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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:37 pm
"Das hoffe ich ebenfalls," erklärte Foster leise und beinahe gequält. "Er scheint euch sehr wichtig zu sein, so wie ihr immer über ihn geredet hat. Auch mir erschien er zumindest damals in Ekynes wie ein ehrlicher und treuer Mann, wenngleich ich auch hoffe, dass Caria ihn nicht verändern konnte..." erklärte er leise und trat schließlich von den Blumen zurück, nachdem er mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden war. "Auch wenn es schwierig werden wird beide gegeneinander auszutauschen. Wenn Thealon uns mit einer kleinen Armee auflauert hat er im schlimmsten Fall beide - und weitere Geiseln aus unserer kleinen Gruppe mit dazu!"
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:40 pm
Es tat ihr leid, dass er sich so schwer mit der Kenntnis tat, die hinter dem Mann lag, der Foster das Versprechen abgenommen hatte, aber es wäre unfair gewesen ihn im Dunkeln darüber zu lassen. "Caria hat ihn nicht verändert", antwortete sie entschieden, als gäbe es daran keinen einzigen Grund, um daran überhaupt zu zweifeln - dass sie immerhin wusste, dass er einen Teil seines Gedächtnisses vollkommen verloren hatte, verschwieg sie dabei wissentlich. "Foster ... und wenn es eine Armee erfordern würde - ich würde es trotzdem versuchen. Es ist vielleicht wirklich unüberlegt, ein Risiko, das wir nicht abschätzen können, aber ich muss es einfach versuchen ..."
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:43 pm
"Und ich folge euch wohin auch immer ihr uns führt Caillean aber..." er atmete schwer ein und aus, schüttelte beinahe hilflos den Kopf. "Aber ihr seid wichtiger als alles andere Caillean - bitte, versteht mich nicht falsch. Aber das Schicksal eines ganzen Landes hängt daran, dass ihr Erfolg habt. Ich weiß, dass ihr euch dessen vollends bewusst seid und ich weiß auch, dass es viel verlang ist aber... manchmal muss ein Kapitän das Schiff sicher in den Hafen bringen, auch wenn er dafür... was ich sagen will ist, bitte begebt euch nicht in Gefahr. Schickt mich zur Übergabe, aber geht nicht selbst. Ich könnte nicht weiterleben, wenn euch etwas geschehen würde. Also... wegen der Schande euch nicht beschützt zu haben!"
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:49 pm
Ein Teil von ihr wusste, dass er Recht hatte, dass es klüger sein würde, wenn sie einfach hier blieb, aber da war diese drängende Stimme in ihrem Inneren, die nicht warten konnte und die am Liebsten sofort aufgesprungen wäre, um die Pferde bereit zu machen. Dasselbe Drängen, dass sie in der Nacht dazu gebracht hatte, nach ihm zu suchen und das Vermissen jetzt nach diesem kurzen Gespräch nur bedingt besser gemacht hatte. Das Gesicht war ihr mit jeder einzelnen Sekunde präsent, in der sie die Augen schloss.
"Ich kann nicht hier bleiben, Foster", antwortete sie schließlich. "Du hast Recht - mit allem, was du sagst. Es wäre vernünftiger hier zu bleiben, in Sicherheit zu sein, weil es um mehr geht, aber ich kann einfach nicht hier sitzen bleiben, während ihr euch in Gefahr begebt."
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:52 pm
Foster hätte sich am liebsten die Haare gerauft, unterließ dieses Vorgehen jedoch. "Caillean - ich kann es wirklich nachvollziehen. Wahrhaftig. Aber wenn Thealon euch haben will, ist dieser Augenblick der günstigste den er erwischen kann. Es..." er biss sich auf die Lippe. "Ich kann euch nichts befehlen, selbst meine Ratschläge sind schon weit mehr als ein Mann meines Standes tun sollte aber... ich flehe euch an", er verknotete die Finger ineinander. "Bitte Caillean - euer Hoheit - wenn ihr mitkommt gewinnt ihr nichts außer einigen Stunden Zeit. Im besten Falle. Im schlimmsten Falle verliert ihr und wir, die euch folgen, alles was wir noch haben!"
