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Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:15 pm
Anurins Blick war auf den Horizont fixiert, die grelle Abendsonne brannte in den Augen - versuchte mit aller Kraft Anurin dazu zu zwingen den Blick abzuwenden. Er wusste, dass es unmöglich war auch nur noch den Schatten des großen baluen Drachens zu erkennen, der bereits vor Stunden gen Westen aufgebrochen war - zusammen mit dem Gründer ihres Ordens. Dem Mann, der all das aufgebaut hatte. Der Mann, dem Anurin sein Leben und alles was er war verdankte.
Noch immer spürte der Elf eine seltsame Melancholie in sich - ein Gefühl, dass er nicht bennenen konnte, das jedoch tief und schmerzhaft war und alles Essen, alles Trinken in seinem Mund zu Asche verwandelte. Sie hatten Vroengard aufgebaut. Hatten den Sitz der Reiter errichtet und als der letzte Stein aufgesetzt worden war, hatte Eragon gesagt das er gehen würde. Das er von nun an alle Verantwortung auf seine Schultern legen würde.
Es sollte eine Ehre sein, das wusste Anurin - doch es fühlte sich viel mehr wie eine Bürde an. Er musste den Orden erhalten und in eine neue Zukunft führen - musste die menschlichen Reiter ausbilden und den eigenen Stand festigen. Die Sonne brannte sich noch tiefer in seine Augen, machte ihm klar, dass er nach den vielen Stunden des wartens nichts mehr sehen würde. Das Eragon nicht mehr zurückkam.
Als sich ihm leichte Schritte nährten wandte sich der Anführer der Reiter um und sah Caladhiel den schmalen Pfad hochkommen. Er straffte sich noch einmal und legte den Kopf schräg. Eragon, irgendwo in seinem Rücken war Geschichte - Caladhiel, die hier vor ihm stand. Sie war die Zukunft und das war alles was zählte.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:28 pm
Dass Eragon gehen würde, war längst Gespräch unter den Schülern des Ordens gewesen und es hatte Dutzende von Gerüchten gegeben, aus welchen Gründen der einstige Begründer der Reiter gegangen war. Die einen hatten gesagt, er hätte genug davon Schüler zu unterrichten, die anderen er hätte etwas anderes entdeckt und wollte dieser großen Gefahr aus dem Westen jetzt nachgehen und wieder andere hatten behauptet, mit dem Bündnis mit den Drachen würde eine seltsame Krankheit früher oder später von jedem von ihnen Besitz ergreifen und Eragon wäre nun aufgebrochen, um sich einen Ort zu suchen, damit er dort sterben konnte. Wo die Wahrheit lag, konnte sie nicht sagen und danach zu fragen erschien ihr angesichts der Melancholie in all den Bewegungen des Meisters auch vollkommen falsch. Die grelle Sonne, vor der sich Anurins Gestalt abzeichnete, brannte in ihren Augen und angestrengt blinzelte Caladhiel immer wieder aufs Neue, um auch nur einen Hauch seiner Mimik wahrnehmen zu können - sie scheiterte kläglich daran und wischte sich verstohlen über die schmerzenden Augen.
