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Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 10:51 pm
"Mh", machte Kira einen Laut zwischen Zustimmung und Überlegung und seufzte dann schließlich, weil ihr eine Frage wirklich unter den Nägeln brannte und sie die Antwort unbedingt wissen musste. Sie musste wissen, ob sie mit ihm offen umgehen konnte oder nicht - ob sie ihm von Ferryn erzählen konnte oder nicht. "Hat sie dir die Wahrheit erzählt?", fragte sie als sie die Zimmer erreicht hatten, in denen er jetzt leben würde und sie die Tür hinter ihnen beiden schloss. Vielleicht würde sie später einfach Ferryn aus den Küchen hierher holen können, damit auch sie ihren großen Bruder kennen lernen würde - es war ihr gutes Recht. Es war nur wichtig festzustellen, ob ihr Bruder vertrauenswürdig war - ob er den Mund über die andere halten konnte. "Also die richtige Wahrheit oder die, die Vater uns glauben lassen will? Weißt du es?"

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Es ging durchaus darum, was er getan hatte. Ob er die Seele ihrer beider Tochter dafür verkauft hatte, um sie vor dem Tod zu retten oder nicht, aber sie hatte keine andere Wahl als dieses Gesprächsthema einfach unter den Tisch fallen zu lassen, als er die nächste Forderung stellte. "Er war Gardist in Ekynes", begann sie, auch wenn es ihr lieber gewesen wäre, wenn sie darüber einfach geschwiegen hätte. "Er wurde im Kampf unterrichtet und hat eine gute Ausbildung genossen. Er kennt die Regeln und Gepflogenheiten der unterschiedlichen Reiche und die wichtigen Würdenträger. Er ist ein schwieriger Patient, der zu Wutanfällen neigt und er kennt die Wahrheit über seine Herkunft."
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Re: Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 10:54 pm
"Die Wahrheit?", hakte er leise nach, etwas überrascht von ihrer plötzlichen Hektik. Gut, hier musste er sich nun vorsichtig heran tasten. "Elaine ist ... unsere Mutter. Ja. Ich weiß es."
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Re: Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 10:54 pm
Thealon schnaubte, nickte dann aber und nahm einen Schluck aus seinem Kelch, ehe er mit der behandschuhten Hand Elaine einen Kelch reichte. "Gardist?" echote er leise und biss die Zähne zusammen. Sie hatten ihn also mit den Vorstellungen von Ekynes vergiftet. Das würde mehr arbeit bedeuten, als er befürchtet hatte. "Sonst noch etwas das ich wissen sollte? Oder war der Glaube an die Erhabenheit von Ekynes das Einzige, was die Königin und ihr vermaledeiter Zauberer ihm einflößen konnten?"
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Re: Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 11:01 pm
Kira atmete erleichtert auf und schob sich ein paar dunkle Strähnen aus dem Gesicht, bevor sie die Röcke raffte und sich dann an einen der Tische sinken ließ. "Du sagst es doch keinem, oder?", fragte sie dann hoffnungsvoll hinauf zu dem Älteren. "Zumindest bei dir darf das keiner wissen und niemand darf wissen, dass ich davon weiß. Vater wäre wütend darüber und er würde wissen wollen, woher ich es weiß und damit würden noch viel mehr Leute in dieses ganze Familienchaos hineingerissen werden, die das nicht verdient haben. Wir kennen uns noch nicht lang, ich weiß und du hast keinen Grund mir wirklich zu vertrauen, davon einmal abgesehen, dass ich deine kleine Schwester bin, aber bitte. Behalte es für dich."

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"Er ist nicht freiwillig hierher gekommen", begann Elaine das abzugrasen, wovon sie bislang Kenntnis gehabt hatte. Es war eine Menge und vieles davon wollte sie einfach für sich behalten, vermochte es jedoch nicht. "Wir haben auf der Reise einige Gefährten verloren. Er sorgt sich noch immer um ihren Verbleib. Er ist ein guter Mensch, dem es wichtig ist, was mit den Menschen in seiner Umgebung ist und der nicht allzu viel von Lügen und Halbwahrheiten hält, aber er ist ein Starrkopf, der eine ganze Weile braucht um eine andere Meinung gelten zu lassen."
