Teilen
Vorheriges Thema anzeigenNach untenNächstes Thema anzeigen
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:05 pm
"Du meinst mit genau demselben Stolz, den du jetzt an den Tag legst, weil einer deiner Söhne mutig genug gewesen ist, dir zu sagen, dass er deinen Vorschlag für nicht gut hält und es trotzdem schlecht versucht hat?", stelle Lyra die Frage und trat zu ihm zurück, die Hände zurück auf seine Schultern sinken lassend und sich an einem müden Lächeln versuchend, das nicht recht auf ihren Zügen halten wollte.
"Nikolaij ist dein Sohn, wenngleich ihm auch noch die Finesse fehlt, die du dir im Laufe der Jahre antrainiert hast, aber du warst derjenige, der ihn in dieses undankbare Gespräch geschickt hast. Du suchst für selbstverschuldete Fehler jetzt Ausflüchte bei dem Versagen deines jüngsten Sohnes. Ich versuche nachher die Wogen zu glätten, bevor irgendetwas Schlimmeres daraus entsteht und eines Tages einer der Bruderschaften wirklich mit einem Messer vor uns steht."

------------------------------------

Emerson seufzte schwer und ließ sich auf einen der Stühle sinken, die Hände vor das Gesicht gehoben, weil es genau das war, was er befürchtet hatte. "Das ist ...", begann er und schüttelte dann den Kopf, weil er gar nicht wusste, ob er darüber resignieren, wütend sein oder lachen sollte. Diese seltsame Mischung machte es schwer, die richtige Reaktion darauf zu finden.
"Setz dich, Ari", bat er den Jüngeren dann schließlich. Vielleicht war Wein an diesem Tag doch keine so schlechte Idee. "Der jüngste Prinz war bei mir und hat mir Gold für den Schutz seiner Familie bieten wollen. Ich hab abgelehnt und mich gefragt, wieso er auf den Gedanken käme, wir wollten seiner Familie etwas antun - nach dem, was du mir von dem Gespräch mit Walerian erzählt hast, weiß ich zumindest wieso er zu mir gekommen ist."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:13 pm
"Ich kann durchaus selbst diese Situation begradigen," erklärte Hieronim gereizt und schüttelte den Kopf. "Und sollen sie kommen - ich bin ein verständnisvoller Mann. Jeder hat einen Versuch verdient. Einen..." ein bitteres Lächeln erschien auf seinem Gesicht, ehe er Lyras Hand sacht berührte und zu seiner verspannten Schulter führte. "Vergiss was ich gesagt habe..." erklärte er leise und schüttelte den Kopf. "Die Bruderschaft ist angeschlagen, die Templer gewinnen wieder an Stärke und mir ist auch nicht entgangen, dass Aias wieder zurück in dieser Stadt ist.... ich hätte nicht schlecht Lust einige Leute aktuell auf ein Rad zu spannen..."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:15 pm
Faye sah stirnrunzelnd von einem zum anderen, dann schüttelte sie den Kopf und Ari auf einen Stuhl am Tisch.
"Eine Verkettung unglücklicher Umstände", sagte sie schließlich, nachdem sie ihre Gedanken gesammelt hatte und die Absurdität der GEschehnisse erfasst, dann setzte sie sich behutsam auf einen Hocker neben die beiden. "Wir können es nicht mehr ändern, Em. Ich werde versuchen mit Lyra zu sprechen, ich muss ohnehin noch zu ihr, wegen - egal. Ich hoffe, Willem hat ein offenes Ohr, wenn wir mit ihm reden, aber unter dem STrich, lasst es mich anders ausdrücken ... vielleicht hat es sein Gutes, nicht schon wieder vom König abhängig zu sein. Das wäre beim letzten Mal beinahe schief gegangen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:22 pm
"Sicherlich bist du in der Lage diese Situation zu begradigen, allerdings habe ich den Vorteil die Lehrerin für Faye zu sein, die in der Bruderschaft mehr Einfluss hat. Dazu kommt, dass sie bei mir nicht unmittelbar in Hab-Acht-Stellung sind, sobald sie mich sehen.", setzte sie ihm schmunzelnd entgegen, weil sie sehr genau wusste, wie jedes seiner Gespräche mit der Bruderschaft aussehen würde. Keines davon würde besonders gut enden. "Und was den Rest anbelangt", setzte sie nach einer Weile von Neuem an, die Finger über die verspannten Stellen an seinem Nacken gleiten lassend.
"Ja, Aias ist in der Stadt, um Verhandlungen mit dir über den Norden zu führen. Ich weiß allerdings nicht, was er dir bieten will oder was es für einen Sinn hatte, dass er mich mitten während der Aufräumarbeiten auf dem Platz bloßgestellt hat. Nach allem, was in den letzten Jahren passiert ist, würde ich ihn nur ungern häufiger am Hof sehen ... oder auch nur in der Stadt."

----------------------------------

"Daran zweifle ich gar nicht", räumte Emerson ein und schüttelte erneut den Kopf - eine Geste, die er während der letzten Tage viel zu häufig verwendete und die bereits jetzt dafür gesorgt hatte, dass sein Nacken steif wurde. "Aber Ari, geh und entschuldige dich bei Willem. Ihr habt euch wahrscheinlich beide nicht besonders rühmlich verhalten und du solltest damit anfangen ... was den Rest angeht. Du hast dich gegen Bestechung ausgesprochen, das ist zumindest das Richtige."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:27 pm
"Mhm..." erklärte Hieronim, während ein Schauer seinen Rücken hinab lief, als Lyra ihm die Verspannung schmerzhaft aus dem Rücken trieb. "Verflucht... nun... wenn Aias verhandeln will, dann soll er das tun. Bei einem Essen... ich glaube das wäre..." er hielt kurz inne, als ein Schmerz seinen Rücken hinab fuhr, gefolgt von einem lauten Knacken. "Angemessen..." brachte er den Satz zu Ende.
"Wofür ist sein Fürstentum noch mal bekannt? Reiterei oder? Wir sollten zur Hauptspeise Pferdefleisch servieren, das sollte die Fronten klar stellen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:30 pm
"Und danach?", hakte sie noch einmal nach, wenig angetan davon ein Abendessen mit Aias verbringen zu müssen, das aus nicht mehr als Verhandlungen bestand, die ohnehin bereits gescheitert waren. Das letzte Gespräch mit dem neuen Fürsten des Nordens war ihr noch lebhaft in Erinnerung und es sorgte dafür, dass ich ihre Stimmung schlagartig wieder verschlechterte. "Du hast ihm schon einmal gesagt, er solle dir nicht mehr unter die Augen treten und trotzdem ist er wieder hier. Du erinnerst dich? Beim letzten Mal, als du ihm Geld dafür geboten hat, mich in Ruhe zu lassen und er den Beutel über deinem Kopf entleert hat? Was, wenn er vor De Vere etwas Ähnliches tut? Es reicht, dass er mich bloß gestellt hat."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:32 pm
"Wenn er etwas ähnliches tut werde ich ihn an vier Pferde binden und diese mit der Peitsche in alle Himmelsrichtungen antreiben," erklärte Hieronim. "Er ist hier um Verhandlungen zu führen, wenn ich mir das nicht einmal anhöre leidet mein Ruft darunter. Es wird schon nichts schlimmes passieren und wenn er de Vere beleidigen sollte, dann hat sein kleines Fleckchen im Norden bald die Kirche da oben stehen..."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:33 pm
"Es bringt nichts, wenn wir uns auch noch Vorwürfe machen." Faye hob die Hand, um Emerson zum verstummen zu bringen und sah ihm ernst in die Augen. "Wir sind eine Bruderschaft - keine Söldner. Und wir sollten sobald unsere Verletzten stabil sind damit beginnen, uns einen neuen Platz für eine Bruderschaft zu suchen. Ein Haus, das nicht vom König kommt. Mag Ari sich entschuldigen, er hat dennoch gut daran getan, das Angebot abzulehnen, ebenso wie du. Es würde uns abhängig und korrupt erscheinen lassen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:39 pm
"Er hat übrigens geheiratet. Eine Zwanzigjährige, die jetzt an seiner Statt gemeinsam mit anderen über den Norden bestimmt, während er hierher geritten ist, um Verhandlungen mit dir zu führen. Seinen Schwager hat er gleich mit ihm Gepäck", führte sie weiterhin an, ihre Hände wieder sinken lassend, nur um wenig später rüber zum Fenster zu treten und zu schließen, damit nicht noch mehr der unangenehmen Kälte draußen in das Arbeitszimmer des anderen eindringen konnte.
"Wie wird es die nächste Zeit aussehen, während sich die Überlebenden der Bruderschaft hier aufhalten? Wir führen Verhandlungen mit dem Norden, die wir nicht brauchen und hören uns weiterhin das Gejammer der Templer darüber an, dass eine der Bruderschaften hier ist?"

