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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:30 pm
"Und sowohl Caria als auch Ekynes sollen diese Zukunft erhalten Devastare - wenn du, als mein Sohn, bereit bist mit mir zusammen zu arbeiten. Ich habe kein Interesse daran, dass Ekynes unter dem Einfluss von Moyrs untergeht. Das mag dich verwundern, aber wie ich dir bereits sagte - mein Ziel ist es diese ewigen Feindschaft ein für alle Mal zu beenden. Soll Ekynes seine Königin behalten, ich gebe ihnen nur den passenden König und das ist der beste Pakt, den sie eingehen können."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:33 pm
Wenn er das also sagte. Devastare lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und tippte mit dem Finger auf den Tisch. "Du gibst ihnen den König, mit dem du alle Fäden in der Hand behältst", sagte er schließlich und zuckte dann die Schultern. "Soll mir Recht sein."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:44 pm
Thealon betrachtete Devastare eine ganze Weile und sein Blick verdüsterte sich. Der Kleine hatte weder Respekt, noch war er auch nur im entferntesten dazu bereit sich wirklich mit all dem auseinander zu setzen. Er führte sich auf wie ein bockiges Kind und Thealon war enttäuscht, dass dieses zu groß gewachsene Kind sein Sohn war. Er hätte mit einem Mann leben können, der Ekynes bis aufs Blut verteidigte. Der versuchte aufzubegehren - aber dieser Mann hier vor ihm? Er versuchte so zu tun, als sei es ihm egal oder als würde er sich den Wünschen seines Vaters unterwerfen, ohne sich auch nur im geringsten dafür zu interessieren. Seine letzte Chance war, dass er im Feuer der Schlacht auftaute und dass das Morden sein Blut in Wallung brachte. "Ich hatte mehr erwartet," erklärte er stattdessen nur und stand auf. "Wenn du bereit bist für etwas einzustehen, dann kannst du mich gerne wieder aufsuchen."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:52 pm
"Du hattest mehr erwartet?", kam es überraschend und leise von Devastare, als Thealon an der Tür angekommen war, während er selbst aufstand. Seine Stimme war gerade laut genug, um die Stille scharf zu durchschneiden. "Du hattest absolut nichts mit meiner Erziehung zu tun - also urteile nicht über mich, als würdest du mich kennen, Vater. Du weißt nichts über mich. Nicht, wer ich bin, außer dein Sohn, nicht, was mir etwas bedeutet - du stellst dich hier hin und versuchst mit Schein und Hohn irgendetwas zu erhalten, was dir gefällt, versuchst, mich in Schubladen zu stecken, die du in einem Kopf hast. Du lügst mich an, ruderst dann zurück und glaubst wirklich, das würde mir irgendeinen Respekt einflößen? Sieh mich als Fehler - sieh mich, als was du willst, aber verschließe nicht in deinem Hochmut die Augen vor dem, was wirklich ist."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:55 pm
Thealon hielt mit einer Hand an der Tür inne und wandte sich halb über seine Schulter um. "Da ist ja doch ein Mann hinter dieser Wand aus Trotz," stellte er leise fest und vollendete die Umdrehung, breitete beide Arme aus. "In Ordnung, Sohn", er spie das Wort beinahe aus. "Dann erzähl mir von dir - sag mir was du willst" er schnaubte knapp.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 8:59 pm
"Ist das alles, was du kannst? Fordern? 'Komm hierher' - 'Sag mir, wer du bist' - 'Du wirst mitkommen'. Warum bin ich wirklich hier? Was willst du von mir? Es ist doch nicht so, als hättest du keine Erbin gehabt?!"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:02 pm
