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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 3:51 pm
"Hier rein!" Anurins Griff lockerte sich mit einem plötzlichen Ruck und entließ Caladhiel, welche zuvor von ihrem Meister durch die Gänge und die lange Treppe bis in sein Büro hinauf geschleift worden war taumelnd in das Arbeitszimmer. Beinahe wäre sie gegen den mahagonifarbenen Schreibtisch gestoßen und hätte das verzierte Tintenglas auf eine ganze Reihe an teuren Papieren verschüttet, doch nach einem kurzen und gefährlich aussehenden Wackler fing sich das Gefäß wieder.
"Was hast du dir dabei gedacht die Sache so außer Kontrolle geraten zu lassen? So mit mir zu reden - vor allen anderen. Insbesondere vor dem Mädchen, dass du entführt hast?" er deutete hinter sich, die Treppe hinunter, wo irgendwo Faye in einem der Gästezimmer untergebracht war. "Wir müssen Einigkeit symbolisieren Caladhiel! Stärke! Wir sind geschwächt - Eragon ist fort, wir haben zwei Jungreiter verloren. Unser Orden muss für etwas gutes und wahres stehen und das kann er nur, wenn er geschlossen Schulter an Schulter für die Gerechtigkeit streitet. Und wenn es alle anderen wenigstens nur so sehen!"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:24 pm
Ihr Schädel hämmerte noch immer von dem Sturz von ihrem Drachen, die dutzenden von blauen Flecken schmerzten bei jeder einzelnen Bewegung und inzwischen war sie glücklich darüber, dass zumindest ein paar der Platzwunden soweit verkrustet waren, dass ihr nicht mehr ständig Blut in die Augen lief. Ein weiterer blauer Fleck an ihrem Arm, der jetzt von seinem Griff herrührte, würde es da nicht mehr ausmachen und trotzdem ertappte sie sich dabei, wie sie jetzt nach dem Arm griff, um die schmerzende Stelle zu reiben - es half ihr trotzdem nur sehr wenig. Die Kante des Schreibtischs drückte ihr gegen die Hüfte, als sie sich daran festhielt, um sich selbst wieder zu fangen und den kurzen Moment zu nutzen, der ihr blieb, um überhaupt Luft zu holen, nach dem Tempo, mit dem sie in das große Turmzimmer hinauf geschleift worden war. Die Rippen protestierten, ihre Lunge brannte und wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie sich am Liebsten in dem Hort neben Anwar zusammengerollt und wäre erst wieder rausgekrochen, wenn es aufhörte weh zu tun.
Dann folgte die Schimpftirade und ungesehen von dem Älteren ballte sie die Hände zu Fäusten. "Geschlossen ...", echote sie mühselig und schloss die Augen, bevor ein abfälliges Lächeln über ihre Lippen huschte. "Geschlossen hinter wem? Hinter Arva?", fragte sie dann und wandte sich zu Anurin um, nicht gewillt hier und jetzt den Mund zu halten.
"Ich habe versprochen an Eurer Seite zu sein, Euch zu unterstützen und zu helfen, wo immer ich es kann. Ich kenne meinen Platz sehr gut, nur falls das jetzt Thema werden sollte, aber ich werde nicht tatenlos mitansehen, wie Arva sich hier aufspielt, als wäre er der neue Hochmeister, nur weil er neidisch darauf ist, dass er von Eragon übergangen wurde! Wir sind nicht geschwächt. Ceunon war ein Rückschlag, den der König vergelten wird und was Eragon angeht ..." Sie brach ab und biss die Zähne aufeinander, weil sie ihm nicht sagen wollte, dass der einstige Großmeister nicht so gut war, wie Anurin sich einredete. Vielleicht war ihre eigene Ansicht auch nur falsch und sie hatte ihn nicht lange genug gekannt, aber gemocht ... nein, das hatte sie nie.
