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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:12 pm
"Gar nicht", gab er zurück, denn all das Brimborium hier erdrückte ihn. Er war einfache Unterkünfte gewohnt - im Schloss zwar, denn dort war er aufgewachsen, aber gelebt hatte er wie all die anderen Bediensteten auch und schließlich die letzten Jahre im Trakt der Gardisten, fernab von Etikette und Trubel. "Was ist mit dir? Du warst nirgendwo zu sehen in der ganzen Zeit. Hast du dich von dem furchtbaren Kronprinzen erholen müssen, den du herumkutschiert hast?"
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:20 pm
"Ehrlich gesagt bin ich deinem Vater aus dem Weg gegangen und habe darauf gehofft, dass ich für ihn weitestgehend unsichtbar bleibe", antwortete sie schulterzuckend, weil sie sich gar nicht die Mühe machen musste irgendeine fadenscheinige Ausrede zu finden. Er hatte sich wie ein Arsch verhalten und sie hatte es ihm mehr als nur einmal an den Kopf geschmissen, sie hatten gebockt, geschrieen und danach wieder darüber gelacht, dass sie mit hochrotem Kopf vor dem jeweils anderen gestanden hatten und reichlich albern aussahen. Danach war alles beim Alten gewesen, als hätten sie nie Streit gehabt. "Bisher hab ich Erfolg dabei gehabt aber ich dachte mir, ich komm dich mal besuchen, bevor du hier ganz eingehst", setzte sie dann nach. "Es gibt unten noch ein paar leere Quartiere. Wenn du willst, kann ich dich einfach durch die Bedienstetengänge rausschmuggeln und du kannst dich in gewohnt einfacher Umgebung ausschlafen."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:23 pm
"So verlockend es klingt, ich fürchte, mein Vater wäre nicht angetan davon." Mit einem Augenrollen zuckte Devastare die Schultern. "Ich habe dir nicht gedankt, Finnja - nein - lass es mich loswerden, bevor es merkwürdig wird. Es war nicht selbstverständlich, einen nörgelnden, mitleiderregenden Königssohn trotz allem gut zu behandeln und du hast es dennoch getan. Dafür, dass du mich hierher bringen musstest, konntest du ja nichts." Ein schmales Lächeln umspielte seine Lippen, als er aufsah.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:26 pm
"Aufgabe ist Aufgabe. Du kennst das - ich arrangiere mich selbst mit mäkelnden, schlecht gelaunten Gardisten-Königssohn-Mischungen. Ist also schon in Ordnung", wehrte sie nur kurz mit einer Handbewegung ab, weil sie nicht der Meinung war, ihr gebühre deshalb besonders großer Dank. "Und was deinen werten Herr Vater anbelangt ...", fing sie dann das Gespräch noch einmal an und schob ein schiefes Grinsen hinterher. "... wenn ich das richtig sehe, dann gehört dir das hier irgendwann einmal alles. Er wird mit Sicherheit verlangen, dass du alles kennen lernst - fang bei uns einfachem Fußvolk an. Wenn er es erfährt ist das die Erklärung und ansonsten läuft das ganze unter der Devise ... was er nicht weiß ..."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:30 pm
"Er weiß einiges nicht und ich gedenke nicht, ihm irgendetwas davon zu erzählen - alleine schon, um deinen Kopf zu schützen." So sehr er auch an Coreen und Rhiannon gewohnt war, die beide eine Kämpfernatur inne hatten, so seltsam war es, nun jemanden wie Finnja vor sich zu haben, die in die Reihen der Gardisten gehörte. Eine weibliche Gardistin hatten sie nicht einmal in Ekynes, dafür aber einen hohen Anteil an Frauen in der Armee. "Und noch weiß er nicht einmal, ob er mich hier auf dem Thron haben möchte nach seinem Abgang. Er präferiert Kira und ich denke, er will einfach nur Zwietracht säen und einen Konflikt hervor rufen, damit wir beschäftigt miteinander und der Zukunft sind, statt mit dem, was er tut."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:44 pm
"Und was willst du?", hakte Finnja stirnrunzelnd nach, die sich bislang still verhalten und den Worten des anderen zugehört hatte.Sie erkannte sein Zaudern und seinen Unwillen darüber bei diesem ganzen Ränkespiel mitmischen zu müssen und sie konnte es ihm nicht verdenken. Caria war eine Ansammlung von Ränken und Intrigen, von Macht und Kriegsspielen der Großen und so sehr sie auch ihrem König treu gegenüberstand, sie mochte Devastare zu sehr, um ihn jetzt so einfach ohne einen Freund hier sitzen zu lassen.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:48 pm
"Gemessen daran, dass ich erst seit guten vierzehn Wochen davon weiß, was gespielt werden soll und jeder, der ich danach frage, mir ausweicht, mir Lügen erzählt oder nur die Hälfte der Geschichte ... weiß ich es nicht. Ich habe mein Leben als Gardist geführt, es gab nie etwas anderes und ich war immer dankbar, wenn die Hofhaltung vorüber war - und nun soll ich Teil davon werden. Es fällt mir tatsächlich schwer, das irgendwie mit dem Mann in Einklang zu bringen, der ich bisher war." 
Er hob das Glas zum Mund und trank ein paar Schlucke daraus, spürte, wie das kühle Wasser ihm ein wenig Linderung und Klarheit verschaffte.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 5:56 pm
"Dann erzähl mir, wer der Mann ist, der du bisher gewesen bist und warum du ein anderer werden sollst, um das alles zu erfüllen, was andere von dir erwarten und du gar nicht selbst willst", setzte sie ihm entgegen und lehnte sich ein Stück zurück, die Beine übereinanderschlagend und die Arme vor der Brust verschränkend. Das hier konnte genauso gut schief gehen, er könnte sich davon auf die Füße getreten fühlen, sie hinausjagen oder im schlimmsten Fall mehr von seinem Vater haben, als sie bisher ahnte und sie des Verrats bezichtigen, weil sie sich entschieden hatte ihm die Wahrheit zu sagen statt ihm nach dem Mund zu reden. Sie glaubte nicht daran, dass er so sein würde - er machte nicht den Anschein, als würde er in diese Richtung schlagen und sie verließ sich auf das Bauchgefühl.
"Und was diese ganzen Lügen und Halbwahrheiten angeht. Finde doch die ganze Wahrheit auf eigene Faust raus, statt dich auf das zu verlassen, was dir andere sagen. Wir sind Gardisten, Devastare. Wir tun nichts anderes als uns auf die ganze Wahrheit zu verlassen - sagen, dass jemand unseren Schützlingen nichts tun würde, können sie viel."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:02 pm
"Du klingst so, wie ich in der umgekehrten Situation klingen würde", lachte er leise und beobachtete sie eine Weile. Die Art, wie sie sich absolut nichts daraus machte, dass ihr die Haare offen über die Schultern fielen, obwohl es selbst hier in Caria eigentlich verpönt war. Nicht einmal Kira mit ihren wilden Locken bildete da eine Ausnahme - nur Finnja schien auf merkwürdige Art und Weise von nichts wirklich berührt. 
"Der Mann, der ich bisher gewesen bin? Ein einfacher Mann. Mein Lebtag wollte ich Gardist werden und mein Ziehvater ließ mich, wenn auch mit einigem Zögern. Was ich will? Wer will nicht den großen Frieden, der uns prophezeit wurde? Ich will ein Ende dieser Ungerechtigkeit." Er wollte Caillean zurück auf dem Thron von Ekynes sehen, sie in Sicherheit wissen, aber das behielt er für sich. "All diese Lügerei und Heuchelei ist mir zuwider. Ich weiß gerne, woran ich bin."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:07 pm
"Hehres Ziel", kommentierte Finnja leise lachend, weil sie nicht glaubte, dass dieses Ziel so einfach so erreichen wäre. Ungerechtigkeit gehörte leider zu dieser Welt und sie hatten ständig nur die Wahl zwischen Pest und Cholera - es gab nur die Herrscher, die weniger ungerecht waren als andere. Er wusste das genauso gut, wie sie selbst und deshalb verbiss sie es sich, sich auf diese Grundsatzdiskussion einzulassen, die ihnen beiden nichts bringen würde außer gegenseitigem Einvernehmen. "Aber, wenn ich mich richtig erinnere, dann ist nicht der große Frieden prophezeit worden, sondern die Vernichtung deiner alten Heimat. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht das ist, was du gern hättest."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:08 pm
Stille senkte sich über sie beide, in der Devastare hin und her überlegte, wie viel er ihr sagen konnte. Wie sehr war sie ihrem König ergeben? Es war schwer einzuschätzen, denn sie verband durchaus etwas anderes mit Thealon als ihn mit Caillean. 
"Nein, das ist absolut nicht, was ich will", räumte er schließlich vorsichtig ein.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:10 pm
"Dachte ich mir", bestätigte sie ihre eigenen Gedanken. Sie konnte es ihm nicht verdenken, wahrscheinlich wäre es ihr an seiner Stelle ähnlich ergangen. "Warum bist du hier, Devastare?", fragte sie schließlich. "Du willst den Thron nicht, du willst die Zerstörung deiner alten Heimat nicht und du magst das hier nicht einmal. Warum bist du trotzdem hierher gekommen?"
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:12 pm
"Was glaubst du, treibt einen Gardisten zum Äußersten? Bringt ihn dazu, all das hier mitzumachen, anstatt sich einfach abzuwenden und zu gehen. Sind wir doch beide ehrlich, wenn wir es gewollt hätten, hätten wir euch innerhalb der ersten Nächte, in denen ihr uns halbwegs unbewacht gelassen habt, umbringen können."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:16 pm
Sie hätten allesamt viel tun können, hatten sie aber beide nicht und Finnja lächelte lediglich über die Aussage, weil es sie nicht kümmerte, was hätte sein können, wenn sich einer von ihnen umentschieden hatte. "Wenn du deiner Heimat helfen wirst, bist du hier an der vollkommen falschen Adresse. Der König wird dir nicht helfen, niemand aus diesem Land wird das wirklich freiwillig, vor allem wenn es nicht um den Ruhm von Caria geht", bemerkte sie nachdenklich und schallt sich im selben Moment eine Närrin. Was machte sie hier eigentlich? Sie hockte vor dem Kronprinzen und überzeugte ihn davon, dass seine eigentliche Heimat nicht das war, was er gehofft hatte. Sie hätte ihn davon überzeugen sollen hier zu bleiben und stattdessen trieb sie einen weiteren Keil dazwischen und riskierte damit auch ihr eigenes Leben.
"Hör mich an", lachte sie kopfschüttelnd und fuhr sich mit beiden Händen durch die roten Haare. "Ich bin Gardistin und rate dir gerade, besser wegzulaufen als hier zu bleiben, weil du hier keine Hilfe kriegen wirst. Sags bitte keinem da draußen. Ich mag meinen Kopf eigentlich recht gern."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:23 pm
"Wäre schade drum", kommentierte Devastare schlicht und schloss dann die Augen, tief durchatmend und mit Zeigefinger und Daumen in seine Nasenwurzel kneifend, um die aufbrodelnden Kopfschmerzen zu bezwingen. Es half wie immer gar nicht. "Ich kann nicht gehen, Finnja, auch wenn ich es gerne würde. Es gibt kaum etwas, was mich hier hält und vieles, was mich fortzieht. "Weglaufen ist keine Möglichkeit." Wo sollte er hin? Das hatte er doch schon durchgekaut. "Ich erwarte nicht, dass irgendwer es versteht."

