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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 8:32 pm
"Verzeiht, wenn ich eure Meinung nicht teile," erwiderte Galahad und stand langsam auf. "Ich bin im Zimmer nebenan, falls ihr etwas benötigen solltet Herr", informierte er Devastare und nickte diesem kurz zu, während sich ein Knoten in seinem Bauch bildete. So sollte all das nicht ausgehen. So sollte er nicht mit dem Kronprinzen umgehen - und vielleicht sollte der Kronprinz auch nicht so sein.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 8:32 pm
"Wir werden noch viele Abenteuer miteinander erleben - und viel von der Welt sehen, wenn ich unsere momentane Situation bedenke", grinste Coreen, den Kopf unter dem stoppeligen Kinn begraben und küsste sacht seinen Hals, während sie die warmen, schweren Arme um sich herum genoss. "Und dann ... dann können wir über Ruhe nachdenken. Wenn uns nur kurze Zeit vergönnt ist, dann werde ich sie mit dir verbringen - du wurdest mir einmal genommen. Ich ... weiß dieses Geschenk zu schätzen, das uns gemacht wurde."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 8:35 pm
Ein eisiges Gefühl durchrieselte Devastare unangenehm ziehend von oben nach unten und setzte sich in seinen Gliedern fest, während er den Kopf gegen die Mauer neben der Scheibe sinken ließ. "Natürlich, Galahad", murmelte er nur dumpf, Übelkeit in sich spürend.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 8:55 pm
„Ich liebe dich Coreen“, murmelte er leise und schloss wieder die Augen, während er das Gefühl eines anderen Körpers an seinem eigenen genoss. Er hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn und fühlte wie zum ersten Mal seit so langer Zeit, jegliche Anspannung von ihm abfiel. Weder Angst, noch Sorge und Verzweiflung streiften seinen Geist. Das Feuer im Hintergrund knisterte weiter leise vor sich hin, wobei Gawain deutlich näher daran lag als Coreen. Beinahe schien es wie früher zu sein, als er selbst noch neu am Hof war und er sich über die seltsame Kälte gewundert hatte, die von der jungen Frau ausging. Damals hatte er es gar nicht wirklich glauben können, hatte geglaubt sie würde ihm lediglich einen Bären aufbinden. Es hatte eine Weile gebraucht bis er sich an den Gedanken gewöhnt hatte. Die Jahrzehnte jedoch hatten ihm gezeigt, dass sie weder Drache noch Mensch war. Er hatte aufgehört sie in irgendeine Schublade stecken zu wollen und auch aufgehört, überhaupt darüber nachzudenken, was oder wer sie war. Sie war die Frau, der sein Herz gehörte, welche noch etwas schwach, doch immerhin wieder in einem beständigem Takt schlug.

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„Was hältst du davon, wenn du deinen neu gewonnen Bruder einfach mit auf die Jagd nimmst? Niemand wird etwas dagegen haben, schließlich verlangt ständig irgend ein Adliger nach einer kleinen, privaten Jagdgesellschaft. Ob er dann wirklich Tiere jagen möchte steht außer Frage, ich kenne ihn ja nicht einmal. Aber er würde zumindest für einige Zeit vom Schloss kommen. Wenn wir die Jagdhütte ansteuern, vielleicht sogar zwei oder drei Tage.“
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 8:59 pm
"Und ich liebe dich", wisperte Coreen ebenso leise zurück in die Kleidungsstücke, die sie trennten. Sie hatten schon viele Jahre miteinander verbracht, ohne, dass je eine Menschenseele davon erfahren hatte - in Zukunft würde ihr das egal sein. Sie war Soldatin, aber nicht mehr am Hofe und niemand würde sie beide verurteilen können.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:08 pm
"Ich rede mit ihm und schick dann Ferryn zu dir, ja?", setzte Kira als Antwort entgegen und lächelte noch einmal weich, weil es sowohl die Alternative war, in der sie selbst von den wachsamen Augen ihres Vaters wegkommen und Zeit mit Ilian verbringen konnte, als auch Devastare seine dringend benötigte Auszeit bekommen würde. Es würde ihnen beiden helfen ein wenig Zeit für sich selbst zu haben. Sie musste ohnehin noch mit ihm darüber sprechen, was geschehen war und welchen Preis sie für Ilians Freiheit gezahlt hatte und das bei Möglichkeit bevor ihr Vater sich neue Gemeinheiten ausgedacht hatte, um ihm auf die Füße zu treten.
Noch einmal hauchte sie ihm einen Kuss auf die Lippen. "Ich lass dich erstmal weitermachen. Wir sehen uns später", verabschiedete sie sich und war bereits durch die Tür, bevor Ilian überhaupt zu einer Antwort ansetzen konnte. Gänge. Ihr Bruder. Ihre Gedanken klar zu halten war niemals so schwer gewesen, vor allem nicht in Anbetracht der Tatsache, dass sie eigentlich genau das hatte, was sie wollte. Sie ertappte sich immer wieder dabei unsinnig zu grinsen, bis die nächste Wache ihr entgegen kam und sie sich beeilte ihre Miene wieder ausdruckslos und ihre Schritte ruhiger werden zu lassen. Er würde bei ihr bleiben, selbst wenn sie gehen musste. Er hatte diesen Schwur nicht einmal aufheben wollen, weil da bereits vor dem Schwur etwas gewesen war, das er nicht hatte ändern wollen und er wollte ihr nicht fern bleiben, selbst nach allem, was geschehen war nicht.
Gezielt wich sie den üblichen Wachposten aus, ignorierte nur jene, an denen sie sich nicht ungesehen vorbei bewegen konnte, kam sie weniger später in dem Flügel des Schlosses an, der die Zimmer der Familie beherbergte. Nur ein kurzer Blick von rechts nach links, dann schob sie kurzerhand die Tür zum Zimmer ihres Bruders auf, sich gar nicht erst die Mühe machend zu klopfen und hielt dann doch inne, als sie den verzweifelten Blick sah, die Geste, wie er dort stand und die ihr schlecht werden ließ. "... Stör ich ...?" Am Liebsten hätte sie sich wieder umgedreht und wäre gegangen, weil die Wahrheit alle gute Stimmung wieder verschwinden ließ, sie aber genau wusste, dass sie damit nicht noch länger warten durfte.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:23 pm
Was war das hier? Die Hauptstallung, in die alle Nase lang jemand hereinstürmte, ihn holte, ihm etwas zu sagen hatte? Aber es wäre unfair gewesen, genau das zu sagen, wo er doch eben erst gehört hatte, wie arrogant er rüber kam. Er zwang ein schmales Lächeln auf sein Gesicht, dann stieß er sich von der Wand ab. "Nein - komm rein, Kira."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:27 pm
Von der Reaktion ein wenig vor den Kopf gestoßen, blieb Kira bei der Tür stehen, die sie schon halb hinter sich geschlossen hatte. Vielleicht war das hier gerade wirklich ein schlechter Zeitpunkt für die Wahrheit, so verstimmt wie er gerade wirkte. "Wir wollen einen Jagdausflug machen. Zwei oder drei Tage von hier weg. Ilian organisiert alles und eigentlich wollte ich nur fragen, ob du nicht einfach mitkommen willst, um hier rauszukommen und Vater nicht mehr ständig über die Füße zu laufen", sagte sie stattdessen. Es würde später noch Zeit sein, wenn er bessere Laune hatte und sie nicht mehr befürchten musste, er scheuche sie gleich wieder hochkant raus.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:31 pm
"Es tut mir Leid, Kira", beeilte er sich zu sagen, weil sie sichtlich überrascht darüber war, wie er sie begrüßt hatte. Er deutete hinüber zu den Stühlen und folgte ihr dorthin. Ein Jagdausflug. Ganz kurz kreuzte seinen Kopf der Gedanke, dass es völlig sinnfrei war, nun auf einen Jagdausflug zu gehen. Jagen. Er. Hatte er früher schon nicht gewusst, warum er es verabscheute und fast nie Fleisch aß, es sei denn, es gehörte zum guten Ton oder ließ sich auf Reisen nicht vermeiden, so wusste er es inzwischen zumindest - Feengene. Und ... hatten sie alle nicht weitaus größere und wichtigere Probleme? Dann aber entschied er, dass es wohl kaum schlimmer kommen konnte und er ohnehin zum Nichtstun verdammt war, bis ihm endlich etwas einfiel, was er tun konnte. "Ein Jagdausflug. Klingt nach einer interessanten Abwechslung."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:35 pm
"Wir müssen nicht jagen gehen, wir sagen nur jedem, dass wir es tun. Es gibt eine Hütte in einiger Entfernung - ein Stück außerhalb der direkten Reichweite. Du könntest da wieder in Ruhe schlafen und deine Freunde nochmal kontaktieren, dann wüsstest du wenigstens, wie es Gawain geht", schlug sie nur vorsichtig vor, weil ihm die Abneigung im ersten Moment so förmlich im Gesicht geschrieben stand. "Du musst nicht mitkommen, ich dachte nur, es könnte helfen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:37 pm
"Der Gedanke ist lieb von dir, Kira." Sein schmales Lächeln war ehrlich, als er sich neben sie setzte und eine Weile musterte. "Dir scheint es gut zu gehen, nach dem Gespräch mit Vater?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:43 pm
"Er tut mir nichts. Ich hab ihm gesagt, was er hat hören wollen", antwortete sie und entschied sich, dass es jetzt ohnehin schon egal war. "Er will, dass du mir vertraust, damit ich dich an ihn verraten kann, weil er keine weiteren Informationen von dir bekommt, also sucht er andere Alternativen dafür. Ich hab ihm nichts davon gesagt, wie Gawain wegkam und wer deine Freundin ist, noch dass du magisch begabt bist, aber er hat gefordert, dass ich ihm etwas gebe, damit ich Ilians Schwur aufheben kann. Das war der Grund, weshalb ich eigentlich hergekommen bin ... ich ... hab ihm was über dich verraten müssen und ich hab überlegt, was das ist, was am wenigsten Schwierigkeiten bereitet. Ich ... hab gehört, wie du mit Gawain über Ekynes und die Königin gesprochen hast ... das hab ich ihm gesagt ... es tut mir leid."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:44 pm
Ruckartig setzte Devastare sich auf, schob für einen Moment den Ärger darüber, dass sie gelauscht hatte und es Thealon verraten hatte zur Seite. "Was hat er dir gegeben, um den Schwur zu lösen?"
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:48 pm
"Eine Rolle und sein Blut. Er hat gesagt, wir sollen das Pergament den Flammen übergeben und die Asche unter einer Eiche zu vergraben."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 9:51 pm
"Dann hat er dich benutzt, Kira - so einfach löst man keine Eide. Vielleicht wusste er es nicht besser - Fakt ist, er hat Informationen und du hast ... nichts." Bedauernd schüttelte Devastare den Kopf. Und nun, da er wusste, wie wichtig ihm Caillean war, würde er ihm niemals Glauben schenken, gleich, was er tat und Ilian war weiterhin an Kira gebunden. Oh Götter, es wurde immer schlimmer.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:00 pm
Verständnislos sah sie rüber zu dem Älteren und alle Euphorie, die sie zuvor noch empfunden hatte, verlor sich mit einem Mal im Nichts. So einfach löste man keine Eide - die Worte hallten in ihrem Kopf und setzten die Gedankenspirale aufs Neue in Kraft, die sich unaufhörlich in ihrem Kopf weiter zu drehen begann, während sie die Hände zu Fäusten ballte. Das Einzige, was ihr jemals etwas bedeutet hatte - das Einzige, was ihr wirklich wichtig gewesen war und wofür sie ohnehin schon fragwürdige Methoden angewandt hatte, war noch immer in Gefahr. Er hatte sie benutzt. Ihr eigener Vater hatte sie für nichts anderes benutzt außer um Informationen zu bekommen, als wäre sie nichts anderes als eine weitere Schachfigur auf seinem großen Brett.
Verzweifelt, um nicht zu schreien oder einen anderen Laut von sich zu geben biss Kira die Zähne aufeinander. Wenn Ilian jetzt wegen ihr die Hoffnung gehabt hätte wirklich von dem Eid entbunden werden zu wollen, säße er jetzt noch immer an sie gebunden und hätte sie eine Lügnerin geschimpft. Er hätte geglaubt, sie hätte wirklich Rache für die Zwischenfälle an Imbolc gewollt und sie wäre keinen Deut besser als ihr Vater. Derselbe Zorn wie einst in jeder Nacht fraß sich wieder durch ihre Adern, weil sie keine einzige Sekunde lang daran zweifelte, dass Devastare sie nicht anlügen würde. Sie konnte diejenigen, denen sie trauen konnte inzwischen an einer einzigen Hand abzählen und sie deckten sich auf drei Namen. Drei einzelne Namen. Der Rest hatte sie eingesperrt, verraten und allein gelassen.