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:56 pm
"Foster ...", seufzte Caillean und stand von ihrem Platz wieder auf, um zu ihm rüber zu treten und sacht eine Hand auf seinen Arm zu legen. "Ich begleite euch und es wird rein gar nichts passieren außer dass wir den einen gegen den anderen austauschen werden", versicherte sie ihm, selbst wenn sie die Wahrheit dahinter nicht kannte. Thealon war intelligent genug, um nicht mit einer Armee Elaines Leben zu gefährden, die ganz offensichtlich die Einzige gewesen war, die ihm jemals Kinder geschenkt hatte - sie konnte jetzt nur darauf pokern, dass ihm das Leben seines widerspenstigen Sohnes weniger wert war als das seiner Magierin. "Ich kann mich verteidigen, Foster. Unter anderem dank dir und deinen Männern - niemand wird mich einfach so mitnehmen, vor allem nicht jemand aus Caria. Vertrau mir. Es wird alles gut gehen."
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Re: Kapitel 9

am Di Jan 30, 2018 10:59 pm
"Verzeih," erwiderte er nur und schlug die Augen nieder. Alles in ihm schrie danach die zu umarmen, zu küssen und ihr zu sagen, dass er sie nicht gehen lassen konnte. Dass er sie beschützen würde, dass sie den verräterischen Gardisten nicht brauchte, das in Caria Königssohn spielte. Er sollte sie aufs Bett zerren und dafür sorgen, dass sie sich danach weder an Devastares, noch an ihren Namen erinnerte. Das tat er jedoch nicht. "Ich bringe dir weniger Vertrauen entgegen als ich sollte - es war unrecht von mir so zu sprechen."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 3:38 pm
Karsh schloss für einen kurzen Moment die Augen voller Reue vor dem, was er gleich im Begriff war zu tun.
Er legte die von Altersflecken übersäte Hand auf das schwere Holz der mit Eisen versiegelten Tür und flüsterte einige Worte, ehe sich der ebenfalls aus Eisen bestehende Riegel sich langsam, aber widerstrebend zurück zog. Eisen war als Metall ein widerspenstiges Geschöpf, dass sich Magie nur unter größten Mühen aufzwingen ließ. Es war zu irdisch, wurde von den Menschen bearbeitet und an die Welt gebunden.
Die Tür knarzte leicht, als Karsh die Scharniere aufschwingen ließ und den kleinen Raum mit den versiegelten Schießscharten betrat, die Tür langsam hinter sich schließend. Elaine sah abgekämpft und müde aus, die blutigen Stellen, die das Haar verklebten ließen sie noch verletztlicher wirken. Seufzend schloss Karsh die Tür hinter sich und versiegelte die Tür erneut.
"Wir beide sind Geschöpfe der Götter Elaine," meinte er leise ohne sich umzudrehen. "Nur das menschliche Blut in deinen Adern hält dich davon ab das große Ganze zu akzeptieren. Dennoch bitte ich dich um Entschuldigung für das, was ich tun muss."
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 3:47 pm
Elaine hob nur langsam den Kopf, die Versuche aufgegeben habend den Raum wieder zu verlassen, indem sie aufgewacht war. Ihre Hände taten weh, so lang hatte sie an der Tür gerüttelt und immer wieder die Zähne zusammen gebissen, wenn ihre Finger dabei versehentlich an das Eisen geraten waren - inzwischen hatten sich Brandblasen dort gebildet, wo sie zu stur gewesen war, einzusehen, dass es keinen Sinn gemacht hatte. Ihr Kopf tat noch immer von den beiden Hieben weh, aber immerhin hatte ihr Hinterkopf aufgehört zu bluten, dort wo Gawain sie mit irgendetwas erwischt hatte, von dem sie nicht einmal mehr sagen konnte, was es wirklich gewesen war. Nach Stunden erst hatte sie sich in einer der Ecken auf den Boden sinken lassen, die Knie an den Körper gezogen und die Stirn an die Beine gepresst, weil damit wenigstens die Helligkeit und die damit verbundenen Kopfschmerzen sich in Grenzen hielten, aber spätestens als Karsh den Raum betrat, fühlte sie sich dazu genötigt, zurück auf die Füße zu kommen.