"Wir haben Euch als Hochmeister.", sagte sie stattdessen. "Es tut mir leid, dass ich nicht hier stehen kann und Euch das sagen kann, was Ihr hören wollt. Ich kann Euch auch nicht versprechen, dass es nie wieder vorkommen wird, aber was ich versprechen kann, ist, dass Ihr von mir immer die Wahrheit hören werdet. Wie immer sie auch aussehen mag ..."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:30 pm
Anurin hob die Brauen und betrachtete die junge Frau vor sich, die verschandelt und körperlich beinahe gebrochen vor ihm stand. Sie sollte gebrochen sein - all das, was ihr in den letzten Stunden widerfahren war hätte ihr so etwas wie Demut lehren sollen. Er hatte größere, erfahrenere Männer gesehen, die an geringeren Situationen gescheitert waren. Und hier stand Sie nun, noch immer mit verkrusteten Blut in den Haaren und einem Feuer in den Augen, dass ihm fast Angst machte.
"Die Wahrheit?" echote er, statt auf ihre vorigen Argumente einzugehen, da etwas in ihm befürchtete, er würde sie nicht vollends ausmerzen können. Oder wollen. "Die Wahrheit... wie soll Sie denn aussehen diese Wahrheit? Du klignst fast so, als läge dir etwas auf der Zunge?" er hob die Hand und sandte einen Stoß an Magie aus, welcher die Tür ins Schloss fallen ließ und für allzu neugierige Ohren versiegelte. "Trink," er griff nach einer großen Flasche mit dunklem, bernsteinfarbenen Inhalt und warf diese Caladhiel zu. "Das hilft gegen die Schmerzen - und dann sag mir, was du loswerden musst."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:39 pm
"Der Hofmagier wollte Faye loswerden oder schickte sie freiwillig mit uns, damit sie Informationen weitergeben kann", begann sie und lenkte einen kurzen Blick hinunter zu der Flasche in ihren Händen, bevor sie sie einfach bei Seite stellte. Solange Phileas und Emmyn nicht wieder hier waren, solange würde sie gar nichts tun - es waren keine tödlichen Verletzungen, keine, die sie langfristig schwächen würden - nichts, was dem Orden mehr schadete als ihr selbst.
"Niemand wird uns deshalb bestrafen wollen, dass sie hier ist. Es ist mit ihrem Meister abgesprochen - er sorgt dafür für die Sicherheit von Emmyn und Phileas. Ich glaube, dass er nur dort ist, weil er einen Auftrag hat - ich habe ihn damit konfrontiert, dass ich weiß, dass er ein Elf ist - er verleugnete, aber er kannte meinen Namen, als ich ihm ihn nannte. Er ist nicht nur am Hof eines menschlichen Königs, weil er dort eine Anstellung gefunden hat - es hat mit den Elfen zu tun", setzte sie nach und pustete eine Strähne weg, die ihr an den Wimpern klebte.
"Und was Arva angeht ... Er hat Oromis verprügelt, hat ihn bewusstlos auf dem Hof liegen lassen, weil er ihn für zu schwach hält. Oromis würde niemals einen Ton dagegen sagen. Vorhin ... Arva war derjenige, der die Befehle geben wollte, der bestrafen wollte ohne überhaupt irgendetwas mit Euch abzusprechen, deshalb wollte und konnte ich nicht den Mund halten und wenn wir aufbrechen, um Emmyn und Phileas zu retten, dann will ich dabei sein. Das bin ich ihnen schuldig."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:45 pm
Anurin blinzelte, wirkte für einen kurzen Augenblick beinahe erschlagen von all den Vorwürfen, querverweisen und - er konnte es fast nicht anders nennen - Rufmorden, die Caladhiel da gerade betrieb. "Caladhiel, Arva mag ein etwas härteres Kaliber sein. Aber du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass er seinen Schüler schlägt? Außerhalb einer Trainignseinheit und einer dort verpassten Parade? Arva ist hitzköpfig ja, aber er... er ist einer der besten von uns. Er mag hart sein aber... Eragon sagte immer, dass ich mir etwas bei ihm abschauen könnte. Er ist der beste Schwertkämpfer von uns allen. Ry'lafay ist die beste Magierin - ich...." er brach ab, straffte sich wieder. "Das sind harte Anschuldigungen Caladhiel. Ich gebe zu, dass ich erbost über das bin, was im Hort geschehen ist und das ich mit Arva darüber sprechen muss. Aber wenn du all dies nur sagst um dich an ihm zu rächen muss ich dich darauf hineweisen, dass es ernsthafte Konsequenzen haben könnte - vor allem für dich, sollte es sich als Lüge heraus stellen."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:52 pm
"Darum mache ich mir keine Sorgen", setzte Caladhiel ihm lediglich entgegen und stieß sich von ihrem sicheren Platz am Schreibtisch ab, um ein paar Schritte auf ihren Meister zuzumachen. Langsam streckte sie die Arme aus und hielt ihm die Hände hin. "Seht nach. Durchsucht meinen Geist nach dem letzten Gespräch mit Oromis vor dem Abflug nach Ceunon. Es gibt nichts, was ich vor Euch würde verbergen müssen", bot sie ihm schließlich an und nickte für sich selbst, nur ein paar Dinge all dessen, was es da in ihrem Kopf gab sehr sicher verwahrend und es zu Anwar auslagernd. Unwichtige, persönliche Angelegenheiten, die hier nichts mit dem Auftrag oder Arvas Tun zu tun hatten.
"Alles, was Ihr Euch bei Arva abschauen könntet, ist, wie Ihr es nicht machen sollt. Es hat einen Grund, warum Eragon Euch und keinen der anderen zum nächsten Hochmeister gemacht hat. Ich biete es Euch an - durchsucht meinen Geist. Ich gebe zu, dass ich Arva ebenso sehr verachte, wie er mich, aber ich tue das der Gerechtigkeit wegen und nicht, um ihn zu diffamieren. Jeder, der es fordert, soll genau dasselbe tun."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 4:57 pm
Anurin griff zögerlich nach Caladhiels Händen, hielt die warmen, grazilen Finger in seinen eigenen, viel größeren Händen und spürte die leichten Wülste und Narben, die von den Jahren des Schwerttrainings herrührten. Er strich sanft und Gedankenverloren über ihren Handrücken, ehe er langsam losließ. "Nein," antwortete er nur leise, aber bestimmt. Das ist nicht richtig - wenn ich dir glaube, dann tue ich das nicht weil ich zuvor deinen Geist durchsucht habe. Es wäre nicht richtig. Ich glaube dir Caladhiel - auch ohne weitere Beweise. Arva scheint in letzter Zeit - vor allem sei Eragons Weggang - gereizt zu sein. Gereizter noch als er es ohnehin beinahe immer ist. Er schlug die Augen nieder. "Ich sollte ihm seine Grenzen aufzeigen bevor er zu einem Problem wird. Ich muss eindeutig klar machen in welche Richtung sich der Orden entwickeln soll. Ich muss in Ceunon ein Machtwort sprechen und vor allen Dingen müssen wir Palancar loswerden...." er deutete auf einen Brief, der auf seinem Schreibtisch lag. "Dieser kam von den Zwergen - ihr Stollen im Buckel wurde mit giftigen Gasen gefüllt, nachdem sie sich weigerten dem König die Hälfte des geschürften Erzes zu schenken."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:05 pm
"Arva ist neidisch darauf, dass er übergangen wurde. Er ... ", wiederholte sie erneut und geriet dann ins Stocken, als die volle Ladung der letzten Offenbarung an ihren Geist drang und dort langsam verarbeitet wurde. Die Zwerge ... Hälfte des Erzes und giftige Gase. Langsam wurde ihr klar, wie wahnsinnig der menschliche König eigentlich war, in dessen Gesellschaft sie noch vor wenigen Stunden gewesen war und der sie wohl ohne Weiteres ermordet hätte, wenn ihm danach gewesen wäre. Schluckend wandte sie sich um und trat zu dem Schreibtisch hinüber, um den Brief darauf behutsam aufzunehmen und die Augen über die zwergischen Runen wandern zu lassen, die darauf zu sehen waren. Es dauerte bis sie jede einzelne davon übersetzt hatte und all die grauenhaften Details offenbart wurden.