-------------------------------------

"Ich habe nichts Gegenteiliges erwähnt, Faye", wiegelte Emerson ihre Zurechtweisung schlichtweg ab bevor er sich auf ein anderes Thema besann, weil die Königsfamilie ihm inzwischen schon wieder zu Kopf stieg. Je früher sie wieder einen Unterschlupf in der Stadt fanden, der von niemanden so einfach gefunden werden konnte, desto besser würde es sein. Es machte schon jeden dünnhäutig, obwohl sie sich gerade erst seit ein paar Stunden hier befanden.
"Wie sieht es mit den Verletzten aus?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:44 pm
Die Frage war eher ein Schlag in die Magengegend. Eine ganze Weile herrschte unangenehme Stille am Tisch, in der Faye auf ihre Finger hinunter sah.
"Wir haben Allas verloren. Es war abzusehen, aber ... der Rauch hatte ihm zu stark zugesetzt." Und unter normalen Umständen hätte sie ihn wohl retten können, doch noch war die Magie, die langsam zurückkehre, unzuverlässig. Sie musste mit Lyra sprechen, ob man sich gegen Thauril immun machen konnte, das wäre das einzige, was ihr dazu einfiel, um so etwas noch einmal zu vermeiden. So, wie andere es bei Giften taten ...
Hätte sie vor Jahren daran gedacht, wäre der Assassine vielleicht noch am Leben.
Sie biss sich auf die Innenseite der Wange, dann stand sie auf, wuschelte durch Aris Haar und drückte Emersons Schulter. "Ich sollte zurück."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:44 pm
"Wir spielen auf lange Sicht," erklärte Hieronim geduldig und küsste sanft Lyras Handrücken. "Und was Aias angeht - er wäre besser damit beraten gewesen seine junge Frau hierher zu schicken. Sie ist für uns ein unverbrauchtes Gesicht und die Wilden im Norden werden sich nicht lange etwas von einer Frau sagen lassen, wenn überhaupt... aber auch das ist nicht unser Problem - wir werden ihn bewirten, das beste für uns rausschlagen und ihn danach wieder in den Norden ziehen lassen. Die Templer werden die Füße still halten, da Walerian ihnen das Dach der Kapelle bezahlt und die Bruderschaft ist aktuell zahnloser, als sie uns glauben machen will."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:52 pm
"Seine junge Zwanzigjährige Frau, die wahrscheinlich eine ähnlich widerliche Moral hat wie er selbst und sich im schlimmsten Fall an deinen Hals geworfen hätte, damit sie ein paar Monate später ein Kind zur Welt brächte, von dem sie behaupten könne, es wäre Deines? Ich bitte dich, Hieronim. Da ist mir selbst Aias lieber", setzte sie ihm knapp und mit einem widerwilligen Schnauben entgegen.

