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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:35 pm
"Ich will über nichts reden ...", erwiderte sie, überrascht darüber ihn mit dieser einzelnen simplen Frage so sehr aus dem Konzept gebracht zu haben. "Ich will nicht wissen, wie grausam diese Welt da draußen ist und dass ich allein zurecht kommen muss. Ich weiß, dass es dort draußen Menschen gibt, die mir nichts Böses wollen und dass ich ihnen vertrauen kann und anderen wiederum nicht", führte sie fort und erhob sich von ihrem Platz, um rüber zu ihrem Vater zu treten. "Was ich will ist mein Vater ... nicht den König."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:39 pm
Er blickte zu ihr auf und ein seltsam weiches Lächeln zog sich über sein Gesicht, nahm den tiefen Falten die Härte. Wenn es das war was sie jetzt brauchte, dann konnte er es für sie sein. Langsam stand er auf und öffnete die Arme sacht. "Komm her," meinte er leise und nickte ihr zu. Wenn er sie damit an das Land, an ihn und das Volk binden konnte ohne sie durch seine harten Maßnahmen zu verlieren, dann würde er ihr diese kleinen Momente nur zu gerne zugestehen.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:46 pm
Nur für einen kurzen Moment ließ sie sich gern in die feste Umarmung sinken und schlang die Arme um ihren Vater, den Kopf an seine Schulter lehnend und die Augen für einen kurzen Moment schließend. Dort, wo jedoch vorher noch ein warmes Gefühl der Sicherheit war, fühlte sich die Umarmung jetzt seltsam an - als wäre sie eben jener Umarmung entwachsen, zu alt dafür geworden und nur schwermütig löste sie sich langsam wieder von ihm, musterte das Gesicht ihres Vaters noch einmal und lächelte dann nur sacht. Vielleicht hatte Ferryn wirklich recht und es wurde Zeit erwachsen zu werden und mit den Kindereien aufzuhören, vor allem wenn die Ankunft ihres älteren Bruders jetzt so kurz bevorstand. Ihr Vater hatte ihr das Schwert gegeben, als sie sich entschieden hatte, eine Frau zu sein - vielleicht war sie das jetzt wirklich.
"Wie lang ... hab ich noch, bis du mich nach Miris ver...heiraten willst?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:47 pm
Irgendwann hatte ihn die Bewusstlosigkeit übermannt und in wirre, nicht enden wollende Träume geworfen, durchzogen von Momenten, in denen er das Gefühl hatte, zu fallen. Seine Arme und Beine gehorchten ihm nicht, ließen sich nicht bewegen und er war dem, was sein Kopf ihm vorsetzte, hilflos ausgeliefert. Irgendwann schließlich hatte er sich so weit aus den Fängen seines Gehirns befreit, dass er die verklebten Augen öffnen konnte. Ein paar Mal fielen sie ihm einfach wieder zu, weil die Welt sich so sehr drehte, dass er nicht glauben konnte, was er sah und dachte, ein neuer Versuch würde es ändern, beim vierten Mal hielt er sie mehr krampfhaft offen und wartete mit zusammengebissenen Zähnen, bis seine Umgebung anhielt und nur noch leicht schwankte. Was auch immer in dem Mittel gewesen war, es wirkte sich auf seinen Kopf mehr aus als den Rest seines Körpers. Fahrig tastete er mit den Fingern zu seiner Schulter hin und zuckte zurück, als ihn dabei heiß glühende Schmerzen durchfuhren, gab aber keinen Laut von sich, weil die Umgebung ungewohnt und fremd war. Er war definitiv nicht in einem Zelt behandelt worden, trotzdem befand er sich jetzt in einem eben solchen. 
Schließlich wurde ihn bewusst, dass jemand mit ihm im Zelt war und konzentrierte sich lieber darauf. Erst nach einem Moment konnte er Elaine identifizieren und wusste, er lebte definitiv noch - das alles hier war ein Alptraum.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 4:51 pm
"Einige Monate," erwiderte Thaleon ruhig und ließ sich noch einmal auf den Stuhl zurück sinken. "Vielleicht sogar ein oder zwei Jahre - zuvorderst müssen wir Sirean einnehmen. Sie sind mit Miris verbündet und würden uns sonst in die Seite fallen. Wenn das erledigt ist, können wir unser Augenmerk nach Miris richten. Dort werden wir einige vielversprechende Kandidaten suchen, die für all das in Frage kommen. Wen wir letztlich unterstützen wird aber nicht zuletzt an dir liegen - du musst ihn schließlich heiraten."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:10 pm
Kira nickte langsam. Zwei Jahre, wenn sie Glück hatte - sie würde siebzehn sein, wenn sie heiraten würde, viel jünger als Ferryn jetzt war. Der Gedanke daran, dass sie sich einen Mann aussuchen musste als würde sie nach einem Pferd suchen, widerte sie an und verzog das Gesicht, aber sie verbiss sich jeden weiteren Laut und nahm stattdessen nur ihren Becher auf, um daraus einen Schluck zu trinken. Miris ... das Land war anders als ihre eigene Heimat, viel zu weit weg von jenen, die ihr am Herzen lagen. Übelkeit griff wieder nach ihr und ließ sie nach dem Tisch greifen, die Hand halb darauf abstützend, weil sich die Welt vor ihren eigenen Augen plötzlich zu drehen begann und schließlich einfach zur Seite kippte. Da waren plötzlich nur noch die Füße ihres Vaters vor ihren Augen und ein umgefallener Stuhl, ein paar dunkle Strähnen ihrer eigenen Haare, die sie an der Nase kitzelten, aber sie schaffte es nicht die Hand zu heben, um sie fort zu streichen. Dann verlor sich alles in Schwärze.

_______________________________

Elaine war nach dem Rascheln aus dem unruhigen Schlaf hochgeschreckt, hatte aber eine ganze Weile gebraucht bis sie sich wieder an das Halbdunkel in dem Zelt hatte gewöhnen können. Die bisherige Nacht war nicht gut gewesen - der Boden war zu kalt gewesen, das Feuer, das sonst wärmte, viel zu warm und sowohl mit als auch ohne Decke hatte sie keinen Schlaf gefunden, hatte auf jedes noch so kleine Geräusch von Devastare gelauscht. Es war Stunden her, dass er sich wieder rührte und hastig, die Decke noch halb um sich gewickelt, weil sie sich nicht rechtzeitig genug daraus hatte befreien können, eilte sie neben ihn, die Hand ausstreckend und die seine umschließend, um ihm zu zeigen, dass es wenigstens jemanden gab, der an seiner Seite war und der ein halbwegs bekanntes Gesicht war.
"Willkommen zurück unter den Lebenden."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:16 pm
Sie mochten sich vielleicht noch nicht so lange kennen, aber in den Wochen, in denen sie nun miteinander unterwegs waren, hatte Devastare Vertrauen zu Elaine gefasst. Ihre Beweggründe waren andere als seine, aber nicht minder schlechter und was sollte er ihr zum Vorwurf machen? Das einzige, was ihn wirklich irritierte war, warum sie das Zelt nicht mit Coreen teilte, denn die andere war freigelassen worden, das hatte er zuvor noch mitbekommen. Warum saß sie hier bei ihm? 
Ihre Finger waren kalt und zitterten und das merkwürdige Gefühl, sie viel besser zu kennen, stieg wieder in ihm auf. Aber warum? Woher? Ihre Lebenswege hatten sich nicht gekreuzt in all der Zeit. 
Den Druck, den er zurück gab, war viel zu sacht, nur ein Schatten dessen, was er ursprünglich gewesen sein sollte. "... war nie weg", erwiderte er trotzdem mit einem schiefen Lächeln.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:19 pm
"Kira!" Thealon sprang auf, schaffte es jedoch nicht mehr rechtzeitig seine Tochter aufzufangen, ehe sie auf dem Boden aufkam. Er ging neben sie in die Knie, hörte ihren leisen Atem und griff nach dem Kelch, roch an diesem und glaubte eine süßliche Note im Abgang zu bemerken. Er stieß die Tür auf und ein einziges Wort drang durch das gesamte Schloss, war womöglich bis ins Flachland zu hören: "HEILER!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:19 pm
Das Gespräch war recht schnell schleppend geworden und Aristeas hatte irgendwann einfach aufgehört zu reden, um der Anderen ein wenig Ruhe zu gönnen, die sie offenbar dringend brauchte. Er selbst legte sich auf den Bauch, konnte er mit seinem lädierten Rücken keine zwei Minuten in dieser Position verharren, ohne dass ihm der Schmerz die Luft aus den Lungen trieb. Als Drache hätte er dieser Verletzungen weitaus schneller verkraftet und wäre vielleicht schon in drei oder vier Tagen wieder genesen, hier jedoch konnte er sich nicht einfach so verwandeln. Zu groß war die Gefahr von diesem Soldatentrupp aufs Korn genommen zu werden, gerade im Prozess der Verwandlung, in dem ein jeder Anfällig für jede Art von Angriff war. Doch nicht die Verletzungen waren es, die ihn am schlafen hinderten. Es waren Fragen, viel zu viele als dass er einfach die Augen schließen konnte. „Weiße“, begann er mitten in der Nacht, von seinem kleinen Schlaflager aus. „Hast du mir die Wahrheit gesagt? Über dieses Land und über die Gefahr die auch mir dadurch bevor steht?“
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:22 pm
Milde lächelnd hob Elaine die freie Hand und schob ihm ein paar der verschwitzten, dunklen Strähnen aus dem Gesicht, den Göttern innerlich dafür dankend, dass sie ihn die Verletzung hatten überleben lassen. "Es war ein paar Mal wirklich knapp", ließ sie ihn wissen, weil er das früher oder später sowieso in Erfahrung gebracht hätte und sacht löste sie ihre Hand aus seinem Griff, um ihm den Arm unter den Kopf zu schieben und ihn soweit aufzurichten, dass er wenigstens einen Schluck aus dem Kelch trinken konnte, der mit klarem Bachwasser neben ihnen stand.
"Vorsichtig. Es ist kalt und du warst eine Weile lang weg."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:26 pm
Ein betagter Mann, dessen Augenringe so tief hingen, dass man meinen müsste sie würden ihm beim laufen behindern, schritt kurze Zeit nach dem Ruf durch eine der großen Flügeltüren. Auf seinem Kopf saß ein alter Hut, der ihn in seinem Heimatland vermutlich als Meister seiner Zunft ausgezeichnet hatte, hier wirkte dieser jedoch nur wie eine kuriose Mode, die man aufgrund des immensen Wissens jedoch akzeptierte. „Ei verbischd a mei, des Mädl is d no so jung“, fluchte der Heiler mit ehrlichem Bedauern und verneigte sich dann vor dem König. „Euer Heilischkeut, isch werd sehn wos isch dun kann, hats denn iwas getrungg wos se sons nisch zu sisch nimmt?“ Er kniete bereits neben ihr, den Zeigefinger an ihrem Hals.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:30 pm
Thealon unterdrückte seine bebende Wut - der Heiler mochte auch ohne Zunge arbeiten können, doch seinem Arbeitseifer würde das sicherlich nicht zuträglich sein. Stattdessen erduldete er im stillen die Marotte dieses mit Zertifikaten bestückten Heinzelmännchens und reichte ihm den Krug. "Das war das letzte, aus dem sie getrunken hat, bevor sie taumelte und stürzte. Das ist keine zehn Minuten her," erklärte er - seine Stimme bebend vor unterdrücktem Zorn auf denjenigen, der all dies zu verantworten hatte. "Wenn ihr sie zu heilen vermögt wiege ich euer Gewicht in Gold auf!"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:31 pm
Es war einfach nur pure Dummheit seinerseits gewesen. Er hätte sich sofort mit Zauberei verteidigen sollen, aber wie es nun einmal so war mit den Menschen - und dazu zählte er sich - manchmal reagierten sie nicht richtig oder nicht schnell genug. Er trug gerade die Konsequenzen seiner Unachtsamkeit und er trug sie nicht gerade mit Würde, aber immerhin konnte er sich davon abhalten, unruhig herum zu rutschen, weil jedes Körperteil in Flammen zu stehen schien.
Er hatte kurz den Versuch machen wollen, sich selbst aufzurichten, es aber schnell bereut und aufgegeben und war entsprechend dankbar für das Wasser, das seine aufgeraute Kehle beruhigte und ihm das Gefühl gab, wieder ein wenig Klarheit zu verspüren. 
Zu gerne hätte er gefragt, ob sein Leben wirklich nur wichtig war, damit sie Kira retten konnte oder ob noch mehr dahinter steckte, aber er verkniff es sich und atmete ein paar Mal tief durch. "Hilf mir auf. Bitte." 

--------

Es dauerte einen Moment, bis sie sich so weit aus dem Schlaf gekämpft hatte, um seine Frage zu verstehen, dann aber rollte sie sich herum und runzelte die Stirn. "Ich habe dich nicht angelogen, Aristeas", begann sie müde und ließ die Stirn auf ihre verschränkten Arme sinken, hinunter in die Finsternis murmelnd. "Die Armee wird kommen. Es werden noch mehr kommen. Ich kann dir nicht sagen, wann und wo wir sie treffen, aber wir müssen alles tun, um sie aufzuhalten. Ob noch in Caria oder zu einem anderen Zeitpunkt kann ich dir nicht sagen. Aber wir alle sind in Gefahr. Das ist das dumme daran, manchmal erkennt man sie nicht."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:36 pm
„Mei Könisch des is zwoa richtisch großzügisch, aber desch is doch einfach mei Bäruf!“ Er roch kurz an dem Becher, hielt ihn einen Augenblick lang gegen das Licht einer flackernden Kerze und leckte zuletzt tollkühn daran. „Nee, desch scheints mir nisch zu sein. Vor ollm würd ihr Herzschn dann viel örger flattrn.“ Er betrachtete kurz ihre Lippen, zog diese ein Stück nach unten und öffnete dann ihre Augen. „Isch hob da ne Idee, aber mei Könisch, isch muss eu vorher als Voter desch Mädelsch sagn, dass ich nix schlimms im Schilde führ.“ Nach einer kurzen Zeit in der Schweigen herrschte, folgte ein: „isch muss euer Töschterlei in den Krankenflugn bring und oaschziehn.“
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:36 pm
Alles in ihr sträubte sich dagegen ihm dabei zu helfen, sich aufzurichten, weil er einfach noch nicht so weit war und seine Verletzungen noch Ruhe brauchten, aber er würde nicht mit sich reden lassen. So müde er auch gerade wirkte, sie würde gegen Wände sprechen, wenn sie es auch nur versuchte und seufzend schob sie ihn Stück für Stück nach oben, einige Kissen zusammenziehend und sie hinter ihm drapierend, damit er nicht einfach wieder nach hinten umfiel. "Besser?", hakte sie nach und wandte sich dann rüber zum Feuer. Sie hatten draußen bestimmt noch etwas Suppe, die sie nehmen konnte - es würde sie ohnehin niemand aufhalten und die wachhabenden Soldaten würden den Teufel tun und ihr widersprechen. "Warte kurz. Ich hol dir etwas zu essen. Tu mir nur bitte den Gefallen und steh nicht auf, noch bist du zu schwach dafür."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:38 pm
Thealon brauchte einen Augenblick um den Dialekt des anderen zu verstehen, ehe er echote: "Ausziehen? Geht das denn nicht hier in ihren Gemächern?" er winkte ab - tut was ihr müsst, aber ich werde mit euch kommen. Solltet ihr auch nur einen Herzschlag lang eure Hand dort haben wo sie nicht gehört seid ihr sie für immer los. Verstanden?" er eilte zur Tür und kommandierte einige Soldaten herein, die mithilfe eines Tuches Kira tragen sollten.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:40 pm
Er respektierte die Offenheit des anderen Drachen und wartete einen Moment, bis er erneut sprach, ließ die Worte erst einen Moment lang sacken. „Weiße, ich glaube ich habe dieses ganze Unterfangen in seiner Struktur unterschätzt. In meiner Vorstellung ging es darum eine Armee dabei zu unterstützen, diese andere, gefährliche Armee zu zerstören. Stattdessen sind wir nun in einem Zeltlager und warten darauf, in das Nest des Feindes zu kommen. Während diese Armee weiter voran rückt und wir tatenlos sind.“
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:41 pm
Niemals hätte er zugegeben, dass er sich beinahe sofort lieber wieder hingelegt hätte, an Aufstehen war also gar nicht zu denken, also nickte er nur und lächelte gezwungen, ehe er hinunter auf seine Fußspitzen sah, um irgendetwas zu haben, was sich nicht bewegte wie das flackernde Feuer, welches ihm Übelkeit bescherte. All das Blut schien ihm vom Kopf hinunter in die Beine zu fließen und seine Adern fühlten sich zum Zerreißen gespannt an, als alles dort ankam, besonders im verletzten Bein. Immerhin erkannte er auch dort keinen Pfeil mehr, nur dicke Bandagen, die verhindern sollten, dass er ausblutete wie ein Schwein beim Schlachten. Er lebte noch, also glaubte er, wer auch immer ihn verbunden hatte, hatte ganz gute Arbeit geleistet. 
Erschöpft ließ er den Kopf gegen die Kissen sinken und ließ seine Gedanken wandern. Zum ersten Mal seit Wochen war er alleine und dummerweise tat ihm das nicht sonderlich gut. Er dachte an Caillean und ob sie noch am Leben war - wo sie vor allem war. Wie es ihr ging ... er vermisste ihre Nähe, vermisste es sogar, stundenlang hinter ihr im Thronsaal zu stehen und Bittsteller um Bittsteller optisch nach Waffen abzusuchen, während er mit halbem Ohr zuhörte, wie sie regierte. Was würde Morys nun dort anrichten? Ekynes genoss den Schutz der Götter nicht mehr, seit Caillean die Grenzen des Landes passiert hatte.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:43 pm
"Und was dachtest du, was wir tun würden? Wir verwandeln uns, fliegen über die feindliche Armee hinweg und ... frieren sie ein und bespucken sie mit Säure?", fragte sie müde, halb muffelig, weil er sie geweckt hatte und nicht gerade in der Stimmung für Nachsicht. "So einfach ist die Welt nicht und jeder hat seine kleine Aufgabe, ist wie ein Zahnrad, das in das andere greift. Wenn wir unsere Aufgabe nicht erfüllen, kommt entweder alles ins Stocken oder es findet sich jemand, der für uns weiter macht."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:44 pm
Er überging die Aussage des Königs einfach und öffnete die in Leder gewickelten Werkzeuge, während er die Männer anwies Kira auf eines der hochgelegten Betten zu legen und sich dann zu entfernen. „Soa, donn schoan wa moal“, er begann, mit allem Respekt den er aufbringen konnte, die junge Frau zu entkleiden und hörte immer wieder auf ihren flachen Atmen. „Isch se in letza Zeid mid nem Tierschn in Kontakgt gekomm?“
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:48 pm
„Was du mir damit also sagen willst ist, dass ich in diesem menschlichen Ränkespiel und Hin und Her von Ehre, Stolz und Macht mitspielen muss, da ich andernfalls nicht meinen Beitrag dazu leisten kann, dass meine Heimat wieder sicher ist?“ Er schnaufte und sog dabei erneut den Geruch von Blut ein. Der verletzte Mensch musste sich gerade gedreht oder zu schnell bewegt haben. „Davon hast du am Anfang nichts erzählt“, sprach er schließlich weiter, doch nicht in einem anklagenden Tonfall. Seine Stimme war vollkommen ruhig und hatte die milde Dämpfung eines, halb im Schlaf versunkenen Mannes.
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:49 pm
Elaine ignorierte die Blicke der Soldaten, die sie passierte, als sie an ihnen vorüber zu dem großen Feuer trat, das immer wieder einer von ihnen schürte, damit sie nicht vollständig im Dunkeln saßen und die Raubtiere abhalten sollten, die es hier überall in den Wäldern gab. Ob sie damit nicht eventuelle Plünderer anlockten, hinterfragte sie nicht, weil es gerade weitaus wichtigeres gab als ein paar weitere Banditen, mit denen die Soldaten hier ohne jeden Zweifel fertig werden würden. Nur kurz entschuldigte sie sich bei einem der Männer, als sie mit dem Fuß gegen die Schüsseln stieß und sie geräuschvoll klapperten, als Holz aneinanderschlug, dann hatte sie sich bereits wieder herum gedreht und füllte eine davon mit ein wenig dünner Suppe. Devastare brauchte etwas im Magen, bevor er wieder schlafen würde - etwas, aus dem sein Körper Kraft für die Bewältigung der Wunden schöpfen konnte.
Ihre Schritte waren leiser und vorsichtiger als sie zurück in das Zelt kehrte und die Erschöpfung in seinem Gesicht sehen konnte. Langsam ließ sie sich auf die Kante des aufgestellten Bettes sinken, seine Hand sacht berührend. "Du musst etwas essen", bat sie leise. "Danach kannst du wieder schlafen."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:50 pm
"Vielleicht wollte ich di - niemanden meiner Art einfach ins offene Messer rennen lassen", erwiderte Coreen und wandte den Kopf zu Aristeas hin, ihn im Dunkel musternd oder das, was sie von ihm sah. Seine Silhouette, die sich deutlich von der erleuchteten Zeltwand abhob, weil nahe dahinter ein Feuer brannte. "Wenn du nicht möchtest, dann verstehe ich das. Aber bitte akzeptiere, dass ich es versuchen musste."
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:50 pm
"Sicherlich - sie reitet und in letzter Zeit war sie auch in der Küche unterwegs. Dort gibt es Katzen, manchmal auch eine Ratte. Ansonsten... viel Stroh - sie hat letzte Woche im Stroh gelegen..." zählte er dem alten Mann auf, während er den Kopf schräg legte. "Wieso, was hat sie?"
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Re: Kapitel 4.

am So Jan 14, 2018 5:55 pm
Lange sah Devastare nur auf die hölzerne Schale hinab, von der aus es dampfte und einigermaßen verführerisch roch. Er hatte Hunger, das war es nicht, aber erneut fragte er sich, wo Caillean war. Hatte sie zu Essen? Sorgte Foster für sie oder waren sie längst von Morys Männern eingeholt worden und alles war umsonst gewesen? Der Gedanke schmerzte weit mehr als die Verletzungen und er verstaute ihn dort, wo er hingehörte: weit hinten in seinem Kopf, wo er vorsichtig klopfen musste, um gehört zu werden. 
"Danke", antwortete er schließlich leise, bettete die Schale in der Hand, die zur verletzten Schulter gehörte und nahm mit der anderen den Löffel. So weit kam es noch, dass er sich hier füttern lassen musste. Das war nicht die erste Verletzung, die er sich zugezogen hatte, wohl aber der erste Pfeil, der ihn durchbohrt hatte. "Dir geht es gut ...?"
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Re: Kapitel 4.

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