Teilen
Nach unten
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:21 pm
Als Thealon schließlich oben angekommen war wandte er sich an seine Tochter, musterte ihren tiefschichtigen Gesichtsausdruck und nickte, beinahe so als wüsste er was hinter ihren blauen Augen vorging.
"Komm mit," wies er sie an und gönnte sich keine weitere Atempause. Nicht solange noch Diener in der Nähe waren. Ihm tat jeder Atemzug weh und er fühlte sich seltsam kraftlos. Ein Gefühl, dass ihn tief in seinem innersten traf. "Es gibt noch das eine... oder andere was wir... besprechen müssen ehe du die Regierungsgeschäfte übernimmst."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:27 pm
Beinahe hätte sich Kira an einem knappen Lächeln versucht, das spöttischer gewirkt hätte als sie es beabsichtigt hatte, aber sie hielt den Mund. Ihr Bruder hatte sehr wenig gebraucht, um diese Regierungsgeschäfte zu übernehmen - nichts weiter außer einer Eisenkrone, die sie verändern würde und von der sie zeitgleich auch hoffte, dass sie ihre Magie oder was auch immer sie besaß, unterdrücken würde. Devastare hatte sie kontrollieren können - er hatte gewusst, was er tun konnte und was er tun musste, welche Sprüche er sprechen musste - sie wusste nicht einmal, an wen sie sich wenden sollte, um das alles nicht in einer Katastrophe enden zu lassen, weil es immer wieder nach außen drängte und sie inzwischen Angst davor hatte zu Bett zu gehen. Dort konnte sie sich nicht zurückhalten, konnte sich nicht zwingen sich darauf zu konzentrieren nichts damit anzufangen. Immer wieder war dieses Flimmern da, das Prickeln auf ihren eigenen Fingern bevor es wieder verschwand als wäre nichts gewesen.
Schweigend folgte sie ihrem Vater im Schneckentempo bis zu seinem Arbeitszimmer, die Magie nicht einmal erwähnend, weil sie wusste, dass er sie zwar praktisch aber unheimlich fand. Erst als sie die Tür hinter sich ins Schloss zog und sich gegen das Holz lehnte, hob sie die Stimme. "Welche Dinge?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:32 pm
"Du bist Blut von meinem Blut und Fleisch von meinem Fleisch," antwortete Thealon leise. "Ich habe mich... verrannt was Devastare angeht. Er hat mich hintergangen, weil ich ein selbstverliebter Narr war, der auf keine Warnung hören wollte Kira..." erklärte er leise. "All das führte dazu das.. zu dem hier..." er deutete auf seine Brust, wo die Narbe noch immer wulstig und heiß zurück geblieben war. "Wegen meiner Schwächen musst du die Regierung für eine Weile übernehmen, während ich versuche wieder auf die Beine zu kommen. Du wirst umgeben sein von guten und von falschen Beratern. Und du wirst gegen Feinde Kämpfen, die größer sind als wir selbst!" er nickte langsam.
"Weißt du, was die Menschen am Ende besiegt?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:36 pm
Schweigend hörte Kira zu, die Arme hinter sich an die Tür gedrückt, um nicht versehentlich erneut ihren Vater anzugreifen und fragte sich für einen Moment, ob eines Tages sie hier stehen würde, um ihrem Kind davon zu berichten, was am Ende alle Menschen besiegen würde. Ob sie dabei ähnlich geschwollene Worte wählen würde oder ob sie es anders sehen würde - ob sie sich von dem ewigen Vorbild ihres Vaters lösen würde oder ewig in seinen Fußstapfen wandern würde. "Was?", hakte sie schließlich nur nach, weil sie der ewigen Ratespiele müde geworden war und die vermeidlich guten Ratschläge nicht mehr hören konnte, die ihr einer nach dem anderen präsentierte.
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:39 pm
"Angst."
Thealon nickte langsam, während er Kira lange in die Augen sah. "Ja ich weiß, du siehst in mir mittlerweile einen älter werdenden Mann, der dir viel zu viele gute Ratschläge geben will. Aber wenn ich eines gelernt habe in all der Zeit in der ich die verdammte Krone getragen habe, dann das: Deinen Gegner besiegst du nicht durch ein Schwert oder durch Gift. Sondern durch Angst. Wecke die Furcht in ihnen - sorge dafür, dass sie nichts so sehr fürchten wie dich und du wirst sie alle beherrschen oder aus dem Weg räumen können, die dir oder denen die du liebst gefährlich werden können." Er hustete, rang kurz nach Luft und richtete sich dann wieder auf.