"Es tut mir leid ...", hauchte sie leise, weil es das Einzige war, was sie gerade noch über die Lippen brachte, während ihre Finger zu kribbeln begannen, mal kalt, dann wieder glühend heiß. Eine Spielfigur auf dem Brett dieses Reiches. Gerade gut genug, um nach Miris geschickt zu werden, damit seine Fußstapfen größer werden konnten und niemals jemand seinen Namen vergessen würde. "Es tut mir leid, Devastare ..."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:05 pm
"Kira ...?", hakte Devastare leise nach und griff nach ihren Fingern, sich nur mit Mühe verbeißen könnend, sie zurück zu ziehen, als er die Magie darin pulsieren fühlte. Bislang hatte er noch keinen Funken Magie an ihr gespürt und es schockierte ihn, gelinde gesagt, diese schiere Menge an Macht zu spüren. "Kira. Durchatmen."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:11 pm
"Guten Morgen," ereilte Karshs fröhliche Stimme Coreen und Gawain, welche eng umschlungen unter einer dicken Decke lagen und sich nur langsam regten, gegen die helle Sonne anblinzelten, welche sich unbarmherzig hinter den Wolken hervorschob und die beiden blendete. Der alte Magier indes hatte scheinbar schon die Feuerstelle abgetragen und das Maultier beladen, während er geschäftig hin und her ging, hier und dort etwas einpackte und alles in die viel zu klein wirkende Tasche seines Reittiers packte.
Erst als das Rauschen des Meeres an die Ohren der beiden anderen drang schien die Szenerie zu kippen. Die Bäume, der Wald, die ganze Lichtung schien von jetzt auf gleich verschwunden. "Zieht die Füße ein, die Flut kommt", warnte er die beiden vor. Das Meer war am Abend zuvor noch mehrere Flugstunden entfernt gewesen.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:14 pm
Die Flut kommt ...?! Fast im selben Augenblick spürte sie schon die erste Welle herannahen und fuhr hoch, Gawain dabei etwas unsanft ihren Kopf ans Kinn stoßend, so dass sie die Zähne aufeinander knirschen hörte. "Karsh!", rief sie erschrocken und raffte die Decke mit sich, dann beugte sie sich vor und zog Gawains Füße beiseite, der immer noch regungslos schlummerte.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:17 pm
"Ich war so frei den Aufenthaltsort von Königin Caillean herauszufinden und habe beschlossen, dass wir sie schneller erreichen wenn wir von hier aus starten. Also sind wir umgezogen. Es tut mir leid, ich hatte nicht bedacht, dass die Flut schon so früh am Morgen kommt. Ich vergesse nach all den Jahrhunderten noch immer gerne, wie launenhaft Sotis sein kann..." er schnalzte mit der Zunge und steckte sich den Finger in den Mund, nur um ihn kurz darauf in die Luft zu halten. "Ja, ich denke Caillean dürfte etwa zwei Stunden Fußmarsch in diese Richtung entfernt sein."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:20 pm
Durchatmen würde nicht helfen. Es würde nicht das bittere Gefühl des Verrats ihres eigenen Vaters an ihr - ausgerechnet an ihr! - wieder wegnehmen, ebenso wenig wie es die Scham davor, was sie für Nichts getan hatte, wegnehmen würde oder die Rückkehr der Angst, Ilian später wieder in die Augen sehen zu müssen und zu wissen, dass sie ihn belügen musste. Es waren nur drei Menschen gewesen ... und zwei von diesen Dreien hatte sie mit nur einer einzigen Aktion weh getan, nur um jemandem zu helfen, den sie nicht mehr interessierte wie ein Bauer auf einem Schachbrett. Sie stellte sich vor, wie ihr Vater triumphierend lächelnd vor seinem Schreibtisch sitzen würde - wie er nach seinem Kelch griff, nachdem sie die Tür geschlossen hatte und sich selbst zuprostete, sich selbst für den Geniestreich dankend. Ihr wurde übel, als sie nur daran dachte. Es nahm ihr den Atem, wie dumm und wie leichtsinnig sie gewesen war, wie leicht sie seinen Lügen geglaubt hatte ohne sie zu hinterfragen ...
Sie wollte aufstehen und dieses Gespräch suchen - ihn fragen, was das sollte, aber weder vertraute sie ihren eigenen Beinen gerade genug, um sie durch die Gänge zu tragen, noch wusste sie, ob jedes Gespräch nicht erneut mit Lügen und Betrug enden würde. Sie wollte fragen, warum er das tat, aber diese Frage konnte sie sich sehr gut selbst beantworten und es änderte rein gar nichts, die Gründe dahinter zu kennen. Es machte sie nicht lauterer, ihn nicht in seinem Handeln verständlicher und es machte ihren eigenen Verrat an ihrem Bruder nicht besser.