"Palancar muss weg ...", stieß sie schließlich hervor und ließ den Blick wieder zurück auf den Platz gleiten. "Wenn er noch länger an der Macht bleibt .... ich weiß nicht, was passiert, wenn er erst auch noch die Elfen gegen sich aufbringt. Wenn Kharas ihn dabei nicht gestoppt hat, wo es um Völkermord ging ... wir müssen etwas tun."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:09 pm
"Müssen wir - allerdings dürfen wir nicht ohne jedwede Vorbereitung aufbrechen. Ich muss Arva wieder unter Kontrolle bringen und wir müssen alles über Kharas herausfinden was wir können - das Mädchen weiß mehr als sie zu sagen bereit ist oder womöglich sagen kann. Irgendein mächtiger Zauber liegt auf ihr - R'lafay soll sich mit ihr beschäftigen und schauen, ob es uns nicht gelingt den Fluch zu brechen, der auf ihr lastet. Wir können und dürfen nicht zulassen, dass alles so weitergeht. Wenn wir Phileas und Emmyn retten wollen müssen wir nicht nur als Reiter zusammen stehen, sondern auch die Schwächen unserer Feinde kennen. Wir werden aus allen Himmelsrichtungen angreifen müssen, damit wir nicht so leicht vom Himmel geholt werden können wie ihr. Womöglich müssen wir sogar weit vor der Stadt landen und den Rest laufen - auf dem Boden ist ein Netz kaum eine Gefahr. Wir können sie verbrennen und sind nicht durch einen Sturz angeschlagen. War noch etwas Caladhiel? Irgendetwas, das wichtig sein könnte?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:16 pm
Eine ganze Weile lang überlegte sie, dachte darüber nach, ob es noch etwas gab, was sie bislang vergessen hatte zu erwähnen und ging in Gedanken noch einmal das Gespräch mit Kharas durch, ließ es zurück zu Palancar gehen und wog jedes noch so kleine Detail ab, das sie in Erfahrung gebracht hatte, aber bislang hatte sie alles ausgesprochen. Langsam schüttelte sie den Kopf und bereute die Geste gleich wieder, weil es den Kopfschmerzen nicht zuträglich gewesen war, die sie gerade in Empfang nahmen und ihre Augen tränen ließen. Essen und schlafen ... das war gerade so ziemlich das Einzige, was sie wollte, bevor der übliche Tagesablauf sie wieder einnehmen würde.
"Es tut mir leid, dass ich es vermasselt und Euch enttäuscht habe", räumte sie dann nach einiger Zeit noch einmal ein und rang sich ein Lächeln ab. "Und, dass ich nicht gewartet habe mit den Vorwürfen bis wir allein sind ... ich halte mich demnächst vor anderen zurück."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:20 pm
"Du hast nicht versagt Caladhiel," erwiderte Anurin und legte ihr aufmunternd eine Hand auf die Schulter. "Der Brief der Zwerge kam an, kaum dass ihr außerhalb meiner Reichweite ward. Ich hatte fast befürchtet euch in eine Todesfalle geschickt zu haben. Niemand von uns konnte ahnen, dass der König derart voller Bosheit und Wahnsinn steckt. Es ist nicht deine Schuld. Ich selbst hätte genauer nachdenken müssen. Es war eine Aufgabe, die jeden Schüler und viele ausgebildete Reiter überfordert hätte. Und was die Vorwürfe angeht.... sie waren nicht völlig unangebracht. Nur bitte - nie wieder vor anderen. Wir müssen geeint wirken. Stark. Wie ein Geist. Ich weiß bei allen Geistern, dass wir es aktuell nicht sind und ich noch viel Arbeit vor mir habe, bis wir an diesem Punkt angekommen sind. Aber wir können es schaffen. Wir werden deine Freunde retten und wir werden Palancar ein Ende bereiten. Wenn auch nicht heute. Ich muss noch mit Ry'lafay sprechen und du musst deine Wunden versorgen lassen. Du kannst dich ja kaum mehr auf den Beinen halten!"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:25 pm
"Sind nicht die Ersten und werden wohl auch nicht die Letzten bleiben", versuchte sie abzuwiegeln und rang sich dann doch ein schiefes Lächeln ab. "Eigentlich würde ich nur gern etwas essen und ein paar Stunden schlafen, vielleicht kann ich irgendwo dazwischen noch ein Bad schieben ... ich befürchte das bräuchte ich auch dringend." Zumindest, wenn sie an sich herabsah und die dreckigen Sachen begutachtete, die sie da gerade am Leib trug und von denen ein Teil bereits zerrissen war. Sie hatte schon besser ausgesehen, umso dankbarer war sie jetzt dafür, dass er zumindest nicht mehr so wütend auf sie war, wie er zu Beginn dieses Gesprächs gewirkt hatte.
