Teilen
Nach unten
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 13:50
"Langsam", bat Devastare und runzelte die Stirn, Kira einen Arm um die Schultern legend und sie mit sich in einen kleinen Rundbalkon führend, der am Ende des Flures abging. Er ließ die Fenster geschlossen, wusste noch nicht, wie schnell Nachrichten hier reisten und womit und deutete Kira dann an, sich neben ihn auf den Boden zu setzen. Es erforderte merkwürdige Verrenkungen, weil sie nicht loslassen wollte und er nicht gerade gelenkig war, wenn es darum ging, sich momentan auf dem Hosenboden nieder zu lassen, doch irgendwie schafften sie. Thealon bei Elaine klang nicht gut, es beruhigte ihn nur, dass sie schon dreißig Jahre an seiner Seite überlebt hatte und hoffentlich noch ein paar mehr schaffen würde, bis sie eine Lösung für all das hatten, aber der zweite Name, den sie nannte, hatte ihn aufhören lassen, weil er damit nicht gerechnet hatte. 
"Bitte, Kira. Es ist wichtig. Was genau ist passiert? Gawain ist der Name eines meiner Begleiter - ein guter Freund. Er wurde getötet, als wir vor Morys Männern geflohen sind. Wieso sollte er ...? Was hat dich so aufgewühlt?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 13:54
"... ist er nicht. Er ist unten im Kerker!", protestierte sie kopfschüttelnd, weil sie keinen einzigen Moment lang an dem zweifelte, was ihr Vater da zuvor gesagt hatte. Er hatte nie darüber gescherzt, jemanden gefangen zu halten, vor allem nicht, wenn es darum ging, dass es jemand aus Ekynes war. "... er hat gesagt der Baron wäre überfordert und ihm bricht das Reich auseinander und dass die Dunkelheit jetzt gekommen wär ... deswegen hat er ihn einfach bekommen und dass es nur seine Heiler waren, wegen denen er überlebt hat und er will dich jetzt damit erpressen, damit du tust, was er will", führte sie noch einmal aus und schluckte noch einmal, die Wahrheiten dahinter nicht einfach so abschütteln könnend. Es war alles nicht richtig gewesen - das, was er gemacht hatte, war einfach nicht richtig gewesen.
"... Vater hat ... einen Jungen schwören lassen, dass er mir zu Diensten sein würde ... immer ... was, wenn ich mal genau sowas tun werde? Was, wenn ich mal auch so grausam bin und ihn einfach zu was zwinge, was er gar nicht will? So wie Vater bei unserer Mutter. Es hätte uns nicht mal geben sollen ..."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 14:03
So viel hatte Devastare nun auch schon aus dem hören können, was Elaine ihm erzählt hatte, aber es nun als Gewissheit auf dem Gesicht seiner Schwester zu lesen, der es das Herz brach, ließ ihn tief durchatmen. Ruhe. Ganz ruhig. Es brachte ihr nichts, wenn er nun losrannte ohne Sinn und Verstand. 
"Mit Gawain hat er nicht die schlechtesten Chancen, was mich angeht", stimmte Devastare zu und konzentrierte sich auf seine Atmung, weil die Nerven zu flattern begannen. Gawain war am Leben. Wie lange noch? Wie ging es ihm? Was hatte Thealon mit Morys zu schaffen? Hatte er es nicht nur gewusst, sondern inszeniert, um ihn hierher zu bekommen und das Reich an den Rande des Ruins zu treiben? 
