegen sich eher selten aus ihrer Sicherheit des Schlosses heraus. Die Gardisten hier scheinen uns nur dorthin bringen zu wollen, wohin wir ohnehin müssen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:02 pm
"Selbstverständlich," erwiderte Galahad leise und ließ seinen Blick zu dem Zelt wandern, welches in einiger Entfernung stand und aus dessen Rauchabzug dicker Qualm drang. "Er wird es überstehen," versicherte er seiner Anführerin, wenngleich er ihr auch einen besorgten Blick zuwarf. Sie machte sich Gedanken - was ihn wenig verwunderte. Sollte Devastare in ihrer Obhut sterben.... der gerechte Zorn des Herrschers würde sie mit aller Macht treffen.
"Macht euch keine Gedanken, wir haben Ärzte bei ihm und keine der Wunden hat eine lebenswichtige Stelle getroffen. Sein Blutverlust mag hoch sein - aber er ist der Erbe Carias. Die Linie - alle Könige sind etwas besonderes. Du weißt doch, wie es im Volksmund heißt: Das Geblüt eines Königs ist anders als das eines gewöhnlichen Sterblichen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:06 pm
"Ihr Blut ist genauso rot wie das eines jeden anderen Menschen, Galahad. Keiner von ihnen ist ein Gott, keiner von ihnen ist dazu in der Lage Wunder zu vollbringen und ich habe noch keinen König kennen gelernt, der nicht durch dasselbe sterben kann, wodurch nicht auch jeder Bauer stirbt", erwiderte Finnja lediglich kopfschüttelnd, weil sie die Nase voll davon hatte, wie sehr Galahad diese ganze Thronlinie in den Himmel lobte. Sicherlich, sie war treu und sie würde ihr Land nicht verraten, aber sie war weit entfernt davon zu glauben, die Könige wären verborgene Götter. "Die Banditen haben es bewiesen", setzte sie deshalb noch einmal hinterher und schnappte sich eine Suppenschüssel vom Feuer, um wenigstens etwas Warmes in der Kälte zu sich zu nehmen.
"Sie sind nur in eine andere Familie hineingeboren worden. Jeder von uns hätte das Glück oder das Pech haben können und in die königliche Linie hineingeboren werden können."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:10 pm
"Das glaube ich nicht," erwiderte Galahad und schüttelte den Kopf. "Sie haben einen Pakt mit den Göttern und wurden von ihnen Auserwählt - unser Kronprinz ist..." er senkte seine Stimme um sicherzugehen, dass nur Finnja ihn hören konnte, "er ist schließlich ein Kind der Prophezeiung!" er trat wieder einen halben Schritt zurück und legte seinen Unterarm auf die Schwertscheide. "Sie mögen getötet werden können - aber das bedeutet nicht, dass sie nicht etwas besonderes sind. Zu großem bestimmt - ich habe Geschichten gehört, dass der Großvater seiner Majestät Menschen durch Handauflegen heilen konnte!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:12 pm
"Und auch, dass er auf einem geflügelten Einhorn durch die Wolken geritten ist und es Milch und Honig zu regnen begonnen hat. Galahad, das sind Kindergeschichten - nichts weiter", schallt sie den anderen. Kind der Prophezeiung hin oder her - sie mussten ihn sicher nach Winterbroke bringen, das war einstweilen alles, was zählte und sie würde sich nicht zum Idioten machen, in dem sie glaubte, dass irgendeine übernatürliche Macht schon dafür sorgen würde, dass er ein paar Pfeilwunden überleben würde.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:15 pm
"Ihr macht euch über mich lustig," schlussfolgerte Galahad Messerscharf und setzte ein enttäuschtes Gesicht auf. "Ich werde einige Männer anweisen Wasser aufzukochen und warme Umschläge zuzubereiten. Außerdem werde ich in einem nahe gelegenen Dorf einen Wagen erstehen, vor den wir ein paar Pferde spannen können. Hier in der Kälte werden seine Wunden nicht gut heilen. Je schneller wir nach Winterbroke kommen, desto besser für ihn." Er wandte sich um, bereit zum gehen, als ihm noch etwas einfiel: "Gibt es sonst noch etwas, was ich für euch tun könnte?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:18 pm
"Behalte den Rest seiner Gruppe im Auge, Galahad", bat Finnja mit einem schiefen Lächeln, weil es ihr beinahe leid tat den anderen so vor den Kopf zu stoßen, aber dies war ein Thema über das sie immer wieder aufs Neue in Diskussionen endeten. Ihrer beider Ansichten waren zu unterschiedlich, ihre Meinungen von Königen und Rittern glichen sich in keinem einzigen Punkt an und keiner von ihnen war bereit auch nur einen einzigen Schritt auf den anderen zuzumachen. "Sie kommen aus Ekynes. Das Land, das dafür gesorgt hat, dass unser Erbe vor Jahren entführt wurde und das ihn jetzt, scheinbar vollkommen selbstlos und freiwillig, wieder zurück nach Hause gehen lässt. Ich will Winterbroke nicht gefährden, in dem wir zwei Feinde mitbringen, die am Ende das Tor für Dutzende andere Soldaten öffnen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:22 pm
"Wenn Sie Bosheit in ihren Herzen tragen, dann wird mein Schwert ihr Henkersbeil," erwiderte Galahad und neigte den Kopf, während er mit dem Daumen über den vergoldeten Knauf seines Schwertes fuhr. "Seid unbesorgt M'Lady, meinen wachsamen Augen entgeht keine noch so gut verborgene Teufelei. Ich werde euch keine Schande machen. Weder unser König, noch unser Volk muss sich vor dem Fremden fürchten, der meiner Obhut übergeben wurde!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:25 pm
"Dann geh. Ich teile die Wachen für die Nacht ein und dann sollten wir ruhen. Wir haben noch einige Meilen bis zur Küste vor uns", scheuchte Finnja ihn zu den anderen und ließ sich dann an das Feuer sinken, die Hände ausstreckend und die Suppenschüssel auf dem Schoß balancierend bis ihr die Wärme durch die Arme kroch und ihre Finger genug fühlten, um den Löffel richtig zu umschließen. Es würde ein karges Mahl bleiben bis sie wieder in fruchtbarere Regionen kommen würden, in denen es mehr gab als ein paar kleine Schneehasen und verbliebene Vögel, deren Fleisch sie mit der Suppe kochen konnten, damit die nach mehr schmeckte als nach Wasser und mitgebrachtem, eingelegtem Gemüse.
"Gute Nacht, Galahad."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 2:37 pm
"Schlaft gut M'Lady," erwiderte Galahad und neigte das Haupt ein Stück. "Ich wünsche euch geruhsame und ruhige Träume."
___________
Morys rieb sich die Hände in den dicken Handschuhen, während er durch die düsteren Gänge des Schlosses schritt. Die Dunkelheit klebte hier in allen Ecken, schien von der Decke zu tropfen und sich in den Ritzen des Gemäuers festzusetzen. Die Sonne war seit drei Tagen weder auf, noch untergegangen. Vielmehr schien eine gewaltige, graue Wolkenschicht den ganzen Himmel zu bedecken und die Welt in ein trübes Grau zu tauchen, dass nach dem Herz der Menschen griff. Keine der Fackeln, welche er zu entzünden befohlen hatte, brannte. Keine Kerze spendete Licht und selbst die Öfen in den Küchen konnten mehr aufweisen als weiße Asche. Der selbstgekrönte König ließ seinen Blick aus dem Fenster schweifen und ballte seine Hände zu Fäusten. Frost hatte sich über alle Pflanzen gelegt, der Wald schien sich zurück gezogen zu haben und nur kahle Äste waren zu sehen. Die Äpfel in ihren Fässern waren verschimmelt, die Kartoffeln mehlig und die Nüsse die sie mittlerweile aßen schmeckten Fade. Die Kühle und Ziegen in seinen Stallungen gaben keine Milch mehr und heute morgen war er von einem seiner Wachmänner aufgeweckt worden - man hatte ihn nach draußen gerufen, ihn durch die Stallungen, die Küchen und die Kammern der Bediensteten geführt. Überall lagen schlafende Menschen - der Atem flach, aber gleichmäßig. Ihre Haut gräulich und blass - aber ansonsten unversehrt. Zuerst hatte er geglaubt, es wäre eine Krankheit, die sich willkürlich ausbreitete. Doch mittlerweile hatte er erkannt, dass nur jene in diesen konservierenden Schlaf gefallen waren, die ihm keinen Treueeid geschworen hatten. In der Stadt, so erreichte ihn der Bericht eines zweiten Soldaten, sei etwas ähnliches geschehen - überall lagen schlafende Menschen. "Verfluchte Magie..." zischte Morys und nahm die erste Stufe der langen Wendeltreppe. Er hatte seinen Männern befohlen die Gemächer des Zauberers aufzubrechen und hoffte dort eine Lösung für all ihre Probleme zu finden.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 3:49 pm
"Hast du das Schwert überhaupt eines einzigen Blickes gewürdigt?" drang Thealons Stimme hinter Kiras Rücken und der König schloss die Tür hinter sich. Er hatte seine Tochter seit dem Fest nicht mehr gesehen und das war bereits über eine Woche her. Er hatte mehr als einmal Zeit gehabt um nach ihr zu schauen, es jedoch für Klüger befunden, wenn er sie ein wenig schmoren ließ. "Oder hast du es nur mit Verachtung gestraft?" er ging auf einen der Stühle zu, stützte sich jedoch nur mit seinen Händen auf die Lehne, statt sich auf das Möbelstück zu setzen.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 3:54 pm
"Ich habe damit trainiert", erwiderte Kira nach einem kurzen Zusammenzucken und wandte sich dann über die Schulter zurück zu ihrem Vater, den sie während der gesamten letzten Woche nicht ein einziges Mal gesehen hatte. Er war ständig beschäftigt gewesen, Regierungsgeschäfte, die ihre Anwesenheit vollkommen ausschlossen, wie sie immer wieder aufs Neue von ein paar der Gardisten gehört hatte, bevor sie fortgescheucht hatte als wäre sie nichts anderes als eine einfache Dienerin. "Aber das ist dir bei deinem vollen, arbeitsreichen Tag natürlich nicht aufgefallen." Er bemühte sich inzwischen nicht einmal mehr ab und an bei dem Training dabei zu sein und Kira hatte ihn einfach gewähren lassen, hatte ihre Tage nach dem Unterricht und dem Training gemeinsam mit Ferryn in den Küchen verbracht, um dort die Bediensteten kennen zu lernen. Jeder von ihnen war freundlich gewesen, nicht ein einziger Vorwurf für das, was an Imbolc im Dorf geschehen war, war über ihre Lippen gedrungen - selbst dann nicht, als sie begriffen hatten, dass sie nicht sofort zu ihrem Vater laufen und ihm von alledem berichten würde. Es war seltsam heimelig dort gewesen, nachdem die Wärme der Menschen sie wie die Wärme in den Räumen umfangen hatte.
"Es wurde Nachricht gesandt. Sie sind auf dem Rückweg."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 3:58 pm
"Darüber bin ich informiert," erwiderte Thealon und nickte knapp. "Dein Bruder wird in Bälde bei uns sein. Ich erwarte, dass du dich im Beisein des Kronprinzen benimmst und nicht vergisst, was ich dir beigebracht habe..." erklärte er leise und seine Augen tasteten sie ab. Sie hatte den Rücken durchgedrückt, wirkte leicht trotzig aber dennoch entschlossen. Er wusste, dass sie mit dem Schwert trainiert hatte. Mehr und härter als normalerweise und er hatte sie und ihren Lehrer gewähren lassen. Sie würde noch früh genug zum Zug kommen, wenn Devastare erst einmal eingegliedert war. Er wusste bereits jetzt, dass sie es hassen würde, dass der Junge mehr Zeit von ihm geschenkt bekam als sie, aber das würde ihren Eifer nur noch mehr entfachen.
