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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 5:22 pm
„Verdammt, ich hab dieses Geräusch vermisst“, sinnierte er leise als Finnja ein leises Stöhnen von sich gab. Als diese ihrerseits aufsah, lehnte er sich ein Stück zurück und lachte. „Entschuldige ich … ich vertrag scheinbar nicht mehr so viel wie früher.“
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 5:36 pm
Vor ihr hockte ein verheirateter Mann, ein Familienvater und eigentlich hätte sie allen Grund dazu gehabt, um jetzt auf Abstand zu gehen und ihn höflich abzulehnen. Sie hatten früher einmal etwas miteinander gehabt, bevor er gegangen war um sein eigenes Land zu bewirtschaften, zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen, während sie geblieben war. Sie hatte es ihm niemals zum Vorwurf gemacht und das würde sie auch jetzt noch nicht, denn was immer es sein würde - es würde nur kurz andauern. Solange bis der Krieg vorüber war und er wieder zurückkehren würde, das zumindest war ihnen beiden klar und Finnja störte sich nicht daran, auch wenn sie ihren eigenen Beinen nicht mehr wirklich vertraute, die sie in ein paar Stunden wieder zurück in ihre Stube bringen sollten. Statt sich jedoch jetzt schon auf die zu verlassen, streckte sie die Hand aus und griff nach dem Kragen seines Hemds um ihn rüber zu ziehen, nur kurz vor ihrem eigenen Gesicht stoppend, weil sie die Entfernung falsch abgemessen hatte.
"Du hast das Geräusch vermisst?", hakte sie nur grinsend nach bevor sie sich eines Besseren besann und sich wieder zurücklehnte. Noch hatte sie zumindest einen Teil ihres Körpers unter Kontrolle. Noch. "Sicher, dass du wegen dem Krieg zurückgekehrt bist?"
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 6:19 pm
„Nein“, gab er zurück und der Alkohol hatte auch ihn inzwischen voll und ganz übermannt. Verschwunden waren seine düsteren Gedanken von Landestreue, Krieg und seiner Ehefrau. Zum ersten Mal seit langem fühlte er sich wieder lebendig und nicht nur in einem stetigen Trott gefangen. Er hatte diese Begegnung, diesen Ablauf nicht geplant, noch war er in irgend einer anderen Weise vorherzusehen gewesen und genau das gefiel ihm daran. „Nein ich glaube da war noch etwas anderes.“ Inzwischen hatten sich die meisten Gäste schwankend auf den Heimweg oder in die obere Etage gemacht.

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„Nein Junge“, antwortete Gawain, wobei sein Atem immer noch flach ging und jeder Ton seine ganze Brust zu erdrücken schien. „Du darfst nicht anfangen so zu denken, hörst du?“ Er versuchte den Blick des Anderen in der Dunkelheit zu finden und hob mit aller Kraft erneut eine Hand, um den Arm von Devastare zu umklammern. „Du wirst sie finden und du wirst sie beschützen, Devastare. Unser Land wird nicht einfach so untergehen … das weiß ich.“
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 6:22 pm
"Wie?" Inzwischen war seine Stimme nur noch ein halber Hauch, gequält von der Tatsache, in den unmittelbar nächsten Stunden nichts gegen Gawains Pein tun zu können. "Ich kann nicht fort, Gawain, ich bin Carias Kronprinz ... Thealon lässt mich bewachen und du sollst das Druckmittel sein, damit ich kooperiere. Solange du hier bist, gehe ich nirgendwo hin."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 6:28 pm
"Wir haben hier in Winterbroke auch einen verdammt guten Schnaps", lachte Finnja und stieß ihn erneut ein Stück zurück, obwohl sie ganz genau wusste, worauf er abzielte. Selbst mit einem gut angetrunkenen Schädel konnte sie die Absichten noch erkennen - er war früher einmal ein besserer Schauspieler und noch ein besserer Charmeur gewesen. "Du lässt nach, mein Freund. Du bist aus der Übung."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 6:53 pm