"Fahr doch zum Oldgate, alter Mann", setzte sie ihm lediglich entgegen, weil seine Entschuldigung wohl nichts verändern würde und an eine Flucht in diesem Raum ohnehin nicht zu denken war.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 3:51 pm
"Eines Tages Elaine, aber nicht heute", erwiderte Karsh gelassen und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. "Ich gebe dir noch einmal die Chance mit mir zusammen zu arbeiten, damit wir die Information bekommen die wir benötigen. Wenn wir dich von diesem Eid befreien können steht es dir wieder frei eigene Entscheidungen zu treffen. Und es tut mir leid. Ich weiß, dass es meine Schuld ist, dass du diesen Eid eingegangen bist. Aber du musst von ihm befreit werden. Er war eine... nicht vorgesehene Variable" er streckte seine Hand zum letzten Mal in Freundschaft aus.
"Hilf mir und es wird ein schmerzfreier Prozess!"
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 3:54 pm
"Ich werde nichts dergleichen tun", antwortete Elaine kopfschüttelnd und wich vor der ausgestreckten Hand zurück, als wäre sie ein widerwärtiges Insekt. Schmerzfreier Prozess ... sie wusste, dass das stets nur für Karsh schmerzfrei genießen hatte und wappnete sich bereits im Inneren auf das, was kommen würde. Eine nicht vorgesehene Variable ... wenn sie ihn so reden hörte, glaubte sie einen Moment lang für ihn wäre jedes Leben nichts weiter als eine kleine Rolle in einer großen Geschichte seines eigenen Lebens.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:00 pm
"Es tut mir leid," antwortete Karsh leise und schloss für einen kurzen Moment die Augen. "Wirklich, das tut es..."
Er hieb einmal mit dem Ende seines Stocks auf den Boden des Turms und ein gewaltiges Beben schien diesen zu erschüttern. Irgendetwas zerrte an der Realität, riss ganze Stücke aus den Wänden, ließ die Decke von einem gewaltigen Sturm forttragen und gleißendes Licht brach sich durch die Risse im Mauerwerk bahn. Erst als das Beben erschöpft war standen sie beide auf den abgebröckelten Resten des Bodens, nur noch einzelne Bruchstücke der Wand reckten sich vor und hinter ihnen in die Höhe. Doch statt dem AUßenbereich des Schlosses umfing sie beide nichts weiter als eine Wand aus reinem Weiß, so hell das es in den Augen schmerzte.
"Ich habe Fragen," erklärte Karsh dessen Mund sich zwar bewegte, dessen Stimme jedoch aus Boden und Wände zu kommen schien. Dröhnend. Allumfassend. "Und du wirst sie mir beantworten."