"Dann musst du dafür Sorge tragen, dass diesem Jungen nie ein Unrecht geschieht, Kira. Er ist an dich gebunden? Dann kannst du ihm die Freiheit einräumen, die er braucht, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich weiß nicht, in welchem Ausmaße es funktioniert ... in Ekynes haben wir ... niemals solche Eide geschworen. Du wirst all deine Worte und Taten prüfen müssen, um es zu verhindern. Du bist nicht wie er ... du bist mitfühlender, Kira. Ich mache ihm keinen Vorwurf, er wurde nie anders erzogen und hält es für Recht, was er tut. Er glaubt, alles und jeden zu besitzen und verändern zu können, wie er will, nur, weil er es will. Niemand hat ihm je gezeigt, dass Menschen sich besser entwickeln, wenn man sie ihren Weg gehen lässt. Aber es ist falsch. Niemand sollte sich einem anderen aufzwingen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 14:12
"Das darf einfach nicht sein. Das ist nicht richtig ... so soll das nicht sein", ließ sie leise verlauten und schüttelte den Kopf, wieder und wieder weil es nicht in ihren Kopf hinein gehen wollte, warum jemand einem Menschen mit Gewalt etwas nehmen sollte, was er nicht bereit zu geben war. Da sollte mehr zwischen zwei Menschen sein als nur reine Pflicht und ein Befehl - da sollte irgendetwas sein, wie Wärme, wie Liebe, aber nichts davon hatte sie in diesem Gespräch gehört. Nicht einen einzigen Funken davon. "Ich will nicht auch so erzogen sein ...", brachte sie nach einer Weile noch hervor und ließ sich dann zur Seite sinken, den Kopf einfach an seiner Schulter ablegend und die Augen für einen kurzen Moment lang schließend. Ilian sollte niemals in dieselbe Situation kommen, in der ihre Mutter war - sie wollte nicht, dass es ihm schlecht mit einer Entscheidung ging, dass er nur bei ihr blieb, weil er es musste und nicht weil er es wollte. "... Mutter ist doch ... magisch ... kann man sowas nicht einfach wieder durch Magie aufheben ...?", hakte sie leise nach und schielte schräg nach oben, weil da der Funken an Hoffnung blieb, es könne eine Möglichkeit geben, wie sie Ilian wieder von diesem Schwur befreien konnte ohne ihm weh zu tun und lange bevor sie sein Leben so enorm einschränkte. "... kannst du dabei nicht ... helfen? Ich kann dir dann auch helfen, deinen Freund aus dem Kerker zu bekommen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 14:19
"Es ist nicht einfach, Kira. Eide haben einen hohen Stellenwert und es ist nur mit großen Opfern möglich, sich davon zu lösen und auch das geht meines Wissens nach nur, wenn entweder der Eidsteller stirbt oder den Eid aufhebt. Da es dein Vater war, der dich dazu brachte, wird es ... es wird schwierig. Ich will dich nicht anlügen und ich weiß nicht, ob Gawain die Zeit hat. Er war schwer verletzt - wir hielten ihn für tot. Selbst wenn die Heiler ihn in ihren Fingern hatten, weiß ich nicht, wie er beieinander ist." 
Seufzend lehnte er den Kopf gegen Kiras Haarschopf. "Kannst du ihn fort schicken? Weg vom Hof?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 14:24
"Mh mh", verneinte sie leise. "Er ist der Sohn des königlichen Jägers - er kann nicht einfach so weggehen, ohne dass man ihn zurückholen würde ..." So gern ein Teil von ihr das auch tun würde, ein anderer wollte ihn bei sich behalten, weil der Gedanke daran ihn zu verlieren noch viel schlimmer war als der an sein Schicksal an ihrer Seite. Große Opfer ... sie würde Bücher suchen müssen, irgendetwas finden müssen, womit sie das aufheben konnte, weil hier Nebendran sitzen und nichts tun genauso schlimm war.
"Wenn du willst ... können wir runtergehen. Damit du ihn sehen kannst - uns wird keiner aufhalten, weil sie wahrscheinlich nur dich nicht zu ihm lassen, aber niemand an mich dabei denkt. Vater glaubt, ich würde ihm helfen ..."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 15:32
"Ich muss ihn dort raus holen", gab Devastare leise zurück und betrachtete seine Schwester eine Weile, wog ab, wie weit er ihr vertrauen konnte. "Gawain hat mich vieles gelehrt, er ist ein guter Freund und ohne ihn hätte ich heute meinen Kopf wohl nicht mehr. Es muss einen Weg geben, ihn aus dem Schloss zu bringen - er würde er nur zum Spielball, wenn er bliebe, aber ich will auch nicht dich hineinziehen, Kira. Das hast du nicht verdient. Mir ist lieber, Thealon ist auf mich wütend und hält mich für nicht würdig, unnütz und stur, als dass du dich in Gefahr begibst." 
Langsam stemmte er sich hoch, verfluchte sein Bein und reichte dann Kira die Hand, um sie ebenfalls wieder in die Gerade zu bringen. "Wir finden einen Weg, um Ilian zu befreien und ... auch Elaine. Bis es soweit ist, müssen wir uns bedeckt halten."
Eine Weile stand er der Jüngeren gegenüber, dann strich er ihr vorsichtig über die Wange. Sie war Elaine unglaublich ähnlich und viel zu viel Wissen stand in ihren Augen, zu viele ungeklärte Fragen. "Ich will dir nichts wegnehmen, auch, wenn es für dich in manchen Situationen so scheinen mag. Lass uns nicht Spielfiguren auf dem Schachbrett unseres Vaters werden. Ich wäre froh um jemanden, dem ich hier vertrauen kann."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 15:50
Kira war eine ganze Weile hin und her gerissen, in der sie darüber nachdachte, was sie nun tun sollte. Sie konnte nicht einfach einen Freund ihres Bruders im Kerker verrotten lassen und ihn einfach so allein in alledem lassen, während sie sich hier in Sicherheit wog. Ihr Vater würde ihr nichts tun, zumindest in diesem einen Punkt konnte sie sich sicher sein und was würde sie eines Tages sein, wenn sie schon ihren Bruder einfach so allein stehen ließ. "Können wir nicht einfach nur Geschwister sein, anstatt Schachfiguren?", fragte sie dann nur noch leise und griff sacht nach seiner Hand, um sie zu drücken.
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 15:51
"Das klingt bedeutend besser." Einen Moment verharrte er, sah über Kiras Schulter hinweg durch die Glasscheiben nach draußen in den Burghof. "Soll ich nach Elaine sehen?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 1386
Anmeldedatum : 16.11.16
Alter : 23
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 15:54
„Beides“, antwortete Adair und schnaufte nur erneut, ehe er sich wieder der, nicht süßen, sondern eher beißenden Versuchung des Selbstgebrannten hingab. „Die Ehe wurde arrangiert, wie das eben so ist. Ich hatte nicht einmal wirkliches Mitspracherecht. Mein Vorgänger, die Götter mögen ihm selig sein, hat ziemlich viel Chaos hinterlassen. Unter anderem das Versprechen, dass sein Erbe die Tochter seines mächtigsten Grafen heiratet. Da er keinen Sohn hinterlassen hatte und ich der einzige war, der … aber nein, das ist eine Geschichte für einen anderen Abend und weniger Ohren, auch wenn die meisten davon vermutlich zu benebelt sein werden. Jedenfalls wurde mir meine Frau zwei Tage vor unserer Hochzeit vorgestellt. Ich hatte in gewisser Weise Glück. Es ist kein Pferdegesicht und auch kein Dummchen, nur“, er kniff die Augen zusammen und legte, den Krug kurz beiseite stellend, beide Handballen gegen die Schläfen. „Fromm und Nobel wie ein Lamm. Und unsere Tochter scheint in eine ähnliche Kerbe zu schlagen. Sie ist erst vier, aber“, er schüttelte erneut den Kopf. „Sie tut was sie tun muss, weil sie meine Frau ist. Ich, weil ich eben ihr Mann bin. Glaub mir, Krieg kommt mir gerade ganz gelegen. Zumindest komme ich dann für eine Weile aus diesem Hausstand heraus.“
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 15:59
"Ich weiß nicht, ob Vater schon weg ist ...", gab sie zu Bedenken und warf einen kurzen Blick durch die leeren Gänge. Sie würden nicht viel Zeit haben - es war mitten in der Nacht, die Wachposten würden jetzt spielen oder schlafen, es würde nur wenige Patrouillen geben, die durch die Flure zogen und jedem Einzelnen davon konnte sie mit überspitzter Autorität beikommen. Devastare musste wissen, dass es seinem Freund gut ging und ehrlicherweise musste sie zugeben, dass ihr allein bei dem Gedanken schlecht wurde ihre Eltern bei noch mehr zu stören als ohnehin schon. "Der Kerker ist nicht weit", setzte sie noch hinterher und wischte sich noch einmal über die Augen, um alle möglichen Spuren von Tränen zu beseitigen, die eine überschwängliche Wache vielleicht zu mehr Fragen als unbedingt notwendig gebracht hätte. "Dein Freund ist dir wichtig und wir können ihn vielleicht jetzt noch nicht rausbekommen aber du kannst zumindest wissen, dass es ihm halbwegs gut geht."