----------------------------

Der Nächste, den sie verloren hatten. Die Liste wurde mit jedem Tag länger und länger und mit jedem weiteren Namen darauf wurde ihm mulmiger dabei darüber nachzudenken, dass es eigentlich seine Verantwortung gewesen war, dafür zu sorgen, dass ihnen nichts geschah. Alisander hatte sie auseinander getrieben und in dem Feuer waren Dutzende von Spatzen gestorben, lange bevor sie ihre Prüfung gehabt hatten. Kinder, denen sie eine zweite Chance hatten geben wollen, nachdem sie die Vielversprechendsten von der Straße geholt hatten - das unschuldige Leben verbrannt in den Flammen, die ein Verräter gelegt hatte, um sie zu bestrafen. Sie waren dumm gewesen, viel zu nachsichtig und es hatte sie beinahe alles gekostet.
"Ich werde mich nachher in der Stadt umsehen, ob ich Etwas finde, wo wir uns einrichten können", ließ er verlauten, die Hand nur kurz hebend, um Fayes sacht zu drücken.
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:56 pm
"Und ich hätte sie und ihr Kind hinrichten lassen um jeden Zweifel aus dem Weg zu räumen," erwiderte Hieronim schulterzuckend. Aber sie hatte Recht - Aias war ein bekanntes Übel, wenngleich man den Nordling ganz offensichtlich schwieriger loswurde als einen eitrigen Pickel.
"Mach dir darum keine Gedanken Lyra..." er hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. "Wir haben schon schlimmeres durchgestanden."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 9:57 pm
Die Schritte der Person, die sich in Emersons und Fayes Zimmer schlich, waren leise - leise genug, um niemanden zu wecken, der keine Ausbildung der Assassinen genossen hatten und laut genug, um jene erkennen zu lassen, wer es war.
Sie brauchte kein Licht, als sie die kleine Stufe hinab in den Raum stieg und zum Bett hinüber trat, in der Dunkelheit kaum mehr als Schemen ausmachen könnend. Die hintere Seite des Bettes war leer, aber zerwühlt. Eindeutig Fayes Werk. Die Luftmagierin war wie ihr Element ein unruhiger, schlechter Schläfer und immer unterwegs und sei es mit Bewegungen. Der vordere Haufen hatte die Hand auf der Klinge, die in einem Schein vom Fenster her blitzte, doch die Gestalt war schneller und klemmte sich den Dolch zwischen zwei eigene.
"Na, na."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:09 pm
"Elli", hauchte Emerson beinahe lautlos, weil er nicht viel mehr als die leisen Bewegungen der anderen gebraucht hatte, um die Ältere zu erkennen und war mit einer kurzen Bewegung wieder aus dem Bett und in eine halbwegs aufrechte Position, die Klingen wortlos wieder zurückgleiten lassend, weil er wusste, dass die Freundin niemals etwas gegen ihn oder Faye unternommen hätte. Faye war längst wieder unterwegs und inzwischen verwünschte er die wenige Zeit, die sie miteinander verbringen konnten, weil sie Nachts im Heilertrakt war und er tagsüber, wo sie schlief, ständig mit anderen Gesprächen beschäftigt war.
"Was machst du hier?", hakte er nach, bevor er sich darauf besann, dass die Frage ohnehin unnötig war, vor allem nach allem, was passiert war und dass es klar war, dass sie schnellstmöglich hier auftauchen würde. Stattdessen entschied er sich dazu die große Schwester zu umarmen. "Schön dich zu sehen."

-------------------------

"Ich mache mir Gedanken darum, dass der Norden und unsere neuen Gäste dem bisschen Privatsphäre im Weg stehen, das wir überhaupt haben", setzte sie ihm lediglich entgegen, die Hand ausstreckend und ihn kurzerhand zu sich ziehend, sehr wohl wissend, dass es ihm absolut nicht recht war und im Augenblick konnte ihr das nicht gleichgültiger sein.
"Entschuldige, wenn ich nicht begeistert davon bin, mich während die Bruderschaft hier ist, auf die Wartebank schieben zu lassen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:12 pm
"Die Wege sind kurz und Nachrichten von Feuern verbreiten sich schnell", erwiderte Eleonora leise und drückte Emerson kurz und heftig an sich. Sie hatte bis zu ihrer Ankunft in der Stadt nicht gewusst, ob er noch am Leben war oder nicht und ihn putzmunter zu sehen beruhigte ihre Nerven ein wenig, von denen sie niemals zugegeben hätte, dass sie flatterten. "Was ist mit Faye?", hakte sie nach und deutete auf die leere Bettseite. Fast vermutete sie die andere schon selbst als Patientin im Heilerbereich.
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:12 pm
Hieronims Blick wurde für einen kurzen Moment weicher, "Ich weiß..." führte er an, wenngleich auch nicht sonderlich überzeugend. "Aber wir müssen vorsichtig sein - mehr noch, jetzt wo wir von Fremden und Feinden umgeben sind. Wir haben noch nicht alle Zutaten und auch wenn ich bisher dank geschickter WInkelzüge jeden verdacht aus dem Weg gehen konnte, brauchen wir noch einige bemerkenswerte Zutaten - umso wichtig, dass wir beide unbemerkt bleiben."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:23 pm
"Es geht ihr den Umständen entsprechend, aber sie ist als Heilerin im Trakt. Alisander hat sie mit der Klinge erwischt, aber er ist immerhin inzwischen endgültig tot", antwortete er, die Handschuh mit der Klinge von Alisander rüber zu der Älteren reichend. "Thauril. Das hat es ein wenig schwieriger gemacht, ihre Wunden zu versorgen aber wir haben es im Griff ... weitestgehend."

------------------

"Früher oder später werden sie es doch ohnehin erfahren. Es sei denn, ich muss behaupten, es wäre von jemand anderem", widersprach sie unwillig, weil dieses gesamte Versteckspiel ihr schon seit Katjanas Tod auf den Nerv ging und niemand von ihnen beiden jemals Herr über die Gerüchte geworden war, die sich inzwischen seit Jahrzehnten am Hof befanden. Sie hatte sich oft Gedanken darum gemacht, was sein würde, wenn sie erst alles beisammen haben würde - ob es gutgehen würde oder nicht und was dann sein würde - ob sich irgendetwas verändern würde, außer dass die Kirche noch mehr Anstrengungen machen würde, um sie endlich in aller Öffentlichkeit brennen zu sein.
"Du weißt, dass die Bruderschaften nicht für Klatsch bekannt sind ... sie haben so viele verloren und sie haben gerade bestimmt viel Wichtigeres zu tun als sich darum Gedanken zu machen. Es wird ihnen, selbst wenn sie es wissen, vollkommen egal sein und ich kann es ihnen nicht verdenken. Lass es einfach egal sein, wer sich hier befindet."
avatar
Anzahl der Beiträge : 1816
Anmeldedatum : 18.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:26 pm
"Mhm..." erwiderte Hieronim nur, während er Lyra sanft betrachtete. "Du weißt, dass ich dich liebe oder Lyra?" hakte er leise nach und griff nach ihrer Hand. "Ich weiß, dass ich nicht gut darin bin es zu zeigen - oder weiß Gott dir das zu geben was du brauchst. Aber es gibt für mich niemanden, der mehr von Bedeutung ist als du. Ich will, dass du das niemals vergisst. Niemals."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:29 pm
Eleonora nahm sich die Klinge zur Hand, musterte sie eine ganze Weile, weil sie das Stück kannte. Zu lange hatte sie die Nähe und das Bett mit Alisander geteilt und sie vermisste keine Minute davon, die schüchterne, harmlose Frau an seiner Seite zu spielen, die immer da war, wenn er gerade jemanden wollte.
Dann legte sie das Stück wortlos zur Seite und sah Emerson im Dunkeln eine ganze Weile an, während in ihr ein Kampf zwischen dem alten Gefühl, versagt zu haben und Dankbarkeit tobte. Letztere gewann. "Du hast ihn umgebracht", schloss sie irgendwann leise und nickte. Ein einziges und letztes Mal. Sie fügte keinen Dank hinzu, dass er die Aufgabe beendet hatte, an der sie so grandios gescheitert war und mit dessen weiteren Aktionen Alisander so vielen Leuten das Leben gekostet hatte. Hätten sie unter Septim gelernt, er hätte ihr die Fehler aufgezählt und sie kein einziges der Leben vergessen lassen.
Schlussendlich deutete sie noch einmal auf die Klinge. "Du weißt um die Giftnadel, die in der Mitte des Schaftes eingelassen ist und die während eines Stiches unbemerkt in das Fleisch des Opfers fährt? Sie wird nur ausgelöst, wenn man eine gewisse Bewegungsabfolge vollführt, aber -" Sie hielt inne. "Em?"
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Mi Nov 15, 2017 10:40 pm
Mit einem Mal bleich geworden starrte er auf die Klinge hinab, die sie in ihren Händen wog und die sie wahrscheinlich weit besser kannte als er selbst. Sie war diejenige gewesen, die über Jahre an seiner Seite gewesen war und die wahrscheinlich jeden noch so kleinen Winkel seines hiesigen Lebens gekannt hatte. Es passte zu Alisander sich trotz Thauril noch einmal mit Gift zu versichern, obwohl es genau das war, was die Bruderschaften als unehrlich angesehen hatten. "Sie haben sie untersucht", versicherte er ihr, nicht zugeben wollend, dass sein Herz gerade für ein paar Schläge ausgesetzt hatte und seine Worte gerade mehr Versicherung für sich selbst waren, als für die andere. "Sie haben nichts gefunden. Sie wird nicht ausgelöst haben." Hoffte er zumindest. Immerhin war er jetzt wieder hellwach genug, um die zuvor noch unklaren Gedanken besser greifen zu können.

-------------------------------------

"Niemals ", bestätigte sie ihm noch einmal leise und mit einem versichernden Nicken, weil es einer der wenigen Augenblicke war, in denen er von Politik ablassen konnte, um sich etwas zu widmen, was außer Herrschaft und Macht das Leben bestimmte. Etwas, das er viel zu selten in sein Leben ließ und das mehr als nur ein einziges Mal schon für Probleme gesorgt hatte - das seine Söhne kälter gemacht hatte, als sie es in ihrem Alter sein sollten, weil sie ständig glaubten, die Liebe ihres Vaters nur mit Erfolgen gewinnen zu können. "Ich weiß es und ich liebe dich", versicherte sie ihm trotzdem noch einmal und hob die freie Hand, um sacht über seine Wange zu streichen, die Stoppeln daran unter ihren weichen Fingern registrierend. Sie brauchten beide eine Pause von Politik, Enttäuschungen und Verhandlungen und sie musste vor allem den Gedanken an Aias loswerden.
"Und deswegen werden wir beide jetzt eine Pause machen und die Pergamente Pergamente sein lassen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Do Nov 16, 2017 9:16 pm
Die Stunden waren vorbeigezogen, ohne, dass Faye es bemerkt hatte. Der Morgen dämmerte bereits und sie ließ sich vollkommen erschöpft auf einen Schemel in der Ecke des großen Saales sinken, der die Patienten aufgenommen hatte. Sie hatte die letzten drei Stunden damit zugebracht, an einem der Betten zu sitzen und leise auf den Assassinen einzureden, während sie Verbände wechselte, seine fiebrige Haut kühlte und versuchte, ihn vor Träumen zu schützen, die ihn immer wieder schreiend hochfahren ließen. Jetzt lag er ruhig neben ihr, die Brust hob und senkte sich regelmäßig, aber sie spürte ihre Arbeit in jedem Knochen.
Als die Tür sich öffnete, zog sie ihre Finger vorsichtig aus dem Griff des Mannes. Sie ahnte schon, dass er keinerlei Erinnerung an das hier haben würde.
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Do Nov 16, 2017 9:21 pm
"Du solltest schlafen gehen", begrüßte Lyra die Jüngere leise als sie ein paar Schritte in den großen Saal hinein gemacht hatte, in dem sie die Verletzten aufgebahrt hatten und in dem sich jetzt Stunde um Stunde verschiedene Heiler um Wunden kümmerten. Sie hatten die schlimmsten Notfälle versorgen können, hatten einigen von ihnen die Leben retten können aber auch sie konnten keine Wunder vollbringen - es half vielleicht Verbrennungen zu kühlen, aber sie konnten nur schwerlich neue Haut dort wachsen lassen, wo das Feuer gewütet hatte. Der Geruch von Wunden und Medizin lag in der Luft und wog schwer auf ihrer Brust.
"Seit ihr hierher gekommen seid, habe ich kaum etwas von dir gesehen", fügte sie hinzu und stellte ein Tablett mit warmem Essen und einem Krug mit heißem Tee neben der Jüngeren ab. "Iss und trink etwas. Du bist wahrscheinlich schon seit Längerem nicht dazu gekommen."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2321
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Do Nov 16, 2017 9:23 pm
"Danke", gab Faye zuerst zurück, dann betrachtete sie eine Weile das Essen und entschied, noch einen Moment zu brauchen, bis sie auch nur daran denken mochte, etwas davon zu sich zu nehmen. Viel zu sehr lag der Geruch von Salben in der Luft und klebte an ihren Händen. "Aber ich kann schlecht herumsitzen und warten, während ich mich hier nützlich machen kann. Viel ist es nicht, was ich tun kann - aber wenn es reicht, dass ich hier bin, dann bin ich es eben."
avatar
Anzahl der Beiträge : 2221
Anmeldedatum : 16.11.16
Benutzerprofil anzeigen

Re: Kapitel 15

am Do Nov 16, 2017 9:26 pm
"Vergiss nur bitte nicht, dass du auch verletzt bist und dein Körper die Ruhe auch braucht, deine Hilfsbereitschaft in allen Ehren", erinnerte Lyra sie lediglich mit einem milden Lächeln, weil sie Faye durchaus verstehen konnte. Die Männer, die hier lagen, waren ihre Familie oder zumindest das, was sie als eben jene während der letzten Jahre kennen gelernt hatte. Kein Mensch hätte anders reagiert, wenn es genau dieser Familie schlecht ging.
"Ich wollte nur nach dir sehen."
Gesponserte Inhalte

Re: Kapitel 15

Vorheriges Thema anzeigenNach obenNächstes Thema anzeigen
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten