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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 11:48 pm
"... wir wieder Zuhause sind und alles sicher ist", beendete sie seine Worte lediglich leise und brachte ein schiefes, halbherziges Lächeln auf ihre Lippen. Den freien Arm hebend wischte sie sich über das Gesicht, die Tränenspuren davon vertreiben wollend, auch wenn sie bereits ahnte, dass es längst nicht so einfach sein würde, wie sie es sich jetzt vorstellte. Es gab noch so viel zu tun, bis sie wieder nach Hause gehen konnten - vielleicht würde es diese Zeit sein, die sie sich nehmen konnten, um langsam darüber hinweg zu kommen. "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen", setzte sie nach und schüttelte noch einmal den Kopf. "Ich hätte früher mit dir reden sollen ... ich war nur gestern zu erleichtert zu wissen, dass du überhaupt am Leben bist und wollte nicht auch noch damit um die Ecke kommen ... es wäre nicht richtig gewesen."
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Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 11:51 pm
Einerseits war er froh um den Aufschub, um den Moment des Glücks, andererseits hatte sie so noch länger mit sich herum tragen müssen, wann und wie sie es ihm sagte. Es war raus und sie konnten nun lernen, damit umzugehen. 
"... ich wollte nicht sagen, bis wir wieder zuhause und sicher sind. Aber - dann, wenn du dich dazu entscheidest. Die Zeit wird niemals die passende sein, aber ich vertraue deinem Gespür."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:00 am
"Das ist nicht meine alleinige Entscheidung, Devastare", gab sie ihm zur Antwort und wagte es jetzt zum ersten Mal den Kopf zu heben, um ihn von unten herauf anzusehen. Die Zeit würde niemals die passende sein ... das hatte sie bereits bemerkt aber trotzdem hätte sie gern mehr Sicherheit in ihrem Leben als ein wankendes Schiff und fremde Menschen um sich herum, von denen sie zu Beginn noch keinem einzigen vertraut hatte. "Wenn ... dann ist es so." Es war das Einzige, was sie dazu hatte sagen können, weil es nichts gab, woran sie es jemals hätte festmachen können. Sie hatte dieses Versteckspiel satt, das ständig auf etwas achten müssen und die Vorstellung davon, dass es irgendwann vielleicht ein Ende hätte finden müssen. Das hier konnte so schnell vorbei sein - sie hatten beide Glück gehabt überhaupt hier gemeinsam sitzen zu können.
"Es gibt kein deine oder meine Entscheidung in dieser Hinsicht. Es sind wir", erinnerte sie ihn nur leise. "Es sind immer wir gewesen."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:04 am
"Dann ... werde meine Frau", bat er sie und spürte sein Herz dabei erst aussetzen, dann viel zu schnell rasen und pochen unter ihrer Hand. "Du weißt ebenso gut wie ich, dass die Ehe mit Morys in Ekynes keine Gültigkeit hatte - und damit auch nirgendwo sonst auf der Welt. Und für mich gibt es keine andere Frau, der ich lieber durch die Länder folgen würde. Lass uns dieses 'wir' für die Ewigkeit festigen."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:16 am
Die plötzliche Bitte rauschte erst an ihr vorbei und ließ sie aus dem Konzept gebracht zurück, dann schlug die Bedeutung dieser einen kleinen Bitte mit der Wucht eines zweiten Hammerschlags ein. Der erste Impuls war zu blinzeln, der zweite eine Frage zu stellen und beide schaffte sie es noch rechtzeitig genug zu unterdrücken, nur um ihr Lächeln ehrlich werden zu lassen. Das Leben gemeinsam mit dem Menschen zu verbringen, vor dem sie niemals würde Angst haben müssen und der schon immer an ihrer Seite gewesen war. Der zeitgleich bester Freund und so vieles mehr war - immer schon gewesen war und der der einzige Mensch war, vor dem sie sich niemals hatte verstellen müssen. "Ja", hauchte sie nur leise und streckte sich zu ihm hinauf. Es hatte immer nur ihn gegeben, seit sich erinnern konnte schon, war da dasselbe Kribbeln in ihrem Bauch, das sie noch heute empfand, wenn sie Momente wie diese hier teilten. Die Liebe war über all die Jahre niemals weniger geworden. "Ja", wiederholte sie leise noch an seinen Lippen. "Die Ewigkeit in dieser und in allen anderen Welten."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:20 am
Sanft verschloss er ihr die Lippen, bevor sie sich doch noch einmal anders entscheiden konnte und wühlte seine Finger in ihre Haare hinein. Wenigstens ein Gutes war herausgekommen aus der ganzen Sache - das hier war ein Neubeginn. Eine Zukunft, auf die sie aufbauen konnten. Und auch ein klein bisschen Hoffnung und Geborgenheit für die dunklen Stunden, die unweigerlich auch mit einhergehen würden bei dem, was ihnen noch bevor stand. 
"Ich liebe dich. Mehr noch als am ersten Tag, als du mir meine Schaufel im Sand weggenommen hast und ich nichts tun durfte, um sie zurück zu bekommen, weil Karsh daneben stand."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 10:53 am
Der Frühling hatte selbst in Caria einzug gehalten wie Karsh feststellen musste, während er mit falschem Gesicht und falschen Namen seine langen Schritte durch den Thronsaal trat. Die junge Prinzessin hatte vor einigen Minuten den letzten Bittsteller hinaus geschickt und die Halle hatte sich bis auf einige wenige Wachen geleert. Kira ordnete gerade ihre Kleider, war im Begriff die wenigen Stufen, die den Thron vom Rest des Saals trennten, hinunter zu steigen, als Karsh einige Meter vor ihr zum stehen kam. "Euer Hoheit," erklärte Karsh doch statt der Stimme eines alten Mannes drang die Stimme eines Mannes in seinen besten Jahren aus seinem Mund. Die langen braunen Haare trug er durch einen Stirnreif gebändigt und betrachtete Kira aufmerksam.
"Ich weiß, dass ich spät komme. Doch ich bitte euch mich anzuhören."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 10:58 am
Etwas gefiel ihr nicht an dem Mann, der dort vor ihr stand und der sie so aufmerksam musterte wie kein anderer Bittsteller zuvor. Für gewöhnlich hielten diejenigen, die hierher kamen, ihre Köpfe gesenkt, wagten es kaum den Blick zu heben und trotzdem stand dort dieser Fremde und musterte sie unverhohlen und allein das sorgte dafür, dass sich ein unwohler Schauder über ihren Rücken zog. Etwas stimmte hier nicht - sie wurde das Gefühl nicht los, dass man sie bedrohte, auch wenn nicht ein einziges Wort davon gefallen war und langsam ließ sie sich wieder zurück auf den Thron sinken, die Arme auf die Lehnen legend und nur knapp nickend. Sie konnte es sich immerhin anhören, was immer er ihr auch zu sagen hatte. Es gab genug Wachen und sie selbst war ebenso bewaffnet, in der Lage sich zu verteidigen, sollte es wirklich zu einem Angriff kommen und trotzdem spürte sie ihr Herz in ihrer Brust weit schneller schlagen als zuvor.
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:04 am
"Man nennt mich Ture euer Hoheit - ich bin ein reisender Magier," erklärte der Mann leise und ein sanftes, väterliches Lächeln zog sich über sein Gesicht.
"Ich habe bereits vor einigen Wochen immer wieder ausbrüche von Magie festgestellt - ungezügelte Ausbrüche. Ich konnte die genaue Quelle nicht ausmachen, doch ich konnte die schiere Macht erahnen, die hinter diesen Ausbrüchen steckt. Erst vor wenigen Nächten konnte ich den Ort genauer Lokalisieren und eben diese Ausbrüche führten mich in euer Schloss. Hier in Winterbroke muss sich jemand aufhalten, der seine magische Energie nicht unter Kontrolle hat euer Hoheit. Wenn ihr wisst wer es sein könnte, dann wäre ich womöglich in der Lage dieser armen Seele zu helfen ihre Macht in richtige Bahnen zu lenken. Es könnte alles mögliche sein, was auf sie hindeutet. Kerzen die aufflammen oder verlöschen, zerberstendes Glas und dergleichen..."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:09 am
Reisende Magier, die urplötzlich vor der Tür standen und ihre Hilfe anboten, gab es vielleicht in den alten Kindergeschichten, die sie einst gelesen hatte, aber nicht in der Wirklichkeit. Es gab niemanden, der ihr freiwillig ohne eine Gegenleistung zu verlangen wirklich helfen konnte und das väterliche Lächeln des anderen allein sorgte dafür, dass sich irgendetwas in ihr wieder zurückziehen wollte. Weit fort von ihm. "Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht, Ture", antwortete sie deshalb, weil sie diesem Frieden nicht vertraute. Es gab ihre Mutter hier, Devastare hatte versprochen sie wieder zu ihnen zurück zu bringen und er hatte sie darum gebeten, sie beide zu beschützen - im Notfall eben auch vor einem anderen fremden Magier, der nun glaubte, er könne sich in dieses Schloss schleichen. Sie vertraute ihm nicht, vor allem aber vertraute sie ihm nicht ihre eigenen seltsamen Fähigkeiten an, die nur an und an aktiv wurden und dann wieder verschwanden als hätten sie niemals existiert.
"Es gibt hier niemanden, der magisch begabt sein sollte, nachdem die Hofzauberin uns für einige Zeit verließ. Ich bedauere Euch nicht helfen zu können."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:13 am
"Euer Bedauern ehrt euch," erwiderte Karsh leise. "Aber es gibt nichts zu bedauern, denn ihr seid mir nichts schuldig. Sollte euch dennoch etwas auffallen, was auf den Verursacher all dessen deuten könnte, so bitte ich euch einen Boten nach mir schicken zu lassen. Ich werde einige Tage noch in einem Gasthaus in der Stadt verbringen, ehe ich mich weiter auf Reisen begebe. Derjenige, von dem ich spreche ist kein gewöhnlicher Magier, sondern eine Quelle - ein Hort wilder und ungezügelter Magie. Es könnte für ihn und für alle hier im Schloss lebensgefährlich werden, wenn die Kraft in ihm oder ihr ausbricht. Quellen, die nicht durch einen Magier lernen ihren Fokus zu setzen sterben eher früher als später. Solltet euch also etwas auffallen, ihr findet mich im Gasthaus zum Alten Weg."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:21 am
Langsam nickte Kira nur, gab sich scheinbar einverstanden mit den Worten des anderen und beobachtete, wie er die große Halle verließ. Quellen ... Hort wilder und ungezügelter Magie. Die Worte hallten in ihrem Kopf wieder und brachten sie dazu zu schlucken, weil das scheinbar automatisch zu bedeuten schien, dass sie früher sterben würde als jeder andere. Es machte ihr Angst, was er ihr sagte und auf der anderen Seite war die Vorsicht noch immer greifbar, zu der ihr Bruder ihr geraten hatte - nicht jedem Dahergelaufenen zu vertrauen. Wenn ihr Vater ihre Mutter nun bereits in seinen Händen hatte, ihr Dinge befehlen konnte wegen eines Eides - was würde dann geschehen, wenn dieser fremde Magier ihrem Land etwas Böses wollte und sie nur genauso benutzen wollte. Wenn all das stimmte, was er sagte, dann war sie gefährlich ... dann gefährdete sie alle Menschen um sich herum, nur dadurch dass sie überhaupt existierte.
Wortlos erhob sie sich von ihrem Platz und setzte die ersten Schritte rüber zur Tür, um den großen Saal zu verlassen. Hingehen oder nicht hingehen ... dem Fremden vertrauen und sich selbst in Gefahr begeben oder nach einer anderen Lösung für all das hier suchen? Sie wusste es nicht, war immer wieder hin und hergerissen zwischen dem Wunsch niemanden zu gefährden durch das, was sie war und dem Misstrauen gegenüber dem vermeidlich strahlenden Ritter in weißer Magierrobe statt auf einem Pferd. Letztlich war es doch mitten in der Nacht, als sie sich heimlich zu dem fremden Magier aufmachte.
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:25 am
Karsh war gerade dabei in dem kleinen Zimmer des winzigen Gasthauses einen Tee aufzubrühen, als er an der Tür klopfte. Ein kurzer Wink seiner Hand genügte um die Tür aufgleiten zu lassen, ehe er in gespielter Überraschung den Kopf hob. "Euer Majestät!" stellte er fest und nahm eine zweite Tasse mit abgeblätterter Farbe aus einem kleinen armseligen Schrank, stellte diesen auf den wackeligen Tisch und schenkte in diese ebenfalls heißen, dampfenden Tee ein. "Womit verdiene ich die Ehre eurer Anwesenheit?"
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:28 am
"Erzählt mir etwas über das, was Ihr heute Mittag begonnen habt. Über diese Magier, die sich im Schloss aufhalten sollen", verlangte sie, die Tür hinter sich schließend und die Hand an der Klinke lassend, weil sie es nicht wagte auch nur einen einzigen Schritt nach vorn zu setzen. Tee ... sie erinnerte sich an die Erzählungen ihrer Mutter darüber, dass ihr Meister einst diese lästige Angewohnheit gehabt hatte ständig eine Tasse Tee zu trinken während der Unterrichtsstunden - seltsam, dass sie ausgerechnet jetzt daran zurück dachte, wo es ein so unwichtiges Detail zu sein schien.
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:33 am
"Ich habe diese Energie bereits oft gespürt in den letzten Jahren. Das ein oder andere Mal - es war wie... stellt euch vor ihr seid an einem See und seht wie das Wasser sich kräuselt. Ihr habt nicht aufgepasst, konntet nicht sehen wo der Stein die Oberfläche durchschulug, aber ihr wisst, dass es geschehen sein muss..." erklärte er leise. "Zuletzt konnte ich einen besonders starken Ausbruch an Imbolc verspüren - so groß, dass ich zumindest die Richtung ausmachen konnte. Als sich die Vorfälle in letzter Zeit häuften machte ich mich auf den Weg und konnte vor einigen Tagen schließlich das Schloss als Zentrum des letzten Ausbruch ausmachen."
Karsh lehnte sich zurück, nippte an dem Tee und gönnte diesem mehr Aufmerksamkeit als der Prinzessin.
"Ich... habe Erfahrung im Umgang mit Quellen. Ich verstehe wie sie funktionieren. Sie sind selten und eine der letzten die ich kennen gelernt habe verwandelte sich in eine Birke, an deren Stamm bis heute Moos wächst, dass Blutungen zu stillen vermag."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:44 am
Wie sie funktionieren... als wäre sie wieder einmal nichts anderes als ein Ding. Ein einfacher Gegenstand, wie das, was ihr Vater in ihr sah und scheinbar auch jeder andere sonst. Jede andere Beschreibung hätte sie akzeptiert, jede andere Variante sich selbst zu beschreiben, aber das hier ... 'Ich weiß, wie sie funktionieren' Wut darüber, dass sie selbst für einen Fremden scheinbar nichts anderes war, machte sich in Kira bemerkbar und floss eisig kalt durch ihre Adern, schnürte ihre Brust zusammen und ließ sie schwer schlucken. Wenn ihre Kräfte so gefährlich waren, wie der Fremde es ausdrückte - warum sollte sie all das dann nicht nutzen? Warum sollte sie nicht darauf zurückgreifen und sich zumindest einen einzigen Ort in ihrem Leben sichern, der ihr gehörte und an dem sie nicht wie eine Marionette nur von A nach B geschoben werden konnte? An dem sie sie sein konnte und an dem jeder, der sie manipulieren wollte, bitter dafür büßen würde.
"Warum sollte es Euch kümmern?", fragte sie nur knapp. "Ihr seid ein freier Magier, an keinem Hof angestellt und könntet jederzeit das Land verlassen. Warum sollte Euch ausgerechnet Caria und eine vermeidliche Quelle scheren? Nachdem die letzte sich in einen Baum verwandelt hat, gehe ich nicht davon aus, dass sie besonders gefährlich für ihre Mitmenschen war."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 11:54 am
"Ich bin hier, weil es bereits geschehen ist," erklärte Karsh leise und hob den Blick, stellte die Tasse bei Seite. "Es war mir lange Zeit nicht klar. Ich muss zugeben ich habe verflucht lange gebraucht um es zu verstehen. Aber das hier ist bereits geschehen. Oder wird geschehen sein..." er massierte sich die Schläfen, sah die wachsenden Zweifel in Kiras Gesicht und konnte es ihr noch nicht einmal verübeln. Er hatte es selbst nicht gewusst, bis zu dem Moment in dem er den Thronsaal betreten hatte. Es hatte ihn wie ein Schlag getroffen - er hatte geglaubt Kira noch nie zuvor im Leben gesehen zu haben, ehe er ihr ANtlitz erblickt hatte. Sie hatte ihm viel Stoff zum Nachdenken gegeben. "Als ich ein junger Mann war bist du mir bereits schon einmal begegnet. Nur warst du... älter - du hattest eine Narbe über der linken Augenbraue. Du bist etwas besonderes Kira - deswegen bin ich hier. Ich bin hier, weil ich bereits hier gewesen bin und auch hier sein werde. Ich bin hier, damit du dafür sorgen kannst, dass ich irgendwann einmal hier her komme...." er seufzte, wusste, dass es in den Ohren der Jüngeren wie eine Lüge klingen musste. "Normalerweise sind Quellen Magier, die selbst Magie aus ihrem Inneren Produzieren doch du bist... etwas besonderes."
Er griff unter seine Kleidung und zog eine kleine Brosche hervor. Sie wirkte alt, das Silber war bereits angelaufen und als er die Brosche aufklappte war darin Elaines Gesicht zu sehen. "Hier," erklärte er leise und legte die Brosche auf den Tisch, schob sie zu Kira hinüber. "Es ist deine Brosche nicht wahr? Du trägst die Selbe gerade um deinen Hals. Du hast sie mir vor fünfhundert Jahren gegeben. Deine dürfte neuer aussehen, nicht so angeschlagen - aber es ist die selbe. Du sagtest mir, du würdest mir glauben wenn ich sie dir gebe. Du würdest mir glauben, denn du wusstest, dass du mir bereits geglaubt hast!"
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:23 pm
Das alles klang wie vollkommener Wahnsinn in Kiras Ohren. Sie war ihm schon einmal begegnet als sie älter gewesen war, hatte ihm irgendeine seltsame Brosche gegeben und besaß eine Narbe über der Augenbraue. Sie wusste nicht, wie es möglich sein sollte, dass eine ältere Version von ihr schon einmal vor ihm gestanden hatte, als er jünger gewesen war und Zweifel fanden sich in ihrem Blick wieder als sie die Hand ausstreckte, um nach der Brosche zu greifen und sie dann an sich zu nehmen. Bedächtig wog sie sie in den Händen, wechselte von einer Hand in die nächste, nur um sie ihm dann doch wieder zurück zu geben. Fünfhundert Jahre ... vor fünfhundert Jahren hatte sie nicht einmal gelebt und es hatte auch niemanden sonst gegeben, den sie gekannt hatte, der zu diesem Zeitpunkt am Leben gewesen sein sollte. Sie war etwas Besonderes, hatte er gesagt und sie wusste nicht, ob das etwas Gutes sein sollte oder nicht - besonders zu sein hieß niemals etwas Gutes in der Welt, die sie kennen gelernt hatte. Es bedeutete, dass die Menschen sie fürchteten - so wie Ferryn, als sie dabei gewesen war, wie sie an Imbolc die Beherrschung verloren hatte. Es hieß, dass sie niemals so sein konnte wie die anderen, obwohl sie sich nichts mehr wünschte wie das.
"Ich brauche sie nicht", teilte sie ihm mit. Sie brauchte keine Erinnerung an ihre eigene Familie mehr, die sie beständig bei sich trug und mit den Fingern tastete sie nach ihrem Hals, um den Verschluss zu lösen und die neue zu der alten zu legen. Sie brauchte keine Erinnerung an eine Familie, die sie nicht hatte haben wollen und die sie jetzt nur wieder und wieder für ihre eigenen Zwecke einspannte. "Und ich brauche auch keine Hilfe."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:27 pm
"Es steht nicht in meiner Macht dir Hilfe aufzudrängen Kira," erwiderte Karsh leise. "Aber wenn du deine Kräfte eines Tages kontrollieren willst, statt von ihnen kontrolliert zu werden, dann komm zu mir", er griff nach den beiden Amuletten und zog sie zu sich, ließ an ihrer Stelle ein kleines Bündel aus Zweigchen liegen, die durch eine Kordel zusammen gehalten wurden. "Wenn du deine Entscheidung änderst - dann verbrenn die Hölzer in einem Kamin. Ich werde dich nicht zwingen dich deiner Macht zu stellen. Das ist eine Entscheidung, die du alleine treffen musst. Ich will nur, dass du weißt, dass ich nicht für immer fort bin nur weil du mich jetzt weg schickst. Ich werde da sein wenn du mich brauchst und willst."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:33 pm
Zweige, die sie verbrennen sollte. Nichts außer blinder Unfug, der ihr jetzt den Kopf dröhnen ließ, ausgesprochen von jemandem, dem sie scheinbar schon einmal begegnet sein sollte - vor fünfhundert Jahren. Die Geschichte klang so furchtbar lächerlich, dass sie kurz davor war einfach darüber zu lachen und sich nur mit Mühe noch einmal zusammenreißen konnte. Es gab niemanden, der ihr dabei helfen konnte - niemanden, der all das wirklich kontrollieren konnte, was sie besaß und was immer wieder aufs Neue aus ihr heraus brach, wenn sie sich nicht genug unter Kontrolle hatte und selbst wenn ... selbst wenn er Recht haben sollte mit dem Wahnsinn hinter seinen Worten, hatte sie keinen Grund ihm zu vertrauen. Einem dahergelaufenen Mann, der behauptete, er wüsste irgendetwas von ihr.
"Was habe ich dir denn gesagt, als wir uns schon einmal begegnet sind?", fragte sie statt die Zweige zu beachten, die dort auf dem Tisch lagen und verschränkte die Arme vor sich, ein beinahe spöttisches Lächeln auf ihre Lippen bringend. Sie würde ohne ihn zurecht kommen und vielleicht war es besser, wenn sie sich daran gewöhnte, dass es niemanden gab, auf den sie sich verließ. Zu viele schon waren gegangen, als sie sie gebraucht hätte.
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:39 pm
"Du hast mir gesagt, dass ich versuchen soll dich davon zu überzeugen, dass du bei mir lernen sollst. Du hast gesagt, dass du einige schwere Fehler begangen hast und versuchst diesen zu verhindern. Du hast gesagt, dass du in deinen früheren Jahren den falschen Leuten vertraut hast. Das ich vielleicht eine Chance wäre Dinge abzuwenden bevor sie geschehen", er fuhr sich über das Gesicht, wusste wie verfahren die Situation war. "Und du sagtest auch, dass du mir wahrscheinlich nicht glauben wirst, weil du jetzt in einem Punkt in deinem Leben stehst, der dich von allen immer weiter entfernt."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:45 pm
"Danke, aber ich verzichte", lautete Kiras einzige Antwort, weil das nach allem aber nicht nach ihr selbst klang und wandte sich um, um das kleine Zimmer in dem Gasthaus wieder zu verlassen, sowohl den Zweig als auch die Broschen dort zurücklassend. Den falschen Menschen vertraut hatte sie in jedem Fall und der Umstand, dass sie hier war und sich den Unsinn eines fremden Magiers anhörte, bezeugte es nur, dass sie sich eigentlich die Zeit hätte sparen können - dass sie erneut falsche Hoffnung in einen Fremden gesetzt hatte. "Verschwindet von hier", wies sie ihn noch an als sie sich noch einmal über die Schulter zurückdrehte. "Bevor irgendjemand Eure Lügen hören und ihnen glauben könnte. Ihr habt bis zum Sonnenaufgang Zeit."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:49 pm
"Ja... ja ihr sagtet, dass ihr das tun würdet. Ihr habt mir damals auch gesagt, dass ihr Devastare danach eine Nachricht zukommen lassen wolltet. Ihr sagtet mir damals auch, dass ihr es wart, der eurem Vater den Dolch in die Brust gestoßen hat..." erklärte Karsh leise, während er aufstand um die ersten Dinge einzupacken. "Ich habe befürchtet, dass ich es nicht schaffen würde euch von mir zu überzeugen. Ihr selbst habt es befürchtet und dennoch Hoffnung gehabt. Es tut mir leid euch enttäuscht zu haben."
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 12:54 pm
"Achtet auf Eure Worte, Magier", warnte Kira ihn lediglich und verengte die Augen. Sie hatte mit niemandem über das gesprochen, was geschehen war - nur diese eine einzige Nachricht gesendet. Er musste sie abgefangen haben und sie verfluchte sich selbst für diese Leichtsinnigkeit. Gut, dann eben keine weiteren Nachrichten mehr. Sie glaubte nicht daran, dass Devastare dem Fremden so empfindliche Informationen hätte geben können, hoffte darauf, er würde der Letzte bleiben, an den sie sich noch würde halten können, aber sobald sie ihm jetzt eine Nachricht sandte ... würde das nicht die Worte des Magiers bestätigen? Keine Nachricht über diese Auseinandersetzung, entschied sie sich. "Es könnte sonst sehr schnell sein, dass Ihr die Zunge los seid", setzte sie noch nach, bevor sie die Tür hinter sich ins Schloss zog und die Stufen nach unten nahm, um zurück ins Schloss zu kehren.
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Re: Kapitel 11

am So Feb 11, 2018 1:02 pm
Karsh war müde und abgekämpft, als er wieder zurück nach Miris kehrte. Er hatte es versucht. Hatte wirklich versucht etwas zu verändern, Kira noch auf den richtigen Weg zu bringen, sie vor sich selbst zu retten - aber ihre Botschaft war eindeutig gewesen. Das erneute Versagen nagte stark an dem alten Mann, wenngleich er auch versuchte sich von diesen Gefühlen zu lösen.
Erneut fühlte er sich wie ein purer Spielball des Schicksals, der für seine zahlreichen Versuche eben jenes zum Positiven zu verändern nur Hohn erntete.
Er hob die Hand an die Tür, hinter welcher er die Präsenz seines Ziehsohns spürte und klopfte langsam an.
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Re: Kapitel 11

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