„Wag es dich wegen mir deine eigene Haut in Gefahr zu bringen“, stieß er hervor, auch wenn die Drohung bei weitem nicht mehr so ausdrucksstark klang wie noch vor einem halben Jahr. Seine Stimme zitterte, doch er konnte und wollte nicht zulassen das Devastare sich nun den Irrwitzigen Gedanken in den Kopf setzte, hier wieder heraus zu kommen. „Hör zu … Der König scheint dich zu akzeptieren. Zumindest fällt mir keine andere Erklärung ein, warum du dich hier frei bewegst. In letzter Zeit, ich kann dir leider nicht sagen ob Tage oder Wochen, ist immer wieder von Krieg die Rede. Du wirst sie aufhalten, hörst du mich? Du wirst ihre Armee aufhalten und als der Mann, der unsere Königin zurückbringt, das Ruder in Ekynes an dich reißen und die ganzen Earls unter dir einen!“

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„Das bin ich wohl“, gestand er mit einem Lachen und zog die Andere mit einer erstaunlichen Leichtigkeit auf die Füße. „Götter du fühlst dich noch genau wie damals an“, sinnierte er leise vor sich hin, legte seinen Mund langsam an ihren Nacken und ließ seine Hand langsam zwischen ihren Beinen verschwinden. Es scherte ihn nicht das irgendwo in der Küche noch jemand zugange war und darauf wartete, dass der letzte Gast endlich verschwand. Es störte ihn nicht das um ihn herum nicht dämmriges Licht herrschte und er sich noch in voller Montur befand, samt Kettenhemd und Gambeson. Das Gefühl Finnja wieder vor sich zu haben ließ ihn alles vergessen und ausblenden.
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 7:01 pm
Es wäre so einfach gewesen sich jetzt fallen zu lassen und darauf einzulassen, darauf zu pfeifen, was da war und dass sie hier gerade inmitten einer Schenke standen. Sie spürte die warmen Hände, den Atem in ihrem Nacken und mehr als nur ein einziges Mal kämpfte ihre Selbstbeherrschung mit dem Wunsch, das Vergangene einfach wieder zurückzuholen und mit ihm erneut ins Bett zu steigen. Schließlich gewann die Vernunft über den Alkohol und das Verlangen, als sie nach seinen Händen griff und sie wieder nach oben zog, weiter weg von dem Bereich, der sie beinahe alle guten Manieren hätte vergessen lassen, weil sich da dieselbe Wärme ausbreitete, wie in ihrem Magen. "Ich bin keine Dirne", schallt sie den anderen, Mühe damit habend sein Gesicht klar zu fokussieren und sich selbst dabei ertappend, dass ihre Finger länger als unbedingt notwendig an seinen Handgelenken ruhten. "Wenn du was willst, dann arbeite dran."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 7:35 pm
Vollkommen perplex blinzelte Adair die andere an, versuchte in ihren Augen einen Witz zu erkennen über den er beinahe gelacht hätte, bis ihm auffiel, dass sie es hinter all dem Alkohol scheinbar doch irgendwie und irgendwo ernst meinte. „Was … Finnja, ich“, er versuchte erneut sich ihr zu nähern, schien aber auf Granit zu beißen. „Ich, ähm. Hör mal, dass war doch früher auch nie eine Frage. Ich meine wir haben uns Tags über halb Tod geprügelt und uns dann Abends den Rest gegeben. Aber in all der Zeit hab ich dich doch nie … umworben, oder? Es war irgendwann einfach so und es war gut.“
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 7:38 pm
"Um hier heraus zu kommen müsste ich hunderte von Unschuldigen töten", murmelte Devastare und sah den anderen beinahe flehentlich an. "Ja, ich habe getötet - aber nur, um Caillean zu schützen und auch nur Männer, die sich nicht ergeben haben. Das, was Thealon von mir verlangt, sind unschuldige Leben. Bauern, einfache Menschen, die nur dem Ruf folgen, weil der Tod sie sonst früher ereilt und es ihre einzige Chance ist, doch noch am Leben zu bleiben. Verlang das nicht von mir, ich bitte dich."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 7:40 pm
"Und jetzt bist du verheiratet und hast eine vierjährige Tochter und bist der Earl of - keine Ahnung was", setzte Finnja ihm lachend entgegen und wankte einen halben Schritt nach vorn. Sie hatten einander im Bett wirklich den Rest gegeben und mehr als nur einmal wusste sie nicht mehr, wo oben und wo unten, geschweige denn welches Körperteil überhaupt noch auf ihre geistigen Befehle eingehen würde - es war knappe zehn Jahre her. So gerne sie auch wirklich würde, die Dinge hatten sich verändert. "Ich will keine Blumen oder Gedichte oder ähnlichen Quatsch. Arbeite nur einfach dafür", setzte sie noch nach, schnappte ihn sich kurz am Revers, weil sie doch nicht ganz ohne konnte und küsste ihn, die Hände unter das Hemd schiebend, bevor sie sich wieder eines Besseren besann.
"Gute Nacht, Adair."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 7:53 pm
Das sanfte Mondlicht, das sich auf die Lichtung stahl war hell und beleuchtete gerade genug die Blätter, um sie nicht einen dichten, düsteren Schlund bilden zu lassen sondern etwas Zauberhaftes zu schaffen. Etwas, was nicht aus dieser Welt stammte. Nicht lange und die aufgehende Morgensonne würde einen kalten, frischen Spätwintermorgen bringen. Einen, dessen Morgenrot Unheil brachte. Das war das Trügerische am Schönen.
Lautlos führten die Schritte des Mannes ihn hinüber zu der Frau, die um so viele Jahrzehnte jünger war als er und er ging neben ihr in die Hocke, streckte die Hand nach dem eisigen Nass der Quelle aus, die hier aus einem Stein entsprang und unter die Elaine die Hände schon seit einer gefühlten Ewigkeit hielt. Steine waren allgegenwärtig in Caria und er hatte von dem gehört, was der König mit einem davon getan hatte. Wusste sie es?
Sacht aber bestimmt zog er ihre Finger aus dem kühlen Strahl, ehe sie sich Erfrierungen zuzog und besah sich ihr Gesicht von der Seite. Sie war geplagt von Sorgen und voller Verzweiflung. Er hätte gerne gesagt, dass er sie jemals anders gekannt hätte, doch das wäre gelogen gewesen. Elaine war eine Person voller Zweifel und Angst und wenn man ihre Geschichte und ihre Zukunft kannte, konnte man es ihr kaum übel nehmen. 
"Du hättest nicht kommen dürfen", mahnte Eoren sie schließlich als Begrüßung.
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:03 pm
"Ich weiß", antwortete sie leise, weil sie sehr wohl wusste, was es bedeutete mitten in der Nacht hierher zu kommen. Das kalte Wasser auf den Händen zu spüren, das Stechen auf der Haut zu spüren, hatte ihren eigenen Gedanken beim Klären geholfen und sie dabei unterstützt das zu vergessen, was in der Nacht geschehen war. Wie wütend Thealon gewesen war und wie dumm ihre eigene Reaktion auf diesen Zorn im Nachhinein betrachtet gewesen war, sie hatte sich selbst nur um die Sicherheit gebracht, weil er jetzt keine Rücksicht mehr nehmen würde. Sie hatte für einen kurzen Moment gehofft, er würde sie fortschicken, ihr vielleicht die Gnade erweisen, diesen Schwur zu lösen und sie zum Oldgate zu jagen, aber anstelle dessen hatte sie doch hilf- und wehrlos vor ihm stehen müssen bis er den Raum verlassen hatte und fühlte sich schwächer denn jemals zuvor.
Das Plätschern der Quelle bremste ihren Elan sich gleich zur Seite zu wenden und die Sorge in seinem Gesicht zu sehen, die dort immer gewesen war. Seit sie einander kannten war beinahe immer Sorge in seinen Zügen gewesen - mal um den eigenen Baum, mal um das, was geschehen würde und mal um sie. Sie konnte die paar wenigen Male, an denen es nicht so gewesen war, an einer einzigen Hand abzählen. Eoren war einer der einzigen innerhalb dieses Schlosses, bei dem sie sich keine Sorgen darum machen brauchte, ob die Dinge, die sie miteinander besprachen nicht doch bei Thealon landeten - sie waren es nie, trotz seiner Position als Berater des Königs.
"Aber auch, wenn ich nicht hier sein sollte - es ist trotzdem schön dich wieder zu sehen."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:06 pm
„Devastare, wenn du diese Armee nicht aufhältst dann werden noch mehr Unschuldige sterben“, erwiderte er und zog vor Schmerz die Augen zusammen. Sein Hals hatte inzwischen eine derart raue Oberfläche, dass er glaubte jeder Atemzug würde beim einatmen abgeschliffen werden, bevor er in seine Lungen gelangte. „Du kennst doch die typischen Gründe warum eine Armee aufgehalten wird. Krankheiten, Epidemien. Deine einzige andere Chance wäre, wenn du vor ihrem Einfall eine eigene Armee aufbaust.“
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:06 pm
"Dich ebenso, Elaine", gab er zurück und half ihr auf die Füße, ihr Zittern bemerkend und wortlos seinen Umhang um sie legend. Er brauchte ihn nicht, trug ihn nur zum Schein vor Thealon und aus reiner Gewohnheit manchmal auch hier. Die Kälte gehörte zu ihm wie im Sommer die Hitze oder der Regen. All die Umschwünge hatten ihn anpassungsfähig gemacht - vielleicht in Grund, warum Thealon ihn so schätzte.
"Was ist geschehen?"
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:08 pm
"Wir haben nicht die Leute dafür, Gawain. Ekynes hat fast niemanden mehr übrig und ich würde die Männer nur opfern. Wir haben kein Standbein, um einen Angriff zu beginnen, der auch nur den Hauch einer Chance hat. Ich kann nur hier tun, was mir möglich ist und ... ich weiß nicht was. Aber erst bringe ich dich hier raus."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:10 pm
„Das ehrt dich Junge, wirklich“, Gawain ließ nicht vom Oberarm des Jüngeren los und lehnte sich dann zurück an die Kalte Wand. „Aber ich wüsste nicht wie. Ich kann nicht mehr laufen, vermutlich nicht einmal mehr gehen. Ich sitze hier seit … ich weiß gar nicht mehr wie lange. Ich weiß nicht einmal ob ich überhaupt noch laufen kann. Glaub mir, jeden der mich retten wollte würde ich nur zwangsläufig in Gefahr und ins Grab bringen. Und genau das darfst du nicht riskieren, Devastare! Dafür bist du zu wichtig!“
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:10 pm
"Thealon verliert allmählich die Geduld und ich fürchte, es dauert nicht mehr lang bis sein Verstand dem folgen wird", antwortete sie, weil es nichts brachte ihn zu belügen und dankbar hob sie die Hände, um den Mantel enger um ihre eigenen Schultern zu ziehen. Die Geste half ein wenig vor dem Gefühl des Ausgeliefertseins, das sie seit dem Gespräch wieder eingenommen hatte und das sich durch den Schmerz im Oberarm immer noch bemerkbar machte. "Seine Hand ... sie ist ..." Kopfschüttelnd, weil sie es nicht in Worte fassen wollte, was sie dort gesehen hatte - weil es noch immer dafür sorgte, dass ihr flau im Magen wurde. "Weißt du, was geschehen ist?"
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:21 pm
"Die Steine haben davon erzählt, was geschehen ist, Elaine", tadelte er mit einem sanften Lächeln. "Hörst du sie nicht mehr?" Er führte sie hinüber zu dem kleinen Haus, in dem er wohnte, wenn es Momente gab, in denen es unpassend war, mit seinem Baum zu verschmelzen. An ihr vorbei stieß er die Tür auf, die in einen großen und auch den einzigen Raum führte und damit auch nicht verhüllte, was die Einzigartigkeit seiner Behausung ausmachte: Sein Baum wuchs direkt in der Mitte des Raumes. Breit und mächtig nahm der Stamm einen Großteil der Fläche ein, die Wurzeln knorrig und fest in der lehmigen Erde. Moosgeruch stieg ihnen in die Nase, als sie auf einer sehr großen Wurzel Platz nahmen. Wie immer wandte er den Blick hinauf bis zu der Decke, durch die der Stamm sich reckte. Viele Meter über ihnen und über dem Dach des Hauses erst fand sich die Baumkrone angesiedelt und bildete eine Schutzhülle vor Wind und Wetter. 
