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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 10:56 pm
"Was also, meine liebe Finnja, gedenkst du nun, was wir tun? Was sagt die Forderung? Wie sollen wir einen körperlich sehr fitten Prinzen mehrere Wochen bis an die Grenzen transportieren, um ihn dann zu übergeben?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 10:59 pm
"Bewusstlos, gefesselt und geknebelt und an ein Pferd gebunden werden wir ihn übergeben und sie darüber informieren, dass er verzaubert wurde. Ich mache das selbst, das ist kein Problem und ich übernehme alles, was dort auf mich zukommen wird, solange es nur bedeutet, dass das hier aufhört", erklärte sie mit einem schmalen Lächeln, weil sich das alles wesentlich leichter anhörte, als es sein würde. Zur Not würde sie sich einen Käfig besorgen, wenn sie ihn bis zur Grenze bringen sollte.
"Die Forderung sagt nur, wir sollen ihn zum nächsten Neumond in einem Waldstück nahe Widow bringen - dort würden wir auch Lady Elaine zurück bekommen, sobald sich Devastare dort befindet. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Schlupflöcher und ich glaube ihnen, dass es ihnen wirklich nur um Devastare geht und nicht darum uns weiter zu schaden. Er ist ihnen wichtig."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:00 pm
"Ebenso, wie uns unsere Hofzauberin", seufzte Eoren und legte den Kopf schief, während er die junge Frau musterte. "Was hast du ihm versprochen?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:02 pm
"Dass ich seine Geheimnisse wahre und ihm helfen werde. Dass, was immer zwischen uns ausgesprochen wird, auch zwischen uns bleibt und ich es an keine anderen Ohren weitertrage. Ich habe ihm versprochen, dass er mir vertrauen kann und dass ich eine Freundin für ihn sein werde. Nicht mehr und nicht weniger."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:05 pm
Da war keine Lüge in ihren Worten und Eoren sah durchaus den Sinn hinter all dem, was sie plante. Caria war seine Heimat - wenn Devastare und Kira erst begannen, ein Tauziehen um die Krone zu veranstalten, in das sich dann noch Thealon einmischte, dann würden sie wirklich bald Bürgerkriege im Land haben. Nein. Er liebte dieses Land, wenn er auch gerade mit der Regierung nicht einverstanden war, so hatte er hier doch seine Wurzeln und das nicht nur buchstäblich. Auch geistig war er gerne hier in diesen rauen Gefilden. Wenn all das bedeutet, sie würden Elaine heil zurück bekommen ... so weit, wie sie vermutlich fort war, konnte er ihr nicht helfen und das machte ihn schier wahnsinnig. 
Und Finnja war ein gutes Mädchen, wenn auch etwas ruppig und schamlos, wenn es um ihre Wortwahl ging, aber im Herzen ein liebes Ding. Die Jugend ... ein sanftes Lächeln malte sich auf Eorens Lippen, als er die Rothaarige musterte. 
"Was brauchst du?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:10 pm
Erst mit der Frage wagte Finnja wieder zu hoffen und wagte es erleichtert aufzuatmen, weil sie das Gefühl gehabt hatte, das Verhör zuvor nicht ansatzweise so gut überstanden zu haben, wie sich die Frage gerade anhörte. Im Stillen dankte sie den Göttern dafür, dass sie dieses eine Mal auf ihrer Seite gestanden hatten, nachdem sie ihr die vergangenen Stunden schon schwer genug gemacht hatten und Finnja erlaubte es sich jetzt die Augen zu schließen. "Ich brauche zuerst einmal Galahad wieder befreit ... und eine Möglichkeit, wie ich zu Devastare kommen kann, ohne genauso im Kerker zu landen. Ein paar Seile zum fesseln und ein paar neue Pferde, um ihn schnell von hier wegzubringen wären auch gut. Proviant, wenn ich ganz vermessen sein darf."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:10 pm
"Ihr wollt ihn zu zweit mehrere Wochen geleiten? Er ist ein guter Schwertkämpfer und ein Magier, das weißt du?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:11 pm
"Das mit dem Magier wusste ich noch nicht", räumte Finnja ein. "Aber mehr Leute werden für Ekynes wie ein Angriff wirken. Ich will nicht, dass sie der Hofzauberin etwas antun, weil sie es falsch verstanden haben. Ich ... bräuchte vielleicht noch etwas, das ihn ein wenig ... tiefer schlafen lässt? So für den gesamten Weg?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:13 pm