"Einige meiner Berater sind der Ansicht, dass das Schwert in seine Hände gehört."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:04 pm
"Wenn er es haben will, kann er gern hierher kommen und es sich zu nehmen versuchen", entgegnete sie lediglich und schob sich einen Schritt vor die Waffe, die ihr Vater ihr geschenkt hatte und die zeitgleich eigentlich dem Erbe dieses Reiches gehörte. Ihr Bruder war ein Fremder, der weder das Reich, noch die Menschen oder die Gesetze hier kannte - bevor sich nicht an einem dieser Punkte etwas verändert hatte, würde sie nichts tun, um ihm dieses Schwert freiwillig zu überlassen. Kira wünschte sich, sie hätte die Macht, ihre eigenen Zimmer zu versiegeln, irgendetwas von dem magischen Hokuspokus zu benutzen, den ihre Mutter stets mit einer Handbewegung vollführte, aber da war nichts - nichts, außer sie verlor vollständig die Kontrolle über sich.
"Keine Sorge. Ich habe mich entschieden, dass ich mich nicht mehr allzu kindisch verhalten werde, sobald der Kronprinz am Hof eintrifft, Vater. Von mir wird für ihn keinerlei Gefahr ausgehen", setzte sie nach und ließ sich dann an den Tisch sinken, den Blick nicht vom harten Gesicht ihres Vaters abwendend, der noch immer im Raum stand. Seit Imbolc war da etwas zwischen ihnen, das sie vorher nicht empfunden hatte - diese merkwürdige Art der Distanz, die sich jetzt wie eine riesige Schlucht durch ihrer beider Beziehung zog und die weh tat, weil sie sich fühlte, als wäre sie mit einem Mal eine Fremde im eigenen Heim. "Zurück zu dem Schwert. Deine Berater sind der Ansicht - wie siehst du das?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:07 pm
"Ich habe meiner Tochter das Schwert gegeben als sie sich dazu entschieden hat eine Frau zu sein," erklärte er und ließ sich schließlich auf den Stuhl sinken. "Deine Mutter wird mir deswegen große Vorwürfe machen - meine Berater liegen mir deswegen in den Ohren und auch der Kronprinz wird wahrscheinlich sein Recht einfordern. Aber dennoch habe ich es dir gegeben. Ich war wütend auf dich an diesem Abend, aber ich habe es dir dennoch nicht vorenthalten. Was sagt dir das?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:11 pm
"Du weißt nicht, was du von ihm zu erwarten hast, nachdem er jahrelang in der Fremde war. Du bist kein Mann des großen Risikos - es ist dir lieber ein kalkulierbares Risiko mit mir einzugehen als mit ihm", entgegnete Kira, weil sie wusste, er würde ihre sentimentale erste Intention für eine Antwort nicht hören wollen. Sie hatte ihm erklären wollen, dass er es tat, weil er sie liebte und weil er in ihr eher die Tochter sah als in ihrem großen Bruder seinen Sohn, sie wäre ihm wichtiger und er würde in ihr eher seine Erbin sehen. Es war närrisch, weil ihr Vater so nun einmal nicht funktionierte - in keiner Art und Weise, auch wenn sie sich ab und an die Zeit zurück wünschte, in der sie auf seinem Schoß gesessen und sich an ihn gedrückt hatte, während er den Bittstellern zugehört hatte. Inzwischen war sie zu alt dafür geworden.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:14 pm
"Das ist die Argumentation, die ich meinen Beratern vortragen würde," erwiderte Thealon und nickte. "Aber es gibt einen weiteren Faktor - du bist meine Tochter Kira. Bei den Göttern, du bist mehr mein Sohn als es dieser Junge jemals sein wird. Ich vergesse mein Blut nicht - aber in dich ist mehr geflossen als mein Blut. Du Kira könntest meine wahre Erbin sein - wenn du es dir erarbeitest."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:18 pm
Sie wollte ihn fragen, was bei allen Göttern sie denn noch tun sollte, um das zu erreichen, was er sich von ihr wünschte. Wie viel sie noch tun sollte, damit er endlich begriff, dass sie sich um dieses Land und die Leute hier scherte, dass sie ihr wichtig waren und trotzdem nicht denselben Weg einschlagen wollte, wie ihr Vater. Dass sie nicht grausam und streng werden wollte bis jeder allein unter einem einzigen Blick zusammenzuckte. "Der einzige Weg, wie ich wirklich erben könnte, wäre wenn mein älterer Bruder sterben würde." Bei den Göttern nein, das konnte sie nicht tun. Sie würde nicht das Schwert gegen ihre eigene Familie heben und ihnen ein Leid zufügen können - Miris hatte genau das zerrissen, die Uneinigkeit in der eigenen Familie und der Mord unter den Geschwistern. Alles in ihr sträubte sich dagegen jemanden so rasch umzubringen, wie es ihr Vater noch vor einer Woche bei seinen Soldaten getan hatte. Der Gedanke allein ließ ihr schlecht werden, während sie das Gesicht ihres Vaters noch einmal musterte, aber er blieb wie üblich ruhig und beherrscht.
