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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 8:53 pm
"Er hat nicht nur Einfluss auf sie ... sondern die Kontrolle über ihren Geist und Eide kann man nicht so einfach lösen, wie Zauber", gab Eoren zurück und lehnte sich neben dem Kamin gegen die Mauer.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 8:55 pm
"Ich weiß", lautete Rhiannons Antwort seelenruhige Antwort auf den Einwurf. "Thealon beschwor die Götter, diesen Schwur anzunehmen und zu halten. Sie erklärte sich einverstanden und so haben wir den Schwur bewacht und aufrecht erhalten."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 8:56 pm
"Ich kann sie von ihm fern halten - aber ich weiß nicht, was er ihr zuletzt befahl. Es kann sein, dass ich damit alles nur schlimmer mache."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 8:59 pm
"Es ist deine Entscheidung, Eoren. Sie kann bei meiner Tochter bleiben, bis der König wieder genesen ist, aber dann wird sie zurückkehren müssen oder ihr werdet einen weiteren Krieg riskieren. Beides macht für mich keinen Unterschied. Ich brauche nur deine Entscheidung, bevor ich wieder zurückkehre."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:00 pm
"Bring sie zu mir", entschied er, ehe er darüber nachdenken konnte. "Ich werde auf sie acht geben, so gut ich es kann."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:07 pm
Rhiannon nickte nur sacht und erhob sich wieder aus ihrer knienden Position, den Blick eine Weile lang noch auf die Flammen gerichtet, bevor sie sich wieder zu Eoren umdrehte. "Sie ist hier besser aufgehoben, selbst wenn Thealon eine unmittelbare Gefahr ist. Hier ist ihre Familie", sagte sie nur und trat dann rüber zur Tür, die Hand bereits zur Klinke ausstreckend. Er passte hier ebenso wenig her, wie sie selbst und umso amüsanter fand sie die Tatsache, dass er sich trotzdem hinter steinernen Mauern wohl zu fühlen schien. Dass es genug gab, dass ihn hier zu halten schien. "Achte auf deine Familie, bevor der König sich auch der zuwendet", gab sie ihm noch mit auf den Weg, bevor sie den Raum verließ, um den Rest der kleinen Gemeinschaft wieder einzusammeln, die Devastare aus den Kerkern befreit hatte. Einen von ihnen würde sie mitnehmen müssen, das zumindest konnte sie jetzt schon sagen, weil sie das Flüstern der Fackeln hörte, die die leisen Gespräche an ihre Ohren führten.
Bewusstlos würde ihr zumindest das Schreien des Ritters ersparen, wenn sie ihn schon über weite Flur tragen musste.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:11 pm
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"Es tut mir Leid, Finnja", war das erste, was Devastare sagte, als er die Tür zur Zelle öffnete und zur Seite trat, damit die andere herauskommen konnte. "Ich ... weiß nicht, was passiert ist - aber das war nicht ich, der da gehandelt hat. Jedenfalls war ich nicht bei Sinnen."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:15 pm
Ihre Knochen taten weh, ihre Muskeln schmerzten als sie sie wieder streckte und dreckig und stinkend wie sie war erst misstrauisch von unten zu dem anderen hinauf blickte, nicht so ganz sicher darüber, ob er sie gerade nur an der Nase herumführen wollte. Zwei verfluchte Wochen - sie hatte mit einem kleinen Stein Striche in ihre Wände in der Zelle gekratzt, um nicht vollkommen den Verstand über Schreie und Folterungen der anderen Gefangenen oder der Willkür der anderen Wachen zu verlieren. Niemand hatte es gewagt sie anzurühren - das immerhin war ein Vorteil ihrer Position als Gardistin gewesen und obwohl ihr die Arme schwer wie Blei waren, war ihre erste Reaktion ein sehr gezielter Knietritt dorthin, wo es richtig weg tat.
"Prinz oder nicht ist mir gerade egal. Du hast dich verhalten wie das Allerletzte und den hast du verdient."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:21 pm
"Ungh - vergiss die Sache mit dem Prinzen -", würgte Devastare heraus, als er sich zusammenkrümmte und sich nun nach Luft und Verstand ringend gegen die Wand lehnte, während sich zu den hämmernden Kopfschmerzen auch noch das Gefühl gesellte, nie ein Kind zeugen zu können. "... ich bin ein ... furchtbarer Prinz und kein - kein guter Sohn, wenn es darum geht ... blind ... Befehlen zu folgen ... und ich wollte das nie ... - aber du hast Recht - das hier - hatte ich verdient."
Es war ein Fehler gewesen, sie beide hier unten einzusperren. Nicht auszudenken, wenn sie sich nicht wehren hätte können und das alles nur, weil er sich nicht gegen einen Zauber zur Wehr hatte setzen können. Es mochte nicht Elaines Schuld gewesen sein, doch alleine schon, dass sie es getan hatte, ohne auch nur kurz inne zu halten. Da war nichts gewesen, was sie dem Eid entgegen setzen konnte ... gar nichts. Nicht einmal der Schimmer eines Zögerns, stattdessen nur Tränen und Worte. Er wusste, es war falsch, so etwas wie Angst vor dem zu empfinden, was sie tun würde, wenn sie ihn wieder in die Finger bekam, doch er tat es. Er hatte Angst, Elaine zu begegnen, solange sie unter Thealons Eid stand. Sie war zu mächtig. 
Nur langsam kam er wieder zu Atem und richtete sich auf, sah Finnja eine Weile an. "Galahad ... wird mich begleiten. Hier würde ihm der Prozess gemacht und er ist ein feiner Kerl. Das hat er nicht meinetwegen verdient. Was den Rest angeht ... ich will die Krone nicht. Wollte sie nie. Ein Zauber ist keine Entschuldigung dafür, sich so zu verhalten."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:37 pm
Finnja hatte mit verschränkten Armen die Erklärung angehört und war sich erst mit den letzten Worten sicher, dass sie wieder den Mann vor sich hatte, dem sie vor ein paar Monaten zu helfen versprochen hatte. Helfen war dieses Mal damit geendet, dass sie sich in den Zellen wiedergefunden hatte, während von Verrat die Rede gewesen war und nun stand sie hier und wusste nicht, was sie selbst hier anstellen sollte. Wenn der König wiederkam würde sie irgendeine fadenscheinige Erklärung finden müssen - vielleicht würde sie einfach dabei bleiben, dass er eines Tages einfach verschwunden gewesen war und Eoren sie aus den Zellen herausgeholt hatte. Dann würde sie ihn wenigstens nicht ans Messer liefern müssen und Thealon würde nicht so früh auf seine Schliche kommen.
"Schön, dass du jetzt immerhin wieder bei Verstand bist und zwischen Freund und Feind entscheiden kannst." So ganz war der Missmut darüber einfach in die Zellen gesteckt worden zu sein noch nicht verraucht, aber immerhin wusste sie, dass es nicht allein seine eigene Schuld gewesen war. Es würde dauern das hier zu verarbeiten, wieder anzukommen und das gewohnte Leben weiterführen zu können, aber ihn zu begleiten kam nicht in Frage - sie hatte eine Pflicht hier zu erfüllen. "Ich denk mir was aus, was ich dem Rest deiner Familie präsentieren kann, damit du einstweilen versteckt bleiben kannst und jetzt schnapp dir Galahad, bevor noch was dazwischen kommt und verschwindet schon. Ich hoffe, dass wir uns beim nächsten Mal nicht mehr durch Gitterstäbe wiedersehen werden."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:43 pm
"Ich wusste, dass du hierbleibst", seufzte Devastare, dann schaffte er es endlich wieder gerade zu stehen, ohne sich an die Mauer kuscheln zu müssen. "Bevor ich gehe, muss ich diese Nachricht hier an Kira übergeben ... sie ist nicht im Schloss, ich fürchte, auf mein Geheiß hin und sie wird nicht so gnädig mit mir sein, wie du. Aber es geht auch um Galahads Leben und du hast Recht, ich muss hier fort, bevor irgendetwas dazwischen kommt."
Ein schiefes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht und es fühlte sich trotzdem schwer an, zu lächeln, obwohl er wusste, dass er zurückkehren würde, näher an seine Heimat, die immer noch besetzt war und im Schlaf lag. Er musste sich um diese Dinge kümmern und die Krone von Caria? An die wollte er nicht einmal mehr denken. Aber stattdessen zog er sie dennoch aus der großen Tasche des Mantels und drückte sie Finnja samt einer Nachricht in die Hand. "Ich bitte dich, leg beides in Kiras Turmgemach. Sie wird es finden, da bin ich mir sicher."
Er war drauf und dran, sich abzuwenden, dann hielt er inne und streckte der Gardistin die Hand entgegen.
"Was es auch wert sein mag, Finnja ... es tut mir aufrichtig Leid. Du bist eine gute Gardistin und hast dein Herz am rechten Fleck, wie so viele Menschen Carias. Ich werde das nicht vergessen."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:47 pm
"Kling nicht so, als würden wir uns nicht wiedersehen", schallt Finnja ihn lediglich schief grinsend und setzte den Schritt nach vorn, die Hand schlichtweg ignorierend, um den anderen sacht zu umarmen. "Ich hab versprochen dir zu helfen. Wir werden uns wahrscheinlich früher wiedersehen als dir lieb sein wird und beim nächsten Mal hoffe ich darauf, dass du Erfolg haben wirst", teilte sie ihm nur leise mit bevor sie wieder zurück trat und rüber zur Tür deutete, die Krone samt der Nachricht an sich nehmend und noch einmal schwer seufzend.
"Du hast uns hier im Norden auf jeden Fall einiges an frischen Wind gebracht, Devastare. Möge dein Leben interessant sein hat mit dir eine ganz neue Bedeutung bekommen."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:51 pm
"Wir werden uns wiedersehen", antwortete er nur lächelnd. "Aber unter anderen Umständen. Irgendetwas sagt mir, die Zeit war noch nicht reif für all das hier." Erneut wollte er sich umwenden, stockte aber und zog eine Kette unter seinem Hemd hervor - sie hatten ihm vieles abgenommen, aber diesen Stein nicht. Er war von Karsh und so, wie er den alten Mann kannte, war mehr Magie darin, als gut dafür war. Aber auch genug, um sie zu aktivieren, auch wenn man unmagisch war. "Nimm sie", forderte er Finnja auf und drückte ihr das Lederband und den hellgrünen Edelstein in die Hand, ehe er ihre Finger bestimmend darum schloss. "Wenn du Hilfe brauchst, dann nutze sie, um mich zu kontaktieren. Ich bin nicht immer nur ein Unruheherd." 
Und dann wandte er sich endgültig ab.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 9:54 pm
"Das wag ich ja immer noch zu bezweifeln", raunte Finnja ihm mit hochgezogenen Augenbrauen nach und warf einen kurzen Blick auf die seltsame Kette, die da jetzt mitsamt Krone und Brief in ihren Fingern baumelte und von der sie nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte. Magie hatte in den letzten Monaten alles nur noch viel schlimmer als zuvor gemacht und eigentlich war sie beinahe dankbar dafür, dass jetzt wieder ein bisschen mehr Normalität einkehren würde, während sie Galahad und Devastare dabei beobachtete, wie sie fortgingen und schließlich hinter einer der Ecken verschwanden. Sie wollte gar nicht wissen, wohin sie gehen würden - sie musste es gar nicht wissen, denn das immerhin bedeutete, dass man nichts aus ihr herauspressen konnte.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:00 pm
Galahad hatte den Flug tatsächlich in seliger Ohnmacht verbracht, während Devastare sich festklammerte, so gut es ging. Rhiannon war warm, aber der eisige Wind stach ihm trotzdem in die Augen, führte dazu, dass seine Wangen kalt wurden und seine Finger taub. Er hatte gehofft, die Luft würde gegen seine Kopfschmerzen helfen, aber inzwischen waren sie eher noch stärker geworden und er verfluchte die andere dafür. Ob sie es wahrnehmen oder hören konnte, war ihm herzlich egal, denn all das Gefluche war verbunden mit einem Dank. 
Wälder und Seen hatten sich unter ihnen ausgebreitet, Wege und Straßen, Landstriche mit Feldern, die gerade bearbeitet wurden, andere, die noch tief unter der Schneedecke des Spätwinters lagen. Ein harziger Durft lag überall, erdig - ein Neubeginn. Ein neues Jahr. Ein wenig das, was auch ihnen geschenkt worden war. 
Aber als er nun von Rhiannons Rücken rutschte und hart auf dem Boden aufkam, war er doch dankbar, wieder feste Erde unter sich zu spüren und das Gefühl zu  haben, sein eigener Herr zu sein. 
"Danke", gab er an die andere weiter, ehe er zum ersten Mal den Kopf hob und sich umsah. Er war noch niemals hier gewesen in Miris und er fragte sich, wem das Haus wohl gehören mochte, vor dem sie Halt gemacht hatten.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:08 pm
Mit einem kurzen Auflodern der Flammen verwandelte sich Rhiannon wieder zurück in gewohnt menschliche Erscheinung, um nicht auch noch den letzten Menschen in diesem Schloss mehr zu verschrecken als unbedingt notwendig. Die kalte Luft um sie herum hatte sie gehasst und sie sehnte sich wieder nach den heißen Sommermonaten, dem warmen Wind, der über die großen Schuppen und die Flügel strich und in dem sie sich tausendmal lieber treiben ließ als in dieser eisigen Luft. Schaudernd und sich schüttelnd ließ sie ihren Blick streifen, nahm die Wachen wahr, von denen ein paar panisch, andere wie erstarrt auf die kleine Gruppe blickte, die sich dort im Innenhof versammelt hatte.
"Ich bringe deinen Freund in ein Zimmer", informierte sie ihn und deutete hinter sich auf den bewusstlosen Galahad, der den ganzen Flug über nicht aufgewacht war und den sie sich jetzt einfach auf den Rücken lud, weil es doch ein wenig albern wirken mochte ihn wie eine schlafende Jungfrau in den Armen durch die Gänge zu tragen, bevor sie zu Coreen zurückkehren würde. Die Jüngere würde wahrscheinlich ohnehin schon in ein paar Minuten wissen, dass sie hier angekommen waren. "Geh schon", forderte sie Devastare schließlich auf und deutete rüber zu einem der Eingänge ins Innere der Burg.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:16 pm
Statt wieder Diskussionen anzufangen nickte er dankbar und machte sich auf den Weg zu den großen Flügeltüren, die den Eingang markierten. Sein Bein muckte auf, als er die Stufen im gewohnten Gang nehmen wollte, doch er zwang es einfach dazu, weiter zu funktionieren und stemmte sich fast absichtlich noch ein wenig fester darauf. Alles, was geschehen war, wollte verarbeitet und sortiert werden, doch er schob all dem einen Riegel vor. Es gab im Moment nichts wichtigeres, als die eine Mission, auf der er sich gerade befand. 
Die Türen öffneten sich fast lautlos, schwangen nach innen und gaben eine riesige Eingangshalle frei. Dahin also wanderten all die Gelder der Bauern hier in diesem Landstrich. In marmorene Bodenplatten und Säulen, in Gold und Tand, der auf Stehlen stand und dem Auge dargeboten wurde. 
Für nichts davon hatte er auch nur den Hauch von Interesse, als er Schritte auf der Treppe hörte und sich umwandte. Sein Herz sackte ihm erst in den Keller, dann setzte es aus und erst, als er die langen, dunklen Haare erkannte, die zu der Person gehörten, deren Schritte ihm so vertraut waren von Kindesbeinen an, als er erkannte, dass er sich nicht täuschte, begann es wieder zu schlagen. 
"Caillean", flüsterte er nur kaum hörbar und es gab keine Worte, wie er sich fühlte, als er auf das vertraute Aufblitzen in ihren Augen wartete.
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:25 pm
Die Diskussionen über Elaines Verbleib und Karshs Verschwinden hatten sie alle Nerven gekostet, die Planungen über die kommende Schlacht hatten den Rest dafür getan, dass sie sich wünschen ließ, sie wäre an diesem Morgen gar nicht erst aufgestanden. Die Gespräche mit dem Fürsten drehten sich schon seit Tagen nur noch im Kreis und je näher der Tag der Geiselübergabe rückte, umso unruhiger wurde sie selbst. Coreen schien jeden ihrer Schritte, gerade nach ihrem Vorschlag, genauer zu überwachen als zuvor und hätte sie in jeder anderen Situation den Drachen verstanden, so zehrte es jetzt an ihren Nerven - letztlich war das der Grund, weshalb sie die Gespräche für den Vormittag beendet hatte, um zurück in ihre eigenen Zimmer zu gelangen und dann doch plötzlich inne zu halten.
Die Gestalt, die dort nur ein paar Meter von ihr entfernt stand und sich herum wandte, war ihr so vertraut, dass sie für den Moment vergaß zu atmen. Sie kannte die Stimme und die Art und Weise, wie sie ihren Namen aussprach, so leise, kaum mehr als ein Flüstern. Es trieb ihr die Tränen in die Augen und die Welt um sich herum für diesen einen einzigen Moment lang vergessen, als sie die Treppen hinauf hastete, beinahe ins Stolpern geratend. Die Wärme, die sie umfing als sie die Arme um ihn schlang, war dieselbe wie sie immer gewesen war und zwischen Weinen und Lachen wusste sie nicht einmal mehr, wohin mit den wirren Gefühlen, von denen sie nicht wusste, welches wirklich überwiegen sollte. Sie gab den Versuch auf es genauer definieren zu wollen, fragen zu wollen, wie es möglich sei oder ob sie schon wieder nur träumte und allein aufwachen würde. Es war für diesen einen einzigen Moment vollkommen gleichgültig.
"... du bist wieder da."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:37 pm
"Ich bin hier", gab Devastare nur zurück, weil er glaubte, sie müsse es direkt von ihm hören. "Ich bin hier ..." Sacht barg er ihren Hinterkopf in seiner Hand, fühlte ihren warmen Atem an seinem Hals. Es gab keine Worte, die ausdrücken konnte, was er fühlte, aber seine eisigen Finger zitterten und in seinem Hals steckte ein Kloß, der alle seine Worte dämpfte und heiser klingen ließ. Wie lange hatte er auf diesen Moment gewartet? Sie waren in all den Jahren kein einziges Mal so lange getrennt gewesen ... 
War es in Anbetracht der Umstände in Ordnung, ihre Beziehung so offen zur Schau zu stellen? Ganz sicher war sich Devastare da nicht, aber Caillean war diejenige, von der es ausgegangen war, also fragte er nicht nach. Warum sollte er den Moment zerstören? Diese paar Minuten, die ihnen blieben, ehe die Welt wieder Anforderungen stellen würde. Er würde früh genug kommen und es würde nicht unbedingt schön werden, denn der Ausblick in die Zukunft war düster. 
Eine schier unendliche Zeit standen sie so eng umschlungen, sogen auf, was der jeweils andere geben konnte - Trost, Wärme, Liebe, vielleicht auch ein wenig Hoffnung, doch dann löste Devastare sich so weit von Caillean, dass er ihr Gesicht umfassen und sie sanft küssen konnte. Glück rieselte wie goldene Sonnenstrahlen durch ein Blätterdacht durch ihn hindurch, bildeten eine Pfütze an Wohlgefühl in seinem Magen. 
"Meine Königin."
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Re: Kapitel 10

am Mo Feb 05, 2018 10:47 pm
All die endlos langen Nächte, in denen sie sich dutzende von Fragen gestellt hatte, eine düsterer als die andere, verschwanden einfach so im Nichts. Gerade so als hätten sie niemals existiert. Die Angst, die sie um ihn gehabt hatte und darum, was sein würde, wenn er wieder zurückkehrte und sich nicht mehr an sie erinnerte, waren plötzlich nicht mehr wichtig, denn er war hier und er hatte nichts von alledem vergessen. Sie wollte fragen, ob es ihm gut ging, denn sie kannte ihn gut genug um die Schonhaltung zu bemerken, die er eingenommen hatte, hatte zuvor das Humpeln bemerkt aber ihr Mund wollte ihrem Kopf nicht folgen.
Sie hatten Zeit. Zum ersten Mal seit Monaten hatten sie wirklich wieder ein wenig Zeit - ein wenig Luft um aufzuatmen und nichts in dieser Welt hatte sich jemals besser angefühlt, wie das Wissen, dass es jetzt nicht mehr so schlecht werden konnte, wie all die Zeit zuvor. Er war wieder bei ihr, real, nicht wie in all den Träumen zuvor. Sacht glitten ihre Finger über die weiche Haut, fahrig, als müssten sie sich allein davon überzeugen, dass er wirklich war. "Ich liebe dich", flüsterte sie, weil das alles war, was wichtig war. Viel zu selten. Viel zu selten hatte sie das gesagt, viel zu viel Versteckspiel und viel zu kurze Momente, die sie gehabt hatten bevor alles anderes geworden war. Bevor ihr klar geworden war, was sie sich selbst genommen hatten, weil das Vermissen und die Sehnsucht viel schlimmer als jeder körperliche Schmerz gewesen war.
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 5:26 pm
Foster hatte die große Halle durchqueren wollen, um noch einmal auszutreten, als er die Gestalt von Caillean aus dem Augenwinkel auf den Treppen erkannt hatte. Wie stets hatte sein Herz einen kleinen Hüpfer getan - einen Hüpfer, der sogleich ins Bodenlose fiel, als er die zweite Gestalt erkannte die sich im Saal aufhielt. Leise wie eine Maus hatte sich Foster an die Wand hinter eine der Stelen gepresst und es nicht gewagt auch nur zu atmen, während er leise und nur äußerst undeutlich die geflüsterten Liebesschwüre zwischen ihr und dem Mann vernehmen musste, der sie nicht nur alle im Stich gelassen - sondern sich allen Gerüchten nach in Miris sogar die Krone aufs Haupt gesetzt hatte. Ein tiefer, alles durchziehender Groll breitete sich in Foster aus, erreichte seinen Magen und klumpte ihn zu einem schweren, schmerzhaften Stein.
Er glaubte nicht genug Luft zum Atmen zu haben, während er sich hier hinter der Säule verbarg und mitanhören musste, wie Caillean - seine Schutzbefohlene und Königin; seine Caillean; einem anderen Mann ihre ewige Liebe gestand.
Foster schluckte und schmeckte einen eisernen Geschmack auf der Zunge - er hatte sich die Wange aufgebissen, doch das kümmerte ihn nicht. Er schüttelte den Kopf. Wie konnte das sein? Sie waren seit Tagen nicht ausgerückt, obwohl die Armee des Fürsten bereit stand. Sie hatten Elaine nicht ausgeliefert, wie es geplant gewesen war und der Fürst scharrte bereits mit den Hufen. Foster hatte nichts von seiner Mannschaft gehört, wusste kaum ob es ihnen und der Santa Anna gut ging, die Meilen entfernt am Strand aufgebockt war. Dieser Krieg hätte geführt werden sollen, damit sie das Schiff reparieren und mit diesem nach Havia segeln konnten. Aber so wie Caillean sprach, so wie sich Devastare gab... war all das geplant gewesen? Hatten sie nur auf ihn gewartet? Was sollte er tun? Als strahlender Held sie alle retten? Sie hatten einen Plan - Foster hatte immer einen Plan gehabt um sie alle am Leben zu halten, doch all seine Gedanken schienen unnütz zu sein, hier während Devastare wieder ins Licht trat. Zu gerne wäre Foster aus seinem Versteck gestürmt und hätte den Thronerben und Verräter zur Rede gestellt. Aber er blieb ruhig, sagte nichts und auch die Verliebten bemerkten ihn in ihrem Taumel aus Glück und Leidenschaft nicht.
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:32 pm
Devastare hatte die Schritte zwar vernommen, aber das hier schien ein sicheres Haus zu sein - er schob also alles, was auf einen Angriff deuten könnte so weit fort, wie er es wagte und besah sich eine Weile die tiefen Ringe, die unter Cailleans Augen zu finden waren. Sacht strich er mit dem Daumen darüber, wischte dabei ein paar Tränen fort und küsste sie auf die Stirn. 
"Rhiannon hat mich hergebracht ... sie wird auch Elaine zurück bringen. Zu Eoren, nicht zu Thealon." Er hatte sowohl zu der einen als auch zu den anderen beiden noch mehr zu sagen, doch hier mitten in der Eingangshalle wollte er das nicht tun. Er würde mit Elaine sprechen müssen und ein weiteres Mal mit Rhiannon. Sie war nicht gerade gesprächig gewesen auf dem Flug hierher, hatte irgendetwas von Kälte und Winterschlaf und Kutsche gemosert, doch wohlweislich hatte er sich alle Kommentare und Fragen dazu verkniffen. 
Nur allmählich drang die Erschöpfung zu ihm durch, die ihn in ihren Fängen hielt und nach all der Anspannung vollends durchkam. Elaine und Rhiannon würden warten müssen, entschied er. So benebelt und schmerzhaft sich sein Kopf anfühlte konnte er kein sinnvolles Gespräch führen und auch sein Körper begann langsam, sich zu melden. Die letzten drei Wochen hatte er in einem merkwürdigen Traum verbracht, einem, bei dem es ihm schwer fiel zu beurteilen, was Realität gewesen sein mochte und was Einbildung. Er würde all das erst einmal mit sich selbst ausmachen müssen, aber so viel wusste er: er war wie manisch gewesen, hatte gearbeitet, geplant und befohlen und konnte sich kaum an Schlaf erinnern, nur an den Drang, Thealon ein möglichst guter Sohn zu sein. 
Thealon ... sein Vater. All das war ein purer Alptraum gewesen und auf den langen Stunden des Rückflugs war ihm bewusst geworden, wie unsinnig diese Reise gewesen war, außer, um ihm selbst aufzuzeigen, dass ihn nichts mit Caria verband. Die Menschen hatte er kaum kennen gelernt und er glaubte Finnja, dass es gute Menschen waren, doch die Leute, mit denen er zu tun gehabt hatte, waren abgesehen von Finnja, Kira und Galahad allesamt nicht das, was er gewohnt war. Und selbst um Kira machte er sich Sorgen. Er konnte kein Land regieren, das er nicht kannte und Elaine hatte ganze Arbeit geleistet, als sie ihn fortgebracht hatte, denn für ihn gab es nur eine Heimat. 
"Wir holen uns Ekynes zurück, Lean", versprach er leise, seine Stirn an ihre gelehnt. "Bald. Sobald wir wieder die Kraft dazu haben."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:40 pm
"Nicht heute", stimmte sie ihm nur leise zu, die Schritte hinter sich selbst gänzlich ignorierend, weil es gerade nichts Wichtigeres gab, als den Menschen, den sie nach all den langen Monaten wieder vor sich stehen hatte und der sich endlich wieder an das erinnerte, was geschehen war. Keine langen Diskussionen darüber, was geschehen war - keine weiteren Erklärungen. Nur das kurze Fallenlassen bevor der Morgen graute und die Realität sie beide wieder zurückholen würde. Bevor sie ihm all die Dinge erzählen konnte, für die bislang nie Zeit gewesen war und von denen sie noch nicht einmal wusste, wie sie sie am besten in Worte fassen sollte. Der kommende Konflikt in Miris, der Fürst, bei dem sie untergekommen waren, die Seemänner und Elaines Zustand und ... Kopfschüttelnd schob Caillean den Gedanken wieder fort, verbarg ihn im Hinterkopf, weil trotz Monaten seit dem Erlebten der Gedanke gerade jetzt wieder weh zu tun drohte. Nicht jetzt. Nicht hier und nicht heute.
"Lass uns uns zurückziehen." Denn auch in seinem Gesicht konnte sie die Erschöpfung sehen, die Kälte spürend, die das Wetter und der Flug auf dem Rücken eines Drachen hinterlassen hatte und die sie selbst jetzt immer noch schaudern ließ. Noch einmal hob sie die Hand, schob ihre Finger zwischen seine und schloss die andere warme Hand darum. "Du brauchst Ruhe und ein paar Stunden Schlaf."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:41 pm
"Euer... Durchlaucht?" ein leises, zaghaftes Klopfen an der Tür der jungen Kronprinzessin störte ihre Konzentration und als der Diener sich sicher sein konnte, dass er die Aufmerksamkeit der jungen Prinzessin hatte kam er duckmäuserisch angekrochen. "Euer.. Durchlaucht vor einer halben Stunde kam ein Bote mit einem Brief aus Winterbroke. Er... es geht um euren Bruder, jener der sich König nennt und..." er zog den Kopf noch weiter ein. "Ich wollte den Brief zu euch bringen aber, nun... wie soll ich es euch erklären... einer der Gardisten hat den Boten abgepasst und.. nun... den Brief zu eurem Vater gebracht...."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:50 pm
Coreen saß auf dem Schreibtisch, der in dem Zimmer stand, in das Rhiannon Galahad getragen hatte und baumelte mit den Füßen gute zwanzig Zentimeter über dem Erdboden, den anderen neugierig musternd. Devastare war manchmal wie der berühmte Rattenfänger. Überall sammelte er Leute auf und nicht wenige blieben in seiner Nähe, folgten ihm sogar bis ans andere Ende des Kontinents. Na jedenfalls in absehbarer Zeit. 
Hier vor ihr lag schon wieder einer davon. 
"Na?", fragte sie grinsend, als Galahad gerade die Augen einen Spalt breit öffnete.
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Re: Kapitel 10

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