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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:30 pm
"Und jetzt willst du, dass ich mich nach Caria bewege um dort mit Eoren zu sprechen", schlussfolgerte Rhiannon lediglich mit einem nachsichtigen Lächeln, weil es zum einen bedeutete, dass sie sich sehr wohl in die Geschicke der Menschen einmischte, obwohl es nicht ihre Aufgabe war, aber auf der anderen Seite es um das Leben ihrer Tochter ging. Ihr lag etwas an ihrer Wahlheimat und sie wusste auch, was Morys in den langen Monaten getan hatte, in denen sie nicht im Reich gewesen waren - wie er die Dürre und die Dunkelheit überstanden hatte. "Coreen", beschwichtigte sie die Jüngere, bevor die zu einer weiteren Erklärung ansetzen konnte, auch wenn sie nicht wusste, wie sinnvoll es sein würde, dass statt Oberon ausgerechnet sie sich an eine Dryade wenden sollte - das Feuer war niemals ein besonderer Freund der Dryaden gewesen.
"Ich kümmere mich um diese Angelegenheit. Ich rede mit ihm und versuche ihm zu erklären, dass das, was Karsh veranstaltet hat, nicht das ist, was dieses Land ausmacht und vielleicht werde ich unterwegs noch Devastare ein paar neue Manieren beibringen, wenn ich schon in Winterbroke bin", entschied sie schließlich, die Hände der Jüngeren sacht drückend, zu denen ihre eigenen Hände inzwischen herab gesunken waren.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:31 pm
"Du würdest es wirklich tun?" Absoluter Unglauben spiegelte sich in Coreens Gesicht und ihr wurde heiß und kalt - eine Reaktion, die sie hasste und gleichzeitig begrüßte.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:33 pm
"Du bist meine Tochter, Coreen, es ist dir wichtig und du kannst selbst nicht aufbrechen. Natürlich tue ich es", lautete die Antwort, die von einem warmen Lächeln begleitet wurde. "Ich habe den ganzen Winter über geschlafen und geruht, während du dich durch diese Welt gekämpft hast für diejenigen, die dir wichtig sind. Jetzt kann ich dir helfen, also tue ich es."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:36 pm
Coreen sparte sich die Dankesreden und alles andere, was im Moment angebracht gewesen wäre und schlang einfach nur die Arme um den Hals der anderen. Sie waren in Menschengestalt fast gleich groß, Coreen sogar noch einen Ticken größer. In Drachengestalt sah das anders aus. Rhiannon war das reinste Schlachtschiff, während Coreen etwa die Größe eines Elefanten erreichte. Gerade genug, um einen Menschen zu transportieren und zu wenig, um viel auszurichten, wenn es darauf ankam. +
Erleichterung fraß sich durch ihre angespannten Glieder, als sie zurück trat und die Ältere anlächelte.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:44 pm
"Ich komme zurück, sobald ich die Angelegenheiten geklärt habe", versprach sie der Jüngeren und beugte sich noch einmal zu ihr hinüber, um sie sacht auf die Stirn zu küssen. Dass nun ausgerechnet sie aufbrach, um einen Krieg zu verhindern, wollte ihr nicht so recht in den Kopf und wahrscheinlich würde Oberon der Erste sein, der sie dafür schallen würde, dass sie sich zu sehr einmischte. Derjenige, um dessen Enkelin es hier eigentlich gerade ging und die sich bis zu Karshs Behandlung eine enge Freundin ihrer eigenen Tochter war. "Pass auf dich auf, Spatz. Kein Unsinn bis ich wieder hier bin", nahm sie ihr noch das Versprechen ab, bevor sie zurück in das Feuer trat und mit einem kurzen Aufleuchten der Flammen war sie wieder verschwunden.
Es dauerte nicht viel länger als ein kurzes Blinzeln bis sie wieder inmitten von Winterbroke auftauchte und ein Schnauben ausstieß, weil sich selbst die Magie hier falsch anfühlte. Etwas war durcheinander geraten, ganz anders als das, was sie eigentlich von diesem Ort gewohnt war - das Gemäuer war kalt, so wie es immer gewesen war, die Räume dunkel und für einen kurzen Moment blieb Rhiannon stehen, sich darüber Gedanken machend, ob sie dreist genug sein sollte diese Gestalt weiterhin zu behalten. Verwandeln kam hier nicht in Frage - nicht solange sie nicht den Weg nach draußen nehmen würde und der würde bedeuten, dass ihre Drachengestalt dafür sorgen würde, dass sie ein paar Dächer abdecken würde, weil sie nicht schnell genug an Höhe gewann. Thealon würde nicht begeistert darüber sein, wenn sie ihm sein Schloss kaputt machte. Die Frage war nur, ob sie zuerst Devastare oder Eoren finden würde.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:49 pm
Zwei Wochen waren ins Land gezogen - Wochen, in denen Devastare den Aufstand, den Galahad, Finnja und Adair geplant hatten, erst niedergeschlagen hatte, um sie dann in die Zellen zu sperren, fernab voneinander. Er hatte kaum mehr einen Gedanken daran verschwendet, während er sich mit der Regierung Carias vertraut machte und alle möglichen Vorschriften erließ. So hatte er auch Kirs bislang aus dem Schloss heraus gehalten. Sie hatte ihn eingesperrt und sie würde um diese Krone kämpfen, die er definitiv nicht an sie geben würde. Allenfalls noch an Thealon, so er denn bald genesen sein mochte, doch daran glaubte er kaum. 
Im Schloss bewegte er sich ruhiger, sicherer, nach dieser kurzen Zeit. Angst würde ihn fehlbar machen und er war der momentane Regent. Genau das konnte er sich nicht leisten. 
Als er gerade auf dem Weg in den Thronsaal war - alleine, weil er die Gardisten angewiesen hatte, den Weg frei zu machen - sah er die Gestalt, die etwas seltsam vertrautes hatte, doch er konnte es nicht einordnen. 
"Stehenbleiben!", blaffte er und kam näher, die Hand an der Waffe.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:53 pm
"Stehenbleiben?", echote Rhiannon und wandte sich zu dem deutlich Jüngeren herum, die Augenbrauen hebend, weil sie seine Hand an der Waffe bereits bemerkt hatte und mit einem einzigen Zusammenziehen der Augenbrauen ließ sie den Griff der Waffe rot vor Hitze glühen. "Du magst ja verzaubert sein, Junge, aber noch ist die Zeit lange nicht so weit, dass ausgerechnet du mir Befehle zu geben hast", setzte sie noch nach und trat dann mit festen Schritten auf den Jüngeren zu, ihn von oben bis unten musternd bevor sie den Kopf schüttelte. Das war nicht unbedingt das, was sie hatte sehen wollen - vor allem hatte sie keinen verfluchen Zauber auf dem Jungen erwartet, der an Bedingungen geknüpft worden war, die niemand von ihnen genau wollte.
"Und jetzt tu mir den Gefallen und hör auf die Kopie deines Vaters spielen zu wollen, bevor ich auf den Gedanken kommen sollte, dir diesen Zauber einfach aus dem Kopf zu brennen, damit du wieder klar denken kannst."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:55 pm
"Wer bist du?", verlangte Devastare zu wissen und wich keinen Zentimeter zurück vor der Frau, die hier in Rüstung stand, auch, wenn er mit einem ärgerlichen zusammenkneifen der Augen die Hand von der heißen Waffe nahm. Seine Handfläche war verbrannt, aber er würde sich hier nicht die Blöße geben und einen Laut dazu äußern. Magierin. Irgendsoetwas dämliches. "Was willst du in meinem Schloss?!"
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 9:58 pm
"Dein Schloss ist es immer noch erst, wenn dein Vater tot ist und solange er das nicht ist, hast du nur eine hässliche Eisenkrone auf dem Kopf", schloss Rhiannon lediglich und schüttelte den Kopf, weil die Version des Jüngeren ihr bereits jetzt begann auf die Nerven zu gehen. Sie war es nicht gewohnt, dass man ihr eine solche Respektlosigkeit entgegen brachte und eigentlich wusste sie, dass sie sich zurück zu halten hatte, aber der Versuch war so furchtbar verlockend. Mit einer einzigen Bewegung zog sie ihm die Krone von der Stirn und warf sie achtlos bei Seite, nur um mit der anderen Hand die Finger zu seiner Schläfe zu führen. "Und um deine Frage zu beantworten - Rhiannon", war alles, was sie zu ihrer Vorstellung sagte. "Wenn du wieder du selbst bist wirst du es mir danken, Devastare." Dann schloss das Feuer sie beide ein.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:03 pm
Im ersten Moment hatte er noch nach der Krone greifen wollen, die ihm da vom Kopf gefegt wurde, so dass selbiger einen scharfen Ruck machte, doch stattdessen packte er das Handgelenk der anderen und starrte sie an. Sie hatte eine schier übermenschliche Kraft, als sie ihre Finger an seine Schläfe bewegte und noch ehe er auf ihre dahingeschmetterten Worte antworten konnte, erfasste ihn ein Schmerz, der absolut nicht von dieser Welt war. 
Etwas in ihm schrie danach, dass sie verschwand, sie durfte das nicht, durfte nicht das niedertrampeln, was Elaine aufgebaut hatte im Namen seines Vaters und im ersten Moment wusste er gar nicht einmal, warum, während er nur panisch um Atem in der heißen Luft rang. "Was soll das?!", verlangte er schließlich zu wissen.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:05 pm
"Ich habe versprochen dir wieder Manieren beizubringen und ich halte meine Versprechen. Leider habe ich nicht die Zeit dafür, um das Ganze langsam und sanft zu machen und gemessen daran, wie du dich bislang verhalten hast, glaube ich, hast du das hier auch verdient", entschied Rhiannon lediglich mit einem schlichten Schulterzucken und ließ die Flammen auf den anderen zukommen. Sie wollte ihm gar nicht sagen, dass er sich nicht wehren solle - er solle kämpfen, sollte für oder gegen die alten Erinnerungen ankämpfen, die sie in jeder einzelnen Flamme verpackt hatte, die jetzt an ihm zu lecken begann, Kleidung und Haut verzehrte und Stück um Stück nach oben kroch.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:10 pm
"Verdient?!" Devastare wich zurück, panisch nun, doch die Flammen folgten ihm und wohin er sich auch wandte, während er seinen Blick rasch wandern ließ, da war kein Gang mehr. Keine Türen, keine Fenster - nur steinerne Wände und diese Frau. Rhiannon. Rhiannon ... irgendetwas klingelte sehr, sehr weit hinten in seinem Kopf. Als die erste Flamme ihn erwischte, war es wie ein Peitschenhieb und Devastare gab auf, sich daran erinnern zu wollen, wer sie war. Die Flamme brachte Fragen mit sich. Wer er war. Wohin er gehörte. Er hätte gerne geantwortet, gerne etwas gesagt, doch stattdessen fühlte er nur die brennende, alles vernichtende Hitze, die sich seiner bemächtigte. Seine Haut schlug Brandblasen, sein Atem wurde schwer, weil die Hitze es fast unmöglich machte, noch Luft zu bekommen. Was zählte, war das hier zu überstehen - 
Keuchend wich er noch weiter zurück, bis er an der Steinmauer angekommen war und es keinen anderen Weg gab, keinen Ausweg, nichts. Sein Herz raste und mit einem Mal waren auch die Schmerzen da, die er bis eben nur am Rande gespürt hatte. Sie brannten sich in ihn, verschlangen ihn.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:15 pm
"Erinnere dich an das, was geschehen ist, Devastare. Wer du bist und was du wirklich wolltest, als du nach Caria aufgebrochen bist. Du wolltest nicht die Krone. Du wolltest nicht deine Freunde in enge Gefängniszellen einsperren", begann sie auf ihn einzureden und setzte Schritt um Schritt nach vorn, Erinnerungen wieder hochholend von einem Leben abseits Carias. Fernab seines eigenen Vaters und gemeinsam mit Karsh an seiner Seite, der Stunden auf den Trainingsplätzen des Schlosses. "Du hast in Ekynes gedient. Du warst dort Zuhause und du hattest dort Familie und Freunde. Caria ist nicht der Ort, an den du gehörst." Jahr um Jahr von der jüngsten Kindheit an begann sie wieder nach und nach zurückkehren zu lassen, fein säuberlich sortiert, um nicht etwas ähnliches zu verursachen, wie das, was Karsh inmitten von Miris angerichtet hatte.
"Wer bist du, Devastare?", fragte sie erst nach einer ganzen Weile wieder und wandelte die eigene Gestalt wieder, weil es einfacher in ihrer Urform war als sich darauf konzentrieren zu müssen, dass diese leidige menschliche Erscheinung nicht plötzlich Zähne und Klauen entwickelte, nur weil ihr gerade so sehr danach war. "Bist du wirklich nur Thealons Sohn oder hat der Zauber nicht noch mehr von dir hinterlassen? Erinnere dich!"
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:23 pm
Inzwischen stand er nicht mehr aufrecht - er kauerte halb liegend, halb noch in dem Versuch, sich aufzustützen, auf dem Boden, die Steinplatten so nahe vor seinen Augen, obwohl sie verschwammen. Er wusste nicht, ob es die körperlichen Schmerzen waren, die ihm Tränen in die Augen trieben oder die, die Rhiannon mit den Erinnerungen herauf beschwor. Erinnerungen an andere, sonnigere Tage seines Lebens. War das denn sein Leben? Die ganze Zeit hatte er gedacht, er hatte nur all das vergessen, was in Caria geschehen war in seiner Jugend, hatte das Gefühl gehabt, etwas fehlte. Etwas wichtiges. 
War das hier nur ein Trugbild? Warum fühlte es sich dann so richtig an? Wieso fühlte er sich Karsh mehr verbunden als Thealon?
Keuchend landete er vollends auf dem Boden, rollte sich zusammen, so weit wie es ging. Warum brannte er immer noch? Müsste das Feuer ihn nicht inzwischen aufgefressen haben? Hart grub er die Finger in seine Haare und zog daran, als könne er damit aufhalten, was in ihm vor sich ging, doch nichts dergleichen passierte. Nur heisere Schreie, die sich aus ihm heraus quälten und die er gar nicht sich selbst zuordnete, als sie an seine Ohren drangen. 
Caillean. Karsh. 
Coreen. 
Sie alle gehörten doch gar nicht hierher ... Ekynes. Da war etwas. Etwas wichtiges ... wichtiger als das, was geschehen war. 
"Rhiannon ..."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:28 pm
"Erinnere dich, Junge. Das hier hört erst auf, wenn du den Zauber aus eigenen Kräften abgeschüttelt hast - ich kann dir nur den Rahmen bieten und dir dabei helfen dich wieder zu erinnern", wies sie ihn hin und die große Drachengestalt ließ sich neben den deutlich Jüngeren sinken, den großen Kopf auf die Vorderklauen gelegt und sorgsam jede noch so kleine Einzelheit in seinem Geist beobachtend während sie ihm Erinnerung um Erinnerung vorspielte. Dinge, die sie selbst erlebt hatte, als der Junge einmal mehr ihr Waffentraining durcheinander gebracht hatte, weil er mit einem viel zu großen Schwert vor die anderen getreten war und damit für allgemeines Gelächter gesorgt hatte bis Gawain es sich zur Aufgabe gemacht hatte ihn auszubilden, weil er Mitleid mit ihm gehabt hatte und Rhiannon sich selbst hatte breitschlagen lassen. Dinge, die sie lediglich überwacht hatte, wie viele Abende der magischen Lehrstunden. Der Momente, in denen er gemeinsam mit Gawain und Coreen unterwegs gewesen war, um die wenigen freien Stunden zu nutzen, die er gehabt hatte.
"Erinnere dich daran, wer du wirklich bist."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:33 pm
So, wie sie die Worte aussprach, hatte sie schon einmal zu ihm gesprochen. Damals ... damals im Wald. 'Hör mir zu, Junge. Das hier hört erst auf, wenn du diese Erinnerungen an ihren Platz bringst, ihnen einen Ort zuweist.' Sie hatten Stunden dort gesessen, Caillean und er, dicht aneinander gedrängt, mitten im Regen, der unaufhörlich auf sie niedergeprasselt war. Sie hatten gezittert vor Angst, vor Trauer und Wut. Es war seine vierte Woche als Gardist gewesen und alles, was er zustande gebracht hatte, war, Caillean zu retten. Er griff sie noch fester, presste ihren Kopf gegen seine Brust und verharrte dort, halb über sie gebeugt, während sie schluchzte und kein Wort sagte. Und auch er selbst war so mitgenommen von dem, was passiert war, dass er kaum klar denken konnte. Nur Rhiannon hatte sie gefunden, hatte es gewagt, sich ihnen zu nähern nach diesem Angriff und der schändlichen Tat, die sie hatten beobachten müssen, hilflos versteckt. 
Caillean. 
Seine Königin. 
Wo war sie? Wo war er überhaupt ...? Was tat er hier?
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:38 pm
Es dauerte bis auch der letzte Rest an Erinnerung wieder an dem Ort saß, an den er gehörte und Rhiannon sicher sein konnte, dass sie jetzt wieder denjenigen vor sich sitzen hatte, den sie vor Monaten Ekynes hatte verlassen sehen. Es hatte sie Kraft gekostet in einer anderen Jahreszeit als ihrer eigenen so auch über Oberons Magie hinweg zu stürzen und sie so unangenehm aus dem Kopf eines einzelnen Menschen, der einen erstaunlichen Dickschädel sein eigen nannte, zu brennen, aber sie waren fort. All die Erinnerungen, die falsch dort eingesetzt worden waren - die Meinungen, die sich zuvor falsch gebildet hatten und die sie einfach wieder ausradiert hatte, um die zuzulassen, die dort eigentlich hingehörten.
Kopfschüttelnd, weil noch immer Rauch sie begleitete, streckte sie jetzt wieder die müden Glieder und richtete sich vom Boden auf, auf dem sie zuvor beide gesessen hatten und zog den Jüngeren gemeinsam mit sich zurück auf die Füße, hielt ihn halb aufrecht weil er nicht ganz so sicher auf den Füßen wirkte wie sie selbst. "Schön dich wieder zurück zu haben, Devastare. Es gibt da ein paar Leute, die dich wirklich vermisst haben."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:41 pm
Mehrfach gaben ihm die Beine einfach wieder nach, während sein Kopf dröhnte und die Welt weiterhin schwankte und als auch noch Übelkeit einsetzte, bat er mit einer simplen Handbewegung, wieder auf dem Boden abgesetzt zu werden, wo er immerhin das Gefühl hatte, geerdet zu sein. Er steckte den Kopf zwischen die Knie und verschränkte die Arme darüber, sah ein wenig aus, wie ein verschnürtes Paket, wie er da um Atem rang, zitternd und nicht sicher, was da eben passiert war. 
"Wie ... wie geht es ihr?", fragte er schließlich kaum hörbar, weil es das Wichtigste war, noch vor einem Dank.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:45 pm
"Du hast Chaos hinterlassen. Es wird werden", war alles, was Rhiannon beantwortete, weil das gerade ehrlicher war als alles, was sie ihm sonst hätte versichern können. Die kleine Gruppe in Miris war alles andere als das, was sie unter in Ordnung und es ging ihnen gut beschreiben würde und sie war nicht gut darin Dinge sanft zu regeln, wie unschwer an Devastare zu erkennen gewesen war. Was jetzt noch blieb war das Gespräch mit Eoren und sie würde leider den jungen Magier hier mitnehmen müssen, bevor jemand auf den Gedanken kam ihm den Kopf wieder in Richtung Caria zu rücken, nachdem sie gerade erst den Zauber losgeworden war. Das Problem bei alledem war nur leider, dass sie ihn nicht durch eine magische Reise durch die Flammen mitnehmen konnte, ohne ihn dabei auch wirklich zu verbrennen - sie würde fliegen müssen.
"Atme tief durch. Ordne deine Gedanken und sortiere sie noch einmal, einen nach dem anderen. Nicht alles auf einmal. Alles muss erst wieder an seinen Platz zurück."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:48 pm
"Das sagst du so leicht", brummte Devastare und zwickte sich mit Daumen und Zeigefinger in die Nasenwurzel. Die brennende Übelkeit wurde zwar weniger, aber die Kopfschmerzen schienen sich davon nicht beeindrucken lassen zu wollen. Was auch immer die Göttin des Feuers angestellt hatte, er sah alles auf einmal wieder klarer - was hatte er nur getan? Wie konnte er nur jemals denken, der wahre Erbe von Caria zu sein und die Krone auch noch zu wollen?
"Danke ... - ich muss ... ich muss Galahad und Finnja aus den Zellen holen ..."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:51 pm
"Erst einmal reden wir mit Eoren und danach kann er deine Freunde aus den Zellen holen lassen."
Und insgeheim hoffte sie darauf, dass er sie nicht darum bitten würde auch noch seine Freunde mitzunehmen, weil das bedeuten würde, dass sie schon wieder zu einer übergroßen, roten, fliegenden Kutsche werden würde, wie vor ein paar Jahrzehnten als Coreen es noch nicht geschafft hatte selbstständig zu fliegen, aber genauso auch zu faul gewesen war um längerfristig zu laufen. Der kleine weiße Drache hatte damals nur dann schlafen können, wenn sie sich Meilen über der Erde befunden hatten und Rhiannon erinnerte sich noch gut daran, dass ihr oftmals die Flügel lahm geworden waren, weil sie hatte Stunden überbrücken müssen. "Es gibt da noch ein paar Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen, bevor ich dich wieder mit zu den anderen nehme."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 10:53 pm
Eoren. Eoren würde genug Macht haben, um das zu veranlassen. Aber dennoch ... "Ich muss es selbst tun, Rhiannon", beschwor er sie und seufzte, ob dieser Entscheidung, ehe er sich mühselig an der Wand nach oben zog und sich dagegen lehnte, bis die Welt wenigstens aufhörte, sich zu drehen.
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 11:00 pm
"Tu dir keinen Zwang an. Ich hole dich dann wieder ab, sobald ich mit ihm gesprochen habe", gab sie sich diskussionslos zufrieden und wandte sich bereits wieder um. Devastare konnte wieder klar denken, er war immerhin wieder er selbst und er würde auch gegen das kämpfen können, was sie mit ihm veranstaltet hatte. Alles weitere würden sie besprechen können, sobald sie sich im Innenhof befanden und darüber entscheiden konnten. Was die Dryade anging ... entweder würde sie ihn im Schloss finden oder aber bei seinem Baum außerhalb. Das Schloss wäre ihr bedeutend lieber und für einen Moment schloss Rhiannon die Augen, um den Geruch des Schlosses einzuatmen. Kamine, Waffen, Essen, der Schweiß der trainierenden Soldaten, der Alkohol derjenigen, die hier ausnüchterten, das teure Parfüm der hohen Damen, die hier ihr Leben verlebten und der Geruch von den Blumen, die draußen im Innenhof zu sprießen begannen. Waldboden war irgendwo dazwischen - der unverkennbare Duft, der alle Dryaden begleitete und dem Rhiannon jetzt folgte.
Sie machte sich erst gar nicht die Mühe an der Tür zu klopfen, bevor sie sie öffnete und den ersten Schritt in das große Arbeitszimmer trat. "Ich komme mit Nachricht von Elaine", ließ sie die Dryade wissen und rang sich nur ein schmales Lächeln ab. "Es sind einige Dinge schief gelaufen und ich war die einzige Gelegenheit schnell genug hier zu sein."
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Re: Kapitel 10

am So Feb 04, 2018 11:03 pm
"Rhiannon, die Göttin des Feuers ... als Dienstbotin?", fragte Eoren mit einem sanften Lächeln. Er mochte das Feuer nur bedingt, aber es spendete auch die nötige Wärme, die er brauchte, um zu leben und nicht zu erfrieren. Er hatte schon vor einer halben Stunde gespürt, dass etwas hier im Gange war, dass sie hier war, in Fleisch und Blut, nur, dass sie wegen ihm hier war, darauf wäre er nicht gekommen. Langsam erhob er sich von seinem Platz und kam herüber. "Welche Nachrichten hast du für mich?"
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 8:09 pm
"Ich komme im Auftrag meiner Tochter. Du hättest dasselbe getan", lautete Rhiannon einzige Antwort auf die beinahe belustigte Frage des Baumwesens bevor sie die Tür hinter sich schloss und mit ein paar Schritten den Raum durchmaß, in dem er sich befand. Stein und Holz, Feuer in dem Kamin, aber die Luft hier war alt und abgestanden - Caria war ein kaltes, hartes Land, schon seit mehreren Jahrtausenden. Eines, das seit jeher den Krieg und das Schlachten höher ehrte als die seichten Tugenden von Wärme und Leben, wie sie in ihrer Wahlheimat gelebt wurden. Sie hätte sich hier wohl fühlen sollen, so sehr wie König Thealon sie selbst ehrte und trotzdem ... dieses Land war nicht ihres. Es würde niemals ihre Heimat werden, zu kalt und zu feucht war die Luft hier, zu nah das ewige Meer und viel zu nah Sotis' Reich, der sie es gleich hätte tun sollen.
"Ich bringe dir Elaine und nehme Devastare mit mir", teilte sie Eoren mit, als sie sich wieder an den Grund ihres Daseins erinnerte, vor dem Kamin in der Hocke verharrend und die Finger nach den Flammen ausstreckend. Die Funken tanzten über die behandschuhten Finger, Metall an der Rüstung glomm nach einer Weile auf, weil sie so nah an ihrem eigenen Element war. "Er erinnerte sich wieder daran, wer er war. Elaines Erinnerungen sind fort - du bist neben Karsh der Einzige, an dessen Name sie sich noch erinnern kann. Der König ist nicht genesen, seine Wunden noch zu tief - meine Tochter bat mich sie zu dir zu bringen, statt zu ihm", sprach sie ruhig weiter, sich nicht zu ihm herumdrehend, während sie dem Knacken der Holzscheite zuhörte. "Sie fürchtet um seinen Einfluss auf sie. Deshalb bin ich nun bei dir."
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Re: Kapitel 10

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