"..." Kein einzelner Laut drang mehr über ihre Lippen, stattdessen schluckte sie nur noch einmal schwer und löste die Finger langsam wieder aus der Verkrampfung, den Blick hinab zu den zitternden Händen gewandt, über die die Funken wild tanzten und wieder verschwanden, als wären sie nie da gewesen. Sie wusste, was sie an Imbolc getan hatte und wie viel Angst Ferryn gehabt hatte, wie leicht es gewesen war ihrem Vater weh zu tun. "Ich wollte dir nicht weh tun ..."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:24 pm
"Das hast du nicht. Es braucht ein bisschen mehr als ein paar Feuerfunken, um mich zu verletzen. Eher so etwas wie Jagdpfeile", antwortete er leise und sah sie mit einem schiefen Lächeln an, behutsam mit dem Daumen über ihren Handrücken streichelnd. "Es tut mir so Leid, Kleines. Du hast nur getan, was du für richtig gehalten hast - woher hättest du es wissen sollen?" Nein, er konnte ihr keinen Vorwurf machen ... er konnte es einfach nicht.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:27 pm
Ein Schmerz fuhr durch seinen Körper als Coreen ihn an den Beinen fortzog, damit er nicht von der ersten Welle erfasst wurde. „Ihr … habt uns hierher gebracht?“ Hakte Gawain verwirrt nach, sah sich schlaftrunken um und brauchte einen Moment, bis er begreifen konnte wo sie waren. „Nach all den Jahren am Hof von Ekynes kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, wenn jemand zaubert“, murmelte er müde und griff dankbar nach Coreens ausgestreckter Hand, damit er auf die Beine kam. Jedoch musste er auf einem Bein bleiben, auch wenn dieses durch die plötzliche Last anfing zu zittern. Doch er musste sich irgendwann wieder daran gewöhnen zu laufen und dieser Tag schien ihm dafür genauso gut, wie jeder andere auch. Er wollte kein alter Narr sein der nur noch auf einem Karren unterwegs war und dem jeder Stühle anbot. Irgendwann vielleicht, doch nicht jetzt. Nicht in der Zeit, in der er noch gebraucht wurde. „habt ihr einen Stock oder irgendetwas?“ Fragte er schnaufend und versuchte immer wieder, sein Bein mit der durchtrennten Ferse vorsichtig auf dem Boden abzusetzen. Das sie sich wirklich derart nahe an der Königin befanden bezweifelte er indes. Zwar besaß der alte Mann einiges an Wissen und Kraft, doch hatte er es über die Jahre oft genug erlebt, dass auch er falsch lag.
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:32 pm
"Aber ich hab dich doch verraten ...", setzte sie entgegen und schüttelte den Kopf, den Funken dabei zusehend, wie sie über ihre Hände glitten, verschwanden und wieder auftauchten. Nicht weh tun, sie durfte niemandem mehr damit weh tun - niemanden mehr mit der Magie ängstigen, die sie selbst jedes Mal aufs Neue schaudern ließ. Sie hatte nicht geglaubt, ihr Vater würde sie verraten oder sie belügen, hatte immer geglaubt, da wäre etwas wie väterliche Liebe gewesen, die ihn geleitet hatte und die ihn hatte Versprechen machen lassen, von denen sie jetzt nicht mehr wusste, wie viel sie noch bedeuteten und wie viel er davon jemals einhalten würde. "Ich habs getan, weil das bedeutet hat Ilian frei zu bekommen ... weil ich ihn hab retten wollen." Weil sie sich in den Jägerssohn verliebt hatte und über diese Liebe alles andere einfach hintenangestellt hatte und dabei noch nicht einmal besonders erfolgreich gewesen war und jetzt neben ihrem Bruder saß, der nicht einmal mehr wissen konnte, ob er ihr noch vertrauen konnte. "Es tut mir leid."
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Re: Kapitel 6

am Sa Jan 20, 2018 10:35 pm
Karsh nickte und gab dem anderen den langen Angst, welchen er selbst immer als Gehstütze verwendete und dessen Oberfläche zahllose Symbole zierten. All diese Symbole waren jedoch nicht etwas geschnitzt, wie man hätte annehmen können, sondern als natürliche Musterungen in das Holz gewachsen. "Nehmt ihn, ihr benötigt ihn mehr als ich doch gebt gut auf ihn Acht - er ist ebenso ein Teil von mir als auch ich ein Teil von ihm. Das Holz stammt vom ältesten Baum unserer Sphäre."
Er fuhr noch einmal mit dem Fuß über den klebrigen Sand und lächelte dabei. "Noch vor dem Abendrot sehen wir unsere Caillean wieder."
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Re: Kapitel 6

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