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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:53 pm
"Mein Kopf..." fluchte Galahad und drückte den Handballen auf eines seiner Augen, in der verzweifelten Hoffnung damit irgendetwas zu ändern. Doch es blieb genau das: eine verzweifelte Hoffnung.
"Wo bei allen Göttern bin ich?" hakte er nach und versuchte sich im Raum zu orientieren, ehe er Coreens schlanke Gestalt sah. "Ich kenne dich - du bist die Drachenlady, die meinen Herren begleitet und danach einige Wachen aus den Zellen getötet hat. Seine Majestät hat ein ordentliches Kopfgeld auf dich ausgesetzt aber...." er sah sich um. Keine Stäbe, keine Wachen, kein feuchter Boden.
"Was ist geschehen?"
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:55 pm
Zwei verfluchte Wochen war sie hier in dieser Burg sprichwörtlich eingesperrt gewesen, weil Devastare in seinem Anfall von plötzlicher, magisch angezauberter Vaterliebe alles dafür getan hatte, sie hier zu halten, statt sie nach Hause nach Winterbroke gehen zu lassen. Kriegsplanungen, Möglichkeiten diesen Zauber ohne unmittelbare magische Nachhilfe eines anderen Zauberers aufzuheben - Kira hatte sich mit sehr vielen Dingen beschäftigt, um ihre Zeit tot zu schlagen und trotzdem war sie damit nicht zufrieden gewesen. Sie hatte es gehasst, wenn ihr Vater sie in ihrem Zimmer eingesperrt hatte, um sie zu bestrafen und sie hasste es jetzt, dass ihr Gefängnis nun auf eine ganze Burg ausgeweitet worden war, in der sie zur Untätigkeit verdammt worden war. Ihr Bruder war verzaubert worden ... sie erinnerte sich an jedes einzelne Wort, das dort gesprochen wurde, all die Zutaten, die dafür benötigt worden waren, doch was immer sie auch selbst versucht hatte von all den Dingen, die sie in den Büchern gelesen hatte - es war einfach gar nichts passiert. Gerade so als würde ihre Magie einfach nicht existieren. Frustration und wütende Flüche schließlich hatten die Funken wieder über ihre Hände tanzen lassen und die Wut nur noch weiter verstärkt - was immer sie tat, sie kam nicht soweit, dass sie auch nur einen Funken davon selbst hätte nutzen können und das bedeutete im Umkehrschluss, dass sie ihrem Bruder nicht einmal helfen konnte.
Als jetzt einer der Diener die Tür öffnete und sie ansprach, hob Kira den Kopf und rollte in aller Sorgfältigkeit die Papiere auf dem Schreibtisch zusammen, bevor sie den Diener von oben nach unten musterte. "Und weshalb kam besagter Gardist auf den Gedanken, es könne sinnvoll sein meinem verletzten Vater ein Schreiben aus Winterbroke zu geben, statt es umgehend nach mich weiter zu leiten?", stellte sie die einzige Frage, eine Hand ausstreckend. Nachricht aus Winterbroke, die nicht von ihrem Bruder kam ... vielleicht hatte Eoren sich gemeldet, vielleicht hatte er sie nicht hier vergessen und wollte helfen. Vielleicht würde ihr jemand Bescheid geben, dass Devastare sich endlich wieder besonnen hatte. "Was ist das für eine Nachricht und von wem stammt sie?"
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 8:56 pm
"Na hier wird man meinen Kopf nicht wollen", gab sie schulterzuckend zurück. Kopfgeld. Sie hatte schon schlimmeres gehört. "Devastare wurde verzaubert, zu einem hörigen, willenlosen Sohn König Thealons, der nichts mehr will, als ihn glücklich zu sehen. Ist dir das nicht aufgefallen ...? Sei es drum. Rhiannon hat den Zauber aufgehoben und du wolltest nicht in Caria bleiben." Sie hüpfte von ihrem Platz herunter und lehnte sich zu Galahad. "Verständlicherweise", raunte sie ihm zu. "Also hast du darum gebeten, Devastare begleiten zu dürfen und die Wege unseres Gardisten führten schon immer zurück zu nur einer einzigen Person: Königin Caillean. Und die ist hier - in Miris. Sie hatten Befürchtungen, du würdest eine Reise auf dem Rücken eines Drachen nicht gut heißen und haben dich schlafen gelegt."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:00 pm
"Ich was? Rhiannon? Wie die Göttin des Krieges und des Feuers?" Galahad fasste sich an den Kopf, der noch immer leicht schwummrig war. "Und ich habe darum gebeten mitzukommen? Ich meine... abzuhauen? Wie... ich muss ordentlich eins auf den Kopf bekommen haben..." er schüttelte den Kopf und versuchte sich an irgendetwas von dem zu erinnern, was Coreen ihm da gerade auftischte. "Ich bin also... ein Verräter?"