Erst im Inneren reichte er ihr eine Schale voller Beeren, die er in einer anderen Wurzelhöhle gelagert hatte und lehnte sich dann an die raue, gefurchte Rinde. "Er hat einen Pakt geschlossen mit Rhiannon. Er würde einen Krieg heraufbeschwören und all die Toten ihr weihen, doch dafür muss er selbst an vorderster Front sein. Im Gegenzug würde sie Kira heilen und das Schwert des Erben Carias steckt nun in dem Stein und wartet darauf, vom rechtmäßigen Erben herausgezogen zu werden. Seine Hand ist ein Zeichen dieses Paktes. Sie wird niemals wie zuvor."


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"Du bist der einzige Freund, der mir von all den Leuten geblieben ist, mit denen wir hierher aufbrachen. Du hast mich immer begleitet", erwiderte Devastare leise und lehnte seine Stirn an die des Freundes, die Hand in dessen Nacken. Er würde ihm Wasser und Essen bringen müssen. Eine Decke. Es würde nicht auffallen in dem Dunkel hier drin. "Halte durch, ich bitte dich. Stirb mir nicht weg, bis ich einen Weg gefunden habe."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:33 pm
Einen Pakt mit den Göttern. Er war bereit gewesen Dutzende von Menschen dafür zu opfern, dass Kira überlebte und sie schwankte auf der einen Seite zwischen der Dankbarkeit dafür, dass er sie nicht einfach hatte sterben lassen und der Furcht davor, wie schnell er dazu bereit gewesen war, all die Unschuldigen dafür zu opfern. Er würde Krieg heraus beschwören, deshalb waren sie alle nach Winterbroke gekommen - deshalb befanden sich inzwischen Hunderte von Zelten vor der Stadt. Ein Heerlager, das bald aufbrechen würde, um Sirean zu übernehmen und jeder einzelne Tod davon würde zu Ehren der Götter sein, um ein Band zu festigen, das er noch nicht einmal hätte haben dürfen. "Eoren ... ich höre die Steine schon seit Jahrzehnten nicht mehr", räumte sie nach einer Weile ein und rang sich ein schiefes Lächeln ab, weil sie wusste, wie er darüber dachte, dass sie mehr und mehr Verbindung zur Anderswelt verlor.
"Vielleicht wird dieser Krieg alles schneller beenden als wir gehofft haben ..." Vielleicht würde es ein Pfeil sein, ein Schwert - wenn er an vorderster Front kämpfte, dann bedeutete das ein größeres Risiko für ihn. Trotzdem wagte Elaine kaum die Hoffnung daran zu hegen. "Wenn er in den Krieg aufbricht, wird er uns kaum hier lassen ... und er wird Devastare und Kira mitnehmen wollen."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:35 pm
"Mit allem, was du sagst, hast du Recht", stimmte er ihr zu und glitt hinter sie, die Finger an ihre Schläfen legend. Ihre Worte beunruhigten ihn. Nicht die des Krieges, denn das wusste er schon lange - nein, das davor. "Schließ die Augen."
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:38 pm
„Wenn du mir verspricht dass du keine Dummheiten anstellst“, gab Gawain leise zurück. Er hatte es aufgegeben den Anderen von seiner eigenen Rettung abhalten zu wollen, kannte er doch den Feuereifer den der junge Gardist aufbringen konnte, wenn er sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte. „Pass auf dich auf, hörst du? Du musst mir eines versprechen: geh keine unnötigen Risiken ein. Wenn du vor der Wahl stehst, rettest du deine eigene Haut. Hast du mich verstanden?“ Es war nicht viel, nicht mehr als ein Glimmen, doch kurz erkannte man wieder den Mann, der einst Waffenmeister am Hof von Ekynes gewesen war und nicht ein halb verhungertet, geschundener Gefangener.
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:41 pm
"Welchen Sinn hat es?", fragte sie leise, schloss dann aber die Augen. "Ich möchte, dass es endet. Auf die eine oder andere Art und Weise, Eoren, dafür muss ich weder Steine, noch andere Dinge hören oder sehen." Die Menschen lebten so kurz, bevor diejenigen, die alt wurden, einfach einschliefen - ihr ganzes Leben war so zerbrechlich und trotzdem stand sie hier und wünschte sich nichts mehr, als wäre es ihr eigenes Leben, das so schnell zu Ende gehen konnte. Noch gab es diese eine Entscheidung, die sie entweder zu dem einen oder zu dem anderen bringen konnte.
"Bereust du es nicht manchmal so lang schon hier zu sein?"
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:41 pm
"Ich verspreche es", gab Devastare zurück, leise zwar, aber entschlossen. Es würde nie dazu kommen, das wusste er - Gawain musste hier raus und er würde fast alles dafür tun. "Ich weiß nicht, wie oft ich noch hier herunter kommen kann oder ob ich ... jemanden schicken kann. Aber wenn du frei kommst, alter Freund, dann mach dich auf die Suche nach unserer Königin. Wenn du sie findest und sie noch lebt ... sag ihr ..." er schloss für ein paar Sekunden die Augen. "Sag ihr, dass ich sie liebe. Und pass auf dich auf, dort draußen. Die Welt ist kein sicherer Ort mehr." 
Rasch stand er auf und trat zur Tür hinüber, klopfte, damit Kira ihm öffnete.
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:45 pm
"Es gab furchtbare Jahre", gab Eoren zu. "Und sie alle haben mich hier hin geführt. Ich bereue nichts. Auch die schlimmsten Momente führen uns. Sie stärken uns. Jeder Konflikt lässt uns wachsen. Und jetzt sei still." Sacht griff er nach der Magie, die ihm als Anderswesen inne war und hüllte Elaine darin ein, sponn Fäden der Natur um sie herum - das Zwitschern der Vögel, die Wärme des Bodens, die Fülle der Erde, aus der alles neue Entstand. Vielleicht brauchte sie nur eine Erinnerung an das, was gewesen war.
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Re: Kapitel 6

am Fr Jan 19, 2018 9:53 pm
Mit bangem Herzen und immer wieder von rechts nach links und wieder zurück blickend, hatte Kira vor der Tür gestanden, den Griff fest in ihrer Hand und den Atem ab und an angehalten, wenn sie glaubte, die Schritte zu erkennen, die die Treppe herunterkamen. Jede Minute hatte sie befürchtet, man würde Devastare und sie entdecken, aber sie hatte auch nicht aus ihrer eigenen Angst heraus klopfen und die Situation zwischen den alten Freunden zerstören wollen und so hatte sie sich still verhalten - solange bis es jetzt von innen klopfte und sie erleichtert aufatmete. So leise wie möglich schob sie die Tür auf und sog die Luft scharf ein, als der schmale Spalt an Licht in das Innere des Raumes direkt auf eine verdreckte, abgemagerte Erscheinung eines Mannes fiel, der mit Nägeln am Boden festgemacht worden war. "Götter ...", stieß sie erschrocken hervor und schluckte. Wenn ihr Vater so weitermachte, würde er bald mit niemandem mehr Devastare erpressen können, weil die arme Seele bis dahin längst tot war.
"... glaubst du, dass du ihn tragen kannst?", hakte sie nach und schluckte, als sie sich darüber bewusst wurde, was sie hier gerade tat. Wenn ihrem Vater auffiel, dass Devastare und sie an der Flucht eines wichtigen Gefangenen beteiligt war, würde er außer sich vor Zorn sein. Er konnte auf keinen Fall einfach hier bleiben. "Wir haben einen guten Heiler oben. Vater schläft bestimmt schon ... ich kann ihn nicht hier verrotten lassen. Es gibt auch hier unten ein paar Gänge, die wir nehmen können."

_______________________________________________

Es fühlte sich fremd an, diese Fäden wieder zu spüren, die sie früher einmal an allem festgehalten hatten - seltsam dieselben Verbindungen wieder zu spüren, die sie endgültig verloren geglaubt hatte, nachdem sie von Oberon und ihrer Mutter fortgeschickt worden war, um hier oben nach Caria zu kommen. Ab und an dachte sie an das Gespräch mit Aristeas und dass es die Stille sein würde, die Ruhe, die sie eines Tages umbringen würde und sie spürte die Unruhe bereits jetzt in sich aufsteigen - die ständige Angst davor, dass es jemanden geben könnte, der die Tür aufstieß, um sie wieder zurück in das Schloss zu bringen.
"Danke ..."
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Re: Kapitel 6

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