"Zehn Wochen lang? Finnja, bei aller Liebe, wie soll das gehen?" Ihm fielen da schon die ein oder anderen Dinge ein, aber über so einen langen Zeitraum? "Es kann gut sein, dass er es nicht verträgt. Wenn er stirbt, ist er wertlos als Geisel."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:14 pm
"Aber ich kann ihn auch schlecht immer wieder k.o schlagen, weil sonst sein Hirn Brei ist und die uns das richtig übel nehmen würden. Habt Ihr ... eine Idee, wie wir ihn am Besten transportieren können ohne dass er uns grell leuchtende Feuerbälle um die Ohren knallt?"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:16 pm
"Ich fürchte, in Eisenfesseln legen ist eine Option. Ein Käfig ist zu sperrig und bietet ihm zu viel Möglichkeiten, zu entkommen, wenn ihr in nicht darin ebenfalls noch festbindet. Aber es wirft zu viele Fragen auf. Fesseln kann man recht gut unter Umhängen verstecken. Zusätzlich kann ich ihm etwas geben, das ihn nachts schlafen lässt, damit ihr ebenfalls zur Ruhe kommt und nicht ständig Angst haben müsst, er verschwindet durch einen dummen Zufall, denn das wäre wirklich ärgerlich."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:18 pm
"Danke", war alles, was Finnja nach einem kurzen ehrlichen Nicken sagte. "Wirklich. Vielen vielen Dank für die Hilfe."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:19 pm
"Ich werde Galahad aus den Zellen holen, Finnja. Bereite alles vor - Ferryn, eines der Küchenmädchen, kann dir Proviant zusammen stellen. Sie wird nicht viele Fragen stellen. Solange kümmere ich mich um den Rest, aber ... um Devastare aus seinen Räumen zu holen, wird mehr nötig sein."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:21 pm
"Die Frage ist, wie kommen wir in seine Zimmer ohne die ganze Garde aufzuschrecken und bei Möglichkeit auch um einen Kampf mit ihm zu vermeiden. Ich würde das Zimmer ungern stürmen müssen, aber keiner von uns ist ein besonders guter Fassadenkletterer ... ich würde ja sagen, wenn er ohnehin schläft aber leider kann ich nicht durch Türen nachsehen, ob er schläft und ich weiß auch nicht, welchem Diener ich genug vertrauen könnte, um zu bitten nachzusehen."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:22 pm
"Dann ... würde ich dir ebenfalls das Küchenmädchen empfehlen."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 11:24 pm
Stirnrunzelnd musterte Finnja den anderen noch einmal, entschied sich aber nicht noch einmal nachzufragen. Sie würde besagtes Küchenmädchen fragen, sobald sie sie erwischte in ... - einen kurzen Moment lang war sie versucht nachzufragen, wo sie das Mädchen finden konnte, bis ihr auffiel, dass Küchenmädchen ihren Aufenthaltsort bereits beinhaltete.
"Dann sollte ich keine Zeit vergeuden. Danke noch einmal für alles. Wünscht uns Glück, dass wir es schaffen und rechtzeitig ankommen."
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:01 am
Galahad fuhr mit dem Daumen über die Erhebung an seinem Schwertknauf, während er missmutig einen nassen Fleck an der Wand betrachtete.
Er hatte das Seil um sein Schwert gelöst, einen Gardisten die Nase gebrochen und sich alles andere als rühmlich verhalten. Er verfluchte sich für seine Leichtsinnigkeit und seine vergebliche Hoffnung mit einem selbstbestimmten Auftreten, wie er es von anderen Adligen kannte, weiterzukommen. Er war nicht weitergekommen. Kein Stück.
Als er Schlüssel im Schloss klappern hörte wandte er den Kopf und hob die Brauen.
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:05 am
"Wie ich höre, wirst du gebraucht, Ritter", gab Eoren zu verstehen, als Licht in die kleine Zelle fiel und schob die Tür ein wenig weiter auf. Hinter ihm war der Gang vollkommen ausgestorben - die Wachen hatte er für einen Moment fort geschickt. Es hatte Vorteile, der Berater des Königs zu sein und da dieser momentan nicht hier war, fiel es ihm zu, die Befehle zu sprechen. Niemand wagte, zu protestieren.
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:13 am
Galahad zeigte soetwas wie ein verzweifeltes Grinsen. "Ich hoffe doch, dass ich noch gebraucht werde!" erklärte er leise und richtete sich auf, klopfte sich den Staub von der Kleidung und verfluchte bereits jetzt die kühle Feuchtigkeit der Wände, die in seinen Gambeson eingezogen war. "Habt Dank euer Durchlaucht," erwiderte er leise und neigte den Kopf. "Wie geht es weiter?"