Zuletzt von Yannic am Sa Feb 03, 2018 4:06 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:06 pm
Die Stimme tat in ihrem ohnehin lädierten Kopf weh, das Weiß brannte in den Augen und ließ sie tränen. Das hier war nicht einmal real und es war so offensichtlich nicht mehr real, dass Elaine sich zu fragen begann, ob der alte Mann, der sie einstmals unterrichtet hatte, irgendwann verlernt hatte Zauberei von magischen Kunststücken zu unterscheiden. Er brauchte nichts hiervon und sie würde ihm nicht antworten, weil sie damit das Risiko einging leichter von seinen Fragen manipuliert zu werden, stattdessen verschränkte sie lediglich die Arme vor der Brust und starrte ihr Gegenüber an.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:13 pm
Er schüttelte den Kopf vor so viel Sturheit und griff den Stab ein wenig fester. Wenn sie sich mit allem was sie hatte vor ihm verschloss, dann würde er zu härteren Bandagen greifen müssen um sie vor sich selbst zu schützen. Er ertastete mit seinen magischen Fühlern den Schutzwall, den Elaine um ihren eigenen Geist gezogen hatte und er ihn davon abhalten sollte zu ihr durchzudringen. Er sammelte seinen Willen und seine Konzentration, richtete sie auf einen einzigen Punkt ihrer Schutzbarriere. Ein großer, wild durchwachsener Wald. Pfade, die im Kreis führten, Gebüsch das die Sicht versperrte. Eine gute Wahl für einen magischen Schutz. Niemand würde den Weg durch den dichten Blätterwald finden. "Brenne," sagte Karsh leise und schlug einen Funken in Elaines Schutzvorrichtung.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:19 pm
Sie begann sich zu fragen, was er damit bezwecken würde, denn einzig weil er ihren Wald verbrennen würde, würde es noch nicht bedeuten, dass er an die lang ersehnten Informationen kommen würde. Es war albern hier zu stehen und zu glauben, das hier würde sie weiterbringen, während der Rauch den Nebel nur dichter werden ließ, der sie bislang beschützt hatte, nachdem ihr Wald nun in Flammen stand und an ihrem Geist zerrte. Sie waren in keiner albernen Geschichte, wie Karsh sie zu Dutzenden sammelte - ein Kampf zwischen Magiern verlief meist schweigend, indem sie sich nur anstarrten. Da war nichts mit Flammen und Funken, keine großen Effekte und mächtige Phrasen - alles Dinge, die Karsh immer wieder zu vergessen schien. Elaines Gedanken wanderten stattdessen in der Zeit zurück - zurück zu ihrer eigenen Ausbildung und weit weg von dem Schwur, den sie einst geleistet hatte, hin zu den Erinnerungen mit dem alten Lehrmeister, die ihn lang genug beschäftigen würden, bis sie wieder Zeit hatte, die Erinnerung an Schwüre und Flüche weiter zu verschieben.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:23 pm
Karsh lächelte knapp, während seine Effekthascherei Elaine dazu brachte ihre eigene Erinnerung abschweifen zu lassen. Weit fort zu einer Zeit, als er noch ihr Meister geworden war. Der alte Magier drang in diese Erinnerung ein, übernahm die Rolle seines alten Ichs und torpedierte in diesem Zustand nun von zweiter Seite den Geist der gedanklich jungen Elaine, während sein wahres Ich weiterhin auf Elaines Gedanken einprasselte. Er zwang sie dazu sich öfter an ihn zu erinnern - nutzte die Rücksetzpunkte, die alte Bestrafungen wie Traumata in sie geschlagen hatte und erreichte so, dass er sich durch die Kraft ihrer eigenen Gedanken aus mehreren Zeitebenen zeitgleich gegen die Befestigungen von Elaines Geist werfen konnte. Das würde sie nicht mehr ewig durchhalten.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:32 pm
Ihr Kopf schien bersten zu wollen, als er sie wieder und wieder zurück in die alten Erinnerungen drängte und mit jeder weiteren Erinnerung wurde der Schmerz realer, den er sie durchleiden ließ. Wieder spürte sie den eisigen Regen auf ihrem Körper, als er sie mitten im Winter dort draußen in den Innenhof gesetzt hatte, sie immer wieder aufs Neue aufgefordert hatte sich zu konzentrieren - wieder hörte sie eine peitschende Stimme, wenn sie endlich Feuer machen könne, würde ihr schon warm werden. Ihre Finger waren taub, die Füße stachen, weil die Stiefel viel zu dünn gewesen waren und zwischen dem Regen liefen ihr immer wieder Tränen über die eigenen Wangen. Tränen, die ihn niemals geschert hatten - sie wusste nicht mehr, wer damals dazwischen gekommen war, nur die dumpfen Stimmen, die einander anschrieen.