"Wieso?", hakte sie stattdessen nach.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:23 pm
"Weil in deinen Adern nicht nur das königliche Blut fließt, sondern auch das salzige Wasser unserer Küste. Weil durch deine Adern die kalten Winter unseres Landes strömen und du weißt wie die Menschen hier sind. Wie sie denken. Was sie benötigen. Als König ist es deine Aufgabe für alle Menschen deines Landes dazusein. Sie zu beschützen vor den Tücken von Ekynes oder Sirean. Es gab allerdings noch nie eine Frau auf dem Thron unseres Landes. Nicht mich musst du überzeugen - sondern das Volk. Ich habe dir alles mitgegeben was ich konnte - nun muss ich versuchen Devastare auf das vorzubereiten, was das Volk von ihm erwartet. Wenngleich ich für euch beide ein ganz eigenes Schicksal vorgesehen habe, aber das habe ich dir ja bereits letztens erläutert."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:27 pm
Das hatte sie ja fast vergessen - er würde sie einfach nach Miris verkaufen und darauf hoffen, dass sie dazu in der Lage sein würde, ihren aufgezwungenen Ehemann soweit zu beeinflussen, dass es ihre Macht statt seiner sein würde während Devastare nach Ekynes heiraten würde und eines Tages über alles herrschen würde. Sie mochte die Vorstellung schon jetzt nicht, tat aber nichts um ihren Vater genauso darauf hinzuweisen, dass in ihren Adern ebenso das Blut Ekynes' floss - das Land war ihrer Mutter eine Heimat gewesen, selbst wenn sie selbst in Caria aufgewachsen war, stattdessen nickte sie im ersten Moment nur schweigend.
"Warum?", fragte sie nach einem Moment der Stille und ein wehmütiges Lächeln huschte über ihre Lippen. "Warum geht es in unseren Gesprächen nur um Politik? Um Erbe und darum andere zu manipulieren oder zu töten? Gibt es denn nicht ... mehr als das? Zumindest wenn es nur wir beide sind?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:31 pm
Einen kurzen Augenblick lang traf sie ihn mit dieser Frage unvorbereitet. Er liebte seine Tochter und würde im Zweifel alles für sie tun, doch Politik - sie war immer Teil seines Lebens gewesen. Nie gab es einen Augenblick ohne sie. Einst hätten sie beinahe alles verloren, weil Miris seine Großeltern politisch überrumpelt hatte. Er war noch jung gewesen, aber dieses Geschehnis hatte sich tief in ihn eingebrannt.
"Ich... werde nicht für immer da sein Kira", erklärte er langsam, nachdem er seine Fassung wiedergewonnen hatte. "Es wird eine Zeit geben, in der ich nicht mehr auf dich aufpassen kann und in der du alleine in einer Welt zurechtkommen musst, die fast nur böses für dich will." Er griff langsam nach seiner Krone und nahm diese von seinem Haupt, massierte sich die pochenden Schläfen.
"Worüber würdest du denn gerne reden?"
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Re: Kapitel 4.

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