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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:32 am
"Er wird ihr nur all die elenden Lügen eintrichtern, die ihre ganze Seele mit Schwärze überziehen", begehrte der andere mit gepresster, leiser Stimme auf, nachdem die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war und sie sich einige Schritte entfernt hatten, ehe er die Zähne aufeinander biss. "Was hat er mit dir gemacht, Elaine? Hat er noch etwas gegen dich in der Hand, abgesehen davon, dass Kira dieses Schloss nicht freiwillig verlassen wird? Ist es ein Eid? Sie ist deine Tochter, verdammt noch mal!"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:33 am
Thealon setzte sich hinter den Schreibtisch, und wies seiner Tochter den Platz gegenüber zu. "Kira, Kira, Kira..." ermahnte er sie tadelnd und schüttelte den Kopf. "Wieso schützt du ihn?" hakte er leise nach und auf ihr erschrockenes Gesicht hin zeigte er ein spöttiches Lächeln. "Ich bin Soldat mein Kind - den Kampfspuren nach müssen zwei Leute die Wachen ausgeschaltet haben und wenn es nicht die beiden Fremden waren und du dich nicht Zweiteilen kannst..." er ließ das Ende offen.
"Wieso?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:39 am
"Weil ich mir das nehmen kann, was ich will", antwortete Kira lediglich seelenruhig und ließ sich ihm gegenüber an den Tisch sinken, die Augen fest auf ihren Vater gerichtet. "Es sind ein paar Wachen gewesen. Caria hat genug Geld, um die Entschädigung für die Familien zu bezahlen und warum ich ihn befreit habe? Weil es die einzige Alternative ist, wie ich Devastare loswerden kann, bevor er mir meine Krone wegnimmt. Erpresst du ihn mit dem Mann aus den Kerkern hat er ja keinen Grund mehr zu gehen. Ich habe genug davon gehört, welche großen Pläne du für ihn an deiner Seite hast. Caria ist immer noch meine Heimat."

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"Devastare, ich wünschte, ich könnte etwas gegen ihn unternehmen! Ich kann nicht einmal seinen Befehlen widersprechen", setzte Elaine ihm kopfschüttelnd entgegen, weil sie sehr wohl wusste, was Thealon dort hinter verschlossenen Türen mit Kira besprechen würde - welche neuen Ansichten er in ihr verankern würde und wie viel Mühe es kosten würde, diese Lehren wieder vergessen zu lassen. "Glaubst du, mich kümmert es nicht, was er dort tut?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:42 am
"Ein Eid bindet dich", stellte er fest, obwohl die Bestätigung fehlte und sah sie entschuldigend an. "Caria ist ein reines Hindernislaufen für mich. Verzeih." Eine Weile schweigend gingen sie nebeneinander her, bis Devastare an seinen eigenen Gemächern ankam und Elaine mit einer sanften Geste aufforderte, ihm zu folgen. "Kira hat nicht ganz gelogen. Sie hat euch belauscht ... und kam dann zu mir."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:43 am
Das stumme Lachen ließ Thealons Schultern erbeben, während Kira ihm hier ihre Motivation offenlegte. "Du hast nicht nur bei Elaine gelauscht, was?" fragte er leise nach und schüttelte ungläubig den Kopf.
"Kira - ich habe dir versprochen, dass Caria dir gehören wird. Aber ich brauche Devastare um Ekynes zu erobern - und er wird nicht spuren, wenn ich versuche ihm mit Argumenten und lieben Worten beizukommen. Und ich kann ihn auch nicht fortschicken. Noch nicht - doch je früher er bereit ist Ekynes im Namen Carias zu regieren, desto früher musst du dich nicht mehr mit ihm herumschlagen. Dummerweise hast du mit deiner Aktion allerdings diesen Zeitraum noch verzögert. Ich habe zu wenig Information über deinen Bruder um ihn zu Greifen zu bekommen. Ich weiß zu wenig, als das ich ihm die Bedeutung all dessen wirksam eintrichtern könnte!"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:48 am
"Du hast einen geisteskranken Wahnsinnigen nach Ekynes geschickt, der das Land nach und nach in den Ruin führen wird. Ich verstehe nicht, warum du es unbedingt besitzen willst, wo es zerstört doch genauso gut ist", setzte Kira ihm lediglich entgegen und griff nach dem Kelch ihres Vaters, um daraus einen Schluck zu trinken, weil ihre Kehle inzwischen schon ausgetrocknet genug war. "Lass ihn einfach gehen. Er will nicht hier sein und du vergeudest nicht viel mehr als mehr und mehr Energie. Willst du ihn brechen, machst du dich vor dem Volk lächerlich, weil du deinen eigenen Erben nicht unter Kontrolle hast und lässt du ihn stattdessen hier bringt er noch mehr durcheinander und was das lauschen angeht - du hast mir beigebracht alles in diesem Schloss sehr genau im Auge zu haben", führte sie fort und stellte den Kelch wieder auf dem großen Schreibtisch ab.