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Re: Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 11:03 pm
Devastare ließ sich ihr langsam gegenüber sinken und griff nach ihren Fingern, die unruhig auf dem Tisch herum klopften. "Kira", mahnte er sie sanft, die Stimme immer noch leise. "Ich verrate es niemandem - und ich verrate auch dich nicht. Wir mögen uns kaum kennen, aber ich halte meine Versprechen. Von mir erfährt er es nicht."
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Re: Kapitel 5

am Mo Jan 15, 2018 11:05 pm
"Werde ich ihn brechen müssen oder gibt es eine Chance, dass er sein Erbe anerkennt?" fragte er leise und ließ den Wein im Kelch kreisen, während er lange darüber nachdachte, das die Ankunft von Devastare für die Zukunft seines Landes bedeutete. Elaine hatte ihn seines Sohnes beraubt - des prophezeihten Erben, der Ekynes vernichten sollte. Sie hatte ihn an den Feind ausgeliefert, der nicht einmal den Anstand gehabt hatte ihn umzubringen, sondern ihn stattdessen mit ihren Ideologien zu vergiften. Nun stand vor ihm ein anderer Mann - jemand, dessen Herz im schlimmsten Fall noch immer für Ekynes schlug. Wenngleich Elaine ihm auch Devastare gebracht hatte, so hatte er den Jungen vielleicht bereits jetzt ein zweites Mal verloren und würde es erst viel später bemerken. Ein Gedanke der ein seltsames, unangenehmes Gefühl in seinem Inneren auslöste.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:06 pm
Vielleicht sollte sie Ferryn erst nach ihrer Erlaubnis fragen, bevor sie damit begann den Älteren mit Neuigkeiten von ihrer Familie zu bombardieren und damit vielleicht noch die ältere Schwester verlor. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, endlich mit noch jemandem über die Wahrheit sprechen zu können und ihm ein wenig Zeit zum Ankommen zu lassen, nickte Kira schließlich und drückte sacht seine Hand. "Danke", sagte sie und meinte es ehrlich, während sich langsam ein Lächeln auf ihren Zügen ausbreitete. "Ich sollte dir wohl ein bisschen Zeit geben vor dem Essen, oder? Du wirst sicher baden und dich umziehen wollen."

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"Er kennt die Wahrheit und will nie wieder mit mir sprechen, sofern es sich vermeiden lässt. Es gibt durchaus die Chance darauf, dass er sein Erbe anerkennt und die Krone nimmt", antwortete Elaine und für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein bitteres Lächeln über ihre Züge. Die Tage der Reise waren schwierig gewesen, sie hatten nicht mehr miteinander gesprochen als unbedingt notwendig gewesen war, die Behandlung hatte wieder ein anderer übernommen und sie hatte Mühe damit gehabt, die Gesprächsversuche der anderen immer wieder aufs Neue abzublocken. Ihr war nicht nach reden zumute gewesen, selbst jetzt noch wünschte sie sich nichts mehr als zurück in ihre Zimmer gehen zu können, um sich dort zu erholen und allein zu sein. Ein klein wenig Privatsphäre, bevor die Realität sie wieder einholen würde. "Brauchst du mich noch oder kann ich gehen?"
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:09 pm
"Ich werde mit ihm reden Elaine - er wird dir verzeihen, so wie ich dir verziehen habe," erklärte Thealon und schenkte ihr ein knappes Lächeln. "Du bist seine Mutter und er wird lernen, dass wir alle nur das tun, von dem wir glauben, dass es das richtige wäre. Und er wird lernen, dass du den damaligen Fehler sehr bereust" er schnaubte knapp, wenn auch kaum hörbar, ehe er mit seiner behandschuhten Hand abwinkte. "Du kannst gehen. Ich werde morgen wieder nach dir schicken lassen. In deinen Gemächern wurde alles hergerichtet und die Diener sind angewiesen dir jeden Wunsch nach dieser langen Reise zu erfüllen."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:19 pm
Thealon saß am Kopf der langen Tafel, die zum Bersten gefüllt worden war mit teuren Speisen. Mit Wild-, sowie dutzenden Soßen die zu den verschiedenen Kartoffelsorten passten. Kira hatte sich ein neues Kleid angezogen, dass ihre Weiblichkeit in einem Maße betonte, der kurz davor stand unschicklich zu wirken. Der König hatte es wortlos hingenommen und ihr die Weinkaraffe gegeben. Zwei Schlucke dauerte es, ehe er das Wort erhob. "Was hälst du von deinem Bruder?"
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:21 pm
"Das ist ... nett von dir", gab Devastare leise zurück und musterte ihr Gesicht. Ihre Züge waren ein wenig weicher als die von Elaine. "Wir sehen uns unten." Und dann verschwand sie, der Wirbelwind der sie war, um sich selbst scheinbar noch ordentlich her zu richten und er war zum ersten Mal seit Ewigkeiten alleine. Wie viele Augen und Ohren die Wände haben mochten war ihm egal und auch das dampfende Bad im Nebenzimmer, das er durch die offene Tür sehen konnte, ignorierte er für einen Moment, als all die Schwere sich auf seine Schultern senkte und er die Arme auf den Tisch sinken ließ, ehe sein Kopf folgte. Schmerzhaft zog die Pfeilwunde, viel weniger als noch am Anfang, doch immer noch deutlich genug, um ihn daran zu erinnern. Es war ihm wirklich willkommen, war es doch die einzige körperliche Reaktion, die ihn davon ablenkte, wie sehr sein Herz weh tat. Es war albern und er wusste es - als Gardist hatten Caillean und er keine Zukunft gehabt, aber ihr Leben war geordnet genug gewesen für die Nähe, die zwischen ihnen war. Die Ungewissheit brachte ihn schier um und all die Heimlichtuerei in Winterbroke machte es ihm nicht leicht. Er hatte schon vor Wochen Elaine um Verzeihung bitten wollen, aber er konnte es nicht. 
Seine Hände ballten sich zu Fäusten, die Knöchel traten weiß hervor und er biss hart die Zähne aufeinander und starrte in die Dunkelheit zwischen seinen Armen, hinunter auf eine polierte Holzplatte. Er konnte es nicht. 

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"Aristeas", mahnte Coreen zum wiederholten Male, weil der andere unruhig auf und ab lief, wie ein gefangenes Tier und obwohl sie es ihm gleich tun wollte, saß sie auf der Bettkante des Gästegemachs und beobachtete ihn, wie er energisch hin und her pirschte. Als er immer noch nicht reagierte oder gar damit aufhören wollte, stand sie auf und griff nach seinem Arm. Die Berührung war nicht sanft, eher grob, aber sie stoppte ihn immerhin. "Ich muss nachdenken und du machst mich nervös!"