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Die Küchentür öffnete sich und das an sich war nichts, was Ferryn dazu brauchte, aufzusehen, während sie die drei Mädchen unterwies, wie man einen Kuchenteig zubereitete - die hektische Geschäftigkeit an ihrem Tisch aber schlug in Unaufmerksamkeit und ehrfürchtiges Gemurmel um. "Lady Elaine", hörte sie eines der jungen Küchendinger sagen und noch bevor einer nach ihr sehen konnte, hob sie die Stimme. "Geht - ihr alle. Bedelia braucht euch bei den Hühnern. Ich kümmere mich hier um alles."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:32 pm
"Dann hilf mir dabei es zu verstehen. Ich weiß nicht, ob es bei dir schon angekommen ist, aber ich mag dich und ich will dir helfen", bemerkte Finnja und verzog das Gesicht. "Aber mit Halbwahrheiten kann ich das leider auch nicht."

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Die halbe Nacht über hatte das Gesicht des jungen Mädchens sie nicht loslassen wollen. Das Gesicht, das ihrem eigenen so verflucht ähnlich war und von der sie noch nicht einmal den Namen kannte. Alles, was sie wusste, war, dass sie mehr wusste, als für sie gut war und dass sie eine Freundin ihrer Tochter war - dass ihre Loyalität ganz offensichtlich nicht bei Thealon lag. Wahrscheinlich war das der Grund, weshalb sie sich freiwillig dazu bereit erklärt hatte hinunter in die Küchen zu gehen, um wenigstens etwas für Aristeas und Coreen zusammen zu suchen, das sie bis zur Grenze Carias über Wasser halten würde. Sie hatte nichts dazu gesagt, dass die beiden sich entschieden hatten, dem Hof den Rücken zuzuwenden, konnte es ihnen nicht einmal verübeln, so bitter es auch war die Freundin nach so kurzer Zeit wieder zu verlieren und damit auch den einzigen Menschen, der es noch wert gewesen war zu kämpfen. Thealon hatte alles erreicht, was er wollte - er hatte gewonnen und sie war es langsam müde sich ständig aufs Neue in die Ketten zu stemmen, die ja doch nicht rissen.
"Ich brauche Proviant", begann sie als die anderen Mädchen die Küche verlassen hatten und verdrängte die bitteren Gedanken aufs Neue. Das Mädchen konnte nichts für das, was einst geschehen war - es war unfair an sie mit dem Schmerz des Verlustes zu denken und trotzdem spürte sie wieder, wie sich ihr Herz schmerzhaft in ihrer Brust zusammenzog. "Genug bis zu den Grenzen Carias und genug für zwei Menschen."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:41 pm
"Was gelten Eide bei euch, Finnja?"


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Die harsche Stimme überraschte Ferryn, aber sie sagte nichts dazu. Es stand ihr absolut nicht zu, hier den Mund zu weit zu öffnen, auch, wenn Elaine ihre Mutter war. Die andere hatte keine Ahnung, dass es sie gab oder in diesem Falle, wer sie war. "Etwas wie Ihr es vorziehen würdet, ohne Fleisch? Oder ... mehr Trockenfleisch?"
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:45 pm
"Genauso viel wie bei euch."

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Es dauerte viel zu lang bis sie feststellte, dass das der falsche Ton gewesen war, mit dem sie begonnen hatte und sie hätte im selben Moment losschreien wollen, weil sie aktuell jeder noch so kleine Schritt wie ein weiterer Fehler auf der langen Liste anfühlte, die ihr Leben bestimmte. Oft schon hatte sie sich gefragt, was gewesen wäre, wenn Karsh sie einst nicht gefunden hätte - wenn sie als Kleinkind einfach im Wald erfroren wäre, statt in einem Schloss aufzuwachsen. Es brachte nichts sich darüber Gedanken zu machen, das wusste sie selbst - sie würde damit nichts mehr ändern. "Entschuldige ...", räumte sie deshalb nach einer Weile ein und rang sich ein schiefes Lächeln ab.
"Es ist nicht für mich." Wie könnte es das auch? Sie kam wahrscheinlich noch nicht einmal durch die Hoftore hinaus, ohne die unmittelbare Erlaubnis. "Wahrscheinlich wäre Trockenfleisch gar nicht so schlecht."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 6:49 pm
"Bist du bereit, mir einen Eid zu schwören? Ich vertraue dir, aber ich muss sicher gehen, dass das, was ich dir sage, niemals an falsche Ohren gerät." Was tat er da? War er von allen guten Geistern verlassen? Elaine ließ er im Dunkeln tappen und dieser ... fast Fremden ... vertraute er sich an? Gerne hätte er sich selbst dafür gescholten, aber das Verlangen, irgendjemandem zu trauen, nur einer einzigen Person in dieser götterverlassenen Welt, war zu groß. 


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"Natürlich", beeilte sich Ferryn zu sagen und lächelte etwas ungelenk, bevor sie sich zu der Tür hinüber begab, die zur Vorratskammer führte. Sie sammelte alles, was sie tragen konnte - gekochte Eier, Fleisch, Käse, Brote, Schinken, Trockenfleisch und ein wenig Gemüse und Äpfel. Die Habseligkeiten ließ sie auf den Tisch kullern, der noch mit Mehl bedeckt war und betrachtete sich das Ganze eine Weile mit in die Hüfte gestemmten Fäusten und schief gelegtem Kopf. "Ich werde noch Beutel dafür holen. Soll ich es nach oben bringen oder wollt Ihr warten ...?"
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:00 pm
Finnja blinzelte, überrascht davon, dass er jetzt plötzlich mit Eiden und Schwüren kam und nickte dann noch bevor sie sich der Konsequenzen gänzlich bewusst war. "Ich schwöre und die Götter mögen meine Worte hören, dass ich, was immer du mir anvertrauen wirst, niemals an einen anderen weitertragen werde ohne dein Wissen oder dein Einverständnis und das nichts mich dazu bringen wird, diesen Eid wieder zu brechen." Götter, was tat sie hier eigentlich? Die Worte waren geschworen, ausgesprochen und bindend und wenigstens blieb sie königstreu. Selbst, wenn es nur die nächste Generation an Königen war, dem sie jetzt Verschwiegenheit geschworen hatte.

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"Ich warte hier", antwortete Elaine mit einem entschuldigenden Lächeln, weil sie es nicht riskieren konnte, dass das Mädchen vielleicht noch auffiel während sie den Proviant nach oben brachte. Es würde Thealon nicht gefallen, dass Coreen und Aristeas verschwanden, aber je unbemerkter die beiden verschwinden konnten, umso besser war es für sie beide. "... wie heißt du?"
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:04 pm
Devastare nickte kaum merklich und der Stein fiel ihm vom Herzen, so groß, er meinte, man hätte ihn hören müssen. "Mein Eid bindet mich an Königin Caillean - aus freien Stücken. Niemals würde ich ihn widerrufen wollen. Ein Adliger hat Ekynes überrannt mit einer Armee, zu groß, als dass wir sie in der Kürze der Zeit hätten aufhalten können. Sie war gezwungen ihn zu ehelichen und floh schließlich - tatsächlich hat sie das Schloss mit unserer Gruppe verlassen, aber wir wurden getrennt. Ekynes ist ihr Reich und muss es bleiben, denn ebenso wie Caria schützt ein Göttersegen das Land, solange die Blutlinie auf dem Thron sitzt. Ich brauche die nötige Unterstützung, um irgendeinen Weg zu finden, es wieder in Ordnung zu bringen. Caria hat eine weitere Nachfolgerin, die als Erbin fungieren könnte, es muss nicht ich sein, Ekynes hat das nicht."


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"Ferryn, Lady Elaine", murmelte die Angesprochene und sah vorsichtig auf.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:15 pm
Uff. Finnja schwirrte der Kopf von der Menge an Informationen, die er ihr da gerade soeben mitteilte, kaum dass sie die Worte ausgesprochen hatte und schnaufte schwer, während sie den Versuch machte all das zu verarbeiten und einzusortieren. Mit nur einem kleinen Schwur hatte sie sich da geradewegs in viel größere Schwierigkeiten reingebracht als sie zuvor noch geglaubt hatte und das Schlimmste an alledem war, dass sie, wenn sie Devastare half, automatisch Carias Todfeind half und damit Hochverrat beging. Pest und Cholera, fielen ihr ihre eigenen Gedanken noch vor ein paar wenigen Minuten wieder ein und für einen kurzen Moment huschte ein schmales Lächeln über ihre Lippen. Sie hatte es sich selbst ausgesucht.
"Du tust das also alles für Ekynes", schlussfolgerte sie noch einmal, damit sie auch ja nichts falsch verstanden hatte. "In Ordnung. Weil du Hilfe brauchst diesen mistigen Adligen vom Thron deiner Heimat zu stoßen und stattdessen deine Königin wieder darauf zu setzen. Deine Königin, die jetzt ... wo ist?", hakte sie dann schließlich nach, weil das der zweite Punkt war, an dem sie hängen blieb. "Wenn ihr getrennt worden seid, woher weißt du denn, dass sie überhaupt noch am Leben ist? Wäre es nicht erst einmal sicherer herauszufinden, ob deine Befreiungsaktion für das Land noch einen Sinn macht?"

__________________________

Nach Atem ringend ließ sie sich auf einen der einfachen Stühle nahe des Tisches sinken und schluckte schwer, alle Kraft benötigend, um nicht hier und jetzt Tränen zu vergießen, die ihr ohnehin schon wieder in den Augen brannten. Ihr Name ... Ferryn ... Götter, was hatte sie getan, um das hier zu verdienen? Um ein Mädchen vor Augen zu haben, das ihre Tochter hätte sein können und die denselben Namen trug, den sie einst für das kleine, tote Mädchen ausgesucht hatte, bevor man es ihr fortgerissen hatte. "Ein ... schöner Name", brachte sie erst nach einer ganzen Weile über die Lippen. Sie konnte nichts dafür, sie sollte nicht glauben, es wäre ihre Schuld, dass sie hier ständig nervös und durcheinander in ihrer Gegenwart war.
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:23 pm
"Ich weiß es nicht - Coreen wird sie mit Aristeas suchen. Die beiden sind weitaus schneller als Elaine oder ich es jemals wären, auch ohne Verletzung. Und wenn sie nicht mehr lebt ... dann ... würde ich das Land trotzdem nicht aufgeben wollen. Ebenso wie hier, sind dort gute Leute - einfache Menschen, die es nicht verdient haben, einfach so weggeworfen zu werden. Caria ist mir nicht egal, Finnja, auch, wenn du das vielleicht gerade glauben magst und ich will genauso wenig die Menschen und dieses Land riskieren, aber es steht weitaus besser da. Sicherer, mit Kira hier." 
An die Möglichkeit, dass Caillean nicht mehr lebte, wollte er nicht einmal denken, aber es drängte sich immer wieder in sein Bewusstsein. 

-------------

Was sollte sie nur tun? Sie konnte doch Elaine nicht einfach sagen, was sie wusste, oder? Oder doch? Was würde dann geschehen? Heftiger als nötig packte sie den Proviant zusammen und biss die Zähne aufeinander, unschlüssig und ratlos. "Meine Mutter hat mir den Namen gegeben."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:31 pm
"Ich bin nur ungern der Spielverderber aber wenn es dieses Band mit den Göttern gibt, genauso wie hier und es gibt keinen Nachfolger, dann ist es egal, was du versuchst, weil das Land dann trotzdem untergeht und der König hier sich aufmacht, um wenigstens für ein paar Minuten sagen zu können, es habe ihm gehört", setzte Finnja ihm entgegen. Und sie würde an der Seite sein müssen, um darauf zu achten, dass nicht irgendein Schwert sich gegen ihn erhob. Das war alles so paradox ...

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"Es ist ein Name des alten Volkes", antwortete Elaine nur leise und schluckte erneut, die Augen niederschlagend. "Die Trägerin jenes Namens soll ... den Wunsch nach Freiheit und Abenteuer mit auf den Weg bekommen ..."
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Re: Kapitel 5

am Mi Jan 17, 2018 7:34 pm
"Die Hoffnung ist das letzte, was stirbt, Finnja", gab Devastare mit einem schiefen Lächeln zurück. "Ich muss es versuchen, ungeachtet dessen, was es für mich bedeutet. Caria ist sicher, ob mit oder ohne mich. Ekynes hat diesen Schutz nicht mehr."

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"Ich weiß", murmelte Ferryn und trat vor Elaine hin. Noch nie war sie ihr so nah gewesen, dass sie nur die Hand auszustrecken brauchte, um sie zu berühren und es fühlte sich unwirklich an, als sie es wider besseren Wissens tat und die schmalen Finger griff, die Elaine um die Tischplatte gekrallt hatte. "Ich weiß es."
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Re: Kapitel 5

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