Verzweifelt versuchte Elaine gegen die Erinnerungen anzukämpfen, die er ihr aufdrängte, als die neue und alte Version ihres einstigen Meisters weiter auf sie einprasselten und sie vermochte es nur sich gegen die alte Version ihres Meisters zur Wehr zu setzen. Leider brachte genau das den alten Schmerz mit jeder alten Erinnerung stärker zurück. Wieder spürte sie die Schläge auf sich einprasseln - Stockschlag um Stockschlag, immer härter, weil sie es nicht zustande gebracht hatte, ihren Schutzwall um sich herum aufrecht zu erhalten. Sie hörte sich selbst immer wieder aufschreien, wieder mit dünner Stimme darum flehen, er möge endlich aufhören - sie hätte genug, es täte weh - und wie er ihr mit härteren Schlägen nur klar gemacht hatte, die Welt würde auch nicht aufhören ihr weh zu tun, wenn sie sich nicht verteidigen konnte. Sie erinnerte sich daran, dass sie erst Stunden später wieder bei einem der Heiler aufgewacht war.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:38 pm
Ein harter Schlag riss Elaine von den Füßen, als Karshs Stock sie erneut traf - eine dunkle Strieme über Brust und Kinn zog, wo das Holz mit dem Körper kollidiert war. Elaines Gedanken an die grausame Seite von Karsh hatten ihn ebenso real werden lassen, wie Cailleans Erinnerung an ihn als alten, gebrechlichen Mann. "Die Realität," sagte ein jüngerer Karsh zu Elaine, während sie beide vor dem Kaminfeuer saßen, "ist ein gefährliches Ding. Vor allem für die Götter und die alten Wesen - sie sind immer genau das, was die Menschen in ihnen sehen."
Kaltes, raues Holz legte sich auf Elaines Stirn, während Karsh sie von oben herab betrachtete. Sie lag vor ihm - ohne Schutzwall und Freunde. "Die Worte," er sagte es nicht, zumindest nicht wirklich. Vielmehr war es ein Befehl, der tief in Elaine eindrang wie ein scharfes Messer.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:42 pm
"Nein", widersprach sie ihm erneut und schüttelte den Kopf, sich dagegen sträubend auch nur ein einziges Wort davon über die Lippen zu bringen.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:45 pm
Ein erneuter Schlag des Stabes ließ Elaines Kopf beinahe zerspringen, während Karshs Geist sich tiefer in die Vorstellungen seiner Schülerin bahnte. Er sezierte sie, ging in der Zeit zurück. Kiras Geburt, die Geburt von Devastare - vorbei an all den großen und kleinen Leidensgeschichten. Er riss sie auseinander, warf sie achtlos bei Seite um sich zu beeilen, denn je länger er brauchte umso mehr schloss sich die Barriere vor ihrem Geist wieder. Er hatte Elaine gut ausgebildet - beinahe zu gut, so viele Probleme wie sie ihm nun bereitete. Und doch - da sah er es. Beinahe zum Greifen nah - ein Thronsaal, brennende Kerzen. Elaine auf Knien und vor ihr Thealon.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 4:54 pm
Er durfte nichts von alledem sehen, durfte nicht wissen, was sie ihm geschworen hatte - wie die Worte gelautet hatten und mit aller Kraft, die ihr übrig blieb, versuchte sie den alternden Magier aus ihren Gedanken zu vertreiben, auch wenn ihr ganzer Körper danach schrie, endlich Ruhe haben zu wollen. Jeder einzelne Muskel ihres Körpers tat weh, ihr Kopf hämmerte mit jeder weiteren Anstrengung, nach der Karsh sie nicht einfach wieder gehen ließ und sie wusste, er würde da sein, sobald sie die Augen wieder öffnete. Er würde immer da sein, weil niemand sie einfach wieder gehen lassen würde und sie würde in einem Raum aus Eisen eingesperrt sein. Thealon hätte ihr niemals so sehr weh getan, sie hatten gestritten, sie hatten einander verabscheut und gehasst und trotzdem hätte er ihr das hier niemals angetan. Er hatte sie niemals behandelt, als wäre sie nur ein Gefäß und er müsse eine einzige Information mit aller Macht aus ihr herauspressen. Zwischen Eid und Zwang begann sich allmählich der Wunsch zu bilden, selbst wieder zurück nach Caria zu kommen, zurück zu dem Ort, an dem Karsh nicht sein würde und an dem man ihr nicht ständig aufs Neue weh tun würde.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 5:05 pm
