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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 6:41 pm
"Karsh ist ein alter Mann geworden. Er würde niemandem mehr etwas antun - er hat auch Devastare niemals ein Leid zugefügt und ich weiß, dass er in der Lage dazu wäre, sich um dieses Problem zu kümmern. Eben weil sie mir so viel bedeutet, würde ich sie an ihn geben."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 6:45 pm
Thealon brachte sein Pferd endgültig zum stehen und warf seinen Gardisten einen kurzen Blick zu, bedeutete ihnen etwas Abstand zu lassen und schwang sich von seinem Pferd, hielt das ihre am Zügel fest und betrachtete sie eine ganze Weile. "Was ist in letzter Zeit mit dir los?" fragte er leise. "Ich verstehe es nicht - wir waren nicht immer einer Meinung, aber seitdem du in Ekynes warst um Devastare zu holen verhälst du dich abweisender und streitsüchtiger als sonst! In den letzten fünfzehn Jahren warst du mir eine Treue Gefährtin - nur deswegen habe ich dir eine Chance auf wiedergutmachung gegeben, als ich von deinem Verrat erfahren habe. Was ist es, dass dich antreibt nun weiter gegen mich zu agieren?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 6:51 pm
"Du hast meine Tochter eingesperrt, damit gedroht ihr etwas anzutun, wenn ich nicht gehorche. Du treibst sie systematisch weiter in deine Arme und schottest sie mit jeder weiteren Lüge weiter von dem Rest ihrer Familie ab. Du bedrohst diejenigen, die ihr am Herzen liegen. Du hast mich dazu gezwungen zurück nach Ekynes zu gehen, obwohl du nicht wusstest, ob ich dort nicht vielleicht gefangen genommen werden würde. Du hast einen jungen Mann aus seinem gewohnten Umfeld und seiner Familie gerissen, nur weil du ihn wie eine Marionette über das Schachfeld deines Lebens schieben wolltest. Devastare bedeutet dir gar nichts, denn hier stehst du und willst ihn verzaubern lassen, damit er dir nicht mehr widerspricht. Er ist knappe zwei Wochen hier und hört nichts außer Forderungen von dir, statt einem einzigen freundlichen Wort, mit dem du alle Probleme leichter hättest beheben können. Er ist dein eigener Sohn, Thealon, und es interessiert dich einen Dreck, wie es ihm bei alledem geht, solange er funktioniert. Willst du, dass ich weitermache oder reicht dir das zur Erklärung?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 6:55 pm
"Ich muss dieses Reich führen und beschützen Elaine..." erklärte Thealon und schüttelte den Kopf. "Und ich muss meine Kinder darauf vorbereiten es mir eines Tages gleich zu tun - ich habe versucht Devastare mit guten Worten beizukommen, aber es half nichts. Und das ich ein Druckmittel gegen dich brauchte, nachdem dein Verrat offenkundig wurde war dir doch wohl ebenfalls klar oder? Sie saß keinen Monat in Arrest, den größten Teil deiner Reise durfte sie aus dem Turm. Du siehst nichts weiter als die Maßnahmen die ich ergreifen muss um dieses Reich zu schützen! Ich habe schon schwerwiegenderes getan als dies. Wieso stört es dich mit einem mal?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 6:58 pm
"Weil es dabei zuvor niemals um meine Kinder ging, Thealon! Tu mit diesem Reich, was immer du willst, aber du wirst nicht meine Kinder so manipulieren, dass sie sich selbst verlieren. Sie sind gute Menschen, sie wissen, was gut und was richtig ist und sie treffen ihre eigenen Entscheidungen. Du hast dir nicht einmal die Mühe gemacht, Devastare kennen zu lernen, weil schon ein einziger Widerspruch von ihm dir zuviel gewesen ist. Er ist ein guter Mann und er wird ein guter König sein, wenn du aufhören würdest ihn wie einen Hund an der Leine zu führen. Was er braucht ist eine Hand, die er ergreifen kann und keine, die ihn schlägt."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:02 pm
"Sie müssen harte Könige sein, keine guten. Ich werde ihnen ein gigantisches Reich überlassen, dass sie mit harter Hand verwalten müssen. Devastare ist zu sanft um ein König zu sein!" erklärte er und schüttelte den Kopf. "Mein Vater wurde seine unvorsichtigkeit zum Verhängnis. Ich werde nicht die selben Fehler machen wie er!"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:05 pm
"Ach? Und du weißt das nach zwei Wochen, in denen du mit nichts anderem beschäftigt warst als damit ihm zu sagen, was alles an ihm falsch ist. Dass er zu schwach ist. Zu weich. Zu schlecht. Zu sehr nach Ekynes kommt. Dass er zu oft widerspricht. Was kommt noch? Dass er die Gabel falsch hält? Du kennst den Jungen nicht einmal gut genug, um dir ein Urteil zu bilden aber statt ihn kennen zu lernen tust du alles, um ihn noch weiter von dir wegzutreiben. Es ist kein Wunder, dass er rebelliert, wenn du seine Freunde foltern lässt und versuchst die beiden Geschwister auseinander zu treiben, weil du dem einen etwas anderes als der anderen erzählst. Sie mussten sich ja irgendwann gegen dich verbünden. Das hast du dir allein selbst zuzuschreiben."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:07 pm
"Devastare will mir nicht zuhören. Selbst wenn ich wirklich alles beherzige was du sagst. Selbst wenn ich anfange ihm zuzuhören. Er hat sehr deutlich klar gemacht, dass er bereits einen Vater besitzt. Und es ist Karsh. Er hat kein Interesse an mir oder diesem Volk. Sei ehrlich zu mir Elaine - ich habe keine Chance mehr zu ihm durchzudringen oder?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:11 pm
"Jetzt, wo du damit drohst ihn zu verzaubern, damit er gehorcht. Wo du ihm Leute hinterher schickst, ihn jagen lässt als wäre er ein Hase. Devastare war über zwanzig Jahre bei Karsh und er hat ihn groß gezogen, natürlich ist er eher sein Vater als du. Du wirst nicht Vater damit, dass ein Kind zur Welt kommt - du wirst es mit der Zeit. Damit, dass du dich um dieses Kind kümmerst, ihm beistehst und es auffängst. Du kannst nicht erwarten sein Vater zu sein, obwohl er dich gar nicht kennt und du bist zu ungeduldig, um dir selbst die Chance darauf zu geben noch für ihn ein Vater zu werden. Mit allen Entscheidungen, die du gefällt hast, hast du dir die Chance selbst verspielt. Nein, er wird in dir niemals einen Vater sehen und er wird dir nach der Jagd, nach Gawain, nach allem, was du getan hast, keine Chance mehr geben dich zu beweisen und ich kann es ihm nicht verdenken."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:14 pm
"Keine mehr, hm?" hakte Thealon nach und nickte knapp, während er wieder zu seinem Pferd marschierte. "Nun gut Elaine - dann lässt du mir keine andere Wahl. Du hast mir die Möglichkeit genommen sein Vater zu sein, damals als du ihn fortgebracht hast. Noch bevor diese Woche zu Ende ist wirst du mir diese Möglichkeit zurück geben. Es ist allein dein Vermächtnis."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:17 pm
Sie hatte den Funken Hoffnung gehabt, er hätte sich besonnen - hätte verstanden, dass das hier der falsche Weg war, den er ging und dass er nicht einfach wieder aufgeben würde, nicht wieder die einfache Lösung suchen würde, aber die Realität zerstörte all jene Hoffnungen, die sie zuvor noch gehabt hatte. Mochte es auch ihr Vermächtnis sein - sie hatte versucht ihn zu beschützen, als sie ihn fortgebracht hatte, hatte versucht ihn davor zu bewahren, so zu werden wie sein Vater. Karsh hatte ihm beigebracht, dass es mehr gab als Macht und Stolz, mehr als das eigene Leben und den eigenen Ruhm und sie war dankbar für das, was Karsh ihm beigebracht hatte und sie nicht gekonnt hatte. Hier in Caria wäre er grausam geworden, von sich selbst überzeugt und seinem Vater ebenso hörig wie jeder andere an diesem Hof.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:24 pm
Devastare, Galahad, Kira und Ilian waren weit gekommen - es hatte die kleine Gruppe bis an den Rand der Grafschaft Camshire geführt, welche sie mit einer Geschwindigkeit passiert hatten, die Thealon beeindruckte und die der König dem jungen Jägerssohn zuschrieb, der die Ländereien und unwegsamen Gelände des Landes kannte. Doch es hatte nicht geholfen - denn wenngleich die Truppe sich auch ehrbar geschlagen hatte, gegen Thealons Organisationsgeschickt, seine treuen Dukes und die schnellen Pferde des Königshofs hatten sie von Anfang an keine Chance gehabt.
"Devastare!" schrie der König von einer kleinen Anhöhe, keine dreihundert Meter von Devastare und seiner kleinen Truppe entfernt, die am Fuße des Hügels auf ihren Pferden einher marschierte. "Ich gebe dir die Möglichkeit das hier zivilisiert zu regeln! Steig vom Pferd und komm mit mir zurück und keiner deiner Begleiter hat eine Strafe zu fürchten!"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:37 pm
Zu ihm zurück? War er von allen guten Geistern verlassen? Er hatte geahnt, dass sie nicht weit kommen würden, nicht fliehen konnten, solange Thealon nicht hatte, was er wollte und trotz Elaines Warnung standen sie nun hier, fernab von Sicherheit und Schutz der Fremde, hatte sich mitten in die Gefahr begeben, Thealons Zorn auf sich zu ziehen. Er hatte Hoffnung gehabt - das eine, was Karsh ihm immer gesagt hatte. Hoffnung blieb als kleiner Funke zurück, bereit, ein neues Feuer zu entfachen, wenn die Zeit gekommen war. 
"Geht", bat er die anderen wiederholt und deutete zu Thealon zurück. "Das hier ist nicht euer Kampf und es soll nicht euer Problem werden. Kehrt zu ihm zurück und macht ihm glauben, dass es ein Fehler war, mit mir zu kommen und ihr mich zum Umkehren überreden wolltet." Er sah Kira lange prüfend an. "Du kannst das." Und dann nickte er zu ihrer beider Vater hin, ruckte mehr mit dem Kinn, damit sie verstand. Er fühlte sich elend dabei, ihre Hilfe nun mit Füßen zu treten und hoffte inständig, sie mögen es verstehen. 
Die Tage auf der Flucht hatten sie alle langsam, hungrig und müde werden lassen und es kam ihm nun zu Hilfe, als er die Wege der Pferde zurück zu Elaine und Thealon lenkte, ob sie es wollten oder nicht. Sollte der Mann dort oben doch denken, er habe gewonnen und Kira konnte zetern, was sie nur wollte. Ihr Vater würde ihr nichts tun und Ilian ebenso wenig. Einzig um Galahad hatte er Angst und doch ... was würde es bedeuten, wenn er, Devastare, sich ergab? Er würde all die Chancen ungenutzt verstreichen lassen, würde den Funken davonfliegen lassen, weil er aufgab. 
Er hörte Kiras wütende Worte über das Tier, das ihrem Willen nicht mehr gehorchte und kam mit seinem Pferd neben sie, umkreiste die drei, auf die Entfernung hin sah es wohl so aus, als wollte er sie in ihrem Ritt zum König stoppen, doch stattdessen wandte er Thealon den Rücken zu. 
"Wenn du wenigstens euch dreien die Strafe ersparen willst, dann lüg, wie du noch nie gelogen hast", stieß er heraus und wartete nicht auf eine Antwort, ehe er seinem Pferd die Stiefel in die Seite drückte und in Richtung der Bäume davon galoppierte. Große Chancen malte er sich nicht aus, aber vielleicht würde er nicht viele brauchen. Eine einzige reichte, ein Moment der Unachtsamkeit des Königs.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:50 pm
Thealon sah zufrieden wie sich die Tiere seiner Tochter und deren Begleiter in Bewegung setzten, war gerade dabei Elaine zuzunicken, als sich Devastare aus der Gruppe löste. "Was tut er denn da..." zischte Thealon, ehe der Junge in den Galopp überging. "Nein!" der König riss an den Zügeln seines Pferdes, presste ihm die Stiefel in die Flanken. "Du gibst auf Kira acht Elaine!" befahl er der Halbfee und gab dem Tier dann die Sporen.
Er würde nicht zulassen, dass sein Sohn über die Grenzen und damit außerhalb seiner Reichweite kam. Er schlug mit der Reiterpeitsche so fest gegen die Flanke des Pferdes, dass ein blutiger Striemen zurück blieb, passierte im weiten Bogen Kira und die anderen und preschte in den Wald, während er mit einer Hand den kleinen Streitkolben aus der Seitentasche des Pferdes zog. Und wenn er Devastare aus dem Sattel prügeln musste. Er duckte sich, während ihm die Äste ins Gesicht peitschten und er das Pferd mit seinem Sohn darauf näher kommen sah.
Er brauchte diesen Jungen - brauchte ihn um das Schicksal seiner Blutlinie zu erfüllen. Brauchte ihn um diese Welt zu unterjochen.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 7:57 pm
Devastare wusste genau, was passieren würde - er hatte nur nicht mit Thealon gerechnet, aber unterm Strich war das auch egal. Er hatte Männer getötet, Männer seines Vaters. Seine Wut war ohnehin schon grenzenlos, nun konnte er sie auch noch befeuern. 
Er war mitten im Wald, als er sein Pferd wendete, hinter den Bäumen entlang, so dass Thealon der Spur nachritt, weil er ihn hinter den dichten Nadelbäumen für einen Moment nicht sehen konnte. Sein Atem ging flach, aber erstaunlich gleichmäßig, ob der Anspannung, die seinen ganzen Körper befallen hatte, während er hinter seinem Vater wieder auftauchte. Das Schwert hatte er aus der Jagdhütte mitgenommen - wusste der Geier, was es dort tat und wozu man es auf der Jagd brauchte, aber es war ein gutes Stück Handarbeit, das er da bei sich führte und das ihn sicherer werden ließ als seine Zauberkräfte einzusetzen. Elaine hatte ihm eingeschärft, es nicht zu tun und wenn er ihr trauen konnte, dann waren sie auch nur sehr mager ausgebildet - sie würden sein Rettungsanker sein. 
Devastare nutzte den Moment, als Thealon sich suchend umsah und schoss mit seinem Pferd nach vorne, das Schwert erhoben und zog es ihm hart über den Arm. Es klirrte, dann ratschte es durch den Stoff und schließlich troff Blut von der Klinge. Er nutzte die Zeit nicht, um sich zurück zu lehnen, sondern war sofort wieder ein paar Meter von dem erschrockenen Pferd fort, das sein Vater sichtlich misshandelt hatte auf dem Ritt.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:02 pm
Thealon schrie auf, als der plötzliche und unerwartet ein Schmerz durch seinen Arm fuhr und er beinahe den Streitkolben fallen gelassen hatte. Lang und tief ging der Schnitt, als hätte Devastare eine Orange und nicht seinen Vater aufgeschnitten. Probehalber bewegte Thealon die Finger unter dem Lederhandschuh und spürte eine feurige Wärme aufsteigen - ein noch größerer Schmerz, der den Schnitt geradezu lächerlich wirken ließ. Er richtete sich im Pferd auf und warf den Streitkolben in seine andere Hand. "Das wagst du nicht," erwiderte er leise und ließ sein Pferd seitwärts laufen.
"Ich habe schon bessere Männer als dich getötet Devastare - aber ich will nicht deinen Tod! Leg die Klinge bei Seite und komm mit mir. Du hast nicht den Schneid um einen König zu töten!"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:10 pm
Hatte er nicht? Bisher war er nie in die Verlegenheit gekommen, es zu versuchen, aber als er hier so offen dazu aufgefordert wurde, machte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. "Denkst du, du wärst besser, weil du ein König bist?", spie er ihm entgegen und zügelte sein Pferd, um sich noch ein wenig in Sicherheit zu bringen. "Du bist eine armselige Kreatur von Mann, nicht genug Schneid, um irgendetwas alleine zu regeln!" Das Pferd des Königs stieg und auch sein eigenes und der Moment lenkte ihn zu weit ab, so dass der Streitkolben heftig gegen seine Seite traf und er mehr von seinem Pferd rutschte als sprang - trotzdem landete er halbwegs auf den Füßen und verschanzte sich hinter dem nächsten Baum, keuchend und mit Schmerzen an den Rippen. 
Er hatte als Gardist genug Kämpfe ausfechten müssen, aber keiner davon war gegen seinen eigenen Vater gegangen und kurz fragte er sich, ob es einen Unterschied machte. Er war sein Erzeuger, aber - der Streitkolben schlug Splitter aus dem Baum, hinter dem er mit dem Rücken gelehnt hatte und beendete seine Fragerei. Es machte keinen Unterschied. Dieser Mann trachtete nicht nur ihm nach dem Leben, sondern tyrannisierte seine Mutter und vergiftete die Gedanken seiner Schwester. Er hatte schon bessere Männer getötet. 
Devastare fuhr hervor, das Schwert erhoben und stieß nach vorne, Thealon erneut durch den bereits vorher getroffenen Arm, weil es eindeutig seine Schwachstelle wurde. "Du bist nicht mein König!"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:22 pm
"Ich werde euer aller König sein..." zischte Thealon und riss sich mit aller Gewalt von dem Schwert los, während Blut seinen Arm hinunter troff und in den Handschuh sickerte, die verdorrte Hand benetzte.
"Ich will dich nicht töten Devastare, aber wenn du mir keine andere Wahl lässt," er schwang den Streitkolben, traf damit Devastares Schulter und stolperte einige Schritte nach vorne, da er das Gewicht mit dem verletzten Arm nicht ausbalancieren konnte. Er verfluchte sich dafür, dass er keine Rüstung angezogen hatte, weil er geglaubt hatte sein Sohn würde sich seinem Willen beugen.
Er machte einen halben Ausfallschritt, duckte sich unter dem nächsten Schlag hinweg und kam stolpernd wieder zum stehen. "Ohne meine Armee wird Ekynes untergehen!" zischte er dem anderen ins Gesicht, ehe Devastares Schwert den König noch einmal erwischte - diesmal an der Hüfte. Thealon schnappte nach Luft und stolperte zurück, während sich Blut auf dem Waldboden ausbreitete. Er konnte nicht sterben - er durfte nicht sterben. Als Devastare ein weiteres Mal auf ihn zurannte schleuderte Thealon ihm mit einem Tritt Sand ins Gesicht, kam dabei jedoch ins stolpern und so krachten beiden Männer gegeneinander. Sie rangelten für einen kurzen Moment, ehe sie beide wieder zum stehen kamen, sich voneinander entfernten. Thealon keuchte schwer, während das Blut langsam aus ihm heraus sickerte. Er hatte keine richtige Waffe als den besseren Schlagstock, keine Rüstung und seine Bewegung war eingeschränkt.
"Du wirst niemals leugnen können woher du kommst!" zischte er, ehe Devastare erneut zu einem Hieb ausholte. Thealon reagierte, aber zu langsam und ein beißender Schmerz zuckte über seine Brust, als Devastares Schwertspitze einmal von unten nach oben darüber fuhr und Thealon stolperte zurück, stieß mit dem Rücken gegen einen Baum. Die Waffe hatte er verloren, Blut sickerte in sein königliches Wams. "Nur zu Devastare...." keuchte Thealon leise. "Ich... bin der König von Caria.... ich werde nicht um mein Leben betteln...."
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:31 pm
Mehr röchelnd als alles andere, weil die Schmerzen ihm die Sicht vernebelten, gepaart mit dem Sand, der ihm in den Augen stach, taumelte Devastare zwei Schritte rückwärts, aber die Worte prallten an ihm ab, als hätte Thealon sie niemals gesagt. Ihn verband nichts mit diesem Mann - gar nichts. 
Er hob erneut sein Schwert, aber was er nicht berechnet hatte, war, wie schwer es ihm fiel mit den Rippen und wie scharf es auf einmal in seiner Brust zog. Noch während er die Klinge hob, wurde ihm der Fehler bewusst und da war es zu spät. Thealon rammte ihn um, schien nach seiner Waffe zu grabschen, die in der morastigen Erde lag, während Devastare noch nach Luft rang, die der Aufprall ihm aus den Lungen gepresst hatte.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:34 pm
Thealon stieß mit dem lederumwickelten Griff der Waffe heftig gegen Devastares Schläfe. Ein einziger, fester und kontrollierter Schlag. Kein rasender Zorn, keine überborernde Wut. Berechnung. Mehr nicht.
Er spürte wie Devastare erschlaffte. "Du zögerst zu lange..." keuchte Thealon in das Ohr seines Sohnes, auch wenn er wusste, dass es dieser nicht mehr hören konnte und rollte sich schließlch von ihm hinunter und blieb in der morastigen Erde liegen, während das Blut aus seinem Körper floss. "Elaine..." er brachte kaum mehr als ein Flüstern heraus. "Oh ihr Götter.... ich brauche Elaine. Bei Feuer, Wasser Luft und Erde...." dann verlor er das Bewusstsein.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:47 pm
Erst als das leise Flüstern an ihre Ohren drang setzte Elaine sich wie in Trance in Bewegung, leitete ihr Pferd gemeinsam mit denen der anderen rüber zu dem Wald, in dem vor einigen wenigen Minuten Devastare und Thealon verschwunden waren. Ein Teil von ihr hoffte inständig darauf, dass Devastare es geschafft hatte zu fliehen, dass er es geschafft hatte Thealon zu ermorden und sie von jetzt an frei waren. Sie hörte die Rüstungen der Garde hinter sich klappern, die Hände bereit an den Waffen und sie hörte die Beschwerden der anderen, glaubte den Vorwurf in Kiras Blick zu sehen, die umringt von den Wachen keine andere Wahl gehabt hatte als sie zu begleiten. Da war noch immer der Befehl für den Zauber, das Wissen, was genau sie zu tun hatte, wenn sie die beiden traf und dem sie sich nicht widersetzen konnte, wenn der Eid ihr nicht alles nehmen sollte, was sie ausmachte. Er wog schwer auf den eigenen Schultern als sie das Dickicht bis zu dem Platz durchquerten, an dem Blut in der Luft hing und den Waldboden besudelte - zwei bewusstlose und verletzte Männer am Boden.
Wie in Trance sprang sie aus dem Sattel ihres Pferdes, gebot den Männern, die Thealon und sie begleitet hatten am Rande stehen zu bleiben und jene festzuhalten, die bei ihm gewesen waren. "Lasst ihn liegen", wies sie tonlos an als sie nach vorn trat und sich zwischen die beiden stellte. "Niemand rührt einen von ihnen an. Ich brauche das Blut", setzte sie noch nach, weil die ersten der Wachen bereits nach vorn treten wollten. Sie wollte das hier nicht tun, sie wollte diesen Zauber nicht aussprechen müssen und damit alles auslöschen, was bislang Gutes in Devastare gewesen war, aber der Befehl wog schwerer als ihr eigener Wille. Als sie die Hände hob, begannen sich Bluttropfen empor zu bewegen - Tropfen für Tropfen verschwamm ineinander als Thealons und Devastare sich vermischten. Sie hörte die Bemühungen der Wachen, Kira festzuhalten - sah die Bemühungen ihrer Tochter sich gegen die Männer zur Wehr zu setzen, hörte ihr Schreien, sie möge damit aufhören. Sie hätte ihr gern zugestimmt, hätte gern all das beendet als das Feuer einen Ring um Vater und Sohn zu bilden begann.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:53 pm
Dunkelheit nagte am Rande seines Bewusstseins und wollte ihn zurück zerren in die wohlige Umarmung, die bedeutet hätte, den Schmerzen zu entkommen, die in seinem Körper pochten. Sein Brustkorb schien in Flammen zu stehen und sein Kopf pochte unaufhörlich, während das Blut in seinen Ohren rauschte. Dennoch ... da war etwas. Das Sirren von Magie um ihn her, das ihn alarmierte. Unruhig flatterten seine Augenlider und er starrte hinauf in den bewölkten Vorfrühlingshimmel, grau und trist und völlig unbedeutsam. So wie das, was er eben getan hatte. Er hatte Thealon nicht töten können. 
Die Magie, besann er sich und wandte den Kopf zur Seite, um Kira rufen und zetern zu sehen, sich gegen Wachen stemmend, die sie festhalten wollten. All das geschah ohne, dass er einen Ton hörte. Ilian und Galahad an der Seite, hinter Kira, Finnja kurz dahinter. Er hatte sie seit seiner Ankunft nicht mehr gesehen und hatte kurz die Hoffnung, sie möge ihm helfen, doch ihr Blick war starr. Sie war gefangen zwischen zwei Eiden. 
Mühselig ließ er den Kopf auf die andere Seite kippen und begegnete Elaines Augen, seinen so unähnlich, wie es nur ging. Sie war es, die Magie verwob und gleichzeitig auch das Blut, das um sie herum verteilt war. Sein eigenes und das seines Vaters. Das konnte nichts Gutes bedeuten. 
Übelkeit setzte sich in ihm fest, als er die Hand ausstreckte und Elaine am Handgelenk berührte. "... was ...?"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 8:59 pm
"... es tut mir leid ...", flüsterte Elaine nur leise. "... ich kann nichts dagegen tun ..."
Es war das Einzige, was sie noch über ihre Lippen brachte ehe der Befehl sie wieder daran erinnerte, dass sie ihre Pflicht beinahe vergaß und sich schmerzhaft heftig mit einem Stich in ihrem eigenen Körper zurück meldete. Nur kurz schnappte sie nach Luft, dann erinnerte sie sich wieder an die Worte. Sie kannte das Vorgehen, kannte die zu rezitierenden Worte mehr als gut. Es hatte kein Wald sein dürfen, in dem sie den Zauber sprach, Oberon war hier zu stark, ihre eigene Magie zu mächtig, als dass sie ein Schlupfloch hätte finden können, wie sie den Zauber hätte schiefgehen lassen können. "Wehr dich nicht", bat sie den Jüngeren nur sacht, weil sie hoffte, es ihm damit zu erleichtern bevor erneut die fremden Worte ihre Lippen verließen.
Rauch stieg aus dem Feuer empor, in dem die Kräuter brannten, die sie auf dem Weg gesammelt hatte und sie entließ den Nebel nicht aus dem Kreis aus Feuer, den sie um die beiden Männer gezogen hatte. Dicht und grau zog er ins Innere, hinein in die Lungen der beiden Männer, die dort am Boden lagen.
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 9:07 pm
Wehr dich nicht?! Devastare gedachte vieles nicht zu tun, aber wehren war nichts davon. Hart griff er nach Elaines Arm und rollte sich herum, es irgendwie schaffend auf die Knie zu kommen und sich mit einer Hand am Boden abstützend, während er ihren Blick weiterhin mit seinem festhielt.
"Elaine!", beschwor er sie, seine Stimme nicht halb so fest, wie er sie gerne gehabt hätte, weil der dunkle Rauch ihm die Luft nahm, immer tiefer in ihn eindrang. Hustend und keuchend beugte er sich vornüber, spürte bereits, wie etwas seine Sinne zu vernebeln begann. Caillean tauchte vor seinen Augen auf, Karsh. Coreen. Hamedi. All die, die ihm etwas bedeuteten. Schließlich war da auch Kira und er wusste nicht, ob sie es wirklich war oder ebenso ein Trugbild vor seinen Augen. Mit einem lauten Sirren begann, sich sein Kopf in krampfartige Explosionen zu verwandeln. Schwärze und Helligkeit zuckten vor seinen Augen und die Übelkeit wurde übermächtig. Ruckartig ließ er Elaine los und krallte die Finger in seine Haare, krampfte sich zusammen, bis seine Stirn auf seinen Knien zum Liegen kam. Hatte er zuvor noch geglaubt, die Schmerzen waren schlimm - sie waren nichts gegen das hier. 
"... bitte ... - Elaine - hör auf!", flehte er heiser und brach ab, weil sich ein Schrei über seine Kehle hinaus quälte. Selbst jetzt, hier noch, hatte Thealon sie in seiner Gewalt. "Bitte - ... Mutter -"
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Re: Kapitel 7

am Mi Jan 24, 2018 9:13 pm
Sie wünschte, sie könnte. Mit jeder Faser ihres Körpers wünschte sie sich, sie könnte damit aufhören. Das hier war ihr Kind ... ihr Sohn und so sehr sie sich auch dagegen wehrte, sie hatte keine Chance gegen das, was da immer weiter auf sie eindrückte. Jener Befehl, der sie dazu trieb, gänzlich automatisch Wort für Wort zu sprechen. Tränen rannen über ihre eigenen Wangen als sie weiter jene Worte rezitierte, die sie vor ein paar Tagen zusammen gefasst hatte und die ihr vorkamen, als besiegele sie hier gerade ihr eigenes Todesurteil. Alles hätte sie lieber ertragen, jeden noch so großen Schmerz, mit dem Thealon gedroht hatte - alles war besser als das hier. Besser als das heisere Flehen des einen Kindes und das verzweifelte Schreien des anderen. Es tat körperlich weh zu sehen, wie das Feuer vom einen auf den anderen übergriff und schließlich auf der Brust verschwand. Es würde all das ausbrennen, was dort zuvor gewesen war - die Ansichten und Meinungen, all die Dinge, an denen Thealon sich gestört hatte, damit sich dann - mit dem Blut des Vaters - neue Dinge zu bilden begannen.
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Re: Kapitel 7

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