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Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:02 pm
Unwillig hatte Caillean gebrummelt, als viel zu früh am Morgen die Wärmequelle neben ihr verschwunden war und nichts weiter außer leere Kissen hinterlassen hatte, aber sie war zu müde gewesen, um sich ebenfalls aufzusetzen und den Tag zu beginnen. Als sich jetzt wenig später die Matratze wieder senkte, zwang sie sich erneut dazu zu blinzeln und die Hand wegschob, die sich ihr näherte und von der eisige Kälte ausging. Kälte, die sie viel schneller wach werden ließ, als sie eigentlich geplant hatte und die sie gleichzeitig dazu brachte nach der Decke zu greifen, um sie über die Schultern zu ziehen. "... geh weg ... du bist kalt ... ", murrte sie leise, die Augen noch nicht ganz geöffnet und gar nicht wissen wollend, dass sie sich langsam bewegen musste. Die Nacht war angenehm gewesen, keine Alpträume, keine Gedanken - nichts weiter außer ein paar Stunden ruhigen, traumlosen Schlaf, der dabei geholfen hatte ein paar der aufgebrauchten Reserven wieder zu füllen.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:05 pm
"Guten Morgen", gab Devastare belustigt zurück und beugte sich über Caillean, bis er sich auf Höhe ihrer Schultern auf beiden Seiten von ihr abstützen konnte und sie direkt unter sich wiederfand. Eine Weile musterte er sie, wartete darauf, bis es ihr zu bunt wurde. Sie konnte die Augen einfach nicht geschlossen halten, wenn sie wach war - und auch jetzt musste er nichts tun, nur abwarten mit diesem dämlichen Grinsen im Gesicht.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:10 pm
"... warum bist du schon wach ...?", murrte Caillean leise, weil sie nicht einmal die Augen öffnen musste, um sich lebhaft das Gesicht vorstellen zu können, das nur ein wenig von ihrem eigenen entfernt war und das für die viel zu frühe Uhrzeit schon viel zu wach war. Ausschlafen ... nur einen einzigen Tag lang nicht von irgendjemandem aus dem Bett gerissen zu werden, der verdammt noch einmal eisige Hände hatte und sie damit jedes Mal beinahe zu Tode erschreckte. Missmutig schob sie ihre Decke halb unter sich hervor und zog ihn dann kurzerhand wieder neben sich, bevor sie sich doch dazu entschied vorsichtig zu blinzeln.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:12 pm
"Eigentlich war das nicht geplant", begann er zu erklären und seufzte leise, während er über der Decke liegen blieb, einen Arm um Caillean geschlungen und den Kopf an ihren lehnend. "Ich wollte mich nur erleichtern - und dann ... bin ich Foster in die Arme gelaufen. Betrunken. Er - nicht ich."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:18 pm
"Oh nein ..." und damit war die Müdigkeit endgültig verschwunden.
Sie hatte damit gerechnet, dass das eines Tages eskalieren würde - dass Foster jede Ablehnung nicht verstanden hatte, die sie ihm entweder durch die Blume oder direkt nicht begriffen hatte und sich jetzt an Devastare störte. Langsam richtete sie sich auf, stützte sich halb auf einen Arm und musterte sein Gesicht, um sicher zu gehen, dass sich dort keine Hinterlassenschaft von Fosters Gedankenlosigkeit fand - leider fand sie genau das und behutsam berührte sie die geschwollene Stelle in seinem Gesicht mit den Fingerspitzen. "Ich kann es mir schon denken ...", seufzte sie leise mit einem entschuldigenden Lächeln. Das war ihre Schuld und sie würde später mit ihm sprechen müssen - ein allerletztes Mal ihm klar machen, dass sie sehr gut auf sich selbst aufpassen konnte und keinen tollwütigen Hund brauchte, der nach jedem schnappte, der ihr auch nur auf fünf Meter zu nahe kam. Dass er gern als Freund bleiben konnte, aber dort definitiv niemals mehr sein würde. "Entschuldige ... das ist meinetwegen ... er hat sich da etwas in den Kopf gesetzt ..."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:21 pm
"Das habe ich bemerkt", kam es lakonisch zurück und Devastare küsste Cailleans Handfläche, ehe er den Kopf schüttelte. "Bevor du aufspringst ... er ist die Brüstung runtergefallen, nachdem er mich mehr oder weniger als Strohpuppe verwendet hat. Gefallen, wohlgemerkt, ich stand drei Meter weit weg. Er hat sich nicht viel getan, ich fürchte, sein Stolz und sein Mittelfinger sind etwas angeknackst."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:25 pm
"Wenn ich mit ihm fertig bin, wird da weit mehr angeknackst sein als sein Stolz und sein Mittelfinger", grollte Caillean unbegeistert und verzog das Gesicht. "Was hat er dir um die Ohren gefeuert?", hakte sie nach und noch bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte, schob sie gleich noch etwas anderes nach. "Komm übrigens ja nicht auf den Gedanken mir etwas verheimlichen zu wollen. Er würde dir nämlich auch alles andere in die Schuhe schieben, um dich los zu werden."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 3:30 pm
"Caillean, beruhige dich", gab Devastare mit einem leisen Lachen zurück und hielt ihr den Zeigefinger auf die Lippen, um sie zum Verstummen zu bringen. "Es war nicht so ein großes Drama, wie du glaubst. Foster ... liebt dich. Und ich fürchte, zum Teil ist das auch dem Eid geschuldet, den ich ihm abgenommen habe. Er war sehr schwammig formuliert, aber ich wusste, dass er dich beschützen würde, so gut er nur konnte. Er will nur, dass es dir gut geht und ist dabei etwas übereifrig und misstrauisch mir gegenüber. Er glaubt, ich würde all das hier tun, um Ekynes an mich zu reißen und schlussendlich unter Caria zu einen." Das jedenfalls war die Kurzfassung. Die groben Worte, Schläge und Verdächtigungen musste er hier nicht wiederholen. Einerseits, weil Caillean dann wohl sofort aufspringen und ihn zur Schnecke machen würde und andererseits, weil er nicht zugeben wollte, dass es ihn traf, wie er gesehen wurde. Natürlich war Foster nicht der Nabel der Welt, aber viel Auswahl gab es hier nicht an Menschen und es war mit das erste, was er gehört hatte.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:09 pm
Foster fluchte und schnaubte, als Cair den Finger ohne viel Mitleid mit der eigenen Hand umgriff und in einem kräftigen, bestimmten Ruck nach vorne zog, damit sich beiden Knochenteile wieder aneinnder lagen. Der Kapitän schnappte nach Luft, kämpfte mit den aufsteigenden Tränen und dem Schmerz, der seine Sinne für einen kurzen Moment vernebelte, ehe er langsam ausatmete und dem Freund dabei zusah, wie dieser den Finger schiente, mit Mullbinden umwickelte und schließlich still legte. "Du hättest ihm das Messer reinrammen sollen..." murmelte Foster noch immer unter Restalkohol. "Er hat mich von der Brüstung gestoßen... wollte mich umbringen!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:18 pm
"Nichts dergleichen ist passiert, Foster!", fuhr Cair - sonst ruhig und beherrscht - seinen Kapitän an und packte ihn grob an den Schultern. "Ich habe gesehen, was geschehen ist und du warst mindestens drei, vier Meter von ihm entfernt! Dass du gefallen bist, ist deiner eigenen Besoffenheit zuzuschreiben!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:24 pm
"Was? Nein! Ich bin nicht... gefallen..." murrte Foster und schüttelte ungläubig den Kopf. "Das wäre ja wohl sehr... nein! Er hat mich angegriffen, ich war voller Blut und... verflucht mir tut alles weh! Aber siehst du! Er hat... er hat was vor. Er spielt nur so lieb Kind!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:27 pm
Diesmal war es mit dem harten Packen nicht getan. Cair biss die Zähne zusammen und verpasste dem anderen einen Kinnhaken, dass er selbst die Zähne aufeinanderschlagen hörte. "Du bist betrunken, hast Wahnvorstellungen und spinnst dir Zeug zusammen! Hör auf damit oder ich lasse dich in der Kapitänskajüte einsperren, bis du wieder klar denken kannst! Was bei den Göttern ist es, was du willst, außer deiner hoffnungslosen Liebe hinterher rennen?! Sei nicht blind und mach dich und alle anderen nicht unglücklich, Foster. Sie mag dich, aber sie liebt dich nicht und nur, damit du besser dastehst, zu lügen über das, was geschehen ist, bringt nur dich in Verruf, nicht Devastare!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:31 pm
"Nicht wahr..." erwiderte Foster nur und griff sich an den Schädel. Irgendetwas darin pochte - ein unangenehmer, pulsierender Schmerz der sich durch seine Gehirnwindung zu fräsen schien. "Verflucht Cair, was soll ich nur tun?" er blickte den anderen unschlüssig an. "Ich.. ich kann nicht anders. In mir da ist dieser unverhohlene, stetig weiter anschwellende... es ist kein Hass. Es ist Wut und Misstrauen und..." er schüttelte den Kopf. "Was soll ich nur tun?"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:33 pm
"Erklär es. Und dann finde eine Lösung oder kehre den beiden den Rücken zu, bevor du etwas zerstörst, was nicht das deine war."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:34 pm
"Und wohin soll ich gehen Cair? WIR gehen? Die Santa Maria steht immer noch am Stand. Ich würde die ganze Mannschaft entweder im Stich lassen oder wir würden bis auf alle ewigkeit dort festsitzen!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:34 pm
"Wir haben bisher immer eine Lösung gefunden. Was ist denn nur los mit dir? Scheinbar bist du nicht nur eifersüchtig, sondern auch noch völlig unkreativ geworden!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:36 pm
"Ach?" hakte Foster nach und schüttelte den Kopf. Er hatte keine Energie mehr für einen weiteren Streit. "Ich werde nicht davon laufen Cair. Ich habe geschworen, dass ich meine Königin beschützen werde und das werde ich tun. Koste es was es wolle. Wenn ich mich umdrehe und fortgehe... weit fort von allem dann... dann..." er blinzelte. "Es.. ich meine ich könnte es nicht. Könnte nicht... niemals."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:37 pm
Das war ja ein herrlicher Schlamassel ... Cair beließ es für den Moment dabei und stand auf, den anderen hier sitzen lassend. "Schlaf deinen Rausch aus, Captain - und später reden wir darüber. Im Moment bist du völlig von der Rolle."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:38 pm
"Das höre ich in den letzten Wochen dauernd von dir. Seitdem wir vom Schiff sind um genau zu sein!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:40 pm
"Weil du es bist, Foster. Soll ich auch noch anfangen mit den Lügengeschichten? Einer muss bei der ganzen Sache ja einen kühlen Kopf bewahren und ich werde mich nicht von dir benutzen lassen, Kapitän hin oder her. Ich habe dir Treue geschworen und ich stehe dazu, aber das bedeutet nicht, dass du alles an mir auslassen kannst. Ich höre dir zu, wenn du nüchtern bist und ich suche gerne mit dir nach einer Lösung - aber nicht so."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:42 pm
"Fick dich Cair... als ob so ein Rausch mich irgendwie verändert. Ich hab schon gesoffen, da hast du noch aus der Milchkanne getrunken!" erwiderte Foster, begab sich aber auf sein Bett und schwang die Decke über sich. "ABer wenn es dir so viel bedeutet, dann mach ich eben ne Runde die Augen zu! Aber weil ich es will, nicht weil du es mir empfiehlst!"
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:43 pm
Der Drang, den Kopf gegen den Türrahmen zu schlagen, wurde fast übermächtig und nur, weil er die Tür zuknallen konnte - so laut, dass es den ganzen Gang entlang schepperte - vermied er es, sich selbst zu verletzen. Foster konnte so ein Kleinkind sein! Trotzanfälle schlimmer als jeder zweijährige Knilch!
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:47 pm
Foster fluchte noch leise während ihm das Dröhnen der Tür in den Ohren weh tat. Verfluchter Cair. Verfluchte Devastare und verfluchte Königin. Er spürte zwar irgendwo tief in sich, dass all diese Gedanken - all das Handeln - nicht er war, aber er wollte sich das nicht eingestehen. Nicht darüber nachdenken und die Schmerzen und der Alkohol entführten ihn schließlich in das Land der Träume.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 5:59 pm
Thealons Griff um das Geländer wurde mit jedem Schritt fester, während er die langen Stufen der Eingangshalle in Winterbroke hoch marschierte und dabei gänzlich auf einen Stock oder ein ähnliches Zeichen der Schwäche verzichtete. Er wäre von zu vielen Leuten gesehen worden und der König gestand sich selbst vor den Augen seiner Untertanen und Bediensteten keinerlei Schwächen zu. Jeder Schritt tat weh, jeder Atemzug brannte in seinen Lungen während er die Treppe erklomm, an deren oberen Ende Kira auf ihn wartete. Er würde sich wieder ausruhen müssen wenn das hier vorbei war. Zu Atem kommen, sich bewusst werden wie viel er noch tun musste bis er seine alte Form zurück erlang hatte. Der feige Attentäter hatte ihm mehr zugesetzt als er zugeben wollte.
Aber es war wichtig, dass er wieder in Winterbroke war. Er musste seinem Land zeigen, dass es ihn nicht aufgehalten hatte. Und er musste einen Weg finden, wie er Elaine zurück bekam falls sich Kira doch irrte.
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:17 pm
"Das ist doch vollkommener Unsinn", erwiderte Caillean auf das, was sie da gerade eben aus Devastares Mund kommen hörte und von dem sie bereits ahnte, dass es nur ein Bruchteil von alledem war, was Foster ihm wirklich um die Ohren gefeuert hatte - leider klang der ewaige Wortlaut genau nach dem, was Foster so von sich geben würde, wenn er sich selbst zwischen Ärger und Alkohol verlor. Es würde ein Drama werden und sie fürchtete sich vor dem Moment, an dem sie nicht mehr verhindern konnte, dass die beiden nicht nur allein mit Fäusten aufeinander losgehen würden und Foster die Nase endgültig voll von Devastare hatte. Sacht strich sie noch einmal über die geschwollenen Stellen in seinem Gesicht, bevor sie die Hand wieder zurückzog, um ihm nicht versehentlich noch mehr weh zu tun. "Was hältst du davon, wenn wir einstweilen hier bleiben? Du bist eiskalt, Foster ist betrunken und schläft hoffentlich unter Cairs Aufsicht seinen Rausch aus und niemand kommt hier rein, ohne zu klopfen", schlug sie vor, um sie beide von dem Zwischenfall mit Foster abzulenken. Sie hatte früh genug Zeit dem anderen mehr als nur den Stolz zu brechen.

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Kira hatte geduldig auf ihren Vater am Ende der Stufen gewartet, jeden einzelnen seiner Schritte beobachtet und hatte sich immer wieder selbst davon abhalten müssen, um nicht die Stufen hinab zu eilen und ihm zu helfen. Er war nicht stark genug, um das Reich zu führen - nicht jetzt und es war eine offene Frage, wie lange es dauern würde bis er sich wieder dazu im Stande fühlte. Was solange sein würde ... Von Devastares Nachricht hatte sie ihrem Vater nichts erzählt, weder davon noch von dem, was hier im Laufe der Wochen und Monate geschehen war. Irgendetwas in ihrem Inneren fühlte sich seltsam kalt an, wenn sie die Mauern jetzt betrachtete, in denen sie aufgewachsen war und die ihr so lange ein Heim gewesen waren. Es fühlte sich jetzt nicht mehr so unbeschwert an, wie an dem Tag, bevor sie auf den Jagdausritt gegangen waren, so als hätte sich dort weit mehr verändert als nur die Ansichten ihres Bruders und es machte ihr Angst, dass sie jetzt Pflicht auf ihren Schultern ruhen spürte, Kälte, die durch die Mauern zog und irgendetwas in ihr zu umschließen begann.
Worte, eigentlich solche, die freundlich und warm schienen, machten sie jetzt misstrauisch, ließen sie potenzielle Lügen hinterfragen und langsam streckte sie die Hände aus, den Blick an sich selbst herab wandern lassend. Fühlte es sich so an, erwachsen zu werden? Wenn ja, dann wollte sie das nicht. Mit jeder Minute, die sie sich unsicherer in ihrer eigenen Haut fühlte, fühlte sie, wie etwas anderes in ihr stärker wurde. Während der langen Nächte in dem Anwesen waren so häufig Kerzen plötzlich aufgeflammt, Gläser zerborsten und Türen waren auf- und wieder zugeschlagen, dass es den Rittern, die sie begleitet hatten, so vorgekommen war, als gäbe es böse Geister, die sie für ihre Sünden den Göttern gegenüber strafen wollten. Kira wusste, dass es etwas anderes war und das allmählich immer schwerer wurde zu ignorieren.
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Re: Kapitel 11

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