Er brauchte diese Worte - brauchte sie, um Elaine von Thealon zu befreien und dafür zu sorgen, dass sie wieder frei sein und ihr eigenes Schicksal erfüllen konnte, statt als Handlangerin des Königs zu dienen. Er griff danach, hielt die Worte fest und zog sie. Er spürte die Worte tief in sich, spürte ihre Macht und die Schwere des gesprochenen Satzes. Er atmete schwer, spürte wie die Worte obwohl sie ihn nicht banden, auf seinen Schultern lasteten. "Bei allen Göttern..." flüsterte Karsh leise und schluckte. "Was für ein perfider Eid..." er ließ von Elaine und alles um sie herum verschwand. Sie standen wieder beide im Turm, Elaine auf dem Boden gekauert, wenngleich auch ohne Wunden. Der alte Magier atmete schwer und nickte. Damit konnte er etwas anfangen.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 5:12 pm
Es tat weh - das war der erste Gedanke, den Elaine wieder fassen konnte, als sie blinzelnd die Augen wieder aufschlug. Alles an ihr war taub, die Finger so verkrampft zu Fäusten geballt, die Fingernägel so fest in ihre Handballen gebohrt, dass die kleinen Wunden inzwischen zu bluten begonnen hatten, die Muskeln zuckten nur noch statt auf einen Befehl zu hören und ihr Kopf so schwer wie Blei. Sie lag auf dem Boden, die Welt in der Waagerechte und die Beine an sich herangezogen, um sich vor den Einflüssen zu schützen, die er immer wieder auf sie ausübte. Etwas tropfte auf den Boden und sie wusste nicht, ob es Tränen waren oder Blut aus einer der beiden Kopfwunden und sie war auch zu schwach, um es herausfinden zu wollen. Eisige Kälte breitete sich von dem Steinboden in ihren Gliedern aus und ließ sie sich schütteln, aber kein einziger Ton drang aus ihrer Kehle hervor. Ihr Hals tat weh, aber ob sie geschrieen hatte oder nicht wusste sie nicht einmal mehr - da war einfach nur ein Loch in ihren Gedanken, dort wo sich Erinnerungen befinden sollten. Sie wollte nach Hause, ganz ohne Eid und Schwur ...
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 5:23 pm
"Karsh kniete sich noch einmal neben die Schülerin, die Hand ausgestreckt als wollt er sie noch einmal berühren. Trost spenden oder vielleicht um Verzeihung bitten, doch er ließ seine Hand in der Schwebe. Sie würde ihm niemals mehr verzeihen. Und wenngleich er sich selbst auch stets etwas anderes sagen würde, so hatte er sie doch im großen Ganzen geopfert. Vielleicht würde er sie noch retten können, doch er spürte, dass der Bruch zwischen ihnen zu groß war um jemals wieder zu heilen. Alles was ihm blieb war diejenigen zu beschützen, die noch beschützt werden wollten und dafür zu sorgen, dass das Pendel der Zeit weiterhin in Bewegung blieb. "Schlaf," meinte er leise während er wieder aufstand und seine ehemalige Schülerin betrachtete. "Bald bist du wieder in Caria..." und mit diesen Worten und einem bitteren Geschmack im Mund verließ er den Raum.
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Re: Kapitel 9

am Sa Feb 03, 2018 5:49 pm
Dunkelheit lag über dem Zimmer, das Devastare und Galahad teilten. Nur Schatten ließen erkennen, wie Galahad langgestreckt auf dem Bett lag, den Kopf Devastare zugewandt, die Augen aber fest geschlossen. Kein Glitzern verriet, dass er wach wäre – ganz im Gegensatz zu dem Thronerben, der auf dem zweiten Bett saß, den Rücken an der Wand angelehnt, ein Bein ausgestreckt, das andere angewinkelt und einen Arm darüber gelegt, während er wartete, bis Galahads Hand zur Seite fiel, um totale Entspannung zu signalisieren.
