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Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:01 pm
"Majestät?" Die Tür stand zwar offen, doch Coreen klopfte dennoch an den hölzernen Rahmen, der den Eingang zum Zimmer symbolisierte. Die Königin war alleine, saß an einem der Schreibtische, ganz offensichtlich eine Nachricht vor sich, die sie studierte. Vielleicht kam sie auch ungelegen, aber sie musste wenigstens den Vorstoß wagen. "Es geht um Elaine."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:05 pm
Sie hatten dem Austausch zugestimmt. Immer wieder hatte Caillean die Nachricht gelesen, die aus Caria an sie übertragen wurde und die ihr zumindest ein wenig Hoffnung darauf gegeben hatte, dass all das hier noch ein gutes Ende nehmen würde. Dass es nicht mehr lange dauern würde bis sie alle gemeinsam wieder nach Hause kehren konnten - diejenigen, die dorthin gehörten. Es war ein Fehler gewesen dem Plan zuzustimmen und Devastare zu seinem Vater gehen zu lassen, denn letzten Endes war ihnen genau das um die Ohren geflogen und jetzt kamen sie nicht mehr hinterher. Dort, wo sie ein Problem gelöst zu haben glaubten, taten sich mindestens fünf Neue auf. Mit einem davon schien Coreen hier gerade aufzutauchen.
Sorgfältig faltete Caillean die Nachricht wieder und legte sie unter einen der Briefbeschwerer, bevor sie sich von ihrem Platz erhob und sich nach einem letzten tiefen Durchatmen zu der anderen umwandte. Nur noch ein paar Wochen, dann würde wenigstens Devastare wieder bei ihnen sein. Ein paar Dutzend Nächte noch, die sie überstehen musste, bevor er wieder bei ihnen war. "Komm rein", bat sie die andere und deutete dann rüber zu dem Tisch. "Bitte, setz dich, Coreen."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:07 pm
Mit festen Schritten trat Coreen zu dem Stuhl hin und ließ sich darauf sinken. Ihr Blick fiel auf ein paar Strohhalme, die noch an ihrer Hose klebten und sie zupfte sie rasch hinfort. "Danke, Hoheit", antwortete sie, dann folgte sie der Königin, der sie seit ihrer Geburt diente mit den Augen zur anderen Seite des Tisches. "Es gibt da eine Sache, Majestät, die den Austausch betrifft. Elaine scheint seit Karshs Behandlung nicht mehr sie selbst zu sein. Sie ist wie im Delirium und erinnert sich nicht an irgendjemanden. Nicht an ihre Kinder, nicht einmal an mich."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:11 pm
Es dauerte eine ganze Weile bis Caillean genau die Nachricht verdaut hatte, mit der Coreen ihr da gerade kam und schwer atmend bemühte sie sich um Fassung. Es war genau das, was sie befürchtet hatte - das nächste Problem, die nächste Schwierigkeit, die sie solange festhielt und sie waren schon jetzt viel zu lang in dem Anwesen des Fürsten. Strapazierten seine Geduld schon viel zu lang und es war nur einigen Abendessen zu verdanken gewesen, dass er sie nicht hochkant vor die Tür gesetzt hatte, als ihm klar geworden war, dass sie Caria und den König erpresst hatte, dessen Name hier allein für Furcht sorgte. "Götter ...", brachte sie leise hervor und schüttelte den Kopf.
"Ich hatte Karsh zwar gesagt, dass wir Antworten brauchen, aber ich ging nicht davon aus, dass er so vorgehen würde ... es tut mir leid, Coreen."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:14 pm
"Was auch immer er getan hat, es war gründlich und um ehrlich zu sein, er ist verschwunden, ehe er irgendjemandem mitteilte, ob er nun den Wortlaut des Eides kennt oder nicht. Aber so, wie sie ist ... sie will nach Caria - zu Eoren, ihrem Vertrauten. Dem Berater des Königs. Ich weiß nicht genau, wie es um ihn steht oder auf welcher Seite er ist, aber ist ist gerade nur ein Schatten ihrer selbst. Sie weiß nicht, was sie da tut und wenn sie erst unter Eid zurück in Thealons Heimatstatt ist ... ich kann mir nicht ausmalen, was es bedeutet, eine willenlose Zauberin an der Seite zu haben, die nichts mehr mit Ekynes verbindet außer einem brutalen Lehrmeister."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:16 pm
"Du willst, dass sie hier bleibt?", hakte Caillean nach, obwohl sie die Antwort bereits kannte. Coreen sorgte sich um ihre Freundin und um ihr Land und in jeder anderen Beziehung hätte sie ihr Recht gegeben und dem Wunsch zugestimmt, aber wenn dieser Handel nicht abgeschlossen werden würde, verspielten sie damit die einzige Chance, die sie hatten, um Devastare wieder zurück zu bekommen. Die Entscheidung war nicht fair, den einen vor dem anderen zu sehen und trotzdem kam sie nicht umhin sich geistig gegen den Vorschlag zu sperren, Elaine einfach hier zu lassen und die Chance verstreichen zu lassen, um vielleicht eventuell auf eine neue zu warten, von der sie nicht einmal wusste, ob sie noch kommen würde.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:22 pm
Coreen biss sich auf die Lippe und senkte den Kopf. "Ich weiß, es ist ein irrwitziger Vorschlag und es steht mir nicht zu, ihn zu machen. Doch ich weiß nicht, was es für Ekynes bedeuten wird. Es ist ein Risiko. Wenn Elaine sich nicht bald wieder besinnt und daran erinnert, wer sie ist, mag ihre Hilfe auf ewig verloren sein und sie könnte zu einer Feindin werden, ausgebildet von unserem mächtigsten Magier und mehr verbunden mit der Natur, als wir es uns vorstellen können. Sie wäre Wachs in Thealons Händen."
Unruhig stand der junge Drache auf und wanderte auf ihrer Seite des Schreibtisches herum. "Glaubt mir, ich wünsche mir nichts mehr, als Devastare sicher und wohlbehalten zurück - ich habe lange Jahre mit ihm gemeinsam gearbeitet und wir sind gute Freunde. Ich würde es nicht in dieses Gespräch mitbringen, wenn ich nicht ernsthafte Zweifel an dem hätte, was wir tun."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:28 pm
Konnte sie es wirklich riskieren, ihr eigenes Glück über das eines anderen zu stellen? Am Liebsten hätte Caillean losgeschrieen, weil sie genau wusste, welche Entscheidung sie als Mensch gefällt hätte und welche als Königin von ihr verlangt wurde und einmal mehr drängte sich in ihr die Frage auf, was sie sein wollte. Die Antwort darauf zu finden war schwieriger als jetzt die Fassung zu wahren. Sie hatte geglaubt, es würde sich damit endlich etwas klären. Frustriert und resigniert über die Ausweglosigkeit der aktuellen Situation erhob sich Caillean von ihrem Platz und setzte ein paar unruhige Schritte durch den großen Raum bis sie schließlich am Fenster stehen blieb und den Blick über die weiten Ebenen wandern ließ. Karsh war verschwunden, ohne etwas davon zu sagen, ob sie das hatten, was sie brauchten.
"Devastare erinnert sich an nichts mehr von dem, was in Caria geschehen ist", sagte sie schließlich leise. "Wir haben ... Informationen darüber, dass er in Winterbroke ist und die Schlacht für seinen Vater vorbereitet. Wenn wir diesen Tausch nicht durchführen, sitzt neben König Thealon ebenfalls ein Magier und ... der prophezeite Sohn, der unserem Reich den Untergang bringt ..."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:31 pm
Die Neuigkeiten waren verstörend genug, aber was sie implizierten noch viel mehr. "Das heißt, uns bleibt kaum eine andere Wahl? Wenn er gegen Sirean reitet - eines unserer verbündeten Länder - dann wird er, wenn er sich jemals erinnert, nicht mehr der Devastare sein, den wir kennen. Ich würde gerne sagen, er kann darüber hinwegsehen, wenn er Unschuldige tötet, aber wir beide wissen, dass es nicht so ist."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:36 pm
"Coreen ... wenn dieser Handel scheitert und wir Elaine bei uns behalten ...", begann Caillean und schloss die Augen, sich zu fragen beginnend, ob sie von allen guten Geister verlassen worden war bei dem Gedanken, der sich ihr gerade aufdrängte und der im schlimmsten Fall ihre eigenen Tod bedeuten könnte. "... dann müssen wir ihn nach Sirean reiten lassen." Was immer mit ihm geschehen war, dort würde sie ihn vielleicht konfrontieren können - mit ihm sprechen, ihn an das erinnern, was da zwischen ihnen war und was sie einander versprochen hatten. Vielleicht würde sie ihn stoppen können, bevor er begann das Schwert gegen Unschuldige zu heben.
Langsam schloss Caillean noch einmal die Augen. Das alles waren so viele Risiken. "Wenn ich ... den Austausch absage und wir Elaine bei uns behalten", fing sie aufs Neue an, weil sie Hilfe dabei haben musste. "... dann reiten wir ebenfalls nach Sirean und suchen ihn. Ich muss mit ihm sprechen - von ihm selbst hören, dass er das wirklich will oder ihn mitnehmen, bevor er sich selbst zerstört, aber ich kann es nicht allein und je weniger davon wissen, desto besser."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:39 pm
"Hoheit! Das kann nicht Euer ernst sein!", fuhr Coreen auf, für einen Moment vergessend, was der Anstand gebührte. "Ich kann Euch nicht dorthin reiten lassen, es ist zu gefährlich! Ihr seid die einzige Hoffnung, die Ekynes noch bleibt ... wenn Euch etwas geschieht ...!"
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:43 pm
"Wir haben keine andere Wahl, wenn du deine Freundin nicht diesem König überlassen willst. Ich kann Devastare nicht allein dort lassen - du würdest dasselbe für Gawain tun."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:44 pm
"Natürlich würde ich das - aber gibt es nicht noch eine andere Lösung? Ich bin Soldatin, keine Königin! Euer Land braucht Euch. Ekynes ist mit einem Schwur an Euch gebunden und wenn Ihr sterbt ..." ... gäbe es keinen Erben und das Land würde dahin siechen. Coreen sprach es nicht aus, aber sie dachte es.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:47 pm
"Coreen, ohne ihn wäre dieses Land bereits verdorrt und es gäbe dort niemanden mehr, der noch lebt. Er war vor zehn Jahren derjenige, der mich in den Wald geführt hat und vor den Attentätern beschützt hat, die Caria geschickt hat. Ohne ihn gäbe es Ekynes längst nicht mehr", setzte Caillean ihr entgegen, die Befürchtungen und Ängste verstehen könnend, die Coreen gerade widersprechen ließen. Es führte kein Weg daran vorbei und sie wusste, dass Devastare ihr niemals etwas antun würde, ganz gleich wie sehr er gerade seinem eigenen Vater nacheiferte oder nicht.
"Es wird ein Heerlager sein. Niemand wird mich dort erkennen und niemand wird mich dort erwarten. Alles, was ich brauche ist eine Chance zu ihm zu kommen und mit ihm zu sprechen."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:50 pm
"Nein", kam es deutlich härter und schneller von Coreen, als sie selber darüber nachdenken konnte. "Majestät, ich habe Euch Treue geschworen und Euch zu schützen, gleich, was kommen würde und das hier grenzt an Selbstmord. Es gefährdet Euch und das Land und Devastare noch dazu, wenn Ihr auffliegt. Wenn es sein muss, dann werde ich Tag um Tag mit Elaine arbeiten um das zurück zu erhalten, was sie verloren hat. Noch haben wir Zeit."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:55 pm
"Die Frage ist - haben wir genug Zeit und vor allem, wollen wir das riskieren? Willst du deine Freundin wieder ohne Weiteres zurückkehren lassen?", fragte sie lediglich mit einem schiefen Lächeln. Es wäre so einfach diesem Austausch einfach zuzustimmen und abzuwarten, aber inzwischen hatte sie über die langen Monate hinweg lernen müssen, dass diese Welt niemals einfach war. Nichts auf der Welt wurde ihnen geschenkt und wenn sie wirklich richtig lag, dann würden auch Coreens Versuche nicht dazu führen, dass sich die Halbfee wieder so rasch erholen würde, wie sie es benötigten. Wenn Devastare gegen Sirean zog, dann würde sie aufbrechen - ob Coreen nun dagegen sprach oder nicht.
"Ich bete darum, dass du Erfolg damit haben wirst und sie sich bald erholt, aber wir müssen für eine mögliche Alternative planen und wir können schlecht nach Winterbroke aufbrechen, um ihn heraus zu zerren. Bis auf den Krieg wird es keine andere Chance geben ihn zu erwischen und ich werde ihn nicht aufgeben."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 8:59 pm
Sie hatte gar nicht gewollt, dass Caillean Devastare aufgab, doch die Worte brachten sie dazu, den Mund unverrichteter Dinge wieder zu schließen. "Ich verstehe", antwortete sie dann irgendwann und nickte schlicht, innehaltend in ihrer Wanderung durch den Raum. "Was aber, wenn er sich nicht erinnert, Majestät? Wenn er sich nicht überzeugen lässt? Dann ist es zu spät. Und König Thealon wird nicht gut darauf zu sprechen sein, dass wir ihm seine Magierin vorenthalten. Es wird alles nur schlimmer machen." Sie verfluchte sich selbst dafür, so etwas zu sagen - es überhaupt zu denken. 
"Es ... in Caria gibt es noch Eoren. Wenn wir herausfinden würden, ob er Elaine helfen kann, vielleicht wäre dann der Austausch doch möglich. Sie will zu ihm, das hat sie immer wieder betont."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:04 pm
"Und wie sollen wir ihn kontaktieren? Ich kann keinen weiteren Brief nach Winterbroke senden, der nähere Informationen über Elaine enthält, weil wir weder wissen, auf welcher Seite er steht, noch ob er uns freundlich gesonnen ist, nachdem er erfährt, was Karsh ihr angetan hat. Im schlimmsten Fall haben wir die gesammelte Armee nicht vor Sirean stehen, sondern vor unseren eigenen Toren."
Sie ersparte sich die Antwort darauf, was sein würde, wenn Devastare sie nicht erkannte, weil sie den Fall einfach rigoros ausklammerte, so naiv das auch sein mochte. Sie kannte ihn bereits ihr ganzes Leben lang, sie hatten einander versprochen immer bei dem anderen zu sein, sie hatte ihn in ihren Träumen gesehen und versucht die Lücken wieder zu schließen. Er würde ihr nichts antun und er würde sie erkennen, zumindest in dieser Hinsicht vertraute sie auf das, was ihr Herz ihr diktierte.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:05 pm
"Es gibt magische Wege. Ich kann mich an Rhiannon wenden."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:06 pm
"Sofern sie uns helfen will, würde uns das vielleicht sagen, ob er sich auf unserer Seite befindet oder nicht ... und sie könnte bei dem Austausch unterstützen. Das zumindest würde alles sicherer machen."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:07 pm
"Ich kann es versuchen, Hoheit." Coreen strich sich eine Strähne zurück über die Schulter. "Solange Ihr in Sicherheit seid, haben wir noch Hoffnung. Riskiert sie nicht, ich bitte Euch."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:16 pm
Immerhin hatten sie Frühling, als Coreens Ruf Rhiannon erreichte und der große Drache blinzelnd die schweren Lider öffnete, die große Schnauze nach vorn streckend, um den Duft einzusaugen, der bis in ihre warme Höhle hinein gezogen war. Frühling bedeutete noch lange nicht Sommer - es bedeutete, dass es dort draußen noch immer eisig kalt sein würde und für einen kurzen Augenblick lang überlegte sie, ob sie nicht einfach verharren sollte - hier zurückgezogen bleiben sollte bis der Tag kommen würde, an dem sie sich wieder hervor bewegen konnte, aber Coreens Ruf war so drängend in ihrem Kopf, dass Rhiannon sich jetzt langsam zu strecken begann. Die großen Klauen schoben sich über die Dutzenden an Goldmünzen, aus denen sie sich ihr Bett vor Jahrtausenden gefertigt hatte und der Schwanz des großen Drachen peitschte durch die Höhle, schlug gegen die steinernen Wände und fegte schließlich ein paar der uralten Rüstungen bei Seite, die in einer der Ecken aufgebahrt lagen.
Ein Gähnen, ein weiteres Zucken, dann ging ihre Gestalt in Flammen auf, nur um wenig später in einem der Kamine aufzutauchen, die in Miris' Schloss brannten, um die Räume zu wärmen. Sich den Ruß und die Asche von der Rüstung wischend, setzte Rhiannon einen Schritt in den großen Raum hinein und trat auf die Ziehtochter zu, die dort stand und mit sich zu ringen schien. Wortlos zog sie die Jüngere zu sich und legte die Arme um sie. "Ich bin froh, dass es dir gut geht."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:18 pm
"Danke, dass du gekommen bist. Ich weiß, es ist viel geschehen und du hattest dir die Ruhe verdient", gab Coreen zurück, die vor der Hitze der Flammen zurück gewichen war, nicht aus Angst, aber aus Unwill, noch mehr Hitze um sich zu haben. Dass Rhiannon sowohl in Drachen- als auch Menschengestalt einer Wärmflasche glich, machte die Sache nicht besser. Trotzdem war sie dankbar für die Umarmung.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:21 pm
Die steifen Worte brachten Rhiannon dazu die Stirn zu runzeln als sie sich wieder von ihrer Ziehtochter löste und die Hände an ihren Schultern ruhen ließ. Sie kannte Coreen gut genug, um zu wissen, dass sie eigentlich niemand war, der gern steife Worte und Floskeln benutzte und dass je mehr sie davon in ihren Sprachgebrauch aufnahm, desto schlimmer war die gesamte Situation in der sie sich gerade befand. Beinahe hätte es Rhiannon dazu gebracht leise zu seufzen und nur im letzten Moment erinnerte sie sich daran, dass sie nicht hier war, um Resignation weiter zu geben, sondern um ihrer eigenen Tochter zu helfen. "Was ist passiert?", fragte sie jetzt nur.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:23 pm
Die Bruchstücke, die Coreen zusammen brachte, erzählte sie Rhiannon, darauf vertrauend, dass die andere schon erkennen würde, um was genau es sich bei all dem handelte. Sie wusste auch, dass ein Eingreifen einer Göttin nicht unbedingt erlaubt war, aber ... "Du bist für mich keine Göttin, versteh mich nicht falsch. Aber du hast mich groß gezogen - halbwegs jedenfalls, von groß kann keine Rede sein bei mir - und ich hoffte, dir wäre an Ekynes ebenso viel gelegen wie uns allen. Schließlich ist es deine Wahlheimat. Und für mich wirst du immer meine Mutter sein und an die wende ich mich hier."
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Re: Kapitel 10

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