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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:18 pm
"Ihr seid völlig von Sinnen, Thealon", erwiderte Eoren nur, weil ihm die Aussichtslosigkeit beinahe hämisch entgegen schlug. Diese Kiefer, mit der er sein Leben teilte, war hunderte von Jahren alt, viel älter als Elaine und Thealon selbst und er konnte nicht lange weit von ihr fort. "Ihr glaubt einer dahergelaufenen Magierin mehr, als den Menschen, die Euch von Kindesbeinen an begleitet haben."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:21 pm
Thealon atmete tief ein und aus, während er den anderen betrachtete. "Ich weiß nicht mehr ob ich dir vertrauen kann. Ich weiß nicht einmal mehr, ob Kira mein eigen Fleisch und Blut ist. Vielleicht hat mich die Hexe angelogen. Aber wenn sie mich nicht angelogen hat, dann wird dieses Land untergehen, weil ich zu stolz war um die Wahrheit zu sehen..." er schüttelte sich. "Ich muss dieses Reich beschützen Eoren. Meine Befindlichkeiten sind egal."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:22 pm
"Ihr schützt es nicht, indem Ihr alle Diener, Gardisten und Berater entlasst", mahnte Eoren leise. "Vertraut mir. Ich habe Euch bis heute nicht sterben lassen und war immer an Eurer Seite, auch, wenn es manchmal knapp war, wie ich zugeben muss."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:25 pm
Thealon ließ die Schultern sinken und nickte langsam.
"Gut. Gut - wir warten bis Elaine wieder hier eintrifft und dann werde ich entscheiden wie wir in dieser Angelegenheit weiter verfahren. Du indes wirst in deinem Zimmer bleiben. Ich werde dich rufen lassen, wenn ich zu einer endgültigen Entscheidung gekommen bin. Ich kann mir nun keinerlei Fehler mehr erlauben. Es geht hier um die Zukunft des gesamten Reiches und ich werde mich von niemanden mehr anlügen lassen. Ist das klar?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:26 pm
"Natürlich, König Thealon", antwortete Eoren sofort und wollte schreien, denn das alles hier lief so völlig aus dem Ruder. Er würde die Zeit nutzen und herausfinden, wie man einen alten Baum verpflanzen konnte. Oder fragen, ob er weiterlebte, wenn auch nur irgendetwas dieses Baumes weiterhin Bestand hatte. Dass er hierblieb, das versprach er nicht mit Worten - besser war das, ehe er gebunden war an dieses Schloss mit seinem kalten Stein.
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:37 pm
Das Wiedersehen mit Thealon lief vollkommen anders ab, als gedacht, wie Elaine feststellte, als die Wachen sie flankiert bis zu seinem Arbeitszimmer gebracht hatten, kaum dass sie wieder in Winterbroke angekommen war. Da war ein ungutes Gefühl in ihrem Inneren, wo eigentlich Freude über die Heimkehr sein sollte - eines, das ihr den Hals zuschnürte und den Stein in ihrem Magen mit jeder weiteren Sekunde wachsen ließ. All ihre Sinne waren auf Flucht gestimmt, darauf sich umzudrehen und wieder fort zu laufen, wären da nicht die Männer in den Rüstungen gewesen, die Kira beauftragt hatten in den Thronsaal zu gehen, um sich dort um die Bittsteller zu kümmern, während sie selbst in Thealons Arbeitszimmer gebracht wurde.
Ein kurzes Klopfen bevor die Tür geöffnet wurde und bevor sie blinzeln konnte fand sie sich vor seinem Schreibtisch wieder, während die Wachen hinter ihr die Tür schlossen und sie verriegelten. Sie begriff nicht, was während ihrer Abwesenheit geschehen war - weshalb sie behandelt wurde, wie eine Verräterin, die man nur kurz aus dem Kerker gelassen hatte. "Ich...", begann sie unter dem strengen Blick des Königs. "... Karsh war in meinem Geist. Er weiß von dem Eid. Ich habe es nicht verhindern können." Besser sie erklärte ihm die Wahrheit gleich, bevor er sie anderweitig herausfand. "Es tut mir leid."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:43 pm
"Das muss es nicht," erwiderte Thealon nur kopfschüttelnd. Er hatte viel Zeit gehabt über alles nachdenken zu können - es waren mehrere Tage ins Land gegangen. Tage, an denen Thealon keinen hatte sehen oder hören wollen, während er sich selbst in düsteren Gedanken ergangen hatte. Er hatte nach einer Lösung gesucht, irgendetwas - aber der Verrat der um ihn herum herrschte, der sein ganzes Leben durchzog wie eine Blutvergiftung machte ihm mittlerweile schwer zu schaffen.
"Es ist wie es ist - sie hätten es früher oder später sowieso heraus gefunden..." er machte eine wegwerfende Handbewegung. Das war mittlerweile seine geringste Sorgen. "Hör mir zu Elaine..." erklärte er und versuchte so ruhig zu bleiben wie er irgendwie nur konnte. "Es gibt... ich habe einiges Erfahren das... mich beunruhigt. Das mein Reich und mein Volk bedroht und ich muss einige Entscheidungen treffen. Dafür möchte ich, dass du ehrlich zu mir bist. Ich möchte, dass du mir schwörst mir in diesem Gespräch nichts als die Wahrheit zu sagen und ich schwöre dir dafür, dass ich weder dir noch jemanden der dir nahesteht für das bestrafe, was du mir während dieses Gesprächs sagen wirst. Kriegen wir das hin?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:46 pm
Er hatte Dinge herausgefunden? Es gab kaum mehr etwas, das sie vor ihm geheim gehalten hätte können und so nickte sie langsam, blieb einfach vor dem Schreibtisch stehen, selbst wenn ihre Knie weich waren. Es war noch immer schwer aufrecht zu stehen, Schritte zu gehen, die von mehr als von Sitzgelegenheit zu Sitzgelegenheit gingen. Sie hatte gehofft hier willkommen geheißen zu werden, aber genau das Gegenteil war der Fall - sie fühlte sich eher, als wäre sie geradewegs in eine dunkle Grube geworfen worden und jetzt hätte jeder die Gelegenheit mit Steinen nach ihr zu werfen. "Natürlich."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:49 pm
"Ich möchte vorabschicken, dass du mir wahrhaft etwas bedeutest Elaine. Früher hast du mir einmal mehr bedeutet, ehe... ich herausfand, dass du Devastare fort gebracht hast um mich zu hintergehen das hat... etwas in mir kaputt gemacht. Auch wenn ich glaube es irgendwie nachvollziehen zu können..." er kniff sich in die Nasenwurzel. Was tat er hier eigentlich? Das war ganz und garnicht seine Art. "Deswegen - ich will dich Fragen... welche Gefühle hegst du mir Gegenüber?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:53 pm
"... früher einmal habe ich dich gehasst", antwortete Elaine. "Mit all meinem Herzen. Ich habe Ekynes schützen wollen, als ich Devastare weggebracht habe, weil er den Untergang meiner Familie bedeutet hätte. Dem Ort, an dem mein Großvater und meine Mutter noch immer leben. Die Zeit jetzt ... hat mich eines Besseren belehrt. Mein Lehrmeister, der Mann, dem ich früher einmal vertraut habe und von dem ich geglaubt habe, er würde unseren Sohn zu einem besseren Mann machen, ist genauso grausam wie zu der Zeit, als ich bei ihm war. Ich habe gedacht, er hätte gelernt und ... ich könnte zurückkehren, wenn ich wieder frei wäre. Inzwischen will ich das nicht mehr", fuhr sie fort und rang die Hände ineinander.
"Ich habe festgestellt, dass das hier meine Heimat ist. Dass meine Familie hier ist und dass all die Streitigkeiten zwischen uns nicht hätten sein müssen, wenn ich nicht zu blind gewesen wäre, um zu sehen, dass du nur versucht hast mich zu schützen. Ich wünschte nur, ich hätte früher auf dich gehört. Du bedeutest mir etwas, Thealon, und es tut mir leid, dir das nicht viel früher gesagt zu haben. Ich glaube, es hätte uns viel Ärger miteinander erspart."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 4:56 pm
"Hätte es wohl..." erwiderte Thealon leise und kaute auf der Innenseite seiner Wange herum.
"Hör mir zu Elaine - ich glaube dieses Gespräch wird sehr weh tun. Uns beiden. Und vielleicht hätten wir es verhindern können, wenn es anders gelaufen wäre, aber das ist es nicht. Was ich sagen will ist - ich will, dass wir eine gemeinsame Lösung finden, wenn all das hier vorbei ist. Und ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Nun..." er betrachtete die Schriftstücke vor sich, so als wären sie ganz besonders spannend, zwang sich dann jedoch zurück zu Elaine zu schauen. "Hast du mit Eoren geschlafen?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:00 pm
Darum ging es also. Elaines Blick blieb auf Thealons Gesicht gerichtet. "Ich wollte", antwortete sie schließlich. "Ihm war die Treue dir gegenüber wichtiger ... ich war an diesem Abend so wütend und enttäuscht darüber, dass dieses Leben hier anders war als ich es erwartet hatte. Dass du kalt und grausam warst ... dass du genauso warst wie Karsh und dass du gewirkt hast, als hätte es dir Spaß gemacht mir weh zu tun. Er war derjenige, der mich rausgeworfen hat."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:04 pm
Thealon wurde bleich und ein seltsames, schales Gefühl breitete sich in seinem Magen aus, wirkte auf seiner Zunge nach.
"Als du fort warst ist eine andere Zauberin hier eingedrungen..." erklärte Thealon leise und massierte sich die Schläfen. "Sie hat viele gute Männer umgebracht und mich in meinem Schlafzimmer überrascht. Sie sagte, dass Kira nicht mein eigen Fleisch und Blut ist. Das Devastare nie mehr zurück kehren wird und die Königin von Ekynes geheiratet hat. Das dieses Land dem Untergang geweiht ist wenn ich sterbe, da der Schutz der Götter sich nicht auf Kira erstreckt. Stimmt das?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:09 pm
"Er hat die Königin von Ekynes geheiratet und er ist glücklich dort, wo er jetzt ist. Ich habe dieser Verbindung meinen Segen gegeben, weil es das Einzige ist, was richtig gewesen ist. Du hast ihn hier in Winterbroke erlebt, selbst der Zauber, den ich gesprochen habe, hat nicht ausgereicht und wir haben beide gesehen, welches Chaos er hier binnen einiger weniger Wochen angerichtet hat. Wir haben ihn aufgeben müssen, Thealon, auch wenn er unser Sohn ist", beantwortete Elaine die erste Anschuldigung, die er ihr entgegen brachte bevor sie die Stirn runzelte.
"Ich habe gesehen, welches Unheil irgendein dahergelaufener Zauberer anrichten kann, nur weil er der Meinung ist, er müsse etwas 'gutmachen' wollen. Karsh war ein solcher Mann, der mit guten Ratschlägen nur Unheil angerichtet hat. Ich weiß nicht, weshalb eine fremde Magierin hier aufgetaucht ist und was sie hier gewollt hat, aber wenn sie aus irgendeinem Grund Zorn gegenüber Caria hat und uns deshalb auseinander treiben will, dann hätte ich wahrscheinlich dieselben Anschuldigungen gewählt", fuhr sie schließlich fort. "Kira ist deine Tochter. Ich weiß nicht, ob ihre Fähigkeiten und das, was sie ist, nicht eines Tages für den Untergang dieses Reiches sorgen wird - ich kann es dir nicht sagen, weil ich dafür zu wenig weiß. Ich weiß nicht, ob sie recht damit hatte. Das ist alles, was ich dir sagen kann."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:13 pm
Thealon nickte langsam, während er über das nachdachte, was Elaine ihm da gerade sagte und es abwog. Auch Eoren hatte da selbe gesagt und er wusste selbst nicht, wieso er auf die Worte der fremden Magierin überhaupt soviel gab. War es vielleicht sogar die Angst gewesen, die ihn hier geleitet und fest im Griff gehalten hatte?
"Dann eine letzte Frage Elaine - wärst du bereit mich zu ehelichen, um einen legitimen Erben mit mir zu zeugen. Eine Sicherheit für dieses Reich und auch für dich, sollte dein ehemaliger Meister erneut versuchen dir zu nahe zu kommen?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:15 pm
"... was?", hakte Elaine nach und runzelte die Stirn, weil das das Letzte war, womit sie hier gerechnet hatte. "Aber ... ich bin nur eine Magierin? Ich habe keine Bedeutung für dein Reich und stärke weder deine Macht, noch dieses Land. Du wurdest nicht müde mir das zu sagen, wenn es um all die anderen Frauen ging, mit denen du ins Bett gegangen bist. Warum änderst du deine Meinung so plötzlich?", hakte sie schließlich nach und blinzelte ehe ihr bewusst wurde, dass sie ihm die Antwort schuldig geblieben war. "Ja, ich wäre bereit dich zu ehelichen."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:19 pm
"Gut," erwiderte Thealon und nickte knapp. "Und weshalb ich meine Meinung ändere? Du bist die Einzige, die mir bisher Kinder geschenkt hat. Und auf jedes einzelne von ihnen kann ich durch und durch stolz sein..." er nickte knapp. "Und eine weitere politische Hochzeit würde nur bedeuten, dass erneut Ansprüche an Caria gestellt werden, die ich zu erfüllen nicht bereit bin. Wir werden die Länder erobern, die wir uns einverleiben wollen. Und außerdem habe ich dir bereits zu beginn gesagt, dass ich durchaus etwas für dich empfinde. Und es sichert auch deinen eigenen Status."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:23 pm
"Ich will diese Hexe hier nicht sehen, Thealon. Du hast ihr einmal geglaubt und du hast gesehen, wohin es geführt hat. Ich will keine andere Frau jemals in deinem Bett sehen, wenn ich dieser Hochzeit zustimme. Ich will, dass du mir versprichst, dass du nie wieder einer anderen Frau näher kommst, Thealon, schwöre dasselbe wie ich es dir geschworen habe."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:27 pm
Thealon schwieg eine ganze Weile, ehe er langsam und zustimmend nickte. Das was sie hier von ihm verlangte war viel, aber letztlich, wenn er ehrlich zu sich selbst war, auch nicht mehr als Fair.
"Nun gut..." erwiderte er leise. "Ich schwöre dir, dass ich keiner anderen Frau außer dir in sexueller Hinsicht jemals mehr nahekommen werde," seine Worte waren deutlich und klar gesprochen, während er Elaine eine ganze Weile betrachtete. "Und was die Hexe angeht - ich habe sie nicht hier eingeladen. Und ich will sie auch nicht mehr sehen."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:33 pm
"Danke", sagte Elaine und nickte sacht. Sie hatte nicht erwartet zu heiraten, als sie hierher zurückgekehrt war - sie hatte nicht einmal erwartet hier zu stehen und erst ein Verhör überstehen zu müssen, bevor sie wirklich hier angekommen war. Nun stand sie hier und würde den Mann heiraten, den sie einst gehasst hatte und der ihr jetzt trotzdem die einzige Heimat anbot, die ihr noch blieb. Sie hatte keine Alternative mehr als ihr Widerstreben aufzugeben, wenn sie ihre Tochter und Eoren retten wollte. Ein Nein war keine Alternative für Thealon gewesen und das Letzte, was sie gewollt hatte, war zuzusehen, wie Eorens Baum brannte. Was blieb war noch eine andere leise Bitte, die ihr die letzten Worte offenbart hatten.
"Versprich mir, Karsh für das zu töten, was er mir angetan hat."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 5:38 pm
Thealon hob die Brauen, ehe er langsam und mechanisch nickte. "Ich werde es versuchen - persönlich wenn ich ihm begegne oder einer meiner Männer. Du wirst nichts mehr vor ihm zu befürchten haben. Ich werde ihn zur Rechenschaft ziehen und ihn vernichten. Kein Feind dieses Landes wird mehr Hand an dich legen Elaine. Du wirst meine Frau sein. Die Königin Carias - und nichts und niemand wird mehr etwas gegen dich unternehmen!"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 6:06 pm
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Die Stunden, seit Elaine mit ihr gesprochen hatte, waren wie in einem Wimpernschlag vergangen. So viele Dinge waren geschehen, hatten sich beinahe überschlagen und ließen keinen Raum zum Atmen. Ferryn hatte ihre wenigen Habseligkeiten gepackt, sie hatte sich von ihrer Mutter verabschiedet - nicht mit Informationen oder irgendetwas, sondern nur so, als würde sie früh zu Bett gehen und es tat ihr in der Seele weh, sie anlügen zu müssen. Aber die Worte, die Elaine an sie gerichtet hatten, waren klar gewesen. Klar und hart.
Ferryns Hände ballten sich zu Fäusten.
Nun saß sie hier auf ihren Sachen, zurückgezogen in einen der Seitengänge, damit sie den Wachen entgehen konnte und wartete auf den Wachwechsel, um das Schloss zu verlassen - um ihr Leben zu schützen, wie es geheißen hatte. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum auf einmal sie in Gefahr sein sollte, die jahrelang nicht ein einziges Wort über ihre wahre Herkunft gehört hatte. Sie, die Caria liebte und hier groß geworden war. Fortgehen sollte sie, ganz ohne die Hochzeit überhaupt noch in Betracht zu ziehen.
Kurz sah sie auf den Ring hinunter, der noch an ihrem Finger im fahlen Mondlicht aufschimmerte, das Gold glänzend und neu poliert. Ihre Zukunft.
Sie würde nicht für Kira da sein können, geschweige denn ihre Mutter noch näher kennen lernen und diese Ungerechtigkeit, die ihr da widerfuhr, ließ sie die Zähne zusammenbeißen. Elaine hatte sie nicht gewollt. Sie hatte das Wissen gewollt, dass ihr Kind überlebt hatte, um mit dem eigenen Schmerz umzugehen und sie wollte ihn auch jetzt nicht, deswegen schickte sie sie fort. Es mochte unfair sein, aber als Elaine hier gewesen war, all die Zeit vorher, da hatte sie sich auch nicht weiter für sie interessiert, nur selten ein Gespräch mit ihr geführt. Ferryn hatte sich in dieser Zeit Hoffnung gemacht auf eine Beziehung, die sich zwischen ihnen entfalten könnte. Es war einfacher gewesen, damals ... zu glauben, Elaine interessiere sich nicht für sie. Sie hatte Recht behalten. Sobald Thealon beschlossen hatte, seine Hofmagierin zu heiraten war alles zu nichte gemacht, was sie glaubte, dass da vielleicht hätte sein können. Scheinbar hatte ihre Mutter erreicht, was sie wollte und Ferryn stand da nur im Weg. Nachdem Devastare die Krone abgelehnt hatte, stünde sie eigentlich ihr zu und obwohl sie sie nicht wirklich wollte, fühlte sie sich übergangen.
Auf ihrer Unterlippe nagend stand sie auf und strich sich die Kleidung glatt, an der noch Mehl und ein paar Holzspäne klebten. Sie versuchte, all die Gedanken fort zu schieben und die Angst vor dem Ungewissen, das ihr drohte sowie das Wissen, ihre Familie hier zurück zu lassen. Mit einem Mal hasste sie Elaine dafür, sie in all das hineingezogen zu haben. Warum konnte sie nicht wirklich und wahrhaftig die Tochter einer Köchin sein? Dann wäre all das nicht passiert!
Wütend schlug sie mit der Faust gegen die Mauer und biss noch härter auf ihre Lippe, um die Tränen zurück zu halten.
Fort. Geh fort. Finde Devastare. Sie hatte nicht gesagt, wie sie ihn finden sollte in dieser verdammten Welt, die so groß und erschreckend war. Sie war noch nie weiter als dreißig Meilen von Winterbroke entfernt gewesen und nun musste sie in fremden Ländern suchen. Elaine hatte nicht einmal zugehört, als sie von Kira zu erzählen begonnen hatte, um deren Wohlergehen sie die letzten drei Tage gebangt hatte, weil sie einfach so verschwunden war. Ferryn hatte überall gesucht, selbst im Wald, den sie sonst nie betrat, weil er ihr unheimlich war und war doch mit leeren Händen zurückgekehrt.
Und da standen sie. Beide. Äußerlich unversehrt und Elaine schickte sie verdammt noch mal fort!
Würde Kira kommen und sich verabschieden? Ferryn hatte ihr einen Zettel hinterlassen ... aber die Zeit schritt unbarmherzig voran und ihr Herz zog sich immer weiter zusammen, je näher der Wachwechsel kam.
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 6:14 pm
Verborgen unter einem viel zu großen Umhang und in die einfachen Gewänder einer Dienstmagd gekleidet, hatte sich Kira aus ihren Zimmern heraus geschlichen, kaum dass sie die Nachricht ihrer älteren Schwester im Turmzimmer gefunden hatte und harrte jetzt still im Dunkeln bis sie leise Schritte hören konnte. Ebenso leise und vorsichtige Schritte wie ihre eigenen es gewesen waren, als sie hierher gekommen war. "Ferryn", flüsterte sie leise in das Dunkeln hinein und als sie die hochgewachsene Gestalt ihrer großen Schwester sehen konnte, hob sie den Kopf und beeilte sich um die nächste Ecke zu kommen, bevor die Wachen mit den Lichtern hierher kommen und sie entdecken konnten. Die Heimkehr nach Caria ... Fosters Worte, das Land wäre der Ort, der eigentlich Heimat sein sollte und der trotzdem fremd war, sie hallten in ihrem Kopf wieder, obwohl sie nichts mehr gewollt hatte als zurück zu ihrer Familie zu kommen. Die Eröffnung, dass ihr Vater jetzt plötzlich auf den Gedanken gekommen war, er würde Elaine heiraten - sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Dann war da die Nachricht ihrer Schwester gewesen und sie hatte ihr den Boden unter den Füßen weggerissen.
Sie verstand nicht, warum die Ältere jetzt plötzlich gehen sollte - warum sie fort sollte, wo doch über all die Jahre alles sicher gewesen war und ihre eigene Hochzeit so kurz bevorstand, die sie ohnehin auf ein Anwesen nahe der Grenzen nach Miris führen würde. "Ferryn", wiederholte sie noch einmal als sie die düstere Gestalt ihrer Schwester erkannte und beeilte sich zu der Älteren zu kommen, die Hände ausstreckend um nach denen der anderen zu greifen.
"Was ist los? Warum musst du gehen?"
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 6:15 pm
Nur halbherzig erwiderte Ferryn den Druck der Finger, die sich um ihre schlossen und schluckte hart. "Elaine schickt mich fort. Sie sagte, ich solle noch heute Nacht das Schloss verlassen ... Caria verlassen - und nicht wiederkommen."
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Re: Kapitel 13

am So Feb 18, 2018 6:16 pm
"Aber ... warum?", hakte Kira noch einmal nach, weil sie noch immer nicht verstand, warum Ferryn jetzt plötzlich gehen sollte. "Und wohin ...?"
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Re: Kapitel 13

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