"Tu nicht, als wärst du wütend auf mich. Du hättest es genauso getan an meiner Stelle."

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Elaine schloss langsam die Augen und seufzte dann schwer, weil sie es bereits befürchtet hatte als sie vor einigen wenigen Minuten erfahren hatte, dass jemand Gawain befreit hatte. Noch einmal ging sie in Gedanken das durch, was dort am vergangenen Abend gesprochen worden war. "Kira sollte davon nichts hören müssen ...", bemerkte sie nur leise. "Danke, dass du dich um sie gekümmert hast."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:51 am
"Dafür nicht", wehrte Devastare ab und ließ sich auf die Bettkante sinken, gedankenverloren die Stelle am Bein massierend, die in der Nacht ziemlich gelitten hatte unter dem zusätzlichen Gewicht. "Und ich glaube, so sehr du die Dinge auch von Kira fernhalten willst - mit der Unwissenheit treibst du sie in Thealons Arme. Sie ist kein Kind mehr."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 1:53 am
"Hätte ich wohl," erwiderte Thealon. Genau das war der Punkt, der ihn hatte hellhörig werden lassen. Sie war ihm ähnlicher, als er sich selbst oft zugestanden hätte. "Wenn ich Devastare nun gehen lasse Kira, mache ich mich ebenso zum Gespött! Ich habe keine andere Wahl als nun dem Pfad zu folgen, den ich eingeschlagen habe. Zudem reicht es mir nicht Ekynes einfach nur zu zerstören. Ich will ihnen die selbe Schmach zufügen, die einst uns angetan wurde!" erklärte er und nippte an seinem Weinen. "Hilf mir ihn auf seine Rolle als König von Ekynes vorzubereiten. Sorge dafür, dass er dich nicht verrät und hilf mir ihn auf Kurs zu bringen. Dann - und das verspreche ich dir - wird er keine Gefahr für deine Krone darstellen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:00 am
"Wahrscheinlich hast du Recht ...", räumte Elaine leise ein, weil ihr beim besten Willen nichts einfiel, womit sie seine Worte entkräften konnte. "Thealon wird sie nicht sein lassen, so bitter das auch ist. Er hat ... einen Pakt mit Rhiannon geschlossen, um ihr Leben zu retten - diejenigen, die in Sirean fallen, werden es in ihrem Namen tun und dafür hat Kira eine tödliche Entzündung überlebt. Thealon bedeutet nichts wirklich etwas außer seiner Macht und seiner Tochter."

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"Dann behaupte doch einfach, er wäre in den Kämpfen um Sirean gefallen. Du trägst gespielte Trauer und er kann seiner Wege ziehen, ohne dich weiter zu belasten. Du musst dir keine Gedanken mehr um dein Erbe machen, weil sein Name gestrichen wurde und alles wird wieder so entspannt wie es früher einmal war", antwortete Kira schulterzuckend, den Blick seelenruhig weiterhin auf dem Gesicht ihres Vaters ruhen lassend.
"Was Ekynes angeht. Es gab niemals Beweise dafür, was mit deiner Frau passiert ist und auch sonst erinnert sich niemand mehr daran, warum dieser Streit ausgebrochen ist. Du hast genug Kinder. Es gibt wesentlich mehr Länder als das. Desolatere und lohnenswertere Länder als Ekynes. Kümmere dich doch einfach zuerst um die."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:04 am
"Das wäre mir gar nicht aufgefallen ..." Devastare rieb sich die Stirn, konnte irgendwie keinen klaren Gedanken fassen. Gawain war am Leben - und so schnell und heftig die Freude darüber gekommen war, war sie in Sorge und erneute Einsamkeit umgeschlagen. Nicht, dass er ihn hier hatte behalten wollen, nicht so, aber spätestens als Coreen ihn in ihren Klauen davongetragen hatte, hatte sich die schwere Decke der Bürde wieder über ihn gelegt. "Coreen lässt dich grüßen. Sie hat auf meinen Ruf reagiert und Gawain abgeholt. Er war in ... keinem guten Zustand."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:05 am
"Ich habe zwei Kinder Kira - dich und Devastare. Nur noch dich, wenn ich deinem Plan folge. Was ich aber nicht werde, denn er ist ein Kind der Prophezeihung. Versuche ich dieses Prophezeihung zu ignorieren ist die Gefahr groß, dass sie sich gegen uns und unser Land wendet. Wir müssen ihn einsetzen Kira daran führt kein Weg dran vorbei und das ist nichts über das ich mit mir diskutieren lasse!" er machte eine wegwerfende Handbewegung. "Und ich meinte nicht meine Frau Kira! Ich meinte die alte Geschichte - jene, weswegen einst der Krieg ausgebrochen ist. Ekynes mag sie verdrängt haben um sich keiner Schuld bewusst zu sein, aber unsere Familie trägt sie noch immer im Herzen und du wirst sie früh genug erfahren. Wenn es für dich soweit ist die Krone zu tragen!" er schloss für einen kurzen Moment die Augen.
"Du sagtest, du willst dir nehmen was du willst wenn du es kannst. Dann gut Kira - du bist in einer guten Position. Ich will Informationen über Devastare die du hast - im Ausgleich will ich dir einen Wunsch erfüllen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:12 am
Langsam beugte sich Kira ein Stück nach vorn und stützte sich mit den Armen auf der Tischplatte ab. "Sieht aus, als hätten wir eine Pattsituation", begann sie nur und ein kühles Lächeln schob sich über ihre Züge. "Du brauchst mich dringend, um Informationen über meinen Bruder zu bekommen, damit die Prophezeiung eintritt und er wirklich Ekynes endgültig zerstört, denn du selbst hast dir die Position verspielt von ihm auch nur irgendetwas außer Verachtung zu bekommen", begann sie zu erklären und schob den Stuhl zurück, bevor sie sich aufrichtete. Sie war in einer guten Position und sie würde sich diese Position nicht einfach wieder aus der Hand nehmen lassen, indem sie jetzt blindlings den Worten ihres Vaters folgte und sich darauf verließ, er würde ihr schon ihre Wünsche erfüllen.
"Sieht aus, als würdest du in Vorleistung gehen müssen, bevor du etwas von mir zurück bekommst. Du weißt ja, was ich will, nehme ich an? Ich würde mich jetzt gern anziehen und für das Frühstück fertig machen."

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Coreen hatte Gawain abgeholt. Das bedeutete zumindest, dass es der Freundin gut ging und erleichtert atmete Elaine darüber auf. Sie hatte darauf gehofft, dass es ihr gut ging, hatte es aber vermieden ihrer Spur mit Magie zu folgen aus Angst, es würde dafür sorgen, dass sie eventuelle Häscher leichter auf ihre Spuren brachte. Was Gawain anging ... sie wusste, wie Thealon seine politischen Gefangenen behandelte. "Coreen und Aristeas sind auf der Suche nach Karsh. Wenn sie ihn finden, dann weiß er am Besten, wie Gawain die Behandlung hier übersteht. Alles Weitere ... liegt leider an ihm selbst."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:17 am
Thealon betrachtete seine Tochter eine ganze Zeit lang, ehe er einen Zettel von Stapel nahm und einige kurze Zeilen darauf niederließ, ehe er sich mit dem spitzen Ende der Feder in den Daumen stach und einige Tropfen auf das Papier fallen ließ, welche sich dort einsogen. Er rollte das Papier zusammen und gab es Kira. "Hier," erklärte er leise. "Ihr beide müsst das Pergament gemeinsam in der Hand halten und den Flammen übergeben. Vergrabt die Asche danach unter einer Eiche. Damit gebt ihr den Pakt wieder an die Götter zurück."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 2:58 pm
Beinahe hätte sie erleichtert über die Geste aufgeatmet, hielt sich dann jedoch im letzten Moment noch zurück, weil es nur bedeutet hätte ihm zu zeigen, wie wichtig es ihr war dieses Papier mit seinem Blut zu bekommen, um den Schwur aufzuheben, der Ilian an sie band und den weder er, noch sie wollte. Sie wusste nicht, ob er danach noch mit ihr sprechen würde - ob er etwas mit jemandem zu tun haben wollte, der einer solchen Familie angehörte und der bereit war mit unlauteren Mitteln seinen Willen durchzusetzen. Es würde an ihm liegen, sie wollte ihn nicht zwingen, was daraus werden würde, würde er entscheiden und sie würde mit dieser Entscheidung leben müssen. Betont ruhig trat Kira jetzt zurück zu dem Tisch, an dem ihr Vater saß und legte die Finger um das Pergament. "Danke."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:01 pm
Als Kira sachte zog um das Dokument zu bekommen, hielt Thealon jedoch weiterhin seine Finger darum geschlossen und schenkte seiner Tochter ein Lächeln. "Ah ah ah-" murmelte er leise und zeigte ein verschlagenes Lächeln. "Ich habe meinen guten Willen gezeigt - aber du schuldest mir noch etwas!"
___________
Der lange Umhang aus gesteppter Wolle schmiegte sich warm und weich an die Schultern des alten Magiers, floss geradezu über seinen Rücken und sog sich am Saum mit der Feuchte voll, die er dem Moos abrang.
Der alte Magier hielt seine Hände über das Feuer, sog die Wärme in sich auf, spürte die Energie und Kraft des Feuers, die durch seine Poren und Adern strömte und einen Punkt tief in seinem inneren erreichte, ehe er langsam und stetig ausatmete. Er schmeckte die von tosendem Eifer aufgeladene Luft auf der Zungenspitze, spürte das pulsieren eines fernen Herzens, welches nach Erlösung flehte und griff nach seinem Stab, welchen er einmal kurz auf den Boden aufschlug. Das Lagerfeuer vor ihm schoss in einer gewaltigen Stichflamme nach oben, vorbei an den Kronen der Bäume, die sich zur Lichtung hin geneigt hatten und hoch in den Himmel. Ein deutliches Zeichen für die Drachen, deren Anwesenheit er spürte.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:14 pm
Die Stichflamme gehört so eindeutig zu Karsh, dass Coreen vor lauter Erleichterung beinahe Gawain etwas lockerer gelassen hätte, den sie in ihren Klauen barg und der wie eine Puppe unter ihr im Wind schaukelte. Er hatte sich kaum mehr geregt, seit sie ihn gefunden hatte und noch immer schaffte sie es nicht, vollständig zu verstehen, wie von 'Er ist tot' der Weg hin zu 'Er ist am Leben - aber ziemlich ramponiert' geführt hatte. Sie war froh darum, mehr als froh, aber das, was für den Vertrauten kommen würde, könnte sein Ende sein. Etwas zu wild mit den Flügeln schlagend hangelte sie sich tiefer, fühlte sich wie eine Libelle und das leider aber ohne die Schnelligkeit, die das Insekt ausmachte. Tiefer und tiefer. Bitte, schoss es ihr durch den Kopf, bitte lass mich ihn nicht zerquetschen beim Landen!
Und wundersamerweise gelang es ihr, ihn sacht abzulegen und während sie sich zurückverwandelte, stolperte sie, bis sie schließlich auf allen Vieren selbst zum Stillstand kam. 
"Karsh ... bitte sag mir, du hast Caillean gefunden oder weißt, wo sie ist", flehte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch und sah über die Schulter zu dem alten Magier hin, ehe sie sich traute, erneut zu Gawain zu sehen.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:16 pm
Alles in diesem Leben hatte einen Haken und Kira überlegte für einen kurzen Moment, was sie ihm sagen konnte, ohne dabei gleich automatisch alle Wahrheit aus den Händen zu geben. Sie hatte dort unten in der Zelle genug gehört, um Devastares Leben hier im Schloss hier zu beschweren - hätte ihm sagen können, dass Devastare ein Magier war, dass seine Freundin ein Drache war und Gawain weggebracht hatte, dass er vor hatte, sich Thealon auf ewig zu widersetzen um seine eigene Heimat zu befreien, dass er Ekynes mit Sicherheit nicht an Thealon übergeben wollte. Sie entschied sich schließlich für das, was sein Leben am Wenigsten beeinflussen würde, insbesondere jetzt, wo er sich hier in Winterbroke aufhielt.
"Ekynes' Königin ist verschwunden. Er hat mit dem Gefangenen in der Zelle darüber gesprochen, dass der andere sie finden soll, als er geglaubt hat, ich höre die beiden nicht", sagte sie stattdessen und atmete noch einmal tief durch. Sie würde Devastare vorwarnen müssen, dringend, sobald sie diesen Raum hier verlassen hatte. "Er liebt sie."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:25 pm
"Das ist wahrhaftig eine interessante Information," stellte Thealon leise fest und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Wahrhaftig... ich danke dir mein Kind," er lockerte den Griff um die Pergamentrolle und überließ sie somit Kira. "Nimm sie Kira und tu was du nicht lassen kannst," erklärte er leise, deutete mit einem Nicken zur Tür.
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"Gefunden?" hakte Karsh ungläubig nach und hob die Brauen. "Was meinst du mit gefunden? Was bei allen Göttern ist geschehen Coreen? Ich bin auf den Weg zurück nach Ekynes - ich spüre das Land nicht mehr, konnte nicht auf magischen Wege zurück kehren. Sprich!"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:28 pm
"Ich werde diesen vermaledeiten Schwur aufheben, den du Ilian aufgezwungen hast", setzte sie ihm lediglich mit einem knappen Lächeln entgegen bevor sie sich mitsamt der Pergamentrolle auf den Weg zur Tür machte, die Rolle wie einen Schatz vor sich mit beiden Händen umschlossen haltend. "Wir sehen uns beim Essen, Vater", verabschiedete sie sich und straffte noch einmal ihre Haltung bevor sie die Tür öffnete, um hinaus in den Gang zu treten. Erst als die Türen mit einem Klicken wieder hinter ihr ins Schloss fielen, begann sie zu rennen.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:31 pm
"Du weißt von nichts? Nichts?! Also so ... gar  ... nichts?!" Verzweifelt einen Schrei aus ihrer Kehle bringend ließ sie sich längs auf den Boden sinken und verschränkte die Hände hinter ihrem Kopf, drückte die Stirn in den Schnee und raufte sich dabei die Haare, als würde das Besserung bringen. Tat es nicht. 
Als sie sich aufsetzte saß da wieder die gefasste Soldatin vor ihm, die Gawains Kopf in ihren Schoß zog und sich mühte, ein paar Blätter und Tannennadeln von seiner Wange zu picken. Ihre Stimme war tonlos, als sie herunterratterte, was passierte. "Wir wurden überfallen - hielten Gawain für tot. Caillean und Foster - ein Marineoffizier - sind auf der Flucht. Wir anderen wurden erneut aufgegriffen von einer Truppe carianischer Gardisten und ins Schloss gebracht. Devastare ist bei Thealon und seiner Schwester - ach übrigens, sie sind Elaines Kinder, sie ist auch dort geblieben - und das verdammte Arschgesicht von König dort hatte Gawain und wollte ihn als Druckmittel benutzen. Devastare hat ihn mit Kira rausgeschafft und mich gerufen und mich gebeten, Caillean zu suchen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:36 pm
"Ruhig," erwiderte Karsh leise. "Ganz ruhig Coreen - atme tief durch. Du sagst... ihr wurdet überfallen? Und... ihre Majestät befindet sich nicht mehr in Ekynes? Und... Devastare ist.... und wer ist Kira? Ach die Schwester... also... mhm..." der alte Magier griff nach seinem Stab, stützte sich auf diesen und wirkte noch ein gutes Stück älter als er dies für gewöhnlich tat. All das war ein wenig viel, doch er versuchte sich den Schock über die Ereignisse nicht anmerken zu lassen und verdammte sich selbst dafür, dass er all dies nicht bemerkt - nicht gesehen hatte.
"Was ist mit Gawain? Wie schlimm ist er verletzt? Weißt du genaueres?" fragte er leise und warf dem Waffenmeister einen besorgten Blick zu. Sie konnten sich später einen Plan für alles andere überlegen.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:41 pm
"Ich habe nur den Notruf erhalten und ihn abgeholt - ich weiß nicht mal, wie lange er schon dort unten war. Wir wurden vor Wochen getrennt - es müssen fast zehn sein", gab sie Auskunft und seufzte leise, sich über das Gesicht fahren, um einigermaßen Ordnung in sich zu bringen. "Königin Caillean hat Ekynes mit uns verlassen. Morys hat sie misshandelt, sie wollte Devastare nicht alleine lassen und einen Weg finden, ihren Thron zurück zu erobern", führte sie etwas genauer aus und nahm dankbar den Umhang entgegen, den Karsh ihr hinhielt, um ihn über Gawain zu breiten. "Sein Fuß muss das Schlimmste sein."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:47 pm
Karsh nickte knapp und ging neben Gawain in die Knie, betrachtete sich dessen Gesicht, die ausgemergelte Gestalt. Die Knochen zeichneten sich mittlerweile gut sichtbar unter der Haut ab, die eine äscherne Färbung angenommen hatte. Der Fuß stand in einem seltsamen Winkel ab und das Tuch, dass ohne jeden Zweifel von Devastare darum gewickelt worden war, hatte sich mit dunklem Blut vollgesogen. Sanft und sorgfältig befreite er den Fuß von der Bandage und besah sich das Chaos, was einst ein Fuß gewesen sein musste. Er hörte den rasselnden Atem von Gawain, ertastete mit zwei Fingern den unregelmäßigen Puls und warf Coreen einen besorgten Blick zu. "Er liegt im sterben," erklärte er der anderen leise und mitfühlend. "Ich kann ihn retten, aber dafür ist große Macht von Nöten. Und seine Einstimmung, die er aber wohl nicht mehr leisten kann. Ich brauche jemanden, der mir die Erlaubnis gibt. Du musst es sein Coreen - sag mir, will er weiterkämpfen?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:49 pm
"Wenn er es nicht wollte, dann wäre er bereits tot", konterte Coreen und biss die Zähne zusammen, gänzlich gegensätzlich zu dieser harten Geste waren ihre Berührungen an Gawains Schopf immer noch sanft. "Rette ihn."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:55 pm
"Gut," erwiderte Karsh und legte den langen Stab bei Seite, ehe er sich über Gawain beugte und beide Hände über ihn erhob. Er lauschte dem Atem des anderen, dem Herzschlag und dem inneren Kampf, den der alte Waffenmeister austrug. Karsh hatte seit vielen hundert Jahren keine Magie mehr angewandt, deren Macht sich in einem solchen Spektrum befand, wie er es nun wieder zu greifen bereit war. Etwas in ihm fürchtete sich davor wieder diese Türe aufzustoßen und zu dem zu werden, was er einst gewesen war. Er hatte viele Jahrhunderte lang geglaubt bereits genug Unheil angerichtet zu haben. Aber das hier? Das Leben eines Mannes zu retten, nachdem er bereits so viele verloren hatte? Es gab keine Frage nach richtig oder falsch und so richtete er die Essenz seines puren Willens auf Gawain.
Reines Licht begann ihn zu umhüllen, zu umfließen und ihn von innen nach Außen zu erfüllen, während die Wärme in seine Glieder zurück kehrte. Karsh atmete tief ein und aus, während die Kraft zurück in den alten Waffenmeister schloss, sich seine Muskeln wieder aufzubauen begannen und die Blutung langsam stoppte und selbst einige Strähnen grauen Haares sich wieder etwas dunkler färbten. Es dauerte eine kurze Weile, ehe das glühen verschwunden war und der alte Waffenmeister einen tiefen, nach Luft schnappenden Atemzug nahm.


Zuletzt von Yannic am Sa Jan 20, 2018 4:01 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kapitel 6

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