"Meister", begann sie leise und schüttelte dann den Kopf, weil der Grund, aus dem sie eigentlich hierher gekommen war, gänzlich unwichtig wurde. Dass sie die Vorbereitungen für die nächste Übungsstunde abgeschlossen hatten, konnte warten. Emmyn und Phileas würden noch ein paar Augenblicke mehr warten können. Mit trockenem Mund haderte sie nach den Worten, die sich ihr immer wieder aufs Neue entzogen, je länger sie darüber nachdachte, was sie anbringen konnte, ohne dabei anmaßend zu wirken oder den vollkommen falschen Ton zu treffen und erneut die Höhlen sauber machen zu dürfen, die die Drachen unterhalb von Vroengard bewohnten. Anwars dunkles Gelächter über die Strafarbeiten konnte sie bereits jetzt schon in ihrem Kopf hören, selbst wenn der Drache noch seelenruhig schlummerte. "Ich glaube, Ihr werdet diesen Orden genauso gut führen wie Eragon", führte sie den leisten Anfang schließlich fort und rang sich zu einem schmalen Lächeln durch, dem nur ein kurzes Nicken folgte, um ihre Worte noch einmal zu bekräftigen. Wenn es diese Bürde war, die seine Schultern herabdrückte, würde von nun an wohl die Zeit der Kindereien vorüber sein - sie würden mitarbeiten müssen, statt ihm noch mehr Kopfzerbrechen zu bereiten - die Frage, die blieb, war lediglich, ob Emmyn und Phileas das ähnlich sahen.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:34 pm
Anurin zeigte ein sanftes Lächeln und neigte den Kopf ein Stück. "Danke für deine Worte, sie ehren dich", erwiderte der neue Anführer der Reiter und legte seine Hand auf den Knauf des Schwertes, welches an seinem Gürtel hing und trat einige Schritte auf Caladhiel zu. "Aber ehrlich gesagt will ich den Orden nicht genauso führen wie mein Meister. Weder genauso gut, noch genauso schlecht - wir dürfen uns nicht auf das konzentrieren was war und an Traditionen festhalten. Diese Welte ist im Wandel und wir müssen uns ihr beständig anpassen. Wir werden die Flamme weiter tragen, aber auf unsere Art und Weise. Diese Insel ist der erste Schritt - eure Ausbildung der zweite. Wenn ich einmal nicht mehr da bin, dann wird es an euch sein die Glut zu schüren."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:41 pm
"Tradition ist das, was uns mitunter die nötige Sicherheit gibt", gab sie zu bedenken, noch bevor sie genauer darüber nachgedacht hatte, was da eigentlich gerade so schnell ihre Lippen verlassen hatte. Sie hatten strenge Regeln innerhalb des Ordens, einen genauen Tagesablauf, der mit dem Aufgehen der Sonne begann und erst lange nach deren Untergang endete und zu Beginn hatte es dabei geholfen sich hier zurecht zu finden. Gerade innerhalb der ersten Wochen nachdem sie aus Ilirea - der großen Stadt, in der sie so vieles unternehmen konnten - hinaus auf diese Insel weit vor der Küste des Landes gezogen waren. Hier waren sie abgeschiedener - für sich allein und nur gemeinsam mit ihren Drachen und einer Handvoll Menschen hier, die ein kleines Fischerdorf außerhalb der großen Feste bewohnten und die sie mit Nahrung und anderen Dingen versorgten.
"Ich bin mir nicht sicher, wie gut es wäre mit allen Traditionen zu brechen ...", setzte sie noch nach und verwünschte innerlich ihr vorlautes Mundwerk dafür, dass es so schnell war. "Vielleicht genügen vorerst nur ein paar vereinzelte Veränderungen, bevor sich niemand mehr zurecht findet?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:43 pm
"Welch ein Glück dass ich dich habe Caladhiel," antwortete Anurin, während sie gemeinsam den langen Weg hinab gingen. "Ich hatte vor als erste Amtshandlung unsere Drachen gegen Hühner auszutauschen - die fressen viel weniger und besorgen uns morgens auch noch ein Frühstück," erklärte er vollkommen gelassen und mit ernstem Tonfall, während seine Augen auf Caladhiel fixiert blieben.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:44 pm
"Der war nicht besonders lustig", bemerkte sie lediglich trocken und mit hochgezogenen Augenbrauen, die Arme vor der Brust verschränkt und Luft hörbar ausstoßend.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am So Jun 17, 2018 10:49 pm
"Wie passend, deine Aussage war auch nicht sehr hilfreich junge Schülerin!" erklärte Anurin gelassen und blickte die Jüngere an, während sie beide weiter Richtung Burg schritten. Er zeigte ein schmales Lächeln, "Wie geht es mit den Übungen voran?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Mo Jun 18, 2018 9:31 pm
„Kann ich Euch bei irgendetwas unterstützen?“, hakte sie nach statt ihm eine Antwort auf die zuvor gestellte Frage zu geben, weil ihr die Melancholie in der Szenerie dort oben auf dem Turm noch immer nicht aus dem Kopf gehen wollte. Anwar und sie waren bereits eine ganze Weile hier, sie kannten die Regeln und wussten um all die kleinen Eigenheiten innerhalb des Ordens, die es zu beachten galt, um hier niemandem auf die Füße zu treten und trotzdem gelang es ihr noch immer regelmäßig zumindest Arva zu verärgern.
„Außer dadurch, dass wir unsere Übungen und das Training durchlaufen und Euch keinen Ärger machen sollen, damit Ihr nicht noch mehr zum Kopfzerbrechen habt. Ich möchte helfen.“

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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Mo Jun 18, 2018 9:48 pm
Anurin schwieg eine ganze Weile, während ihrer beider Schritte den langen Pfad hinab und bis kurz vor die großen Tore führte, welche den ersten Verteidigungsring der Feste markierten. Der Stein war hier so meisterlich ineinander verkeilt, dass die Wand wirkte, als wäre sie aus einem einzelnen, glatten Block gefertigt worden. Das Handwerk der Zwerge und das Feuer der Drachen hatten dafür gesorgt, dass nichts und niemand diese Mauer ohne eine Leiter erklimmen konnte.
"Es gibt tatsächlich etwas, das du und deine Mitschüler tun können," erklärte Anurin leise und nachdenklich. "Ich habe Nachricht erhalten, dass sich König Palancar seit neustem die DIenste eines Hofzauberers leistet. Ich will keine düsteren Gedanken schüren, aber ich wusste nicht, dass es Menschen gibt, deren magische Fähigkeiten auch nur im Ansatz dafür ausreichen sich Magier zu nennen - Hofmagier obendrein. Palancar war bisher ein eher zweifelhafter Verbündeter und die Einberufung von menschlichen Reitern hat zwar seinen Drang das eigene Volk voran zu bringen vorerst gestillt, doch er könnte uns noch immer als Bedrohung ansehen. Ihr könntet herausfinden, ob dieser neue Hofmagier - dieser Meister Pendragon - die Gedanken des Königs teilt oder sie eher unterdrückt. Sollte ich selbst dort aufschlagen könnte er das als Affont begreifen. Aber mit Emmyn und Phileas ist es kaum mehr eine Aufwartung der menschlichen Reiter."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Di Jun 19, 2018 9:17 pm
Der Hofzauberer des menschlichen Königs. Caladhiel wog die gesagten Worte und all die notwendigen Hinweise noch einmal miteinander ab und schluckte dann schließlich nur leise. Sie hatte nicht gewusst, dass die Menschen ohne ein direktes Bündnis mit den Drachen, wie es bei Phileas der Fall gewesen war, überhaupt zu magischen Fähigkeiten neigten, geschweige denn, dass diese überhaupt stark genug waren, um sich selbst einen Hofzauberer nennen zu können.
Was sie aber durchaus wusste war, wie es um den Geisteszustand des menschlichen Königs bestellt war, denn oft genug waren solche und ähnliche Berichte an Anurin herangetragen worden - sie hatte aufmerksam gelauscht, selbst wenn sie sich unaufmerksam gegeben hatte.
Langsam nickte sie und gab damit auch zeitgleich ihr Einverständnis zu diesem Vorhaben. Ceunon - die große Stadt der Menschen, die vor etwa 30 Jahren gegründet worden war und in der inzwischen bereits so unsäglich viele Menschen lebten, dass sie eigentlich gar nicht erst wissen wollte, wie laut und dreckig es dort sein mochte. Sie war nie dort gewesen, wusste nichts von den Menschen dort und wie sie auf drei Reiter mit ihren Drachen reagieren würden.
„Es wäre wohl sinnvoller, wenn Emmyn oder Phileas als menschliche Reiter sprechen“, gab sie leise zu bedenken und beobachtete das Mienenspiel des Meisters. „Ich bin mir nicht sicher, wie klug es wäre selbst das Wort zu ergreifen. Der König würde wohl in seiner jetzigen Situation alles als Angriff ansehen“, fuhr sie fort, mehr zu sich selbst als wirklich an Anurin gerichtet. Wenn Emmyn und Phileas mit dem König sprachen und ihm den Bauch pinselten, konnte sie sich vielleicht mit dem Hofzauberer austauschen.
„Sollen wir uns ankündigen?“

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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Di Jun 19, 2018 9:51 pm
"Wenn ihr euch ankündigt und er in einer guten Verfassung ist, wird er es als Beleidigung begreifen, dass er scheinbar kontrolliert wird. Womöglich wird er euch sogar verbieten zu kommen. Wenn er in schlechter Verfassung ist, könnte er sogar Ballisten aufstellen lassen. Kündigt ihr euch jedoch nicht an und er ist in einer schlechten Verfassung, wird er zumindest keine Möglichkeit mehr haben etwas gegen euch zu tun, ehe ihr in der Stadt seid. Und als Affront wird er es wohl so oder so auffassen, aber er kann euch nicht abweisen wenn ihr erst einmal da seid. Ich halte es daher für klüger einfach Nägel mit Köpfen zu machen und ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen. Er ist uns sowieso nicht gewogen, ganz gleich was wir tun. Wieso ihm dann übermäßigen Handlungsspielraum geben?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 7:12 pm
"Mhhhm - mir gefällt der Gedanke nicht." Mischte sich eine düstere Stimme ein, die lediglich in Caladhiels Gedanken zu hören war. "Es klingt so als wären wir der Amboss auf dem ein politisches Geflecht geschmiedet wird, von dem man sich noch nicht sicher ist, ob es überhaupt bestand hat. Man geht einfach davon aus das der Amboss hält und schlagt mal um mal, ohne Rücksicht auf Verluste." Der Drache blinzelte langsam und streckte den dunklen Kopf aus einer der zahllosen Höhlen unterhalb der großen Insel. Die See war heute enorm stürmisch, was man unter anderem daran erkannte, dass das salzige Wasser Anwars Nase erreichte, welche dadurch inzwischen eine leichte, gräuliche Färbung bekommen hatte.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 7:30 pm
Wenn sie ihn informierten, würde er mit Ballisten auf sie schießen lassen - das waren nur bedingt rosige Aussichten angesichts der Tatsache, dass der König ebenso gut würde die Stadt abriegeln lassen und sie ermorden können. 'Das ist ein sprichwörtlicher Tanz auf dem Vulkan, An ...', teilte sie dem Partner ihres Bundes mit und versuchte zu vergessen, dass Emmyn, Phileas und sie selbst nichts weiter als Schüler waren. Nicht endgültig ausgebildet und keinem von ihnen Dreien traute sie zu dieses politische Geplänkel unbeschadet zu überstehen. 'Wenn wir Glück haben, kommen wir aus alledem unbeschadet raus ... wenn nicht, will ich gar nicht wissen, was Anurin mit uns macht, falls die Menschen auf den Gedanken kommen, dass wir doch böse sind und sie jeden Drachen auf Sicht angreifen wollen, nur weil wir Mist gemacht haben ...'
"Was erwartet Ihr als Ergebnis außer der Feststellung, wie der Hofmagier uns gegenüber denkt - auch, wenn ich bezweifle, dass er so offen seine Meinung kund tun wird?", wandte sie sich schließlich wieder an den Meister und schloss für einen kurzen Moment die Augen, um ihr eigenes hämmerndes Herz zu beruhigen. Sie hatte ja unbedingt nach einem Auftrag fragen müssen, der ihm weiterhalf - versagen kam jetzt nicht mehr in Frage. 'Wir müssen das schaffen, Anwar ...'
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 7:40 pm
"Ich habe es mir abgewöhnt Erwartungen in solchen Momenten zu hegen Caladhiel," erwiderte Anurin sachlich und schüttelte den Kopf. "Es ist keine leichte Aufgabe und jeder Versuch von mir irgend ein Ergebnis zu forcieren würde dich und deine Mitschüler nicht nur unter enormen Druck setzen, sondern zwangsweise dazu führen, dass ihr dieses Ziel womöglich nicht erreicht. Schlimmer noch - es könnte viel mehr Schaden als Helfen und euch Blind für andere Dinge machen, die zugleich geschehen und Beachtung verdient hätten."
Der Drachenreiter deutete mit einer knappen Bewegung auf das Meer hinaus. "Versucht das Beste aus dem zu machen was euch in die Hand gegeben wird. Verzagt nicht und lernt alles zu eurem Vorteil zu nutzen. Ich sende euch nicht nur auf einen Auftrag. Dies ist auch eine wichtige Lektion, für die ich euch bereits bereit sehe."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 7:40 pm
"Wir müssen?" Hakte er beinahe schmunzelnd nach und schnaubte. "Nur weil wir etwas müssen, wird es uns glaube ich nicht eher gelingen. Wir werden sehen was der Moment uns bringt, denn im Augenblick habe ich kein gutes Gefühl bei diesem Auftrag." Es war üblich das Drachen sich, zumindest in gewissen Belangen von der menschlichen Natur ganz und gar unterschieden, was, trotz der geistigen Verbundenheit, natürlich rein logisch war. Doch fiel dies bei jedem Drachen ein wenig anders aus. Bei Anwar beispielsweise war es der Gedanke daran, dass es in manchen Belangen nur eine Entscheidung, nur einen Ausweg, nur eine Möglichkeit gab - das man etwas schaffen musste. Es lag in der Natur der Dinge manchmal zu obsiegen und manchmal zu scheitern, andernfalls gäbe es keine zwei Worte, sondern nur eines. Doch auch wenn er den Gedanken, dass sie diesen Auftrag erfolgreich ausführen - mussten - nicht teilte, so verstand er doch die Motivation. Er teilte sie sogar.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 7:51 pm
Die Stimmung, die ihr entgegen schlug, war gedrückt, beinahe sorgenvoll und Emmyn runzelte kurz die Stirn. Nicht, dass hier jeder Tag nur Friede, Freude und Eierkuchen gebracht hätte - bei Weitem nicht. Aber ihr Gespür für die Launen, die hier vorherrschten, trügte sie selten und wenn sie sich recht erinnerte, dann war diese geballte Ladung selten bis nie vorgekommen. Obwohl sie lieber kehrt gemacht hätte, um davon zu kommen und die Gänsehaut abzuschütteln, die ihre Arme überzogen hatte, setzte sie einen Fuß vor den anderen, direkt zu dem Zentrum dieser Sorgen, die sie in Anurins und Caladhiels Gesichtern erkennen konnte. Sie platzte nicht gerne mit Fragen heraus, also wartete sie ab und trat noch näher zu den beiden hin, die sie nicht zu bemerken schienen. Über ihre Schultern hinweg konnte sie jetzt Anwar sehen, der sich wie das berüchtigte Ungeheuer aus dem See aus den Höhlen geschoben hatte.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:00 pm
Caladhiel hatte auf etwas anderes gehofft - etwas Aufmunterndes oder eine feste Erwartung, an der sie sich entlang hangeln konnten, aber stattdessen die Worte zu hören, die ihr gerade um die Ohren flogen, ließen ihr Herz noch ein paar weitere Stockwerke weiter nach unten sinken. Er hatte nicht einmal Erwartungen ... "Dann gibt es wohl auch nichts, womit wir Euch enttäuschen könnten, Meister", versuchte sie sich stattdessen in einem simplen Galgenhumor und zuckte mit den Schultern, Emmyns Erscheinen mehr aus den Augenwinkeln heraus wahrnehmend. Sie würde nachher unbedingt mit den beiden sprechen müssen ... sie würden in ein paar Stunden aufbrechen müssen, wenn sie zur Mittagszeit des nächsten Tages in Ilirea sein wollten und sie die kleineren Drachen bedachte, mit denen die beiden anderen unterwegs waren.
'Müssen, An', teilte sie ihrem Drachen in den Gedanken noch einmal mit und lächelte sacht, weil er noch immer die Stimme der Vernunft gewesen war. 'Wir wollen schließlich auch mal voran kommen, oder? Wir können ja nicht auf ewig Schüler bleiben und außerdem würde ich zu gern Arvas sauertöpfisches Gesicht sehen, wenn wir endlich die Weihe bekommen.'
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:03 pm
"Ah," Anurin hob den Kopf, als die junge Menschenfrau sie erreichte und schenkte Emmyn ein knappes, aber ehrliches Lächeln. "Es freut mich dich zu sehen Emmyn. Ich habe gerade schon mit Caladhiel darüber geredet, dass ich der Auffassung bin, dass ihr bereit seid den nächsten Schritt in eurer Ausbildung zu gehen. Ich schicke Caladhiel, dich und Philas auf eine Mission - alleine diesmal. Ihr werdet in die Welt der Menschen reisen und die Reiter würdig vertreten. Alle Augen werden auf euch gerichtet sein und an eurem Verhalten wird man den Wert unseres Ordens bemessen."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:05 pm
"Und du glaubst weil wir etwas - müssen - und es nicht einfach tun, ist unser Vorhaben eher von Erfolg geprägt? Wer weiß, vielleicht liegt ja ein Zauber über diesem Wort, den ich bisher noch nicht kenne. Vielleicht sollten wir einmal die alten Schriften studieren und dort nach diesem Wort suchen. Das heilige - Müssen -. Ein Wort das Königreiche zu Fall bringen kann und Gebirge teilt, das Kontinente verschiebt und Meere trockenlegt. Als das nur weil es muss." Es dauerte einen Moment bis er, in einem deutlich seichteren Ton ansetzte. "Erfolgsdruck bringt uns beide nur in Probleme. Lass uns lieber überlegen was wir tun, wenn alles zum schlimmsten kommt und man uns angreift. Es sei denn", er schmunzelte und die riesigen Lefzen verschoben sich leicht. "Sie - müssen - friedlich bleiben."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:07 pm
Die Worte straften seinen Ausdruck Lügen, aber mehr als ein kurzes Hochziehen der Augenbrauen erlaubte sich Emmyn nicht, als sie den Kopf neigte und ein einmaliges Nicken folgen ließ. Das war nicht, was sie erwartet hatte und sicherlich gab es Gründe dafür, die ihr noch nicht mitgeteilt wurden. Das hier waren Aufgaben, die die Reiter in der Ausbildung nichts angingen, es sei denn, es war ein absoluter Notstand.
Dass sie diesen wohl hatten, bestätigte ihr ein Blick in Caladhiels Gesicht, die wirkte, als würde sie sich bald übergeben und ihre sonst so weichen, jungen Züge, die ihr Alter Lügen straften.
"Natürlich, Meister. Wann werden wir aufbrechen?"
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:09 pm
'Du hast ein paar große, scharfe Zähnchen, mein Großer. Ich bin mir sicher, wenn du ein bisschen fies grinst, wenn uns jemand ans Leder will, wird er erkennen, dass er friedlich bleiben muss, wenn er nicht als Zwischenmahlzeit dienen will', teilte Caladhiel ihm mit und verbiss sich das amüsierte Lächeln bei der Vorstellung, wie es wirken würde, wenn ihr großer Drache vor einem der Soldaten stehen und nur einmal ganz kurz grollen würde.
'Aber ich freue mich darauf wieder länger mit dir fliegen zu können. Selbst, wenn es nur bis Ilirea und wieder zurück sein wird.'
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:09 pm
"Es ist eure Mission und es ist euch überlassen eben diese Mission zu planen und euren Aufbruch zu bestimmen," erwiderte Anurin leichthin, während er sich den Umhang über die Schulter zurück schob, welcher sich keck hervor getraut hatte um mit dem Wind fangen zu spielen. "Wenngleich ich euch natürlich empfehlen würde so bald wie möglich aufzubrechen und genügend Proviant mitzunehmen. Vielleicht auch etwas Tand für alle Fälle."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:11 pm
"Dann ..." sie sah kurz prüfend zu Caladhiel hin und schob all die Gedanken zurück in ihren Kopf, die zu kreisen begonnen hatten. "Werde ich mich um die Vorbereitungen kümmern."
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:14 pm
"Emmyn", wandte sich Caladhiel noch einmal an die Freundin und hielt sie auf, bevor sie endgültig abdrehen und fortgehen konnte. "Ich wollte in etwa zwei Stunden los. Wenn du den Proviant organisierst, könnten wir Phileas irgendein Geschenk raussuchen lassen, das uns nicht als arm und unwissend darstellt. Ich sehe zu, dass unsere Drachen bis dahin fertig sind und genug gegessen haben", setzte sie nach und nickte der anderen dankbar dafür zu, dass sie schneller geschaltet hatte. Unterwegs ... sie würden unterwegs die genaueren Gegebenheiten besprechen - dann, wenn sie vorher noch einmal mit Oromis darüber gesprochen hatte, was es über den König der Menschen zu wissen und zu beachten galt.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

am Do Jun 21, 2018 8:16 pm
"Betrachte es als erledigt." Emmyn machte sich nicht die Mühe, noch groß darum herum zu reden, sondern wandte sich ab und verschwand die Treppen weitaus schneller, als sie sie herauf gekommen war, froh darum, der gedrückten Stimmung noch einen Moment zu entfliehen. Was auch immer geschehen war, dass die Handlung so rasch erforderte, sie würde es herausfinden.
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Re: Kapitel 1 - Etwas endet, etwas beginnt

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