"Versprochen", stimmte sie dann aber zu und hob die Hand, um sie auf die des Älteren zu legen, weil die Geste einfacher war als jetzt auch noch zu nicken. "Und ... danke."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 5:27 pm
"Es gibt nichts, wofür du dich bedanken müsstest Caladhiel. Ich habe dich als dein Meister und als Anführer enttäuscht," erwiderte Anurin nur leise und schüttelte den Kopf. "Aber dass soll nicht deine Sorge sein - sonder meine. Du kannst gehen und baden und was du sonst tun musst um wieder einsatzbereit zu sein..."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 8:45 pm
Die Geysire schossen ihre heiße Ladung in die Luft und erfüllten die gesamte Umgebung mit einem sanften Schleier aus diffusem Dunst, der die Nebenhöhlen befreite und tausende ineinander verschlungene Regenbögen gebar, die wie übereifrige junge Welpen umeinander geschlungen in der Luft tanzten. Irgendwo vom Meer war das Kreischen der Möwen zu vernehmen, während die glitschigen Kiessteine unter Caladhiels schweren Stiefeln quietschten und knarzten. "Wo wollen wir denn hin?" durchbrach eine dunkle Stimme die Stille, die Möwen verstummten wo auch immer sie hergekommen waren. "Solltest du nicht im Schloss sein Caladhiel?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 8:54 pm
Mitten im Schritt war Caladhiel stehen geblieben, als die wohl bekannte Stimme hinter ihr erklungen war und ihr Herz einen kurzen Satz in die Höhe gemacht hatte. Nach dem Gespräch mit Anurin hatte sie sich in die Küche verzogen, um sich dort den Magen mit allem vollzuschlagend, was sie dort hatte finden können und was nicht niet- und nagelfest gewesen war - geholfen hatte es weniger als das Bad bei den Wasserfällen, zu dem sie später aufgebrochen war. Raus aus der Festung - raus aus der unmittelbaren Griffweite Arvas ... zumindest war so der Plan gewesen bis sie den älteren Reiter jetzt hinter sich hörte.
Langsam schloss sie die Augen und zwang sich ruhig weiter zu atmen, obwohl ihr Herz in ihrer Brust hämmerte. Wenn Arva hier war, dann bedeutete das, dass Anurin bereits mit ihm gesprochen hatte. Er musste den Weg kennen, den sie zu dem Drachenhort immer nahm, um nicht an der Pforte der unterirdischen Gänge von den Wächtern abgewiesen zu werden, weil sie nicht stets und ständig bei Anwar sein sollte und wenn Arva diesen Weg kannte, dann hieß dass, dass er sie bereits seit einiger Zeit beobachtete. "Was willst du?", fragte sie lediglich, ohne sich zu ihm umzuwenden und wünschte sich im selben Moment ein Schwert in die eigene Hand - irgendetwas, womit sie sich würde verteidigen können.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:02 pm
"Bist du es nicht leid ständig gegen mich aufzubegehren?" fragte Arva leise und trat auf sie zu, während die kleinen Steine unter seinen Füßen knirschten und zur Seite rutschten. "Du bist ein Nichts Caladhiel - ein Grünschnabel. Du bist keine richtige Reiterin - alles was du tust ist zu versuchen einen Keil zwischen mir und Anurin zu treiben du mieses kleines Miststück, aber ich sag dir was - das wirst du bereuen. Wenn du nicht bald ein wenig Demut zeigst werde ich dafür Sorgen, dass dein kleiner Freund Oromis niemals ein ausgebildeter Reiter wird. Und wenn du glaubst du könntest auch damit zu Anurin laufen - glaub mir, dann können noch viel schlimmere DInge geschehen. Ich lasse meine Autorität nicht von dir untergraben! Ich schütze den Orden während du nichts weiter zu Stande bringst als deine Freunde in den Tod zu schicken!"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:05 pm
Anurin war also bei Arva gewesen. Mühsam kämpfte sie den ersten Anflug des Zorns herunter, weil er sie nicht weiterbrachte - weil es nur dafür sorgen würde, dass sie ihn anging und alles nur noch viel schlimmer werden würde, als es jetzt ohnehin schon war. Arva würde nur nach einem Grund suchen und er würde nicht aufhören. Je mehr sie sich ärgerte, umso mehr Zunder würde er haben. "Wäre ziemlich dumm Oromis jetzt weiter anzugehen, nachdem bereits der Vorwurf da ist, dass du ihn bewusstlos prügelst, richtig?", stellte sie schließlich nur die eine einzige Frage an den älteren Elfen und wandte sich dann schließlich doch zu ihm herum, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.
"Du wirst ihm gar nichts mehr tun."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:09 pm
"Dein kleiner Freund konnte ein paar Schläge ab," erwiderte Arva und fletschte die Zähne. "Es hat ihn härter gemacht - und bei allen Drachen dieser verweichlichte Schlappschwanz muss härter werden. Aber ja du hast Recht - fortan muss ich ihn mit Samthandschuhen anfassen. Aber glaub mir, es gibt andere Wege ihn zu bestrafen. Ihn von seinen geliebten Büchern wegholen zum Beispiel. Seine Magiestunden drastisch verkürzen. Jede Stunde, in der er keine ausreichende Leistung beim Schwertkampf bringt wieder ihm eine Strafarbeit als Putzkraft kosten. Dein kleiner Freund ist solch eine zarte blume. Alles was ich wollte war ihn stärker zu machen. Aber wenn du mir nicht den Respekt zollst der mir gebührt werde ich ihm alles nehmen was ihm etwas bedeutet - und mit dir fange ich an. Ihr beide werdet euch nicht mehr alleine treffen."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:13 pm
"Muss frustrierend sein bei der Wahl des Hochmeisters übergangen worden zu sein, nicht wahr, Arva?", fragte Caladhiel, weil jedes 'Das kannst du nicht machen' ihr auch nicht weiterhelfen würde. Sie musste andere Alternativen finden und wenn das nur bedeutete, dass sie Oromis' wegen eben auch noch in den Magiestunden anwesend und aufmerksam sein musste, die sie sonst liebend gern gegen ein paar Stunden gemeinsam mit Anwar oder beim Schwertkampf getauscht hatte. Wenn allein bedeutete, dass jemand anderes dabei sein musste ... sie musste mit Faye sprechen. Die war immerhin auch jemand anderes.
"Noch viel schlimmer, dass du nicht mehr blind Befehle bellen kannst und jeder darauf hört, wie du gehofft hast, was?", schob sie noch nach und setzte den ersten Schritt dem anderen entgegen. "Du bist nicht Hochmeister. Du wirst es niemals sein, gewöhn dich besser gleich dran weiterhin nur Befehlen zu gehorchen, statt welche zu geben."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:15 pm
In Arvas Blick glomm für den Bruchteil einer Sekunde etwas auf, dass er wohl rechtschaffenen Zorn genannt hätte, als er Caladhiel an den langen Haaren packte, sie herum schleuderte und ihren Kopf über einen der großen Geysire hielt, aus dem in dieser Sekunde in einem gigantischen Schwall heißes Wasser gen Himmer schoss.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:22 pm
Das heiße Wasser brannte in ihrem Gesicht, die Menge nahm ihr den Atem und ließ sie verbissen um Luft und Abkühlung kämpfen, während sich Arvas Hand in ihren dunklen Haaren vergraben hatte. Schreien ging nicht, weil da die Hitze und das heiße Wasser war, das ihre Augen tränen ließ und blind trat sie einfach nach hinten. Es brauchte ein paar Versuche bis sie irgendetwas erwischte, von dem sie nicht wusste, was genau es war und keuchend folgte sie dem festen Griff, der sie erneut herum riss bis er plötzlich aufhörte und sie auf dem Boden zwischen den Wasserpfützen landete. Das krebsrote Gesicht zwischen den kühlen Fingern während Dampf von den Schultern und den nass gewordenen Schultern empor wallte. Es tat weh ... verfluchte scheiße es tat richtig weh und trotzdem ... sie durfte ihn nicht gewinnen lassen. Ihre Lippen kribbelten bei dem Versuch die ersten Worte darüber zu bringen, als sie blinzelnd die Augen wieder hob, obwohl sie ihn nur verschwommen erkannte.
"Ich hatte wohl Recht."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:26 pm
"Ich bin stärker als du," zischte Arva voller Hass. "Ich bin mächtiger als du - ich wurde damals höchst selbst von Eragon erwählt, weil er etwas großes in mir sah, während du nur in den Orden aufgenommen wurdest, weil Eragon sich mit der Königin gut stellen musste und es ihr ausdrücklicher Wunsch war. Ry'lafay hat das Ei deines Drachen so verzaubert, dass er dich wählen musste! Du bist nichts besonderes.... du bist eine Schande für die Reiter!"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:32 pm
"Du hast im Unterricht nicht aufgepasst", schallt sie ihn und bemühte sich darum sich so kurz wie nur irgendwie möglich zu fassen, weil langsam ihre Kräfte nachließen und die Wunden mehr schmerzten, als sie es zuvor vermutet hatte. Die Haut in ihrem Gesicht spannte als sie sich darum bemühte erneut zu lächeln. "Hättet ihr Anwar gezwungen, wäre er wahnsinnig geworden", verbesserte sie ihn, weil sie in keiner einzigen Sekunde daran glaubte, dass es wirklich so gewesen sein könnte.
Sie war in Ellesmera niemand Wichtiges gewesen, nichts weiter als eines der Elfenkinder mit dem Wunsch eines Tages in die Armee einzutreten und zu helfen. Es war Dummheit gewesen, die sie zu den Reitern gebracht hatte - weil sie eine Wette mit einem anderen abgeschlossen hatte, sie würde die Erste bei den Eiern sein. Anwars Ei war das Erste gewesen, das sie berührt hatte, dann war alles in Schwärze verschlungen und aufgewacht war sie erst wieder als der Raum hell erleuchtet und Fremde um sie herum gestanden hatten. Eigentlich hätte sie nie zu den Eiern vorgelassen werden sollen, wenn es nach ihrer eigenen Familie gegangen wäre und nun war sie hier.
"Sieh es ein, Arva. Du wirst mich nicht mehr los und ich lass nicht zu, dass du Anurin ausstichst, nur weil du Macht willst."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:37 pm
"Weil ich Macht will?" echote Arva und ballte die Hände zu Fäustern. "Würde Anurin die Macht nur einmal einsetzen, dann müsste ich nicht versuchen danach zu greifen! Wenn ich diese Macht hätte, dann würde ich dafür sorgen, dass nichts Böses mehr auf dieser Welt geschieht. Keine wahnsinnigen Könige, keine dunklen Magier - ich würde diese Welt unter einer starken Hand vereinen und jeden, der auch nur daran denkt ein Verbrechen zu begehen den Drachenflammen übergeben! Glaube mir - unter meiner Herrschaft würde es niemand mehr wagen anderen etwas schlechtes anzutun, weil sie alle Angst hätten. Sie wüssten, dass ein jeder, der gegen die Regeln verstößt bestraft wird. Keine Politik. Kein Geschacher um Gunst und Machtpositionen. Nur einfache Gesetze und das Recht!"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Sa Jul 21, 2018 9:43 pm
"Wir sind keine Alleinherrscher und Tyrannen", setzte sie ihm entgegen und schüttelte langsam den Kopf. Sie machte sich nicht die Mühe den Versuch zu starten wieder zurück auf die Füße zu kommen, ihre Knie zitterten jetzt schon, wo sie am Boden saß, die Arme schmerzten mit jeder einzelnen Bewegung, von ihrem Gesicht einmal ganz abgesehen. Schlafen ... sie war so unsagbar müde und eigentlich war es nicht mehr weit bis zum Drachenhort. Darum ging es ihm also ... er wollte Macht, um sie alle gewaltsam zu versklaven, um ihnen allen seine eigenen Gesetzte aufzudrücken und er griff wirklich nach der Macht. Er versuchte wirklich alles zu kontrollieren. Bisweilen war es nur eine dunkle Befürchtung gewesen, aber die jetzt bestätigt zu wissen, fühlte sich falsch an - als habe jemand ihr geradewegs mit der Faust in den Magen geschlagen. Es nahm ihr den Atem zu wissen, dass dort vorn jemand vor ihr stand, der sie in diesem Moment so sehr an den wahnsinnigen König erinnerte, dem sie in Ceunon begegnet war und der Gewalt als einziges Mittel ansah. Bislang hatte sie geglaubt, die Reiter wären davor verschont - sie würden niemals fallen, niemals von Macht und Wahnsinn dahingerafft werden.
"Arva ... das ist Wahnsinn. Das wird niemand von uns mitmachen und unsere Drachen auch nicht."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

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