Bislang war noch kein einziger Mensch zu ihnen gekommen, um zu klären, was nun an den Anschuldigungen dran war und mit jeder Minute, die weiter verstrich, wurde er sicherer, dass es alles nur ein großes Missverständnis war. Er hätte niemals seinen Vater getötet. Jedenfalls hatte es niemand Devastare erklären wollen und selbst Kira hatte sich zurückgezogen. Seine eigene Schwester. Der Stachel saß tief und bohrte sich in sein Herz, tiefer noch als die Bestürzung über einen Traum, den er gehabt hatte. Wer auch immer sie gewesen war, die sie dort gestanden und ihn geküsst hatte – sie ließ ihn nicht los, aber er konnte sich nicht mehr von dem Erlebten zusammen reimen. Nicht genug, um die Umgebung zu sehen oder mehr als ihr Gesicht.
Wer war sie? Entstammte sie nur seiner Fantasie? Selbst ihre Worte waren nur ein dumpfes Murmeln, als hörte man Menschen im Nebenraum etwas sagen und wusste nur um die Stimmung, die sie hatten, nicht aber deren Gesprächsthema.
Ein sanftes Plumpsen in das weiche Federkissen verriet, wie tief Galahad schlief und ließ Devastare aufmerken. Leise schob er sich vom Bett hinunter, froh, noch vollständig gekleidet zu sein und trat zur Tür hinüber. Als Galahad zuvor verschwunden gewesen war hatte er die Zeit genutzt, um sie so zu präparieren, dass er sie von innen wieder öffnen konnte.
Eisig lag die Klinke in Devastares Hand und er sah darauf hinunter, fragte sich kurz, ob es richtig war, was er da tat, doch dann schob er den Gedanken beiseite. Glücklicherweiser war der Adlige, dem dieses Anwesen gehörte, eitel genug gewesen, um alle seine Türen regelmäßig zu ölen. Lautlos schwang das Holz auf, Devastare verließ das Zimmer und stellte mit einem Lächeln fest, dass auf weitere Wachen verzichtet worden war – sie würden patroullieren, das hatte er vernommen. Regelmäßige Abstände waren es gewesen und er hatte dreißig Herzschläge abgewartet, bis er sicher war, dass sie den hinteren Flur und damit die Abbiegung erreicht hatten. Nun würde er ihnen aus dem Weg gehen müssen und wer ihn davon abhielt, zu Thealon zu gelangen, würde schlussendlich einfach ausgeschaltet werden. Er hatte keine Zeit für diese Spielchen. Die Schlacht gegen Sirean stand in weniger als drei Wochen an und er musste seines Vaters Willen wegen an vorderster Front stehen. Es war ihm so wichtig gewesen und er wollte ihn nicht enttäuschen.
Aber scheinbar wähnte man sich in diesem Haus in vollständiger Sicherheit. Die Wachpatrouille wanderte mit ihrer Laterne weiter durch die Finsternis und Devastare schlich auf leisen Sohlen zu dem Zimmer, in dem er Thealon vermutete. Es war das größte und prunkvollste, alleine schon die beschlagene und eisenverstärkte Tür deutete darauf hin, zusätzlich zu den Schnitzereien, die nur ein wahrer Meister seines Faches schaffen konnte. Der Hausherr würde dem König sein Gemach überlassen haben, alles andere war unter seiner Würde.
Gerade als Devastare sich in Sicherheit glaubte, öffnete sich die Tür zum Schlafgemach und ein Wache trat heraus – er handelte, bevor er darüber nachdenken konnte und presste dem Mann von hinten die Hand auf den Mund, ehe er ihm den Dolch aus der Scheide zog, die an seinem Gürtel befestigt war. „Nur ein Wort und du bist tot“, flüsterte er dem Mann zu, der sich zu wehren begonnen hatte und ebenjene Gegenwehr erstarb sofort, als er das kalte Metall gegen seinen Hals gedrückt fühlte. Es gab keine Zeit für Kindereien.
Gerade der Gedanke war es, der ihn dem Mann einen Schlag gegen den Kopf verpassen ließ, so dass dieser in seinen Armen zusammensank. Mühsam und langsam ließ er den leblosen Körper zu Boden sinken, schleifte ihn um eine Ecke in einen offensichtlichen Dienstbotengang, näher an die Wand, damit es nicht sofort auffiel und er hoffentlich beim ersten Blick noch in den Schatten verschwand. Er hatte eine Stunde, bis die anderen beiden Wachen wieder hier sein würden. Eine Stunde, die er nutzen musste.
Eilig raffte er seinen Dolch zusammen, nahm dem Mann das Schwert und den Gürtel mit der Schwertscheide ab, band sich beides um und verschwand in Thealons Räumen. Hastig suchte er nach Pergament und Tinte, riss die Feder aus dem Tintenfass und beugte sich über den Tisch. Er warf gar keinen Blick auf seinen Vater – das hatte Zeit. Wäre er in Lebensgefahr, würden hier Heiler stehen und nicht nur ein halb leeres Glas Wasser und eine herabbrennende Kerze in einer Laterne, die den Raum in schummeriges Licht tauchte. Es war gerade genug, um auf dem hellen Pergament die dunklen Worte zu sehen, die er krakelte.
Normalerweise, so erinnerte er sich, hatte er eine schöne, geschwungene Handschrift. Doch die des Königs war eckig und spitz. Er war verwundet – niemand würde Fragen stellen, wie sehr das Schriftbild abwich, zumindest nicht im ersten Moment und der war der einzige, den er überstehen musste.
Wort um Wort, Buchstabe um Buchstabe wuchs der Text an, dann schließlich beendete er das Schreiben, ließ das Tintenfässchen offen und die Feder achtlos liegen, griff nach dem Wachs und nahm es mit hinüber, um es über der Kerze zum Schmelzen zu bringen. Das Scharnier knarrte ein wenig, als er die Laterne öffnete, doch obwohl Devastare die Luft anhielt, geschah gar nichts weiter. Niemand stürzte zur Tür herein, keiner nahm ihn wieder gefangen und wenn er ehrlich war, darauf konnte er langsam verzichten.
Mit einem satten ‚Plopp‘ tropfte das Wachs auf das Pergament und Devastare griff nach der Hand seines Vaters, die kalt und reglos in seiner lag, um den Siegelring, der ihn als König auswies, auf das Wachs zu drücken. Es war gar nicht so einfach – fest musste er den Finger greifen, das Papier knitterte auf der Bettdecke, weil die Mitarbeit des Königs nicht vorhanden war und Devastare biss die Zähne zusammen. Nur noch das.
Rasch rollte er den Text zusammen und versiegelte den Brief auf die selbe Weise, dann räumte er das Wachs zurück an Ort und Stelle, schloss die Laterne und beugte sich über seinen Vater.
Ich hole mir den Thron in deinem Namen, Vater – ich werde an deiner Statt die Kriege führen und den ganzen Kontinent einnehmen. Verlass dich auf mich und kehre zurück, wenn du gesund bist.“ Er glaubte nicht, dass der andere ihn hören konnte, doch die Worte hatten gesagt werden müssen.
Als er schließlich die Räume verließ, schloss er sorgfältig die Tür und nahm den erstbesten Weg, an den er sich erinnern konnte bei seiner unwillentlichen Führung durch das Schloss und verschwand hinaus in die Stallungen.
Winterbroke lag im Norden, tatsächlich nordöstlich von hier. Wenn er dem Sonnenaufgang folgte und schließlich die Sonne zur Mittagszeit in seinem Rücken ließ, dann würde er in spätestens zwei oder drei Tagen im Schloss sein.
Zu Hause.


Der Gedanke an das Schloss und seine Aufgaben trieb ihn, das Pferd zu satteln, das seinem Vater gehörte und hinaus in die Nacht zu preschen. 
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Re: Kapitel 9

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