"Finde heraus was deinen Feinden wichtig ist und dann wende es gegen Sie - zerstöre sie. So sehr, dass sie dir nie wieder weh tun können."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:49 pm
Denen, die sie liebte ... viel übrig war davon nicht mehr. Sie hatte Ilian geliebt und er hatte sich abgewandt, sie hatte ihren Bruder geliebt und erst hatte er sich gegen sie gewandt und dann einfach geflüchtet ohne wenigstens zu fragen, ob sie nicht vielleicht mit ihm kommen würde. Sie hatte ihre Mutter geliebt und die war entführt worden und hatte sie eigentlich nicht einmal zur Welt bringen wollen. Sie hatte ihren Vater geliebt, aber auch für ihn war sie nicht viel mehr als eine einfache Schachfigur, die in seinem Namen Ruhm erlangte. Es blieben nicht mehr sehr viele Namen auf der Liste ... mit Ferryn hatte sie noch nicht sprechen können, aber beim letzten Mal hatte die ältere Schwester Angst vor ihr gehabt. Wie es wohl heute aussehen würde ...
Das Gefühl plötzlich allein hier zu stehen schmeckte bitter und ließ sie sich selbst noch einmal hinterfragen. Ob sie wirklich hier richtig war - ob das, was sie tat, eigentlich richtig war. "Angst ...", wiederholte sie die Worte ihres Vaters und schloss sie für sich selbst ein. Finde heraus, was deinen Feinden wichtig ist und zerstöre es ... blieb jetzt also nur noch die Frage, wer denn ihre wirklichen Feinde waren.
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 6:54 pm
"Hör mir zu Kira..." erklärte der König und ließ sich auf einen der Stühle fallen.
"Ich habe dich unglaublich lieb mein Kind. Vom Moment deiner Geburt an wusste ich, dass du meine wahre Erbin bist. Ich habe dich aufwachsen sehen, habe versucht dir alles zu ermöglichen was du wolltest. Ich weiß mittlerweile, dass ich viele Fehler gemacht habe. Das ist dir nicht oft genug gesagt habe wie stolz ich auf dich bin..." er schüttelte den Kopf. "Und ich kann nicht erwarten, dass du mir all die Dinge verzeihst, die ich dir oder deiner Mutter angetan habe. Aber ich will das du weißt, dass ich alles für dich tun würde..." er zog seinen Handschuh aus und hob seine verbrannte Hand.
"Als du damals darnieder fielst... sagte der Arzt, dass du an einer Blutvergiftung leidest. Er wusste nicht ob du überleben würdest. Ich habe einen Pakt mit der Göttin des Feuers geschlossen um dein Leben zu erhalten. Der Preis war... meine Hand. Aber ich würde es wieder tun und auch die andere geben, wenn es nötig werden sollte!"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:30 pm
Natürlich würde er die andere Hand auch noch geben - sie war seine einzige Chance darauf das Reich an jemanden weiter zu geben, der es in seinem Namen weiterführte, eben weil sie seine Erbin war. Weil sie sein Erbe weitertragen sollte - er hatte es aus politischem Kalkül, aus berechnender Notwendigkeit getan, nicht weil er sie so unsagbar liebte und wollte, dass es seinem Kind gut ging. Es brachte ihr nichts jetzt mit ihm zu streiten, seine Worte anzuzweifeln und sich damit mehr zu zerstören als sie Boden gutmachen würde - alles, worauf sie hoffen konnte, war dass sich die Dinge eines Tages fügen würden. Dass der Moment kommen würde, an dem Angst über alledem stehen würde, was ihr Vater einst errichtet hatte.
"Es muss hart gewesen sein mit Devastare während all der Zeit ..."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:40 pm
"Die Zeit in der er hier oder die Zeit in der ich glaubte meinen Sohn verloren zu haben?" hakte Thealon nach und schüttelte den Kopf. "Er ist fort Kira - er wird gegen uns marschieren und versuchen Caria und unsere Familie zu vernichten. Es gilt jetzt Sirean einzunehmen und uns danach Richtung Miris zu wenden!" er atmete schwer. "Wie geht es dir?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:44 pm
Das genau zu beschreiben lag außerhalb ihrer Möglichkeiten und wenn sie hier stand und es beschreiben müsste, fühlte sie sich in erster Linie allein gelassen. Fremd in ihrem eigenen Heim und ohne eine Möglichkeit von hier wegzugehen. Damals hatte sie Ferryn gebeten, sie einfach zu begleiten - sich irgendwo etwas Neues zu suchen, aber für die Ältere war die Küche ihr Heim, die Köchin ihre Mutter. Sie hatte eine andere Familie als die, die sich hier befand. "Es geht mir gut", antwortete sie, obwohl sie wusste, dass es gelogen war und ein weiterer Teil von ihr mit jedem falschen Wort abstumpfte. Die Arme hinter sich verborgen ballte sie die Hände zu Fäusten, weil hier alles aus Lügen und Verrat zu bestehen schien, hinter jeder Ecke lauerte irgendjemand, der einem alles versprach und nichts davon wurde eingehalten. Sie hatte es so satt ... "Ich werde viel zu tun haben, aber es geht mir gut, Vater."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:45 pm
"Du lügst," erwiderte ihr Vater langsam und schloss die Augen. "Aber natürlich tust du das... ich behaupte ja auch, dass es mir gut gehen würde. Wieso solltest du anders sein."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:52 pm
"Ich habe sehr viel von dir gelernt", war Kiras einzige Antwort auf seine Worte, weil es ihr nicht so vorkam, als wäre er wirklich daran interessiert, bevor sie sich zurück zur Tür drehte und die Fäuste wieder löste. Atmen, ganz ruhig und gleichmäßig atmen - sie hielt sich die Worte wie ein Mantra vor. "Ich bin müde, Vater, und ich würde mich gern umziehen. Die Reisekleidung ist doch ein wenig mitgenommen", erklärte sie ruhig. "Du solltest dich auch umziehen und dich dann ausruhen."
Langsam schob sie die Tür auf und setzte den ersten Schritt nach vorn. Lügen gehörten für ihn schon immer dazu und je älter sie wurde, umso besser durchschaute sie dieses berechnende Spiel, das er mit jedem anderen Menschen in seiner Umgebung spielte - ihnen das Gefühl gab, sie wären ihm wichtig, bevor er sich einem anderen zuwandte. Der verzweifelte Versuch seine Aufmerksamkeit zurück zu bekommen gehörte für ihn dazu, bestätigte ihn jedes Mal wieder aufs Neue, dass er etwas richtig gemacht hatte. Dass die Menschen sich freiwillig eine Leine von ihm hatten anlegen lassen. "Ruh dich aus. Ich sehe heute Abend wieder nach dir."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:56 pm
"Tu das..." erwiderte Thealon leise und blickte Kira noch eine ganze Weile nach. Etwas in seinem Brustkorb zog - und es war nicht die alte Wunde die sich meldete. Sie wurde älter, erwachsen und Thealon wusste, dass er sie gut auf die kalte und unbarmherzige Welt dort draußen vorbereitet hatte. Aber trotz allem blieb in ihm das Gefühl das etwas fehlte. Das etwas nicht da war, was hätte da sein sollen wenngleich er auch nicht beschreiben konnte was es war. Er ließ sich in den Sitz zurück sinken und schloss für einen kurzen Moment die Augen.
Als er den Kopf wandte und den ergrauten Mann im Spiegel sah schloss er für einen ganz kurzen Moment die Augen. War er wirklich so alt geworden?
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 7:57 pm
Die Nachricht, die Kira in der darauffolgenden Nacht erhielt - gebracht von einem Raben - war denkbar kurz für die Fülle an Informationen, die sie enthielt. 
'Kleines', stand da in einer geschwungenen, aber rasch zu Papier gebrachten Handschrift. 'verbrenn' diese Zeilen, wenn du sie gelesen hast. Es tut mir Leid, dass ich gehen musste, ehe ich dich noch einmal sah und es dir bei klarem Verstand erklären konnte, aber ich konnte nicht mehr in Vaters Nähe kommen, ich wusste nicht, ob er mich nicht daran hindern würde wie bereits einmal, das Land zu verlassen und wenn er es täte, zu welchem Menschen es mich gemacht hätte. Der Zauber, der auf mir lag, hat mir erschreckende Wahrheit darüber geliefert, wer ich würde, wenn ich weiter bei ihm bliebe. All das hat nichts mit dir zu tun und es bricht mir das Herz, dich weiterhin dort alleine zu wissen. Wenn ich nur könnte, würde ich dich holen, aber ich weiß, dass du dein Land liebst und es mit Respekt betrachtest. Etwas, was es brauchen wird, wenn die Zeit reif ist. Und noch jemand braucht dich. Elaine.
Sie hat einen Eid geschworen. Thealons Wort alleine reicht, um sie sich selbst gegen ihre Kinder wenden zu lassen und Karsh fand es nur heraus, indem er ihren Geist aufgewühlt hat. Wir suchen eine Lösung, um sie von all dem zu befreien, aber bis es so weit ist, vertraue ich unsere Mutter dir an. Ihre Rückkehr wird die Wogen ein wenig glätten, auch, wenn ich Angst davor habe, was Vater mit ihr tun kann. Beschütze sie und dich, so gut du kannst, ich bitte dich. Sende diesen Raben aus, um Kontakt mit mir aufzunehmen. Er wird in deiner Nähe bleiben. 
In Liebe, Devastare.


P.S. - Sein Name ist Morlin.‘
avatar
Anzahl der Beiträge : 3472
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:15 pm
Mit zitternden Fingern knüllte Kira die Nachricht in ihren Händen zusammen und warf sie dann in den Kamin, zusehend, wie die Flammen an dem Papier leckten, es schwärzten und schließlich davon nichts mehr als Asche übrig blieb. Alles hätte sie getan, um diese Nachricht bei sich behalten zu können, davor bewahren zu können dem Feuer zum Opfer zu fallen, obwohl sie wusste, dass es besser war, wenn sie den Anweisungen folgte. Dort im Kamin brannte der klägliche Rest eines Lebens, das sie gern gehabt hätte - in dem sie hätte bei einem Bruder bleiben können, der sich wirklich und aufrichtig um sie hatte kümmern wollen und der selbst jetzt noch an sie dachte, als er es nicht mehr hatte müssen. Tränen brannten in ihren Augen als sie die Finger ausstreckte und sacht über das Gefieder des Raben strich, der sie dort mit klugen Augen ansah - sein Blick ließ sie sich schuldig für irgendetwas fühlen, das sie nicht einordnen konnte. Sie wollte die Feder nehmen und etwas antworten ... irgendetwas auf das Papier kritzeln, das da gerade in ihr Überhand nahm und mit verschwommenen Blick begann sie die ersten Zeilen.
'Du hättest fragen können ... du hättest mich einfach mitnehmen können. Du bist einfach weggegangen und niemand ist mehr hier. Ich hab Angst vor dem, was aus mir hier wird ... irgendwas ist da und es wird stärker und Vater sagt, es gäbe nur Angst, die Macht einbringt. Ich will das nicht ... nicht so und nicht allein ... aber es ist einfach keiner mehr da'
Kopfschüttelnd zerriss sie das Pergament wieder und warf die Fetzen ins Feuer. Es hätte ihm nur ein schlechtes Gewissen gemacht, es half doch niemandem und es war jetzt ihre Pflicht, sich um ihre Mutter zu kümmern, weil es niemand sonst mehr tun würde. Es war jetzt an ihr erwachsen zu sein und aufzuhören, ständig über die Dinge zu jammern, die sie nicht mehr verändern konnte. Zeit für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem haderte sie eine ganze Zeit mit sich, bevor sie ein neues Stück Pergament zu sich zog, die Feder darüber schweben lassend, während sie mit den neuen Worten haderte.
'Ich mache dir keine Vorwürfe für deine hastige Flucht.' Auch das war eine weitere Lüge. 'Wahrscheinlich hätte ich genauso wenig darüber nachgedacht wie du, wenn ich wieder bei klaren Gedanken gewesen wäre. Ich versuche mich hier um alles zu kümmern während unser Vater verletzt und angeschlagen ist. Ich war es, die ihm den Dolch in die Brust gestoßen hat - ich wollte damit eine Chance darauf haben dich früher von dem Zauber zu befreien, aber alles, was ich versucht habe, ist gescheitert. Wenn du Mutter her schickst, hoffe ich, dass ich dort erfolgreicher bin. Mach dir keine Vorwürfe. Ich bin froh, dass es dir jetzt wieder besser geht und du wieder bei denen bist, denen du so wichtig bist. Ich schreibe dir, sobald ich Informationen habe, die dir weiterhelfen ... vorher werde ich Vaters Position in der Schlacht einnehmen. Pass auf dich auf, Devastare. Ich hab dich lieb'
Behutsam rollte sie das Pergament, nachdem die Tinte getrocknet war und band es dem Raben - Morlin - wie sie sich erinnerte, an den Fuß. "Flieg", bat sie den Vogel, als sie ihn auf dem Arm rüber zu dem Fenster trat. "Flieg zurück zu deinem Herrn."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:24 pm
Die Nacht hatte die gesamte Welt in Dunkelheit getaucht, hatte sich ausgebreitet und Miris in den seeligen Schlaf der Gerechten sinken lassen. Auch Coreen und Gawain hatten sich schlafen gelegt. Der Tag war Anstrengend genug gewesen, voller Plänen und Training mit den Soldaten des Fürsten, die sich mittlerweile in der Burg eingefunden hatten. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis der Angriff auf das andere Fürstentum gefahren wurde und den beiden Liebenden blieben nur noch einige wenige Tage in Frieden, ehe wieder Schlachten ihr Leben bestimmen sollten.
Die Sterne, die zuvor noch funkelnd dem Raum ein klein wenig Licht geschenkt hatten verschwanden hinter einer Wolke und tauchten den Raum in noch tiefere Dunkelheit, ehe eine dunkle und tiefe Stimme den jungen Drachen aus dem Schlaf riss. "Coreen"
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:26 pm
Coreen fuhr hoch und mehr aus Reflex heraus bei der Unbekannten Stimme schoss sie einen Wirbel aus Eis in die Richtung ab. "Wer ist da?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:29 pm
Das Eis bahnte sich seinen Weg über den Boden und den nahe stehenden Tisch, verlieh ihm Raufrost und richtete sonst keinerlei Schaden an. "Ein Freund," antwortete die Stimme ungerührt von der Attacke. Mittlerweile schien die Stimme mehr an Körperlichkeit zu gewinnen - hatte einen Punkt, an dem man sie verorten konnte. Doch mehr als ein Mannshoher Spiegel stand nicht an den Ort, an welchem der Ursprung der Geheimnissvollen Stimme zu liegen schien. "Ein Freund, der helfen will."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:30 pm
"Ein Freund, der mich mitten in der Nacht weckt und sich nicht zeigen will?", fragte der junge Drache zurück und kam aus dem Bett.
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:34 pm
"Von Wollen kann keine Rede sein," antwortete die Stimme aus dem Spiegel. "Sondern vielmehr von Können - rasch junger Drache, wir haben wenig Zeit" die Stimme schwoll für einen kurzen Moment an, wurde jedoch ganz offensichtlich von dem Spiegel zurück gehalten, in dessen dunkler Oberfläche sich Coreen nicht mehr spiegeln konnte. "Ich weiß, dass Gawain eines Tages sterben wird. Aber wir können das verhindern."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:35 pm
"Zeig dich", befahl sie düster, weil sie absolut keine Lust hatte, sich hier in etwas zu verrennen, was ihnen allen nur schadete - und sei es nur durch falsche Hoffnung.
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:39 pm
Der Spiegel wurde Matt, geradeso als wäre er mit dichtem Nebel angefüllt worden und ein einziges, violettes Augen erschien undeutlich und schemenhaft im Spiegel. Seine Form war zwar nur zu erahnen, doch es war ohne jeden Zweifel das Auge eines anderen Drachen. Es glühte hell und erleuchtete den Rest des Raumes sanft, während Gawain weiterhin ruhig und seelig schlief. "Nenn mich Marwolaeth. Ich habe nicht genug Kraft um lange mit dir zu diskutieren junger Drache, doch ich habe dein Leid vernommen und ich bin bereit dir zu helfen um deinem Geliebten Unsterblichkeit zu verleihen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:40 pm
"Warum? Warum mir und wieso solltest du? Wie?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 2863
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:42 pm
"Weil du ebenso wie ich ein Drache bist," erwiderte Marwolaeth und starrte sie weiterhin durch den Spiegel an. "Und weil ich dir als Drache eine wichtige Aufgabe anvertrauen kann, die nötig ist um deinen Geliebten vor dem alles verschlingenden Tod zu bewahren. Ich kann nicht fort aus meinem Gefängnis, aber wenn du ein bestimmtes Artefakt in deinen Gewahrsam bringst können wir ihn zusammen retten."
avatar
Anzahl der Beiträge : 3587
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 11

am Sa Feb 10, 2018 8:43 pm
"Woher soll ich wissen, ob ich dir trauen kann? Du könntest mein Verlangen nur ausnutzen."
Gesponserte Inhalte

Re: Kapitel 11

Nach oben
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten