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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 3:56 pm
Ilian hatte sich nach dem Vorfall mit Kira nicht mehr beim Schwertkampf blicken lassen, zu groß war die Angst gewesen dem König noch einmal vor die Augen zu treten. Seinem Vater hatte er indes nichts davon erzählt. Zwar hatte sich dieser gewundert und war ein wenig besorgt darüber, dass der Junge den Übungen die er vorher so geliebt hatte, nun fern blieb, doch hatte er die damit entstandene, zusätzliche Arbeitskraft durchaus begrüßt. Inzwischen nahm er seinem Vater fast jeden Gang in die umliegenden Wälder ab, verbrachte ganze Tage damit in den kleinen Hochsitzen die Fauna zu beobachten und zu prüfen, ob irgend eine Wildbestand in derart großer Anzahl vorhanden war, dass er für die Bewohner oder für etwaige Jagdgesellschaften gefährlich werden konnte. Auch die Fallen legte er größtenteils selbst aus und legte dann und wann mit dem alten Jagdbogen seines Vaters einen Hirsch. Dieser indes war inzwischen voll auf damit beschäftigt, all die Felle für die Gerber vorzubereiten oder aber soweit zu präparieren, dass man sie verkaufen konnte.
Auch an diesem Morgen, die Sonne war gerade im Begriff aufzugehen, stapfte Ilian aus den Ausläufern des Waldes, um seinen Körper mehrere Schichten Kleidung die allesamt in einem Braun- oder Grauton gehalten waren und hier und da fellbesetzte Fransen aufwiesen. Über seiner Schulter hingen vier Hasen, die er so zusammengebunden hatte, dass zwei vor seiner Brust und zwei auf seinem Rücken hingen. Zusätzlich dazu hatte er zwei Füchse erlegen können, deren Fell durch die aktuelle Mode am Hof durchaus gefragt war. Eben diese fielen jedoch zu Boden aus er zu, ersten Mal seit Wochen Kira sah. Die toten Tiere verursachten nur ein leises Geräusch im Schnee als sie zu Boden gingen und schnell besann sich Ilian wieder und griff beide auf, den Blick ein wenig gesenkt. „Guten Morgen“, begrüßte er die andere verlegen, unsicher wie er die Andere überhaupt begrüßen sollte.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:08 pm
Das Zusammentreffen mit Ilian war anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Kira fühlte den unsichtbaren Schlag in den Magen und wie ihr die Luft aus den Lungen gepresst wurde, als sie abrupt stehen blieb und nach den Worten suchte. Sie wusste nicht, ob sie ihn begrüßen sollte, nachdem sie einander während der letzten paar Wochen immer wieder aus dem Weg gegangen waren - keiner von ihnen war beim Training gewesen, sie nicht, weil sie befürchtete ihn dort zu treffen und umgekehrt schien es ähnlich verlaufen zu sein, wie sie vermutete als sie die toten Tiere auf dem Boden sah. Es tat weh, ihn jetzt wieder vor sich zu sehen und die Vorsicht in seinem Gesicht zu sehen, die vorher dort nicht gewesen war, es schmerzte zu spüren, dass diese unbekümmerte Vergangenheit sich nicht mehr wiederherstellen lassen würde, egal, was sie versuchte. Ihre Finger zitterten als sie das Pergament fester umgriff und mit trockenem Mund ein heiseres "Ich kann das aufheben" hervorstieß. "Den Eid ... du kannst wieder frei sein", setzte sie nach einer Weile nach und streckte die Hand mit der Rolle aus.
"Ich weiß, dass es ... nicht viel helfen wird ... aber dann hast du wenigstens wieder die Wahl ..." Kira schluckte, versuchte sich wieder zu fassen, weil die Erinnerungen an die Ereignisse in der Hütte zurückkehrten. "... es tut mir so leid, was passiert ist ... ich wollte das alles nicht. Ich hab das nicht einfach so sein lassen können ... wenn der Eid weg ist, dann musst du nichts mehr für mich tun, was du nicht willst und ... du kannst dir jemanden suchen, den du magst und mit dem du glücklich werden kannst ..."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:10 pm
Gawain fühlte sich als wäre er in einem Rausch, nur das sich vor seinen Augen nichts drehte. Er fühlte sich seltsam klar und eine unvergleichlich angenehme Wärme drang aus seinem innersten. Für einen Moment glaubte er, er würde nun sterben. Vielleicht war er es auch für ein paar Augenblicke, denn kurz zuvor hatte er bereits einen ruhigen, ja beinahe sanften Frieden gespürt, während sein Körper langsam losgelassen hatte. Von dieser Welt, von diesem Leid. Von allem. Doch irgendetwas oder irgendjemand hatte ihn zurückgeholt, hatte ihn aus der Ebene zwischen den Welten gerissen und ihn wieder zurück zu den Lebenden geholt. Als er nun die Augen aufschlug und zuerst in das Gesicht von Karsh sah, musste er lachen. Er wusste nicht einmal wirklich warum, doch war ihm dies in diesem Augenblick auch gleich. Freude füllte sein Herz und seinen ganzen Körper, auch wenn er sich bald dabei ertappte, wie er trotz des plötzlichen Hochgefühls wieder zurücksinken musste, da sein Körper noch bei weitem nicht bereits für irgend eine Belastung oder auch nur eine Bewegung war. Doch die Knie auf die er wieder zurücksank, ließen ihn stutzig werden. Er drehte langsam den Kopf und blickte in ein Gesicht, eingerahmt von schwarzen Wellen und einer weichen Kontur. „Coreen.“


Zuletzt von Stimmi am Sa Jan 20, 2018 4:14 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:13 pm
Das Leben war so eindeutig wieder in Gawain zurückgekehrt, obwohl er immer noch mitgenommen aussah und ein schmales Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel, als sie sich hinunter beugte und mit ihren Fingern nach seinen griff. Es fühlte sich wieder normaler an - seine warm, ihre kalt. 
"Ich bin hier."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:21 pm
Eine ganze Zeit lang stand Ilian einfach nur da und wusste nicht, was er sagen sollte. Eine Zeit lang hatte er befürchtet die Andere würde sich an ihm rächen wollen, dafür das er sie in all dies mit hinein gezogen hatte, denn schließlich war er es gewesen, der damals die Initiative ergriffen hatte. Der mit der eingebildeten Erfahrung eines jungen Mannes auf sie zugegangen war um ihr etwas zu nehmen, das zu besonders für ihn, einen einfachen Jäger, war. Irgendwann hatte er vermutet, dass Kira sich einfach nicht mehr mit ihm abgeben wollte und nun die Gesellschaft höherer Herren zu schätzen gelernt hatte. Doch das sie dieses Band aufheben wollte und aufgelöst hier vor ihm stand, den Tränen nahe und ebenso wie er voller Scham, damit hatte er nicht gerechnet. „Ich“, begann er und blickte an sich herab, um kurz darauf amüsiert zu Schnaufen. „Würde dich umarmen, Kira. Aber ich glaube nicht das du den Geruch von toten Tieren schätzt.“

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„Ich dachte“, er bewegte seinen Daumen langsam über ihre Hand und bei dem Gefühl der sanften Kälte, dass wie immer von ihrer Haut ausging, überkam ihm ein leichter Schauer. „Aber wie?“ Hakte er nach, unsicher was in den letzten Stunden geschehen war und wie viel davon er sich eingebildet hatte und wie viel nicht. „Wie kommt ihr beide hier her?“ Nun sah er auch zu Karsh, wagte es jedoch nach wie vor nicht seinen Oberkörper weiter nach oben zu bewegen und blieb einfach auf den Knien des Drachen liegen.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:28 pm
"Glückliche Zufälle", murmelte Coreen ausweichend und sah dann hinauf zu dem Magier, den sie schon so lange kannte. "Danke."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:32 pm
"Nicht dafür," erwiderte Karsh leise der in keinster Weise erschöpft aussah und sich stattdessen auf einen alten Baumstamm setzte und auf den Topf deutete, der in der Mitte des Feuers stand und vor sich hin blubberte. "Ich fürchte mein kleiner Trick mit der Stichflamme hat es ein wenig verkochen lassen," erklärte er leise und deutete dann zu einigen Schüsseln, die einen Augenblick zuvor noch nicht dort gestanden hatten. "Aber es ist besser als nichts und es füllt den Magen. Nehmt euch, esst und atmete tief durch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es kein Problem auf der Welt gibt, dass man nicht mit gefülltem Magen besser angehen kann."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:33 pm
Zwischen all der Scham und den Zweifeln, der Furcht davor ihn zu verlieren, jetzt die Worte zu hören, brachte sie dazu leise aufzulachen. "Du hast ja keine Ahnung, was ich getan hab, um das hier zu bekommen." Und es war besser, wenn er es gar nicht erst wusste. Sie hatte sich mit ihrem Vater angelegt, ihren Bruder ans Messer geliefert um diese dämliche Pergamentrolle zu bekommen, die sie jetzt hier hatte, insgeheim noch immer darum betend, dass Thealon sie nicht verraten und belogen hatte. Es war ein Anfang, sie redeten inzwischen wenigstens wieder miteinander, selbst wenn es nicht das werden würde, auf das sie einst gehofft hatte und an dem ihr Herz noch immer ein wenig hing. Hoffnungen darauf machte sie sich seit der Nacht im Dorf keine mehr - wahrscheinlich wäre sie an seiner Stelle genauso vor sich zurück geschreckt. "Tote Tiere sind mir gerade ehrlich gesagt ziemlich egal", sagte sie nur leise und schob ihm die Pergamentrolle in die Hände. "Ich wollte nie, dass dir was passiert ... du warst immer der Einzige, dem es egal war, was ich war und ... ich will nur, dass du glücklich bist."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:37 pm
So vorsichtig wie möglich half Coreen Gawain in die Aufrechte, blieb aber bei ihm sitzen - nur für den Fall, redete sie sich selbst ein. Aber innerlich wusste sie es besser. Vorwürfe meldeten sich in ihrem Kopf, warum sie nicht genauer nachgeprüft hatte, ob Gawain wirklich tot war, warum sie ihn nicht in Sicherheit gebracht hatten. Es war vorbei und sie würde spätestens morgen all diese Gedanken abgeschüttelt haben, doch heute waren sie da. Heute würde sie sie zulassen und sich damit beruhigen, dass er lebte. 
Eine Weile sah sie hinüber auf Gawain, der seine Schüssel in den Händen hielt und futterte wie ein Verhungernder und wenn man seinen Zustand von vor einer halben Stunde in Betracht zog, dann war er das ja auch. Ihre eigene Schale lag fast vergessen in ihren Fingern, der Löffel steckte in dem unkenntlichen Suppenbrei, der es geworden war, während ihr die kalte Nachtluft mit dem Feuergeruch um die Nase zog.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:45 pm
Ilian zog die Stirn kraus und presste die Lippen kurz aufeinander, als er das kleine Stück Pergament in seinen Händen betrachtete. „Das“, fing er an und legte schon in das erste Wort des Satzes all seine Verwunderung, „soll also ausreichend sein um irgend einen Schwur zu lösen? Ich muss zugeben ich hatte mir so etwas immer, naja. Anders vorgestellt. Größer. Mit Rauch und Nebelschwaden und Gesängen im Hintergrund, während man irgendwelche alten Verse zitieren muss.“ Er wusste schlichtweg einfach nicht was er damit anfangen sollte, griff dementsprechend sacht und im ersten Moment zögernd nach Kiras Hand und legte das Pergament wieder in diese. „Ich glaube nicht dass das etwas ist, was wir unter freiem Himmel besprechen sollten. Wenn du mitkommen willst können wir das bei mir Zuhause besprechen. Mein Vater wird noch den ganzen Tag unterwegs sein um die Felle und Häute zu verkaufen.“

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Im Grunde war es ihm vollkommen gleich was er da gerade aß, denn nach seiner Zeit im Kerker waren seine Geschmacksknospen, so schien es ihm zumindest, beinahe vollkommen eingegangen. Jedes Stück Gemüse, jeder Tropfen Soße fühlte sich wie etwas Besonderes, etwas Neues an. Dementsprechend kam er nicht umhin sich nach der ersten Schale einen Nachschlag zu greifen und kurz darauf noch einen weiteren. „Ich verstehe das immer noch nicht ganz“, fing er schließlich an, nachdem er die dritte Portion verspeist hatte und mit einem Mal ein gigantisches Völlegefühl in seinem Magen spürte. „Wo sind wir hier?“ Die Umgebung war ihm unbekannt, ebenso der Umstand wie er hierher gekommen war, auch wenn er mit Coreen neben sich vermutete, dass sie ihn in der Luft transportiert hatte.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:52 pm
"Wir sind hier in Miris - zumindest würde das der Earl of Joun behaupten. Wenngleich ihm auch ihre königliche Majestät von Ayantis widersprechen würde. Wir sind in einem Waldstück, dass sie selbst Ayantis zuordnet. Allerdings sind die Grenzen ein wenig durcheinander geraten. Bis vor zwanzig Jahren markierte der Fluss Nor die Grenze zwischen den Reichen. Aber seit dem Erdbeben hat sich der Flussverlauf verzogen und nunja..." er zuckte mit den Schultern. "Menschen und Drachen sind sich in besonders einer Sache sehr ähnlich - ihrer Angewohnheit Besitzansprüche auf Ländereien zu stellen. Es gibt böses Blut zwischen ihnen, nicht zuletzt deswegen. Aber ich habe aufgegeben dagegen angehen zu wollen - schließlich hätte ein ähnliches Problem einst fast Ekynes zerstört. Weder die Eine noch die Andere Partei hat seitdem etwas daraus gelernt."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 4:53 pm
"Gern", stimmte sie kleinlaut zu und nickte dann kurz, das Gespräch mit ihrem Bruder noch einen kleinen Moment nach hinten schiebend. Das hier war wichtig und es hatte schon viel zu lang gedauert, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Die Berührung an ihrer Hand und war sie auch noch so klein und nur um ihr das Pergament zurück zu geben, kribbelte dort noch immer und während sie ihm bis in sein Zuhause folgte, ertappte sie sich selbst dabei, wie immer wieder der kurze Anflug eines Lächeln über ihre Züge huschte, ganz ohne dass sie es eigentlich wollte. Oh, sie würde jeden umbringen, der jetzt auf den Gedanken kam schon wieder dazwischen zu platzen und aus einem einfachen Gespräch eine Riesenszene zu machen, die sie beide überhaupt erst in die unangenehme Situation gebracht hatte. Neugierig wanderte Kiras Blick durch die großen Räumlichkeiten in einem der anderen Flure des Schlosses und mit Erstaunen stellte sie fest, dass sie hier noch nie gewesen war - in all den Jahren noch nicht. Trophäen, die Ilians Vater hatte behalten dürfen, hingen an den Wänden, teilweise von Tieren, die sie noch nie lebend zu Gesicht bekommen hatte.
"Es ist hübsch hier", sagte sie nach einem kurzen Moment des Schweigens. "Es ist wesentlich gemütlicher als oben."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 5:14 pm
„Ja“, bestätigte er Kira und legte nacheinander die Kaninchen und die Füchse auf eine der Holzbänke, an dessen Ende mehrere Messer aufgereiht waren. Die meisten davon hatten ein gebogenes Ende, beinahe wie eine Sichel oder eine Kralle und waren erst frisch geschärft. Anders war das Ausnehmen einiger Tiere auch nicht zu bewerkstelligen. „Zwei davon sind von mir“, kommentierte er Kiras Blick auf die Trophäen die an der Wand hingen. „Mhhm setz dich, bitte. Da hinten steht noch etwas Brot mit Butter, oder ein Schluck Bier wenn du willst.“ Er selbst fing derweil an das erste Tier auszunehmen, da er wusste wie sehr sein Vater sich momentan auf ihn verließ. Inzwischen hatten er und Ilian sich zu einer eingespielten Maschinerie entwickelt, die in einem beinahe beängstigendem Tempo neue Felle und gutes Fleisch an den Hof lieferten. Der Preis dafür war jedoch nur allzu deutlich erkennbar. Waren vorher im Gesicht des jungen Mannes kaum Entbehrungen zu erkennen gewesen, so waren seine Augenringe nun mehrere Zentimeter lang und sein Lächeln hatte etwas müdes an sich. „Warum willst du diesen Bund aufheben?“ Fragte er schließlich aus eigener Unsicherheit. „Ich meine ich kann verstehen wenn du willst das wir beide uns fortan voneinander fernhalten, nur. Ich wünschte es wäre anders, weißt du? Ich weiß dass das was an Imbolc passiert ist gar nicht hätte passieren dürfen, schließlich bin ich nur ein einfacher Mann aber“, er hörte auf zu sprechen und konzentrierte sich stattdessen wieder auf das Tier vor sich, welchem er gerade die Haut abzog. „Dein Schicksal wär mit gerade lieber als meines“, dachte er leise als er die Sehnen durchtrennte und das erste Fell ordentlichen zusammenrollte und zur Seite legte, unsicher wie er nun weitersprechen sollte.

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„Das heißt wir befinden uns direkt im Kriegsgebiet?“ Hinterfragte Gawain und schnaufte leise, ehe er dankbar einen Weinschlauch annahm, den Coreen ihm reichte. Hier zu sitzen war seltsam, vor allem neben Coreen, an deren Gesicht er während seiner Gefangenschaft so oft gedacht hatte. Eine Weile lang war es seine größte Angst gewesen, diese feinen Züge zu vergessen und sie nicht mehr aus seinem Verstand abrufen zu können, um sich wenigstens der schönen Jahre zu erinnern. Hier nun neben ihr zu sitzen war … „Du siehst gut aus“, kommentierte er Coreen sorgenvollen Blick und zwang sich zu einem schmalen Lächeln. „Genauso wie ihr, Meister.“
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 5:18 pm
"Du bist ein guter Mann Gawain, aber ein grauenvoller Lügner," lachte Karsh ausgelassen. "Ich sehe alt aus - und sehr erschöpft. Besorgt, wenn ich das dazu erwähnen darf. Alles was hätte schiefgehen können ist auch schief gegangen und meine einzige Hoffnung hängt aktuell an meinem Ziehsohn und meiner Ziehtochter, die beide in einem Land weit außerhalb meiner Reichweite ein Schicksal erfüllen müssen, von dem sie beide kaum etwas ahnen und auf das ich sie kaum vorbereitet habe. Die Königin, die ich schwor zu beschützen ist ebenso verschwunden und das Land, das meiner Obhut übergeben wurde kann ich nicht mehr spüren, weil die Götter sich daraus zurück gezogen haben. Nein Gawain, ich sehe nicht gut aus."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 5:33 pm
"Ich will gar nicht, dass wir uns voneinander Fernhalten", protestierte Kira, erschrocken über die Gedanken, die er da gerade geäußert hatte und stand wieder von ihrem Platz auf, um zu Ilian rüber zu kommen und neben ihn zu treten, die Hand ausstreckend und ihm das Messer aus den Fingern windend, weil dieses Gespräch sich nicht richtig anfühlte, während er ein paar tote Tiere ausnahm. Behutsam drehte sie ihn zu sich herum. "Wirklich nicht", bestätigte sie noch einmal den fragenden Blick.
"Ich ... ich will diesen Bund aufheben, weil ich nicht will, dass du dich zu irgendwas gezwungen fühlen sollst. Weil das so einfach nicht richtig wäre ... und weil ich Angst davor habe, dass ich dir irgendetwas auftrage, was du nicht willst. Davor, dass ich diese Macht irgendwann missbrauchen und dir weh tun würde. Du bedeutest mir zu viel, als dass ich das riskieren könnte", versuchte sie zu erklären und haderte mit sich ihm noch mehr zu erklären. Sie hatte gesehen, was geschehen konnte - was diese Schwüre und Eide ausrichteten, wenn nur ein einziger Teil dieses Bundes nicht mit dem einverstanden war. Hatte gesehen, wie einfach es ihrem Vater gefallen war, ihrer Mutter etwas zu befehlen und die gehorchen zu lassen, obwohl sie es nicht wollte - sie wollte niemals so werden, wollte nicht, dass Ilian und sie eines Tages dieselben Positionen einnehmen würden.
"Ilian ...", setzte sie von Neuem an und sah hinab auf ihrer beider Hände, das Blut, das an ihnen jetzt klebte und das von den Tieren stammte, die er dort vorn bearbeitet hatte. Götter, entweder sie sagte es jetzt oder sie würde auf ewig ihren Mund halten. "... ich will, dass es echt ist und nicht weil da irgendein Eid und Schwur ist."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:00 pm
"Was sollen wir jetzt tun?" Coreen löste ihren Blick nur langsam von Gawain, immer noch das pure Erstaunen im Gesicht und ohne, dass sie wirklich darüber nachdachte, griff sie nach Gawains Fingern, mit denen er sich im nassen Gras abgestützt hatte. "Karsh ...?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:10 pm
„Wir“, begann Gawain zu sprechen, noch bevor Karsh eine Silbe ausgesprochen hatte. „Werden das tun, was wir die ganze Zeit hätten tun sollen. Wir werden uns unsere Heimat zurückholen und dieses verdammte Ekel von Thron holen, damit er irgendwo, mehrere Meter unter der Erde verscharrt werden kann. Wir werden uns an unsere Aufgabe erhalten, auf die sich jeder von uns einmal eingeschworen hat und unserer Königin wieder zu ihrem angestammten Recht verhelfen.“ Es war ungewohnt derart viel Enthusiasmus zu fühlen, schließlich hatte seine Zeit in der Gefangenschaft ihm nicht viel mehr als Verzweiflung und Trauer eingebracht. Doch dieses Gefühl des Tatendrangs ließ ihn beinahe alles vergessen, sodass er, kurz nachdem er das letzte Wort ausgesprochen hatte, aufstand. Oder es zumindest versuchte. Sein linkes Bein war nicht einmal ansatzweise belastbar und auch sein rechtes schien kaum noch Muskeln zu besitzen. Sein gesamter Körper zitterte als er sich nur für einige Augenblick halten wollte und dann wieder ungelenk zu Boden ging, von der Wirklichkeit der Dinge ein wenig übermannt.

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„Kira, ich“, er hatte sich bereitwillig und ohne weiteren Widerstand von seiner Arbeit abhalten lassen und blickte nun ebenfalls auf ihrer beider Hände. „Kira du, du bedeutest mir etwas. Viel, enorm viel sogar und wenn jemand mit so einem Schwur nichts verwerfliches tun würde, dann du.“ Er lächelten knapp, hatte er die Andere doch stets als recht Unschuldig wahrgenommen, selbst an diesem Abend am Imbolc, der so wunderschön begönnen und so grauenhaft geendet hatte. „Du würdest mir damit nie irgendein Leid antun, dass weiß ich. Weißt du ich habe nicht viel Ahnung von solchen Dingen wie Flüchen und Bannzauber, Schwüren und dergleichen. Aber selbst ich kenne die Geschichten, die man sich im Dorf und in der Stadt herumerzählt. Wir man an jemanden gebunden, dann verändert das einen Menschen oft. Ich scheine Glück zu haben. Du bedeutest mir immer noch etwas Kira, ich … ich“, er verzog den Mund und schluckte schwer. „Aber wenn wir diesen Bann nun aufheben, besteht erneut die Gefahr das es meine Ansicht dir gegenüber verändert. Einfach wegen all dieser starken Magie die bei so etwas im Menschen brodelt. Und das will ich nicht, wirklich nicht.“
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:17 pm
"Wir drei?" hakte Karsh nach und hob die Brauen. "Nein Gawain - weder haben wir drei die Kraft Ekynes alleine zurück zu erobern, noch ist dies unser Schicksal. Ich sagte es schon einmal - die Götter haben Ekynes verlassen. Das Land ist in einen ewigen Schlaf gefallen und keiner von uns würde auch nur das geringste Etwas tun können, sobald er auch nur einen Fuß nach Ekynes setzt. Das Land braucht seine Königin - das wird unsere Aufgabe sein. Wir werden Caillean suchen und danach ihr bei der Erfüllung ihrer Pflicht helfen. Wir sind nicht diejenigen, auf denen das Augenmerk des Schicksals liegt Gawain. Unser Aufgabe ist es denen zu dienen, denen großes bestimmt ist. Und das werden wir tun."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:20 pm
Er wollte dieses Band behalten? Damit sich seine Ansichten ihr gegenüber nicht veränderten? Kira brauchte einen Moment lang, um das wirklich zu begreifen, dann schoss ihr wieder die Röte ins Gesicht, weil das der Ausgang war, den sie nicht einmal im Traum für möglich gehalten hatte. "Ich will auch nicht, dass sich irgendwas ändert", sagte sie nach einer Weile, sich noch nicht so recht wohl mit diesem Ausgang fühlend, weil die Angst blieb, was eines Tages sein würde, wenn sie sich verändern würde. Ihr Vater war vielleicht vor vielen Jahrzehnten auch einmal anders gewesen, bevor irgendetwas geschehen war, das ihn hatte so grausam werden lassen.
"... und ich weiß nur wenig über Schwüre und ähnliches ... aber ich kenn jemanden, der sich damit auskennt und ..." So süß der Gedanke daran auch war, dass er ihn freiwillig geleistet hatte, sie mussten hier beide vernünftig sein, weil es um ihrer beider gesamtes Leben ging. "... wir sollten uns alles anhören. Du vor allem. Danach kannst du immer noch entscheiden, ob du das willst oder nicht", gab sie zu bedenken, sacht seine Hände drückend bevor sie sich nach oben streckte und ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen hauchte. "Das hier wird sich sowieso nicht ändern. Magie kann nichts mit dem Herzen von Menschen machen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:30 pm
„Genau davor habe ich aber Angst. Das es das hier verändert“, er legte energisch seine Hände um die ihren und küsste sie dann ebenfalls. „Was weiß ich denn schon davon was die Magie mit Menschen anstellt? Sie bringt uns doch dazu alles mögliche zu tun und so wie es jetzt ist, ist es gut. Es stört mich nicht und dich auch nicht. Wir sind beide mit den Gefühlen davongekommen, wie wir bereits vorher hatten. Wer verspricht uns, dass es danach genauso ist?“ Natürlich war es übertriebener, jugendlicher Leichtsinn dass er sich, wenn diese Gefühle verschwinden würden, vor einem Leben in Einsamkeit und Monotonie fürchtete, schließlich versprach der Lebensweg meist mehr als eine Abzweigung. Doch nichts desto trotz wollte ihm dieser Gedanke nicht aus dem Kopf. Die Furcht davor dieses gerade erst wieder aufkeimende Glück erneut zu verlieren, machte ihn in gewisser Weise blind.

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„Wie üblich hoffe ich nur darauf verstanden zu haben was du sagst, aber du bist schließlich derjenige, der mit den Geistern redet und sich mit all den alten Dingen dieser Welt auskennt.“ Er schnaufte noch immer schwer und zitterte vor lauter Anstrengung leicht. „Aber das könnt ihr kaum mit mir machen“, erst jetzt wurde ihm bewusst, wie eingeschränkt er wirklich in seinen Bewegungen war und das auch zwei drei Tage Ruhe und gutes Essen daran wenig ändern würden. „Ich lebe dank der Zauberkraft von dir und dafür bin ich dir dankbar, aber ich kann nicht die Fessel an euren Füßen sein die euch nur daran hindert, unsere Königin zu finden.“ Er spürte bereits wie Coreen widersprechen wollte, legte dieser jedoch vorsorglich eine Hand aufs Bein und sah direkt an. „Was wollt ihr denn mit mir tun, während er auf Reisen seid?“
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:32 pm
"Wenn du keine Angst vor einem Absturz hast, kann ich dich zumindest ganz gut transportieren", gab Coreen zurück, weil sie nicht wahrhaben wollte, dass Gawain sich - kaum wiedergefunden und halbwegs hergestellt - wieder absetzen wollte. "Wohin willst du denn alleine? Wir finden einen Weg."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:35 pm
„Wenn ich das wüsste“, antwortete dieser mit einem milden Lächeln. „Nur weiß ich nicht inwieweit ich euch in nächster Zeit von Nutzen sein kann. Es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis ich überhaupt wieder laufen kann. Ganz zu schweigen davon, ob ich jemals wieder in der Lage sein werde eine Waffe zu führen.“
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:35 pm
Ärgerlich schüttelte Coreen den Kopf und packte den anderen an den Schultern. "Gawain, du bist niemand, der aufgibt. Und wir ... sind ohnehin im Land unterwegs und das, wie ich Karsh kenne, nicht unbedingt zu Fuß."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:38 pm
"Du könntest auf Majestät reiten," bot Karsh an und deutete auf das Maultier, welches in einiger Entfernung graste. "Erst einmal müssen wir herausfinden wo sich die Königin aufhält und danach wird es unsere Aufgabe sein zu ihr zu gelangen. Du bist nicht nur dein Schwertarm Gawain - die Königin braucht deinen Verstand, deinen Mut und nicht zuletzt deine freundschaftliche Treue. Dein Talent als Krieger wird nicht vonnöten sein, solange ich bei euch bin."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 6:38 pm
Wer versprach ihnen, dass die Welt morgen noch dieselbe sein würde, wie sie es heute war? Der Krieg würde kommen, sie würden beide älter werden und irgendwann, und Kira hasste ihren Vater noch immer dafür, würde sie irgendeinen Mann aus Miris heiraten müssen, mit ihm Kinder kriegen müssen. Sie hatte Angst davor, was dann sein würde - was dann mit diesen wenigen kleinen Momenten sein würde, wie sie sie gerade hier hatten. "Es ist deine Entscheidung. Wenn du es nicht das Band nicht brechen willst, dann ... heben wir es einfach auf. Für irgendwann", entschied sie dann schließlich und schob sich nach vorn, die Stirn gegen seine Schulter lehnend.
"Wenn ich ... irgendwann mal jemand anderen heiraten muss ... bleibst du dann trotzdem bei mir?"
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Re: Kapitel 6

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