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"Nun euer Durchlaucht, der Brief war an euren Vater adressiert und der Gardist sehr übereifrig was das anging... das bedeutet aber auch, dass ich nicht weiß was in dem Brief stand. Ich habe nur durch zufall davon erfahren, als ich den Boten bei den Stallungen traf. Auch er war nur übermittler der Nachricht und kannte ihren Inhalt nicht... es scheint, als sei euer Vater aktuell der einzige.. der... nun die Nachricht hat. Hehe..."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:03 pm
"Du bist jemand, der das Herz am richtigen Fleck hat und sein Leben nutzen möchte, um etwas zu verändern. Um der Ritter zu sein, der du sein solltest, wenn du etwas auf diesen Rang hältst. Manchmal kommt das einher mit der Tatsache, dass man die Segel neu setzen muss - oder eben sich von einer Göttin in ein anderes Land bringen lässt. Jedenfalls warst du wichtig genug, als dass Devastare diese Bitte überhaupt an sie herangetragen hat."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:07 pm
Kira verengte die Augen und ersparte sich kurzerhand die Antwort, bevor sie die Finger der bereits ausgestreckten Hand noch einmal öffnete, die sie beinahe zu Fäusten geballt hatte. "Die Nachricht", erinnerte sie den stammelnden Diener noch einmal. "Jetzt", wiederholte sie als der andere sich nicht regte. "Schick mir danach diesen Gardisten her und teile ihm mit, dass ich ihn sofort hier erwarte."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:11 pm
"Sprach der Drache zu dem Ritter," fluchte Galahad und richtete sich auf. "Weißt du, mein Urgroßvater soll eins ausgeritten sein, um eine Junger vor einem Drachen zu retten..." er betrachtete Coreen von oben bis unten. "Und hier steht eine Jungfer vor mir, die zu gleich ein Drache ist. Die Welt war früher wahrlich einfacher..." erklärte er, wenngleich auch ein leidenschaftliches und ehrliches Lächeln auf seine Züge trat. "Nun, wenn meine Göttin mir einen neuen Pfad zuweist, wer bin ich diesen anzuzweifeln?" hakte er leise und schulterzuckend nach.
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Der Diener nickte stumm, wandte sich auf dem Absatz um und rannte fort. Einige Minuten lang blieb es still im Gang, ehe erneut Schritte im Flur laut wurden, die diesmal von einem Klacken begleitet wurden. Die Tür wurde aufgestoßen und Thealon betrat den Raum. Er hatte sich auf eine Krücke gestützt, ging noch immer zittrig und sein Gesicht war blass, die Augenringe tief, die Gestalt noch ein wenig gebeugt. In der anderen Hand hielt der König einen Brief zwischen zwei Fingern in die Höhe. "Habe... gehört du wolltest das hier... haben."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:13 pm
"Jungfer ...?!" Coreen konnte sich vor Lachen kaum aufrecht halten. Oft schon hatte man sie um ihre Hand gefragt, doch sie hatte immer abgelehnt - vermutlich färbte Rhiannon und ihre Freiheitsliebe da ab. Aber sie hatte ihr bisheriges Leben genossen. "Junge ... für wie alt hältst du mich?"
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:15 pm
"Und du solltest in deinem Bett sein", lautete Kiras einzige Antwort, bevor sie sich doch dazu genötigt fühlte, sich von ihrem Platz aufzurichten und zu ihrem Vater hinüber zu kommen, einen Arm bereits um ihn gelegt, um es ihm zu erleichtern die paar wenigen Schritte bis rüber zu der nächsten Sitzgelegenheit zu kommen, weil sie fürchtete, dass sie ihn so nicht mehr so einfach wieder zurück in den Krankenflügel bringen konnte, wie er es brauchte. "Was machst du hier, Vater? Warum bist du auf?", fragte sie, konnte sich die Antwort aber bereits denken, weil er doch nicht aus seiner Haut konnte und die Wochen seiner Genesung nur bedingt zuträglich gewesen waren. Es war schwer gewesen alle möglichen Nachrichten vor ihm geheim zu halten, ihm zu versichern, es wäre alles in Ordnung und Devastare wäre nicht vollkommen durchgedreht aber hier stand er nun und hatte die Nachricht, die ein übereifriger Gardist an ihn weitergegeben hatte.
"Die Heiler haben noch nicht gesagt, dass du in der Lage bist aufzustehen."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:18 pm
"Zwanzig?" hakte Galahad nach und betrachtete die andere von oben bis unten. "Mitte zwanzig vielleicht, aber auch das wäre keine Schande..." er winkte ab. Worüber unterhielt er sich da gerade mit einer Dame? Er räusperte sich verhalten und schwang sich schließlich aus dem Bett, ehe er sich streckte und die Knochen knacken ließ. Die Zellen waren eng gewesen, kein Platz zum Ausstrecken und dergleichen. "Und Devastare ist wieder der alte?" hakte er nach um aus der zuvor aufgekommenen, unangenehmen Situation zu befreien.
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"Was wissen so ein paar Wurzelgnome schon von der Genesung eines Kriegers?" hakte Thealon nach und hustete. "Verflucht..." er wischte das Blut auf seinem Handrücken an einem der Möbelstücke ab und betrachtete danach eingehend mit wachen Augen Kiras Zimmer. Überall waren Papierrollen, Lagepläne und dergleichen verstreut. "Hast du denn niemanden der hier aufräumt?" hakte er nach und ließ dann jedoch seinen Blick zurück auf den Brief wandern. "Woher der kommt weißt du ja bereits," erklärte er, während er langsam wieder zu Atem kam.
"Dein Bruder hat uns verraten und ist geflohen."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:21 pm
"Hundertvierundfünfzig, Galahad", gab sie schonungslos zur Antwort, weil sie ihn nicht ganz so entkommen lassen konnte. Ja, das Alter war immer ein Thema gewesen, besonders nun mit Gawain ... kopfschüttelnd schob sie alles, was damit zusammenhing tief in ihren Kopf zurück und besah sich den Ritter. Er schien ehrlich besorgt und interessiert wegen Devastare. "Er ist der Alte. Der Mann, der keine Krone will und lieber stundenlang hinter meiner Königin steht und auf sie acht gibt."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:22 pm
"Ich brauche niemanden, der sich darum kümmert und von dem ich nicht weiß, ob ich darauf vertrauen kann, dass die Planungen für die kommende Schlacht nicht in die falschen Hände geraten. Ich bin vorsichtig geworden", erklärte Kira lediglich mit einem Schulterzucken und verbarg in dieser Geste ihr erleichtertes Aufatmen. Devastare war also wieder der Alte. Das war gut - das bedeutete, dass er endlich wieder zu den Menschen zurückgekehrt war, zu denen er auch gehörte und dass er sich selbst nicht mehr ständig aufs Neue verstellen musste, um es jemandem recht machen zu wollen, den er nicht kannte und mit dem er auch nicht zurecht kam. Sie erinnerte sich daran, wie er von seinem alten Leben erzählt hatte und wie viel Wehmut da in seinem Gesicht gewesen war und im Stillen wünschte sie ihm, dass er dort glücklicher werden würde als hier in Caria.
"Ich lasse alles vorbereiten und breche dann nach Winterbroke auf. Eoren war schon viel zu lang allein und du kannst hier in Ruhe genesen, wenn der ganze Trubel dich nicht ständig umgibt. Außerdem wartet das Heer auf Befehle."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:28 pm
"Das ist gut..." erklärte Galahad und ein sanftes Lächeln schmiegte sich um seine Züge. "Es ist gut, dass er wieder bei den Leuten ist, die ihm etwas bedeuten aber..." er verzog dann jedoch das Gesicht als ihm etwas ganz anderes in den Sinn kam. "Aber wenn mein Herr... also wenn Devastare wieder als Gardist eingesetzt werden kann dann... was ist dann meine Aufgabe? Ich meine ich kann ja kaum den Beschützer beschützen. Das wäre doch sehr albern...." er schüttelte den Kopf, ehe ihm etwas ganz anderes einfiel. "Adair - der arme Adair... er war als Vormund eingesetzt. Der König wird ihm das niemals verzeihen.."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:30 pm
"Wir können nicht alle beschützen, Galahad", mahnte Coreen nur leise. "Er hat Freunde, nehme ich an. Vielleicht können die ihm helfen. Für den Moment sei dankbar, dass du nicht um deinen Kopf bangen musst. Wir finden schon einen Platz für dich."
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:32 pm
"Wenn Rhiannon mich hierher gebracht hat, wird sie sich etwas dabei gedacht haben, da bin ich mir sicher!" erklärte Galahad im Brustton der Überzeugung und nickte eifrig, wie um sich seine eigenen Worte zu bestätigen. "Aber du hast mir noch immer nicht gesagt wo wir sind!"
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"Du hast dich ja sehr schnell in meine Fußstapfen begeben," sinnierte Thealon und betrachtete Kira von oben bis unten. "Und ebenso wenig scheint es dich zu stören, dass dein Bruder unsere Familie verraten hat. Ganz zu schweigen von den anderen Gerüchten die mir zu Ohren gekommen sind. Ekynes soll deine Mutter haben, so munkelt man - und sie nur zurück geben wenn wir Devastare ausliefern. Und..." er unterdrückte einen Hustenanfall, "und den haben wir auch nicht mehr! Das ist eine vollkommene Katastrophe..." er schüttelte den Kopf, umfasste seinen Stock fester, beinahe so als wollte er ihn wie ein Streichholz zerbrechen.
"Wie lautet also der Plan?" er betrachtete seine Tochter eine kurze Zeit, ehe er hinten ansetzte: "Unser Plan?"
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:34 pm
"In Miris", wiederholte Coreen überrascht, dass ihm das entgangen war. Hatte er mehr abbekommen oder waren es nur zu viele Informationen gewesen?
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:37 pm
"Eine Katastrophe wäre es nur, wenn wir jetzt die Schlacht in Sirean verlieren und die habe ich nicht vor zu verlieren. Ich begleite die Männer in die Schlacht", antwortete Kira lediglich, obwohl sie selbst noch nie zuvor in einer Schlacht gewesen war. Sie hatte es entschieden, als sie über den Planungen gewesen war und in Erfahrung gebracht hatte, dass sowohl ihr Vater in größeren Kriegen gekämpft hatte, wie auch dass ihr Bruder vorgehabt hatte, die Männer zu begleiten - sie würde ihnen nicht nachstehen, so gefährlich das auch sein mochte. "Was Ekynes anbelangt, so haben wir bereits einige Einigung getroffen. Mutter kehrt zu uns zurück." Zumindest war das der Plan gewesen und sie hoffte darauf, dass Eoren ihr in Winterbroke mehr erzählen konnte, bevor sie mit Hoffnungen und Wünschen vor ihren Vater treten musste, von denen nichts eingetreten war.
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:42 pm
"Achja, du hattest da sowas erwähnt..." erwiderte Galahad und schüttelte den Kopf, dass ihm das entgangen sein konnte. Miris... "Schöne Scheiße..."
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"Scheint ja viel passiert zu sein während ich... unpässlich war..." antwortete Thealon skeptisch und schüttelte den Kopf. "Ekynes hat bereits alles was es will. Es würde mich wundern, wenn sie uns deine Mutter dennoch wiedergeben. Stelle dich darauf ein, dass wir sie gewaltsam aus den Klauen unserer Feinde reißen müssen...." er schloss für einen kurzen Moment die Augen. "Du begleitest also die Männer?" hakte er leise nach, ehe er seine Tochter aufmerksam musterte. "Die Schlacht wird alles von dir verlangen Kira. Du darfst sie auf keinen Fall unterschätzen, hörst du? Egal was du tust - riskiere nicht dein Leben. Die Männer um dich herum mögen fallen, das ist ihre Bestimmung. Aber nicht deine - wenn du fällst, dann fällt ein Symbol und ich verliere nicht nur den Krieg, sondern auch meine Tochter. Meine Erbin..." nahm tief und rasselnd Luft. "Lass sich andere für dich Opfern - denn solange du am Leben bist sind die Männer motiviert. Verstehst du das?"
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:46 pm
Kira nickte langsam, auch wenn sie nicht der Meinung war, dass sie blindlings und nur aus reinem politischen Kalkül gute Männer und Frauen in einer Eroberungsschlacht opfern musste, nur um ihr Ziel zu erreichen. Es gab andere Wege, dutzende von Geschichten großer Feldherren, die sie studiert hatte und in denen die Opfer gering gewesen waren, Symbol hin oder her, aber auch darüber würde sie mit ihrem Vater jetzt keine Debatte führen. Stattdessen beugte sie sich nur zu ihm runter und küsste ihn sacht auf die Stirn. "Du musst dich ausruhen. Ich bring dich zurück in dein Bett aber du musst schlafen." Ekynes würde ihre Mutter nicht bei sich behalten, vor allem nicht jetzt, wo ihr Bruder wieder bei ihnen war - er wusste, wie wichtig vor allem ihr Elaines Anwesenheit in Caria war und sie wusste zumindest von ihm, dass er aufrecht genug war, um sie nicht einfach an der Nase herum zu führen.
"Ich bekomme das schon hin, Vater." Zumindest hoffte sie inständig darauf, bevor er in Wochen oder Monaten zurückkehrte und sein Reich in einem Scherbenhaufen wiederfand.
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Re: Kapitel 10

am Di Feb 06, 2018 9:51 pm
"Ich weiß," erwiderte Thealon sacht und schenkte seiner Tochter ein knappes Lächeln, ehe er sich von ihr aufhelfen ließ. Seine Lunge brannte und seine Beine fühlten sich noch immer viel zu schwach für jeden weiteren Schritt an, aber er war ein König und als König würde er keinerlei Schwäche zeigen. Der Schein war oftmals wichtiger als der Mann dahinter. Eine bittere Lektion, die er mehr als einmal hatte lernen müssen. Sein Vater und ein blutiger Rohrstock hatten sie ihm mit beeindruckender und beängstigender Präsenz beigebracht.
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Re: Kapitel 10

am Mi Feb 07, 2018 8:36 pm
Das Zimmer war groß und lichtdurchflutet. Miris war kein sonderlich bewaldetes Gebiet, jedenfalls nicht hier, wo sie sich aufhielten, ziemlich nahe der Küste. Ein sanfter Strich golden kündete von dem vergangenen Tag, darüber legte sich eine samtweiche Decke aus tiefstem Blau und Devastare nahm sich den Moment Zeit, um ans Fenster hin zu treten und hinaus zu sehen. Die gepflegten Gärten lagen friedlich da, irgendwo im Haus hörte er es rumoren und dann vereinzelt ein paar Stimmen. Sie waren nicht abgehetzt und hart, sondern einfach nur geschäftig und entspannt. 
Selbst dieses Herrenhaus in Miris, das so fern der wahren Heimat war, nach der sie sich alle sehnten, brachte ihn halbwegs zur Ruhe. Es gab unglaublich viele Fragen, die noch beantwortet werden wollten, doch keine davon stellte er. Elaine, Kira, Caria, die Magie, die Prophezeiung ... Dafür war morgen Zeit, wenn die Helligkeit all die Besonnenheit vertrieb und damit das Gefühl, endlich wieder Frieden finden zu können. 
Sein Kopf wollte zwar nicht klein beigeben, aber er wusste, dass Magie sich nicht so einfach abschütteln ließ und gar nicht eine, die nicht dafür gedacht war, Zauber aufzuheben. Er würde noch eine Weile daran knabbern, aber er nahm es gerne in Kauf, wenn er dafür nur wieder wie er selbst fühlte, er selbst war. Fast prüfend sah er hinunter auf seine Hände, dann hin zu Caillean. Ja, vieles hatte Zeit bis zum nächsten Morgen, aber diese eine Sache nicht. 
Sein Knie machte zumindest mit, als er sich darauf sinken ließ und den Kopf senkte, die rechte Hand zur Faust geballt an die linke Schulter gelegt. "Ich bitte darum, wieder an Eurer Seite stehen zu dürfen - als Gardist. Als ..." mit einem schiefen Lächeln, unsichtbar für Caillean, weil sein Haar sein Gesicht verbarg. "Ekynes ist meine Heimat, wenn auch nicht mein Geburtsort und damit gibt es auch nur eine Königin, der ich dienen werde."
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Re: Kapitel 10

am Mi Feb 07, 2018 8:51 pm
Überrascht hatte sie eine ganze Weile gebraucht, um zu begreifen, was er da gerade tun wollte - noch viel langsamer war ihr Körper gewesen, als ihr Geist längst den Versuch hatte starten wollen ihn aufzuhalten. So stand sie jetzt nur - einen halben Schritt nach vorn getreten und brachte erst eine schiere Ewigkeit später ein weiches Lächeln auf ihre Züge. Es gab so viele Dinge, die sie ihm sagen wollte - Dinge, die sie ihm anbieten wollte und trotzdem blieben ihre Lippen einstweilen versiegelt. Sie würden Zeit für all das haben, wenn es erst wieder einen Ort gab, den sie als ihr Zuhause bezeichnen konnten. Morys hatte all das hier erst ins Rollen gebracht, hatte sie alle aus ihrer Heimat vertrieben und den Ort, an dem sie aufgewachsen waren, in ein trostloses, eisiges Land verwandelt und mit jeder weiteren Entscheidung kam es ihr so vor, als würde sie sich viel weiter von dem entfernen, was sie eigentlich gewollt hatte. Monate auf See hatten sie verändert, viele Dinge gelehrt, die sie zuvor weit von sich fortgeschoben hatte und vor allem hatte es sie gelehrt, dass nicht für alles ewig Zeit sein würde. Dass dieses Leben zu kurzfristig war, um sich stets und ständig erst an das Morgen zu halten, weil es vielleicht kein Morgen mehr geben würde.
Langsam setzte sie den letzten Schritt nach vorn und streckte die Hände aus, nach seiner geballten Faust greifend und die Finger darum schließend. "Du weißt, dass dort immer ein Platz für dich sein wird", sagte sie und zog ihn behutsam wieder hoch. Sie waren nicht in Ekynes, sie standen nicht in einem Thronsaal und wann sie wieder eine Krone tragen würde, stand in den Sternen. "Es gibt nichts, worum du bitten müsstest, Devastare. Sei, was immer du sein willst."
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Re: Kapitel 10

am Mi Feb 07, 2018 8:57 pm
Nicht so stürmisch wie zuvor streckte er die Finger nach einer ihrer Haarsträhnen aus und wickelte sie darum. Sie waren nicht zusammengebunden, keine komplizierten Flechtungen, die sich quer über ihren Kopf legten und sie sah freier aus. Nicht befreit von all der Last, die sie mit sich herumschleppten, aber auf eine merkwürdige Weise auch freier, als sie es jemals im Schloss gewesen war. 
Er hätte gerne gesagt, dass er niemals hätte gehen sollen, doch die Worte kamen nicht über seine Lippen. Über vergossene Milch zu weinen machte keinen Sinn. Wichtiger war, dass sie beide hier waren und das halbwegs unversehrt. Sie würden einen Weg finden, welchen auch immer, aber diesmal würde er Seite an Seite zum Ziel führen. 
"Ich würde eine wilde, hemmungslose Nacht vorschlagen, aber ... irgendetwas sagt mir, dass das nicht das ist, was wir brauchen", flüsterte er und küsste sie auf die Stirn.
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Re: Kapitel 10

am Mi Feb 07, 2018 9:04 pm
Da war noch immer diese eine Sache, die mit dieser Erwähnung umso mehr brannte und die sie einfach nicht aussprechen konnte und trotzdem schob sie es wieder nach hinten. Er war ein paar Stunden hier, sie brauchten Ruhe und ein wenig gemeinsame Zeit, die in all den Monaten nicht möglich gewesen war. Die Zeit der Ungewissheit hatte sie beide belastet, ob nun durch einen Zauber den Geist verdreht oder nicht und letztlich war es genau dieses Bedürfnis nach ein wenig ungestörter Zeit und nach etwas, das nur ihnen gehören würde, der Grund, der sie jetzt dazu brachte leise über die Erwähnung zu lachen. "Du siehst auch nicht unbedingt danach aus, als würdest du das überstehen", neckte sie ihn sacht, zog ihn dann aber trotzdem wieder zu sich rüber.
"Ich hab dich vermisst."
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Re: Kapitel 10

am Mi Feb 07, 2018 9:08 pm
"Ich bin froh, dass du am Leben bist", gab Devastare leise zurück, hielt aber noch einmal inne, um die Stiefel von seinen Füßen zu streifen, ehe er die Schnürung an seinem Hemd löste. Er hatte die Hoffnung, hier ein anderes Oberteil zu finden - eines, das nicht die Insignien des Königshauses von Caria trug. Er starrte es in seinen Fingern an, dann warf er es - mehr aus dem Reflex heraus - in die Flammen im Kamin. Er gehörte nicht dorthin und er würde allen Titeln und Rängen entsagen, wenn es nur bedeutete, dass er weiterhin an Cailleans Seite sein konnte.
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Re: Kapitel 10

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