Der Hals seines Rappen bewegte sich in einem beständigen Takt auf und ab. Die Satteltaschen an den Flanken des Pferdes, beide mit Gurten fixiert, kappen nur hier und da ein leises Klappern und Klimpern von sich, immer dann, wenn zwei der kleinen Silberschnallen aufeinander schlugen. Beinahe hatte er vergessen wie einladend die Ausläufer der Stadt für einen schnellen Galopp waren, da man, gerade spät in der Nacht, nicht befürchten musste jemanden umzureiten und diesem damit sämtliche Knochen zu brechen. Die frische Luft tat ihm nach all der Zeit gut, erinnerte ihn an längst vergangene Jahre und ließ ihn schmunzeln. Mit einer stummen Aufforderung trieb er sein Pferd noch weiter an, bis er schließlich kurz vor den äußeren Mauern der Burg zum stehen kam. Die Wachen dort erkannten ihn recht schnell, sodass er nicht einmal aus dem Sattel steigen musste um sich vorzustellen. Man grüßte ihn hier und da und jedes einzelne Wort erwiderte Adair mit der gleichen Freundlichkeit. Zu dieser gesellte sich jedoch zusätzlich noch Überraschung, als er absaß, seinen Rappen in die Stallung führte und dort das altbekannte Gesicht einer jungen Frau sah, mit der er sich gut ein Jahrzehnt lang regelmäßig geschlagen und geprügelt hatte. Das schönste Jahrzehnt seines Lebens. „Finnja“, lachte der Earl, band sein Pferd provisorisch an einen nahestehenden Pflock und ging lachend auf die andere zu, die arme in der breiten Montur ausbreiten. Auf seiner Brust prangte ein gefüttertes Wappen seines Hauses, darunter ein dichtes Kettenhemd und ein Gambeson, welcher an den Handgelenken und an seinem Hals hervor lugte. „Trifft mal dich hier auch endlich mach wieder an?“
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:08 pm
Finnja hob den Kopf, als das Hufgetrappel erklang und hatte eine Hand bereits zum Schwert an ihrer Seite geführt, um im Notfall sofort reagieren zu können - zumindest solange bis sie das alt gewordene Gesicht des einstigen Freundes dort auf dem schwarzen Pferd entdecken konnte. "Bei allen Göttern", begann sie und umarmte den anderen, ihm auf den Rücken klopfend bevor sie sich wieder von ihm löste und die Hände an seinen Schultern haltend. "Mein Freund, dir scheint es ganz gut gegangen zu sein. Du bist alt und dick geworden." Adair und sie waren einst gemeinsam ausgebildet worden, hatten in demselben Dreck gelegen und sich die Köpfe eingeschlagen, dann hatte er entschieden, dass sein Land ihn brauchte - gerade in Anbetracht der Dutzenden von Flüchtlingen, die seit Jahren aus Miris zu ihnen rüberkamen und war gegangen, während sie weiter am Schloss geblieben war.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:09 pm
"Fordern?" echote Thealon und bleckte die Zähne. "Ich bin der König dieses Landes - natürlich fordere ich!" er schüttelte beinahe ungläubig den Kopf. "Und wieso du hier bist Devastare? Weil du mein Sohn bist. Mein Erstgeborenen - ein Kind, dass mir genommen wurde. Glaubst du, ich bin so bar jeder Menschlichkeit, dass du nicht einmal auf den Gedanken kommst, das ich meinen Sohn wieder haben wollte? Und was ich will? Ich will mein Vermächtnis mit dir teilen - zusammen mit dir etwas erreichen. Dich an meiner Seite wissen! Du verfluchter Narr! Glaubst du, ich riskiere das Leben guter Männer, breche beinahe einen Krieg vom Zaun und schleppe dich durch die ganze Welt, wenn ich dich einfach nur ignorieren wollte?" er schüttelte voller Unglaube den Kopf. "Und natürlich bist du nicht zuletzt der Schlüssel zu Ekynes - aber auch das habe ich dir zu keinem Zeitpunkt verschwiegen!"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:18 pm
„Und du wiederum siehst immer noch aus wie die junge Frau, die sich zuerst du Haare zurückbindet damit sie beim prügeln nicht weiter stören“, antwortete Adair und schloss sie erneut in den Arm und hob sie dieses mal aufgrund ihres erstaunlich leichten Gewichts vom Boden. „Eigentlich hätte ich mir denken können das ich dich, wenn ich dich suchen wollte, als erstes in den Ställen suchen müsste. Alternativ vielleicht noch in der Schenke kurz vor den Burgtoren oder der Waffenkammer.“ Er machte ein paar Schritte zur Seite und legte seinem Rappen nun nach und nach das Geschirr und den Sattel ab. Zum einen da kein Stallknecht um die Zeit auf war, zum anderen weil er es selbst ganz gern hatte, wenn er noch dazu kam sein eigenes Tier zu versorgen und unterzubringen. „Wie ist es dir ergangen?“
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:20 pm
"Du lachst, dahin war ich gerade auf dem Weg", lachte Finnja und schlug dem anderen gegen den Oberarm. Er war gut genug gepolstert, um ihre Schläge zu überstehen und selbst, wenn die Zeit auf seinem eigenen Landsitz ihn weich hatte werden lassen, sie hatte hier kein Mitleid mit ihm. Warum er hier war, wusste sie noch nicht, aber das ließ sich hier schlecht besprechen, vor allem nicht in der eisigen Luft hier mitten im Innenhof des Schlosses. "Wie siehts aus? Begleitest du mich runter zur Schenke, wir besorgen uns was zu trinken und reden bis wir betrunken sind?"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:21 pm
Zuallererst, wollte Thealon wohl sagen, doch Devastare verkniff sich die Korrektur und starrte weiter in die selben Augen, die auch ihm zu eigen waren - nur hoffte er, dass seine niemals so ohne jegliches Gefühl blicken würden, wenn er seinem Sohn offenbarte, dass er ihn kennen lernen wollte und das seine Hauptmotivation war. Er, Devastare, konnte ihm gefährlich werden und das wussten sie beide. Was er nicht wusste war, dass die Blutlinie der Feen auch ihm ein Geschenk außer seiner Geburt gemacht hatte. Er würde es weiterhin geheim halten, sich als normaler Mensch ausgeben und Elaine bitten müssen, ihn zu unterrichten. Oder es selbst lernen. 
"Vielleicht haben wir uns auf dem falschen Fuß erwischt. Selbstverständlich bin ich nicht glücklich über die Art, wie man mich aus meinem Leben gerissen hat, das wirst du wohl verstehen."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:25 pm
"Natürlich verstehe ich das! Verflucht, ich war geradezu enttäuscht von dir, dass du all das anstandslos über dich hast ergehen lassen! Irgendetwas von mir, so dachte ich, muss ich doch an dich weiter gegeben haben. Hättest du mich angegriffen im Thronsaal - hättest du nach dem Schwert einer meiner Wachen gegriffen und versucht mein Leben hier und jetzt zu beenden, ich wäre stolz gewesen. Verständlicherweise hätte ich dich so sehr zusammen schlagen müssen, dass deine eigene Mutter dich nicht mehr erkannt hätte, aber es hätte mir bewiesen, dass du Biss hast. Ich verlange nicht von dir, dass du freudestrahlend dein altes Leben aufgibst und mir den Bauch präsentierst. Nur arbeite mit mir - hört dir an was ich zu sagen habe. Lerne dieses Land und seine Leute kennen."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:26 pm
„Klingt gut“, stimmte Adair mit ein und lief kurz darauf neben Finnja her, die Rüstung die er noch am Leib trug schlichtweg ignorierend. Er hatte bereits den ganzen Tag darin verbracht und inzwischen waren, sowohl Gambeson wie auch Kettenhemd derart eingetragen, dass es weder Probleme beim sitzen, noch beim rennen, reiten, knien, springen oder gar essen machte. „Verdammt, die steht noch? Ich hab es in der Dunkelheit kaum erkennen können, aber … ja, Tatsache, dass ist sie!“ Auch beim eintreten schlug ihm dieselbe, stickige, von Alkohol geschwängerte Luft entgegen, die gleichzeitig alle vernünftigen Gedanken, aber auch die Kälte hinfortblies. „Da hinten ist noch einer frei“, merkte er an, nachdem sie beinahe den ganzen Schankraum mit allen Alkoven durchkämmt hatten. Es war ein kleiner Tisch am hinteren Ende, dafür jedoch recht nah am Kamin. „Zweimal heißen Wein“, orderte er als der Wirt, ein anderer als damals, herbeigeeilt kam und sie sich kurz darauf setzten. „Also … jetzt erzähl mal.“
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:26 pm
Er wollte sein Vermächtnis mit ihm teilen, zusammen mit ihm etwas erreichen. Ihn an seiner Seite wissen. Dafür hatte er sie also in einem Turm voller alter staubiger Bücher eingesperrt, hatte ihre Mutter losgeschickt und sie nicht einen einzigen Tag über Wochen hinweg dort oben gehalten. Er hatte sie nicht einmal an ihrem eigenen Geburtstag hinaus gelassen, hatte sie erst nach Wochen wieder dort oben besucht und selbst dann hatte sie sich die eigene Freiheit wieder nehmen müssen, statt dass er sie ihr freiwillig wieder gegeben hätte. Er hatte nicht einen einzigen Ton darüber fallen lassen, als Devastare erwähnt hatte, dass er bereits eine Erbin hatte.
Zorn fraß sich wie Feuer durch ihre Adern und langsam ließ sie die Hand sinken, die zuvor noch an dem kalten Holz der Tür gelegen hatte, während sich die andere längst zur Faust geballt hatte. So einfach war das also für ihn, die eigene Tochter vollkommen zu vergessen und sich stattdessen einem Mann zuzuwenden, den er weder kannte, noch einschätzen konnte und von dem er am gestrigen Abend noch nicht einmal besonders begeistert gewesen war. Sie wusste nicht, wie sie genau die Worte einordnen sollte, die hier fielen, denn der Gedanke daran, dass sie plötzlich unwichtig werden könnte und ihr Vater sie ebenso vergaß, wie er gerade die Erwähnung an die eigene Tochter vergaß, brannte noch viel schlimmer als jede der Wunden, die sie sich beim Schwertkampf bislang zugezogen hatte. Schweigend, weil sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, biss Kira die Zähne aufeinander und grub sie schließlich in die Unterlippe bis sie den metallenen Geschmack vom Blut bemerkte. Wieder dachte sie an den armen Ilian, dem ihr Vater so übel mitgespielt hatte - an den Schwur, den er geleistet hatte und der zumindest bedeuten würde, dass er der einzige Mensch sein würde, der sie niemals in ihrem ganzen Leben enttäuschen oder verletzen würde. Es fiel so unsäglich schwer gerade jetzt den Mund zu halten, gerade nach den letzten Worten ihres Vaters.
Lerne das Land und die Leute kennen. Wozu, wenn er ihn doch ohnehin nach Ekynes schicken wollte? Wenn er sie hatte, die hier oben bleiben konnte.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:26 pm
"Wie wäre es, wenn du dann mit der Wahrheit anfängst? Ich mag es nicht, belogen zu werden, nimm das als erstes an, was es über mich zu wissen gilt." Gut, genau da wollte er ihn haben.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:28 pm
"Die Wahrheit?" echote Thealon und hob die Brauen. "Welche Wahrheit meinst du?"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:29 pm
"Warum soll ich Caria kennen lernen, wenn ich doch nach Ekynes soll?"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:32 pm
Schnaufend ließ Finnja sich auf eine der Bänke sinken, ein Bein auf der jeweiligen Seite der Bank platziert und den Rücken gegen die Holzwand gelehnt, sich nicht darum scherend, dass sie aussah wie jeder andere Soldat, der gerade seinen freien Abend hier mit Alkohol verbrachte. Sie hätte es besser wissen müssen, wenn sie nur fünf Minuten lang auf Galahads Lektionen gehört hätte und trotzdem hätte der ehrbare Ritter sie gerade nicht weniger kümmern können - wahrscheinlich hockte er in seinem Kämmerchen und bereitete die Minne für irgendeine andere Dame vor, die er niemals erreichen würde. Finnja fand es zu müßig, sich damit längerfristig zu befassen, vor allem weil ihr Galahads Gesang schon im Geiste Kopfschmerzen bereitete.
"Ich hab den Thronerben vor ein paar Banditen gerettet und bin mit ihm durchs halbe Land gezogen", begann sie freimütig zu erzählen und zuckte mit den Schultern, nach ihrem Wein schnappend als der auf dem Tisch landete. "Er ist wie ein Wildschwein von ein paar Pfeilen aufgespießt worden und ich ging felsenfest davon aus, dass der König mich dafür einen Kopf kürzer macht, aber was ist? Meine Aufgabe ist es jetzt den König zu bewachen und das hier ist einer von sehr wenigen freien Abenden, die ich habe. Nimm dich also nicht zurück, was das Trinken angeht - ich werde es auch nicht."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:33 pm
"Weil du Ekynes nach dem Willen Carias beherrschen sollst," erklärte Thealon. "Oder glaubst du etwa, ich stelle dir eine Armee zur Verfügung, helfe dir dabei EKynes zurück zu erobern und eine Königin zu heiraten, die Gerüchten nach als schönste Frau der Welt gilt, während dein Herz noch an diesem Land hängt? Ich bin dein Vater, aber ich bin kein gütiger Narr Devastare. Ich rette Ekynes nicht aus reiner Nächstenliebe - sondern für mein Volk und mein Reich. Wie solltest du im Sinne der Bürger Carias Handeln können, wenn du sie nicht kennst? Wenn ich dich jetzt mit einer Armee aussende, dann würdest du dich Caillean von Ekynes unterwerfen - in ihrem Sinne handeln. Aber du sollst nicht der Ehemann der Herrin von Ekynes sein. Du sollst im Namen unserer Familie regieren!"
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:38 pm
„Dann ist das also eher zum warmwerden. Im wortwörtlichen Sinne“, bemerkte er lachend, als die zwei dampfenden Becher Wein an ihren Tisch gestellt wurden, in denen ein paar Gewürze schwammen. „Zwei Schnäpse, klar und gut“, bestellte er, noch bevor der Wirt verschwand und hantierte dann an seinem Schwertgurt, sodass er sich bequem und genauso schief auf die Bank setzten konnte wie sein Gegenüber. „Hieß es nicht immer dass der König nur eine Tochter hat? Deswegen sind doch immer alle weinend hinter ihm hergelaufen und meinten, er sollte entweder irgend einen Bankert anerkennen oder sich noch einmal ins Zeug legen, damit er einen Erben vorweisen kann. Und jetzt“, es knallte kurz auf dem Tisch, als zwei Becher mit glasklarem Selbstgebrannten auf den Tisch gestellt wurden. Der Wirt nickte erneut und verschwand dann. „Darfst du für das verschollene Kind den Aufpasser spielen? Schöne Scheiße wenn du mich fragst“, und mit diesen Worten wanderte der noch warme Wein an seine Lippen.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:40 pm
Soviel also zu - er sagte ihm nur, was er hören wollte. Diese ganzen Lügen zu spüren, selbst innerhalb der eigenen Familie - selbst hier nicht zu wissen, wem sie wirklich vertrauen konnte und wem nicht, stießen einen Pfahl in ihr eigenes Herz und mit jedem weiteren Wort grub Kira ihre Finger fester in ihre Hände, spürte den Schmerz, der ihr die Arme hinaufzog. Den einen unterwerfen, den anderen unterjochen, Schwur um Schwur vor den Göttern, damit ja nichts dagegen geschehen konnte - würde das wirklich alles sein, was dieses Land und seine Menschen ausmachte? Dieselben Menschen, die an Imbolc unten im Dorf freimütig gefeiert und die Götter geehrt hatten, ganz ohne einen weiteren Schwur auf den Lippen, der sie an Versprechen band, die sie nur deshalb ausgesprochen hatten, weil sie sonst ihr Leben aushauchten? Sie wusste um den Hass, den ihr Vater dem anderen Land entgegen brachte, aber wie sollte es den Bürgern Carias helfen, wenn sie ein Land am anderen Ende dieser Karte besaßen? Der Krieg würde nur weitere Kosten und Leben verschlingen, die sie nicht wieder aufwiegen konnten. Was würde sein, wenn die Götter das Land schützten und sie verlieren würden? Wenn sie geschlagen zurück nach Hause kriechen mussten und sich daraufhin alle anderen Vasallen gegen sie erhoben?
Kira schüttelte den Kopf, energischer denn jemals zuvor. Sie würde das nicht einfach so geschehen lassen und sie würde erst recht nicht zulassen, dass sie selbst in der Bedeutungslosigkeit verschwand, sich sang- und klanglos nach Miris verkaufen lassen, damit ihr Vater mit dem Thronerben, einem verfluchten Sohn, glücklich werden konnte.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:44 pm
"Eh eh", verneinte Finnja unter einem großen Schluck aus dem Weinbecher. "Von wegen auf das verschollene Kind aufpassen. Das wär ja noch einfach gewesen - ich muss auf unseren König aufpassen. Heute Morgen kam im Übrigen der Befehl, dass ich an seiner Seite in der Schlacht um Sirean sein werde", fuhr sie fort und stellte den Becher wieder ab, um sich stattdessen dem Schnaps zuzuwenden und das Glas mit einem Zug zu leeren.
"und du hast ja keine Ahnung, wie unser Prinzlein ist ... heroisch, ehrbar, hitzköpfig und verfickt nochmal genauso schnell mit Schwüren, wie sein Vater bei der Hand. Ist nicht so, als würd ich ihn nicht mögen, aber er ist in Ekynes aufgewachsen. Feindesgebiet und er bringt all ihre Tugenden mit hierher."
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:50 pm
Der Gang zu Elaine war ein wenig wie der zum Schafott. Schon seit Wochen schrie alles in ihm danach, sich zu entschuldigen und doch hatte er Angst, dass er sie in Gefahr brachte, wenn sie zu viel von ihm erfuhr oder dass sie Thealon irgendetwas berichtete, was er nicht hören sollte. Aber er brauchte ihre Hilfe - und er war es Leid, ständig alleine hier zu sitzen. Er brauchte Verbündete und es wäre nicht das erste, was sie geheim hielt vor ihm. Schließlich hatte er fast fünfundzwanzig Jahre nichts von ihr gehört und das bedeutete, sie hatte ihm in all der Zeit nichts davon gesagt, wo er sich aufhielt. Sie hatte ihn geschützt. 
Trotzdem fiel die Hand zu heben und an ihre Zimmertür zu klopfen ihm schwer.
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Re: Kapitel 5

am Do Jan 18, 2018 9:52 pm
„Ein Bilderbuchritter also“, meinte er zwischen zwei Schlücken, wobei ihm beim schmunzeln beinahe die Hälfte auf den Boden getropft wäre. „Aber das der Krieg kurz bevor steht ist mir bekannt. Mir und jedem anderen Earl aus diesem Land.“ Auf das verwirrte Gesicht von Finnja hin leerte er den Becher Wein und griff als erster von beiden zu dem Selbstgebrannten, der, ebenso wie die Luft im Raum, immer noch genau wie früher roch. „Deswegen bin ich überhaupt hier. ich bringe mich und meine Männer für die Schlachten die vor uns liegen. Aber ich hasse es nur immer im Tross zu reiten und ich dachte mir, wenn ich allein voraus reite habe ich noch die Chance auf etwas Ruhe und Schlaf. Aber das hier ist sogar noch besser.“ Er nahm den ersten Schluck des Schnapses und verzog kurz den Mund. „Mhhm“, murmelte er. „1.500 Männer, dazu noch der verdammte Tross. Hast du eine Ahnung wie langsam sich so eine Prozession bewegen kann? Mir graut es schon vor dem Krieg, allein deswegen.“
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Re: Kapitel 5

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