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:18 am
"Finnja braucht dich, um zu Devastare durchzudringen. Ihr werdet die Wachen umgehen müssen, sie zu besiegen wäre nicht in eurem oder meinem Sinne und vielleicht auch eine Nummer zu groß. Ich werde euch hierbei nicht helfen können - mein Zutun in alledem muss so geheim wie möglich gehalten werden, ich kann mich nicht einmischen. Sie holt bereits Proviant und lässt Pferde vorbereiten. Das hier ..." er zog ein Fläschchen mit einer violetten, schimmerndene Flüssigkeit aus der Tasche und gab sie Galahad "... ist ein Schlafmittel. Ein Tropfen und er schläft innerhalb von fünf Minuten für gute sieben Stunden. Weder Mensch noch Anderswesen kann sich dagegen wehren, also dosiert es vorsichtig, sonst versetzt ihr ihn in einen immerwährenden Schlaf, aus dem er nicht wieder erwacht. Er würde euch dahin siechen. Es reicht für neun Wochen - mehr habe ich nicht, es ist ein seltenes Gebräu."
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:28 am
"Also gar nicht gefährlich..." erwiderte Galahad düster und nahm die Flasche voller Ehrfurcht an sich, wenngleich er sich auch fragte, weshalb so wertvolle Tinkturen stets in gläsernen, filigranen Flaschen aufbewahrt wurden, die zum zerbrechen neigten, statt sie in einen Flachmann oder etwas ähnlichem aus soliden Metall zu lagern. Ihm wurde schlecht bei dem Gedanken das Fläschchen bei sich tragen und darauf aufpasse zu müssen, aber es war nunmal wie es war. "Ich werde euch nicht enttäuschen, das verspreche ich euch!" erklärte er leise und neigte den Kopf ein Stück.
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 11:50 am
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Durch die vergitterten Fenster fiel nur spärlich Licht in den kleinen, leeren Raum, in den man Elaine gebracht hatte. Ein paar Sonnenstrahlen fielen so ungünstig in die Ecke, in der sie lag, dass sie ihr genau ins Gesicht strahlten und sie dazu zwangen, die Augen einen Spalt breit zu öffnen. Ihr Kopf schmerzte noch immer, dröhnte mit jedem einzelnen Gedanken, den sie zu fassen versuchte und so hatte sie nicht einmal den Versuch gemacht, die Position zu verändern, in der sie wieder aufgewacht war, bevor Karsh gegangen war. Ab und an, in den wenigen wachen Augenblicken, in denen ihr Kopf nur wie von Watte gefüllt war, hatten ihre Träume sie zurück zu Eoren getragen, aber sein Gesicht hatte immer wie im Nebel gelegen, die Konturen unscharf und wann immer sie versucht hatte die Hand nach ihm auszustrecken war ihr seine Gestalt entschlüpft. Sie hatte nicht mehr versucht zu fliehen, weil es ohnehin keinen Sinn gemacht hätte und das Eisen sie hier hielt - die Brandwunden an ihren Händen schmerzten, die Platzwunden an ihrem Kopf taten noch immer weh und die Kälte, die vom steinernen Boden hoch zog, hatte ihre Muskeln steif werden lassen.
Vor der Tür hörte sie immer wieder Schritte, lauschte und hielt die Luft an, nur um sie dann wieder auszustoßen, wenn die Schritte sich entfernten. Niemand hatte daran gedacht, ihr etwas zu Essen oder zu Trinken zu bringen und inzwischen schmerzte ihr Hals von dem Durst, den sie hatte. Die Schritte, die sich jetzt näherten, verschwanden nicht so einfach wieder und als das Klacken des Türschlosses erklang, zuckte sie zurück und robbte weiter Richtung Wand, innerlich darum betend, es möge nicht wieder Karsh sein, der ihr wieder Fragen stellen würde und mit mehr und mehr Gewalt die Antworten aus ihr herauspresste.
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 12:03 pm
"Es ist in Ordnung, Elaine", drang die leise, sanfte Stimme, die so gar nicht zu einem Heiler auf See passen wollte, an die Ohren der Angesprochenen. Er war vollbepackt und wirkte unförmiger als seine lange, drahtige Gestalt eigentlich war, als er sich durch die Tür schob, ehe die mit einem lauten Knall hinter ihm ins Schloss gezogen wurde. "HEY!", brüllte er, nun ein paar Oktaven tiefer und grollender, weil Elaine nicht gerade so aussah, als würde sie in den nächsten Sekunden zu einem Fluchtversuch ansetzen. 
Ärgerlich über die Behandlung, die man ihr zuteil werden ließ, schüttelte er den Kopf und biss die Zähne zusammen, dann blieb er in der Mitte des Raumes stehen, stellte alles ab, was er an, auf und um sich trug und ging in die Hocke, um sie nicht noch weiter zu verschrecken. 
"Ich will dir nichts tun", begann er leise nach einer Weile der Stille und musterte sie, wie sie da in dem einzigen Sonnenstrahl lag, bleich und geschunden und doch von faszinierender Schönheit. Das Erbe der Feen, wie seine Mutter gesagt hätte. "Mein Name ist Cair - ich bin Heiler. Du bist sicher bei mir." Ob sie ihm das glaubte, überließ er ihr, aber er hatte Zeit und die würde er nutzen, sie nicht zu bedrängen. Statt also weiter auf sie einzudringen nutzte er den Moment und sortierte das, was er mitgebracht hatte auf dem Boden. Tinkturen, neue Kleidung, Essen, Decken und ein paar Kissen. Sie mochte vielleicht eine Geisel sein, das war aber kein Grund, sie wie eine Schwerverbrecherin zu behandeln. Erst als er alles noch einmal durchzählte runzelte er die Stirn, langte hinter sich und fand in einem Sack das, was er fast noch wichtiger fand. Coreen hatte ihm erzählt, das ihr nächste Element wäre die Erde, die Natur. Vorsichtig streckte er sich auf alle Viere und schob die kleine Pflanze, die in einem Korb voller Erde steckte, näher an Elaine heran. Der Geruch nach Waldboden füllte den Raum. "Eine kleine Kiefer, wie mir Foster sagte - er muss es wissen, er kennt sich aus mit Holz. Die hier stand draußen und wuchs nahe - schon fast auf - einem der Wege. Noch ein Jahr und man hätte sie einfach herausgerissen, weil sie zu groß würde."
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 12:47 pm
Kiefer ... irgendetwas sagte der kleine Baum ihr. Da war irgendetwas in ihrem Kopf, das sie beruhigen sollte aber sie konnte es nicht greifen. Alles lag in diesem dumpfen, dunklen Nebel, der sie seit Karshs Angriff allumfassend umfing und schwer blinzelnd beobachtete sie ihre eigene Hand, die sich über den Boden rüber bis zu der Kiefer schob und mit den Fingern sacht den dünnen Stamm berührte. Es war, als wäre ihr eigener Arm ein Fremdkörper, denn sie konnte sich nicht daran erinnern, ihm den Befehl gegeben zu haben, sich überhaupt zu regen. Trotzdem hatte die Berührung mit dem kleinen Baum etwas tröstliches. Da war irgendetwas Wichtiges, etwas, das sie nicht vergessen durfte und das ihr einmal viel bedeutet hatte - bevor Karsh ihren Kopf und die Erinnerungen darin in ein wütendes Schlachtfeld verwandelt hatte, aus dem sie kaum mehr etwas hervorziehen konnte.
Cair ... Heiler. Foster. Abgebrochene Satzenden, ineinander verschobene Worte, die in ihrem Kopf keinen Sinn ergaben und dazwischen der Duft von Wald. Sie war so unendlich müde, aber der Schlaf entzog sich ihr mit jeder weiteren Sekunde. Reden, vielleicht würde reden helfen, aber es dauerte bis sie die Worte soweit in ihrem Kopf zusammen gesammelt hatte, dass sie ihr über die spröden Lippen kommen wollten. "...wo bin ich?"
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Re: Kapitel 9

am So Feb 04, 2018 12:56 pm
"Nicht da, wo du sein solltest", seufzte Cair und nahm den Wasserschlauch, rutschte damit näher zu Elaine hin, während sie fast im Delirium die Nadeln der kleinen Kiefer berührte und dann erstaunt ihre Finger ansah.
"Darf ich?", fragte er leise und deutete auf den Wasserschlauch. Sie schien nicht in der Lage, selbst zu trinken und er musste sichergehen, dass sie so viel Flüssigkeit wie möglich zu sich nahm. Doch ohne ihr Einverständnis wollte er sich ihr nicht nähern. Sie war gestraft genug. Was hatte sich der alte Magier nur gedacht, ihn erst jetzt zu rufen?
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Re: Kapitel 9

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