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"... Elaine?" Ferryn hatte die Stimme so weit gesenkt, wie es ihr nur möglich war, als sie den Geheimgang nutzte, um in das Gemach der anderen zu gelangen und ihre Knie schlotterten. Sie hatte noch nie - niemals in ihrem ganzen Leben - einen Fuß hier hinein gesetzt und schon gleich dreimal nicht mit ihrer Mutter gesprochen. Es war verboten. Sie konnte alle in große Gefahr bringen, aber was sie erfahren hatte, duldete keinen Aufschub und schon gleich gar nicht, weil sie Angst vor der Reaktion hatte.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:26 pm
Er sah den Drachen im ersten Moment nur finster an und spürte bereits wie er zu einem Angriff ansetzen wollte, jedoch hinderte der inzwischen bekannte Anblick von Coreens Gesicht eben diese Reaktion. Er schnaufte kurz und lehnte sich dann lediglich gegen die Wand. „Wir sitzen hier und warten. Worauf warten wir? Dieser Mann, dieser kleine Mensch hat uns einfach nur abschätzig angesehen und uns in dieses kleine Zimmer hier verbannt. Es war doch euer Plan euren Freund hierher zu bringen und Elaine dabei zu helfen, ihre Tochter zu retten, oder? Wie sollen wir denn irgendetwas davon von hier aus tun?“ Sein Kiefer bewegte sich nervös vor und zurück, ehe er sich keine zwei Minuten wieder von der Wand abstieß. „Mir reicht das. Wir müssen etwas tun. Lass ihn uns umbringen Coreen.“
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:28 pm
"Das können wir nicht so einfach - viele Leben hängen davon ab. Unschuldige. Menschen, die mir etwas bedeuten. Wenn wir ihn einfach nur umbringen, dann wird uns das keine Hilfe sein, seine Truppen unter Kontrolle zu bringen. Aber ..." Sie sah Aristeas eine Weile lang an, ungläubig fast, weil er sie bei ihrem Namen genannt hatte - einfach so, ohne, dass sie ihn bedrohen musste, es zu tun. "Aber" - sie fing sich wieder - "wir können hier nicht sehr lange bleiben. Er ahnt etwas und sein BLick ... er traut uns nicht. Würde ich auch nicht, aber nun gut."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:29 pm
"Er ist nett", antwortete Kira verhaltener als es sonst für sie üblich war und trank einem Schluck aus ihrem Glas, über den Rand hinweg das Gesicht ihres Vaters noch einmal musternd. "Er scheint ein anständiger Mann zu sein, dem Aufrichtigkeit wichtig ist und der viel für diejenigen tut, die ihm wichtig sind. Ich mag ihn", führte sie ihre erste Einschätzung aus, weil sie fürchtete, dass ihr Vater sich wohl kaum mit diesen drei einfachen Worten zufrieden geben würde. Devastare war vielleicht nicht hart genug für das Land hier, für das, was sie eigentlich darstellten, aber sie mochte ihn dafür, dass er hierher vielleicht ein wenig frischen Wind bringen würde. Frischen Wind, der ihren Vater soweit beschäftigen würde, dass sie nicht mehr fürchten musste, ständig hinter den nächsten Ecke auf ihn zu treffen, weil er sie nicht aus den Augen ließ seit dem Zwischenfall mit der Verletzung.
"Aber es ist doch viel wichtiger, was du von ihm hältst als ich."

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Überrascht hatte sich Elaine umgewandt als die fremde Stimme erklang und war im ersten Moment von der Erscheinung der jungen Frau so erschrocken, dass sie zwei Schritte zurück wankte. Das Mädchen dort vor ihr musste nicht älter als Anfang zwanzig sein und für eine Sekunde lang hatte sie geglaubt, sie würde dort in ihr eigenes Spiegelbild blicken, das man in die einfachen Gewänder einer Bediensteten gesteckt hatte. Sie war ihr noch nie begegnet, das zumindest konnte Elaine mit Sicherheit sagen, was den Schrecken über die Erscheinung nicht gerade verkleinerte und eine ganze Weile lang suchte sie nach Worten, die ihr immer wieder aufs Neue entschlüpften, bevor sie sie formen konnte. Schlussendlich war es nur eine einzige Frage, die ihr über die Lippen kam - heiser, kaum mehr als ein Flüstern. "... wer bist du ...?"
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:31 pm
„Also bringen wir ihn doch um“, schlussfolgerte Aristeas, dessen Blut allmählich in Wallung kam, angeheizt von dem Feind, dem sie gegenüberstanden und der auf sie herabsah. „Wenn wir ihnen zeigen dass wir stärker und tollkühner sind als er, wird man uns folgen. Oder deinem Freund, mir soll es gleich sein. Ist es nicht das wovon der Ritter geredet hat? Sein Schicksal erfüllen? Mut beweisen? Die Menschen schätzen doch Mut, dass habe ich in den letzten Wochen fortwährend gehört.“
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:32 pm
"Wer ich bin, tut nichts zur Sache. Sag mir - sagt mir, Elaine - Kira ... ich mache mir Sorgen um sie. Ich bin eine Freundin." Ferryn war die Verblüffung nicht entgangen, aber was sollte sie sagen? 'Hallo Mutter, ich bin deine Tochter?' - Schön doof.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:34 pm
"Sie schätzen es aber nicht, wenn Fremde ihren König einfach so ermorden, ob es nun ein guter ist oder nicht. Glaub mir, ich diene lange genug im Heer, um das zu wissen. Keiner ist sorglos, wenn ein neuer König an die Macht kommt und noch möchte ich das Devastare ersparen. Er hat genug anderes im Kopf. Wir bringen ihn nicht um. Er wird schwer bewacht und wir sind nur zu zweit und werden ebenso bewacht. Er ist ein schlaues, kleines Kerlchen, dieser Thealon. Es würde mich wundern, wenn wir diese Gänge ohne Aufsicht verlassen könnten. Wir müssen anders helfen ..."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:35 pm
"Du musst länger mit ihm auskommen als ich," erwiderte Thealon nur und nippte erneut an seinem Wein, während sein Blick in die leere wanderte. "Er hat als Gardist die Königin von Ekynes bewacht - er hätte sein Leben für das Feindesland gegeben. Ich glaube, dass er ein guter Anführer ist - allerdings macht es mir sorgen, dass sein Denken gänzlich anders ist als das unsere. Dinge, die wir als notwendig ansehen wird er für Grausam halten und er scheint ein furchtbarer Sturkopf zu sein, was die Sache nicht einfacher macht..." er stieß ein tiefes Seufzen aus.
"Sag, ähnelt er mir?"
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:37 pm
„Nun wenn wir ihn nicht töten können, haben wir doch nur zwei Möglichkeiten“, redete Aristeas weiter und lief weiter auf und ab, irritiert von dem Buntglasfenster in welchem sich die dämmrige Sonne brillant und in hunderten von Farben brach. Fasziniert davon hielt er einen Augenblick inne, hatte er bisher doch nie ein derartiges Farbspektrum gesehen. Vor allem nicht in einer solch geballten Masse. „Nun“, begann er erneut. „Wir können entweder die Leute in diesem Land gegen ihn aufwiegeln, oder wir kehren mit einer eigenen Armee zurück. Oder übersehe ich eine menschliche Möglichkeit?“
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:39 pm
"Wir könnten Caillean suchen - meine Königin. Und Karsh, den Magier von Ekynes", gab sie leise zur Erwiderung und folgte seinem Blick, während die Sonne Farben auf ihr Gesicht malte.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:39 pm
„Und SIE sollen dann den feindlichen König töten?“ Hakte Aristeas sichtlich verwirrt nach.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:41 pm
Wer sie war tat durchaus etwas zur Sache und sie wurde das Gefühl nicht los, dass es eines der Dinge war, die nicht wichtiger hätten sein können. Dieses junge Ding dort vor ihr war ihr so ähnlich, die Art und Weise wie sie die unliebsame Frage einfach bei Seite wischte, als habe sie nicht einmal existiert. Ihr Herz setzte für ein paar Schläge aus, als ihr Verstand von selbst auf die Reise ging und sich leise Hoffnungen in ihr zu regen begannen. Ihre Tochter ... das kleine Mädchen, das sie verloren hatte ... sie wäre jetzt in etwa in demselben Alter wie das Mädchen, das dort vor ihr stand. Dutzende Male hatte sie sich ausgemalt, wie sie jetzt aussehen mochte, wenn sie überlebt hätte - wie ihre Stimme sich anhören würde und wie es gewesen wäre, wenn sie sie nicht verloren hätte. Elaine ertappte ihre Finger beim Zittern, denselben Schmerz in ihrer Brust, den sie jedes Mal bei dem Gedanken an das Mädchen hatte, das man ihr genommen hatte. Denselben stechenden Schmerz, der ihr jedes Mal aufs Neue den Atem nahm.
Betont langsam ließ sie sich auf einen Stuhl sinken, die Hände bewusst im Schoß zusammenlegend, um ihr nicht zu zeigen, wie sehr dieses Treffen sie durcheinander gebracht hatte. Noch einmal schluckte sie, kämpfte um Selbstbeherrschung und schloss für einen kurzen Moment die Augen, um sich noch einmal zu sammeln. "Setz dich. Bitte", bat sie die Jüngere in der Hoffnung damit noch ein wenig mehr Zeit zu schinden. "Was ... ist passiert?"

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"Naja", lachte Kira leise. "Er ist bedeutend jünger als du und sieht dazu noch wesentlich besser aus", führte sie ihre Erklärung aus und schnappte sich mit einer Hand ein kleines Stück Brot, weil ihr Magen bereits knurrte und sie das Warten auf ihren älteren Bruder schon leid war - gerade im Angesicht der dutzenden von Speisen, die ihr Vater hier hatte auftischen lassen.
"Außerdem bin ich nicht der Meinung, dass etwas anderes zu denken ihn automatisch zu einem schlechten Menschen macht. Nicht jeder muss eine direkte Kopie von dir sein, Vater."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:41 pm
"Erst mal muss sie ihr eigenes Reich retten - die Blutlinie ihrer Familie ist mit einem Versprechen des Schutzes an Ekynes gebunden. Jeder Tag, den sie nicht dort ist, verfällt das Land mehr und mehr. Dürren, Aufstände ... das alles geht tiefer als nur ein simpler Mord."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:46 pm
"Wohl nicht," stellte Thealon fest und tippte mit seinen Fingern auf seinem Teller. Devastare verspätete sich - ein Charakterzug, den er dem anderen noch austreiben würde. "Ich behaupte ja auch gar nicht, dass ich der Weisheit letzten Schluss besitzen würde Kira. Aber so sehr es mich auch freut, dass wir deinen Bruder wieder in den Arm der Familie schließen können, so bin ich doch kein vertrauenswürdiger Narr. Wir müssen herausfinden, ob sein Herz noch für Ekynes schlägt. Sollte dem so sein, müssen wir ihm die Essenz Carias mit einem eisernen Pfeil ins Herz rammen."
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:46 pm
Nur zögerlich ließ sie sich auf die teuren Möbelstücke sinken. Das hätte ihre Welt sein können - war es aber nicht. Sie war das Mehl überall gewohnt und Bedelia, die Anweisungen rief und das Treiben und Wuseln in den Räumen der Bediensteten. Nicht die erdrückende Stille hier oben. "König Thealon und Kira hatten eine Unterredung - es war Zufall, dass ich sie gehört habe. Kira war noch im Turm eingeschlossen und ich habe ihr Gesellschaft geleistet. Manchmal - also ... na ja. Ich bin nur eine Küchenmagd, eigentlich sollte ich gar nicht dort sein, aber ich kenne all die Gänge und wir haben uns draußen angefreundet, wenn sie trainiert hat. Jedenfalls hing ich an der Leiter, die nach unten führte und konnte kein Geräusch machen und Thea- König Thealon - beschwor sie, dass er Devastare nur brauchte, um die Krone hier zu halten, sie aber Miris und all die anderen Länder regieren würde ..." Sie erzählte rasch und wie ein Wasserfall davon, was alles noch geschehen war, dann klappte sie ruckartig den Mund zu und nagte an ihrer Unterlippe. Sie war ihrer Mutter so nah und doch ... konnte sie es nicht sagen, weil es wichtigere Dinge gab.
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Re: Kapitel 5

am Di Jan 16, 2018 8:47 pm
„Aber wir sind doch hierher gereist damit wir gegen die Armee und den König vorgehen können“, sinnierte Aristeas und zog die Augenbrauen ein Stück zusammen. „Und jetzt wo wir hier sind soll unser Plan sein, wieder von hier fort zu reisen, damit wir nicht dieses Land bekämpfen, sondern erst ein anderes retten können?“
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