___________________________

"Irghs", machte Finnja lediglich und verzog das Gesicht, ihren Schnaps zu ihm rüberschiebend, weil er so aussah als würde er definitiv mehr davon brauchen als sie. Lieber der Auftrag auf einen König und seinen Sohn aufzupassen, als jemanden zu heiraten, bei dem es einzig allein um Pflicht und Nachkommen ging und dem Adair ganz offensichtlich nicht mehr zu sagen hatte, als 'Guten Tag' und 'Guten Weg'. Früher einmal hatte sie sich nie vorstellen können, dass er eines Tages heiraten und Kinder in die Welt setzen würde - sie waren zu jung und zu wild gewesen, um das überhaupt in Betracht ziehen zu können und die vergangene Zeit stimmte sie beinahe ein wenig melancholisch, weil sie dieser Leichtigkeit ein bisschen hinterher trauerte. Sie wurden alle nicht mehr jünger, so bitter das auch klang. "Klingt als würde es weder Spaß machen Zuhause zu sein, noch mit ihr in ein und dasselbe Bett zu steigen. Lass mich raten - sie ist steif wie ein Brett?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:05
"Wenn irgendjemand davon erfährt, dass ich dort unten war und von ihm weiß, Kira, dann ist sein Tod sicher und es wird kein gnädiger und langsamer sein", gab Devastare zu bedenken, weil er einerseits natürlich sehen wollte, wie es Gawain ging und ob er es war, andererseits aber auch bedenken musste, was die Zukunft brachte.
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:07
"Kannst du für den Weg so tun, als wärst du wirklich Vaters Sohn und genauso überheblich und eingebildet sein?", fragte Kira lediglich und musterte den Älteren noch einmal. "Keine Wache wird Vater Bericht erstatten, wenn wir es verbieten. Dafür müssen wir nur so tun, als würden wir, wenn er auch nur mit dem Gedanken spielt, seinen Sold kürzen und sowas ähnliches. Ist auch wirklich nur für den Weg und wieder zurück."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1386
Anmeldedatum : 16.11.16
Alter : 23
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:08
„In etwa. Wie gesagt sie ist unglaublich fromm und hat wohl ihre Kindheit in irgend einem Kloster, einer Abtei oder was weiß ich verbracht. Sie bietet den Göttern immer wieder Opfer an und tut einfach das, was den Etiketten nach von einer Frau verlangt wird. Scheinbar glaubt sie das wenn sie auch nur einen Finger dabei rühren würde, irgendjemand oder etwas sie direkt unter die Erde bringen würde. Aber frag mich nicht warum genau, ich hab aufgegeben darüber nachzudenken.“ Er griff schweigend nach dem nächsten Krug und fing auch an diesen in kräftigen, beständigen Zügen zu leeren. „Das beschissene daran ist, dass es meinem Land gut geht. Es ist alles auf Kurs gebracht, die Minen bringen so viel ein dass ich gar nicht weiß wohin mit dem Geld und Steuerbetrug nicht einmal in Betracht ziehe, wie die meisten Anderen. Und trotzdem finde ich dort keine Ruhe.“ Er musterte Finnja einen Moment lang, welche sich definitiv mehr von ihrer beider Jugend erhalten hatte und im Vergleich zu ihm noch lebensfroher wirkte. „Was ist eigentlich mit dir?“ Hakte er schließlich nach und ein Lächeln kam wieder auf seine Lippen. „Warum bist du immer noch in der Garde? Müsstest du nicht inzwischen lange genug dabei sein als das man dich für etwas anderes einsetzen könnte?“
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:08
Auf was ließ er sich hier nur ein ...? Devastare hätte am liebsten all seine Habseligkeiten gepackt und wäre verschwunden, aber so einfach wie bislang war es nun ganz und gar nicht mehr. Bei den Göttern, er wünschte sich seine Probleme von vor einem halben Jahr zurück ... "Zeig mir den Weg."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:22
"Müsste, hätte, könnte, Adair. Ich bin ein Bauernmädchen, das ihren Eltern Schande gemacht hat, weil es mit einem Soldaten durchgebrannt ist und nur deshalb überhaupt hier ist. Ich bin froh, um jede Chance, die ich kriegen kann und ganz ehrlich - wenn man mir früher gesagt hätte, ich würde mal Königsgarde sein, dann hätte ich jedem den Vogel gezeigt. Ich brauch kein Land oder irgendwelche Titel und ganz ehrlich, ich brauch auch keinen Ring am Finger", setzte sie ihm schulterzuckend entgegen und setzte ihren Becher wieder ab, ihn von sich schiebend und als eines der Mädchen an ihr vorbeilief, hielt sie sie nur kurz an, um erneut Getränke für Adair und sie zu ordern. Es war angenehm hier zu sitzen, sich über Dinge zu unterhalten, die nichts mit Politik oder Krieg zu tun hatten - an einem Tisch mit jemandem, dem sie vertrauen konnte und von dem sie wusste, dass er ihre eigenen Ansichten verstehen konnte, ohne sie dafür zu verurteilen.
"Und wenn du mich fragst, was es ist, was dir da fehlt, dann sage ich dir - Leben. Deine Frau lässt dich mindestens vierzig Jahre altern."

___________________________

Wortlos nickte Kira und straffte ihre eigene Haltung. Ihr war nicht danach so zu tun, als hätte sie hier das Sagen und ihr war erst recht nicht danach in die dunklen Kerker zu gehen. Die Gänge hinab waren düster, die Fackeln erhellten die Stufen kaum und binnen einiger weniger Minuten fühlte sie den Saum ihres Kleides voll mit dem Wasser, das hier auf den Gängen stand und mit dem die Diener versuchten, die Ausscheidungen der Gefangenen wegzuwischen. Ihr Vater hatte niemals besonders gesteigertes Interesse dafür gezeigt, dass es einem von ihnen hier unten wirklich gut ging - die Wachen hier trugen dicke Pelze, um sich vor der Zugluft zu schützen, die durch kleine Ritzen durch jede einzelne der Zellen zog. Sie war niemals gern hier unten gewesen, die Schatten überall ließen sie genauso sehr schaudern, wie das leise Gestöhne der Gepeinigten hier - einige von ihnen Diebe, die auf den Richtspruch warteten, andere politische Gefangene, die Informationen über Sirean gegeben hatten, nachdem sie über lange Stunden gefoltert worden waren.
"Zur Seite", forderte sie als sich ein großer Mann vor sie schob und langsam hob sie den Kopf. "Ich sagte", begann sie erneut, dieses Mal mit festerer Stimme und hob die Augenbrauen. "zur Seite und betet dafür, dass mich das Gespräch mit dem Gefangenen besser stimmt, damit ich dieses Vergehen vergesse, bevor ich meinem Vater etwas davon erzähle", setzte sie nach und schob den Mann dann kurzerhand bei Seite, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, die Hände im nächsten Moment an ihren Kleidern abwischend, weil sie das Gefühl hatte Wasser und Schmutz waren förmlich mit der Uniform verschmolzen. "Komm", forderte sie Devastare wesentlich leiser auf und schloss die Tür hinter sich, mit einem Bündel Schlüssel klimpernd, die sie der Wache entwunden hatte. "Ich war ein bisschen zu häufig mit ... sagen wir, dem falschen Umgang unterwegs", schob sie schief lächelnd hinterher und wechselte den Gang wieder. Dorthin, wo ihr Vater jene unterbrachte, von denen er noch niemanden unterrichtete - es war immer dieselbe Zelle. Gawain würde keine andere bekommen haben.
avatar
Anzahl der Beiträge : 1386
Anmeldedatum : 16.11.16
Alter : 23
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:42
Zeit schien in diesem Kerker anders zu vergehen als in jedem anderen Teil der Welt. Es vergingen keine Tage mehr, sondern nur noch Zeiten von einer Mahlzeit bis zur nächsten und dem kurzen, aufkommenden Licht, dass ihn jedes Mal für eine Weile erblinden ließ. An Kleidung hatte man ihm nur das nötigste gelassen, jedoch war man nicht so großherzig gewesen und hatte diese nach der langen Reise, die er irgendwie halbtot überstanden hatte gewechselt. Zerrissene Ärmel, befleckte Hosenbeine und ein über und über beißender, unangenehmer Geruch zeichneten ihn inzwischen aus. Dies und ein derart zottiger Bart, das jeder Eremit von ihm zurückgeschreckt wäre. Seine Pfeilwunden waren, obwohl er nicht wusste warum, erstaunlich gut verheilt. Kein Wundbrand war zurückgeblieben, nicht einmal ein Ziehen bei irgend einer Bewegung. Jedoch schien ihm dies nicht wie Glück, sondern Grausamkeit der Götter. Er hatte hier nichts um sich selbst ein schnelles Ende zu bereiten und er wusste dass er nicht die Geisteskraft besaß, um sich selbst zu Tode zu hungern. Sein Körper wollte leben, lediglich sein Geist hatte bereits mit seinem Dasein abgeschlossen. So hatte er, zerschlissen und eingesperrt, ein Leben zwischen Hell und Dunkel, Tod und Sterbend geführt, bis ein seltsames Geräusch seine Aufmerksamkeit erregte. Ein Stiefelpaar schien einem Mann zu gehören, dass andere jedoch war zu leicht und tippelte mehr als das es stampfte. Als jemand vor seiner Zelle stehen blieb fluchte er, hielt sich die Hände vor die Augen und kniff diese kurz darauf zusammen.

-------------------------

„Leben“, wiederholte Adair und sein Lächeln gewann eine kleine Spur von Bitterkeit. „Wenn ich einfach wieder zurück könnte um diesen verdammten Titel abzulegen. Aber so einfach ist es nicht, mh? Ich darf jeden Abend zu meiner Frau, die mich dann entweder schweigend anstarrt oder die Nase in eines ihrer endlosen Bücher steckt. Und meine Tochter fängt bereits genauso an. Aber was rede ich die ganze Zeit von der Heimat und dem was mich irgendwann wieder erwartet? Wir haben bald Krieg, Finnja. Einen Krieg um neues Land zu erobern. Wie lange habe ich nicht mehr gekämpft.“
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:46
"Freust du dich wirklich so sehr auf das Abschlachten von potenziellen Feinden?", hakte Finnja lediglich mit hochgezogenen Augenbrauen nach, weil sie weit weniger euphorisch an den Krieg dachte, als Adair gerade den Anschein machte. "Oder gehts nur darum, dir Ablenkung von Büchern und braven Frauenzimmern zu haben. Du weißt, dass es hier mehr als genug Bordelle gibt, in denen du dir die Hörner abstoßen kannst. Ist sinnvoller als ein paar kaum bewaffneten Bauern den Schädel zu spalten." Sie war nicht betrunken genug, um die Vergangenheit wieder zurückzuholen, nicht betrunken genug, um nicht an seine Ehre zu denken und sie verfluchte es im selben Moment - leider änderte auch der nächste Selbstgebrannte nichts daran.
"Bring uns was Stärkeres", orderte sie deshalb, frustriert von ihren eigenen moralischen Ansichten, die ihr gerade den Spaß zunichte machten.
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:47
Dreckig, stinkend, ausgemergelt und zottelig ... aber er war es. Devastares Herz setzte ein paar Sekunden lang aus, als er den tot geglaubten Freund dort hocken sah, immerhin etwas Abseits vom Dreck, barfuß und eindeutig frierend, aber er war am Leben. Er achtete nicht darauf, wie die Zelle aussah oder wohin er trat, sondern war mit zwei schnellen Schritten bei dem anderen, ließ sich auf die Knie sinken und griff nach seinen Schultern. 
"Gawain", flüsterte er eindringlich und sein Griff war fest und hart, ganz anders als zuvor, während er Kira getröstet hatte. "Ich bin so froh, dich zu sehen ..." Was mussten sie nur für ein Bild abgeben? Ein Gefangener und ein Prinz, auch noch entsprechend gekleidet. Und doch war es Wärme, die Devastares Innerstes füllte, als er die vertrauten Gesichtszüge musterte. Er spürte, wie ihm die Augen zu brennen begannen und er lächelte entschuldigend und schief für diese sehr unmännliche Gefühlsregung. "Wir dachten, du wärst tot, dein Herz ... es hat nicht mehr geschlagen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1386
Anmeldedatum : 16.11.16
Alter : 23
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 16:59
„Komm du weißt doch selbst wie das ist, du bist doch täglich unter Männern.“ Antwortete Adair und hob interessiert den Kopf, als eine ebenfalls klare, aber wesentlich stärker riechende Flüssigkeit mitsamt abgenutzter Gläser auf ihren Tisch gestellt wurde. „Wer weiß ob ich morgen früh noch aufstehe“, murmelte er mit einem freudigen Grinsen, wartete ab bis auch Finnja den Rand vom Glas an ihre Lippen gesetzt hatte, woraufhin beide tranken. Feuer und Säure brannten gleichzeitig in seiner Kehle und beide kamen nicht umhin, lauthals zu husten.
„Das“, fing er an, nachdem er eine Weile lang Luft geholt hatte und sich langsam aber sich dazu zwang, wieder beherrschter zu atmen. „Problem bei bezahlten Frauen ist, dass es sich nicht so reizvoll anfühlt. Was soll ich denn mit jemandem der bereitwillig die Beine breit macht nur weil ich ihn mit Geld bewerfe bis er davon grün und blau ist? Und was das töten angeht … Nein, ich bin nicht mordlustig geworden. Aber ich habe gelernt was die Vorteile eines einfachen Gardisten sind.“

-------------------------------

„Junge?“ Seine Stimme war derart dünn, dass man Gawain wohl kaum wiedererkennen konnte, war der Waffenmeister doch jahrzehntelang eine Person gewesen, die jeder am Hof respektiert und dessen Stimme stets Gehör gefunden hatte, ohne wirklich viel sagen zu müssen.
„Was … tust du hier?“ Er konnte nicht die Kleidung erkennen die er trug, schließlich war die plötzliche Veränderung der Lichtverhältnisse noch immer schmerzhaft und verwirrend zugleich. „Hat man dich auch eingesperrt? Hast du dich fangen lassen?“
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 17:01
"Die Vorteile eines einfachen Gardisten?", echote Finnja und spürte, wie zumindest dieser Alkohol dafür sorgte, dass sich Wärme in ihrem Magen ausbreitete und ihre Gedanken träger wurden. "Was sind denn die Vorteile eines einfachen Gardisten? Keine Frau und Tochter, zu denen wir wieder zurück müssen? Niemand fragt uns nach unserer Meinung über Politik - eigentlich erwartet man nur von uns, dass wir uns vor jedes Schwert stürzen, das sonst unserem Herrn gilt und wir können Liebschaften anfangen, mit wem wir wollen? Wär dir das lieber?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 17:03
"Ich wünschte es wäre so", brachte Devastare heiser heraus und die Worte schmeckten bitter in Anbetracht dessen, wie er Gawain hier vorgefunden hatte und dass er trotzdem am liebsten den Platz mit ihm getauscht hätte. Er brauchte nicht fragen, ob sie ihn gut behandelten - das tat Thealon nicht und er wies auch seine Kerkermeister nicht zur Vorsicht an. Das hier war eine ganze eigene Art von Folter und während in Ekynes die Gefangenen wenigstens noch den Freitod wählen konnten, war hier ... alles nur aussichtslos und dunkel. Kein Licht, kein Fenster - nur Gestank und der Tod, der in den Ecken lauerte. Er konnte Gawain nicht hier lassen. 
"Hör mir zu, Gawain", bat er ihn und hoffte, Kira konnte die Wachen noch ein paar Minuten hin halten. "Wir werden dich hier heraus holen und wenn es so weit ist, dann bitte ich dich, lauf. Lauf so weit fort du kannst und erhole dich und schau nicht zurück. Das hier ist ein Ränkespiel in Positionen, in denen wir beide nichts verloren haben und ich habe keine Ahnung, wie man es spielt. Deshalb ... bitte. Sollte ich dich hier herausbekommen, dann geh und zaudere nicht eine Sekunde."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1386
Anmeldedatum : 16.11.16
Alter : 23
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 17:14
„Was denkst du denn? Das Leben als Earl kann ein einziger Scheißdreck sein“, der Alkohol machte sich nun auch nach und nach in ihm breit und ließ ihn wesentlich entspannter werden. „Natürlich könnte ich mir irgend eine Geliebte suchen aber … gut du hast mein Land noch nie gesehen aber gefühlt sind dort nur ehrenhafte Ritter, aufgetakelte Gockel die mir zeigen wollen wie ehrbar sie sind und feine Fräulein. Verdammt, manchmal hab ich das Gefühl das unsere Generation die letzte war, die zu normalen Menschen geformt wurde. All diese Leute haben jetzt so eine irrwitzige Vorstellung von Gepflogenheiten und was weiß ich nicht.“

-----------------

„Was denkst du denn?“ Kam es mit einer beinahe gebrochenen Stimme hervor und Gawains Mund verzog sich zu einem schmalen Lächeln, was dazu führte das sich auf der trockenen Haut seiner Lippen schmale Rissen abzeichneten. „Er hat mit irgendetwas durchs Bein getrieben, frag mich nicht was. Ich sehe es ja nicht einmal. Anfangs hat es geschmerzt, inzwischen“, er schüttelte als Vollendung nur den Kopf, da ihn das Reden so unglaublich ermüdete. „Junge“, fing er schließlich doch erneut an, da ihm die Sorge keine Ruhe ließ. „Was tust du hier? Geh nach Hause, versuch“, ein schweres Atmen hinderte ihn eine Weile lang am Sprechen. „Versuch unsere Heimat zu retten. Mithilfe unserer Leute, nicht dieser.“
avatar
Anzahl der Beiträge : 3331
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 17:19
"Adair, du hast ja keine Ahnung ... unser Prinzlein hat einen neuen Leibwächter, der der Inbegriff all dieser Tugenden ist. Galahad. 'N guter Kerl aber er palavert von Ruhm und Ehre, von Gerechtigkeit und Frieden und so weiter ...", stöhnte Finnja auf und ließ den Kopf auf die auf dem Tisch abgestützten Arme sinken, ihr Fluchen damit nur noch in Gemurmel enden lassend. Verdammt, die Augen schließen war eine blöde Idee - sie spürte, wie sich allmählich ihr Kopf weigerte, sich wieder nach oben zu richten. Blöde Situation, verflucht dämliche Situation, vor allem weil sie den anderen eindeutig nicht mehr vertragen lassen wollte als sie selbst. "Die Generation ist inzwischen auch hier angekommen und der verfluchte Kerl ist älter als ich!"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3473
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 6

am Fr 19 Jan 2018 - 17:21
"Ich wünschte, ich könnte es, Gawain", flüsterte Devastare leise und sah versichernd zur Tür zurück. Kira hatte sie geschlossen und er wagte es, einen winzigen Feuerball herauf zu beschwören, damit er sehen konnte, was Gawain meinte. Innerhalb von wenigen Sekundenbruchteilen ließ er die Helligkeit wieder verschwinden und Übelkeit übermannte ihn. Der Eisepflock war schmal, aber er war durch den hinteren Teil von Gawains Knöchel gerammt und im Boden verankert worden. Devastares Stimme brach beinahe, als er fortfuhr: "Caillean ist fort ... ich habe Foster einen Eid abgenommen, sie zu beschützen - wir wurden getrennt. Nicht einmal, ob sie noch am Leben ist, kann ich dir sagen und wenn es nicht so ist, dann ist Ekynes verloren. Keine Ahnung, was ich tun soll und es kommt mir so falsch vor - deine Lage ist weitaus schlimmer als meine."
Gesponserte Inhalte

Re: Kapitel 6

Nach oben
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten